Deutschland [3]

[8] Deutschland, I. (Weltlage). D. liegt in der Mitte Europas, ist das Herz, der Mittelpunkt des ganzen Erdtheils, in unmittelbarer Berührung u. Verbindung mit den bedeutendsten Ländern desselben: es grenzt im N. an Dänemark u. Skandinavien, die ganz mit deutschem Wesen durchdrungen sind, oft aber dasselbe bekämpfen; im S. an Italien, dessen Geschichte innig mit D-s Geschichte verbunden ist; im W. an Frankreich, seinen Nebenbuhler in der Herrschaft über den Continent; im O. an Polen, welches ihm zum großen Theil seine Cultur verdankt; im SO. an die Türkei, lange Zeit D-s Schrecken; im NW. sind England, welches von D. bevölkert ist, im SW. Spanien, das ihm einen der wichtigsten Kaiser (Karl V.) gegeben hat, seine natürlichen Verbündeten gegen Frankreich. Macht man für Europa als Charakter die Mäßigung, Vermittlung u. Vielseitigkeit geltend, so erscheint D. in allen Verhältnissen als der eigentliche Repräsentant Europas. Zwischen den hohen Alpengipfeln des Südens u. der flachen Küste der nördlichen Meere, zwischen dem weiten, ebenen u. einförmigen Osten u. dem vielgliederigen, zertheilten u. an Gebirgen reicheren Westen von Europa liegt D. mit einer segensreichen Verbindung von Gebirgs- u. Flachland; im Süden das Alpenland mit Hochebenen, Stufen- u. Bergländern, im Norden u. Nordosten Niederungen u. weit ausgedehnte Ebenen, eine Gliederung, stark genug gegen den Despotismus, zu schwach für Anarchie. Im Ganzen ein Binnenland, entbehrt es auch nicht ein weites, vielbuchtiges Küstengebiet; doch greift das Meer zu wenig in sein Inneres ein, um Leben u. Verkehr zu wecken u. zu fördern, sondern schmiegt sich mehr in flachen Busen an, nur bestimmt, sein Flußsystem aufzunehmen, das ebenfalls dem Charakter der Vermittelung entspricht. Zahlreiche Gewässer fließen zum Meere, weit ins Land hinein schiffbar, nach allen Seiten hin abfließend, doch nicht verworren, sondern schön geordnet, so daß die nordischen Flüsse mit ihrem obern Laufe gegen die große Wasserstraße nach Osten gerichtet sind, den Norden u. Westen mit dem Osten verbindend. In der Mitte der gemäßigten Zone gelegen, zwischen der Hitze des Südens u. der Kälte des Nordens, zwischen dem feuchten oceanischen Klima des Westens u. dem trockenen continentalen des Ostens, hat es im Ganzen ein gemäßigtes Klima, u. ist dies auch durch die Öffnung nach Norden u. die Schneegipfel im Süden kälter, als die geographische Breite erwarten ließe, so bietet es doch schöne u. beständige Jahreszeiten in regelmäßigem Wechsel dar, in sich selbst wieder mit nicht unbedeutender Abänderung, wenn auch durch die größere Erhebung Süd-D-s ein noch größerer Unterschied verhindert u. die Einheit des Klima im Großen hergestellt wird. Im S. düster, regnerisch; im N., namentlich im NW., mehr oceanisch, unbeständig, feucht; in der Mitte trocken u. lieblich, u. zwar im O. mit hervortretendem continentalen Charakter, im W. unter oceanischem Einflusse eine der glücklichsten Landschaften Europas bildend. Denselben Charakter des Übergangs bietet D. dar in seiner Pflanzen- u. Thierwelt. In D. berühren sich die oft- u. westeuropäische, die nord- u. südeuropäische Flora u. Fauna; daher Reichthum an Pflanzen u. Thieren, aber Mangel an eigenthümlichen Gattungen. Ganz so verhält es sich mit der Bevölkerung: im O. u. W. vermittelnde Völker, zweisprachige Mischvölker. Zwischen den slawischen u. romanischen Völkern in der Mitte vermittelt das deutsche Volk deren Anschauungsweise, Sitten, Cultur u. staatliche Verhältnisse; zwischen dem unbeweglichen, zu geduldigem Dienst geneigten Osten u. dem leichtbeweglichen, leidenschaftlichen, nach wechselnden Gebilden in Staat u. Wissenschaft haschenden Westen hält es eine heilsame Mitte. Ein ähnliches Verhältniß findet zwischen dem S. u. N. statt. Beide sind zwar rein germanisch; allein jener dem romanischen Süden zugewendet, ist culturempfangend; der N. dagegen einer germanischen, zum Theil von hier aus germanisirten Welt zugewandt, ist culturmittheilend. Im Süden ist der Deutsche, dem Leiblichen nach, dem Romanen ähnlich, klein u. dunkler, im Norden rein germanisch, schlank, blond, weiß. Und auch im Geistigen steht zwischen der südlichen Erregbarkeit, Lebhaftigkeit u. Sinnlichkeit u. dem nordischen Ernste u. Schwermuthe in der Mitte der Deutsche mit Sinnigkeit, klarer Vernunft, frommem Gefühle, Tiefe u. Fülle des Gemüthes, begleitet von einer Stärke der Empfindungen, die ihn sich nicht abschließen läßt von der Heiterkeit des Lebens. Im S. katholisch, im N. protestantisch, vermittelt das deutsche Volk auch in der Religion, ebenso fern von dem religiösen Rigorismus der Skandinavier, wie von der Leichtigkeit des S. u. W. In T. sind Religion u. Philosophie innig verbunden, u. das deutsche Volk kann vorzugsweise das christliche genannt werden. So bildet D. den Übergang aller europäischen Verhältnisse, sowohl der horizontalen u. vertikalen Gliederung, als auch des Klimas, der Producte, der Volksstämme u. der Cultur. Dieser Stellung entspricht die Geschichte. Die wichtigsten äußeren u. inneren Veränderungen, welche den ganzen Erdtheil betrafen, gingen von D. aus. D. hat