Säge

[751] Säge, Werkzeug, mit welchem man schmale tiefe Einschnitte in feste Körper macht, meistens um dieselben in kleinere Stücke zu zertheilen od. Stücke davon los zu trennen. 1) (Technol.). Der wirksame Theil der S. ist das Sägeblatt, eine lange, im Verhältniß schmale u. dünne Klinge, die größten über 6 Fuß, die kleinsten wenige Zolle lang. Die Sägeblätter kommen meist aus Steyermark od. Westfalen; sie sind von gutem Stahl, die größten aus Roh-, die gewöhnlichen kleineren aus Härb-, die feinsten auch aus Gußstahl, die kleinsten S-n gewöhnlich aus Uhrfedern. Größere werden geschmiedet, kleinere aus gewalztem Stahlblech zugeschnitten. Die Sägeblätter werden in Fett gehärtet, angelassen (Metallsägen strohgelb, Holzsägen violet) u. blank geschliffen. Auf der untern Seite ist das Sägeblatt meist mit Zähnen versehen, welche entweder mittels eines Durchschlags od. einer Feile od. eines Meißels erzeugt werden. Das Blatt muß völlig eben u. gerade, überall gleich dick, hart u. elastisch sein. A) Holzsägen. Die Form der Zähne ist verschieden; gewöhnlich bilden sie ein ungleichseitiges Dreieck, dessen kürzere Seite rechtwinklig auf dem Sägerande steht; die Seite des Sägeblattes, nach welcher die schräge Seite der Zähne steht, heißt der Stoß; diese Zähne schneiden nur nach der einen Seite hin, mit der rechtwinklig auf dem Rande stehenden Zahnseite; soll die S. beim Hin- u. Hergange schneiden, so bildet der Zahn ein gleichseitiges od. gleichschenkliges Dreieck, od. man stellt die ungleichseitig dreieckigen Zähne paarweise mit den schrägen Seiten einander zugewandt, so daß sie die Form (MM) eines Schwalbenschwanzes od. eines M erhalten (daher M-Zähne). Der Zwischenraum zwischen den Zähnen muß groß genug sein, um die entstehenden Sägespäne in sich aufzunehmen; um dies zu erleichtern, werden die Zähne an ihren Schneidkanten oft bogenförmig gekrümmt (Wolfszähne). Damit sich das Sägeblatt in dem zu zersägenden Gegenstand nicht einklemme, muß der Schnitt etwas breiter ausfallen, als die Dicke des Blattes ist; daher werden die Zähne geschränkt od. ausgesetzt, d.h. abwechselnd nach der rechten u. linken Seite ausgebogen; der Raum zwischen den Zähnen heißt dann Bahn. Bei kleinen S-n geschieht das Schränken mittelst der Schränkklinge, einer stählernen Platte, welche Kerben von verschiedener Tiefe u. Breite hat; bei größeren S-n geschieht es mittelst eines Hammers auf dem Amboß. Vor dem Schränken werden die Zähne mit der Sägefeile geschärft. Die S-n werden eingetheilt in: a) Gerade Sägen ohne Spannung. Die für den Gebrauch nöthige Steifheit des Blattes erreicht man bei diesen durch ansehnliche Breite od. durch große Dicke des Blattes od. durch entsprechende Verstärkung des Blattrückens. An seinen Enden bildet das Blatt eine Angel, u. auf diese ist ein hölzernes Heft (Griff) aufgesteckt, so z.B. bei der großen Schrot- (Bret-, Bretschneider-, Holzschneider-, Planken-, Kloben-, Krahn-, Längen-) säge, welche von zwei Mann senkrecht auf- u. niedergeführt wird; die kleineren Schrotsägen (Kerb-, Quer-, Drumsägen) haben an jeder Seite einen aufrechtstehenden Griff u. dienen dazu, horizontal Balken zu zerschneiden; die gezahnte Seite dieses Sägeblattes ist meistens etwas bauchig (Bogensäge). Bei der Bauch- (Zugwald-, Bauern-) säge ist der Rücken gerade, die Zahnreihe stark bauchig; sie dient zum Fällen der Bäume. Bei kleinern S-n hat das Blatt nur an einer Seite einen Griff, z.B. bei den Spitz- od. Lochsägen, aus einem