Salzwerk

[828] Salzwerk, Anstalt, wo Kochsalz aus Salzwasser (Soole, Meerwasser) od. aus Steinsalz bereitet wird. A) Aus Soole bereitet. Hierzu muß man die Salzquellen aufsuchen, welche nur selten frei zu Tage ausfließen (streichende Quellen sind), häufiger aus der Erde u. aus dem Gestein sickern (Schwitzquellen), od. aus der Tiefe aufsteigen (senkrechte od. Stoßquellen), od. sich in die Tiefe stürzen. Meist hat die Hauptquelle (Edelquelle) mehre Nebenquellen. Salzquellen verrathen mehre Zeichen, so wenn das im Sommer eingedunstete Wasser in Pfützen u. Lachen niedriger Gegenden salzigen Geschmack hat, in ähnlichen Gegenden ein weißer glänzender Überzug der Erde von salzigem Geschmack, das Vorhandensein verschiedener Pflanzen, bes. Salsola kali, Juncus stygius, das gemeine Schilfrohr, Arenaria rubra marina, Aster tripolium, Atriplex hastata, Chenopodium maritimum, Chenopodium glaucum, Cochlearia officinalis, Glaux maritima, Plantago maritima, Plantago coronopus, Ruppia maritima, Salicornia herbacea, Scirpus maritimus, Crambe maritima, Artemisia maritima; das öftere Herbeifliegen wilder Tauben u. das Lecken des Rothwildes an einem Orte; die Unfruchtbarkeit des Bodens, bes. wenn er nur saures Gras u. Rohr hervorbringt u. wenn der Ausfluß benachbarter Lachen mit rothem Schleim überzogen ist; wenn die Pfützen im Winter schwer gefrieren; das Vorhandensein von Kalk (meist Zechstein), Gyps, Todtliegendem (rothem Sandstein) u. Steinkohlen in der genannten Reihenfolge von oben nach unten, wo die Steinsalzlager, aus denen die Soolquellen entspringen u. geschwängert werden, meist zwischen dem Gyps u. Todtliegendem, mit Gyps, Thon od. Sandstein verwachsen, sich befinden. Durch Auffindung der Salzquellen hat sich der Bergrath Glenck (s.d.) durch ganz Deutschland berühmt gemacht. Hat man nach diesen Anzeichen durch Bohrversuche wirklich Salz gefunden, so gräbt man einen Brunnenschacht u. faßt den Salzbrunnen in Feld- od. Ziegelsteinen (da Sand- u. Kalksteine vom Salzwasser zerfressen werden). Die Weite der Einfassung richtet sich nach der Mächtigkeit der Quellen; in derselben müssen außer den Fahrten Pumpen bequem angebracht werden können, wenn die Soole nicht von selbst bis an die Erdoberfläche dringt. Bei Schwitzquellen macht man den Salzbrunnen weiter, ungefähr 16–20 Fuß im Lichten, od. man legt Nebenbrunnen an, aus welchen die Soole in den Hauptbrunnen geleitet wird, od. treibt von dem Hauptbrunnen aus nach verschiedenen Richtungen Strecken. Ein arges Hinderniß bei Anlegung der Salzbrunnen ist das wilde Wasser. Damit es nicht in den Salzbrunnen dringen kann, stößt man hinter der äußern Seite der Brunnenmauer fetten Lehm od. Thon ein (Damm), hinter welchem man denselben meist durch Breter vor Vorfall erhält (Dammblendung); quillt aber das wilde Wasser zu stark, so muß es durch besondere Schachte mit Pumpwerken od. durch Stollen entfernt werden. Zum Schutz der Quelle errichtet man über derselben ein Brunnenhaus, welches auch die zum Heben der Soole aus dem Brunnen u. auf die Gradirwerke nöthigen Dampfmaschinen enthält, an deren Stelle man auch eine etwa in der Nähe befindliche Wasserkraft benutzen kann, wobei man die durch sie erzeugte Bewegung durch eine Stangenkunst nach dem S-e fortpflanzt.

