Gold

[442] Gold. I. (Chem., Aurum, Au, Atomgew. 1243,013 für O = 100 od. 994, für H = 1). Das G. wurde von jeher für das edelste Metall gehalten, es zeichnet sich durch seine gelbe Farbe aus, besitzt ferner einen starken Glanz u. verändert sich nicht an der Luft; es ist fast so weich wie Blei u. läßt sich sehr bedeutend ausdehnen; 1 Gran G. kann zu einem Draht von 500 Fuß Länge gezogen werden, ebenso kann es durch Ausdehnung vergoldeten Silbers zu außerordentlich dünnen Blättchen verarbeitet werden; ein 22 Zoll langer, 15 Linien dicker u. mit 2 Loth G. überzogener Silberstab läßt sich zu einem 55 deutsche Meilen langen vergoldeten Draht ausziehen. Die durch Schlagen (s. Goldschläger)[442] des Goldes erhaltenen Blättchen haben eine Dicke von 1/200000 Zoll. Es schmilzt bei etwa 1200° C. u. läßt sich nach Napiers Versuchen schon beim Schmelzen in Tiegeln bei gewöhnlichem Feuer verflüchtigen, mehr noch, wenn es mit Kupfer legirt ist; in Legirungen mit Silber dagegen ist es feuerbeständig, sobald nicht gleichzeitig Kupfer zugegen ist. Ebenso läßt es sich im Brennpunkte großer Spiegel u. Linsen u. durch eine starke elektrische Batterie schmelzen u. steigt in Dämpfen auf, seine Oberfläche bedeckt sich dabei mit einer violblauen, glasigen Rinde; Silber darüber gehalten wird vergoldet. Sowohl bei gewöhnlicher Temperatur, als auch in starker Hitze der Luft ausgesetzt, wird es nicht oxydirt, daher man Gegenstände, welche eine metallische Oberfläche behalten sollen, vergoldet, wie die Spitzen der Blitzableiter. Das specifische Gewicht des geschmiedeten Goldes ist = 19,5, das des gegossenen = 19,2; die specifische Wärme nach Regnault = 0,03244, nach Dulong u. Petit = 0,0298. Glasflüsse werden durch das G. roth gefärbt, indem es sich darin oxydirt; mit Borax geschmolzen wird es blaßgelb, mit Salpeter hochgelb. In Salpetesäure ist es unlöslich, ebenso in Schwefelsäure u. Salzsäure; eine Mischung von Salpetersäure u. Salzsäure, das sogenannte Königswasser, löst es aber zu Goldchlorid auf.

Verbindungen des Goldes: A) mit Sauerstoff: Das G. hat nur geringe Verwandtschaft zum Sauerstoff u. verbindet sich mit ihm nur indirect. a) Goldoxydul, Au2O (Aurum oxydulatum, Oxydum aurosum), bildet ein grünes, leicht zersetzbares Pulver, welches man durch Fällen von Goldchlorür mit verdünnter Kalilauge erhält, ein Theil desselben löst sich in dem Kali auf u. zerlegt sich bald in Goldoxyd u. metallisches G., welches letztere sich als eine dünne, mit grünem Lichte durchscheinende Schicht abscheidet. b) Goldoxyd (Goldsäure), Au2O3 (Aurum oxydatum, Oxydum auricum), erhält man nach Pelletier durch Digestion von gebrannter Magnesia mit Goldchlorid u. Zersetzen der dadurch entstandenen goldsauren Magnesia durch Salpetersäure; nach Figuier durch Zersetzen von Goldchlorid mit Kali, Vermischen mit Chlorbarium u. Abscheidung des Goldoxyds durch verdünnte Salpetersäure; es bildet ein gelbes, wasserhaltiges Pulver, welches beim Erhitzen kastanienbraun wird; bei 100° verliert es das Wasser u. wird schwarz. Es zersetzt sich schon am Licht in G. u. Sauerstoff, in Salpetersäure ist es löslich, fällt aber beim Verdünnen mit Wasser wieder aus; in Salzsäure u. Bromwasserstoffsäure löst es sich unter Bildung der entsprechenden Chlor- u. Bromverbindung. Durch Behandeln mit Ätzkali entsteht goldsaures Kali (KaOAu2O3 + 6HO), dieses bildet gelbe Krystalle, ist in Wasser löslich, reagirt alkalisch u. wird von fast allen organischen Substanzen reducirt; beim Erhitzen bildet sich G., Kali u. Kaliumhyperoxyd; Schwefelsäure scheidet die Goldsäure daraus ab; man erhält dieses Salz auch durch Behandeln von Goldchlorid mit Kali in der Wärme. Mit den meisten Metallsalzen gibt das goldsaure Kali unlösliche Niederschläge, mit Chlorcalcium einen weißen Niederschlag von goldsaurem Kalk, welcher sich in Chlorcalcium auflöst. Durch Einwirkung von schwefligsaurem Kali auf goldsaures Kali entsteht goldschwefligsaures Kali, welches unlöslich in alkalischen Flüssigkeiten ist u. sich mit Wasser unter Abscheidung von G. u. Entwickelung von schwefliger Säure zersetzt. Das Ammoniaksalz der Goldsäure ist das sogenannte Knallgold (Goldoxydammoniak, goldsaures Ammoniak): es bildet sich, wenn man Goldchlorid mit einem Überschuß von Ätzammoniak kocht, den Niederschlag auswäscht u. vorsichtig an der Luft trocknet; es ist ein gelblichbraunes Pulver mit einem Schein ins Purpurrothe, explodirt beim Erhitzen über 100° od. durch geringen Druck, Reiben etc. sehr heftig u. muß daher mit großer Vorsicht behandelt werden; seine Zusammensetzung ist wahrscheinlich: Au2O3, 2H3N + HO. c) Vielleicht besteht noch ein Goldoxyd mit der Formel AuO, welches Berzelius in dem Goldpurpur vermuthete u. daher für letzteren die Formel AuO + Sn2O3 aufstellte, während ihn Andere zu AuSn2O4 annehmen.

