Klima

[577] Klima (gr.), 1) eigentlich die Neigung der Horizontalebene eines Orts gegen die Sonne, die letztere in ihrer Culmination bei der Tag- u. Nachtgleiche, also im Äquator gedacht; 2) die physische Beschaffenheit der Atmosphäre in einer gewissen Erdgegend, in wiefern solche auf die Entwickelung des vegetativen u. animalischen Lebens Einfluß hat. Vor Allem kommen dabei die Temperaturverhältnisse in Betracht, u. zwar sowohl die Höhe der mittleren Temperatur für das ganze Jahr, als die Unterschiede der Temperatur für die verschiedenen Jahres- u. Tageszeiten. Demnächst gewinnt der Feuchtigkeitszustand der Atmosphäre den beträchtlichsten Einfluß. Der größere od. geringere Grad von Wärme hängt allerdings zunächst von der Lage des Ortes gegen den Äquator ab; demgemäß zerfällt die Erdoberfläche in 5 Zonen, nämlich die heiße, bis 231/2° beiderseits vom Äquator, innerhalb deren die Sonne jährlich das Zenith erreicht; die beiden kalten, in der Umgebung der beiden Pole bis zu 661° nördlicher u. südlicher Breite, innerhalb deren; abgesehen von der Wirkung der Strahlenbrechung, die Sonne einmal im Jahre mindestens einen ganzen Tag über nicht aufgeht; u. zwischen diesen die beiden gemäßigten. Allein außer dieser kosmischen Lage des Orts haben die besondern physischen Verhältnisse desselben, namentlich seine Lage gegen Land u. Meer, seine Erhebung über den Meeresspiegel od. die Nähe von Gebirgen, die geognostische Beschaffenheit des Bodens, große Bedeutung für das K. Im Allgemeinen wirkt die Existenz großer Wasserflächen abkühlend für das K., weil das Wasser nicht so stark erhitzt wird als das Land u. nicht so stark Wärme ausstrahlt; daher auch die südliche Hemisphäre, welche im Vergleich zur nördlichen nur den dritten Theil Continent hat ein kühleres K. besitzt. Doch für die gemäßigte Zone ist die Einwirkung des Meeres auf das K. gerade die entgegengesetzte. Denn theils der Eigenschaft wegen, daß die Wassermassen nur langsam den Temperaturveränderungen des Jahres folgen, theils wegen der an der Oberfläche sich haltenden warmen, darum leichteren Äquatorialströmungen besteht die doppelte Wirksamkeit des Meeres in der gemäßigten Zone darin, daß es einerseits die Sommer kühl u. die Winter mild macht, andererseits die gesammte mittlere Jahrestemperatur auf einen weniger niedrigen Grad sinken läßt. Da überdies für die mittleren Breiten der Westwind herrschend ist, so erfahren bes. die Länder der gemäßigten Zone die erwärmende u. temperaturausgleichende Wirkung des Meeres, für welche eine Westküste naheliegt; wogegen die inmitten großer Continente liegenden Gegenden dem größten Wechsel des K-s für Sommer u. Winter ausgesetzt sind (Excessives K. u. Continentalklima im Gegensatz zu Insel- u. Küstenklima). So ist in Reikiavik auf Island die mittlere Temperatur für das ganze Jahr + 4° R., für den Sommer + 12°, für den Winter–1, 6°; in Moskau dagegen, das um 8° südlicher liegt, resp. + 3, 6° R.; + 16, 8°; – 10, 3°.

