Deutschland [3]

[8] Deutschland, I. (Weltlage). D. liegt in der Mitte Europas, ist das Herz, der Mittelpunkt des ganzen Erdtheils, in unmittelbarer Berührung u. Verbindung mit den bedeutendsten Ländern desselben: es grenzt im N. an Dänemark u. Skandinavien, die ganz mit deutschem Wesen durchdrungen sind, oft aber dasselbe bekämpfen; im S. an Italien, dessen Geschichte innig mit D-s Geschichte verbunden ist; im W. an Frankreich, seinen Nebenbuhler in der Herrschaft über den Continent; im O. an Polen, welches ihm zum großen Theil seine Cultur verdankt; im SO. an die Türkei, lange Zeit D-s Schrecken; im NW. sind England, welches von D. bevölkert ist, im SW. Spanien, das ihm einen der wichtigsten Kaiser (Karl V.) gegeben hat, seine natürlichen Verbündeten gegen Frankreich. Macht man für Europa als Charakter die Mäßigung, Vermittlung u. Vielseitigkeit geltend, so erscheint D. in allen Verhältnissen als der eigentliche Repräsentant Europas. Zwischen den hohen Alpengipfeln des Südens u. der flachen Küste der nördlichen Meere, zwischen dem weiten, ebenen u. einförmigen Osten u. dem vielgliederigen, zertheilten u. an Gebirgen reicheren Westen von Europa liegt D. mit einer segensreichen Verbindung von Gebirgs- u. Flachland; im Süden das Alpenland mit Hochebenen, Stufen- u. Bergländern, im Norden u. Nordosten Niederungen u. weit ausgedehnte Ebenen, eine Gliederung, stark genug gegen den Despotismus, zu schwach für Anarchie. Im Ganzen ein Binnenland, entbehrt es auch nicht ein weites, vielbuchtiges Küstengebiet; doch greift das Meer zu wenig in sein Inneres ein, um Leben u. Verkehr zu wecken u. zu fördern, sondern schmiegt sich mehr in flachen Busen an, nur bestimmt, sein Flußsystem aufzunehmen, das ebenfalls dem Charakter der Vermittelung entspricht. Zahlreiche Gewässer fließen zum Meere, weit ins Land hinein schiffbar, nach allen Seiten hin abfließend, doch nicht verworren, sondern schön geordnet, so daß die nordischen Flüsse mit ihrem obern Laufe gegen die große Wasserstraße nach Osten gerichtet sind, den Norden u. Westen mit dem Osten verbindend. In der Mitte der gemäßigten Zone gelegen, zwischen der Hitze des Südens u. der Kälte des Nordens, zwischen dem feuchten oceanischen Klima des Westens u. dem trockenen continentalen des Ostens, hat es im Ganzen ein gemäßigtes Klima, u. ist dies auch durch die Öffnung nach Norden u. die Schneegipfel im Süden kälter, als die geographische Breite erwarten ließe, so bietet es doch schöne u. beständige Jahreszeiten in regelmäßigem Wechsel dar, in sich selbst wieder mit nicht unbedeutender Abänderung, wenn auch durch die größere Erhebung Süd-D-s ein noch größerer Unterschied verhindert u. die Einheit des Klima im Großen hergestellt wird. Im S. düster, regnerisch; im N., namentlich im NW., mehr oceanisch, unbeständig, feucht; in der Mitte trocken u. lieblich, u. zwar im O. mit hervortretendem continentalen Charakter, im W. unter oceanischem Einflusse eine der glücklichsten Landschaften Europas bildend. Denselben Charakter des Übergangs bietet D. dar in seiner Pflanzen- u. Thierwelt. In D. berühren sich die oft- u. westeuropäische, die nord- u. südeuropäische Flora u. Fauna; daher Reichthum an Pflanzen u. Thieren, aber Mangel an eigenthümlichen Gattungen. Ganz so verhält es sich mit der Bevölkerung: im O. u. W. vermittelnde Völker, zweisprachige Mischvölker. Zwischen den slawischen u. romanischen Völkern in der Mitte vermittelt das deutsche Volk deren Anschauungsweise, Sitten, Cultur u. staatliche Verhältnisse; zwischen dem unbeweglichen, zu geduldigem Dienst geneigten Osten u. dem leichtbeweglichen, leidenschaftlichen, nach wechselnden Gebilden in Staat u. Wissenschaft haschenden Westen hält es eine heilsame Mitte. Ein ähnliches Verhältniß findet zwischen dem S. u. N. statt. Beide sind zwar rein germanisch; allein jener dem romanischen Süden zugewendet, ist culturempfangend; der N. dagegen einer germanischen, zum Theil von hier aus germanisirten Welt zugewandt, ist culturmittheilend. Im Süden ist der Deutsche, dem Leiblichen nach, dem Romanen ähnlich, klein u. dunkler, im Norden rein germanisch, schlank, blond, weiß. Und auch im Geistigen steht zwischen der südlichen Erregbarkeit, Lebhaftigkeit u. Sinnlichkeit u. dem nordischen Ernste u. Schwermuthe in der Mitte der Deutsche mit Sinnigkeit, klarer Vernunft, frommem Gefühle, Tiefe u. Fülle des Gemüthes, begleitet von einer Stärke der Empfindungen, die ihn sich nicht abschließen läßt von der Heiterkeit des Lebens. Im S. katholisch, im N. protestantisch, vermittelt das deutsche Volk auch in der Religion, ebenso fern von dem religiösen Rigorismus der Skandinavier, wie von der Leichtigkeit des S. u. W. In T. sind Religion u. Philosophie innig verbunden, u. das deutsche Volk kann vorzugsweise das christliche genannt werden. So bildet D. den Übergang aller europäischen Verhältnisse, sowohl der horizontalen u. vertikalen Gliederung, als auch des Klimas, der Producte, der Volksstämme u. der Cultur. Dieser Stellung entspricht die Geschichte. Die wichtigsten äußeren u. inneren Veränderungen, welche den ganzen Erdtheil betrafen, gingen von D. aus. D. hat beim Untergange der klassischen Welt die gealterten Völker des römischen Reichs wieder aufgefrischt u. die Cultur des Alterthums für spätere Zeiten u. Völker gerettet; in D. ist im Mittelalter der große Kampf zwischen Staat u. Kirche geführt worden; aus ihm ist Luther hervorgegangen zur Rettung der evangelischen Wahrheit u. Gewissensfreiheit; in D. sind die großartigen, tief ins Volksleben eingreifenden Entdeckungen u. Erfindungen gemacht worden, welche die Cultur so sehr gefördert, die leibliche u. geistige Herrschaft Europas über die anderen Welttheile begründet haben. Das deutsche Volk steht heutigen Tages an der Spitze aller Nationen in Religion, Wissenschaft u. Kunst. D. ist[8] der Wirbelpunkt aller Hauptinteressen, von ihm hängt die Ruhe u. das Gleichgewicht des Welttheils ab, es dient allen übrigen Staaten Europas zum Schluß- u. Bindeglied. Mit einem Worte: es ist der geschichtliche Mittelpunkt der christlichen Welt. Steht so D. in der Mitte, Europa anregend u. belebend, das Herz im höheren Sinne, so muß es nothwendig auch wieder mehr, als irgend ein anderes Land den Einfluß der übrigen europäischen Länder auf sich erfahren. Daraus erklärt sich, daß das deutsche Volk ohne Vorurtheil das Ausländische prüft, das Beste aller Völker sich aneignet u. so das Alles umfassende, das philosophische Volk Europas wird, daß es aber auch ohne Noth Fremdes nachäfft, fremde Sitten u. Wörter aufnimmt. Daraus erklärt sich aber auch die politische Ohnmacht D-s dem Auslande gegenüber. Die verschiedenartigsten Interessen durchkreuzen sich hier, u. stets gelang es dem Feinde, eine Partei im Lande zu haben. Daraus erklärt sich endlich, daß D. mit seinen weiten Ebenen das natürliche Schlachtfeld aller europäischen Kämpfe ist, sie mögen entstehen, wo sie wollen.

Zwischen Ländern, die mit Amerika, u. zwischen solchen, die mit Asien in Verbindung stehen, ist D., an 3 Meeren gelegen u. mit einem sehr günstigen Flußsysteme versehen, der natürliche Kreuzungspunkt aller europäischen Hauptverkehrslinien, u. es wird es immer noch mehr werden, daher Welthandel jetzt deutlich im Begriffe steht, die früheren, aber später zum Theil aufgegebenen Richtungen wieder zu gewinnen, wenn es durch Zolleinigung u. Verkehrserleichterung auf den Strömen sich die Straße nach Osten sichert, wenn es die einem Binnenlande, das nicht berufen ist, Colonien zu haben, entsprechenden freihändlerischen Grundsätze annimmt, die allein den Seestaaten den Welthandel entreißen können. Der militärischen Stellung nach ist D. eine Continentalmacht. Das Verlangen nach einer deutschen Flotte ist begründet, wenn dieselbe nur zum Schutze der Küste u. des Handels, also auch der Industrie, dienen, D. vor den ungerechten u. lästigen Plackereien anmaßender Nachbarn sichern soll; es ist unbegründet, wenn sie berufen sein soll, D. zu einer Seemacht zu erheben, denn das letztere liegt nicht in seinem Charakter. Von den 3 Meeren sind 2 (die Ostsee u. das Adriatische Meer) zu sehr geschlossen, zu sehr in den Händen begünstigterer Nachbarn, als daß D. an die Herrschaft auf denselben denken könnte, u. außerdem ist das eine von ihnen (die Ostsee) nicht mehr, wie früher, der Sitz aller nordeuropäischen Culturvölker. Die Küsten des dritten Meeres (der Nordsee) aber, das wenigstens ziemlich offen ist, sind flach u. von Sand- u. Schlammbänken umlagert. D. hat nur eine Küstenlänge von 290 Meilen (180 an der Ostsee, 60 an der Nordsee, 50 am Adriatischen Meere), also 1 Ml. Küstenlänge auf etwa 45 QM. Flächeninhalt, während dieselbe Küstenlänge bei Frankreich auf 31, bei Großbritannien schon auf 61/2, bei Irland gar auf 5 QM. kommt. Es fehlen D. weite Busen, Inseln (u. die wichtigste, nämlich Helgoland, ist in fremden Händen), jede Gliederung durch große, weit hinausgreifende Halbinseln, mit einziger Ausnahme der schleswig-holsteinischen, die sogar zur Entwickelung des Handels unentbehrlich, jetzt aber sehr in Frage gestellt ist. D. ist glücklich geschlossen im S. u. N.: im S. durch die Alpen, die eine um so leichtere Vertheidigung zulassen, als der Südabfall derselben politisch noch zu D. gehört, u. auch die niedrigen Abfälle gegen das Adriatische Meer gestatten noch eine starke Vertheidigung. Den Norden schützen Nord- u. Ostsee u. die Enge der schleswig-jütländischen Halbinsel, ein Schutz, der im ersten Meere durch die Watten verstärkt wird, im zweiten aber zur Vollständigkeit eine Flotte verlangt. Weniger geschützt sind der Westen u. Osten. Im W. verlor D. mit der Schweiz, dem Elsaß u. den Niederlanden seine Naturgrenzen. Durch die Niederlande verlor es mitten im Flachlande durch die Flüsse, Sümpfe, Kanäle etc. eine der festesten Stellungen, u. die erste Schutzwehr gegen Angriffe von NW. ist erst der Rhein mit den Festungen Wesel u. Köln, in Verbindung mit dem rückwärts gelegenen. Minden. Der Südwesten ist durch den tiefen Einschnitt der Schweiz bedroht, wenn diese ihren neutralen Boden den feindlichen Heeren öffnet, zumal da die Lücke zwischen Schwarzwald u. Bodensee nicht gesperrt ist, u. Ulm das Donauthal nur unvollständig deckt. Durch den Verlust des Elsasses ist der Mittelrhein sehr bedroht, u. dies ist die schwächste Seere der deutschen Westgrenze. Frankreich dringt tief, fast rechtwinklig in das deutsche Land ein u. ist dem deutschen Centrum näher gerückt; hier hat Frankreich, mehr zum Angriffe als zum Schutze zahlreiche, sehr starke Festungen; die Gebirge, von deutscher Seite schwer zu ersteigen, sind von französischer ebenso leicht zu vertheidigen, wie auch leicht zu überschreiten. Die Thäler des Main u. der Kinzig bilden die natürlichen Wege für feindliche Invasionen, jenes ins Centrum nach Thüringen u. Sachsen, dieses durch die Gebirgslücke des Schwarzwaldes nach Schwaben u. Franken. Daher hier die Nothwendigkeit starker künstlicher Befestigungen, u. so bildet denn Mainz als Mittelpunkt mit dem Halbkreise der Festungen Koblenz, Luxemburg, Saarlouis, Landau, Germersheim ein Bollwerk, welches den Weg zum Herzen D-s genügend deckt, den am Oberrhein einbrechenden Feind aber stark bedroht, während Rastadt u. Ulm seinem Weiterdringen sich widersetzen. Der Südosten ist gut geschützt theils durch die Ausläufer der Alpen u. die vielen daselbst rinnenden Flüsse, theils durch die coupirte Landesnatur von Mähren u. Österreichisch Schlesien, verstärkt durch Olmütz, theils u. zwar am meisten durch die natürliche Burg Böhmens. Die schwächste Seite ist der Nordosten, die Linie von den Quellen der Weichsel u. Oder bis zum Meere. Im ungeschützten Flachlande grenzt D. etwa 180 Meilen weit an Rußland, u. der Wiener Congreß gab die stärkste Position in Osteuropa, das von Weichsel, Bug u. Narew gebildete Dreieck, an Rußland, ja rückte seine Grenze bis an die Linie der Prosna u. Warthe, wodurch D. in seiner Sicherheit u. Selbständigkeit bedroht wird. Gegen diesen russischen Einschnitt in die deutsche Grenze erscheint die Festung Posen nur als ein unzureichender Schutz, ebenso wie im N. Königsberg. Erst die Weichsel- u. Oderlinien bilden gute Vertheidigungsbasen; doch auch sie können D., da sich in Polen die feindlichen Kräfte unter den vortheilhaftesten Verhältnissen sammeln können, vor der Gefahr im O. nicht so sichern, wie die Rheinlinie gegen W. Ist daher auch D. nicht so vollständig geschlossen, daß es nicht fortwährend der Kraft u. des Muthes seiner Bewohner bedürfte, so bietet es doch eine Menge trefflicher natürlicher Vertheidigungsmittel dar; das einige D. ist stark genug, jeglichen Feind[9] von, seien Grenzen fern zu halten u. die Neutralität zu behaupten. Das ist der Vortheil seiner Lage.