Unter Gradiren versteht man das dem Einkochen vorhergehende Stärkermachen einer Soole durch Verdunstung, welches bei schwachen Soolen billiger ist, als ein sofortiges Einkochen derselben. Am einfachsten, aber nur bei sehr starker Soole anwendbar, ist die Sonnengradirung, wo die Soole, in flache Kästen (Soolenkasten) geschüttet, durch die Sonne u. Luft ganz verdunstet werden kann (Ablecken des Salzes) u. das an den Kasten angeschossene Salz nur gesammelt u. getrocknet zu werden braucht. Bei der Tafel- (Pritschen-) [828] gradirung läßt man die Soole auf einer wenig geneigten Fläche hinfließen, wie dies bei der Baaderschen Gradirung u. zum Theil bei den Dachleckwerken der Fall ist; letztere bestehen aus einem Gebäude od. Gerüste mit mehren über einander sich erhebenden Schindeldächern, über welche die Soole herabläuft u. sich stärker geworden in einer Rinne sammelt. Bei der Eisgradirung setzt man die Soole der Winterkälte aus; dabei friert nur der größte Theil des Wassers rein aus u. läßt sehr starke Soole flüssig zurück. Bei der Dornengradirung (Leckwerk), welche am häufigsten angewendet wird, fällt die Soole tropfenweis von einer Höhe über Dornenbündel herab, wie dies in den eigentlichen sogenannten Gradirhäusern (Gradirwerken) der Fall ist. Sie bilden eine lange Wand (Dornwand, Gradirwand), welche 100 bis 200 Fuß lang, 30–40 Fuß hoch u. 6–8 Fuß breit ist. Diese Wände sind ein Fachwerk von Holz; die aufrechtstehenden Säulen sind durch Strebebänder u. durch Querlatten (Dornlatten) u. durch schräge Spannriegel (Kropfstreben) verbunden; die daraus entstehenden Fächer werden mit Schichten (Dornlager) von Schwarz- u. Weißdorn od. anderem dornigten Gesträuch (Dorn- od. Gradirbunden) angefüllt. Gewöhnlich sind drei Gradirwände so vereinigt, daß unten zwei Wände neben einander gestellt werden u. die dritte oben auf beiden steht (Gradirbau). Durch Pumpwerke (Gradirmaschinen, Ausgießunggetriebe, Ausgießungmaschinen, Aufförderung) wird die Soole auf die obere Seite der Gradirwand gehoben. Bisweilen hebt man auch die Soole in ein hohes Gebäude, nahe beim Wasserrade u. vertheilt sie aus dem auf dem Gradirhause angebrachten Sammelkasten durch ein System von Rinnen u. Träufelröhren mit Hähnen über die ganzen Gradirwände. Da man bei starkem Winde die Hähne nur auf der Seite öffnet, von welcher der Wind kommt, so ist das Drehen od. Öffnen der Hähne ein besonderes Geschäft, welches durch die Geschwindstellung od. Windhahnstellung erleichtert wird, indem eine Dachmühle die nöthigen Hähne öffnet u. die übrigen verschließt. Jede Dornwand steht in einem großen Behälter (Sumpf, Dornkasten), welcher bei der obern Wand als Dachwasserleitung der unteren Wände dient; aus dem Sumpf der unteren Wände wird die Soole, wenn sie stark genug ist, in die Pfannen geleitet; ist sie nicht stark genug, so wird sie auf einen niedriger stehenden Gradirbau geleitet, od. durch Pumpen wieder auf die obere Wand gehoben. Zuweilen wird das Gradirhaus mit einem Schindeldach (Gradirdach) bedacht. Bei dem Herabtropfen der Soole (Gradirfall) führt der Wind einen kleinen Theil derselben fort. Da nicht immer gleichmäßig fortgearbeitet werden kann, muß man zuweilen die ungradirte Soole in Brunnensoolenbehältern, od. auch die gradirte in Siedsoolenbehältern aufbewahren. Ein ganz gefüllter Zustand des Brunnens (Fluth) veranlaßt an einzelnen Tagen (Fluthtagen) ein verstärktes Arbeiten, zu welchem besondere Hülfsarbeiter (Fluthknechte) verwendet werden. In Fässern auf Rädern (Füllkarren), od. durch eine aus Röhren bestehende Soolenleitung bringt man die Soole nach den Siedehäusern. Die in der Soole enthaltenen erdigen Theile, größtentheils Gyps, kohlensaurer Kalk, Talkerde, Eisenoxyd, worunter auch etwas Kochsalz bleibt, bilden einen Überzug an den Dornen, welcher in 3–6 Jahren 2–4 Linien dick wird (Dorn-[Leck-] stein). Er macht zwar die Dornen unbrauchbar, nützt aber als Düngesalz, indem man die incrustirten Dornen auf großen Haufen (Dornschlagmeilern) verbrennt u. so die Dornasche gewinnt, od. den Dornstein mit Dreschstangen losschlägt (Dornschlag) u. ihn auf Dornmühlen klar macht. Die Gradirhäuser erfand 1579 Matthäus Meth, Arzt in Langensalze; doch waren sie statt der Dornen mit Stroh ausgesetzt, u. die Soole wurde mit Schaufeln an die Wände geworfen. Die Dorngradirung führte J. F. von Beust 1726 in Neusulze ein. Die Arbeiter bei einem Gradirwerk, bes. diejenigen, welche mit hölzernen Schaufeln (Leckschaufeln) die herunter getröpfelte Soole gegen die Seite der Gradirwand werfen, auf welche zunächst der Wind stößt, heißen Gradirer, der specielle Aufseher über die Gradirhäuser Gradirinspector.