kurzen, starken, in eine Spitze auslaufenden Blatte u. einem kurzen Griffe bestehend, um damit in einem engen Raume sägen zu können u. namentlich Schweifungen u. Verzierungen auszuschneiden; der Fuchsschwanz, eine kurze, breite, mit einem Handgriff u. sehr kleinen Zähnen versehene S., dient hauptsächlich da, wo man mit einer gewöhnlichen S. nicht ankommen kann, wie in Ecken etc.; der Rücken ist meist durch eine eiserne od. messingene Fassung verstärkt. Die Grathsäge hat einen hölzernen Griff, in dessen untern Theil das Blatt seiner ganzen Länge nach eingelassen ist; sie dient zum Sägen auf einer breiten Fläche des Arbeitsstückes; die Messersäge hat ein sehr schmales, die Stichsäge der Tischler ein zugespitztes Blatt. b) Spannsägen. Das Blatt ist ebenfalls gerade u. in ein rahmenartiges Gestell, Sägegestell, gespannt u. hat deshalb an jedem Ende eine Angel. Das Gestell besteht aus zwei Armen, welche in der [751] Mitte durch ein Querholz von der Länge des Sägeblattes verbunden sind; unten hat jeder Arm ein Loch, in welchem ein hölzerner Griff steckt, worin die Angel des Sägeblattes befestigt ist. Der Griff an der Seite des Armes (Horn, Stoß) ist etwas gebogen, u. damit kann das Sägeblatt gedreht u. in einen beliebigen Winkel gestellt werden. Oben werden die Arme des Sägegestells durch eine starke Schnur verbunden, worin ein Stück Holz (Knebel) steckt, welches mit dem anderen Ende an dem mittlern Querholz anliegt; mit diesem Knebel kann die Schnur herumgedreht u. gespannt, dadurch aber auch das Sägeblatt gespannt werden. Hierher gehören: die Klob- od. Fourniersäge (Schulp- od. Trennsäge), die größte dieser Art, mit welcher man große Klötze u. dicke Bohlen in der Längsrichtung zu Bretern u. Fournieren zerschneidet; das Blatt ist 4–5 Fuß lang u. 4–5 Zoll breit; sie wird meist in senkrechter Richtung von zwei Arbeitern geführt. Das Gestell ist ein starker, vierseitiger, hölzerner Rahmen, in dessen Mitte das Blatt von einem Querholze zum andern ausgespannt ist, parallel zu den Langhölzern des Rahmens. Das Blatt ist an jedem Ende an zwei Bolzen in einem, in dem Querholze angebrachten eisernen geschlitzten Ringe (Kloben) befestigt u. wird an der einen Seite durch eine Schraube gespannt. Die Örtersäge zum Zuschneiden der Arbeitsstücke; Blatt 32–35 Z. lang u. 2–21/4 Z. breit, höchstens 1/2 Linie dick, hat 5–6 Zähne auf 1 Zoll Länge, wird durch einen Knebel in der Schnur gespannt. Die Schließsäge ist ebenso, aber nur 26–29 Z. lang u. hat 6–7 Zähne auf 1 Z. Länge. Die Schweifsäge, 6–22 Z. lang, nur 1/105/8 Z. breit, 1/401/24 Z. dick, 8–20 Zähne auf 1 Z. Länge, dient zum Ausschneiden von Schweifungen u. Verzierungen mit krummlinigem Schnitte. Die Handsäge, 8–9 Z. lang, dient zu kleineren Arbeiten. Bei anderen Spannsägen ist das Sägeblatt in einen Bügel gespannt; der Bügel ist von Holz, wie bei der Bogensäge (Bügelsäge, den meisten Gartensägen), od. von Eisen u. noch mit einem hölzernen Griffe versehen, wie bei der Baumsäge, einer kleinen S. zum Absägen der Äste; sie wird auf den Stoß gefeilt, schneidet daher, wenn man sie von sich abbewegt. Häufig endigt das Sägeblatt in eine Schraube, welche durch den einen Arm des Bügels geht, so daß das Sägeblatt mittelst einer Flügelschraube nach Bedarf angespannt werden kann. Endlich hat man auch S-n, welche an der Seite feilenartig sind u. das Zersägte zugleich glätten, u. S-n mit Anschlag nach Art der Hobel, um Schnitte in bestimmter Richtung auszuführen. Will man nicht in gerader