beim Untergange der klassischen Welt die gealterten Völker des römischen Reichs wieder aufgefrischt u. die Cultur des Alterthums für spätere Zeiten u. Völker gerettet; in D. ist im Mittelalter der große Kampf zwischen Staat u. Kirche geführt worden; aus ihm ist Luther hervorgegangen zur Rettung der evangelischen Wahrheit u. Gewissensfreiheit; in D. sind die großartigen, tief ins Volksleben eingreifenden Entdeckungen u. Erfindungen gemacht worden, welche die Cultur so sehr gefördert, die leibliche u. geistige Herrschaft Europas über die anderen Welttheile begründet haben. Das deutsche Volk steht heutigen Tages an der Spitze aller Nationen in Religion, Wissenschaft u. Kunst. D. ist[9] der Wirbelpunkt aller Hauptinteressen, von ihm hängt die Ruhe u. das Gleichgewicht des Welttheils ab, es dient allen übrigen Staaten Europas zum Schluß- u. Bindeglied. Mit einem Worte: es ist der geschichtliche Mittelpunkt der christlichen Welt. Steht so D. in der Mitte, Europa anregend u. belebend, das Herz im höheren Sinne, so muß es nothwendig auch wieder mehr, als irgend ein anderes Land den Einfluß der übrigen europäischen Länder auf sich erfahren. Daraus erklärt sich, daß das deutsche Volk ohne Vorurtheil das Ausländische prüft, das Beste aller Völker sich aneignet u. so das Alles umfassende, das philosophische Volk Europas wird, daß es aber auch ohne Noth Fremdes nachäfft, fremde Sitten u. Wörter aufnimmt. Daraus erklärt sich aber auch die politische Ohnmacht D-s dem Auslande gegenüber. Die verschiedenartigsten Interessen durchkreuzen sich hier, u. stets gelang es dem Feinde, eine Partei im Lande zu haben. Daraus erklärt sich endlich, daß D. mit seinen weiten Ebenen das natürliche Schlachtfeld aller europäischen Kämpfe ist, sie mögen entstehen, wo sie wollen.

Zwischen Ländern, die mit Amerika, u. zwischen solchen, die mit Asien in Verbindung stehen, ist D., an 3 Meeren gelegen u. mit einem sehr günstigen Flußsysteme versehen, der natürliche Kreuzungspunkt aller europäischen Hauptverkehrslinien, u. es wird es immer noch mehr werden, daher Welthandel jetzt deutlich im Begriffe steht, die früheren, aber später zum Theil aufgegebenen Richtungen wieder zu gewinnen, wenn es durch Zolleinigung u. Verkehrserleichterung auf den Strömen sich die Straße nach Osten sichert, wenn es die einem Binnenlande, das nicht berufen ist, Colonien zu haben, entsprechenden freihändlerischen Grundsätze annimmt, die allein den Seestaaten den Welthandel entreißen können. Der militärischen Stellung nach ist D. eine Continentalmacht. Das Verlangen nach einer deutschen Flotte ist begründet, wenn dieselbe nur zum Schutze der Küste u. des Handels, also auch der Industrie, dienen, D. vor den ungerechten u. lästigen Plackereien anmaßender Nachbarn sichern soll; es ist unbegründet, wenn sie berufen sein soll, D. zu einer Seemacht zu erheben, denn das letztere liegt nicht in seinem Charakter. Von den 3 Meeren sind 2 (die Ostsee u. das Adriatische Meer) zu sehr geschlossen, zu sehr in den Händen begünstigterer Nachbarn, als daß D. an die Herrschaft auf denselben denken könnte, u. außerdem ist das eine von ihnen (die Ostsee) nicht mehr, wie früher, der Sitz aller nordeuropäischen Culturvölker. Die Küsten des dritten Meeres (der Nordsee) aber, das wenigstens ziemlich offen ist, sind flach u. von Sand- u. Schlammbänken umlagert. D. hat nur eine Küstenlänge von 290 Meilen (180 an der Ostsee, 60 an der Nordsee, 50 am Adriatischen Meere), also 1 Ml. Küstenlänge auf etwa 45 QM. Flächeninhalt, während dieselbe Küstenlänge bei Frankreich auf 31, bei Großbritannien schon auf 61/2, bei Irland gar auf 5 QM. kommt. Es fehlen D. weite Busen, Inseln (u. die wichtigste, nämlich Helgoland, ist in fremden Händen), jede Gliederung durch große, weit hinausgreifende Halbinseln, mit einziger Ausnahme der schleswig-holsteinischen, die sogar zur Entwickelung des Handels unentbehrlich, jetzt aber sehr in Frage gestellt ist. D. ist glücklich geschlossen im S. u. N.: im S. durch die Alpen, die eine um so leichtere Vertheidigung zulassen, als der Südabfall derselben politisch noch zu D. gehört, u. auch die niedrigen Abfälle gegen das Adriatische Meer gestatten noch eine starke Vertheidigung. Den Norden schützen Nord- u. Ostsee u. die Enge der schleswig-jütländischen Halbinsel, ein Schutz, der im ersten Meere durch die Watten verstärkt wird, im zweiten aber zur Vollständigkeit eine Flotte verlangt. Weniger geschützt sind der Westen u. Osten. Im W. verlor D. mit der Schweiz, dem Elsaß u. den Niederlanden seine Naturgrenzen. Durch die Niederlande verlor es mitten im Flachlande durch die Flüsse, Sümpfe, Kanäle etc. eine der festesten Stellungen, u. die erste Schutzwehr gegen Angriffe von NW. ist erst der Rhein mit den Festungen Wesel u. Köln, in Verbindung mit dem rückwärts gelegenen. Minden. Der Südwesten ist durch den tiefen Einschnitt der Schweiz bedroht, wenn diese ihren neutralen Boden den feindlichen Heeren öffnet, zumal da die Lücke zwischen Schwarzwald u. Bodensee nicht gesperrt ist, u. Ulm das Donauthal nur unvollständig deckt. Durch den Verlust des Elsasses ist der Mittelrhein sehr bedroht, u. dies