Californien [1]

[573] Californien, 1) (Geogr. u. Statistik). A) Alt- od. Nieder-C. (California la vieja), Gebiet der nordamerikanischen Republik Mexiko, eine schmale, sich von N. (32°28' u. Br.) nach S. (Cap San Lucas 22°52' u. Br.) erstreckende, 390 Ml. lange u. 11–43 Ml. breite Halbinsel, 2780 QM.; grenzt im N. an den Nordamerikanischen Vereinigten Staat gleiches Namens, wird im W. von dem Stillen Ocean, im O. von dem Californischen Meerbusen bespült u. von einer Kette hoher u. steiler Gebirge durchzogen, die von der Sierra-Nevada in Neu-C. auslaufen u. namentlich im SO. unmittelbar aus dem Golf emporsteigen; höchste Spitze: Cerro de la Giganta, 4420 Fuß (26° u. Br. östlich vom Cap S. Domingo), de las Virgines (28° u. Br.), der einzige Vulcan C-s (1746 die letzte Eruption), doch sind auch andere Berge wenigstens vulcanischen Ursprungs; die südlichen Gebirgszüge tragen die Namen Sierra del Carmélo u. S. del Enfado. Vorgebirge: Cap San Lucas (das südwestlichste), Cap S. Palmas (das südöstlichste), S. Lazaro, S. Domingo, S. Bartolome, Grajero (im Stillen Ocean), S. Lorenzo u. Concepcion (im Californischen Meerbusen). Küste zerrissen u. reich an sicheren Häfen. Baien: S. Margarita (im SW.), S. Francisco, Mulego, Todos Santos od. Allerheiligenbai (letztere im äußersten NW.). Flüsse sind bei der geringen Breite der Halbinsel u. den hohen, eng zusammenhängenden Gebirgszügen nicht vorhanden, nur einzelne Bäche an den Küsten u. zahlreiche Quellen in den breiteren Thälern. Klima gesund, der Winter mild u. kurz, der Sommer sehr heiß; NW.- u. SWWinde herrschen vor; Regen nur im Juli u. August, sonst klarer Himmel. Boden im Allgemeinen unfruchtbar, felsig u. sandig, an den Bächen u. in den quellenreichen Thälern dagegen von bedeutender Fruchtbarkeit (Garten- u. Feldbau) Producte: Mineralreichthum wahrscheinlich bedeutend, aber bis jetzt noch durchaus nicht hinreichend erforscht; Silberminen von Moleje u. Real San Antonio schwach bearbeitet, Goldwäscherei gering, außerdem noch Soolquellen. Pflanzenreich: Baumwolle, Mais, Weizen, Zuckerrohr, Wein, Obst, Hanf, Flachs, Bataten, Melonen, Erbsen, Schminkbohnen, Gemüse u. Cactusarten, Baumwuchs spärlich, daher Holzmangel. Thierreich: Bergschafe (schöne Wolle), Rehe, Biber, Seewölfe, Seekälber, Wallfische, aschgraue Fasanen, Enten, Löffelgänse, Colibris, wilde Tauben, Schildkröten, schöne Muscheln, Thunfische, Haifische, Rochen, Sardellen. Die Urbewohner bestehen aus zahlreichen Indianerstämmen, gehören hauptsächlich dem Waikurstamme an u. zerfallen in die Pericues nebst den Edus u. Coras (im S.), in die Monguis, Guaycuras Uchitis, Liyus u. Didicus (in der Mitte) u. Cochimas od. Colimies nebst den Laimones u. Icas (im S.). Die Gesammtzahl der Einw. wurde 1856 in officiellen Berichten auf 12,000 angegeben, darunter über 3000 Mischlinge aller Arten. Handel nicht unbedeutend, Ausfuhrartikel: Häute, Silber, Gold, Perlen, Schildkröten, Seife, Käse, zusammen über 300,000 Piaster; Industrie erst im Beginnen. Missionen: S. Ignacio (in der Nähe der Vulcan de las Virgines), S. Josef de Cavo (am Cap S. Lucas), Todos Santos u.a. Hauptstadt: La Paz, 500 Ew. Inseln: Cerralbo, Espiritu Santo, S. Ignacio, S. Cruz, Tiburon (im Californischen Meerbusen), Cedros od. Cerros (im Stillen Ocean).

