Salz

[817] Salz, 1) s. Salze; 2) (Kochsalz, Küchensalz, Sal culinare), ist Chlornatrium = Na Cl. Es kommt in der Natur sehr verbreitet vor, theils fest, als Steinsalz (s.d.), theils gelöst in den Salzsooten u. im Meerwasser. Außerdem findet es sich in allen Pflanzen u. in allen Theilen des thierischen Organismus, sogar in der Luft ist es enthalten, namentlich in der Nähe der Meere; in geringer Menge ist es in allen Brunnen- u. Flußwässern, sowie in der Ackererde enthalten. Das Steinsalz hat eine körnige, zuweilen blätterige, stängelige od. faserige Zusammensetzung, ist weiß, grau in verschiedenen Nüancen, fleischroth, ziegelroth, gelb, selten grün od. blau. Es findet sich in Lagern u. Stöcken von verschiedener Mächtigkeit u. Ausdehnung, in Begleitung von Anhydrit, Gyps, Thon etc., in verschiedenen Formationen. Selten steht es zu Tage, gewöhnlich ist es durch mehr od. minder mächtige Gebirgsmassen bedeckt. In der Grauwackenformation findet es sich in Virginien, im Zechstein bei Magdeburg, im Muschelkalkgebirge bei Sulz, Hall u.a. O. in Württemberg, Dürrheim, Rappenau u. Hasmersheim in Baden, Wimpfen in Hessen, Hall in Tyrol, Hallein, Ischl u. Ausee in Österreich; in der Tertiärformation an den Abhängen der Karpaten in Ungarn, Siebenbürgen u. Galizien, bes. zu Wieliczka u. Bochnia. In manchen Gegenden ist der thonige od. sandige Boden mit Salztheilchen gemengt, zuweilen auch mit einer Salzrinde bedeckt; so findet man das S. in bedeutenden Landstrichen in der Kirgisensteppe am Kaspischen Meer, in den Hoch- u. Tiefländern Mittelasiens, in der Mongolei, wo diese Salzsteppen tausende von Quadratmeilen einnehmen, zu beiden Seiten des Altaigebirges, am Irtysch bis zum Obi hin in der Barabinskischen Steppe, im turanischen Tieflande u. dem iranischen Wüstenkessel, wo ein ununterbrochenes Salzfeld 3000 QM. bedeckt. Das Meerwasser enthält 31/2 bis 4 Procent feste Bestandtheile, unter denen das Kochsalz den Hauptbestandtheil ausmacht; außer diesem finden sich noch Bromnatrium, Chlormagnesium, schwefelsaures Kali, schwefelsaurer Kalk, schwefelsaure Magnesia. Das Wasser des Großen Oceans enthält 2,58, des Atlantischen Oceans 2,75, der Nordsee 2,55, des Mittelmeeres 2,94 Procent Kochsalz, s. Meerwasser unter Meer 1). Der Gehalt an S. steigt in den Binnenseen oft sehr bedeutend; so enthalten die Salzseen der Kirgisensteppe u. der Krim zwischen 13 u. 14 Procent S.; in Gegenden, wo die Verdunstung des Wassers stark ist, setzen solche Salzseen das S. ab, andere überziehen sich mit einer zusammenhängenden Kruste von S., wie der Eltonsee in der Kirgisensteppe, od. sie trocknen gänzlich aus u. lassen das S. als krystallinische Kruste am Boden zurück. Das Kochsalz krystallisirt gewöhnlich in Würfeln, welche sich oft zu hohlen[817] vierseitigen Pyramiden mit treppenförmigen Wänden gruppiren; enthält die Auflösung aber Harnstoff od. phosphorsaure Salze beigemischt, so schießt es in Oktaedern an. Die Krystalle sind wasserfrei, schließen aber immer geringe Mengen Wasser ein, weshalb sie beim Erhitzen zerknistern (decrepitiren). Knistersalz ist eine Sorte Steinsalz aus Wieliczka, welches verdichtetes Kohlenwasserstoffgas eingeschlossen enthält u. daher beim Auflösen ein eigenthümliches Knistern verursacht. Das specifische Gewicht des Kochsalzes ist 2,15. In Wasser löst es sich leicht auf, 100 Theile Wasser lösen bei gewöhnlicher Temperatur 36, bei 100°40 Theile Kochsalz. Wenn man eine gesättigte Auflösung von S. in sehr niederer Temperatur stehen läßt, so krystallisiren große sechsseitige Tafeln, welche 4 Äquiv. Wasser enthalten. Über – 10° werden diese Krystalle unter Abscheidung von Wasser zersetzt, indem kleine Würfel von Kochsalz entstehen. In Alkohol u. starkem Weingeist ist das S. sehr schwer löslich, mit dem Wassergehalt des Weingeists steigt die Löslichkeit. Im reinen Zustande schmeckt es rein salzig, anhängende Magnesiaverbindungen ertheilen ihm einen bitterlichen Geschmack, Chlormagnesium verursacht, daß es an der Luft feucht wird. Bei starker Rothglühhitze schmilzt es u. verdampft bei noch höherer Temperatur. Mit Schwefelsäure verbindet sich das Kochsalz zuschwefelsaurem Chlornatrium; dasselbe entsteht, wenn man zu gepulvertem Kochsalz bei starker Abkühlung langsam den Dampf von wasserfreier Schwefelsäure treten läßt; es ist eine durchscheinende harte Masse, welche beim Erhitzen Chlorgas, schwefelige Säure u. schwefelsaures Natron gibt, mit Wasser in saures u. schwefelsaures Natron u. Salzsäure zerfällt. Außer als Würze der Speisen dient das S. als Futter, zum Conserviren von Fischen, Fleisch, Vegetabilien, zur Darstellung von Glaubersalz u. Salzsäure, zur Soda- u. Glasfabrikation, zum Glasiren der Töpferwaaren, bei der Seifenbereitung, als Heil- u. Düngemittel, bei metallurgischen Prozessen, als Flußmittel schwerflüssiger Körper etc.