ist die schwächste Seere der deutschen Westgrenze. Frankreich dringt tief, fast rechtwinklig in das deutsche Land ein u. ist dem deutschen Centrum näher gerückt; hier hat Frankreich, mehr zum Angriffe als zum Schutze zahlreiche, sehr starke Festungen; die Gebirge, von deutscher Seite schwer zu ersteigen, sind von französischer ebenso leicht zu vertheidigen, wie auch leicht zu überschreiten. Die Thäler des Main u. der Kinzig bilden die natürlichen Wege für feindliche Invasionen, jenes ins Centrum nach Thüringen u. Sachsen, dieses durch die Gebirgslücke des Schwarzwaldes nach Schwaben u. Franken. Daher hier die Nothwendigkeit starker künstlicher Befestigungen, u. so bildet denn Mainz als Mittelpunkt mit dem Halbkreise der Festungen Koblenz, Luxemburg, Saarlouis, Landau, Germersheim ein Bollwerk, welches den Weg zum Herzen D-s genügend deckt, den am Oberrhein einbrechenden Feind aber stark bedroht, während Rastadt u. Ulm seinem Weiterdringen sich widersetzen. Der Südosten ist gut geschützt theils durch die Ausläufer der Alpen u. die vielen daselbst rinnenden Flüsse, theils durch die coupirte Landesnatur von Mähren u. Österreichisch Schlesien, verstärkt durch Olmütz, theils u. zwar am meisten durch die natürliche Burg Böhmens. Die schwächste Seite ist der Nordosten, die Linie von den Quellen der Weichsel u. Oder bis zum Meere. Im ungeschützten Flachlande grenzt D. etwa 180 Meilen weit an Rußland, u. der Wiener Congreß gab die stärkste Position in Osteuropa, das von Weichsel, Bug u. Narew gebildete Dreieck, an Rußland, ja rückte seine Grenze bis an die Linie der Prosna u. Warthe, wodurch D. in seiner Sicherheit u. Selbständigkeit bedroht wird. Gegen diesen russischen Einschnitt in die deutsche Grenze erscheint die Festung Posen nur als ein unzureichender Schutz, ebenso wie im N. Königsberg. Erst die Weichsel- u. Oderlinien bilden gute Vertheidigungsbasen; doch auch sie können D., da sich in Polen die feindlichen Kräfte unter den vortheilhaftesten Verhältnissen sammeln können, vor der Gefahr im O. nicht so sichern, wie die Rheinlinie gegen W. Ist daher auch D. nicht so vollständig geschlossen, daß es nicht fortwährend der Kraft u. des Muthes seiner Bewohner bedürfte, so bietet es doch eine Menge trefflicher natürlicher Vertheidigungsmittel dar; das einige D. ist stark genug, jeglichen Feind[10] von, seien Grenzen fern zu halten u. die Neutralität zu behaupten. Das ist der Vortheil seiner Lage.

D. zerfällt seiner natürlichen Beschaffenheit nach in 2 Theile: im N. Tiefebene, im S. Gebirgs- u. Hochland, von denen das letztere sich wieder in das süddeutsche Alpenland u. das mitteldeutsche Gebirgsland mit der dazwischen liegenden Ebene sondert. Durch die Scheitelgebirge u. die Thalsenkungen stellt sich eine vielfache Gliederung in eine ziemlich große Zahl natürlicher Gebiete heraus. Diese Provinzen sind alle stark von einander gesondert, von verschiedener Eigenthümlichkeit, nirgends durch ein vermitteln des Element, etwa das Meer, verbunden. Die centrale Provinz ist die schwächste, u. sie hat wieder den Charakter des deutschen Landes am meisten ausgeprägt, indem sie bes. durch die Natur u. die geschichtliche Entwickelung in die kleinsten Theile getheilt ist. Daher war die politische Macht stets bei den peripherischen Gliedern, diese lieferten die Kaiser (Sachsen, Franken, Hohenstaufen, Luxemburger etc.). Das Centrum war zu allen Zeiten politisch schwach, dagegen für Wissenschaft u. Kunst thätig u. so die Glieder belebend. Diese Zertheilung D-s durch vielfache Gebirgszüge, der Mangel der Ebenen im Innern, die Ohnmacht des Centrums hat seinen Ausdruck gefunden in der geschichtlichen Entwickelung. D. ist nie zu einer starken Einheit gekommen, es ist auch keine Hoffnung auf die Einheit in dem Sinne der Unitarier, welche D. centralisiren wollen. Zwischen der übermäßigen Centralisation Frankreichs u. der äußersten Decentralis ation Großbritanniens, welches eine Staatseinheit nur nach Außen kennt, muß D. einen vermittelnden, seiner Natur entsprechenden Weg suchen: Einheit in der Spitze des Reichs, darin selbst aber Freiheit der Bewegung für die einzelnen Volksstämme u. Landschaften. Die Zerstückelung in einzelne Theile hat der politischen Macht geschadet, aber günstig gewirkt auf die Cultur, u. ist selbst wieder ein Zeichen, daß die Masse des Volkes von derselben durchdrungen ist. Ist auch D. nicht durch Gleichartigkeit des Bodens, Einheit der Gebirge verbunden; seine allgemeinen Naturverhältnisse, seine Stellung zu den übrigen Ländern, sein Stromsystem, die Einheit des Hauptvolkes u. die Hauptsprache verketten D. zu einem einzigen Ganzen, u. selbst die glückliche Vertheilung der Industrie u. des Handels bewahrt es vor der Gefahr der Zerreißung durch einen Friedensschluß. Das Fortschreiten der technischen Cultur u. der erleichterte Verkehr bringt die verschiedenen Stämme einander näher, vertilgt die Vorurtheile, verschmilzt die widerstreitenden Interessen, belebt das Nationalgefühl, drängt zur Einheit, u. so bleibt dem deutschen Volke der erhebende Glaube an eine große u. herrliche Zukunft, würdig der in ihm schlummernden Keime.