B) Mit Chlor: a) Goldchlorür, Au2 Cl, ist gelblich weiß, unlöslich in Wasser, zerlegt sich damit beim Kochen schnell, bei gewöhnlicher Temperatur allmälig in G. u. Goldchlorid; man erhält es beim Erhitzen des Goldchlorids bei 200°, bis kein Chlor mehr entweicht. b) Goldchlorid (Aurum muriaticum), Au2Cl3. entsteht beim Erhitzen von sein vertheiltem G. in Chlorgas u. beim Lösen von G. in Königswasser; wird diese Lösung bis fast zur Trockene eingedampft, so krystallisiren beim Erkalten gelbe, an der Luft zerfließliche Nadeln, welche aus einer Verbindung von Goldchlorid mit Salzsäure bestehen (saures Goldchlorid); setzt man zur wässerigen Lösung dieser Krystalle Äther, so löst dieser das Goldchlorid mit gelber Farbe auf (Goldtinctur), während sich eine ungefärbte saure Flüssigkeit zu Boden setzt; diese Goldtinctur war sonst officinell, sie wird auch zum Vergolden des Stahls benutzt. Dampft man eine Lösung von G. in Königswasser soweit ein, daß sie anfängt, Chlor zu entwickeln, so erhält man beim Erkalten eine dunkel rubinrothe krystallinische Masse, bestehend aus säurefreiem Goldchlorid (neutrales Goldchlorid); dieses löst sich in Wasser, Alkohol u. Äther, die Lösung wird von den meisten organischen Substanzen unter Abscheidung von G. zersetzt. Ammoniak gibt einen Niederschlag von Knallgold, Schwefelwasserstoff fällt daraus schwarzes Schwefelgold, Zinnsesquichlorid gibt einen purpurrothen Niederschlag, den Goldpurpur (s.d.). Mit Chlormetallen bildet das Goldchlorid Salze, welche im krystallisirten Zustand von orangegelber Farbe sind, an der Luft verwittern, dabei citrongelb u. beim Erhitzen intensiv roth werden. Kaliumgoldchlorid, KaCl + Au2Cl3 + 5 HO, krystallisirt in Prismen od. dünnen sechsseitigen Blättchen, verliert bei 100° das Wasser u. schmilzt dann leicht zu einer dunkelrothen Masse, welche nach dem Erkalten gelb wird, indem sich eine Verbindung von Goldchlorür mit Chlorkalium gebildet hat. Natriumgoldchlorid, NaCl + Au2Cl3 + 4 HO (Aurum muriaticum natronatum crystallisatum, Sal Auri Figuieri, Gozzys od. Figuiers Goldsalz), krystallisirt in gelben, vierseitigen Tafeln od. Säulen, welche an der Luft nicht verwittern; man erhält es, indem man 8 Thle. G. in Königswasser auflöst, zur Trockene verdampft u. 2 Thle. Kochsalz zusetzt; man löst die Masse in Wasser auf u. verdampft bei gelinder Wärme zur Krystallisation; es ist officinell. Ein Gemeng dieses Salzes mit Kochsalz ist das Aurum muriaticum natronatum inspissatum[443] (das Aurum muriaticum der preußischen Pharmakopöe), welches man durch Versetzen einer Lösung von 6 Thln. G. mit 10 Thln. Kochsalz u. Eindampfen darstellt. Ammoniumgoldchlorid, H4NCl + Au2Cl3 + 2 HO, Calciumgoldchlorid, CaCl + Au2Cl3 + 6 HO, Magnesiumgoldchlorid, MgCl + Au2Cl3 + 12 HO, werden auf ähnliche Weise erhalten.

C) Mit Brom verbindet sich das G., wenn man es in einer Mischung von Salpetersäure u. Bromwasserstoffsäure auflöst; beim Verdampfen der Lösung bleibt das Goldbromid als dunkelrothe Masse zurück, welche dem Chlorid sehr ähnlich ist u. entsprechende Verbindungen bildet.

D) Mit Jod. Bei der Behandlung von Goldoxyd mit Jodwasserstoffsäure entsteht unter Abscheidung von Jod das Goldjodür, Au2 I, welches man auch durch Vermischen einer Auflösung von Goldchlorid mit Jodkalium erhält; es bildet ein gelbes, schwer lösliches, krystallinisches Pulver. Goldjodid kennt man nur in Verbindung mit Jodkalium als Kaliumgoldjodid, KaI + Au2I3, welches in schwarzen, glänzenden Prismen krystallisirt.

E) Mit Schwefel. G. u. Schwefel verbinden sich nur auf nassem Wege zu: a) Goldsulphid, Au2S3, entsteht durch Fällung einer Lösung von Goldchlorid mit Schwefelwasserstoff als dunkelgelber Niederschlag, welcher beim Trocknen dunkel wird u. beim Erhitzen in G. u. Schwefel zerfällt. Wird eine Lösung von Goldchlorid in der Wärme durch Schwefelwasserstoff gefällt, so erhält man b) Goldsulphür, Au2 S, als dunkelbraunen Niederschlag, welcher, trocken erhitzt, ebenfalls in G. u. Schwefel zerlegt wird.

F) Mit Phosphor läßt sich das G. auf trocknem u. nassem Wege zu Goldphosphor verbinden, einer blaßgelben, brüchigen, metallglänzenden od. schwarzen pulverigen Masse.

G) Mit Arsenik vereinigt sich das G. bei hoher Temperatur zu einer grauen, spröden Verbindung.

