Bernhard

[640] Bernhard (althochdeutsch Perinhart, mitteldeutsch Bernhart, Bernart, lateinisch Bernardus, französisch Bernard, d.i. der Mann- [od. Bären-] hafte). I. Personen der Heldensage: 1) B., Bruder Wilhelms v. Oranse, focht mit seinem Bruder gegen Terramer u. schlug ihn mit seinem Schwerte Preciosa.

II Fürsten: A) König von Italien: 2) B., natürlicher Sohn Pipins, Enkel Karls d. Gr., noch bei dessen Lebzeiten erst zum Herzog von Baiern, dann 812 zum König von Italien gesetzt, s. Italien (Gesch.); st. 818. B) Andere Fürsten: a) von Anhalt: 3) B. von Askanien, Graf von Anhalt, Sohn Albrechts des Bären, erhielt, als sein Vater das Land unter seine Söhne theilte, Aschersleben u. Plötzkau u. 1180, nach der Theilung der Lande Heinrichs des Löwen, einen Theil von Sachsen u. nannte sich Herzog von Sachsen; st. 1212, s. Anhalt (Gesch.) I. 4) B. I., Sohn Heinrichs I.; er erhielt 1252 bei der Theilung Bernburg u. einen Theil von Köthen u. st. 1286; s. Anhalt (Gesch.) II. B). Er war vermählt mit einer dänischen Prinzessin. 5) B. II., Sohn des Vor., regierte von 1286–1318, s. ebd.; er war vermählt mit Prinzessin Helene von Pommern. 6) B. III., Sohn des Vor., regierte in Anhalt-Bernburg von 1318–1348, s. ebd.; er war 3mal vermählt, zuletzt mit Prinzessin Mathilde von Braunschweig. 7) B. IV., des Vor. Sohn; regierte von 1348–1354, s. ebd. 8) B. V., Neffe des Vor., Sohn Heinrichs IV., regierte von 1377–1420, s. ebd. 9) B. VI., Sohn Ottos III., regierte Anfangs seit 1411 mit seinem Bruder, Otto IV., gemeinschaftlich, seit 1415 allein u. st. 1468, s. ebd.; er war vermählt mit Hedwig von Sagan. 10) B. VII., Fürst zu Anhalt-Zerbst, Sohn Johanns II., regierte von 1566–70, s. ebd. II. c) b). 11) B., Sohn Joachim Ernsts, geb. 1571, war Statthalter von Thüringen, kämpfte als Obersächsischer Kreisoberster gegen die Türken, zeichnete sich durch Tapferkeit aus u. st. 1596 zu Erlau in Ungarn. b) Markgrafen von Baden: 12) B. I., Sohn Rudolfs VII., folgte diesem 1372 gemeinschaftlich mit seinem Bruder Rudolf VIII., theilte 1380 mit diesem u. bekam Nieder-Baden mit Pforzheim u. Durlach, beerbte diesen wieder u. st. nach einer langen Regierung 1431, s. Baden (Gesch.) III. A). 13) B. II., Sohn Jakobs, Enkel des Vor., geb. 1438, theilte mit seinem Bruder Karl, lebte sehr fromm u. keusch u. st. in Turin 1458. Papst Sixtus IV. sprach ihn selig u. Clemens XIV. ernannte ihn zum Patron[640] von Baden, s. ebd. 14) B. III., Sohn u. 1527 Nachfolger Christophs I., erhielt in der Theilung mit seinem Bruder Ernst Baden u. st. 1536, s. ebd. IV. A). c) Grafen von Barcelona: 15) so v.w. Bernhard 41). d) Markgrafen von Brandenburg: 16) B. I., Sohn Dietrichs, Markgraf 1009, st. 1018; s. Brandenburg (Gesch.). 17) B. II., Sohn u. Nachfolger des Vor., st. um 1044; s. ebd. e) Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 18) B. I., regierte von 1373–1434, erst bis 1409 in Lüneburg, dann in Wolfenbüttel, endlich seit 1428 wieder in Lüneburg; s.u. Braunschweig (Gesch.); er war vermählt mit Prinzessin Margarethe von Sachsen. 19) B. II., seit 1452 Administrator des Stiftes Hildesheim, liebte Mechtildis von Schaumburg, entsagte deshalb 1459 dem geistlichen Stande, heirathete Mechtildis, regierte seit 1458 mit seinem Bruder Otto u. st. 1464 ohne Kinder; s. ebd. f) Graf von Elsaß: 20) B., regierte im 9. u. 10. Jahrh. in Ober-Elsaß (Südgau), s. Elsaß (Gesch.). g) Graf von Gascogne: 21) B. Wilhelm, Sohn von Wilhelm Stencho, folgte diesem 984 minderjährig, nahm den Titel als Herzog an u. st. 1010; s. Gascogne. h) Herren u. Grafen von Lippe: 22) B. I., mit seinem Bruder Hermann unter Kaiser Lothar II. erste Herren von der Lippe, s. Lippe (Gesch.). 