II. (Neue Geogr. u. Statistik). D. ist ein Verein souveräner Staaten in der Mitte Europas, erstreckt sich in einer Länge von 159 Ml. vom 54°50' u. Br. (Ausfluß des Zarnowitzer Sees an der Grenze von Pommern u. Westpreußen) bis zum 44°45' u. Br. (Punta di Promontore, Südspitze der Halbinsel Istrien) u. in einer Breite von 136 Meilen vom 23°15' östl. L. von Ferro (äußerster westlicher Punkt des Herzogthums Limburg) bis zum 36°55' östl. L. (äußerster östlicher Punkt der preußischen Provinz Schlesien); grenzt im N. an die Nordsee, das dänische Herzogthum Schleswig (durch die Eider getrennt) u. die Ostsee; im O. an die preußischen Provinzen Westpreußen u. Posen, das Königreich Polen, Galizien, Ungarn u. Kroatien; im S. an das Adriatische Meer, das Lombardisch-Venetianische Königreich u. die Schweiz; im W. an Frankreich, Belgien u. die Niederlande, u. umfaßt in dieser Ausdehnung einen Gesammtslächenraum von 11, 436, 97 QM., u. einschließlich der preußischen Provinzen Westpreußen, Ostpreußen u. Posen, die, wenn auch nicht in politischer, so doch in ethnographischer u. sprachlicher Beziehung mit hierherzurechnen sind, von 13, 151, 21 QM. Die drei, die Grenzen D-s bespülenden Meere (Ostsee, Nordsee u. Adriatisches Meer) unterscheiden sich durch eigenthümliche Küstenbildung. Während sich die Nordsee durch tief einschneidende Meerbusen (theils vom Meere selbst [Jahdebusen u. Dollart], theils durch breite Fluß-[Weser- u. Elbe-] mündungen gebildet), die Küste desselben durch fruchtbare, weidereiche Marschgegenden auszeichnet, findet sich an der Ostsee die Bildung von Hassen od. Strandseen (das größte das [Stettiner] Große u. Kleine Haff mit einem Flächenraum von 14 QM.) vorherrschend, u. die Küsten selbst ziemlich öd u. reizlos; am Adriatischen Meere dagegen steile Felsenufer mit tiefen Buchten (die größten die beiden Meerbusen von Triest u. Fiume). Der Süden D-s ist bei weitem gebirgiger als der Norden. Im Allgemeinen hat D. zwei Gebirgssysteme: Alpen u. Mittelgebirge. Die Rhätischen Alpen, an der Grenze von Tyrol. u. der Lombardei (höchste Spitze: Orteles od. Örtelsspitze, 12,020 Fuß) mit einem nördlichen Zweige (Allgauer Alpen); die Norischen Alpen (deren höchstes Grat Tauern heißt) zwischen Donau u. Drau (höchste Spitze: Großglockner 12, 213 Fuß [nach den neuesten Messungen von Schlagintweit], der höchste Berg D-s), je nach der Lage Österreichische, Steyerische, Salzburger u. Trientinische Alpen genannt, der Wiener Wald ist ihr nördlichster Zweig; die Carnischen Alpen zwischen Drau u. Sau (höchste Spitze: Steineralp 10,000 Fuß); die Julischen od. Krainer Alpen, sich vom W. Illyriens nach SO. ziehend (höchste Spitze: Mont Terglu 8794 Fuß) u. in die Dinarischen Alpen übergehend (vgl. Alpen). Die Mittelgebirge kann man entweder als in die Gruppen des süd- u. des norddeutschen Gebirgslandes zerfallend, u. Main, Eger u. Elbe als Grenze derselben ansehen, od. den Rhein als Grenze denken, u. die östlich von demselben liegenden Gebirge als zum Hercynischkarpathischen Gebirgssystem gehörig zusammenfassen, die westlichen dagegen als zum Gallo-fränkischen Gebirgssysteme gehörig betrachten; ihre geognostische Beschaffenheit ist zu beiden Ufern des Flusses die nämliche, u. in dieser Beziehung bilden also beide nur ein Gebirgssystem. Die Hercynischen Gebirge des Hercynisch-karpathischen Systems, deren Knotenpunkt das Fichtelgebirge bildet, von wo aus die übrigen Gebirge nach 4 Richtungen auslaufen: nach SW. der Fränkische u. Schwäbische Jura, Frankenhöhe, Schwarzwald, Odenwald u. der (isolirte) Kaiserstuhl; nach NW. der Frankenwald, sich nach O. zu in den Thüringer Wald u. die östlichen Wesergebirge (Hainich, Dün, Kyffhäuser, Bückeberge, Solinger Wald u.a.), nach W. zu in die Rhön, die Werragebirge, Spessart, Vogelsgebirge, Taunus Westerwald (Sauerland, Arnsberger Wald, Haarstrang[11] u. das [isolirte] Siebengebirge), Erzgebirge u. Osning od. Teutoburger Wald verzweigend, nordöstlich von allen diesen der Harz; nach NO. das Egergebirge, Erzgebirge (mit dem Sandsteingebirge der Sächsischen Schweiz) u. Sudeten (Lausitzer-, Riesen-, Glatzer Gebirge u.a.), nach SO. in die Karpathen übergehend; nach SO. der Böhmer Wald (Greiner Wald, Wildgebirge, Baiersche u. Passauer Wald u.a.) u. das Böhmisch-mährische Gebirge, im NO. mit dem Glatzergebirge zusammenhängend. Zum Gallo-fränkischen System gehören die Fortsetzung u. Ausläufer der Vogesen: Haardt (mit Kalmit u. Donnersberg), Idarwald u. Hundsrück; Ausläufer der Ardennen: Eiffel u. Hohe Veen. Die Ausdehnung der Alpen beträgt 190 Meilen, der Hercynischen Gebirge 220 Meilen, der Gallo-fränkischen Gebirgszüge 140 Meilen. Hochebenen sind im südlichen Baiern