H) Mit Metallen bildet das G. Legirungen, welche durch Zusammenschmelzen der betreffenden Metalle mit G. dargestellt werden; für die Technik sind die Legirungen a) mit Silber u. Kupfer die wichtigsten, weil fast niemals reines G., sondern eine Verbindung von G. mit Silber od. mit Kupfer verarbeitet wird. Der Goldgehalt solcher Legirungen wird nach Karat u. Grän ausgedrückt; eine Mark hat 24 Karat u. 1 Karat 12 Grän; man nennt daher 22-karätiges G. eine Mischung von 22 Thln. G. u. 2 Thln. anderes Metall, 14-karätiges G. enthält auf 14 Thln. G. 10 Thle. anderes Metall; 24 karätiges G. ist das Feingold. Das Kupfer ertheilt dem G. eine hochgelbe bis rothe, das Silber eine blaßgelbe Farbe, daher man die Legirungen mit Kupfer rothe Karatirung, die mit Silber weiße Karatirung nennt; gemischte Karatirung heißt eine Legirung aus Kupfer, Silber u. Gold. Ein Gemisch von 1 Thl. Silber u. 2–3 Thln. G. nennt man grünes G., 2 Thle. Silber u. 1 Thl. G. od. 1 Thl. Kupfer, 3 Thle. Silber u. 4 Thle. G. messinggelbes G.; das Goldloth zum Löthen von Goldwaaren besteht aus 16 Thln. G., 9 Thln. Silber u. 8 Thln. Kupfer; Emaillirloth aus 106 Thln. Kupfer, 30 Thln. Silber u. 288 Thln. G. Graues G. enthält 2 Thle. Silber, 30 Thle. G. u. 2 Thle. Kohlenstoffeisen; englisches G.: 1 Thl. Silber u. 12 Thle. G.; weißes G.: 10 Thle. Silber u. 14 Thle. G. Von den Legirungen des Goldes mit Kupfer ist die aus 7 Thln. G. u. 1 Thl. Kupfer die härteste. Zu den Goldmünzen werden ebenfalls Legirungen von G. mit Kupfer od. Silber angewendet; die holländischen Ducaten haben einen Feingehalt von 23 Karat 6–6,9 Grän, die österreichischen Ducaten 23 Karat 9 Grän, die französischen 20- u. 40-Francsstücke 21 Karat 7 Grän, die preußischen Friedrichsd'ore 21 Karat 8 Grän, die englischen Goldmünzen 22 Karat; b) Antimon nimmt dem G. seine Dehnbarkeit; eine Legirung von 9 Thln. G. u. 1 Thl. Antimon ist weiß, spröde u. von porzellanartigem Bruch. Ebenso macht c) das Wismuth das G. sehr spröd; eine Legirung von 11 Thln G. u. 1 Thl. Wismuth ist grünlichgelb, spröd u. feinkörnig; d) mit Zink bildet das G. eine blaßgrünliche, spröde Verbindung; eine Legirung von gleichen Theilen G. u. Zink ist sehr weiß, hart, politurfähig u. oxydirt sich nicht an der Luft; e) mit Zinn eine blaßgelbe, feinkörnige, wenig streckbare Legirung; f) Blei macht das G. schon in geringer Menge spröd; g) die Verbindung von G. mit Eisen mit 11 Thln. G. u. 1 Thl. Eisen ist gelblichgrau, hart u. dehnbar; h) mit Quecksilber verbindet sich das G. schon in der Kälte zu Goldamalgam, schneller, wenn man glühendes G. in warmes Quecksilber taugt; es ist gelblichweiß, je nach dem Verhältniß; 2 Thle. G. u. 6 Thle. Quecksilber krystallisirt in vierseitigen Säulen.

II. (Miner.). Das G. findet sich in der Natur meist gediegen, aber stets mit einem größeren od. geringeren Gehalt an Silber, der bis zu 40 Proc. steigen kann. Daß die natürlich vorkommenden Legirungen des Goldes mit Silber aus bestimmten stöchiometrischen Verhältnissen beider bestehen, ist von G. Rose, Ardrjew u. Domeyko widerlegt worden; die Legirung mit 20 Proc. Silber wird von Manchen unter dem Namen Elektrum als besondere Varietät aufgestellt. In geringen Mengen enthält das G. außerdem noch Kupfer, Eisen, zuweilen auch Platin, Iridium u. Rhodium. Das gediegene G. erscheint krystallisirt in Octaëdern, Würfeln u. Combinationen des tesseralen Systems, haar-, draht-, moos- od. baumförmig, ästig, gestrickt, in Blättchen, Blechen u. Platten, als Goldstaub u. Sand, in losen Körnern u. Klumpen. Seine Härte ist 2–3, das specifische Gewicht ist verschieden je nach dem Gehalt an Silber, es schwankt zwischen 14 u. 19. Es findet sich theils auf Gängen (Berggold), eingesprengt in Granit, Syenit, Porphyr, Thonschiefer, Diorit, Glimmerschiefer, Gneuß etc., in Begleitung von Quarz u. Schwefelkies, Kupferkies, Bleiglanz, Kalkspath etc. in Ungarn, Mexico, Peru, Brasilien, Nord- u. Südcarolina, theils im Diluvium auf secundärer Lagerstätte, indem die goldführenden Gesteine zerstört u. durch das Wasser fortgeführt wurden, daher im Schuttgebirge (Goldseisengebirge) u. im Sande vieler Flüsse (Waschgold), bes. in Brasilien, Mexico, Peru, Californien, Georgien, Carolina, St. Domingo, Borneo, Sumatra, Java, China, im Reich der Birmanen, Nubien, Senegambien, Ashanti, am Ural u. Altai, im Sande der Donau, des Rheins, der Jiar, Schwarza, Göltzsch etc. Außer im gediegenen Zustande findet sich das G. noch im Palladgold (faules G.) = Au, Pd, Ag; Rhodiumgold = Au, Rh; Schriftterz (Tellursilbergold [444] Schrifttellur) = AgTe + Au2Te3; Sylvanerz (Tellursilberblei, Weißtellur) = (Ag, Pb) (Te, Sb) + Au2(Te, Sb)3; Blättererz (Tellurblei) = Pb, Au, Te, Sb, S. Endlich kommt das G. auch im gediegenen Tellur u. im Tellursilber vor. In größern Stücken, Goldklumpen, kommt das G. selten vor; bei Miask wurde 1842 ein Goldklumpen von bedeutender Größe gefunden; derselbe wiegt 36,02 Kilogramm; zu Tzarewo-Alexandrowski bei Miask fand man ein 10 Kilogramm schweres Stück. In den Alleghanys in der Grafschaft d'Anson in Nordcarolina wurde 1821 ein Goldklumpen von 21,7 Kilogr. ausgegraben; einen noch größeren soll der Sultan von Sambas auf Borneo besitzen. Auf Haiti wurde im 16. Jahrh. ein 141/2 Kilogr. schwerer Goldklumpen gefunden, der Grand de Oro; derselbe versank bei einem Schiffbruch 1502 beim Cap Fugano. 1848 wurde am Fuße des Berges Trian in Sarawak (auf der Insel Borneo) G. in Klumpen entdeckt, deren jeder das Gewicht von 3 bis 4 Bunkals (1 Bunkal = 3 deutsche Zollloth) hatte. Im Sommer 1858 war im Krystallpalast von Sydenham (London) ein Goldklumpen (Blanch Barkly Nugget genannt) ausgestellt, der 1857 in Australien gefunden worden war; er wog 1743 Unzen (17 Unzen = 1 deutsches Zollpfd.), wovon nur 6 Unzen Beimischung, war 2 Fuß 4 Zoll lang, 10 Zoll breit u. zwischen 1–2 Zoll dick u. wurde zu 8000 Pfd. Sterl. an Werth geschätzt.