Ist die Soole von Natur stark genug (mindestens 16 Grad), so wird sie auch ohne Gradirhaus gleich in dem Siedehause (Salzkothe, Salzkotte, Sode) zu Salz gesotten; dasselbe geschieht auch mit der gradirten Soole, nachdem sie durch das Gradiren die gehörige Stärke (Gradirloth) erhalten hat. Statt die Soole nur in einer Pfanne zu sieden, nimmt man besser zwei Pfannen, in der ersten, der Gradirpfanne, welche auf dem Gradirherde steht, wird die Soole durch das Schäumen gereinigt, in der anderen, der Sogg- od. Sockpfanne, wird die gereinigte Soole zu Salz gesotten. Das Siedehaus besteht aus zwei Haupttheilen, dem Pfannenhause u. der Trockenkammer. In dem Pfannenhause befindet sich der Ofen od. Feuerherd, in welchem oben die Pfanne angebracht ist, desgl. ein Heizplatz, wo das Brennmaterial befindlich ist. Der Beamte, welcher die Aufsicht über das ganze Feuerungsmaterial hat, heißt Holzmeister. Der Ofen hat die Gestalt eines langen Vierecks u. ist meist in der Erde aufgeführt, so daß die Pfanne dem Fußboden gleich steht. In der vorderen Seite des Ofens ist das Schürloch, unter demselben ein gemauerter od. von Eisenstäben zusammengesetzter Rost u. unter diesem das Ascheloch angebracht. Um die Hitze möglichst auszunutzen, wird die heiße Luft des Herdes erst mehrfach unter der Pfanne in Zügen hin- u. hergeleitet u. zuletzt in einem Kanal durch die Trockenstube geführt. Die Salzpfanne (Kochpfanne) ist von starkem Eisenblech, 300–400 QF. groß u. mit 3/4–11/2 Fuß hohen Wänden (Borde); über sie hinweg liegen starke Pfannen- od. Sogbäume, welche durch herabgehende, am Boden der Pfanne mit sogenannten Bord- od. Borkhaken befestigte Eisenstäbe ein Verbiegen der Pfanne verhüten. Ein hölzerner Brodemfang (Dampfklappe) mit einer 8–10 Fuß hohen, 4–5 Fuß weiten Esse (Dampfladen) beschleunigt das Eindampfen durch Wegführen der Dämpfe, welche durch aufgestellte Pfannenbreter noch besser in den Brodemfang geleitet werden. Beim Sieden (Herdstellen) wird die in die Pfanne gebrachte Soole Anfangs schnell gekocht, damit sie durch Schäumen die Unreinigkeit auswerfe; dieser Schaum, welcher erdharzige u. extractive Theile enthält, wird durch hinzugegossenes Rindsblut (Farbe) befördert u. mit einer Kelle abgenommen. Während des ferneren Siedens bildet sich auf der Oberfläche der Soole eine Salzkruste, woraus Salzkörner entstehen, welche zu Boden fallen (socken, soggen, nachlassen), u. immer bildet sich wieder eine neue Kruste auf der Oberfläche. Das sich an dic Seiten ansetzende gediegene [829] Salz nennt man Bordkopf; Bratsalz ist das in den Salzpfannen bei gelindem Feuer langsam u. ohne Aufsieden gewonnene Salz; es ist stärker u. härter u. gegen die nasse Luft beständiger, daher zum Versenden geeigneter, als anderes Salz. Nach 4 bis 6 Stunden hat sich auf dem Boden der Pfanne so viel Salz gesammelt, daß zwei Salzkörbe damit gefüllt werden können; dies heißt ein Werk. Beim Füllen der Körbe, welches der Aufleger (Ausbohrer) besorgt, werden diese auf Stangen (Eimerhölzer) über die Pfanne gestellt, damit die Soole wieder in die Pfanne abfließe. Ist die Soole so weit eingekocht, daß der Boden der Pfanne zum Vorschein kommt, so sagt man: die Pfanne fängt an zu blecken. Bei manchen Salzkothen sind um dem Brodemfang Tröge angebracht, in welche das Salz mit einer hölzernen, 1 QF. großen Schaufel mit kurzem Stiele (Auflegschaufel, Aufschlagschaufel) aus