Maréngo

[276] Maréngo, Dorf in der ital. Provinz Alessandria, gegenwärtig zum Gemeindegebiet von Alessandria gehörig, 5 km südöstlich von der Stadt, nahe dem rechten Ufer der Bormida, an der Straße nach Novi gelegen, bekannt durch den am 14. Juni 1800 hier erfochtenen Sieg der Franzosen unter Bonaparte über die Österreicher unter Melas.

Karte zur Schlacht bei Marengo (14. Juni 1800).
Karte zur Schlacht bei Marengo (14. Juni 1800).

Während Moreau in Süddeutschland kämpfte, überschritt Bonaparte Mitte Mai 1800 den Großen St. Bernhard. Melas, der diesen Übergang nicht hatte verhindern können, blieb, um die Belagerung Genuas zu decken, am obern Po, während die Franzosen den Tessin überschritten und sich auch der Po-Linie bemächtigten. Nach dem von Lannes abgewiesenen Angriff der Österreicher auf Casteggio (9. Juni) nahm Bonaparte bei Stradella[276] eine feste Stellung, rückte 13. Juni, in der Meinung, Melas werde sich nach dem inzwischen eroberten Genua zurückziehen, in die Ebene des Tanaro bei Alessandria vor und entsendete die Division Desaix, um die Straße nach Novi zu rekognoszieren, während zwei Divisionen unter Victor das Dorf M. besetzten, eine unter Lannes zwischen M. und Castel Ceriolo stehen blieb, er selbst aber mit einer Division nach Torre di Garofalo zurückging. Melas, der in Alessandria stand, hatte sich inzwischen entschlossen, nach Piacenza durchzubrechen, und begann am Morgen des 14. Juni den Übergang über die Bormida. Um 9 Uhr griffen die Österreicher die Franzosen, die auf eine Schlacht nicht vorbereitet waren, in M. an. Diese schlugen, geschützt durch einen tiefen sumpfigen Graben (Fontanone), zweimal die Angriffe der Österreicher zurück; aber um Mittag gelang es diesen, M. zu erstürmen und die Franzosen zum Rückzug zu zwingen. Jetzt erst erschien Bonaparte mit der Division Monnier und der Konsulargarde und versuchte die Schlacht zum Stehen zu bringen. Aber die Tapferkeit der Garde war fruchtlos, das Zentrum der Franzosen war vollständig durchbrochen, und die Truppen Bonapartes wurden in den Rückzug mit fortgerissen. Der greise Melas hielt den Sieg für entschieden, und, erschöpft durch eine leichte Wunde, begab er sich nach Alessandria zurück, während er seinem Generalstabschef v. Zach die Verfolgung überließ. In diesem Augenblick (3 Uhr nachmittags) erschien der zurückberufene Desaix auf dem Schlachtfeld. Sofort warf er sich mit 5000 Mann den Feinden entgegen, während Marmont das Geschütz sammelte und auf die vorderste Kolonne der Österreicher richtete, die Zach selbst befehligte. Einen Augenblick hemmte Desaix deren Vormarsch; aber bald fiel er, durch eine Kugel tödlich getroffen. Da griff Kellermann mit drei Dragonerschwadronen die feindliche Flanke an und durchbrach sie, so daß Zach, mit 2000 Mann abgeschnitten, sich kriegsgefangen ergeben mußte. Nun trat ein völliger Umschlag ein. Während die Franzosen wieder zum Angriff vorgingen, wichen die Österreicher erschreckt zurück; die Reiterei ergriff die Flucht und riß das Fußvolk mit fort, so daß zuletzt eine unfaßliche Panik ausbrach und alles in wirrem Knäuel sich über die Bormida zu retten suchte. Fast die ganze Artillerie blieb in den Händen der Franzosen. Außerdem verloren die Österreicher 6400 Mann Tote und Verwundete und 3000 Gefangene, die Franzosen 7000 Mann im ganzen. Ihr unverdienter und unerwarteter Sieg war entscheidend: schon 15. Juni schloß der österreichische Oberbefehlshaber mit Bonaparte einen Vertrag, worin er sich verpflichtete, Genua, Piemont und die Lombardei zu räumen und sich hinter den Mincio zurückzuziehen. So rettete Desaix' und Kellermanns Tapferkeit Bonaparte vor dem Untergang. Im Gefühl der Beschämung über seinen geringen Anteil am Erfolg haben Bonaparte selbst und seine Anhänger die Vorgänge der Schlacht möglichst zu verwirren gesucht, und da Bonaparte sich nicht selb st das ausschließliche Verdienst beimessen konnte, so ließ er bloß dem toten Desaix einen Teil des Ruhms zukommen. Erst in neuerer Zeit ist der wirkliche Sachverhalt aufgeklärt worden. Vgl. Duc de Valmy, Histoire de la campagne de 1800 (Par. 1854); Sargent, Campaign of M. (Lond. 1897); Hüffer, Die Schlacht von M. (Leipz. 1900); Alfr. Herrmann, Marengo (Münster i. W. 1903); de Cugnac, La campagne de M. (Par. 1904).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 276-277.
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