III. Die Gewinnung des Goldes ist verschieden je nach der Art des Vorkommens. Findet sich das G. im Sand, so wird es aus demselben gewaschen (Waschgold). In dem Waschgold ist das G. nicht rein, sondern mit anderen Metallen vermischt. Man zieht das G. aus demselben durch Quecksilber aus. Das erhaltene Goldamalgam wird zur Verflüchtigung des Quecksilbers geglüht. Man gewinnt auch das G. aus dem Goldsand durch Ausschmelzen. Befindet sich das G. in Kupfer- u. Bleierzen eingesprengt, so röstet man die Erze u. wäscht sie. Bei goldreichen Erzen benutzt man die Amalgamation; bei ärmeren Erzen schmilzt man die gerösteten Schwefelmetalle, u. behandelt den erhaltenen Rohstein mit Bleiglätte, worauf man die Operation des Abtreibens vornimmt. Nach einem neueren Verfahren wird goldhaltiger Quarz bis zum Glühen erhitzt, in Wasser abgeschreckt u. sein gepocht, dann in Fässern, welche mit Blei ausgefüttert sind, mit heißem Wasser befeuchtet u. Chlor durchgeleitet; die Masse wird dann ausgelaugt u. aus der Flüssigkeit das G. durch die gewöhnlichen Mittel niedergeschlagen. Oder man schmilzt das goldführende Gestein, wenn nöthig unter Zusatz eines Flußmittels, auf dem Herd eines Flammenofens; das G. schlägt sich dabei vermöge seiner Schwere zu Boden, ein Theil ist aber noch in den Schlacken suspendirt; um das letztere zu gewinnen, taucht man Eisen in die geschmolzene Schlacke, welches das G. auf seiner Oberfläche niederschlägt; um es vom Eisen zu entfernen, taucht man dasselbe glühend in geschmolzenes Blei u. erhält das G. aus diesem durch Abtreiben. Man schmilzt mehrere Beschickungen in dem Ofen u. sticht die Schlacken von Zeit zu Zeit ab. Das G. wird dann aus dem Ofen genommen u. nochmals umgeschmolzen. Das nach den erwähnten Methoden erhaltene G. ist nicht rein, sondern enthält Silber u. andere Metalle. Um letztere abzuscheiden (Goldscheidung), bediente man sich früher des Schwefelantimons, der Scheidung durch Schwefel, der Scheidung durch Cementation, u. der Scheidung in die Quart (Quartation). Höchstens wendet man jetzt noch zuweilen die letztere Scheidung an; sie besteht darin, daß man die Legirung mit so viel Silber zusammenschmilzt, daß das Gewicht des Silbers doppelt soviel beträgt als das des Goldes u. sodann in einem Platinkessel mit Salpetersäure übergießt. Silber löst sich auf, während G. zurückbleibt, welches in einem Tiegel mit Borax u. Salpeter umgeschmolzen wird. Die Scheidung, die jetzt am meisten Anwendung findet, ist die Goldscheidung durch Schwefelsäure od. die Affinirung; sie beruht im Wesentlichen darauf, daß man das goldhaltige Silber mit Schwefelsäure behandelt, wodurch schwefelsaures Silberoxyd gebildet wird, während das G. ungelöst zurückbleibt. Das zurückbleibende G. wird ausgewaschen, getrocknet u. mit etwas Salpeter umgeschmolzen. Die Anwendung dieser Scheidungsart hat es möglich gemacht, kupferhaltiges Silber mit einem Goldgehalt von 1/121/10 Proc., welchen man in allen älteren Münzen findet, zu affiniren. In großem Umfang wird diese Operation in Paris, Hamburg etc. von den Affinadeurs betrieben. Das auf diese Weise jährlich gewonnene G. wird durchschnittlich für die letztverflossene Zeit auf etwa 1600 Kilogr. geschätzt. Um chemisch reines G. zu erhalten, löst man G. in Königswasser, dampft die Lösung zur Trockne, löst das zurückbleibende Goldchlorid in Wasser u. fällt das G. daraus durch Eisenvitriollösung. In Gestalt eines gelben Schwammes kann man das G. erhalten, wenn man zu einer concentrirten Goldchloridlösung kohlensaures Kali u. krystallisirte Oxalsäure setzt u. die Lösung rasch bis zum Sieden erhitzt Im Handel unterscheidet man blasses, hochgelbes u. ganz reines (Jungferngold). Es kommt in denselben in Goldbarren stangenförmig zusammengeschmolzen, als Goldsand in Körnern, als Goldstaub in noch feinern Theilen vor. Das Letztere kommt in Beuteln bes. aus Afrika, ist hier eigentlich das feinste, aber bedeutenden Verfälschungen unterworfen. Das reinste G., Fein- (Rein-) G. genannt, hält 24 Karat; das Kronen- (Rheinische) G. hält 18 Karat G., mit 6 Karat Silber Zusatz; vom Blattgold gibt es drei Sorten, fein geschlagenes, blasses (od. grünliches) u. gemeines.

