Alpen

[349] Alpen, Gebirg, 1) (Alpes, a. Geogr.). Den Namen erklärten Einige aus dem Celtischen so v.w. hohe Berge, Andere aus dem Altitalienischen so v.w. weiße Berge (wegen des fortwährenden Schnees auf ihren Gipfeln). Dieß Gebirge, früher mit unter dem Rhipäischen Gebirge begriffen, wurde den Alten erst nach dem Zug Hannibals über dieselben u. durch die Kriege der Römer mit den Bergvölkern genauer bekannt; es galt als das höchste Gebirge Europas. Es erstreckte sich von der Mündung des Varus in Gallia Narbonensis erst nördlich, dann von Germanien aus in östlicher Richtung bis nach Thracien, mehrere Zweige nach verschiedenen Richtungen aussendend. Über die Höhe waren die Alten ungewiß, Plinius giebt sie auf 50,000 Schritte an. Das Klima war auf den Höhen rauh u. kalt, die Abhänge fruchtbar u. die Luft gesund. Die Alten kannten auf ihnen die Quellen vieler Flüsse: Rhenus, Druentia, Rhodanus; Isara, Dubis, Arar, Ister; Padus, Ticinus, Addua; Isarus, Savus, Dravus u. a.; sie enthielten auch mehrere Seen: Verbanus, Benacus, Larius etc. Die Thäler waren bewohnt u. bebaut, bes. mit Waizen; von ihren Bewohnern, die schon damals an Kröpfen u. dicken Hälsen litten, tauschten die Höhenbewohner Lebensmittel gegen Harz, Pech, Wachs, Honig, Käse ein. Producte waren außerdem: wilde Pferde, Auerochsen, Bären, Murmelthiere, Gemsen, weiße Hafen, Schneehühner u. a. Vogelarten, Fische in den Seen u. Schnecken auf den Seealpen; man fand auch Gold u. Krystalle. Schon in der ältesten Zeit führte (unbekannt wo) eine Straße über die A., welche von allen anwohnenden Völkern geschützt u. gesichert u. auf welcher wahrscheinlich ein friedlicher Verkehr zwischen den in S. u. N. des Gebirges wohnenden Völkern getrieben wurde. Mit einem Kriegsheer überschritt die A. zuerst Hannibal im 2. Punischen Kriege. Die einzelnen Theile der A. hatten verschiedene Namen: Alpes Maritĭmae (Seealpen od. Ligurische A., weil von ligurischen Völkern bewohnt), von Genua bis zum Varus u. nördlich bis an die Padusquellen auf dem Vesulus; zu ihnen gehörte der Cema (jetzt la Caillote); an sie stießen die A. Cottĭae (A. Cottiānae), nach dem ligurischen König Cottius benannt, vom Berge Vesulus u. den Poquellen bis an den Cenis; sie waren im Alterthum sehr gefährlich zu bereisen, daher man damals schon Führer mitnahm; hohe Punkte waren die Matrona od. Mons, Janus (Janua, jetzt Mont Genèvre). Nördlich davon folgten die A. Grajae (Griechische A., auch Mons od. Saltus Grajus), genannt, nach der Sage, von Griechen, die mit Hercules darüber zogen; welchem deshalb auch dort ein Altar errichtet war); jetzt die A. am Kleinen St. Bernhard vom Cenis bis Aosta; dazu gehörte Jugum Cremonis (jetzt le Cramont) u. die A. Centronĭcae. Nordöstlich daran schlossen sich die A. Pennīnae (A. Poeninae), genannt nach dem darauf erbauten Tempel des Jupiter Penninus, der Große St. Bernhard u. die Alpenkette bis zum St. Gotthard; die Fortsetzung bis zur Ortlesspitze hieß A. Rhaetĭcae, mit dem Berge Adula, dazu die A. Leponfĭae in Graubündten mit den Rheinquellen, weiterhin die A. Tridentīnae, in Südtyrol, wo der Athesis entsprang. Dann die A. Carnĭcae, deren Zweig von Vicenza u. Verona, A. Euganĕae, mit der Quelle des Savus, u. die A. Norĭcae, in Tyrol u. Baiern; zu ihnen gehörten