u. Württemberg zwischen den Alpen u. der Donau (700 QM. bis zu 1900 Fuß Höhe) im nördlichen Baiern (Fränkische Hochebene 890 Fuß Höhe), der Böhmische Kessel (bis zu 1200 Fuß Höhe), der Glatzer Kessel (950 Fuß Höhe). Nach der Nord- u. Ostsee zu verflacht sich das Land in eine große Ebene, die nur von 2 Höhenzügen durchschnitten wird, welche nirgends die Höhe von 400 Fuß überschreiten u. als westliche Fortsetzungen des Uralischbaltischen u. des Uralisch-karpathischen Landrückens zu betrachten sind; die Küstenebenen selbst müssen mehrfach durch Kunstbauten gegen das Meer geschützt werden, welches trotz derselben häufig große Stellen Land wegschwemmt. Größere Binnenseen gibt es nur in Süd- u. in Norddeutschland, in Mitteldeutschland mangeln sie gänzlich; die bedeutendsten sind: der Bodensee, Gardasee (nur zum kleinsten Theil noch D. gehörig), Achensee (Tyrol), Zeller- u. Wolfgangsee (Steyermark), Alter- u. Traunsee (Erzherzogthum Österreich), Staffel-, Ammer-, Würm-, Tegern-, Chiem- u. Königssee (im südlichen Baiern), Federsee (Württemberg), Steinhuder Meer (Hannover u. Lippe-Schaumburg), Dümmersee (Hannover u. Oldenburg), Zwischenahner Meer (Oldenburg), Plöner-, Keller-, Seeleuter-, Westen- u. Grubersee (Holstein), Ratzeburger See (Lauenburg u. Mecklenburg), Schweriner-, Plauer-, Malchiner-, Flesen-, Kalpin- u. Müritzsee (Mecklenburg), Schwieloch- u. Scharmützsee (preußische Provinz Brandenburg), Madue-, Dammer-, Papenzien- u. Plönersee (preußische Provinz Pommern), Zarnowitzer See (Pommern u. Westpreußen), der Salzige u. der Süße See bei Eisleben (preußische Provinz Sachsen), Laacher See (preußische Rheinprovinz).

D. hat insgesammt 500 Flüsse (wovon etwa 60 von Natur, mehrere durch Kunst schiffbar sind) u. zwar A) 5 große Stromgebiete: a) Donau, auf dem Schwarzwald entspringend, nach O. strömend, in das Schwarze Meer mündend u. 130 Meilen lang D. angehörig, mit einem Stromgebiet von 3420 QM. innerhalb D.; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Blau, Brenz, Wernitz, Altmühl, Nab, Regen, March, Iller, Lech, Isar, Inn, Enns, Raab, Drau u. Sau; b) Rhein, auf den Schweizer Alpen entspringend, mit Ausnahme der beiden Strecken vom Bodensee bis Basel u. von Mainz bis Bingen (von O. nach W.), in seiner Hauptrichtung nach N. strömend, in die Nordsee mündend, u. 110 Meilen D. angehörig, mit einem Stromgebiet von 2146 QM. innerhalb D.; seine bedentendsten Rebenflüsse sindr Elz, Kintzig, Murg, Alb, Queich, Speyerbach, Neckar (mit Kocher, Jaxt u. Enz), Main (mit Regnitz u. Tauber), Lahn, Mosel, Sieg, Erst, Wipper, Ruhr u. Lippe; c) Weser, bei Münden aus der Verbindung der Werra u. Fulda gebildet, fließt nordwärts, mündet bei Bremen in die Nordsee; 82 Meilen Stromlänge, 820 QM. Stromgebiet; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Edder, Aue, Hunte, Aller, Wümme, Geeste; d) Elbe, auf den Sudeten entspringend, fließt Anfangs süd-, dann west-, zuletzt (Hauptströmung) nordnordwestwärts, mündet bei Cuxhafen in die Nordsee; 153 Meilen Stromlänge, 2600 QM. Stromgebiet; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Aupa, Metau, Adler (Erlitz), Moldau, Eger, Bielau, Mulde, Saale (mit Unstrut, Elster u. Bode), Ohre, Aland, Jetze, Ilmenau, Schwinge u. Oste (von links), Iser, Schwarze Elster, Havel (mit Spree), Elde, Stöcknitz u. Stör; e) Oder, auf den Sudeten in Mähren entspringend, Anfangs südöstlich, dann nordöstlich, dann (Hauptströmung) nordwestlich, zuletzt wieder nordöstlich fließend, mündet unterhalb Stettin in das Große Haff (Ostsee), 134 Meilen Stromlänge, 1370 QM. Stromgebiet innerhalb D.; ihre bedeutendsten Nebenflüsse sind: Oppa, Ölsa, Klodnitz, Malapane, Stöber, Ohlau, Katzbach, Lohe, Schwarzwasser, Bartsch, Bober, Neiße, Warthe, Ihna, Ucker, Peene u.a. B) An kleineren Stromgebieten noch die Ems, auf dem Teutoburger Walde entspringend, fließt in ihrer Hauptrichtung nordwärts, nimmt Hase u. Leda auf u. mündet in den Dollart (Nordsee), 51 Meilen Stromlänge, 240 QM. Stromgebiet; die Eider (Grenzfluß gegen Schleswig) fließt westlich u. mündet bei Tönning in die Nordsee, 25 Meilen Stromlänge, 190 QM. Stromgebiet innerhalb D. Ferner die Pommerschen Küstenflüsse: Rega, Peene, Persante, Wipper, Stolpe, Lugow u. Leba mit insgesammt 250 QM. Stromgebiet. Das Stromgebiet der Weichsel beträgt innerhalb D. 30 QM. u. 12 Meilen Stromlänge. Endlich noch zum Gebiet des Adriatischen Meeres gehörig: die Etsch (Adige), in Tyrol entspringend, südöstlich in die Lombardei fließend u. in den Meerbusen von Venedig mündend, u. der Isonzo, in Illyrien auf den Julischen Alpen entspringend, südlich fließend u. in den Meerbusen von Triest mündend, zusammen mit 380 QM. Stromgebiet innerhalb D.