IV. (Med.). Die durch die Alchemie auch unter Ärzten verbreitete Ansicht, daß G. alle Vollkommenheiten eines Naturkörpers in sich vereine, verleitete sie, dem G. auch große Heilkräfte beizulegen, ja selbst zu hoffen, auf chemischem Wege eine Universalmedicin od. Lebensverlängerungsmittel daraus erhalten zu können. In neuerer Zeit sind indessen mehrere Goldsalze von rationellen Ärzten angewendet worden. Das aus seiner Auflösung durch Eisenvitriol als seines metallisches Pulver niedergeschlagene G., Goldpulver (Aurum pulveratum, Aur. alcoholisatum, Aur. praecipitatum), ein braunes mattes Pulver darstellend, welches durch Druck Metallglanz annimmt, hat man gegen Syphilis u. sonst innerlich gegeben. Auch in der Arzneimittellehre der Homöopathen hat das G. wieder Aufnahme gefunden u. wird in unendlich kleinen Gaben zur Hebung von Hypochondrie etc. angewendet. In Ägypten u. Arabien belegt man das Gesicht junger u. reicher Leute mit Goldblättchen, um es[445] vor der Einwirkung der Blattern zu schützen; dieses Verfahren wird auch in Frankreich, angeblich mit gutem Erfolg, angewendet. Außer dem metallischen G. ist noch das Natriumgoldchlorid officinell, u. zwar wird es hauptsächlich gegen Syphilis gebraucht.

V. Wegen seiner ausgezeichneten glänzenden Farbe u. namentlich weil es im gediegenen Zustand u. meist nicht sehr tief unter der Erdoberfläche vorkommt, war das G. schon seit den ältesten Zeiten bekannt u. ist wohl dasjenige Metall, welches von den Menschen zuerst gesammelt u. angewendet wurde. Schon im 1. B. Mosis findet man seiner Erwähnung gethan, u. es galt damals sowohl bei den Juden, als auch bei anderen orientalischen Völkerschaften, als Gegenstand größten Reichthums; es wurde zu Schmuckgegenständen verarbeitet, denn schon Abraham schickte der Rebekka, als er um sie für Isaak werben ließ, goldene Armbänder. Späteren geschichtlichen Überlieferungen zufolge verstand man auch bald, das G. aus goldhaltigem Gestein zu schmelzen, worauf eine Stelle bei Hiob hindeutet. In größerer Ausdehnung scheint die Goldproduction zuerst in Ägypten betrieben worden zu sein, bes. in der Nähe des Rothen Meeres. Auch in Indien war das G. frühzeitig bekannt, es wurde wahrscheinlich zumeist durch die Handelsleute aus dem nördlichen u. mittleren Asien u. den Inseln im Indischen Meere dahin gebracht. Auch in Kleinasien war der Reichthum an G. höchst bedeutend, wie die Sage vom König Midas u.a. beweist. Dort sollen auch zuerst, u. zwar von den Lydiern, Goldmünzen geschlagen worden sein. Was die Bekanntschaft der Griechen mit dem G. (Chrysos) betrifft, so mag diese ebenfalls sehr alt sein, sie erhielten es aus Kleinasien u. Indien. Ihnen war die Bearbeitung des G-es, die Vermischung mit andern Metallen, bes. mit Silber, das Belegen mit Goldplättchen, goldne Gefäße etc. schon zu Homers Zeiten bekannt. In Rom wurden 207 v. Chr. die ersten Goldmünzen geprägt, obgleich schon frühzeitig durch den lebhaften Handelsverkehr mit fremden Völkern G. nach Italien gebracht worden sein mag. Indessen war der Goldverrath in Rom nicht erheblich, bis später namentlich durch die Kriege des Ämilius Paulus im Orient u. Cäsars in Gallien große Mengen erbeuteten Goldes dahin gebracht wurden.