die Berge Phlygadia (jetzt Flitsch) u. Tullum (jetzt Terglu). Weiter die A. Julĭae, angeblich genannt nach Jul. Cäsar, der hier eine, später von Augustus vollendete Straße anfing, später. A. Venĕtae. von dem Pusterthale u. Kärnthen an SO. bis Illyrien. Der östlichste Theil der A. Panonĭcae, die sich durch Pannonien fortzogen, weniger hoch als vorher; der südliche Zweig in Dalmatien hieß A. Dalmatĭae, dazu Ocra (jetzt Birnbaumer Wald) u. Albium (Alben). Die A. schlossen sich dann an die Karpathen (A. Bastarnĭcae). 2) (n. Geogr.), das größte europäische Hochgebirge, dehnen sich in der Hauptrichtung von W. nach O. zwischen dem 23–34° östlicher Länge 150 Meilen wett aus u. liegen zu beiden Seiten des 46. Parallels fast in der Mitte zwischen Äquator u. Nordpol; im W. nur 20, im O. dagegen 40 Meilen breit. nehmen sie einen Flächengehalt von 4500 QM. ein u. werden von fast 8 Mill. Menschen bewohnt. Ihre Begrenzung ist im W. das Thal der Rhone u. die Ebene der Provence, im O. die ungarischen Tiefländer u. das Gebirge der griechischen Halbinsel, im S. das Adriatische Meer, die Lombardei u. der Golf von Genua, im N. stoßen sie an das Juragebirge u. werden durch die bairischen u. österreichischen Ebenen von dem Böhmerwald- u. dem Mährischen Gebirge geschieden. Nach S. ist die Abdachung steiler als nach. N. u. im W. sind bei geringerer Breite die Höhenverhältnisse bedeutender als im O. Geognostisch unterscheidet man Ur-A., die aus Urgebirgen, Granit, Gneiß [349] Glimmerschiefer, Urkalk, Serpentin, Chloritschiefer, Sienit bestehen, u. Kalk-A., die sich bis mehr als 10,000 F. erheben, aber das Urgebilde noch durchblicken lassen u. Porphyr, Grauwacke, Thonschiefer, Sandstein, Kreide, Gyps, Steinsalz enthalten u. viele Höhlen haben. Vor u. an diesen Kalk-A. liegt Tertiärgebilde, am Rigi am höchsten aufsteigend (5550 F.) u. aus Nagelfluhe, Sandstein, Süßwasserkalk etc. mit zahlreichen Versteinerungen bestehend. Sonst finden sich auch Metalle in den A.: Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Quecksilber, Braunstein etc. u. vielfach Bergkrystall (oft von ungeheurer Größe u. in 6–10,000 F. hoch liegenden Höhlen), Amethyst, Beryll, Granaten etc. Der Erhebung nach theilt man die Ain Vor-A., bis zu 5000 F. Höhe, der Grenze des Getreides u. der Thalwiesen; in Mittlere A. bis zu 8000 F. Höhe, der Grenze des ewigen Schnees, u. in Hoch-A., von 8–14,000 F. Höhe, der Region des ewigen Schnees, der Gletscher u. Eisfelder, obgleich die Gletscher oft auch viel tiefer heruntersteigen. Vegetation u. Thierleben in den A. sind bestimmt durch die Höhe derselben. Bis 2000 F. findet sich noch Weinbau, Mais u. die Kastanie, bis 5000 F. Getreidebau u. Wiesen, bis nahe an 6000 F. noch Wald. Von 5–7000 F. herrscht die Region der Viehweiden, höher hinauf wachsen nur Moose, bis mit 8200 F. die Schneegrenze eintritt, welche am Südabhange erst mit 8500 F., in den nordöstlichen A. dagegen schon mit 7000 F. beginnt, wornach sich dort wie hier auch die Fruchtgrenzen richten, s. Alpenpflanzen. Von der Thierwelt findet sich in den A. der Steinbock (selten), die Gemse, das Murmelthier (in den obern Alpenregionen), Wölfe finden sich im W., Bären, Luchse u. wilde Katzen im O. Von den Hausthieren sind Rinder u. Ziegen in großer Menge, Schafe