Der Boden D-s bietet außerordentliche Mannichfaltigkeit u. Wechsel dort im S. die Hochgebirge mit ewigem Schnee u. Eis, in Mitteldeutschland die Mittelgebirge mit reichen Waldungen, fruchtbaren Thälern u. Weiden, im N. große Ebenen u. Haiden. Er ist im Allgemeinen als sehr fruchtbar zu bezeichnen; die fruchtbarsten Gegenden sind in Sachsen, Altenburg, Thüringen, Franken; unfruchtbarer sind die höheren Berggegenden, die Sandgegenden in Niedersachsen, Brandenburg u. Pommern, sowie die Haiden in Nord-D., welche ungefähr 1200 QM. einnehmen. Das Klima ist im Allgemeinen gemäßigt, die Schneegrenze zwischen 7200–8000 Fuß; die Temperatur je nach der südlichen od. nördlichen, westlichen od. östlichen Lage u. der Höhe über dem Meeresspiegel ziemlich gleichmäßig verschieden u. zwar so, daß dieselbe von S. nach N. mit je 25 Meilen um 1° R., von W. nach O. bei 33 Mleilen um 1° [12] R. u. nach der Höhe bei je 580 Fuß um 1° R. abnimmt; Illyrien (Görz 45°56' u. Br., 31°17' östl. L. von Ferro) hat mittlere Jahrestemperatur: + 12° R., mittlere Sommertemperatur: + 20,6° R., mittlere Wintertemperatur: + 2,1° R.; Pommern (Stralsund 54°18' u. Br., 30°45' östl. L. von Ferro), hat mittlere Jahrestemperatur: + 6,4° R., mittlere Sommertemperatur: + 13,8° R., mittlere Wintertemperatur: – 1° R.; das Rheinthal mittlere Jahrestemperatur: + 8,9° R.; Thüringen + 6,9° R.; Schlesien + 6,6° R., so daß sich also die mittlere Jahrestemperatur für ganz Deutschland zu + 7,9° R. herausstellen würde. Die jährlich fallende Regenmenge nimmt durchschnittlich von S. nach N. u. von W. nach O. zu ab. Die meisten Gewitter hat das mittlere Norddeutschland, die meisten Stürme die nördlichen Küstenländer; der Rhein ist nach zehnjährigem Mittel 26 Tage, die Weser 30, die Elbe 62, die Oder 70 Tage zugefroren. Die Luft ist im Allgemeinen rein u. gesund, man findet daher, den Cretinismus in den hohen Alpenthälern ausgenommen, keine Nationalkrankheiten in D.; das Nervenfieber hat in den letzten Jahrzehnten ebenso an Ausdehnung wie an Heftigkeit abgenommen, die Cholera sich mit seltenen Ausnahmen weniger verheerend gezeigt als in Rußland u. Frankreich. Der Productenreichthum D-s ist in allen 3 Naturreichen ein außerordentlich bedeutender; Mineralreich: Gold (in geringer Menge in Tyrol, Salzburg u. im Harz), Silber (im Sächsischen Erzgebirge, im Harz, Mannsfeldischen, Nassau, Oberschlesien, Südestfalen, Steyermark), Quecksilber (in großer Menge in Illyrien, in geringer in Böhmen u. Rheinbaiern), Eisen, Zinn (im Sächsischen u. Böhmischen Erzgebirge), Blei (in Kärnten, Steyermark, Böhmen, Oberschlesien, Sachsen u. Harz), Kupfer (in Tyrol, Steyermark, Sachsen, Mannsfeld, Harz), Kobalt (in Sachsen u. Kurhessen), Wismuth (in Sachsen), Galmey (in Oberschlesien), Antimon (in Steyermark u. Anhalt), Arsenik (in Schlesien u. Sachsen), Steinkohlen (in der preußischen Rheinprovinz, Westfalen, Hannover, Sachsen, Schlesien, Böhmen u. Steyermark), Schwefel (Sachsen, Österreich u. Hannover), Edelsteine (nur in geringer Menge u. Güte in Schlesien, Böhmen u. Sachsen), Porzellanerde (in Sachsen u. Schlesien), Graphit (in Österreich, Baiern u. Kurhessen), Bernstein (an der Ostsee), Kalk, Gyps, Marmor, Serpentin, Alabaster, Farbenerden etc., Salz fast in allen Staaten [ausgenommen Königreich Sachsen, Nassau u. Anhalt], am meisten im österreichischen Salzkammergut, Reichenhall [Baiern], Württemberg u. in den preuß. Provinzen Westfalen u. Sachsen, Hannover u. den sächsischen Herzogthümern), ebenso Alaun, Vitriol, Braunkohle u. Torf (namentlich