Im Mittelalter wurde an mehreren Orten Europas G. gewonnen, u. namentlich waren die böhmischen, ungarischen u. siebenbürgischen Bergwerke im 8.–40. Jahrh. sehr ergiebig; so soll z.B. eine einzige Grube bei Eule in Böhmen in einem Jahre eine Goldmenge von 1,600,000 Ducaten im Werth u. in einem anderen Jahre mehr als 100,000 Mark geliefert haben. In Folge des sich immer mehr ausdehnenden Handels, u. bes. auch durch die Verwendung des Goldes zu Schmuckgegenständen u. zur Bereicherung der Kirchenschätze, wurde aber das G. mehr u. mehr der Circulation entzogen, u. so war es erklärlich, wie gegen Ende des Mittelalters die Sucht, G. aus anderen Metallen zu erzeugen, so allgemein wurde u. die Alchemie selbst an den Höfen der Regenten Schutz u. Unterstützung fand. Durch die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 durch Columbus schienen olle die Hoffnungen von der Entdeckung eines unbekannten Goldlandes in Erfüllung gegangen zu sein; wie gering jedoch in der ersten Zeit die dortige Ausbeute von G. gewesen ist, u. wie wenig Einfluß sie auf die damaligen Geldverhältnisse geäußert hat, läßt sich aus dem Bericht entnehmen, daß in den ersten 27 Jahren höchstens 55,000 Mark G. nach Europa gebracht wurden. In den Jahren 1521 bis 1803 betrug in Mexico nach den Angaben Humboldts die gesammte Goldproduction 79 Mill. Piaster, 1804–48 nach Dansons Schätzungen 84 Mill. Piaster; Richthofen veranschlagt die Menge des überhaupt, bis einschließlich 1852, in Mexico geprägten Goldes auf 126,919,162 Piaster u. schätzt die gesammte Gold- u. Silberproduction während dieses Zeitraums auf 3562,204,894 Piaster. In Mittelamerika betrug die Goldausbeute in den Jahren 1804–48 etwa 9 Mill. Piaster. Bedeutende Goldmengen wurden in Neugranada gewonnen, so lieferte z.B. die Provinz Antioquia von 1847–48 18,000 Mark G. In Chile gewann man früher mehr als jetzt, bes. in Coquimbo. Der Gesammtertrag des Spanischen Südamerikaan G. bis zum Jahre 1848 wird auf 6 Mill. Mark geschätzt. Die Auffindung des brasilianischen Goldes geschah 1590 durch Alfonso Sardinha in der Provinz S. Paolo; man fand es im Bett von Flüssen u. kleinen Bächen als Sand, in Körnern u. in mehreren Pfund schweren Klumpen. In anderen Provinzen Brasiliens entdeckte man es später, in Minas Geraes erst 1680, in Matto Grosso u. Goyaz 1719. So bedeutungsvoll auch die Goldproduction in Brasilien war, so hat sie sich doch im Verlauf dieses Jahrh. wesentlich vermindert; nach Dansons Schätzungen betrug dieselbe von 1601 bis 1848 1018 Mill. Piaster. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika wurde bes. in Virginien, Nordcarolina, Südcarolina u. Georgien G. gewonnen; in neuester Zeit hat man auch in Pike's Park große Mengen G. gefunden; die gesammte Goldproduction der Vereinigten Staaten außer Californien innerhalb der Jahre 1804–50 wird auf 15,250,000 Dollars veranschlagt. 1851 war die Ausbeute 2700 englische Pfund, 1852: 3150 Pfd. u. 1853 2200 Pfd. Um das Jahr 1846 wurde der Goldreichthum Californiens durch Marshall entdeckt, welcher um diese Zeit bei der Anlage einer Mühle im Sande Goldkörner fand; diese Entdeckung zog eine Menge Goldsucher herbei, durch deren Anstrengungen bald sehr bedeutende Massen Goldes gewonnen wurden. Am Rio de los Amerikanos gruben im Jahre 1849 zwei Arbeiter in zwei Monaten eine Quantität G. im Werthe von 28,000 Dollars aus; ähnliche Ausbeuten gaben der Mariposa u. der Molekemmes. Die Ausbeute betrug 1848: 8 Mill. Dollars, 1849: 25 Mill., 1850: 40 Mill., 1851: 56 Mill., 1852: 63 Mill., 1853: 68 Mill., 1854: 68 Mill., 1855: 70 Mill. Bis 1854 wurde das meiste californische G. in der Hauptmünze der Vereinigten Staaten zu Philadelphia geprägt, seitdem ist aber in San Francisco selbst eine Münze errichtet, wo 1855 1,174,443 Unzen G. deponirt wurden, welche einen Ertrag von 17,598,300 Dollars in Münze, 3,270,595 Dollars in rohen Barren u. 88,7881/2 Dollars in raffinirten Barren lieferten. Anfang 1856 wurde in Britisch Columbien (Neu Caledonien, im W. des Gebietes der Hudsonsbai Compagnie) am obern Columbia (Oregon) River G. in größerer Menge gefunden, noch mehr aber Ende 1857 u. Anfang 1858 an den Ufern des Frazer's River. Dies zog[446] eine große Menge Einwanderer namentlich aus Californien dahin; das Gouvernement erhöhte die Licenzgebühr für das Goldsuchen im Januar 1858 von 10 Shilling auf 21 Sh. Ebenso wurden auch an der Thompsonmündung Goldlager gefunden, u. zwar das G. in ziemlich großen Stücken (bis zur Größe eines Taubeneies). Einzelne Goldsucher sollen es in den dortigen Gegenden bis zu 80 Dollars an Werth in einem Tage gebracht, nie aber unter 7 Dollars gefunden haben. Im Aug. 1858 nahm ein einziges Dampfboot für 30,000 Doll. Goldstaub vom Frazer's River an Bord, u. man vermuthet in Britisch Columbien einen ähnlichen Goldreichthum wie in Californien u. Australien. Am 12. Febr. 1851 entdeckte ein gewisser Hargreaves in der Mähe von Bathurst auf dem südlichen Theile von Australien unermeßliche Goldlager; später fand man deren in verschiedenen Gegenden der Colonie Victoria. Nach amtlichen Angaben betrug die Goldausfuhr aus Sidney 1851: 468,536 Pfd. St., 1852: 818,752 Pfd., 1853: 548,053 Pfd., 1854: 237,911 Pfd. Die Ausfuhr der Colonie Victoria nach Schätzungen: im Jahre 1852: 14,866,799 Pfd. Sterl., 1853: 11,588,782 Pfd., 1854: 8,770,796 Pfd., 1855: 11,000,000 Pfd. Die Ausbeute an G. in den österreichischen Ländern betrug 1772–1810 etwa 4500 Mark, 1823–47 etwa 140,335 Mark. Im russischen Reich war die Goldgewinnung bis in die Mitte des 18. Jahrh. ziemlich unbedeutend, bis 1743 die Goldlager bei Jekatherinenburg gefunden wurden, welche man 1752 bergmännisch auszubeuten begann. Die 1745 entdeckten Goldminen am Ural singen erst seit 1810 u. bes. seit 1823 an, größere Bedeutung zu gewinnen, u. erlangten die größte Ausbeute (5941 Kilogr.) im Jahre 1832. Nicht lange vorher hatte man in Sibirien am Altai neue goldhaltige Alluvionen in drei Bezirken entdeckt u. zu bearbeiten angefangen; die dortige Goldausbeute hat sich bes. seit 1842 in großartiger Weise entwickelt u. bis Ende 1848 im Ganzen 274.496 Kilogr. G., im Werthbetrag von 247 Mill. Thlrn., geliefert. Man schätzt die Ausbeute im ganzen russischen Reich von 1753–1810 auf 1726 Pud (1 Pud = 40 russ. Pfund = 70 Köln. Mark), 1811–30: 4908 Pud, 1831–40: 4269 Pud, 1841–47: 8769 Pud, 1850: 65,600 engl. Pfd., 1851: 68,500 Pfd., 1852: 64,000 Pfd. 1853: 64,000 Pfd. Auch die Sunda-Inseln, bes. Borneo, sowie auch das Innere von Afrika, liefern fortwährend ansehnliche Quantitäten G. Südasien lieferte im Jahre 1800 10,000 engl. Pfd. G., 1845: 20,000 Pfd., 1850: 25,000 Pfd., 1851–53 jährlich 25,000 Pfd. In Afrika wurden von 1845–53 jährlich etwa 4000 engl. Pfd. producirt. Früher fanden sich in Preußen Spuren von G. an mehreren Orten, z.B. in Schlesien, in einigen Nebenflüssen der Mosel, doch seit etwa 25 Jahren hat der Betrieb darauf aufgehört; etwas G. liefert Hannover im Rammelsberge bei Goslar, Braunschweig, Baden, Kurhessen. Frankreich (Arriège, Gardon, Lèze, Rhone, Rhein bei Strasburg, Salat, Garonne, Hérault: Waschgold) 500 Mark (125 Kilogramm), deren Werth 430,555 Francs ist; Spanien, Portugal (Adiça) u. Schweden (Faluhn) liefern auch etwas weniges G. (Berggold); Piemont (im östlichen Abhang des Monteosa Prov. Pallenza) 500 Mark.