u. Pferde wenig vorhanden, ebenso Schweine u. Hunde; Maulthiere u. Esel sind vorzüglich im Süden zahlreich; die Zahl der Vögel ist in den A. im Vergleich zum Flachlande gering, am häufigsten sind Adler, Geier u. Eulen; Fische sind nicht zahlreich, dagegen gibt es viele Insecten u. bes. Schmetterlinge. In der ganzen Ausdehnung der A. herrscht die Kettenform, dazwischen werden nur einige Bergplatten bemerkbar. Im Eise starrende, fast unersteigbare Rücken, Felsengipfel u. Grate, Gletscherwände, enge Klüfte u. Abgründe, tiefe, bald breite, bald wieder verengte Hauptthäler, oft wilde Seitenthäler u. Nebenschluchten mit Sturzbächen, hohe, massige u. nackte Nebenrücken u. Äste bilden den Charakter der A., der auf den niederen Ästen, Gehängen u. Bergflächen nur durch Pflanzenwuchs u. Waldungen verändert erscheint. Die höchsten Spitzen heißen Nadeln, die Schneespitzen nennt man Firne, die vom Wasser niedergespülten u. im Thal abgelagerten Erdmassen heißen Muhren, u. die meist zu den Übergängen der A. gewählten Einsattelungen werden Joche od. Furcas, wohl auch Pforten od. Thore genannt. Besondere eigenthümliche Naturerscheinungen sind außer den Sturzbächen, den Gletschern u. Eisfeldern, die Bergstürze, die Lawinen, der Bora, jener trockene heftige Nordostwind, welcher im Winter, bes. in den östlichen Theilen der A., mit Orkankraft wüthet; der Föhn, welcher als Fortsetzung der Stürme der großen afrikanischen Sandwüste in den West- u. Mittel-A. oft mit verderbenbringender Gewalt heranbraust; das Alpenglühen, jene eigenthümliche Beleuchtung der mit Schnee u. Eis bedeckten A-gipfel durch die Morgenröth Das große Gebiet der A. u. die in ihnen fallend Masse des Niederschlags bedingen einen große Wasserreichthum. Die wichtigsten Flüsse der A. sind: die Rhone, welche den Genfer See bildet die Arve, Isère u. Durance aufnimmt; der Po mit Dora baltea, Sesia, Tessin, Adda; die Etsch mit der Eisack; der Rhein mit der Aar; zahlreiche rechte Nebenflüsse der Donau: Lech, Isar, Inn, Traut Enns, Sau u. Drau. Die zahlreichen Seen der A. liegen meist im N. u. S. derselben. Die höchste Spitzen der A. sind: Montblanc 14,809 F., Mont rosa 14,284 F., Mont Cervin od. Matterhorn 13,85 F., Finsteraarhorn 13,159 F., Jungfrau 12,828 F. M. Pelvoux 12,612 F., Schreckhorn 12,566 F. M. Iseran 12,456 F., Großglockner 12,158 F. Ortlesspitze 12,059 F. etc. Nach der Lage theilt mai die A. in West-, Mittel- u. Ost-A. A) West-A. zwischen dem Genfer See u. dem Ligurischen Meere Piemont u. Frankreich angehörend. Sie zerfallen in: a) Meer- od. See-A. (A. maritimae) vom Mittelmeer bis zum M. Viso, hängen im Quellgebiet des Tanaro durch den Col di Tenda mit den Apenninen zusammen; Quellen: Stura u. Po. b) Cottische od. Dauphineer A. (A. Cottiae), vom M. Viso bis M. Cenis, trennen Piemont von Frankreich; Spitzen: M. Viso, M. Genèvre, Pelvoux, M. Cenis; Quellen: Durance (Rhone), Dora (Po). c) Grajische od. Graue A. auch Savoyer A. genannt (A. Grajae), zwischen Piemont u. Savoyen, reichen bis zum M. Blanc; Spitzen: Kleiner St. Bernhard, Col de bon homme; Quellen: Isère mit Arc (Rhone). Über die West-A. führen Kunststraßen durch den Paß des M. Cenis (6354 F.) u. des M. Genèvre (5741 F.), sowie Wege durch den Paß des Col di Tenda (5524 F.) u. den Kleinen