23) B. II., Feldherr Heinrichs des Löwen; er schlug den Grafen von Tecklenburg 1179 bei Hersfeld, vertheidigte sich nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1181 auf das Tapferste in Haldensleben, mußte aber capituliren u. verlor hierauf seine Besitzungen, erhielt sie aber 1188 theilweise wieder; s. ebd. 24) B. V., Sohn Simons I., folgte diesem mit seinem Bruder Otto u. theilte 1344 mit demselben; s. ebd. 25)–27) B. VI–VIII., reg. im 15. u. 16. Jahrh.; s. ebd.; der Letzte nannte sich zuerst Graf von Lippe. i) Herzog von Kärnthen: 28) B., Sohn des Herzogs Hermann, folgte seinem Bruder Ulrich II. 1201–56; s. Kärnthen (Gesch.). k) Herzog von Mecklenburg: 29) B., Herzog von Werle-Güstrow, regierte seit 1337: s. Mecklenburg (Gesch.). l) Markgrafen vom Nordgau, s. Markgrafen von Brandenburg. m) Herzöge von Sachsen. aa) frühester Zeit: 30) B. I., Hermanns Sohn, regierte 973–988; s. Sachsen (Gesch.). 31) B. II., des Vor. Sohn u. Nachfolger; regierte 988–1011, s. ebd. 32) B. III., des Vor. Sohn u. Nachfolger; 1011–1059, s. ebd. 33) B. von Askenien, so v.w. B. 3). bb) Von Sachsen-Lauenburg: 34) B. I., so v.w. Bernhard 30). 35) B. II., folgte 1435 auf Erich V. u. st. 1463; s. Lauenburg (Gesch.). cc) Herzog von Sachsen-Weimar: 36) B., geb. 1604, jüngster (elfter) Sohn Herzog Johanns von Weimar, folgte diesem 1605 in Gemeinregierung mit seinen noch lebenden 7 Brüdern, diente Anfangs seit 1620 unter Mansfeld, bis zur Schlacht bei Wimpfen 1622 unter dem Markgrafen Georg von Baden, dann unter dem Herzog Christian von Braunschweig, trat nach dem Gefecht bei Stadt Lohn 1623 in holländische, 1625 in dänische Dienste, wo er mehrere glückliche Gefechte gegen Wallensteins General Schlick bestand. Mit seinem Bruder Johann Ernst begleitete er 1626 den Grafen Mansfeld auf seinem Zug zu Bethlen Gabor u. blieb dann bis 1628 in dänischen Diensten, wo Wallenstein ihn mit dem Kaiser aussöhnte. Darauf durchreiste er Frankreich, Holland u. England, wohnte 1629 der Belagerung von Herzogenbusch durch die Holländer bei u. lebte später in Weimar. Als Gustav Adolf in Deutschland erschien, eilte er ihm entgegen, ward 1631 nach dem Gefecht bei Werben schwedischer Generalmajor, erhielt 3 Reiterregimenter u. vertrieb die Kaiserlichen aus Hessen. Er begleitete nach der Schlacht von Leipzig den König von Schweden nach Franken, an den Rhein u. nach Baiern, führte ein besonderes Corps an den Main u. übernahm nach Gustav Adolfs Tode bei Lützen 1632, wo er erst den linken Flügel commandirt hatte, den Oberbefehl u. gewann die Schlacht; 1633 befehligte er die Schweden in Deutschland, besetzte Bamberg, nahm Hochstädt mit Sturm, beschwichtigte die Unruhen im schwedischen Heere im Lager von Donauwerth durch Geld u. Anweisungen von Ländereien an die Offiziere u. erhielt den 12 Juni 1633 von Oxenstierna die Hochstifter Bamberg u. Würzburg unter dem Titel eines Herzogthums Franken als schwedisches Lehn. Dann eroberte er Regensburg u. unterhandelte von hier aus mit Wallenstein. 1634 wurde ihm Regensburg wieder genommen. Mit Gustav Horn vereinigt, verlor er am 27. August die Schlacht bei Nördlingen, in deren Folge ihm sein Herzogthum Franken verloren ging u. die meisten lutherischen Fürsten NDeutschlands den Prager Frieden schlossen. Um Frankreichs Hülfe näher zu sein, zog sich B. an den Rhein. Überdrüssig der Abhängigkeit von dem schwedischen Kanzler, welcher ihn im Stich ließ, schloß er am 27. Octbr. 