Über diese Thatsachen der vergleichenden Klimatologie, welche sich auf die Einwirkung der Vertheilung von Meer u. Festland auf das K. beziehen, belehren namentlich die zuerst von A. v. Humboldt entworfenen Isothermen, Isotheren, Isochimenen (s.d.) Mehr von localem Charakter u. daher durch speciell [577] Untersuchung vieler nahe bei einander gelegenen Orte erkennbar ist der Einfluß, welchen die Erhebung des Orts über den Meeresspiegel ausübt. Die allgemeinen hieraus hervorgehenden Resultate sind folgende: Überall tritt die Erscheinung der Temperaturabnahme mit der Höhenzunahme auf, u. die Gründe derselben sind: a) solche, welche eine Erwärmung der tieferen Regionen bewirken, nämlich die größere Dichtigkeit der Atmosphäre, welche eine größere Erwärmung durch die hindurchgehenden Wärmestrahlen gestattet, u. die größere Menge an Oberfläche des Gesteins, welche, durch die Insolation erwärmt, den zunächst liegenden Luftschichten von seiner Wärme mittheilt; aus letzterem Grunde geben auch die Beobachtungen auf spitzigen Berggipfeln in der Regel eine geringere Temperatur als auf gleich hohen Plateaus u. auf solchen wieder an den Rändern niedrigere Temperatur als in der Mitte; b) verbinden sich damit Ursachen, welche auf die höheren Regionen geradezu erkältend wirken, wie die größere Nähe des nach Fourier – 60° kalten Weltenraums, die durch die dünnere Luft begünstigte Wärmeausstrahlung in den Nächten. Außerdem gibt es jedoch störende Umstände, welche wieder auf eine, wenn auch nicht völlige Ausgleichung der Temperatur für Höhe u. Tiefe hinwirken, so das Aufsteigen der warmen u. das Niedersinken der kalten Luft, die von fremden Orten herkommenden Winde, u. die in der Höhe erfolgenden, Wärme entbindenden Niederschläge von Wasser u. Schnee. Solcher störender Umstände wegen läßt sich die Größe der Temperaturabnahme mit einer gewissen Erhebung über den Meeresspiegel allgemein durchaus nicht angeben. In den Alpen ergibt sich nach Schlagintweit's durchschnittlich 540 Pariser Fuß für 1° Ceniesischer Temperaturabnahme für Höhen über 3000 F. u. bis zur Grenze des Baumwuchses; dagegen sind für die an den Thälern u. Vorebenen gelegenen Drie die störenden Ursachen zu bedeutend, als daß ein Mittelwerth angegeben werden könnte. Für höhere Stationen zeigt sich im Allgemeinen eine raschere Abnahme; so erhält man 530 Fuß für die Gruppe des Montblanc, 510 für die höchsten Gipfel der Central- u. der nördlichen Alpen. Die Schneelinie od. die untere Grenze der Orte, an welchen die Sonnenwärme den Schnee nicht völlig zu schmelzen vermag, läuft in den Polargegenden in das platte Land aus, erhebt sich aber im Allgemeinen mit der Annäherung an den Äquator zu größeren Höhen, sie befindet sich in den Alpen am nordöstlichen Abhange in 7000 F, am südlichen in 8500 F. Höhe u. steigt in den Cordilleren Südamerikas bis über 14.000 F. Sie ist nicht allein von der Höhe der Temperatur, sondern auch von der Menge des Schneefalls abhängig, so daß sie z.B. an dem feuchteren Südabhange des Himalaya tiefer liegt, als an nördlicher gelegenen aber trockneren Theilen des Gebirges. Die Nähe von Gebirgszügen wirkt entweder temperaturerhöhend, wenn sie die Gegend gegen kalte Nordwinde schützen, wie z.B. in Oberitalien; od. erkältend, wenn sie die erwärmenden Südwinde abhalten, wie z.B. am Nordabhange der Alpen.

Die Bedeutung der geognostischen Beschaffenheit der Gegend für das K. beruht hauptsächlich darauf, ob der Boden sandig u. steinig u. so mit nicht geeignet zur Aufbewahrung von Feuchtigkeit u. Erzeugung von Vegetation, od. ob er fruchtbar für allerlei Gewächse u. namentlich für Waldungen ist, od. ob er endlich sumpfig ist. Größere Feuchtigkeit führt auch kühleres K. mit sich, aber Mangel an Feuchtigkeit ist aus andern Gründen für die Entwickelung der organischen Geschöpfe von Nachtheil.