St. Bernhard. (6700 F.). B) Mittel- od. Central-A., von den Quellen der Dora baltea u. Arve bis zu denen der Drau u. Salzach, od. vom Montblanc bis zum Dreiherrnspitz, gehören der Schweiz u. den österreichischen Ländern an. Sie zerfallen in: a) Penninische A. (A. Penninae), vom Montblanc bis Montrosa, der höchste Theil der A., trennen die Schweiz von Savoyen: Spitzen: Montblanc, Roche Melun, Großer St. Bernhard, M. Cervin, Montrosa; Quelle der Dora baltea. b) Lepontische od. Adular A. (A. Lepontiae), auch wohl Schweizer A. genannt, trennen die Schweiz von der Lombardei, reichen vom Montrosa bis Splügen, haben in ihren nördlichen Vorgruppen die Namen: Berner-, Vierwaldstädter-, Glarner u. Schwyzer- u. Thur-A.; Spitzen: Simplon, Gries, Finsteraarhorn, Jungfrau, Schreckhorn, Grimsel, Gotthard, Vogelsberg, Dödi; Quellen: Toce u. Tessin (Po), Rhone, Rhein mit der Reuß. c) Rhätische A. (A. Rhaeticae), vom Splügen bis Dreiherrnspitz, trennen die Lombardei von der Schweiz u. Deutschland; Spitzen: Wetterhorn, Orteles, Bernhardin etc.; Quellen: Adda u. Aglio (Po), Etsch, Inn (Donau). Die südlichen Vorgruppen der Rhätischen A. heißen Örtler-, die nördlichen Allgauer A. (s.d.). Über die Mittel-A. führen die Pässe u. Straßen des Großen St. Bernhard (7668 F.), des Simplon (6174 F.), des St. Gotthard (6390 F.), des Bernhardin (6200 F.), des Splügen (6400 F.), des Arlberg (4800 F.), des Stilfser Joch (8560), des Brenner (4350 F.). C) Ost-A., vom Dreiherrnspitz im W. bis sie im[350] O. bei Wien an der oberungarischen Ebene endigen u. im S. bis zum Golf von Fiume reichen, wo das Wellebit- u. Kapellagebirge die Verbindung mit dem Hochlande der griechischen Halbinsel bildet. Sie zerfallen in: a) Norische-A. (A. Noricae), zwischen Donau u. Drau, haben im höchsten Grat bei Namern Tauern u. je nach der Lage werden sie Österreichische-, Steyrische-, Salzburger- u. Trientinische-A. genannt. Der Wiener Wald ist ihr nordöstlichster Zweig. Spitzen: Großglockner, Watzmann, Weißbachhorn etc.; Quellen: Eisack u. Piave (Adriatisches Meer), Drau u. Salzach (Donau). b) Carnische-A. (A. Carnicae), zwischen Drau u. Sau. Spitzen: Steineralp, Dobratsch; Quellen: Sau u. Tagliamento. c) Julische od. Krainer-A. (A., Juliae), beginnen am Terglu u. gehen nach S. in die Dinarischen A. über; Spitzen: Terglu, Schneeberg, Klek; Quellen: Kulpa (Donau). Die Hauptpässe u. Straßen der Ost-A. sind: Staubpaß, Weißbachpaß, Crystallinpaß (4600 F.), Lungpaß, Tauernpaß (4950), Paß bei Hohentauern (5000 F.), Loiblpaß (4000 F.), Sömmering (3130 F.), Predilpaß (3600 F.) etc. Die Paßhöhe in den West-A. ist zwischen 3 u. 7000 F., in den Mittel-A. zwischen 6–10,000 F., von W. nach O. abnehmend, u. in den Ost-A. von 3000 bis 5000 F. Die mittlere Kammhöhe steigt in den West-A. von S. nach N. von 5000–10,000 F., in den Mittel-A. ist sie zwischen Montblanc u. Bernina nirgends unter 8000 F., häufig aber bis 12,000 F., u. in den Ost-A. sinkt sie von 6000 bis 3000 F. hinab. Die Gipfelhöhe steigt in den West-A. ebenfalls von S. nach N., von 7000 bis 13,000 F., in den Mittel-A. sinkt sie von W. nach O. von 14,800 bis 8000 F., in den Ost-A. von 10,000 bis 5000 F. hinab.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 349-351.
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