1635 mit den Franzosen einen Vergleich zu St. Germain en Laye, worin er versprach, 18,000 Mann für die Franzosen gegen 4 Millionen Livres zu unterhalten. Durch geheime Artikel wurde ihm der Besitz von Elsaß zugesichert. 1636 u. 1637 focht er in Elsaß, Lothringenn. Burgund, schlug 1638 die Feinde bei Rheinfelden, Wittenweiher u. Thann u. eroberte (7. Decbr.) Breisach. Er ließ sich nun als Herrn des Landes, unabhängig von Frankreich, huldigen u. eine Münze mit den Wappen Weimars u. Breisachs schlagen. Vergeblich suchte ihn Richelieu nach Paris zu locken, um Frankreich in Besitz des von B. eroberten Landes zu bringen. B. war vielmehr darauf bedacht, die errungene Macht für seine eigene Person zu behaupten, u. ging damit um, dieselbe durch Vermählung mit der verwittweten Landgräfin Amalie von Hessen noch mehr zu befestigen, als er plötzlich den 8. Juli 1639 zu Neuburg am Rhein, nach der Behauptung Einiger an Gift, nach Andern von der Lagerseuche ergriffen, starb; seine Leiche wurde 1655 von Breisach nach Weimar übergeführt. Mehr s. Dreißigjähriger Krieg; vgl. Lebensbeschreibung von Röse, Weim. 1828 f., 2 Bde. dd) Herzog zu Sachsen-Jena: 37) B., jüngster Sohn des Herzogs Wilhelm von Sachsen-Weimar, geb. 1638, erhielt bei der Theilung mit seinen Brüdern 1662 Jena etc. u. st. 1678; s.u. Sachsen (Gesch.); er war vermählt seit 1662 mit Maria de la Tremouille von Thouars. ee) Herzöge von Sachsen-Meiningen: 38) B., 3. Sohn des Herzogs Ernst von Gotha, geb. 1649; erhielt 1680 Meiningen zum Antheil u. st. 1706; über ihn s. Sachsen. 39) B. Erich Freund, geb. 17. Decbr. 1800, Sohn des Herzogs Georg Friedrich Karl, folgte seinem Vater 1803 unter Vormundschaft seiner Mutter Luise Eleonore, studirte in Jena u. Heidelberg, bereiste die Niederlande, Schweiz, Italien u. England u.[641] übernahm 1821 die Regierung selbst; s. ebd. Er ist seit 1825 vermählt mit Prinzessin Marie von Hessen-Kassel. n) Herzog von Schlesien-Schweidnitz: 40) Sohn Bolko's I., regierte bis 1322 gemeinschaftlich mit seinem Bruder Heinrich I. u. st. 1326; s. Schlesien (Gesch.). o) Grafen von Toulouse u. Markgrafen von Septimanien: 41) B. I., Sohn Raimunds I., folgte diesem 864 (865) als Graf von Toulouse u. st. 875; 42) B. II., Sohn Bernhards von Auvergne, wurde 864 Markgraf von Septimanien u. regierte bis 878, wo er vertrieben wurde; st. 879. 43) B. III., Graf von Auvergne, folgte dem Vor. 878–886.

III. Prinzen: 44) B. Karl, 2. Sohn des Großherzogs Karl August von Weimar, geb. 30. Mai 1792; stand schon 1806 während der Schlacht von Jena in preußischen Diensten, wurde 1807 Hauptmann bei der sächsischen Garde, machte 1809 als Major den Feldzug gegen Österreich unter Bernadotte mit, focht 1814 als sächsischer Obrist in Belgien gegen Frankreich, trat 1815 in holländische Dienste u. focht bei Waterloo als Brigadechef, wurde 1816 Generalmajor u. führte seit 1819 das Gouvernement von Ostflandern. 1826 unternahm er eine Reise nach NAmerika; seine Beschreibung dieser Reise gab Luden, Weim. 1832, 2 Bde. heraus (ins Englische zu Philadelphia u. ins Holländische zu Dordrecht übersetzt). Bei der Insurrection Belgiens 1830 ward seine Wohnung geplündert u. er gezwungen, sich nach Antwerpen zurückzuziehen; er führte 1831, kurz vorher zum Generallieutenant befördert, beim Angriff der Holländer auf die Belgier eine Division, führte eine Zeit lang das Commando in Luxemburg u. war seit Ende 1848 bis 1854 niederländischer General der Infanterie u. Oberbefehlshaber der Colonial-Armee im Niederländischen Indien. Er ist seit 4. April 1852 Wittwer von Prinzessin Ida von Sachsen-Meiningen. Er schr.: Précis de la campagne de Java en 1811, Haag 1834.