im Nordwesten) in großer Menge, Mineralquellen von hohem Rufe, namentlich in Böhmen, Nassau, preußische Rheinprovinz, Waldeck (Pyrmont), Baden, Oberschlesien u. Erzherzogthum Österreich (Ischl). Pflanzenreich: alle der gemäßigten Zone angehörigen Getreide- u. Obstsorten, Roggen, Gerste u. Hafer überall, Mais fast nur im S., Weizen vorzugsweise im S. u. W., Buchweizen (namentlich im N.), Hirse, hauptsächlich im SO., Kartoffeln überall; ebenso die verschiedenen Hülsenfrüchte, Ölpflanzen (namentlich im NW.), Flachs u. Hanf (namentlich in Mitteldeutschland), Krapp, Waid u. Safran (im S. mehr als im N.), Tabak (namentlich am Oberrhein, der Werra, der Oder u. in der Uckermark), Hopfen (in Böhmen, Baiern u. Braunschweig), Runkelrüben (namentlich in der preußischen Provinz Sachsen, Anhalt, Großherzogthum Hessen, Südbaiern u. Böhmen), Gemüse (am besten in Schwaben, Franken u. Thüringen), Cichorie (zwischen Elbe u. Weser u. in Niederösterreich), Obst (am besten in Sachsen, Thüringen, Franken u. am Rhein; Aprikosen, Pfirsichen u. Feigen nur an geschützten Stellen; Südfrüchte nur im südlichen Tyrol u. Illyrien), Wein (bis zu 51°30' u. Br., am besten an der Donau u. Rhein, dann noch an der Mosel, dem Neckar u. Main, weniger gut an der Saale u. Elbe), Kastanien u. Wallnuß (in Süddeutschland u. am Rhein). Waldungen gibt es in großer Menge, der Boden derselben meist mit Futterkräutern u. Beeren bedeckt; einige Gegenden (namentlich im NW.) haben dagegen Holzmangel; die Gebirge u. das norddeutsche Tiefland haben vorzugsweise Kiefern, Fichten, Tannen, Lärchen, gemischt mit Birken, Erlen, Eichen u. Buchen (diese beiden letzteren namentlich an der Ostseeküste). Im Ganzen besitzt die Flora D-s 3413 Arten (Species) Phanerogamen (u. zwar 390 Sträucher u. Bäume, 2170 perennirende, 169 zweijährige u. 684 einjährige Pflanzen) u. 4306 Arten Kryptogamen (u. zwar 73 Farrenkräuter [Filices], 585 Laubmoose [Musci Juss.], 112 Lebermoose [Hepaticae Juss.], 2490 Pilze [Fungi], 670 Flechten [Lichenes], 376 Algen). Thierreich: von den Hausthieren namentlich Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, Esel; von Wild: Bären (nur noch selten in den Alpen), Wölfe (nur noch selten östlich von der Oder u. westlich vom Rhein), Gemsen u. Steinböcke (nur in den Alpen), Hirsche, Rehe, Hafen, Füchse, Hamster, Marder, Wiesel etc. fast überall ziemlich häufig, Dachse u. Fischottern, (selten), Adler u. Geier (fast nur in den Alpen), Gänse (namentlich in Pommern), Enten u. Hühner, sowie überhaupt die verschiedenartigsten Nutz-, Jagd-, Sing-, Sumpf- u. Wasservögel fast überall in großer Menge, Fasanen (namentlich in Böhmen), Kanarienvögel (namentlich in Tyrol gezogen), an Amphibien im Allgemeinen Mangel, von Schlangen nur die kleineren Arten (darunter nur 2 giftige: die gemeine Viper, Vipera berus, u. die Kreuzotter od. Kupferschlange, Vipera chersea), Frösche, Kröten u. einige (unschädliche) Eidechsenarten; von Fischen namentlich Karpfen u. Hechte (fast überall), Lachs (im Rhein, Weser u. Elbe), Stör, Schellfisch u. Wels (namentlich in der Elbe), Aale (namentlich im NO.), Forellen (in Gebirgswässern), Häringe u. Sardellen (in der Ost- u. Nordsee), Muränen (in pommerschen Seen), Thunfische (im Adriatischen Meere) u. v. a. Im Ganzen hat D. 110 Arten Fische (darunter 60 ausschließlich den Teichen angehörig), Austern in der Nord- u. Ostsee, Perlen in einigen Flüssen; Seidenzucht nirgends von Bedeutung, Bienenzucht in vielen Gegenden (namentlich Baiern, Hannover, der Lausitz u. Westfalen) von Wichtigkeit.