Was die Veränderungen des K-s anlangt; so kann man dieselben eintheilen in solche, welches die ganze Erde gleichmäßig betreffen, u. solche; welche nur in gewissen beschränkten Strecken auftreten. Wenn man sagt, die Erde kühle sich nicht mehr ab, so meint man damit jedenfalls nur, daß dies um ein kaum Merkbares geschehe; denn abkühlen muß sie sich, so lange sich noch eine Temperaturabnahme nach Innen wahrnehmen läßt. Und wenn sich auch nach Fouriers Berechnungen die Erdoberfläche in 2000 Jahren um weniger als, 1/160° u. nach Bischoffs Versuchen mit einer 2 F. im Durchmesser enthaltenden erhitzten Basaltkugel die Erde in 2000 Jahren nur um 1/236° abkühlt; so ist doch nach Studers Berechnung diese durch die Erdoberfläche abfließende Wärme hinreichend, um jährlich eine Eisrinde von 7 Millimeter Dicke um die Erde zu schmelzen. Im Laufe von Millionen von Jahren kann daher die Erde sich immer noch um viele Grade abkühlen, u. so die Existenz des Menschengeschlechts unmöglich gemacht werden. Weit auffallender u. in, viel kürzerer Zeit merkbar sind die klimatischen Änderungen, welche gewisse einzelne Länder betreffen. Denn wenn auch die Gesammtmenge der der Erde zukommenden Wärme unveränderlich bliebe, so steht doch thatsächlich fest, daß die Vertheilung der Wärme auf der Erde u. in die verschiedenen Jahreszeiten sich oft ändert u. eine Umgestaltung, der ganzen Physiognomie des Landes verursacht. Bes. hat Fuster rücksichtlich Frankreichs hierüber Zusammenstellungen gemacht, nach denen das dortige K. zu Cäsars Zeit sehr streng war, doch von Jahrhundert zu Jahrhundert milder wurde, so daß die Cultur des Weinstockes, des Feigen- u. Ölbaums nach Isle de France, Elsaß u. Lorraine vorrückte. Hiermit war im 12. Jahrh. das Maximum erreicht, die Olive u. Orange wichen wieder nach Süden zurück, die Zahl der strengen Winter nimmt zu, die Gletscher, welche die aus viel früheren Zeiten stammenden Endmoränen bei weitem nicht mehr erreichten, rücken nach Agassiz u. Charpentier in neueren Zeiten wieder allmälig weiter vor. Das Ähnliche läßt sich von Deutschland sagen, u. wenn auch der Vergleich der jetzigen milden Rheingegenden mit den vormaligen, wo nach dem Berichte des Tacitus nie eine Kirsche reisen konnte, für die Gegenwart günstig ausfallen würde, so erinnert doch ein Blick auf die jetzt baum- u. wasserarmen u. doch früher so fruchtbaren u. bewaldeten Landschaften Ägyptens u. Persiens daran, daß auch Europa solchen Veränderungen unterliegen könne. Der Grund dieser auffallenden Wechsel ist vor allem in dein Vernichten der Waldungen zu suchen, welches mit der wachsenden Civilisation verbunden zu sein pflegt, da hierdurch zwar anfänglich ein mildes K. u. ein besseres Gedeihen zarter Pflanzen bewirkt wird, zugleich aber auch u. allmälig immer mehr ein Mangel an Feuchtigkeit der Atmosphäre; ein Trockenwerden des Sommers, welches ein dauerndes Gedeihen der Vegetation untergräbt.