der Pfanne gefüllt wird, so daß die abfließende Soole auch wieder in die Pfanne fällt, od. in besondere Behälter (Laabstuben) abgelassen wird. Damit die Soole nicht überlaufe, dienen Bleche (Schäben, Bordschäben). Hat man zwei Tage ununterbrochen fort gesotten, so muß die gelbe Unreinigkeit, welche sich an den Wänden u. dem Boden der Pfanne angesetzt hat (Scheep, Mutterlauge, Salzmutter), herausgenommen werden (Färben); das Auskehren (Fegen) geschieht mit einem Strohwische (Abschlagewisch); oft werden noch kleine Pfannen (Fegschober) in die Soole gesetzt, ehe man sie körnt, damit sich alle noch übrige Unreinigkeit darin sammle. Nach längerem Sieden wird auch der Pfannenstein von der Pfanne losgemacht (Abziehen), welche dabei aus dem Ofen genommen u. ausgebrannt (Brennen) werden muß; zum Abklopfen der Pfanne dient ein hölzerner Hammer (Hage), od. ein eiserner (Fegehämmer). Wird der Pfannenstein zur Verbesserung der Soole wieder in diese geworfen, so nennt man dies Eintränken. Beim Klären wird die gesottene Soole dadurch von erdigen Theilen gereinigt, daß man sie nach dem Sieden in die Klärgölten, große Kästen, gießt u. vor dem Anschießen des Salzes eine Zeit lang ruhen läßt, wodurch sich die erdigen Theile zu Boden setzen. Das Salz wird zuletzt in der Trockenstube od. Trockenkammer in Körben auf bes. mit Bretern belegten Plätzen (Buchten) völlig getrocknet. Die Trockenkammer ist durch den oben erwähnten Rauchkanal vom Siedosen, od. durch besondere Salztrockenöfen geheizt, deren Feuerluft zu besserer Ausnutzung durch blecherne Darrröhren auf Umwegen nach dem Schornstein zieht. Bei gutem Wetter wird das Salz auch wohl auf die Salzstätte, eine Erhöhung von Erde, in Körbe gestellt u. dort ausgetrocknet. Das trockene Salz kommt in das Salzmagazin, welches gewöhnlich auf dem Boden über dem Pfannenhause u. der Trockenkammer angelegt ist.

B) Das Steinsalz wird entweder bergmännisch aus der Erde gegraben (wie in Wieliczka) u. in beliebiger Form, meist in Pyramiden- od. Kegelform, in den Handel gebracht; od. es wird durch zugeführtes Wasser aufgelöst u. in S-en versotten. Das Gebäude, in welchem sich 16–20 große hölzerne Kästen (Dophirkästen) zum Auflösen des bergmännisch gewonnenen unreinen Steinsalzes befinden, heißt Dophirhaus, die gesammte Vorrichtung zum Zerklopfen, Auflösen u. Versieden Dophirwerke u. das ausgebrachte Salz Dophersalz, das Verfahren selbst aber Dophiren. Ist das Steinsalz nur in kleineren Nestern od. Mulden in der Grube befindlich u. mit Gestein vermischt, so wird süßes Wasser in die Grube geleitet, welches das Salz auflöst; dies heißt ein Sinkwerk, so z.B. in Hallein u. Berchtesgaden bei Salzburg, wo große Behälter (Kammern, Seen) in dem mit erdigen Theilen zu sehr gemischten Steinsalz angelegt sind, mit welchem dahin geleitete Wasser bis an die Decke angefüllt werden; das Wasser laugt die salzigen Theile des Steinsalzes aus u. schlägt die erdigen Theile nieder. Schächte mit donlêgigen Fahrten, auf denen man auf zwei Balken rutschend ohne Gefahr hinabgleitet, auch Stollen von seitwärts her, führen zu diesen Kammern u. den Kunstbauten. Die gesättigte Soole wird dann durch ein Pumpwerk aus der Grube gehoben u. in die Salzsiederei, oft 8 bis 10 Stunden weit, über eigene, meist hölzerne Gebäude od. steinerne Brücken weggeleitet. Auch gebraucht man Steinsalz, um arme Soolen zu verstärken.

