Jena

[223] Jena, Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar, Verwaltungsbezirk II (Apolda), liegt, rings von hohen Kalkbergen umgeben, am linken Ufer der Saale und mit zwei Bahnhöfen und der Haltestelle Paradies im Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Großheringen-Saalfeld und Weimar-Gera, 165 m ü. M. Außer der spätgotischen Haupt- oder Michaelskirche (aus dem 15. Jahrh.) mit 74 m hohem Turm, der Kollegienkirche mit hochgewölbtem Schiff und dem Bibliotheksgebäude sind hervorzuheben: das Schloß, das von 1672–90 die Residenz der Herzoge von Sachsen-J. war, 1905 aber niedergelegt wird, um einem neuen Universitätsgebäude Platz zu machen, der Gasthof zum Schwarzen Bären, wo Luther auf seiner Flucht von der Wartburg übernachtete, das Kollegiengebäude, das Oberlandesgerichtsgebäude, die Irrenheilanstalt, die neuen naturwissenschaftlichen Universitätsinstitute, das Volkshaus (Ernst Abbe-Haus) mit reich ausgestatteter Volksbibliothek und öffentlicher Lesehalle der Zeiß-Stiftung (s. d.):c. Der Marktplatz ist seit 15. Aug. 1858 mit dem Standbild des Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen, des Gründers der Universität (von Drake), und dem 1894 enthüllten Bismarckbrunnen geziert. Am Fürstengraben befinden sich die Denkmäler des Physikers Schäffer, des Chemikers Döbereiner, des Pädagogen Stoy, des Philosophen Fries, des Kirchenhistorikers K. v. Hase, des Naturforschers Oken, des Dichters Fritz Reuter und des Nationalökonomen Schulze, im botanischen Garten das Denkmal des Botanikers Schleiden, auf dem Eichplatze das Burschenschaftsdenkmal (von Donndorf).

Wappen von Jena.
Wappen von Jena.

Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1900) mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 94) auf 20,686 Seelen, davon 728 Katholiken und 61 Juden. J. besitzt eine weltbekannte optische Werkstätte (Karl Zeiß, s. d.), ein berühmtes glastechnisches Laboratorium (namentlich für optische Gläser), hat Fabrikation von Vaselin, Pianofortes, Seife, Blechemballagen und geräucherten Fleischwaren, eine Dampfziegelei etc. Nennenswert ist auch der lebhafte Buchhandel. Dem geschäftlichen Verkehr in der Stadt dient eine Reichsbanknebenstelle. Das Hauptinteresse für J. liegt in der 1558 gegründeten Universität. Dieselbe zählte im Sommersemester 1904: 112 Dozenten und 1094 Studierende. Mit der Universität sind zahlreiche wissenschaftliche Anstalten verbunden, darunter eine Bibliothek mit 200,000 Bänden, eine Sternwarte, ein meteorologisches Institut, ein botanischer Garten etc. Von andern Bildungsanstalten sind zu nennen: ein Gymnasium, zwei Realschulen mit Alumnaten (Pfeiffersche und Stoysche Erziehungsanstalt) und eine Gewerbeschule. Von Behörden haben in J. ihren Sitz: ein Oberlandesgericht für die thüringischen Staaten mit Ausnahme von Schwarzburg-Sondershausen und ein Amtsgericht. In der Umgegend sind der Hausberg (s. d.) mit dem Fuchsturm, die Dörfer Ziegenhain und Lichtenhain (s. d.), die Lobdaburg, das Forsthaus mit dem Kriegerdenkmal (nicht weit davon die Denkmäler des Agrikulturbotanikers Lengethal und des Juristen Guyot), der Landgrafenberg, der Windknollen (Napoleonstein) und die Kunitzburg vielbesuchte Punkte. – J. wird als Stadt erst im 13. Jahrh. genannt. Es gehörte damals den Herren v. Lobdaburg und Arnshaugk. Von diesen kam es zu Anfang des 14. Jahrh. an die Markgrafen von Meißen, fiel in der Teilung von 1411 an Wilhelm den Reichen und 1423 durch Tausch an dessen Bruder, den Kurfürsten Friedrich den Streitbaren von Sachsen. Es ist seit der Teilung von 1485 im Besitz der Ernestinischen Linie. Die Universität (s. oben) war 1578–79 wegen einer Seuche nach Saalfeld verlegt. Als die Söhne des Herzogs Wilhelm von Weimar (gest. 1662) dessen Lande teilten, ward der jüngste, Bernhard, mit J. abgefunden, und die Stadt wurde 1672 Residenz eines selbständigen Herzogtums, das 1690 erst an Eisenach und 1741 zugleich mit diesem an das weimarische Stammhaus zurückfiel. Vgl. Ritter, Führer durch J. und Um[223] gebung (4. Aufl., Jena 1901); Leonhardt, Führer (2. Aufl. 1902); »J. als Universität und Stadt« (2. Aufl. 1902); »J. in Wort und Bild« (5. Aufl. 1904); Schreiber u. Färber, J. von seinem Ursprung bis zur neuesten Zeit (2. Aufl., das. 1858); »Urkundenbuch der Stadt J. und ihrer geistlichen Anstalten« (Bd. 1, hrsg. von Martin, das. 1888 ff.; Bd. 2 von Devrient, 1903); Eichstädt, Annales Academiae Jenensis (Bd. 1, das. 1823); Biedermann, Die Universität J. (das. 1858); Rob. u. Rich. Keil, Geschichte des jenaischen Studentenlebens (Leipz. 1858); Schwarz, Das erste Jahrzehnt der Universität J. (Jena 1858).