So wie nun in jedem dieser Erdstriche ein anderer allgemeiner Naturcharakter bemerklich ist u. andere Pflanzen, andere Thiere sich finden; so[578] beruht auch der Unterschied der verschiedenen Völkerschaften wesentlich auf dem K., das aber hierbei weniger direct, als indirect, bes. durch Darbietung anderer Nahrungsmittel u. wegen mehrerer Eigenheiten der Lebensweise, die eine nothwendige Folge des K-s sind, Bezug auf den eigentlichen Charakter der Bewohner eines Erdstrichs hat. Hierauf beruht auch die Fähigkeit der Akklimatisirung, od. des Vermögens eines organischen Körpers, die besonderen Einwirkungen eines fremden K-s zu ertragen u. davon auch noch Vortheil zu ziehen. Diese Fähigkeit besitzt vor Allen der Mensch, weil ihm Schutzmittel zu Gebote stehen, um die nachtheiligen klimatischen Einwirkungen, z.B. große Hitze od. Kälte abzuwehren, u. auch seinem Verdauungsvermögen die Nahrungsmittel aus den verschiedensten Klimaten nicht widernatürlich sind. Indessen hat dies doch auch seine Grenzen, u. nur unter wenigen Klimaten gedeiht der Mensch auf eine seiner Bestimmung völlig genügende Weise. Die wichtigsten Einwirkungen des K-s auf den Menschen sind: a) in den heißen Klimaten (mittlere Temperatur + 22 bis 25° R.), bemerkt man einen häufigern Pulsschlag (gegen 100 in einer Minute); Europäer, die dahin kommen, sind häufig Hämorrhagien u. Entzündungskrankheiten ausgesetzt; die Menschen werden nicht alt; alle Lebensbewegungen, bes. auch die Verdauung, ermangeln der Energie; daher auch allgemeine Geistesabspannung, weichlicher Charakter, Hang zur Ruhe u. Müssiggang der Bewohner, Muskelkräfte u. Muth gering; aber gesteigerte Sensibilität; alle Leidenschaften, Liebe, Rache, religiöser Fanatismus, arten leicht in wilde Wuth aus; Despotismus u. Sklaverei sind bes. hier zu Hause, ebenso Grausamkeit, Geiz, List, Treulosigkeit etc.; alle Künste u. Wissenschaften bleiben in Mittelmäßigkeit; jeder Aufschwung des Geistes artet in Bizarrerie aus. Indessen erleiden diese schädlichen Einwirkungen des K-s große Beschränkung bei den Negernationen, denen ausschließlich die Natur das heiße K. zu ihrer Wohnung anwies. Das Geschlecht entwickelt sich zeitig, Mädchen gebären schon auf der Grenzscheide der Kindheit, welken aber eben so schnell; auch Männer sind meist durch Ausschweifungen schon in den Jahren der eigentlichen Manneskraft bereits erschöpft. b) Kalte Klimaten zeigen in ihren Einwirkungen auf das physische Leben das Gegentheil von dem heißen K.; doch ist in den höchsten Breitengraden auch Schwäche der Hauptcharakter der Constitution, aber aus Mangel an Erregung. Bei kleiner Statur bleiben daher die Bewohner der Polargegenden im Allgemeinen stumpfsinnig, in einem verlängerten Zustand der Kindheit; die Zaghaftigkeit, Leichtgläubigkeit u. Furchtsamkeit dieses Alters sind ihnen eigen; zur Liebe werden sie erst spät erregt; eben so gleichgültig sind sie gegen körperliche Beschwerden u. selbst gegen Schmerzen. An den Grenzen des kalten K. entwickelt sich vorwaltend die körperliche Kraft, während der Geist noch der höhern Lebensblüthe verschlossen bleibt; das Muskelsystem bildet sich aus; alle freien Äußerungen körperlicher Kraft, Jagd, Krieg, sind des Nordländers eigenthümliches Leben; den Kraftverlust ersetzt er schnell durch reichliche Kost bei guter Verdauung; zur Aufweckung der zurückgedrängten Sensibilität bedarf der Nordländer spirituöser Getränke, u. auch ihr Übermaß wird ihm im Ganzen wenig schädlich; die Weiber nähern sich in nördlichen Gegenden ihrer Natur nach mehr den Männern. Die Hautfarbe der Rordiänder ist weiß, auch das Haar häufiger blond u. langfallend wegen geringerer Ausdünstung sind alle innern Absonderungen u. Anhäufungen flüssiger Theile bei Nordländern häufiger; daher auch häufig Fettleibigkeit; die Geschlechtsreife tritt erst spät ein; die natürliche Neigung der Geschlechter bleibt in gemessenen Schranken; daher aber auch reichliche Fruchtbarkeit der Ehen; wegen geringerer Consumtion der Lebenskraft u. deren steten Ersatz erreicht der Nordländer häufig ein hohes Alter; doch sind Mißbrauch u. Übermaß der Nahrungsmittel u. der spirituösen Getränke, nebst häufigem Witterungswechsel, seine hauptsächlichsten Gesundheitsfeinde. c) Das gemäßigte K. vereint die Vortheile des heißen u. kalten K., ohne die Nachtheile von deren Extremen zu haben. Der Bewohner der gemäßigten Zone hat weder die gefühllose Derbheit des Nordländers, noch die reizbare Weichlichkeit des südlichen Menschen; aber er verbindet mit der Muskelkraft des Erstern die Empfindlichkeit des Letztern für Sinneseindrücke; er liebt eine Mittelkost, Fleisch u. Pflanzennahrung in Verbindung; er bedarf der spirituösen Getränke nicht, um sich gegen Stumpfsinn zu verwahren; durch Verbreitung von Künsten u. Wissenschaften u. durch den Welthandel bringt er erst Nord u. Süd in Verbindung u. nur unter seiner Vermittlung wird das Menschengeschlecht erst ein Ganzes. Alle Weltumwandlungen, alle große Seereisen sind von Nationen der Mittelländer bewirkt worden.