D. zerfällt seiner natürlichen Beschaffenheit nach in 2 Theile: im N. Tiefebene, im S. Gebirgs- u. Hochland, von denen das letztere sich wieder in das süddeutsche Alpenland u. das mitteldeutsche Gebirgsland mit der dazwischen liegenden Ebene sondert. Durch die Scheitelgebirge u. die Thalsenkungen stellt sich eine vielfache Gliederung in eine ziemlich große Zahl natürlicher Gebiete heraus. Diese Provinzen sind alle stark von einander gesondert, von verschiedener Eigenthümlichkeit, nirgends durch ein vermitteln des Element, etwa das Meer, verbunden. Die centrale Provinz ist die schwächste, u. sie hat wieder den Charakter des deutschen Landes am meisten ausgeprägt, indem sie bes. durch die Natur u. die geschichtliche Entwickelung in die kleinsten Theile getheilt ist. Daher war die politische Macht stets bei den peripherischen Gliedern, diese lieferten die Kaiser (Sachsen, Franken, Hohenstaufen, Luxemburger etc.). Das Centrum war zu allen Zeiten politisch schwach, dagegen für Wissenschaft u. Kunst thätig u. so die Glieder belebend. Diese Zertheilung D-s durch vielfache Gebirgszüge, der Mangel der Ebenen im Innern, die Ohnmacht des Centrums hat seinen Ausdruck gefunden in der geschichtlichen Entwickelung. D. ist nie zu einer starken Einheit gekommen, es ist auch keine Hoffnung auf die Einheit in dem Sinne der Unitarier, welche D. centralisiren wollen. Zwischen der übermäßigen Centralisation Frankreichs u. der äußersten Decentralis ation Großbritanniens, welches eine Staatseinheit nur nach Außen kennt, muß D. einen vermittelnden, seiner Natur entsprechenden Weg suchen: Einheit in der Spitze des Reichs, darin selbst aber Freiheit der Bewegung für die einzelnen Volksstämme u. Landschaften. Die Zerstückelung in einzelne Theile hat der politischen Macht geschadet, aber günstig gewirkt auf die Cultur, u. ist selbst wieder ein Zeichen, daß die Masse des Volkes von derselben durchdrungen ist. Ist auch D. nicht durch Gleichartigkeit des Bodens, Einheit der Gebirge verbunden; seine allgemeinen Naturverhältnisse, seine Stellung zu den übrigen Ländern, sein Stromsystem, die Einheit des Hauptvolkes u. die Hauptsprache verketten D. zu einem einzigen Ganzen, u. selbst die glückliche Vertheilung der Industrie u. des Handels bewahrt es vor der Gefahr der Zerreißung durch einen Friedensschluß. Das Fortschreiten der technischen Cultur u. der erleichterte Verkehr bringt die verschiedenen Stämme einander näher, vertilgt die Vorurtheile, verschmilzt die widerstreitenden Interessen, belebt das Nationalgefühl, drängt zur Einheit, u. so bleibt dem deutschen Volke der erhebende Glaube an eine große u. herrliche Zukunft, würdig der in ihm schlummernden Keime.

II. (Neue Geogr. u. Statistik). D. ist ein Verein souveräner Staaten in der Mitte Europas, erstreckt sich in einer Länge von 159 Ml. vom 54°50' u. Br. (Ausfluß des Zarnowitzer Sees an der Grenze von Pommern u. Westpreußen) bis zum 44°45' u. Br. (Punta di Promontore, Südspitze der Halbinsel Istrien) u. in einer Breite von 136 Meilen vom 23°15' östl. L. von Ferro (äußerster westlicher Punkt des Herzogthums Limburg) bis zum 36°55' östl. L. (äußerster östlicher Punkt der preußischen Provinz Schlesien); grenzt im N. an die Nordsee, das dänische Herzogthum Schleswig (durch die Eider getrennt) u. die Ostsee; im O. an die preußischen Provinzen Westpreußen u. Posen, das Königreich Polen, Galizien, Ungarn u. Kroatien; im S. an das Adriatische Meer, das Lombardisch-Venetianische Königreich u. die Schweiz; im W. an Frankreich, Belgien u. die Niederlande, u. umfaßt in dieser Ausdehnung einen Gesammtslächenraum von 11, 436, 97 QM., u. einschließlich der preußischen Provinzen Westpreußen, Ostpreußen u. Posen, die, wenn auch nicht in politischer, so doch in ethnographischer u. sprachlicher Beziehung mit hierherzurechnen sind, von 13, 151, 21 QM. Die drei, die Grenzen D-s bespülenden Meere (Ostsee, Nordsee u. Adriatisches Meer) unterscheiden sich durch eigenthümliche Küstenbildung. Während sich die Nordsee durch tief einschneidende Meerbusen (theils vom Meere selbst [Jahdebusen u. Dollart], theils durch breite Fluß-[Weser- u. Elbe-] mündungen gebildet), die Küste desselben durch fruchtbare, weidereiche Marschgegenden auszeichnet, findet sich an der Ostsee die Bildung von Hassen od. Strandseen (das größte das [Stettiner] Große u. Kleine Haff mit einem Flächenraum von 14 QM.) vorherrschend, u. die Küsten selbst ziemlich öd u. reizlos; am Adriatischen Meere dagegen steile Felsenufer mit tiefen Buchten (die größten die beiden Meerbusen von Triest u. Fiume). Der Süden D-s ist bei weitem gebirgiger als der Norden. Im Allgemeinen hat D. zwei Gebirgssysteme: Alpen u. Mittelgebirge. Die Rhätischen Alpen, an der Grenze von Tyrol. u. der Lombardei (höchste Spitze: Orteles od. Örtelsspitze, 12,020 Fuß) mit einem nördlichen Zweige (Allgauer Alpen); die Norischen Alpen (deren höchstes Grat Tauern heißt) zwischen Donau u. Drau (höchste Spitze: Großglockner 12, 213 Fuß [nach den neuesten Messungen von Schlagintweit], der höchste Berg D-s), je nach der Lage Österreichische, Steyerische, Salzburger u. Trientinische Alpen genannt, der Wiener Wald ist ihr nördlichster Zweig; die Carnischen Alpen zwischen Drau u. Sau (höchste Spitze: Steineralp 10,000 Fuß); die Julischen od. Krainer Alpen, sich vom W. Illyriens nach SO. ziehend (höchste Spitze: Mont Terglu 8794 Fuß) u. in die Dinarischen Alpen übergehend (vgl. Alpen). Die Mittelgebirge kann man entweder als in die Gruppen des süd- u. des norddeutschen Gebirgslandes zerfallend, u. Main, Eger u. Elbe als Grenze derselben ansehen, od. den Rhein als Grenze denken, u. die östlich von demselben liegenden Gebirge als zum Hercynischkarpathischen Gebirgssystem gehörig zusammenfassen, die westlichen dagegen als zum Gallo-fränkischen Gebirgssysteme gehörig betrachten; ihre geognostische Beschaffenheit ist zu beiden Ufern des Flusses die nämliche, u. in dieser Beziehung bilden also beide nur ein Gebirgssystem. Die Hercynischen Gebirge des Hercynisch-karpathischen Systems, deren Knotenpunkt das Fichtelgebirge bildet, von wo aus die übrigen Gebirge nach 4 Richtungen auslaufen: nach SW. der Fränkische u. Schwäbische Jura, Frankenhöhe, Schwarzwald, Odenwald u. der (isolirte) Kaiserstuhl; nach NW. der Frankenwald, sich nach O. zu in den Thüringer Wald u. die östlichen Wesergebirge (Hainich, Dün, Kyffhäuser, Bückeberge, Solinger Wald u.a.), nach W. zu in die Rhön, die Werragebirge, Spessart, Vogelsgebirge, Taunus Westerwald (Sauerland, Arnsberger Wald, Haarstrang[10] u. das [isolirte] Siebengebirge), Erzgebirge u. Osning od. Teutoburger Wald verzweigend, nordöstlich von allen diesen der Harz; nach NO. das Egergebirge, Erzgebirge (mit dem Sandsteingebirge der Sächsischen Schweiz) u. Sudeten (Lausitzer-, Riesen-, Glatzer Gebirge u.a.), nach SO. in die Karpathen übergehend; nach SO. der Böhmer Wald (Greiner Wald, Wildgebirge, Baiersche u. Passauer Wald u.a.) u. das Böhmisch-mährische Gebirge, im NO. mit dem Glatzergebirge zusammenhängend. Zum Gallo-fränkischen System gehören die Fortsetzung u. Ausläufer der Vogesen: Haardt (mit Kalmit u. Donnersberg), Idarwald u. Hundsrück; Ausläufer der Ardennen: Eiffel u. Hohe Veen. Die Ausdehnung der Alpen beträgt 190 Meilen, der Hercynischen Gebirge 220 Meilen, der Gallo-fränkischen Gebirgszüge 140 Meilen. Hochebenen sind im südlichen Baiern u. Württemberg zwischen den Alpen u. der Donau (700 QM. bis zu 1900 Fuß Höhe) im nördlichen Baiern (Fränkische Hochebene 890 Fuß Höhe), der Böhmische Kessel (bis zu 1200 Fuß Höhe), der Glatzer Kessel (950 Fuß Höhe). Nach der Nord- u. Ostsee zu verflacht sich das Land in eine große Ebene, die nur von 2 Höhenzügen durchschnitten wird, welche nirgends die Höhe von 400 Fuß überschreiten u. als westliche Fortsetzungen des Uralischbaltischen u. des Uralisch-karpathischen Landrückens zu betrachten sind; die Küstenebenen selbst müssen mehrfach durch Kunstbauten gegen das Meer geschützt werden, welches trotz derselben häufig große Stellen Land wegschwemmt. Größere Binnenseen gibt es nur in Süd- u. in Norddeutschland, in Mitteldeutschland mangeln sie gänzlich; die bedeutendsten sind: der Bodensee, Gardasee (nur zum kleinsten Theil noch D. gehörig), Achensee (Tyrol), Zeller- u. Wolfgangsee (Steyermark), Alter- u. Traunsee (Erzherzogthum Österreich), Staffel-, Ammer-, Würm-, Tegern-, Chiem- u. Königssee (im südlichen Baiern), Federsee (Württemberg), Steinhuder Meer (Hannover u. Lippe-Schaumburg), Dümmersee (Hannover u. Oldenburg), Zwischenahner Meer (Oldenburg), Plöner-, Keller-, Seeleuter-, Westen- u. Grubersee (Holstein), Ratzeburger See (Lauenburg u. Mecklenburg), Schweriner-, Plauer-, Malchiner-, Flesen-, Kalpin- u. Müritzsee (Mecklenburg), Schwieloch- u. Scharmützsee (preußische Provinz Brandenburg), Madue-, Dammer-, Papenzien- u. Plönersee (preußische Provinz Pommern), Zarnowitzer See (Pommern u. Westpreußen), der Salzige u. der Süße See bei Eisleben (preußische Provinz Sachsen), Laacher See (preußische Rheinprovinz).