Linie, sondern im Bogen schneiden, so muß das Blatt sehr schmal sein, so z.B. bei den Rundsägemaschinen, s.u. Sägemühle 1) B). c) Kreissägen (Zirkelsägen). Das Blatt ist eine an ihrem Umfange gezahnte kreisrunde Stahlscheibe, welche schneidet, indem sie schnell um ihre Achse gedreht wird; der Durchmesser der Scheibe ist 21/2–101/2 Z.; vgl. Sägemühle 1) A) b). d) Bandsäge (S. ohne Ende), s.u. Sägemühle 1) A) c). Ihr ist die Kronsäge (s.d.) verwandt. B) Metallsägen. Das Blatt hat größere Härte, die Zähne sind seiner u. nicht geschränkt, vielmehr ist das Blatt am Rücken etwas dünner, als an den Zähnen, u. an der gezahnten Seite etwas gekrönt. Die Metallsäge hat meist ein eisernes Gestell (Sägenbogen) u. wird durch eine Schraube angespannt. Laubsägen fertigt man aus Uhrfederstreifen. Die Einstreichsäge hat ein steifes gerades Blatt, welches ohne Spannung in einer Fassung steckt. Kreissägen werden häufig zum Zerschneiden rothglühender Eisenbahnschienen benutzt. C) Sägen für andere Materialien: Steinsägen, für Sandstein mit Zähnen, für härtere Steine ohne Zähne; Beinsägen, für Elfenbein u. Knochen, werden jetzt auch von Fleischhauern häufig gebraucht, um die Knochen zu durchsägen, damit sie nicht spittern; vgl. 2) u. 4); S-n für Horn, Papier, Salz etc. sind alle den Holzsägen ähnlich. – Der Erfinder der S. (griech. Prion, lat. Serra) soll Dädalos od. sein Bruder Perdix od. sein Neffe Talos sein. In alter Zeit waren die S. entweder gezahnt (πρίων ὀδοντωτός), zum Zerschneiden des Holzes; od. ohne Zähne (πρ. μαχαιρωτός, z.B. die Steinsäge), welche auch den Hebräern bekannt war u. die manschon früh zum Zersägen des Marmors brauchte. 2) (Anat. u. Chir.), Werkzeug der anatomischen Technik, als Knochensäge, zu Eröffnung von Knochenhöhlen u. Durchschneidung von Knochen. Die gewöhnlichste ist die Kopfsäge zum Zerschneiden der Hirnschale bei Sectionen, sie besteht aus einem breiten, auf beiden Seiten gezähnten Sägeblatt, welches in seiner Mitteilinie der Länge nach zwischen zwei Eisenstäben eingeklemmt u. mit einem Handgriffe versehen ist. Zu kleineren Arbeiten dient die Messersäge, welche in Form einer mit Zähnen versehenen Messerklinge, auch wohl bisweilen wie ein Einschlagemesser am Griffe beweglich ist. Zu besondern Zwecken, namentlich zur Durchsägung der Rippen, wird eine S. gebraucht, deren Zähnereihe convex geformt ist. Zu seinen Arbeiten bedient man sich einer Uhrfeder, in welche seine Sägezähne eingeschnitten sind u. die man in einen Bogen einspannt. Auch für chirurgische Operationen sind S-n von mancherlei Gebrauch, am meisten bei Amputationen, um Knochen zu durchsägen, wie auch hervorstehende Knochenstücke zu entfernen. Berühmt ist bes. Heims gegliederte od. Kettensäge; diese besteht aus kurzen, sein gezahnten, wie bei einer Uhrkette vereinigten u. eine Kette ohne Ende bildenden Gliedern u. schneidet nur vorwärrs, weshalb keine so große Erschütterung verursacht wird. Da man ferner mit dem vordern spitzigen Theile schneiden kann, so kann man in jeder beliebigen Form u. in der kleinsten Öffnung Stücken Knochen ausschneiden, z.B. bei einem Knochenbruche hervorragende Splitter, od. angefressene Knochen an solchen Stellen, wo man die gewöhnliche S. nicht anlegen kann. Auch der Trepan wird durch diese S. entbehrlich gemacht; 3) (Sech), so v.w. Pflugmesser; 4) ein tiefes Fischernetz mit engen Maschen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 751-752.
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