Die Gesammtzahl der Bevölkerung von ganz D. betrug im December 1855 nach officiellen Listen der Volkszählung: 43,935,500 Seelen (also 3811 auf 1 QM.), was seit 12 Jahren (Zählung vom Dec. 1843: 41,054,702) eine jährliche Zunahme von 0,6 Procent ergibt. Am dichtesten ist die Bevölkerung (außer den Gebieten der 4 Freien Städte)[13] im Königreich Sachsen (7420 Seelen auf 1 QM.), Großherzogthum Hessen (5595 Seelen auf 1 QM.) u. im Herzogthum Sachsen-Altenburg (5541 Seelen auf 1 QM.), außerdem stehen noch über dem Durchschnittsverhältniß der Reihe nach: Württemberg, Baden, die dem Deutschen Bunde angehörigen 6 preußischen Provinzen, Kurfürstenthum Hessen, Luxemburg, Nassau, Braunschweig, Sachsen-Coburg-Gotha, die beiden Schwarzburg, die beiden Reuß, Lippe-Detmold, Hessen-Homburg (sämmtlich mit mehr als 4000 Seelen auf 1 QM.) u. das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach (3977 Seelen auf 1 QM.); unter dem Durchschnittsverhältniß dagegen die dem Deutschen Bunde angehörigen Provinzen Österreichs (mit durchschnittlich 3769 Seelen auf 1 QM.), Baiern (3273 Seelen auf 1 QM.), die beiden Mecklenburg, Holstein-Lauenburg, Oldenburg, Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Anhalt-Bernburg, Waldeck, Lippe-Schaumburg u. Liechtenstein (sämmtlich unter 3000 Seelen auf 1 QM.); am dünnsten ist sie im Königreich Hannover (2599 Seelen auf 1 QM.). Die städtische Bevölkerung verhält sich (mit Ausschluß der Gebiete der 4 Freien Städte, wo dieselbe natürlich bei weitem überwiegend ist) zur ländlichen durchschnittlich wie 1: 3; in Preußen wie 2: 5; im Königreich Sachsen wie 1: 2. Die Verhältnißzahl der großen Städte zum Flächenraum wird nur durch die Englands, Belgiens u. der Niederlande übertroffen. D. besitzt 2 große Städte mit über 400,000 Ew. (Wien 473,000 Ew., Berlin [Civilbevölkerung] 426,602 Ew.); 6 Städte mit einer Bevölkerung zwischen 100,000 u. 150,000 Ew. (Breslau, Prag, München, Hamburg, Dresden, Köln); 12 Städte zwischen 50,000 u. 100,000 Ew. (Leipzig, Frankfurt a. M., Bremen, Magdeburg, Stettin, Aachen, Triest, Brünn, Graz, Nürnberg, Stuttgart u. Hannover); über 100 Städte zwischen 10,000 u. 50,000 Ew.; gegen 200 Städte zwischen 6000 u. 10,000 Ew. u. ungefähr 2000 kleinere Städte unter 5000 Ew., gegen 3000 Flecken u. ungefähr 112,000 Dörfer. Was die Nationalverschiedenheit betrifft, so sind 80,3 Procent (36,300,000 Seelen) der Gesammtbevölkerung (43,935,500) Deutschlands Deutsche; zieht man die zum Deutschen Bunde gehörigen Provinzen Österreichs (52,5 Procent Deutsche [namentlich im Erzherzogthum Österreich, Steyermark, Salzburg u. Tyrol], 46,5 Procent Slawen [namentlich die Czechen u. Mähren in Böhmen, Mähren u. Schlesien, die Slowenen in Kärnthen u. Illyrien], 1 Procent Juden), u. Preußens (93,3 Procent Deutsche, 5,6 Procent Slawen [namentlich die Wenden in Schlesien u. die Kassuben in Pommern], 1,1 Procent Juden, Wallonen u. Franzosen) hiervon ab, so ergibt sich für das übrige D. 98,5 Procent rein deutscher Bevölkerung. Die Gesammtzahl der Slawen beträgt in ganz D. etwas über 7,000,000 Seelen (also ungefähr 16,75 Procent), wovon außerhalb Österreichs u. Preußens nur ungefähr 50,000 Seelen (namentlich in der sächsischen Lausitz), die der Juden ungefähr 440,000 Seelen (also fast genan 1 Procent), am meisten im Großherzogthum Hessen, Kurfürstenthum Hessen, Frankfurt a. M. u. Hamburg, wo sie 3 Procent, außerdem noch stark (zwischen 1 u. 2 Procent) in Baden, Nassau, Baiern, Anhalt, Schlesien u. Mähren, am wenigsten im Königreich Sachsen, wo sie 0,5 Procent, in der preußischen Provinz Sachsen, wo sie 0,2 Procent betragen; fast gar keine in Österreich ob der Enns, Steyermark, Kärnthen, Krain u. Tyrol. Ungefähr gleich stark sind die Romanen (im südlichen Tyrol u. Illyrien) vertreten: die Zahl der Wallonen (im Großherzogthum Luxemburg u. Regierungsbezirk Aachen der preußischen Reinprovinz) beträgt ungefähr 200,000 Seelen (also 0,43 Procent), außerdem noch Franzosen (namentlich in Baiern u. Preußen], größtentheils religiöse [hugenottische, aus der 2. Hälfte des 16. Jahrh.] u. politische Flüchtlinge, aber fast ganz mit den Deutschen verschmolzen), Griechen ungefähr 3000 Seelen (namentlich in Wien, München u. Triest), ungefähr 2000 verschiedener anderer europäischer u. außereuropäischer Nationalitäten, etwas über 1000 Zigeuner (namentlich in Österreich), wenige hundert Armenier. Die Deutschen selbst zerfallen in Ober- u. Nieder- (Nord-) deutsche; die Grenze zieht sich ungefähr vom 51° u. Br. in WDeutschland bis zum 52°30' u. Br. in ODeutschland (jene südlich, diese nördlich von den Warthe, Havel, der untern Elbe, Harz u. Sieg). In Beziehung auf körperliche Größë u. physische Kraft übertreffen die Deutschen (wie überhaupt die germanischen Stämme) die romanischen u. slawischen Völker, die Magyaren u. Türken, u. gehören zu den größten u. kräftigsten Völkern der Erde; mittleres Durchschnittsmaß der Männer: 5 Fuß 6 Zoll rheinländisch; im Allgemeinen sind die Norddeutschen größer als die Süddeutschen, die den gebildeten Ständen angehörigen höher, aber weniger kräftig gebaut, als die den niedern Ständen angehörigen; in Beziehung auf körperliche Ausdauer stehen die Deutschen den slawischen, in Beziehung auf körperliche Gewandtheit den romanischen Völkerstämmen nach. Wohlbeleibtheit ist im Allgemeinen selten; die Gesichtsform meist oval (fast nur in Österreich u. Baiern rund), im Norden die Züge markirter, die Gesichtsfarbe blässer, als im