VI. Obgleich in der neueren Zeit die Goldproduction bedeutend zugenommen hat u. die Goldlager für die nächste Zukunft eine sehr reiche Ausbeute versprechen, so würde der hierdurch in Aussicht gestellte so ansehnlich vermehrte Goldvorrath gleichwohl für die menschliche Gesellschaft im Ganzen ein wirklich Nutzen bringendes Resultat nicht haben, denn der eigentliche Capitalreichthum würde dadurch keine Vermehrung erhalten. Nur die Bezeichnung der Werthe würde eine Veränderung erfahren, u. in dem Verhältnisse, wie der Werth des Goldes herabgegangen wäre, müßte bei allen Baarzahlungen das zu gebrauchende Quantum G. ein größeres sein. Eine noch so bedeutende Goldgewinnung kann daher auch nicht das Capital im Allgemeinen vergrößern, eben weil der in Folge dessen verminderte Preis ein entsprechendes Mehrquantum bei Baarzahlungen nöthig macht. Eine reiche Goldausbeute kann von bedeutendem Vortheile nur für diejenigen sein, welche die Sache als Erwerbszweig betreiben können u. so lange der Preis des Goldes die Productionskosten mehr od. weniger übersteigt, so wie ferner für Speculanten od. für Schuldner, welche Goldlieferungen übernommen od. in G. bedungene Zahlungen zu leisten haben. Ein solcher Gewinn wird aber auf Seiten Anderer Verluste bewirken. In Folge der großen, ja noch vergrößerten Goldproduction würde namentlich das Verhältniß des Gläubigers zum Schuldner nothwendig eine wesentliche Veränderung erleiden, welche für den Letzteren vortheilhaft, für den Ersteren aber sehr nachtheilig wäre. Da nun aber die Werthveränderungen der edlen Metalle nur allmälig eintreten, während einer kurzen Zeit also auch nicht sehr erheblich sind, so werden die Handelsoperationen, da Wechsel gewöhnlich drei Monate dato zahlbar gestellt sind u. nur selten auf sechs Monate lauten, auch im Ganzen nur wenig davon berührt werden. Für andere Verhältnisse aber (für auf lange Zeit geschlossene Contracte, langjährige Pachten, hypothekarische Forderungen u. bes. für immerwährende Renten) kann u. wird eine Veränderung des Metallwerthes von entschiedenen Folgen sein; bes. das Interesse der Gläubiger gewisser Staaten, namentlich Großbritanniens, würde von einer erheblich vermehrten Goldausbeute zu leiden haben. Der Zahlungswerth in Großbritannien besteht nämlich nur in G., da das Silbergeld seit 1816 dort nur als Scheidemünze gilt. Die englische Staatsschuld ist nur in G. verzinsbar u. rückzahlbar, u. da die Regierung jährlich 28 Mill. Pfd. Sterl. an ihre Gläubiger zu zahlen hat, so repräsentirt dies eine Masse von circa 205,000 Kilogramm (410,000 Pfund) G. Hätte nun in etwa 20 Jahren die vermehrte Goldausbeute das G. auf 1/4 seines jetzigen Werthes herabgebracht, so würde die englische Regierung jene zur Zinszahlung nöthige Summe von 28 Mill. Pfd. Sterl. viermal leichter aufbringen, während dagegen die Renteninhaber, obschon sie ihren Betrag von 205,000 Kilogr. G. richtig erhielten, gleichwohl nur 1/4 soweit damit kämen, als unter den jetzigen Verhältnissen. Anders ist der Fall mit den Staaten des europäischen Continents, wo das Silber das gesetzliche Zahlmittel ist, u. folglich auch die erhöhte Goldproduction eine sonhe Krisis für diese Staaten nicht herbeiführen kann, wie sie für Großbritannien zu beinrehten sein dürfte.