D. hat insgesammt 500 Flüsse (wovon etwa 60 von Natur, mehrere durch Kunst schiffbar sind) u. zwar A) 5 große Stromgebiete: a) Donau, auf dem Schwarzwald entspringend, nach O. strömend, in das Schwarze Meer mündend u. 130 Meilen lang D. angehörig, mit einem Stromgebiet von 3420 QM. innerhalb D.; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Blau, Brenz, Wernitz, Altmühl, Nab, Regen, March, Iller, Lech, Isar, Inn, Enns, Raab, Drau u. Sau; b) Rhein, auf den Schweizer Alpen entspringend, mit Ausnahme der beiden Strecken vom Bodensee bis Basel u. von Mainz bis Bingen (von O. nach W.), in seiner Hauptrichtung nach N. strömend, in die Nordsee mündend, u. 110 Meilen D. angehörig, mit einem Stromgebiet von 2146 QM. innerhalb D.; seine bedentendsten Rebenflüsse sindr Elz, Kintzig, Murg, Alb, Queich, Speyerbach, Neckar (mit Kocher, Jaxt u. Enz), Main (mit Regnitz u. Tauber), Lahn, Mosel, Sieg, Erst, Wipper, Ruhr u. Lippe; c) Weser, bei Münden aus der Verbindung der Werra u. Fulda gebildet, fließt nordwärts, mündet bei Bremen in die Nordsee; 82 Meilen Stromlänge, 820 QM. Stromgebiet; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Edder, Aue, Hunte, Aller, Wümme, Geeste; d) Elbe, auf den Sudeten entspringend, fließt Anfangs süd-, dann west-, zuletzt (Hauptströmung) nordnordwestwärts, mündet bei Cuxhafen in die Nordsee; 153 Meilen Stromlänge, 2600 QM. Stromgebiet; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Aupa, Metau, Adler (Erlitz), Moldau, Eger, Bielau, Mulde, Saale (mit Unstrut, Elster u. Bode), Ohre, Aland, Jetze, Ilmenau, Schwinge u. Oste (von links), Iser, Schwarze Elster, Havel (mit Spree), Elde, Stöcknitz u. Stör; e) Oder, auf den Sudeten in Mähren entspringend, Anfangs südöstlich, dann nordöstlich, dann (Hauptströmung) nordwestlich, zuletzt wieder nordöstlich fließend, mündet unterhalb Stettin in das Große Haff (Ostsee), 134 Meilen Stromlänge, 1370 QM. Stromgebiet innerhalb D.; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Oppa, Ölsa, Klodnitz, Malapane, Stöber, Ohlau, Katzbach, Lohe, Schwarzwasser, Bartsch, Bober, Neiße, Warthe, Ihna, Ucker, Peene u.a. B) An kleineren Stromgebieten noch die Ems, auf dem Teutoburger Walde entspringend, fließt in ihrer Hauptrichtung nordwärts, nimmt Hase u. Leda auf u. mündet in den Dollart (Nordsee), 51 Meilen Stromlänge, 240 QM. Stromgebiet; die Eider (Grenzfluß gegen Schleswig) fließt westlich u. mündet bei Tönning in die Nordsee, 25 Meilen Stromlänge, 190 QM. Stromgebiet innerhalb D. Ferner die Pommerschen Küstenflüsse: Rega, Peene, Persante, Wipper, Stolpe, Lugow u. Leba mit insgesammt 250 QM. Stromgebiet. Das Stromgebiet der Weichsel beträgt innerhalb D. 30 QM. u. 12 Meilen Stromlänge. Endlich noch zum Gebiet des Adriatischen Meeres gehörig: die Etsch (Adige), in Tyrol entspringend, südöstlich in die Lombardei fließend u. in den Meerbusen von Venedig mündend, u. der Isonzo, in Illyrien auf den Julischen Alpen entspringend, südlich fließend u. in den Meerbusen von Triest mündend, zusammen mit 380 QM. Stromgebiet innerhalb D.

Der Boden D-s bietet außerordentliche Mannichfaltigkeit u. Wechsel dort im S. die Hochgebirge mit ewigem Schnee u. Eis, in Mitteldeutschland die Mittelgebirge mit reichen Waldungen, fruchtbaren Thälern u. Weiden, im N. große Ebenen u. Haiden. Er ist im Allgemeinen als sehr fruchtbar zu bezeichnen; die fruchtbarsten Gegenden sind in Sachsen, Altenburg, Thüringen, Franken; unfruchtbarer sind die höheren Berggegenden, die Sandgegenden in Niedersachsen, Brandenburg u. Pommern, sowie die Haiden in Nord-D., welche ungefähr 1200 QM. einnehmen. Das Klima ist im Allgemeinen gemäßigt, die Schneegrenze zwischen 7200–8000 Fuß; die Temperatur je nach der südlichen od. nördlichen, westlichen od. östlichen Lage u. der Höhe über dem Meeresspiegel ziemlich gleichmäßig verschieden u. zwar so, daß dieselbe von S. nach N. mit je 25 Meilen um 1° R., von W. nach O. bei 33 Mleilen um 1° [11] R. u. nach der Höhe bei je 580 Fuß um 1° R. abnimmt; Illyrien (Görz 45°56' u. Br., 31°17' östl. L. von Ferro) hat mittlere Jahrestemperatur: + 12° R., mittlere Sommertemperatur: + 20,6° R., mittlere Wintertemperatur: + 2,1° R.; Pommern (Stralsund 54°18' u. Br., 30°45' östl. L. von Ferro), hat mittlere Jahrestemperatur: + 6,4° R., mittlere Sommertemperatur: + 13,8° R., mittlere Wintertemperatur: – 1° R.; das Rheinthal mittlere Jahrestemperatur: + 8,9° R.; Thüringen + 6,9° R.; Schlesien + 6,6° R., so daß sich also die mittlere Jahrestemperatur für ganz Deutschland zu + 7,9° R. herausstellen würde. Die jährlich fallende Regenmenge nimmt durchschnittlich von S. nach N. u. von W. nach O. zu ab. Die meisten Gewitter hat das mittlere Norddeutschland, die meisten Stürme die nördlichen Küstenländer; der Rhein ist nach zehnjährigem Mittel 26 Tage, die Weser 30, die Elbe 62, die Oder 70 Tage zugefroren. Die Luft ist im Allgemeinen rein u. gesund, man findet daher, den Cretinismus in den hohen Alpenthälern ausgenommen, keine Nationalkrankheiten in D.; das Nervenfieber hat in den letzten Jahrzehnten ebenso an Ausdehnung wie an Heftigkeit abgenommen, die Cholera sich mit seltenen Ausnahmen weniger verheerend gezeigt als in Rußland u. Frankreich. Der Productenreichthum D-s ist in allen 3 Naturreichen ein außerordentlich bedeutender; Mineralreich: Gold (in geringer Menge in Tyrol, Salzburg u. im Harz), Silber (im Sächsischen Erzgebirge, im Harz, Mannsfeldischen, Nassau, Oberschlesien, Südestfalen, Steyermark), Quecksilber (in großer Menge in Illyrien, in geringer in Böhmen u. Rheinbaiern), Eisen, Zinn (im Sächsischen u. Böhmischen Erzgebirge), Blei (in Kärnten, Steyermark, Böhmen, Oberschlesien, Sachsen u. Harz), Kupfer (in Tyrol, Steyermark, Sachsen, Mannsfeld, Harz), Kobalt (in Sachsen u. Kurhessen), Wismuth (in Sachsen), Galmey (in Oberschlesien), Antimon (in Steyermark u. Anhalt), Arsenik (in Schlesien u. Sachsen), Steinkohlen (in der preußischen Rheinprovinz, Westfalen, Hannover, Sachsen, Schlesien, Böhmen u. Steyermark), Schwefel (Sachsen, Österreich u. Hannover), Edelsteine (nur in geringer Menge u. Güte in Schlesien, Böhmen u. Sachsen), Porzellanerde (in Sachsen u. Schlesien), Graphit (in Österreich, Baiern u. Kurhessen), Bernstein (an der Ostsee), Kalk, Gyps, Marmor, Serpentin, Alabaster, Farbenerden etc., Salz fast in allen Staaten [ausgenommen Königreich Sachsen, Nassau u. Anhalt], am meisten im österreichischen Salzkammergut, Reichenhall [Baiern], Württemberg u. in den preuß. Provinzen Westfalen u. Sachsen, Hannover u. den sächsischen Herzogthümern), ebenso Alaun, Vitriol, Braunkohle u. Torf (namentlich im Nordwesten) in großer Menge, Mineralquellen von hohem Rufe, namentlich in Böhmen, Nassau, preußische Rheinprovinz, Waldeck (Pyrmont), Baden, Oberschlesien u. Erzherzogthum Österreich (Ischl). Pflanzenreich: alle der gemäßigten Zone angehörigen Getreide- u. Obstsorten, Roggen, Gerste u. Hafer überall, Mais fast nur im S., Weizen vorzugsweise im S. u. W., Buchweizen (namentlich im N.), Hirse, hauptsächlich im SO., Kartoffeln überall; ebenso die verschiedenen Hülsenfrüchte, Ölpflanzen (namentlich im NW.), Flachs u. Hanf (namentlich in Mitteldeutschland), Krapp, Waid u. Safran (im S. mehr als im N.), Tabak (namentlich am Oberrhein, der Werra, der Oder u. in der Uckermark), Hopfen (in Böhmen, Baiern u. Braunschweig), Runkelrüben (namentlich in der preußischen Provinz Sachsen, Anhalt, Großherzogthum Hessen, Südbaiern u. Böhmen), Gemüse (am besten in Schwaben, Franken u. Thüringen), Cichorie (zwischen Elbe u. Weser u. in Niederösterreich), Obst (am besten in Sachsen, Thüringen, Franken u. am Rhein; Aprikosen, Pfirsichen u. Feigen nur an geschützten Stellen; Südfrüchte nur im südlichen Tyrol u. Illyrien), Wein (bis zu 51°30' u. Br., am besten an der Donau u. Rhein, dann noch an der Mosel, dem Neckar u. Main, weniger gut an der Saale u. Elbe), Kastanien u. Wallnuß (in Süddeutschland u. am Rhein). Waldungen gibt es in großer Menge, der Boden derselben meist mit Futterkräutern u. Beeren bedeckt; einige Gegenden (namentlich im NW.) haben dagegen Holzmangel; die Gebirge u. das norddeutsche Tiefland haben vorzugsweise Kiefern, Fichten, Tannen, Lärchen, gemischt mit Birken, Erlen, Eichen u. Buchen (diese beiden letzteren namentlich an der Ostseeküste). Im Ganzen besitzt die Flora D-s 3413 Arten (Species) Phanerogamen (u. zwar 390 Sträucher u. Bäume, 2170 perennirende, 169 zweijährige u. 684 einjährige Pflanzen) u. 4306 Arten Kryptogamen (u. zwar 73 Farrenkräuter [Filices], 585 Laubmoose [Musci Juss.], 112 Lebermoose [Hepaticae Juss.], 2490 Pilze [Fungi], 670 Flechten [Lichenes], 376 Algen). Thierreich: von den Hausthieren namentlich Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, Esel; von Wild: Bären (nur noch selten in den Alpen), Wölfe (nur noch selten östlich von der Oder u. westlich vom Rhein), Gemsen u. Steinböcke (nur in den Alpen), Hirsche, Rehe, Hafen, Füchse, Hamster, Marder, Wiesel etc. fast überall ziemlich häufig, Dachse u. Fischottern, (selten), Adler u. Geier (fast nur in den Alpen), Gänse (namentlich in Pommern), Enten u. Hühner, sowie überhaupt die verschiedenartigsten Nutz-, Jagd-, Sing-, Sumpf- u. Wasservögel fast überall in großer Menge, Fasanen (namentlich in Böhmen), Kanarienvögel (namentlich in Tyrol gezogen), an Amphibien im Allgemeinen Mangel, von Schlangen nur die kleineren Arten (darunter nur 2 giftige: die gemeine Viper, Vipera berus, u. die Kreuzotter od. Kupferschlange, Vipera chersea), Frösche, Kröten u. einige (unschädliche) Eidechsenarten; von Fischen namentlich Karpfen u. Hechte (fast überall), Lachs (im Rhein, Weser u. Elbe), Stör, Schellfisch u. Wels (namentlich in der Elbe), Aale (namentlich im NO.), Forellen (in Gebirgswässern), Häringe u. Sardellen (in der Ost- u. Nordsee), Muränen (in pommerschen Seen), Thunfische (im Adriatischen Meere) u. v. a. Im Ganzen hat D. 110 Arten Fische (darunter 60 ausschließlich den Teichen angehörig), Austern in der Nord- u. Ostsee, Perlen in einigen Flüssen; Seidenzucht nirgends von Bedeutung, Bienenzucht in vielen Gegenden (namentlich Baiern, Hannover, der Lausitz u. Westfalen) von Wichtigkeit.