S. hatten die Alten in allen Ländern (als bes. reich daran wird Iberien genannt); man gewann es theils aus Quellen, welche Salztheile absetzten, od. aus Landseen (deren es bei Agrigent u. auf der Grenze von Kappadozien u. Phrygien gab); od. aus Flüssen, z.B. aus denen in Turdetanien, dem Phasis u.a.; od. aus dem Seewasser, welches man, wie noch jetzt, in flache Gruben an der Küste leitete, worin nach Verdunstung des Wassers das S. (Boysalz) zu Boden sitzen blieb; od. aus Bergwerken, bes. in Libyen, wo manches sogleich hart gegraben wurde, anderes diese Eigenschaft erst an der Luft annahm; einige Berge bestanden ganz aus S., wie die beim jetzigen Cardona in Catalonien, bei Yniesta, in Indien, welche sich auch nach der Benutzung wieder ansetzten. Auf noch andere Weise gewannen die Germanen S. dadurch, daß sie Wasser, welches mit Salztheilen geschwängert war, auf brennende Scheiterhaufen gossen u. so die Abdunstung des Wassers durch die Wärmeder verlöschenden Kohle bewirkten. Salzquellen waren bei den Deutschen heilig u. ihr streitiger Besitz war eine höchst gerechte Sache einen Krieg zu führen, weil sie salzreiche Orte dem Himmel näher u. Gebete in ihrer Nähe ausgesprochen viel wirksamer glaubten, als anderswo. Der erste Gebrauch des S-es wird den Phöniciern, unter ihnen dem Misor u. Selech, zugeschrieben. Der Gebrauch des S-es war bei den Alten außer zur Zubereitung der Speisen zum Einpökeln der Fische, Mumisiren der Leichen u. Abreiben der neugebornen Kinder damit, noch gewöhnlich bei Opfern, bei den Juden mußten nach dem Mosaischen Gesetz alle Opfer gesalzen sein, bei den Griechen gehörten Bohnen u. Linsen mit S. vermischt zu den Reinigungsopfern (s.u. Opfer u. Mola salsa); bei der Schließung von Bündnissen, bes. im Morgenland, wo es jetzt noch Sitte ist, indem beide Parteien etwas S. genießen, u. wo die Darreichung u. Annahme des S-es statt des Eides der Treue galt; so wurde auch der Fremdling mit Darreichung einer Quantität S. begrüßt u. dadurch gegen alle Beleidigungen geschützt. Im Gegentheil wurde auch über eine Stätte, welche verflucht worden war, S. gestreut zum Zeichen, daß fortan darauf nichts mehr wachsen sollte. Auf den Tischen der Römer stand auch außer der Zeit des Essens ein Salzfäßchen (Salinum) neben den Laren, welches in der Familie forterbte (daher Salinum paternum) u. den Ort, wo es stand, heiligte, daher ernste Beleidigungen über Tisch als Frevel gegen das Gastrecht angesehen wurden. Das Verschütten des S-es bei Tische galt als ein böses Vorzeichen. Die Israeliten erhielten ihr S. aus dem Todten Meere (Salzmeer) u. aus dem südwestlich von demselben liegenden Salzthal, wo nach der jährlichen Überschwemmung Lachen zurückbleiben, wo nach Verdunstung des Wassers so viel S. zurückbleibt, daß sich ganze Salzberge bilden. Den Handel damit trieben, u. treiben noch jetzt, die um das Todte Meer wohnenden israelitischen u. arabischen Stämme. Attika hatte selbst Salzquellen Gephyra gegenüber jenseit des Kephissos u. Salzwerke an der Küste, wo es durch die Sonne verdunstet od. abgekocht wurde (Halopegia), bezog dasselbe aber auch aus Misäa in Megaris u. durch seinen ausgebreiteten Seehandel von andern Orten her; da es in Athen wegen der vielen Abgaben, welche auf dem Salzhandel lagen, sehr theuer war, versuchte man durch Volksbeschlüsse den Preis zu ermäßigen. In Rom war der Salzhandel früher in den Händen von Privatleuten, da sie aber unmäßige Preise hatten, so wurde 506 v. Chr. der Salzhandel ein Monopol des Staates. Salzwerke (Salinae) in Rom errichtete zuerst Ancus Marcius bei dem neu an der Tibermündung angelegten Ostia. Die Abgaben für die Einfuhr des S-s in den Provinzen waren bedeutend u. bereicherten den öffentlichen Schatz sehr. Über die Bereitung des S-s s.u. Salzwerk.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 817-818.
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