Das Werthverhältniß des Goldes zum Silber läßt sich in drei verschiedenen Beziehungen[447] auffassen: als natürliches, gesetzliches u. Handelsverhältniß. Die Ermittelung des natürlichen Verhältnisses würde die meiste Schwierigkeit darbieten, weil sie nur dadurch möglich wäre, daß man genau wüßte, wie viel G. u. Silber zu Tage gefördert worden sei; das gesetzliche Verhältniß ist das Werthverhältniß beider Metalle zu einander, wie solches einem gewissen Münzfuße zum Grunde liegt. Daß aber der Werth des Goldes zu dem des Silbers in ein richtiges Verhältniß gestellt werde, ist für jeden Staat um deshalb wichtig, weil er sich sonst dem Nachtheile ausgesetzt sähe, daß seine Gold- u. Silbermünze, je nachdem die eine od. die andere zu niedrig veranschlagt wäre, ausgeführt u. eingeschmolzen würde. Das daneben bestehende, durch den Handelsverkehr bedingte Verhältniß, Handelsverhältniß, ergiebt sich entweder aus den für beide edle Metalle gleichzeitig bezahlten Preisen od. aus dem Courswerthe der Münzen. Die Preise des Goldes u. Silbers werden zunächst bestimmt durch deren Gewinnungskosten, dann durch deren Mengenverhältniß. Einer uralten herkömmlichen, aus dem Orient stammenden Regel zufolge hat das G. einen zehnmal größeren Werth als das Silber (man sagt, die Werthrelation des Silbers zum G. sei = 1_: 10) u. diese Norm hat auch im Alterthum ihre Geltung nicht verloren, obgleich zuweilen der Goldwerth so hoch stieg, daß sich eine Werthrelation von 1_: 12 bis 1_: 14 herausstellte; diese Schwankungen waren indessen vorübergehend u. nur von localen Umständen abhängig. Aus mehrfachen Berichten der Geschichtsschreiber geht aber hervor, daß nicht nur bei den Römern u. Griechen, sondern auch im Orient das Verhältniß 1_: 10 war, allerdings mit der vorherrschenden Tendenz einer Wertherhöhung des Goldes. Unter Cäsar war die Werthrelation 1_: 11,91, unter Caligula 1_: 12,17, unter Nero 1_: 11,8, unter Antonius 1_: 11,98. Im 4. u. 5. Jahrh. fand in Folge der Veränderung des Goldreichthums eine Steigerung des Goldwerthes Statt, u. es wurde sogar durch ein kaiserliches Edict vom Jahre 410 der Goldwerth dahin bestimmt, daß 1 Pfund G. zu 72 Solidi u. 1 Pfund Silber zu 5 Solidi zu rechnen sei, was eine Werthrelation von 1_: 14,4 gibt. Während des Mittelalters unterlag die Werthrelation zwischen G. u. Silber bedeutenden Schwankungen, u. zwar zwischen den Grenzen 1_: 9 u. 1_: 13; im 14. u. 15. Jahrh. war das durchschnittliche Verhältniß 1_: 12. Für das 15. Jahrh. erklären sich diese Verhältnisse leicht aus der damals so bedeutenden Silbergewinnung in Böhmen u. Sachsen u. der nicht in demselben Maße erfolgten Ausdehnung der Goldproduction in Ungarn u. Siebenbürgen. Nach der Entdeckung Amerikas stieg der Werth des Goldes fortwährend u. erhob sich allmälig auf das Fünfzehnfache des Silbers, fiel dann im 18. Jahrh., wegen der reichen Goldausbeute Brasiliens, auf das Vierzehnfache, hob sich dann wieder, als diese abnahm, u. erreichte so nach u. nach den bisherigen Stand von ungefähr 154 Gewichtsmenge Silbers. Seit dem Ende des 18. Jahrh. (1790 war das Verhältniß 1_: 15,10) war eine Vertheuerung des Goldes eingetreten (1793 = 1_: 15,28, 1800 = 1_: 15,64) u. diese für den Zeitpunkt von 1840 (1_: 15,38) bis 1849 (1_: 15,76) überraschend, da das Verhältniß der jährlichen Production der beiden edlen Metalle doch schon durch die russischen Goldwäschereien eine bedeutende Veränderung erfahren hatte. Denn während sich für die von den amerikanischen Minen seit ihrer Entdeckung bis 1848 gelieferten Erträge das Werthverhältniß des Goldes zum Silber stellt wie 100_: 271 (Verhältniß dem Gewichte nach wie 1_: 42), u. die zu Anfange des 19. Jahrh. anzunehmende jährliche Gesammtproduction an edlen Metallen ein Werthverhältniß ergibt von 100_: 245 (dem Gewichte nach wie 1_: 38), so zeigt dagegen die jährliche Gesammtproduction um 1847 dem Werthe nach ein Verhältniß von 100_: 90 (dem Gewichte nach wie 1_: 14); aber gleichwohl war bis Ende 1840 ein bemerkbares Fallen des Goldes nicht vorgekommen, sondern erst in den letzten Monaten des Jahres 1850 fing solches allmälig zu sinken an. 1816–49 war die niedrigste Notirung des Goldes auf dem Hamburger Curszettel 1818, = 1_: 15,19, die höchste 1821, = 1_: 16,20; od. wenn man nur bis auf 1833, von wo an die Notirung pr. G. al Marco dort eintrat, zurückgeht, so war die niedrigste Notirung 1840 u. 1841, nämlich = 1_: 15,21, u. die höchste 1836 u. 1843, nämlich = 1_: 15,89. In den letzten Monaten des Jahres 1850 aber fiel der Preis des Goldes allmälig mehr u. mehr, denn während es z.B. am 3. Sept. mit 4341/2 Mark Bco. notirt war, war der Preis am 17. Decbr. bis auf 423 Mark Bco. gefallen. In London, wo das G. den Werthmaßstab bildet, war das Verhältniß in den Jahren 1831–40 = 1_: 15,75, 1841–50 = 1_: 15,83, 1851 = 1_: 15,46, 1852 = 1_: 15,59, 1853 = 1_: 15,38, 1854 = 1_: 15,33, 1855 = 1_: 15,36. Für eine Mark feines G. wurden bezahlt: 1844–46 373–378 Rheinische Gulden in Silber (7 G. = 4 Thaler), 1847–50 376–386 Gulden, 1851–52 370–3841/2 Gulden, 1853–54 374–381 Gulden, 1855–56 373 bis 380 Gulden. An der Börse zu Paris, wo dem Goldverkaufe der tarifmäßige Werth von 3437 Frcs. 77 Cts. für 1 Kilogr. feines G. zu Grunde liegt, wurde für je 1000 Fr. im Jahre 1846 ein Aufgeld bezahlt von 101/2, 1847 161/2, 1848 151/2, 1849 9, 1850 121/2, 1851 u. 52 0, 1853 1,1854 2, 1855 0, 1856 5. Dort hatte das G. im Jahre 1846 den 15,64fachen u. 1856 den 15,54fachen Werth des Silbers in Barren.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 442-448.
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