Die Gesammtzahl der Bevölkerung von ganz D. betrug im December 1855 nach officiellen Listen der Volkszählung: 43,935,500 Seelen (also 3811 auf 1 QM.), was seit 12 Jahren (Zählung vom Dec. 1843: 41,054,702) eine jährliche Zunahme von 0,6 Procent ergibt. Am dichtesten ist die Bevölkerung (außer den Gebieten der 4 Freien Städte)[12] im Königreich Sachsen (7420 Seelen auf 1 QM.), Großherzogthum Hessen (5595 Seelen auf 1 QM.) u. im Herzogthum Sachsen-Altenburg (5541 Seelen auf 1 QM.), außerdem stehen noch über dem Durchschnittsverhältniß der Reihe nach: Württemberg, Baden, die dem Deutschen Bunde angehörigen 6 preußischen Provinzen, Kurfürstenthum Hessen, Luxemburg, Nassau, Braunschweig, Sachsen-Coburg-Gotha, die beiden Schwarzburg, die beiden Reuß, Lippe-Detmold, Hessen-Homburg (sämmtlich mit mehr als 4000 Seelen auf 1 QM.) u. das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach (3977 Seelen auf 1 QM.); unter dem Durchschnittsverhältniß dagegen die dem Deutschen Bunde angehörigen Provinzen Österreichs (mit durchschnittlich 3769 Seelen auf 1 QM.), Baiern (3273 Seelen auf 1 QM.), die beiden Mecklenburg, Holstein-Lauenburg, Oldenburg, Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Anhalt-Bernburg, Waldeck, Lippe-Schaumburg u. Liechtenstein (sämmtlich unter 3000 Seelen auf 1 QM.); am dünnsten ist sie im Königreich Hannover (2599 Seelen auf 1 QM.). Die städtische Bevölkerung verhält sich (mit Ausschluß der Gebiete der 4 Freien Städte, wo dieselbe natürlich bei weitem überwiegend ist) zur ländlichen durchschnittlich wie 1: 3; in Preußen wie 2: 5; im Königreich Sachsen wie 1: 2. Die Verhältnißzahl der großen Städte zum Flächenraum wird nur durch die Englands, Belgiens u. der Niederlande übertroffen. D. besitzt 2 große Städte mit über 400,000 Ew. (Wien 473,000 Ew., Berlin [Civilbevölkerung] 426,602 Ew.); 6 Städte mit einer Bevölkerung zwischen 100,000 u. 150,000 Ew. (Breslau, Prag, München, Hamburg, Dresden, Köln); 12 Städte zwischen 50,000 u. 100,000 Ew. (Leipzig, Frankfurt a. M., Bremen, Magdeburg, Stettin, Aachen, Triest, Brünn, Graz, Nürnberg, Stuttgart u. Hannover); über 100 Städte zwischen 10,000 u. 50,000 Ew.; gegen 200 Städte zwischen 6000 u. 10,000 Ew. u. ungefähr 2000 kleinere Städte unter 5000 Ew., gegen 3000 Flecken u. ungefähr 112,000 Dörfer. Was die Nationalverschiedenheit betrifft, so sind 80,3 Procent (36,300,000 Seelen) der Gesammtbevölkerung (43,935,500) Deutschlands Deutsche; zieht man die zum Deutschen Bunde gehörigen Provinzen Österreichs (52,5 Procent Deutsche [namentlich im Erzherzogthum Österreich, Steyermark, Salzburg u. Tyrol], 46,5 Procent Slawen [namentlich die Czechen u. Mähren in Böhmen, Mähren u. Schlesien, die Slowenen in Kärnthen u. Illyrien], 1 Procent Juden), u. Preußens (93,3 Procent Deutsche, 5,6 Procent Slawen [namentlich die Wenden in Schlesien u. die Kassuben in Pommern], 1,1 Procent Juden, Wallonen u. Franzosen) hiervon ab, so ergibt sich für das übrige D. 98,5 Procent rein deutscher Bevölkerung. Die Gesammtzahl der Slawen beträgt in ganz D. etwas über 7,000,000 Seelen (also ungefähr 16,75 Procent), wovon außerhalb Österreichs u. Preußens nur ungefähr 50,000 Seelen (namentlich in der sächsischen Lausitz), die der Juden ungefähr 440,000 Seelen (also fast genan 1 Procent), am meisten im Großherzogthum Hessen, Kurfürstenthum Hessen, Frankfurt a. M. u. Hamburg, wo sie 3 Procent, außerdem noch stark (zwischen 1 u. 2 Procent) in Baden, Nassau, Baiern, Anhalt, Schlesien u. Mähren, am wenigsten im Königreich Sachsen, wo sie 0,5 Procent, in der preußischen Provinz Sachsen, wo sie 0,2 Procent betragen; fast gar keine in Österreich ob der Enns, Steyermark, Kärnthen, Krain u. Tyrol. Ungefähr gleich stark sind die Romanen (im südlichen Tyrol u. Illyrien) vertreten: die Zahl der Wallonen (im Großherzogthum Luxemburg u. Regierungsbezirk Aachen der preußischen Reinprovinz) beträgt ungefähr 200,000 Seelen (also 0,43 Procent), außerdem noch Franzosen (namentlich in Baiern u. Preußen], größtentheils religiöse [hugenottische, aus der 2. Hälfte des 16. Jahrh.] u. politische Flüchtlinge, aber fast ganz mit den Deutschen verschmolzen), Griechen ungefähr 3000 Seelen (namentlich in Wien, München u. Triest), ungefähr 2000 verschiedener anderer europäischer u. außereuropäischer Nationalitäten, etwas über 1000 Zigeuner (namentlich in Österreich), wenige hundert Armenier. Die Deutschen selbst zerfallen in Ober- u. Nieder- (Nord-) deutsche; die Grenze zieht sich ungefähr vom 51° u. Br. in WDeutschland bis zum 52°30' u. Br. in ODeutschland (jene südlich, diese nördlich von den Warthe, Havel, der untern Elbe, Harz u. Sieg). In Beziehung auf körperliche Größë u. physische Kraft übertreffen die Deutschen (wie überhaupt die germanischen Stämme) die romanischen u. slawischen Völker, die Magyaren u. Türken, u. gehören zu den größten u. kräftigsten Völkern der Erde; mittleres Durchschnittsmaß der Männer: 5 Fuß 6 Zoll rheinländisch; im Allgemeinen sind die Norddeutschen größer als die Süddeutschen, die den gebildeten Ständen angehörigen höher, aber weniger kräftig gebaut, als die den niedern Ständen angehörigen; in Beziehung auf körperliche Ausdauer stehen die Deutschen den slawischen, in Beziehung auf körperliche Gewandtheit den romanischen Völkerstämmen nach. Wohlbeleibtheit ist im Allgemeinen selten; die Gesichtsform meist oval (fast nur in Österreich u. Baiern rund), im Norden die Züge markirter, die Gesichtsfarbe blässer, als im Süden; die Nase meist grade und vorstehend (gebogene u. stumpfe sind bei weitem seltener), blonde Haare u. blaue Augen nur im Norden vorherrschend, im übrigen D. die Haare meist braun (seltener schwarz), die Augen meist blaugrünlich, bräunlich oder braun, (seltener schwarz); rothe Haare gehören zu den Ausnahmen. Der Charakter der Deutschen ist in seinen Grundzügen tapfer, redlich u. treu, besonnen, ernst u. bedachtsam, der Vernunft mehr als der Leidenschaft gehorchend, offen u. voll Vertrauen, anspruchslos, bescheiden u. uneigennützig, sich gern einen frohen Lebensgenuß hingebend, ebenso entfernt von dem Phlegma u. der Kälte der nördlicheren germanischen, als von der reizbaren Heftigkeit u. Sinnlichkeit der romanischen Völkerstämme, voll Achtung gegen das Bestehende, die Autorität u. die Gesetze, mehr für passiven Widerstand als active Abwehr geschaffen, arbeitsam u. beharrlich, häuslich u. in der Gemüthlichkeit des Familienlebens sein Glück suchend, in der Häuslichkeit die Ordnung dem Luxus, im Umgang die Aufrichtigkeit der Galanterie, im Geschäftsverkehr die Solidität der Speculation vorziehend, gründlich in Allem, was er thut, tief eindringend in die Wissenschaften (in den abstracten alle andern Völker übertreffend, in einigen exacten vielleicht nur von den anglo-germanischen übertroffen; unter allen Völkern der Erde [abgesehen von der absoluten Volkszahl] zählt D. die meisten Gelehrten); die Künste, namentlich Musik, Malerei, [13] Plastik u. Baukunst, bis zu einem hohen Grade von Vollkommenheit pflegend, das vaterländische Gute oft zu gering achtend, sich bald überall heimisch fühlend u. in fremde Verhältnisse u. Sitten schnell eingewöhnend (dieselben sogar zu rasch nachahmend u. annehmend), im Auslande als Gelehrter wegen seiner gründlichen Bildung u. tief wissenschaftlichen Auffassung ebenso gesucht u. geschätzt, wie als Arbeiter (Handwerker) wegen seiner Ordnungsliebe u. Geschicklichkeit, u. als Colonist wegen seiner Sorgfalt u. Biederkeit; unter allen Völkern der Erde ist der Deutsche am meisten Kosmopolit. Von vielen der genannten Vorzüge des deutschen Charakters ist nicht zu leugnen, daß dieselben oft in die verwandten Fehler ausarten, Vertrauen in Leichtgläubigkeit, Bescheidenheit in Ängstlichkeit u. Ungerechtigkeit gegen sich selbst u. die eigene Nationalität, Gründlichkeit in Kleinigkeitskrämerei; der größte Fehler der Deutschen ist Mangel an Nationalsinn, ein Zug, der aber weniger in dem deutschen Charakter selbst liegt, als ihm durch die Verhältnisse eingeimpft wurde. Im Allgemeinen herrscht bei den Norddeutschen die Verstandes-, bei den Süddeutschen die Gemüthsrichtung vor. Die Sprache der Deutschen ist fast nur die deutsche, u. zwar in 2 Hauptmundarten, der ober- (od. hoch-) u. der nieder- (od. platt-) deutschen, s. Deutsche Sprache; nur die slawischen Volksstämme (namentlich in Böhmen [Czechen], Wenden u.s.w.) sprechen ihre eigne, sowie einige der südlicheren Districte von Tyrol u. Illyrien Mundarten der italienischen Sprache, doch verstehen auch alle diese größtentheils deutsch. Religion: die christliche u. zwar davon 23,150,000 Seelen (also 52,5 Procent der deutschen Gesammtbevölkerung) Römische Katholiken u. 20,100,000 Seelen (46,5 Procent der Gesammt- u. 55 Procent der rein deutschen Bevölkerung) Protestanten. Im Allgemeinen ist der Katholicismus in Süddeutschland (mit Ausnahme Württembergs, wo der Protestantismus vorwiegt), der Protestantismus in Norddeutschland vorherrschend; fast ausschließlich ist der Katholicismus im Großherzogthum Luxemburg u. im Fürstenthum Liechtenstein, vorherrschend in Österreich (97 Procent), in Baiern (71 Procent), der preußischen Rheinprovinz (70 Procent), Baden (65 Procent), der preußischen Provinz Westfalen (54 Procent), paritätisch in der preußischen Provinz Schlesien (46,5 Procent), in den deutschen Provinzen Preußens insgesammt 35,3 Procent, in Württemberg u. den beiden Hessen etwas über 30 Procent, je weiter nach Norden, um so mehr abnehmend. Die Protestanten sind entweder in Evangelische vereinigt (unirt), od. in Lutherische u. Reformirte getheilt. Protestanten insgesammt gibt es in den deutschen Provinzen Preußens 8,370,000 Seelen (63 Procent der Gesammtbevölkerung dieser Provinzen u. 42 Procent der gesammten Protestanten Deutschlands), im Königreich Sachsen nahe an 2,000,000 Seelen (97 Procent), im Königreich Hannover nahe an 1,600,000 Seelen (89 Procent); außerdem Mennoniten (ungefähr 9000 Seelen, größtentheils im Großherzogthum Hessen, Baden, der preußischen Rheinprovinz u. Westfalen), Herrnhuter, Baptisten, Irvingianer u. holländische Reformirte (zusammen gegen 20,000 Seelen, also nicht ganz 0,5 Procent der Gesammtbevölkerung D-s; sie finden sich namentlich im Königveith Sachsen, der preußischen Provinz Sachsen u. den Thüringischen Herzog- u. Fürstenthümern). Die Anzahl der Deutschkatholiken u. der den Freien Gemeinden angehörigen beläuft sich in ganz D. auf ungefähr 25,000, wovon (im Decbr. 1855) auf Preußen allein 16,420 Seelen in 50 Gemeinden mit 20 Seelsorgern kamen. Über Juden u. Griechen s. oben (Nationalverschiedenheit).