B) Neu- od. Hoch-C. (California la nueva), officielle Abkürzung Cal. Einer der Vereinigten Staaten von NAmerika, sich längs der Küste des Stillen Oceans vom 32°28' bis 42° u. Br. erstreckend, grenzt im N. an das Vereinigte Staaten-Gebiet (Territory) Oregon, im O. an die Vereinigte Staatengebieten Utah, New-Mexico u. Arizona, im S. an das Mexicanische Gebiet gleiches Namens, im W. an den Stillen Ocean. Flächenraum[573] nach den officiellen Quellen von 1857: gegen 8000 QM. Gebirge: Hauptzug die Sierra Nevada mit der Sierra Morena (od. Brown Mountains) an der Küste. Höchste Spitzen: Mount Shasta, 14,400 Fuß; Mount Diabolo (an der San Franciscobai), 3770 Fuß. Vorgebirge: Cap Mendocino, Barra de Arena, Concepcion. Baien: San Francisco (der beste u. größte Hafen an der WKüste der Vereinigten Staaten mit der nördlich daranstoßenden Bai San Pablo), ferner Humboldt, Monterey, Pelican, Santa Barbara u. San Diego. Seen: Tulare Lake (14 Ml. lang), Clear Lake. Flüsse: Sacramento, San Joaquin (beide, ersterer von N., letzterer von S. kommend, nach einem Laufe von mehr als 70 Ml. in die S. Franciscobai mündend); Nebenflüsse des ersteren: Feather, Yuba, American-Rivers; des letzteren: Calvéras, Stanislaus Tuolumne u. Merced-Rivers; ferner Klamath u. Bonaventure, direct in den Stillen Ocean mündend. Klima bedeutend milder als unter denselben Breitengraden am Atlantischen Ocean, an der Küste die Hitze durch die See, im Innern durch die Gebirge gemildert, im Sommer das Thermometer selten über + 20° R. steigend, in der Regenzeit (October bis Februar) selten unter + 10° R. sinkend, die Witterung daher fast fortwährend frühlingsmäßig u. gesund. Schnee u. Eis nur auf den Gebirgen; an der Küste oft starker Nebel. Orkane u. Erdbeben im Allgemeinen nicht selten, doch wenig gefährlich; Gewitter höchst selten. Geognostische Beschaffenheit: an der Küste Sandsteinformation mit Talk- u. Thonschiefer, Trachyt u. Trapp, im Sacramentothal Sandstein u. Thon, an den Westabhängen der Sierra Nevada Talkschiefer mit Ceptinit, Granit u. Serpentin, an der San Franciscobai Sandstein mit fossilen Überresten, Porphyr, vulcanischem u. Trapptuff. Boden: im nördlichen u. mittleren Theile, namentlich an den Flüssen u. in den Thälern, höchst fruchtbar u. von wunderbar reicher Vegetation; im S. dagegen ziemlich steril u. baumlos. Producte: Mineralreichthum außerordentlich bedeutend, namentlich Gold an den westlichen Abhängen der Sierra Nevada zwischen 37° u. 40° u. Br. u. in den Grafschaften Calaveras, Klamath u. Shasta (Quartzminings); Silber in den Grafschaften Butte, Marion, San Luis Obispo u. mehreren südlichen (wenn auch in geringerer Menge); Quecksilber in den Grafschaften Butte, Marion, Nape; ferner Kupfer, Blei, Eisen, Steinkohlen, Asphalt, Chrom, Granit, Serpentin, Marmor, Mineralquellen, in neuester Zeit Diamanten; nach den Forschungen des bekannten Geologen Trask wird auch Platin vermuthet. Pflanzenreich: großer Reichthum an Bau- u. Nutzhölzern; herrliche Eichen (darunter Quercus longiglanda), Tannen (darunter Pinus lambertiana), Fichten, Cypressen, Cedern (darunter Thuja gigantea), Ahorn, Feigen, Datteln, Zuckerrohr, Bananen, Oliven, Wein, Mais, Weizen, Hafer, Kartoffeln, Baumwolle, schöne Wiesen. Thierreich: Elenthiere, Hirsche, Bären, Antilopen, Panther, Cuyotes (eine Wolfsart), Füchse, schwarze wilde Katzen, Hafen, graue Eichhörnchen, Pferde, Rindvieh, Gänse, Enten, Beccassinen, Geier, Falken, Rebhühner u. viele Arten Seevögel; Seehunde, Störe, Makrelen, Sardellen (wichtige Handelsartikel), Lachse, Forellen u. verschiedene andere See- u. Süßwasserfische, Krebse, Hummern, Austern.