[Schlacht bei Jena.] Besonders ist J. geschichtlich denkwürdig durch die mit der von Auerstedt (s. d.) gleichzeitige unglückliche Schlacht 14. Okt. 1806 der Preußen gegen die Franzosen. Das Korps Hohenlohe, das bei Beginn des Krieges von 1806 an der mittlern Saale stand, konzentrierte sich nach dem unglücklichen Gefecht bei Saalfeld (10. Okt.) auf den Höhen zwischen Weimar und J., um der Hauptarmee bei ihrem Linksabmarsch nach der Unstrut die Flanke zu decken und ihr dann zu folgen.

Karte zur Schlacht bei Jena (14 Oktober 1806).
Karte zur Schlacht bei Jena (14 Oktober 1806).

Es waren 43,000 Mann Preußen und Sachsen. Hohenlohe ließ es indessen ruhig geschehen, daß die Franzosen unter Lannes nicht nur 13. Okt. J. besetzten, sondern sich auch des Höhenrandes, des Landgrafenbergs und des sogen. Windknollens, der die preußische Ausstellung beherrschte, bemächtigten, weil er, von Massenbach verleitet, glaubte, aus Rücksicht auf den Befehl des Hauptquartiers eine Schlacht vermeiden zu müssen. Einer solchen gar nicht gewärtig, begab er sich ruhig zur Nachtruhe nach Kapellendorf zurück, während Napoleon, der am Nachmittag in J. eintraf, noch in der Nacht die Geschütze des Lannesschen Korps und der Garden auf die Höhe schaffen ließ und am Morgen des 14. seine Disposition zur Schlacht traf: Lannes im Zentrum sollte den Kampf beginnen, Ney ihm eiligst nachrücken, Augereau mit dem linken Flügel durch das Mühltal, Soult mit dem rechten durch das Rauhtal in die Flanken des Feindes fallen; es waren im ganzen 125,000 Mann. Um 6 Uhr morgens wurden die Dörfer Klosewitz und Lützeroda, die Tauenzien mit 8000 Mann besetzt hielt, von den Franzosen angegriffen und nach zweistündigem Widerstand genommen; Tauenzien zog sich mit Verlust, aber in guter Ordnung auf das Gros nach Vierzehnheiligen und Krippendorf zurück. Das Korps des Generals Holtzendorf (6000 Mann) wurde von Soult seitwärts nach Apolda gedrängt. Hohenlohe hatte inzwischen seine Truppen aufgestellt, die Preußen unter Grawert bei Vierzehnheiligen, die Sachsen bei Isserstädt, und Rüchel, der mit 15,000 Mann bei Weimar stand, zu Hilfe gerufen. Noch am Mittag griff Ney Vierzehnheiligen an und nahm es im ersten Anlauf. Zwar hatte er anfangs Mühe, es gegen die tapfer kämpfende preußische Infanterie zu behaupten; indes erhielt er von allen Seiten Verstärkungen, und Augereau und Soult umklammerten bereits die Flanken des Feindes, so daß trotz heldenmütigen Widerstandes nach Vernichtung der berittenen Artillerie die vom mörderischen Feuer gelichteten Regimenter Hohenlohes wichen; von der französischen Reiterei bedrängt, artete ihr Rückzug bald in wilde Flucht aus. Rüchel, der um 2 Uhr bei Kapellendorf anlangte und vergeblich durch einen mutigen Angriff die Franzosen aufzuhalten suchte, wurde in die allgemeine Flucht mit fortgerissen. Die Trümmer des preußisch-sächsischen Heeres retteten sich teils nach Erfurt, teils nach Kölleda und Buttelstädt und vermischten sich mit denen der bei Auerstedt geschlagenen Hauptarmee. Vgl. Müffling, Darstellung der Schlacht bei J. und des Treffens bei Auerstädt (Weimar 1807); Klopfleisch, Die Schlacht bei J. (Jena 1862); v. d. Goltz, Roßbach und J., kriegsgeschichtliche Studie (Berl. 1883); v. Lettow-Vorbeck, Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 1: H. und Auerstädt (2. Aufl., Berl. 1899); v. Treuenfeld, [224] Auerstedt und J. (Hannov. 1893); Leydolph, Die Schlacht bei J. (2. Aufl., Jena 1901); Foucart, Campagne de Prusse, 1806, Bd. 1: Iéna (Par. 1887).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 223-225.
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