In Beziehung auf staatliche Eintheilung zerfällt D. in 35 Einzelstaaten u. zwar in 31 monarchische Staaten (nämlich 1 Kaiserthum: Österreich; 5 Königreiche: Preußen, Baiern, Sachsen, Hannover u. Württemberg; 1 Kurfürstenthum: Hessen-Kassel; 7 Großherzogthümer: Baden, Hessen-Darmstadt, Luxemburg [mit Limburg], Mecklenburg-Schwerin, Sachsen-Weimar, Mecklenburg-Strelitz u. Oldenburg; Herzogthümer: Holstein [mit Lauenburg], Braunschweig, Nassau, Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Sachsen-Koburg-Gotha, Sachsen-Altenburg, Anhalt-Dessau-Köthen u. Anhalt-Bernburg; 9 Fürstenthümer: Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Waldeck, Reuß jüngere Linie, Reuß ältere Linie, Hessen-Homburg u. Liechtenstein) u. 4 Freie Städte mit deren Gebieten (Lübeck, Frankfurt, Bremen u. Hamburg). Über die Bundesstaatsverfassung, Bundesacte, Bundesheer u. dgl. s. Deutscher Bund; über das Nähere der verschiedenen Einzelstaaten, deren Finanzverhältnisse u. dgl. deren eigne Artikel. In Beziehung auf wissenschaftliche Bildung u. Unterricht übertrifft D. alle übrigen Länder der Erde; denn wenn auch einzelne Universitäten Englands (Cambridge u. Oxford) u. Frankreichs (Paris) den deutschen an die Seite gesetzt werden können, dieselben in mancher Hinsicht sogar überragen, so ist doch einerseits in den höhern Ständen ein wirklich wissenschaftlicher Sinn, wissenschaftliche Gediegenheit u. Gründlichkeit, andrerseits in den niedern Ständen Elementarbildung unter den Teutschen bei weitem allgemeiner verbreitet, als unter allen andern Nationen. D. besitzt 22 wirkliche Universitäten (wovon 12 protestantisch, 7 katholisch, 3 paritätisch): Berlin, Bonn, Breslau, Erlangen, Freiburg, Gießen, Göttingen, Gratz, Greifswald, Halle, Innsbruck, Jena, Kiel, Leipzig, Marburg, München, Prag, Rostock, Tübingen, Wien u. Würzburg, 1 katholisch-theologische Facultät (zu Münster), mehrere (mit den Bisthümern verbundene) katholische Priesterseminarien, 1 Bergakademie (zu Freiberg) u. zahlreiche Specialakademien zur Staats-, Land- u. Forstwirthschaft (die bedeutendsten zu Eldena, Jena u. Tharand), Chirurgie, Veterinärkunde u. die höheren Industriezweige (Polytechnische Institute: Berlin, München, Dresden, Braunschweig, Hannover u.a.), insgesammt mit 1600 Professoren u. Docenten u. 16,000 Studirenden (je 1 auf 2746 Ew.); die Anzahl der auf den eigentlichen Universitäten immatriculirten (Facultäts-) Studenten betrug nach dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre (1847–57) 12,850 (je 1 auf 3419 Ew., ein Verhältniß, wie in keinem andern Lande); am überwiegendsten ist das Verhältniß derselben im Königreich Sachsen, den preußischen Provinzen Brandenburg u. Sachsen, den sächsischen Herzogthümern, Baden u. Württemberg; im Allgemeinen ziemlich gleich für Nord- u. Süddeutschland. Ferner 400 Gymnasien u. Lyceen, eine große Anzahl Schullehrerseminare, Real-, Gewerbe-, [14] Handels-, Schifffahrts-, höhere u. niedere Bürger-chulen, Privatunterrichtsanstalten, Blinden u. Tanbstummeninstitute. Ebenso ist die (relative) Anzahl der Volks- u. Elementarschulen in D. größer als in jedem andern Lande, u. namentlich in der preußischen Provinz Sachsen, dem Königreich Sachsen (einige kleine Theile des Erzgebirges ausgenommen), den sächsischen Herzogthümern u. Württemberg die Unkenntniß des Lesens u. Schreibens eine höchst seltene Ausnahme; in den gesammten deutschen Provinzen Preußens gibt es nur 2,5 Procent, in Baiern 20 Procent, in den deutschen Provinzen Österreichs 23 Procent schulpflichtiger Kinder, welche den Schulunterricht nicht besuchen, während beispielsweise in Frankreich 44 Procent ohne allen Unterricht aufwachsen. Ebenso zeichnet sich D. durch seinen Reichthum an Bibliotheken u. wissenschaftlichen Sammlungen u. Museen aus. Die bedeutendsten Bibliotheken sind: die königliche (od. Hof- u. Staats-) Bibliothek zu München (800,000 Bände, 18,600 Handschriften), die königliche Bibliothek zu Berlin (500,000 Bände u. viele Handschriften), die kaiserliche Bibliothek zu Wien (350,000 Bände u. 20,000 Handschriften), die königliche Bibliothek zu Dresden (300,000 Bände u. 2800 Handschriften), die Universitätsbibliothek zu Göttingen (300,000 Bände u. 5000 Handschriften), außerdem noch die königlichen (beziehentlich großherzoglichen, herzoglichen u.s.w.) Bibliotheken zu Stuttgart, Hannover, Weimar, Gotha, Wolfenbüttel, Kassel, Karlsruhe, Darmstadt u. die Universitätsbibliotheken zu Heidelberg, Leipzig, Prag, Wien, Erlangen u. Breslau, die Stadtbibliotheken zu Hamburg, Frankfurt a. M., Leipzig, Nürnberg u. Mainz, ferner die des Germanischen Museums zu Nürnberg, verschiedener Akademien, gelehrter Gesellschaften, einiger höhern Lehranstalten u. Klöster. Wissenschaftliche Sammlungen u. Museen der verschiedensten Art sind mit sämmtlichen Universitäten verbunden, ebenso Botanische Gärten u. Sternwarten (auch gibt es zahlreiche Privatsternwarten), sowie derartige Sammlungen im Besitz vieler gelehrten Gesellschaften u. höhern Lehranstalten. Gelehrte Gesellschaften, gelehrte (wandernde) Vereine u. Akademien gibtes für die verschiedensten Zweige des Wissens in keinem Lande in größerer Anzahl, s. Akademie X. u. Gelehrte Gesellschaften. In ähnlicher Weise wie die Wissenschaften werden auch die Künste mit Vorliebe u. Erfolg gepflegt, in keinem Lande, selbst Italien nicht ausgenommen, steht die Musik höher als in D.; die größten Componisten der neueren Zeit (Mozart, Gluck, Beethoven, Weber, Haydn, Händel, Meyerbeer, Mendelssohn, Wagner sind Deutsche); berühmte, von Zöglingen der verschiedensten Nationen besuchte Conservatorien sind in Wien u. Leipzig; ebenso blüht die Malerei (in neuerer Zeit namentlich die Münchner Schule [Cornelius Kaulbach], die Düsseldorfer Schule [Schadow, Lessing]; berühmte Gemäldegallerien sind in Dresden, Wien, München, Berlin u.a. O.), Bildhauer- u. Baukunst. Stehende Theater gibt es in mehr als 30 Städten (die bedeutendsten in Wien, Berlin, Dresden, München, Hannover, Stuttgart, Weimar u. Manheim). Bei der hohen Bildungsstufe des deutschen Volkes ist auch seine Literatur eine der reichsten u. vielseitigsten (s. Deutsche Literatur) u. kein andres Volk zählt mehr Schriftsteller als D., in keiner anderen Sprache werden alle bedeutenderen Erscheinungen der ausländischen (wissenschaftlichen wie belletristischen) Literatur so schnell u. in solcher Menge übersetzt, als in die deutsche. Die vorzugsweise sogenannte Periodische (namentlich politische) Presse steht, durch die ganzen Verhältnisse bedingt, zwar hinter der Englands zurück, hat sich jedoch seit der 1848 gegebenen Preßfreiheit wesentlich gehoben u. erweitert; den Ausartungen der ersten Jahre setzte der gesunde Sinn des deutschen Volkes selbst sehr bald die natürlichen Schranken (s. Zeitungen). Der Buchhandel D-s ist der umfangreichste u. am besten organisirte aller Länder (1856 10,500 neue Werke); Leipzig allein zählte 1858 176 Buchhandlungen u. kann als der Stapelplatz u. Mittelpunkt nicht nur des deutschen, sondern in vieler Hinsicht des Weltbuchhandels gelten.