Die Ureinwohner gehören zu den Indianerstämmen der Quirotes, Eslen, Rumsen, Matalanes etc. Die Gesammtbevölkerung, eine bunte Mischung aller Nationen, belief sich nach der officiellen Zählung von 1856 auf 335,000 (1850 nur 92,597 u. 1852264,435), worunter zahlreiche Europäer u. namentlich Chinesen u. viele (freie) Neger. Eintheilung: ursprünglich in 33 Grafschaften: Butte, Calaveras, Colusi, Contra-Costa, Eldorado, Klamath, Los Angelos, Marin, Mariposa, Mendocino, Monterey, Napa, Nevada, Placer, Sacramento, San Diego, San Joaquin, San Francisco, San Luis Obispo, Santa Clara, Santa Cruz, Santa Barbara, Shasta, Sierra, Siskiyou, Solano, Sonoma, Sutter, Trinity, Tuolumne, Tulare, Yolo u. Yuba, wozu in neuester Zeit noch folgende 3 gekommen sind: Humboldt (aus einem Theil von Trinity gebildet), Alameda (aus Theilen von Contra-Costa u. Santa Clara gebildet) u. San Bernardino (aus einem Theile von Los Angelos gebildet). Hauptstadt: Sacramento (früher Benicia). Die Verfassung (am 1. Sept. 1849 von der Convention zu Monterey entworfen, 13. Nov. d.i. vom Volke ratificirt, am 9. Sept. 1850 vom Congreß zu Washington an- u. C. als Staat in die Nordamerikanische Union aufgenommen), ist eine der freisinnigsten der Vereinigten Staaten. Die Sklaverei ist ausgeschlossen. Wahlrecht hat jeder 21 jährige weiße Bürger der Vereinigten Staaten u. jeder Bürger von Mexico, dem dieses Recht nach dem Tractat von Queretaro zusteht. Die ausübende Gewalt hat ein auf 2 Jahr vom Volk gewählter Gouverneur (1856–58 J. Neely Johnson, für 1858–60 gewählt: John B. Weller), dem ein Vicegouverneur als Staats- u. ein Schatzsecretär zur Seite stehen, die Gesetzgebung ein aus 16 Mitgliedern bestehender, auf 2 Jahre gewählter Senat u. eine aus 36 Mitgliedern bestehende, auf 1 Jahr gewählte Assembly. Zum Senat nach Washington sendet C. 2 Mitglieder u. ebensoviel zum Congreß, u. hat 4 Stimmen bei der Präsidentenwahl. Für Rechtspflege: ein Obergerichtshof (Supreme Court) mit einem Chief Justice u. 6 Associate Justices u. 6 Districtsgerichte, jedes mit 1 Richter. Sämmtliche Gerichtsbeamte werden vom Volke gewählt u. dürfen während ihrer Amtsdauer keine andere Stellung bekleiden. Die Finanzen sind ziemlich schlecht bestellt; im Jahre 1855 betrugen die Einnahmen 434,150 Dollars; die Ausgaben 618,923 Dollars. Fundirte Schuld im Jahre 1856 2,374,780 Dollars; gesammte Staatsschuld 2,848,140 Dollars. Religion: von allen verschiedenen Culten am zahlreichsten die römischen Katholiken u. Methodisten. Unterrichtsanstalten: katholisches Priesterseminar zu Santa Inez, 12 Mittelschulen (Academies) u. 26 Volksschulen (Public Schools). Gelehrte Gesellschaften: Academy of Natural Sciences zu San Francisco, Bibliotheken in Monterey, San Francisco u. San Jose. Wohlthätigkeits- u. dgl. Anstalten: Irrenanstalt zu Stockton, Marinehospital in San Francisco, Staatsgefängniß zu St. Quentin. Hauptbeschäftigung ist der Bergbau, namentlich das Goldsuchen, vorzüglich am Sacramento u. dessen östlichen Zuflüssen; es wird entweder