Auch die tiefere od. höhere Lage eines Orts od. einer Gegend sind von Bedeutung a) Das K. tief gelegener Orte ist meist ein feuchtes K. theils weil die Gewässer nicht rasch abfließen, od. gar zu Sümpfen u. Teichen sich anhäufen, theils weil die Winde keinen freien Zugang haben. Am nachtheiligsten sind solche Klimate, wenn sie zugleich warme sind (so in Jamaica u. Java). b) Zu diesem K. verhält sich das hoch gelegener Orte (Bergklima) fast wie der Nordländer zum Südländer; der schnelle Abfluß der Gewässer u. die natürliche Senkung der Feuchtigkeiten nach den Thälern erhält hier die Luft meist trocken u. alle Bewegungen der Bewohner geschehen mit Leichtigkeit u. Munterkeit. Besonders finden diese Vorzüge eines Bergklimas in hohen Bergthälern, die nicht zugleich enge Bergschluchten sind, als wo dann häufig auch körperliche Mißbildungen, Drüsengeschwülste, bes. auch der Cretinismus, die Hemmung u. Ablenkung des kräftigen Lebens andeuten. c) Das K. großer Erdflächen steht hier gewissermaßen in einem mittleren Verhältnisse; doch macht die Beschaffenheit der Erdoberfläche hier wieder einen bedeutenden Unterschied; sandige Flächen bieten bes. der Cultur große Schwierigkeiten, u. die Population auf ihnen bleibt immer sehr beschränkt. Hier ist das Nomadenleben zu Hause, das die höhere Cultur zwar begründet, aber auch in der Kindheit erhält. Die einfache Lebensart, die Abhärtung der Körper erhält die Menschen, die meilenweit mit ihren Heerden nach Weideplätzen u. Wasserquellen umherziehen, gesund u. verleiht ihnen ein hohes Alter. Waldgegenden sind gewöhnlich feucht, wenn nicht der Boden, zugleich abhängig ist; in ihnen bleiben die Menschen rauh, verwildert u. meist ohne höheres Streben. d) Das K. der Meeresküsten hat vor andern Niederungen des freien Abflusses der Feuchtigkeiten[579] u. des Zutritts der freien Luft von der Meeresseite her, wo nicht der Boden durch seine Nachgiebigkeit u. zu wenigen Abhang die Gegend zugleich sumpfig macht. Die hier häufig wehenden Winde entfernen zwar die Feuchtigkeiten der Atmosphäre, bewirken aber auch schnelle Temperaturwechsel, woran der Körper sich gewöhnen muß. e) Das K. in der Nähe von Flüssen macht aber diesen Verschiedenheiten des Bodens, unter übrigens gleichen Verhältnissen, den Vorzug streitig. Es stehen dem Menschen nur in cultivirten Ländern ihrem ganzen Umfang nach benutzbare Mittel zu Gebote, namentlich durch Abzug der stockenden Gewässer, Kanäle, Niederhauen von Waldungen, Ausfüllen sumpfiger Stellen etc. ein ungünstiges K. in ein günstiges umzuwandeln, das aber mit Entvölkerung eines Landes u. Verwilderung des Bodens auch von selbst wieder sich verschlechtere u. zu einem der Gesundheit u. der hohen Lebensentwickelung unvortheilhaften wird. Vgl. H. W. Dove, Klimatologische Beiträge, Berlin 1857 ff.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 577-580.
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