Der Ackerbau D-s steht auf einer sehr hohen Stufe u. wird in vielen Zweigen von keinem andern Lande, in mancher Hinsicht nur von England übertroffen. Die Art der Bewirthschaftung ist sehr verschieden; am häufigsten sind die Dreifelderwirthschaft (im 1. Jahr Winter-, im 2. Sommergetreide, im 3. Brache od. Kartoffel, Erbsen, Futterkräuter etc.), die Vierfelderwirthschaft (zwischen die beiden Getreidejahre stets eine Brachfrucht eingeschoben, bes. seit Thaer in Aufnahme gekommen), die Koppel- od. Schlagwirthschaft (mehrere Jahre unnnterbrochen Halmfrüchte, dann 3–7 Jahre liegen lassen, namentlich in Holstein u. Mecklenburg). Die größten Getreideflächen hat Württemberg, die kleinsten Mecklenburg, wo sich der Ackerbau fast dem Gartenbau nähert und die verschiedensten Fruchtarten in. kleinen Stücken neben einander gebaut werden. Über die Producte selbst s. ob. (Pflanzenreich), Böhmen, Mähren, Baiern, Württemberg, Sachsen-Altenburg, die preußische Provinz Sachsen, Mecklenburg, Holstein u.a. können Getreide ausführen, während Tyrol, Österreich unter der Enns, das Königreich Sachsen, Sachsen-Meiningen u.a. der Zufuhr bedürfen. Der Ertrag des Ackerbaues (namentlich Getreide u. Kartoffeln) ist in D. im Allgemeinen seit 1816 fast um das Doppelte gestiegen. Zur Hebung des Ackerbaues bestehen in allen Staaten Landwirthschaftliche Lehranstalten u. Musterwirthschaften. Durch Wiesencultur zeichnet sich D. weniger aus, ebenso durch Gartenbau, der nur in der Gegend von Bamberg, Zwickau, Erfurt u. einigen andern Orten in Schwaben, Franken u. Thüringen von Bedeutung ist; in größerem Maßstabe wird der Obstbau betrieben, namentlich am Rhein u. Neckar, im Allgemeinen im Süden mehr als im Norden, wiewohl einige Gegenden in Mecklenburg und der preußischen Provinz Brandenburg das südliche Baiern übertreffen. Einige veredelte Obstsorten (darunter Borsdorfer Apfel) werden außer Landes versandt; Nüsse, Kastanien, Mandeln u. dgl. werden nur in Süddeutschland (bes. am Oberrhein), die eigentlichen Südfrüchte aber ausschließlich im Süden von Tyrol u. Illyrien mit günstigem Erfolg gebaut. Wissenschaftliche Kenntniß der Obstzucht ist sehr verbreitet; es bestehen eine große Anzahl Pomologischer Vereine u. Zeitschriften. Der Runkelrübenbau (zur Zuckerfabrikation) hat in den letzten Jahren einen außerordentlichen Aufschwung genommen; großartige Zuckerfabriken finden sich namentlich in der preußischen Provinz Sachsen (Regierungsbezirk Magdeburg u. Merseburg), Anhalt,[15] Großherzogthum Hessen, Südbaiern u. Böhmen. Der Weinbau erstreckt sich in D. bis zum 51°30' u. Br. u. wird namentlich am Rhein mit großer Sorgfalt betrieben; die besten deutschen Weine sind die Rheinweine, u. zwar die eigentlichen Rhein- (od. Gau-) Weine (von Mainz bis Bingen, größtentheils auf dem nördlichen [nassauischen] Ufer: Johannisberger, Steinberger, Geisenheimer, Hattenheimer, Hochheimer, Rüdesheimer u. andere); die Mittelrheinweine (Liebfrauenmilch u. Niersteiner, beide im Großherzogthum Hessen); die Pfälzer- (od. Haardt-) Weine (Forster, Deidesheimer, Dürkheimer, Ungsteiner u.a.), im eigentlichen Rheingau werden viele Rieslinge, am Mittelrhein u. in der Pfalz diese, Traminer, Gutedel u. Franken gebaut; ferner die Franken- (größtentheils Main-) Weine (die besten die Würzburger [Stein-, Leisten-, Kalmuth-, Schalksberger- u. Harfenwein]), die Werthheimer, Schweinfurter, Sommeracher u.a.), ferner an der Mosel, der Aar u. dem Neckar, in Böhmen (Melniker u. Aussiger [Podkusky-] Wein-), Mähren, Steyermark (Refosco, Piccolit, Rebulla, Zibidia) u. Tyrol (Traminer); von geringer Güte sind die Elb- (Meißner) u. Saal- (Naumburger) Weine. Im Ganzen sind über 800,000 preußische Morgen von Weinbergen u. sonstigen Rebenanpflanzungen (am Rhein im Allgemeinen Wingert genannt) eingenommen; in günstigen Jahren steigt der Gesammtwerth des in D. erbauten Weines bis nahe an 30 Millionen Thaler. In der Forstcultur zeichnet sich D. vor den meisten andern Ländern Europas vortheilhaft aus, nachdem in früherer Zeit die Waldungen unüberlegt gelichtet u. theilweis vernichtet worden waren. Unter allen Ländern hat D. zuerst die Forstwirthschaft vom wissenschaftlichen u. nationalökonomischen Standpunkte aus zu behandeln angefangen. Die größten Waldungen finden sich im südlichen u. mittleren D. u. den östlichen Provinzen Preußens. Im Ganzen hat D. 61 Millionen preußische Morgen Wald, wovon auf Österreich 25,5, auf Preußen 16,2, auf Baiern 8,6, auf Hannover, Württemberg u. Baden je ungefähr 2 Millionen Morgen kommen (vgl. ob. Producte, Pflanzenreich). In gleichem Miaße wie der Ackerbau wird die damit verwandte Viehzucht betrieben u. steht in verschiedenen Zweigen unübertroffen da; ein großer Theilihrer Erzeugnisse kommt zur Ausfuhr. Ausgezeichnet ist die Pferdezucht namentlich in Mecklenburg, Holstein, dem nördlichen Hannover, Oldenburg u. einigen Provinzen Preußens, in Süd-D. nur im Salzburgischen; die Rindviehzucht vorzüglich in den südlichen (Alpen-) Gegenden, in den wiesenreichen Flächen u. Marschländern an der Nordsee, im Voigtlande u. Franken; im übrigen Mitteldeutschland findet sich meist nur mittleres u. kleineres Rindvieh, doch ist in neuester Zeit auch da durch Einführung fremder Racen u. Veredelung viel geschehen. In Süd-D. wird viel Mastvieh ausgeführt. Der Schafzucht wird namentlich in Sachsen (welches die beste Wolle liefert), den preußischen Provinzen Schlesien (Breslau ist der größte Wollmarkt der Erde) u. Brandenburg, in Böhmen u. Mähren außerordentliche Sorgfalt gewidmet, u. nirgends ist die Zahl der veredelten Schafe so groß als in den genannten Ländern; die Haideschnucken (Lüneburg) liefern zwar viel, aber ziemlich harte Wolle. Die Schweinezucht ist am bedeutendsten in den preußischen Provinzen Westfalen (berühmt sind die Westfälischen Schmken), Sachsen (namentlich in der Gegend von Rordhausen) u. Pommern, Mecklenburg, Hannover, Braunschweig, Thüringen (Braunschweiger u. Gothaer Würste), dem Königreich Sachsen, Hessen, Baiern, Württemberg, Baden, Böhmen u. Mähren; auch werden viel Mastschweine ins Ausland geführt; Ziegen fast nur in den Alpen- u. einigen anderen Gebirgsgegenden; Esel u. Maulthiere ebenfalls wenig, im Süden u. Südwesten mehr als im Norden. Große Sorfalt wird auf das Hausgeflügel verwandt, namentlich auf die Gänse in Nord-D. (bes. Pommern), Truthühner u. Kapaunen in Süd-D., Fasanen in Böhmen. Die Seidenzucht gewinnt nur langsam an Ausdehnung u. ist fast nur in Österreich (bes. in Tyrol u. Illyrien) u. am Rhein von einiger Bedeutung; von größerer Wichtigkeit ist die Bienenzucht, am stärksten in Baiern (auf welches der 5. Theil der Bienenstöcke von ganz D. kommt), Hannover, der Lausitz u. Westfalen. Das Jagdwesen ist ziemlich ausgedehnt, die Verminderung des Wildes in den Jahren unmittelbar nach dem 1848 (auf eigenem Grund u. Boden) freigegebenen Jagdrecht hat sich in neuester Zeit ziemlich wieder ausgeglichen; über das jagdbare Wild vgl. oben (Producte, Thierreich), ebenso über Fischerei. Der Bergbau wird in D. schon seit den ältesten Zeiten (im Harz seit dem 10., im Sächsischen Erzgebirge seit der Mitte des 12. Jahrh.) mit großer Sorgfalt u. mit Ausnahme Holsteins, Oldenburgs u. Mecklenburgs fast in allen deutschen Staaten betrieben, in vielen nur auf unedle Metalle u. Kohlen, vgl. oben (Producte, Mineralreich); in der Art u. Weise des Betriebs selbst steht D. hinter keinem anderen Lande zurück, wie denn auch D. die einzige höhere Berg- u. Hüttenmännische Lehranstalt der Welt (die Bergakademie in Freiberg) besitzt. In der Industrie steht D. nur hinter England u. Belgien zurück, allen übrigen Ländern aber voran, u. namentlich sind es die Zollvereinsstaaten, welche in den meisten Zweigen sich nicht nur, mit eigenen Fabrikaten versorgen, sondern noch einen großen Theil davon ausführen; in vielen anderen könnte sich D. noch unabhängiger vom Auslande machen, wenn nicht Selbsttäuschung u. eine gewisse Vorliebe für das Fremde die Einfuhr einer Menge ausländischer Fabrikate als Nothwendigkeit erscheinen ließe. Von einem großen Theil der wichtigsten Erfindungen der Neuzeit gehört D. die Aufstellung der Theorie, wie England die praktische Ausführung derselben an. Im Allgemeinen findet sich die meiste Gewerbthätigkeit im Königreich Sachsen, den westlichen preußischen Provinzen, Mähren u. Böhmen, u. zwar Leinwand im Königreich Sachsen (namentlich der Lausitz; die Damastweberei von Großschönau ist die beste der Erde), Schlesien, nordöstlichen Böhmen, Mähren, südlichen Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Westfalen, Rheinprovinz (namentlich im Wupperthale) u. im Schwarzwalde. Die Leinenfabrikation gehört zu den ältesten Industriezweigen D-s, ist aber in den letzten Jahrzehnten etwas gesunken, da die Weberei hinter der Maschinenspinnerei zurückblieb. Baumwollen industrie am bedeutendsten im Königreich Sachsen (Chemnitz, Plauen, Glauchau u.a.), der preußischen Rheinprovinz (Elberfeld u. Barmen), ferner in den preußischen Provinzen Brandenburg u. Schlesien[16] (Bielau), Böhmen, Mähren, Niederösterreich, Baiern, Württemberg u. Baden. Baumwolle wurde zuerst in D. im Jahre 1792 verarbeitet (in Sachsen, wo die erste Garnspinnerei errichtet wurde), u. seitdem hat sich diese Industrie rasch (namentlich seit dem in neuester Zeit eingeführten Maschinenbetrieb) zu einer außerordentlichen Blüthe entwickelt; verarbeitet werden im Zollverein jährlich über 600,000 Centner (wovon ungefähr 400,000 Centner als Baumwollengarn eingeführt werden). 1849 hatte der Zollverein nahe an 1 Million Spindeln mit 21,000 Arbeitern u. 156,000 Stühle mit 217,333 Arbeitern; in vierjährigem Durchschnitt verhält sich die Menge der in den Zollverein eingeführten Baumwollenwaaren zu den ausgeführten wie 1: 9; die Handelskrisis von 1857–1858 hat auf die deutsche Baumwollenindustrie höchst nachtheilig eingewirkt. Die Wollenindustrie ist ebenfalls von großer Wichtigkeit u. gehört zu den ältesten in D.; am bedeutendsten im Königreich Sachsen (Lausitz), den preußischen Provinzen Schlesien (Görlitz), Brandenburg, Sachsen, der Rheinprovinz (Aachen u. Lennep), Baden (Pforzheim), Württemberg, Niederösterreich, Mähren u. Böhmen, am wenigsten vertreten in Hannover, Braunschweig u. Oldenburg; der jährliche Wollverbrauch beträgt ungefähr 1/2 Million Centner. Die deutschen Seidenwaaren stehen in Güte den französischen u. englischen gleich, u. nur vielleicht in geschmackvoller Zeichnung hinter den ersteren zurück; am bedeutendsten ist die Seidenindustrie in Preußen (Berlin, Elberfeld u. Crefeld), Österreich (Wien u. Illyrien) u. im Königreich Sachsen. Die Ausuhr an Seidenwaaren aus D. beläuft sich fast ebenso hoch als die Consumtion im Lande selbst. Die Papierfabrikation hat sich in neuester Zeit sehr vervollkommnet, doch werden feinere Sorten noch immer in großer Menge aus England, Frankreich, Holland u. der Schweiz eingeführt; die meisten Papierfabriken sind in Österreich (namentlich Böhmen), Königreich Sachsen u. Hannover; die besten in der preußischen Provinz Brandenburg (Berlin), Rheinprovinz, Württemberg, Baiern, Königreich Sachsen u. Baden; die Haupthandelsplätze für Papier: Leipzig, Frankfurt a. M. u. Nürnberg. In Holzwaaren steht D. in vielen Artikeln unerreicht, wenigstens unübertroffen, da; berühmt sind namentlich die feineren Tischlerarbeiten von Wien u. Berlin, die Spielwaaren von Nürnberg, Fürth, Tyrol, Thüringen u. Sächsischem Erzgebirge (Grünhaynichen). In der Metallindustrie steht die des Eisens oben an, wofür die Production des deutschen Bergbaus nicht ausreicht u. jährlich gegen 2 Millionen Centner Roheisen eingeführt werden müssen. Verarbeitet werden in ganz D. jährlich an 5 Millionen Centner Eisen, an verarbeitetem Eisen ungefähr 250,000 Centner ausgeführt; Consum von D. selbst demnach ungefähr 43/4 Million Centner, die besten Eisen- u. Stahlwaaren liefert die preußische Rheinprovinz u. in einzelnen Zweigen die preußische Provinz Sachsen (Gewehrfabriken von Suhl u. Sömmerda), das Königreich Sachsen, Böhmen u. Steyermark. Die Maschinenfabriken Preußens (Berlin, die von Borsig, die größte der Welt, selbst England hat keine ähnliche), Sachsens (Hartmann in Chemnitz), Badens (Keßler in Karlsruhe), Baierns u. Österreichs können mit denen aller Länder wetteifern, obgleich dieser Industriezweig in D. nur erst seit Jahrzehnten bekannt ist; außerdem zeichnen sich noch die Gold- u. Silberwaaren von Augsburg, Wien u. Berlin aus, in Glas Böhmen u. Schlesien, in Leder die preußische Rheinprovinz (Malmedy), in Porzellan Meißen, Wien u. Berlin, in musikalischen Instrumenten das sächsische Voigtland (Klingenthal) u. Österreich (Wiener Flügel), in mathematischen u. optischen Instrumenten München, Wien, Berlin u. Kassel; ferner verdienen noch einer besonderen Erwähnung die Schwarzwälder Uhren, die Passauer Schmelztiegel u. die Zöblitzer Serpentingefäße u. Serpentinwaaren, welche sämmtlich in großer Menge nach allen Ländern Europas u. nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika versandt werden. In der Bierbrauerei steht Baiern oben an, u. auch in anderen Ländern D-s hat sich dieselbe in der neuesten Zeit nach dem Muster der baierischen sehr vervollkommnet; die Brennerei bildet eine sehr wichtige Erwerbsquelle für die deutsche Landwirthschaft. Einer der neuesten Industriezweige D-s ist die Runkelrübenzuckerfabrikation, die sich in kurzer Zeit zu bedeutender Blüthe entwickelt hat. Der Zollverein hat 232 Fabriken (davon Preußen, Anhalt u. die Thüringischen Herzogthümer u. Fürstenthümer allein 204), welche vom 1. August 1856 bis 1. Mai 1857: 23,421,179 Centner Rüben verarbeiteten u. daraus gegen 1,800,000 Centner Zucker darstellten; Österreich (namentlich Böhmen, Mähren u. Schlesien) 50 Fabriken mit durchschnittlicher jährlicher Production von 360,000 Centner Zucker. Der Handel ist von außerordentlicher Bedeutung; wenn auch D. keine Colonien besitzt, so steht es doch mit allen Völkern der Erde in Verbindung, u. für alle einzelnen Zweige des Handels finden sich in D. wichtige Centralpunkte; für Manufacturwaaren: Leipzig, Frankfurt a. M., Berlin, Frankfurt a. d. O. u. Wien; für den überseeischen Handel: Hamburg (dessen Bedeutung in Europa nur von London u. Liverpool übertroffen wird, 1855: Ausfuhr u. Einfuhr in Gesammtwerth 1,035,779,790 Mark Banko = 517,800,000 preußische Thaler), nächst dem Triest (jährliche Aus- u. Einfuhr [an Betrag beide ziemlich gleich] im Gesammtwerth von ungefähr 260 Millionen Gulden = 173 Millionen preußische Thaler), Bremen (1856 Aus- u. Einfuhr im Gesammtwerth von 127,566,819 Louisd'orthaler od. ungefähr 139 Millionen preußische Thaler), Lübeck, Stettin, Altona. Der Gesammtverkehr dieser Hafenplätze hat sich seit 1816 nahebei verfünffacht. Die Hauptausfuhr geht nach Großbritannien: Wolle, Hopfen, Getreide, Lumpen, Leinengarn, Felle, Glaswaaren, Antimon; dann nach Frankreich: Eisen- u. Stahlwaaren, Zink, Steinkohlen, Holz, Hopfen, Hanf, Flachs, Wolle, Sämereien, Spiritus, Getreide Felle, Vieh; nach den Niederlanden: Getreide, Holz, Steinkohlen, Wein, Wolle, Leder, Metalle, Wollen-, Baumwollen-, Strumpf-, Eisen-, Stahl-, Porzellan- u. Glaswaaren; nach Belgien: Wolle, Wein u. Salz; nach der Schweiz: Getreide, Salz, Branntwein; nach Skandinavien u. Rußland: Sämereien, Bäume, Obst (namentlich getrocknetes), Zucker; nach Italien: Leinen-, Baumwollen- u. Kurze Waaren; nach Spanien u. Portugal: Getreide, Sammetbänder, Seiden- u. Kurze Waaren; nach [17] Ungarn u. der Levante: diverse Fabrikate; nach Amerika: Baumwollen-, Wollen-, Seiden-, Leinen-, Eisen-, Holz- u. Glaswaaren. Haupteinfuhr aus Großbritannien: namentlich Colonialwaaren, Roheisen, Baumwollen- u. Wollengarn; dann aus Frankreich: Wein, Seiden- u. Modewaaren, Bijouterien, Krapp; aus den Niederlanden: Colonialwaaren, Tuch, Fische, Thran, Käse u. diverse Fabrikate; aus Belgien: Sämereien, Leinwand, Spitzen, seine Tücher, Leder, Maschinen, Gewehre, Steinkohlen; aus der Schweiz: Käse, Leinen- u. Baumwollenwaaren, Uhren, Vieh; aus Skandinavien u. Rußland: Kupfer, Eisen, Hanf, Theer, Talg, Thran, Borsten, Fische, Leder, Pelze, Pottasche; aus Italien: Reis, Südfrüchte, Ol, Seide u. Kunstgegenstände; aus Spanien: Wein u. Südfrüchte; aus Ungarn: Wein, Tabak, Wolle, Gänsefedern, Vieh; aus der Levante: Hornvieh, Baumwolle, Reis, ätherische Ole; aus Amerika namentlich Colonialwaaren u. Baumwolle. Der Gesammtwerth des ganzen deutschen Handels (Aus- u. Einfuhr) läßt sich nicht genau bestimmen, da bei den officiellen statistischen Listen des Deutschen (Preußischen) Zollvereines die außerdeutschen Provinzen Preußens (mit den wichtigen Handelsplätzen Danzig, Memel u. Königsberg) insgesammt durchschnittlich Gesammtwerth der Ein- u. Ausfuhr über 400 Millionen Thaler (im Jahre 1856 betrugen die Einnahmen für Ein-, Aus- u. Durchgangszölle 26,172,503 Thaler), bei denen Österreichs ebenfalls dessen außerdeutsche Provinzen (mit dem wichtigsten Hafenplatz Venedig) mit in Anschlag gebracht sind, insgesammt durchschnittlicher Gesammtwerth der Ein- u. Ausfuhr über 500 Millionen Gulden2/3 preußische Thaler), so daß also der Gesammtwerth des ganzen rein deutschen Handels einschließlich der übrigen Zollgebiete Hamburg, Bremen etc., s. weiter unten) sich auf ungefähr 11 bis 1200 Millionen preußische Thaler belaufen möchte. Der Binnenhandel ist ebenfalls sehr bedeutend, doch lassen sich über denselben durchaus keine genauen Zahlen aufstellen, da authentische Angaben darüber nicht vorhanden sind. Hauptmeßplätze sind: Leipzig, die beiden Frankfurt u. Braunschweig; für Geldhandel u. Wechselverkehr: Frankfurt a. M., Wien, Berlin, Augsburg, u. Hamburg. Die jetzt für D. geltende Deutsche Wechselordnung ist die in der Sitzung der deutschen constituirenden Nationalversammlung vom 24. November 1848 angenommene u. am 26. November 1848 publicirte. Im Bankwesen hat sich in neuester Zeit eine bedeutende Veränderung, resp. Vermehrung, herausgestellt (s. Bank II. Cc), eben so in Beziehung auf Handelsgesellschaften, Actien- u. Assecuranzwesen (s. die eigenen Artikel). Die Rhederei D-s umfaßte (einschließlich Gesammtösterreichs u. Gesammtpreußens) im Jahr 1853: 14,450 Schiffe (wovon auf Österreich 6200, auf das übrige D. 8250 kamen), also der Zahl nach die dritte der Erde (Großbritannien 23,152, die Vereinigten Staaten von Nordamerika über 16,000, Frankreich nur 13,854 Schiffe), doch ist diese Bedeutung dem Scheine nach größer als der Wirklichkeit, da die Tragfähigkeit dieser Schiffe nur 760,000 Tonnen umfaßt, während die Englands über 300 Millionen Tonnen. Dem Zollwesen nach zerfällt D. in 8 Zollgebiete u. zwar: a) der Deutsche (Preußische) Zollverein, am 1. Januar 1834 in Kraft getreten u. ursprünglich 8307,11 QM. umfassend u. zwar: das gesammte Königreich Preußen (einschließlich seiner außerdeutschen Provinzen u. einiger ihm zugewiesenen baierischen, kurhessischen [Schmalkalden] u. anderen Enclaven, ingleichen Lippe mit zusammen 5209,19 QM), die Königreiche Baiern, Sachsen, Württemberg (mit Hohenzollern) Baden, Kurhessen, Luxemburg, Hessen-Darmstadt, Hessen-Homburg, einen Theil von Braunschweig den Thüringischen Verein (die sächsischen Herzogthümer etc.), Nassau, Frankfurt a. M. Nach dem am 4. April 1853 unterzeichneten u. am 1. Januar 1854 in Kraft getretenen Vertrage (12jährige Erneuerung des Zollvereines) traten dem Deutschen Zollvereine noch die Staaten des sogenannten Steuervereines bei (Hannover [mit Schaumburg-Lippe], Braunschweig u. Oldenburg), so daß gegenwärtig der Deutsche Zollverein 9112,97 QM. mit 32,721,344 Ew. (Volkszählung vom Dec. 1855) umfaßt; s. Zollverein. b) Das Österreichische Zoll- u. Handelsgebiet (außer dem gesammten Kaiserstaat u. dem deutschen Fürstenthum Liechtenstein noch die italienischen Herzogthümer Modena u. Parma umfassend) hat am 19. Februar 1853 mit dem Preußischen Zollverein einen die gegenseitige Verkehrsfreiheit befördernden Handelsvertrag abgeschlossen. c) Holstein-Lauenburg (dem dänischen Zollgebiete einverleibt); d) die beiden Mecklenburg, e) Limburg, f) Hamburg, g) Bremen, h) Lübeck, welche 6 letzteren sämmtlich isolirt dastehen. Das deutsche Postwesen hat in den letzten Jahren ebenfalls wesentliche Fortschritte gemacht; nach dem am 6. April 1850 abgeschlossenen Vertrag umfaßt der Deutsch-österreichische Postverein (da demselben nach obigem Abschlusse nach u. nach noch sämmtliche deutsche Staaten beigetreten sind) nicht nur das gesammte D., sondern auch die außerdeutschen Provinzen Österreichs u. Preußens; innerhalb dieses ganzen großen Gebietes gilt (abgesehen von den einzelnen engeren Postgebieten, z.B. Königreich Sachsen mit Sachsen-Altenburg, Thurn- u.) Taxis etc.) für den einfachen (frankirten) Brief (1 Zoll-Loth) den gleichmäßigen Satz von 1 Sgr. (3 Kreuzer) innerhalb 10 Meilen, 2 Sgr. (6 Kreuzer) innerhalb 20 Meilen, 3 Sgr. (9 Kreuzer) für jede, 20 Meilen überschreitende Entfernung; unfrankirte Briefe aus dem einen Staat (resp. Postgebiet) in den anderen 1 Sgr. Aufschlag; über 1 Loth doppeltes Porto, über 2 Loth dreifaches etc. Im Laufe der letzten Jahre hat der Deutsch-österreichische Postverein mit den meisten anderen europäischen Staaten, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Brasilien u. den englischen überseeischen Colonien Postverträge (beziehentlich directe Postverbindungen) abgeschlossen, wodurch die Porti bedeutend herabgesetzt worden sind. Dasselbe Gebiet wie der Deutsch-österreichische Postverein umfaßt auch der Deutsch-österreichische Telegraphenverein. Eine, den gegenseitigen Verkehr sehr wesentlich erleichternde u. befördernde Einrichtung ist ferner die von Preußen angebahnte Paßkartenconvention, welche. sich im Laufe der letzten Jahre mit Ausnahme Österreichs u. Holstein-Lauenburgs sämmtliche deutsche Staaten angeschlossen haben; doch haben in Österreich wenigstens die Paßkarten der benachbarten Staaten eine beschränkte Gültigkeit; in Holstein-Lauenburg dagegen gar nicht. An Eisenbahnen besaß D.[18] zu Anfang des Jahres 1858 1468 geographische Meilen, die sich auf folgende 23 Staaten vertheilen: Preußen (einschließlich der nicht zum Deutschen Bunde gehörigen Provinzen) 574 Ml.; Österreich (ausschließlich Ungarns, Galiziens u. Italiens) 255 Ml., Baiern 165 Ml., Hannover 98 Ml., Königreich Sachsen 76 Ml., Baden 52 Ml., Kurhessen 441/2 Ml., Württemberg 381/2 Ml., Holstein-Lauenburg 341/2 Ml., Mecklenburg-Schwerin 392/3 Ml., Hessen-Darmstadt 231/2 (Ml., Braunschweig 151/2 Ml.), Anhalt 14 1/2 Ml., Sachsen-Weimar-Eisenach 92/3 Ml., Nassau 91/2 Ml., Sachsen-Koburg-Gotha 61/8 Ml., Sachsen-Altenburg 42/5 Ml., Hansestädte 41/6 Ml., Limburg 33/4 Ml., Frankfurt a. M. 32/5 Ml., Schaumburg-Lippe 31/4 Ml. Reuß ältere u. jüngere Linie 3/4 Ml. Von diesen sind 7792/3 Ml. Privatbahnen u. 6881/3 Ml. Staatsbahnen. Die Privatbahnen sind im Besitz von 49 verschiedenen Actiengesellschaften mit einem concessionirten Anlagecapital von 3091/5 Millionen Thaler u. privilegirten Anlekhen von 2372/5 Millionen Thaler (in Summa 5463/5 Millionen Thaler). Die Staatsbahnen sind im Besitz folgender 14 Staaten: Preußen 1741/2 Ml., Baiern 1331/3 Ml., Hannover 947/8 Ml., Österreich 771/4 Ml., Königreich Sachsen 53 Ml., Baden 461/4 Ml., Württemberg 41 Ml., Braunschweig 233/4 Kurhessen 21 Ml., Hessen-Darmstadt 161/2 Ml., Schaumburg-Lippe, Sachsen-Koburg-Gotha, Frankfurt a. M. u. Bremen zusammen 7 Ml., auf welche über 300 Millionen Thaler verwandt worden waren. Die Frequenz der deutschen Actien-Eisenahnen betrug 1856: 233/4 Millionen Personen, 2631/2 Millionen Centner Güter, die der Staats-Eisenbahnen: 173/4 Millionen Personen u. 1363/4 Millionen Centner Güter, zusammen 411/2 Millionen Personen u. 400 Millionen Centner Güter. Die Einnahmen der Actienbahnen in demselben Jahre: 493/4 Millionen Thaler, der Staatsbahnen 29 Millionen Thaler, zusammen 783/4 Millionen Thaler. An Locomotiven waren 1857 auf den sämmtlichen deutschen Eisenbahnen im Betrieb: 2583, worunter 1978 Locomotiven aus deutschen (717 allein von Borsig in Berlin), 308 aus englischen, 177 aus belgischen, 73 aus amerikanischen, 22 aus französischen Fabriken, 35 unbekannten Ursprungs. Die Chausseen haben sich seit 1816 fast um das Dreifache vermehrt; gegenwärtig (1858) besitzt D. an dergleichen Kunststraßen (1. u. 2. Klasse) nahe an 8000 geographische Meilen. Die wichtigsten Kanäle D-s sind im Norden: der Eider- od. Kieler Kanal (verbindet die Eider mit der Kieler Bucht, also Nord- u. Ostsee), der Bremervörde-Kanal (Oste u. Schwinge, 2 Nebenflüsse der Elbe), der Stecknitz-Kanal (Stecknitz u. Trave), der Friedrich Wilhelms- od. Müllroser Kanal (Oder u. Spree), der Finow-Kanal (Oder u. Havel), der Ruppiner u. Plauensche Kanal (Havel u. Elbe). Im Süden: der Ludwigs- od. Donau-Main-Kanal (vermittelst Rednitz u. Altmühl den Main [also Rhein] mit der Donau, demnach die Nordsee mit dem Schwarzen Meere verbindend), der Wiener Kanal (von Wien nach Wienerisch-Neustadt). Dampfschifffahrt haben 6 Flüsse: Rhein (seit 1827), Donau (seit 1833) Elbe, Weser, Main u. Mosel. Außer den verschiedenen Dampfschifflinien von den verschiedenen norddeutschen Häfen nach denen Englands, Dänemarks, Schwedens u. Rußlands besitzt D. noch folgende überseeische (außereuropäische) regelmäßige Dampfschifflinien: von Hamburg nach New-York (Nordamerika); von Hamburg nach Rio de Janeiro (Brasilien); von Bremen nach New-York; von Triest (der Lloyd) nach den verschiedenen Mittelmeer-Hafenstädten des Orients (Ägypten, Kleinasien etc.). Die deutsche Auswanderung hat in den letzten Jahren sehr zugenommen (namentlich aus Süd-D., bes. Württemberg, Baden, Baiern, Hessen u. Rheinprovinz) u. richtete sich hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, dann auch noch nach Chile, Brasilien u. Australien (s. Auswanderung II. u. III.).