IV. Heilige: 45) St. B. de Menthon, geb. 923 im Schlosse Menthon im Genfer Gebiet; war Archidiakonus in Aosta, stiftete auf dem Großen u. Kleinen nach ihm benannten St. Bernhardsberge 2 Hospitäler für regulirte Chorherren der Augustiner u. ward deren Prior; er st. in Novara 1008; Tag: 15. Juni. 46) St. B. von Clairvaux, geb. 1091 in Fontaines in Burgund, aus einem edeln Geschlechte; ging mit 30 andern, durch seine Beredtsamkeit u. sein Beispiel hingerissenen edeln Jünglingen 1113 in das Kloster Citeaux u. wurde 1115 Gründer u. erster Abt der Cisterzienser zu Clairvaux bei Langres. Er war Reformator der Klosterzucht, Rathgeber der Fürsten u. Hauptsprecher in den Kirchenversammlungen; auch brachte er durch seine hinreißenden Predigten den zweiten Kreuzzug zu Stande. Sehr beredt u. streng orthodox kämpfte er siegreich gegen Abälard, gegen Gilbert von Poiret, Heinrich von Toulouse etc. Er st. 1153 u. ward von Alexander III. 1174 kanonisirt. Tag der 20. August. Der von ihm reformirte u. ausgebildete Orden heißt der Cisterzienserorden, doch nennen sich mehrere geistliche Körperschaften nach ihm Bernhardiner u. Bernhardinerinnen. Seine Schriften, im Geiste der edleren Mystik geschrieben, bestehen in Homilien, Briefen, Hymnen (z.B. die berühmte: Salve caput oruentatum, welches P. Gerhards Liede »O Haupt voll Blut u. Wunden« zu Grunde liegt), Commentar zum Hohen Liede; beste Ausgabe von Mabillon, Par. 1696, 2 Bde., Fol., n.A. 1710, 2 Bde., 1851 ff. Vgl. A. Neander, Der heilige B., Berl. 1813, 2. A. Hamb. 1848; Ellendorf, Der heilige B., Essen 1837.

V. Erzbischöfe u. Bischöfe: A) Von Hildesheim: 47) B., so v.w. Bernward. 48) B. I., von 1130–1153, s.u. Hildesheim. 49) B. II., Herzog von Braunschweig, so v.w. Bernhard 19). B) Von Magdeburg: 50) B. Graf von Wölpe, 1279–1283. C) Von Paderborn: 51) B. I. v. Ösede, 1127–1160. 52) B. II. v. Ösede, 1186–1203. 53) B. III. v. Ösede, der Bruder von B. I., 1203–1223. 54) B. IV., Graf von der Lippe, 1227–1247, s. Paderborn. D) Von Passau: 55) B. von Brambach, 1285–1313, s. Passau. E) Von Würzburg: 56) B., Graf v. Rotenburg, 990–995, s. Würzburg (Bisth.).