trocken gegraben (körnig bis zu 21 Karat Feingehalt) od. aus den sumpfigen Stellen an den Flußufern in dünnen Blättchen ausgewaschen. Bis[574] zu Ende 1851 waren bei der Münze der Vereinigten Staaten für 98,407,990 Dollars Gold aus C. deponirt, 1852 betrug die Ausbeute (Deposita) 46,528,076 Dollars, ungerechnet der bedeutenden Summen, die im Privatbesitz nach Europa, Süd-Amerika, China u. anderen Ländern ausgeführt wurden. In neuester Zeit haben auch Ackerbau u. Viehzucht einigen Aufschwung genommen. Industrie ganz unbedeutend, da des Goldsuchens wegen großer Mangel an Arbeitskräften herrscht. Handel außerordentlich bedeutend, der Hauptausfuhrartikel ist Gold, außerdem noch Felle, Talg u. Fische, während bei dem gänzlichen Mangel an Industrie fast alle Bedürfnisse der Bewohner eingeführt werden müssen. Gesammtausfuhr 1855: 8,244,066 Dollars, Einfuhr 1856: 5,951,379 Dollars. Gesammtausfuhr in den 3 ersten Monaten 1857: 36,134,066 Dollars, Goldausfuhr allein in den ersten 6 Monaten 1857: 16,934,766 Dollars nach New-York, 4,634,115 Dollars nach England direct, 20,921 nach Neu-Granada. Der Gesammtwerth des immobilen u. mobilen Besitzes der Bevölkerung von C. betrug nach der officiellen Schätzung von 1856: 165 Mill. Dollars. Regelmäßige Dampfschifffahrten (in Schiffen von 900 bis zu 3000 Tonnen Gehalt) nach New-Orleans, New-York u. mehreren südamerikanischen Häfen des Stillen u. des Atlantischen Oceans, desgl. nach Panama (von dort Eisenbahn über die Landenge nach Aspinwall). Von Eisenbahnen existirt bis jetzt in C. nur erst eine u. zwar im Sacramentothal, wovon 42/3 Ml. in Betrieb. Vgl. Buriel, Noticia de la C., 3 Bde., Madr. 1757 (deutsch von Adelung, Lemgo 1759); Frémont, Narrative of the exploring expedition to the Rocky Mountains in the year 1842 and the Oregon and C. in the years 1843–1844, London 1846; Duflot de Mofras, Exploration de l'Oregon des Californies etc., 2 Bde., Par. 1844; Hoppe, C-s Gegenwart u. Zukunft, Berl. 1849; Hartmann, Geographisch-statistische Beschreibung von C., Weim. 1849; Gerstäcker, C-s Gold- u. Quecksilberdistrict, 3. A., Lpz. 1849; Brooks, Four months among the goldfinders in Alta-C., Lond. 1849 (deutsch von Gerstäcker); Revere, A Tour of Duty in C., New-York 1849; Oßwald, C. u. seine Verhältnisse, Lpz. 1849; Taylor, Eldorado, Lond. 1850; Fleischmann, Officielle Berichte an die Regierung der Vereinigten Staaten über die Gegenwart u. Zukunft C-s, Stuttg. 1850; John Trask, Report on the Geology of the Coast Mountains, and part of the Sierra Nevada (Cal.). Sacramento 1854; Derselbe, Report on the Geology of the Coast Mountains also portions of the middle and northern mining districts of C., ebd. 1855; Derselbe, Report on the Geology of Northern and Southern, ebd. 1856; J. Praslow, Der Staat C. in medicinisch-geographischer Hinsicht, Göttingen 1857. 2) Mehrere kleinere Städte in verschiedenen anderen der Vereinigten Staaten.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 573-575.
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