In Maßen besteht in D. noch eine sehr große Verschiedenheit, da selbst in einzelnen Staaten die verschiedenen Provinzen in dieser Beziehung von einander abweichen, übereinstimmend angenommen ist fast nur die deutsche (geographische, 15 auf 1 Äquatorialgrad) Meile = 7,421 Kilometres = 4,608 englische Ml. (69 auf 1 Äquatorialgrad); die in vielen deutschen Staaten geltende (preußische) Postmeile = 1,015 deutsche (geographische) Meilen. In Beziehung auf Gewichte ist es etwas besser geeinigt, namentlich seitdem Preußen, Sachsen u. einige andere Zollvereinsstaaten (seit 1858) das Zollgewicht angenommen haben, resp. vom 1. Januar 1859 an annehmen werden. Die meiste Einheit herrscht noch im deutschen Münzwesen seit dem am 24. Januar 1857 in Wien zwischen den durch allgemeine Münzconvention vom 30. Juli 1838 unter sich vereinigten deutschen Zollvereinsstaaten einerseits u. Österreich (mit Liechtenstein) andererseits abgeschlossenen u. am 1. Mai 1857 in Kraft getretenen Münzverträge. Das Zollpfund (0,5 Kilogramme) ist ausschließliches Münzgewicht; die reine Silberwährung ist festgehalten, u. zwar werden aus dem Pfund Silber: a) (anstatt des bisherigen 14 Thalerfußes) 30 Thaler in den norddeutschen Vereinsstaaten (ausgenommen Meiningen, Koburg, Nassau, Oberherrschaft von Rudolstadt, Homburg u. Frankfurt, welche bei der süddeutschen Währung [Rheinische Gulden] verbleiben); b) (anstatt des bisherigen 241/2 Guldenfußes) 521/2 Gulden in den süddeutschen Vereinsstaaten (außer Hohenzollern, welches [als zu Preußen gehörig] den 30 Thalerfuß annimmt) u. den oben genannten Vereinsstaaten nördlich vom Main, c) (anstatt des bisherigen 20 Guldenfußes) im österreichischen Kaiserstaat u. dem Fürstenthum Liechtenstein 45 Gulden erfolgen. Die Münzstücke des 30 Thaler-, 521/2 -Gulden- u. 45 Guldenfußes haben mit dem seither im 14 Thaler- u. 241/2 Guldenfuß geprägten ganz gleiche Geltung dergestalt, daß bei allen Zahlungen u. Verbindlichkeiten ein Unterschied zwischen denselben nirgends gemacht werden darf. Für den gegenseitigen Verkehr werden ausgeprägt: 1-Thalerstücke, 30 auf das Pfund seines Silber, im Werth von 1 Thaler, beziehentlich 13/4 u. 11/2 Gulden; 2-Thalerstücke, 15 auf das Pfund seines Silber, im Werth von 2 Thalern, beziehentlich 31/2 u. 3 Gulden (u. zwar an 1-Thalerstücken von 1857 bis 31. December 1858 von jedem der durch den Münzvertrag vereinigten Staaten mindestens 24 Stück auf je 100 Seelen seiner Bevölkerung, vom 1. Januar 1863 an innerhalb jedesmaliger 4 Jahre mindestens 16 Stück auf je 100 Seelen; die Anzahl der auszuprägenden 2-Thalerstücke wird dem Ermessen jedes einzelnen Staates überlassen). Diesen Vereinsmünzen[19] wird in allen Vereinsstaaten ganz gleiche Berechtigung mit den Landesmünzen beigelegt, ebenso den bisher im 14 Thalerfuße ausgeprägten 1- u. 2- Thalerstücken. Das Mischungsverhältniß der Vereinsmünzen ist 900 Tausendtheile Silber u. 100 Tausendtheile Kupfer, also 27 einfache u. 131/2 Doppelthaler auf 1 Zollpfund. Abweichung im Mehr od. Weniger darf im Feingehalt nicht mehr als 3 Tausendtheile, im Gewicht aber bei dem einfachen Thaler nicht mehr als 4 Tausendtheile, bei dem Doppelthaler nicht mehr als 3 Tausendtheile betragen. Ferner werden als Vereins-Goldmünzen geprägt 1/1 u. 1/2 Kronen (erstere 50, letztere 100 auf das Zollpfund seinen Goldes); der Silberwerth derselben wird lediglich durch das Verhältniß des Angebots zur Nachfrage bestimmt (haben sich bis jetzt auf 9 Thaler 4 Sgr. bis 9 Thaler 5 Sgr. erhalten) u. darf ihnen die Eigenschaft eines die landesgesetzliche Silberwährung vertretenden Zahlungsmittels nicht beigelegt u. zu ihrer Annahme in dieser Eigenschaft Niemand gesetzlich verpflichtet werden. Doch bleibt es jedem einzelnen Staate unbenommen, die Vereins-Goldmünzen bei seinen Kassen nach einem im Voraus bestimmten Curs an Zahlungsstatt für Silber zuzulassen. Eine solche Vorausbestimmung ist jedoch stets auf die Dauer von höchstens 6 Monaten zu beschränken. Der Kassencurs darf nicht über denjenigen Werth bestimmt werden, der sich aus dem Durchschnitte der amtlichen Börsencurse jener Münzsorte in den vorhergegangenen 6 Monaten ergibt. Andere Goldmünzen werden die Vereinsstaaten nicht ausprägen lassen. Hinsichtlich des Papiergeldes enthält der Vertrag folgende Bestimmung: Kein Staat ist berechtigt, Papiergeld mit Zwangscurs auszugeben od. ausgeben zu lassen, falls nicht die Einrichtung getroffen ist, daß solches jederzeit gegen vollwerthige Silbermünzen auf Verlangen der Inhaber umgewechselt werden könne. Papiergeld od. sonstige zum Umlauf als Geld bestimmte Werthzeichen dürfen künftig nur in Silber- u. in der gesetzlich bestehenden Landeswährung ausgestellt werden, ebenso die Noten der Privatbanken. Die Dauer des Vereins ist vorläufig bis zum 31. December 1878 festgesetzt. Die dem Verein nicht beigetretenen verschiedenen norddeutschen Staaten: Bremen (Goldwährung), Hamburg etc. haben ihren früheren Münzfuß beibehalten.