C) S-e, welche Boysalz (Baysalz, Salz von Meerwasser) bereiten, versieden die Soole. Zu dem Ende werden am Strande Salzgärten angelegt, welche aus mehren, im Niveau unter einander liegenden Beeten bestehen, in welche das, in einem größeren Reservoir (einem den Salzgarten von außen umgebenden Graben) angesammelte, schon durch die Sonne erwärmte u. durch Stehen geklärte Meerwasser nach u. nach im Maße seiner durch die Verdunstung erhaltenen Concentrirung abgelassen wird. Die Soole dieser Beete ist nivellirt u. besteht aus zubereitetem gestampften Thon. Die Beete sind durch kleine Dämme mit den nöthigen Einlaßöffnungen von einander geschieden. Nachdem im Frühjahr alle Theile des Salzgartens gereinigt, geebnet, gewalzt, die Abtheilungsdämme gut hergestellt u. das Ganze gehörig getrocknet worden ist, fängt die Salzerzeugung mit dem Einlassen des frischen Meerwassers in den Vorrathsgraben an. Hat sich dieses Wasser nach einigen Tagen erwärmt, so wird es in das erste Beet mit der Wurfschaufel zu einer Höhe von 4 Zoll eingeworfen. Hier bleibt es 1–3 Tage der Sonne u. den Winden ausgesetzt, bis es durch Öffnung der kleinen Schleusen des Abtheilungsdammes in das zweite Beet, in die zweite Abdünstungstafel 3 Zoll hoch, von dieser in die dritte Tafel 3 Zoll hoch, in die vierte nur 1 Zoll u. die fünfte nur mit 1/2 Zoll, in welcher letzteren die Soole schon vollkommen gesättigt ist, abgelassen wird. Auf der sechsten u. letzten Tafel bleibt diese gesättigte Soole selten über 1/2 Tag stehen, ohne in Krystalle anzuschießen. Hierauf ziehen die Arbeiter das niedergeschlagene Salz mit hölzernen Krücken an die Ränder der Beete u. sammeln es in Haufen. Das auf diese Art gewonnene Seesalz ist um so weißer, je weniger es von dem Thone, welcher die Soole der Salzgärten ausmacht, verunreinigt ist, meist aber doch grau. Um das Boysalz von den zerfließlichen Salzen, welche es noch enthält, zu reinigen, läßt man es, mit einer Strohhaube gedeckt, einige Monate im Freien stehen, wobei jene Salze zerfließen u. ablaufen. In Gegenden, wo das Brennmaterial wohlfeil ist, läßt man das Meerwasser zuerst in den Auswerken, Graben u. Soolgruben, in welchen das Wasser verdunstet u. der Salzgehalt verstärkt wird, u. versiedet sodann das Salz auf gewöhnliche Weise in Kesseln, wobei man sogleich ein reines Salz erhält u. als Nebenproduct die schwefelsaure Bittererde gewinnt.[830] Sämmtliche Graben u. Gruben schützt ein Damm vor dem steigenden Meereswasser; in diesem Damme ist die Auswerkschleuse angebracht, durch welche mittelst des Aufziehschutzes (gewöhnlich von 6–8 Fuß Breite) das Meerwasser geleitet wird.

Die gemeinen Arbeiter in S-en jeder Art, welche bes. die Soole schöpfen u. zu den Kothen tragen, heißen Born- (Salz-) knechte, der Vorgesetzte derselben Bornmeister. Die Beamten, welche das Rechnungswesen besorgen, heißen meist Salzverwalter, die Oberaufseher eines S-es Salineninspectoren. Die ältesten in Deutschland bekannten S-e sind Hallein u. Berchtesgaden, wahrscheinlich seit den Römerzeiten, erwiesen aber seit dem 13. Jahrh.; Allendorf in Nieder-Hessen seit 973, Frankenhausen im Schwarzburgischen, wahrscheinlich noch älter, Halle an der Saale u. in Schwaben, Lüneburg seit 1000, Salzhemmendorf im Hannöverischen seit 1000, Salzungen seit 1200, Sulz im Württembergischen seit 1383. Neuere S-e sind in Kösen, Dürrenberg, Langensalza, Salza bei Schönebeck, die neuesten in Öynhausen, Buffleben, Heinrichshall etc. Über die Salzgewinnung im Alterthum s.u. Salz S. 818. Vgl. Langsdorf, Anleitung zur Salzwerkskunde, Hildburgh. 1796, 5 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 828-831.
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