VI. Geistliche: 57) B. von Thüringen, fanatischer Eremit zu Ende des 10. Jahrh.; verkündete das Ende der Welt u. erregte dadurch solche Furcht, daß man an vielen Orten aufhörte, die Felder zu bebauen u. sich in Höhlen u. Kellern verbarg; erst nach Jahren legte sich die Aufregung. 58) B., Mönch in Prüm, 1008 Abt von Reichenau, führte den italienischen Kirchengesang in Deutschland ein u. st. 1048; er schr. u.a.: De officio missae, Par. 1518, Ven. 1572. 59) B., Archidiakonus von Compostella; veranstaltete die letzte Privatsammlung der päpstlichen Decretalien im Anfange des 13. Jahrh.; s. Corpus juris canonici. 60) B. von Pavia (B. Circa, B. Ballus), erst Propst, dann Bischof von Pavia; er schr. um 1100: Breviarium extravagantium, eine Sammlung von Canones, in welcher sowohl die nach Gratian erschienenen neuern Kirchengesetze, als auch die von Gratian nicht aufgenommenen älteren zusammengestellt sind; heraus. gegeben Lerida 1576, Fol., Par. 1609, Fol. 61) B. de Montepuluciano, Dominicaner; soll Kaiser Heinrich VII. 1313 mit einer geweihten Hostie vergiftet haben. 62) B. (Bernardus Guidonis), geb. 1260 in Limoges, st. 1331 als General des Dominicanerordens u. Bischof von Lodove; er schrieb die Lebensbeschreibungen der Päpste von Cölestin IV. bis Johann XXII. (bei Muratori Theil 3 abgedruckt); das Leben einiger Heiligen; Chronicon comitum Tolosanorum, Tolosa 1623; Speculum sanctorale; Über die Wunder des Thomas von Aquino etc. 63) B. (Bartholomäus) v. Feldkirch [Velcurius], geb. 1487 zu Feldkirch in Schwaben; war Weltgeistlicher in Brandenburg, Halberstadt u. Chur; lehrte Aristotelische Philosophie in Wittenberg, erklärte sich für Luther u. wurde 1518 Präpositus in Kemberg, wo er sich, unter Luthers Anhängern der erste, als Geistlicher verheirathete; er st. 1551.

VII. Dichter u. Schriftsteller: 64) B. v. Ventadour, Troubadour, von niederm Herkommen, geb. gegen 1120 in Limousin. In seiner Jugend beneidet als Liebhaber mehrerer vornehmen Damen, bes. der von Ludwig VII. 1151 geschiedenen Herzogin Eleonore von der Normandie, ging er, als Letztere sich mit Heinrich II. von England vermählte, zu dem Grafen Raimund V. von Toulouse, wo er bis 1194 blieb, u. dann in das Kloster Dalon, wo er in hohem Alter um 1200 st.; von ihm sind noch 50 Gedichte vorhanden. 65) (Bernhardus Morlanensis), Cluniacensermönch aus England; lebte um 1140, dichtete im Eifer über die damalige Sittenverderbniß De mundi contemtu[642] , herausgegeben von Nath. Chyträus 1397, Peter Lucius, Rinteln 1626, u. Eilh. Lubinus. 66) B. Graf von Treviso, geb. in Padua 1406, machte große Reisen als Alchemist u. st. 1490. Er schr.: De chimia, zuerst Straßb. 1567; Vom Stein der Weisen, ebd. 1574 u.ö. (auch lat. u. franz.), zuletzt Nürnb. 1746; Chemische Schriften von ihm gab J. Tanckius, Lpz. 1605, E. Horn, Nürnb. 1641 u. Rothscholz daselbst 1717 von Neuem heraus; Bernhardus redivivus (dessen Schriften von der hermetischen Philosophie), Nürnb. 1643, u. Fontina Bernhardi revelata, gab Grabel, Erl. 1750, heraus. 67) Karl B., Pseudonym für St.-Aubin.

VIII. Andre Personen: 68) B. v. Carpio, aus heimlicher Ehe der Ximene, Schwester des Königs Alfons II. von Asturien, mit Don Sancho de Saldagna entsprossen. Der König, hierüber erzürnt, ließ Sancho blenden u. in den Kerker werfen, aber B. als seinen Neffen erziehen. Dieser focht auf das Tapferste gegen die Mauren, hoffend, die Loslassung seines Vaters zu bewirken; als dies nicht geschah, zog er sich vom Hofe zurück. Deshalb schloß ihn Alfons vom Throne aus. Von Neuem kämpfte B. tapfer gegen die Mauren; als aber Alfons seinen Bitten wieder kein Gehör gab, vereinigte er sich mit den Mauren u. rüstete sich in Carpio zum Kriege. Alfons versprach nun, ihm seinen Vater zu überliefern, wenn er ihm diese Festung einräumte. B. that dies, erhielt aber zum Lohne den todten Körper des Vaters. Tief gekränkt verließ B. nun Spanien u. machte in Frankreich den irrenden Ritter, st. auch nach Einigen in diesem Lande, nach Andern in Spanien, in der Mitte des 9. Jahrh. Seine Geschichte ist häufig von spanischen Dichtern behandelt. 69) B., Organist zu St. Marco in Venedig um die Mitte des 15. Jahrh., Erfinder des Pedals. 70) B. von Brüssel, Maler im 16. Jahrh.; malte Jagdstücke, auf welchen Karl V. meist nach der Natur gezeichnet ist, u. ein jüngstes Gericht, in Antwerpen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 640-643.
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