Literatur: F. L. Brunn, D. in geographischer, statistischer u. politischer Hinsicht, 2. Aufl. Berl. 1819, 3 Bde.; H. v. Krämer, Vollständiges Lehrbuch der Geographie der Staaten des Deutschen Bundes, Brem. 1818–19, 2 Thle.; A. Hörschelmann, Erd-, Volks- u. Staatenkunde von D., Berl. 1829; K. F. V. Hoffmann, Deutschland u. seine Bewohner, Stuttg. 1834–36, 4 Bde.; Hoffmann, Das Vaterland der Deutschen, Nürnb. 1839; Bücheln, Deutsche Vaterlandskunde, 1836–37, 1. Bd.; v. Hoff, D. in seiner natürlichen Beschaffenheit, seinem früheren u. jetzigen politischen Verhältnisse, Gotha 1838; Lengerke, Landwirthschaftliche Statistik der Deutschen Bundesstaaten, Braunschw. 1840; Weber, D. od. Briefe eines in D. reisenden Deutschen, neueste in 6 Bdn. umgearbeitete Aufl., Stuttg. 1843; Mendelssohn, Das germanische Europa, Berl. 1836; Winderlich, Deutschland, Lpz. 1852; ferner die verschiedenen statistischen Schriften von Dieterici, Hübner, v. Hörnig u. v. Reden. Unter den Karten u. Kartenwerken sind die vorzüglichsten: Reimann, Berl. 1825 ff. (342 Blätter); Weiß u. Wörl, Freiburg 1829 (85 Blätter); F. Friedrich, Specialkarte von D., Wien 1843; Sydow, Wandkarte von D., Gotha 1846; Stieler's Atlas von D. etc., Gotha 1850 (25 Karten); Specialkarte von D. in 70 Blättern, Halle 1851 f.; ferner die von Kiepert, Berghaus u. Spruner; Bernhardi, Sprachkarte von D., Kassel 1849.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 8-20.
Lizenz:
Faksimiles:
8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20
Kategorien:

Buchempfehlung

Meyer, Conrad Ferdinand

Gedichte. Ausgabe 1892

Gedichte. Ausgabe 1892

Während seine Prosa längst eigenständig ist, findet C.F. Meyers lyrisches Werk erst mit dieser späten Ausgabe zu seinem eigentümlichen Stil, der den deutschen Symbolismus einleitet.

200 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon