Brandenburg [1]

[179] Brandenburg (m. Geogr. u. Gesch.). I. Älteste Geschichte bis zum Entstehen der Markgrafen von Nordsachsen 930. Die Ebenen zwischen der Mittel-Elbe u. Mittel-Oder, die heutige Provinz.B., bewohnten bis zur Völkerwanderung wahrscheinlich Sueven. Nach der Völkerwanderung erschienen in dieser Gegend slawische Völkerschaften, Wilzen, Heveller, Uker, Retharier u. Obotriten. Sie lagen fast fortwährend im Kampfe mit den germanischen Nachbarvölkern, den Sachsen u. Franken, bis Karl der Gr. sie unter seine Botmäßigkeit brachte. Später warfen sie das fränkische Joch ab u. beunruhigten durch räuberische Einfälle von Neuem das deutsche Grenzgebiet. Sie zu bändigen, ging Kaiser Heinrich I. 927 über die Elbe, schlug die Heveller 928, eroberte ihre Hauptstadt B., zwang ihren Fürsten Tugumir zur Unterwerfung u. ernannte den Grafen Siegfried von Merseburg zum Markgrafen. Zwei Jahre später eroberte er die Festung Lebus von den Wenden.[180] II. Markgrafen von Nordsachsen, 930 bis 1142. An der Elbe in der Altmark u. Priegnitz setzte Heinrich I. den Markgrafen von Nordsachsen, Bernhard I. ein. Bald erhoben sich die Wilzen unter Mizlav, doch siegten die Deutschen bei Lenzen 931 über dieselben, die sich unterwarfen u. scheinbar Christen wurden. Unter Otto I. erhoben sie sich, von den Ukern u. anderen wendischen Völkern verstärkt, 944; die Stadt B. ging wieder verloren, u. kaum konnte Markgraf Gero von NSachsen dies u. Havelberg wieder erobern. Ernstlicher als bisher wurde nun das Christenthum durch Missionäre verbreitet, 946 das Bisthum Havelberg u. 948 das Bisthum B. errichtet. Von Neuem mußten aber, als Kaiser Otto I. in Italien war, die Deutschen weichen u. erst nach der Besiegung der Ungarn am Lech 955 gewannen sie die Oberhand. Unter den Wenden zeichneten sich bes. die Brüder Nacco u. Stoigness aus, 2 Knäsen der Ukern: Otto schlug sie aber an der Dosse gänzlich, wobei Stoigness fiel u. Nacco verschwand. Gero bekriegte aber die Selpulen, Luititzen u. andere östliche wendische Stämme, gründete die Ostmark (Niederlausitz) u. st. 965. Markgraf Dietrich (Theoderich, wahrscheinlich Bernhards I. Sohn), Geros Nachfolger, drückte die Wenden, sie empörten sich 976, ermordeten die kaiserlichen Beamten u. die Priester, so wie den Bischof Udo von Havelberg, eroberten Havelberg u. B. u. zwangen den Markgrafen u. den Bischof von B. zur Flucht. Eine lange Reihe von Kämpfen folgte jetzt; endlich wurde Dietrich um 983 entsetzt u. st., von einer Präbende lebend, 985 in Magdeburg. Lothar von Walbeck war nicht glücklicher, u. Kaiser Heinrich II. schloß 1003, wo auch Lothar von Walbeck st., mit Rethariern u. Wilzen den Frieden zu Arneburg, durch welchen ihnen Unabhängigkeit gewährt wurde. Der Markgraf Werner, dem seine Mutter Godtla diese Stelle vom Kaiser Heinrich II. gekauft hatte, schlug die wieder empörten Wilzen, eroberte Havelberg u. B. u. zwang ihnen 1005 einen Frieden zu Werben auf; sie versprachen Tribut zu zahlen u. christliche Priester aufzunehmen. Die Bisthümer Havelberg u. B. wurden hergestellt. 1009 verlor Markgraf Werner durch Ränke der Kaiserin (nach And. wegen Antheiles an dem Morde des Herzogs Dedi I.) seine Stelle u. st. 1014. Bernhard II., ein Sohn Dietrichs, welcher die erledigte Markgrafenwürde von NSachsen erhielt u. den Krieg gegen die Wenden erneuerte, st. 1018, u. ihm folgte sein Sohn Bernhard III. Den Krieg mit den Slawen (s. unter Obotriten) endigte 1023 Heinrich II. durch einen Frieden. 1024 schrieb Kaiser Konrad II. ein Gottesurtheil in Werben aus, um den Streit der Sachsen u. Wenden zu schlichten. Obgleich der Sachse unterlag, setzte dennoch Bernhard den Kampf gegen die Obotriten u. Wilzen fort. Am meisten machte ihnen aber Gottschalk, Fürst der Obotriten, welcher 1047 das große wendische Reich stiftete, zu schaffen, s. Obotriten (Gesch.). Gegen ihn zog 1056 Markgraf Wilhelm, Bernhards Sohn, blieb aber bei dem Schlosse Pritzlawa. Graf Udo I. (Ludgar) von Stade wurde sein Nachfolger, st. aber schon 1057, u. ihm folgte sein Sohn Udo II., der zwar Wilhelms Halbbruder verjagen wollte, aber bei Niendorf, unweit Merseburg, 1064 erschlagen wurde. Für Groitzsch tauschte nun Udo II. von dem Grafen Wiprecht das Balsamerland in der Altmark ein. So lange Gottschalk lebte, konnten die Markgrafen von NSachsen dem mächtigen Wenden nichts anhaben, indessen gedieh das Christenthum durch Gottschalk auch unter den Slawen. Nach dessen Ermordung 1066 gerieth die Christianisirung des Landes wieder in Stocken, bis Heinrich, sein Sohn, das Wendenland wieder gewann. Udo betheiligte sich an dem großen Bunde gegen Heinrich IV., wurde in der Schlacht an der Unstrut 1073 gefangen, aber nachdem er seinen Sohn als Geißel gestellt hatte, losgelassen. Er st. 1082. Sein Sohn Heinrich I. erhielt nun die sächsische Nordmark (die Altmark) u. nach seinem Tode folgte sein Bruder Udo III., der mit anderen sächsischen Fürsten die Luititzen besiegte u. B. nach viermonatlicher Belagerung einnahm. Er st. 1106 u. sein Sohn Heinrich II. folgte ihm unter Vormundschaft seines Oheimes Rudolf I. Da dieser mit dem Herzog Lothar von Sachsen, Friedrich von Stade gefangen hielt, so wurde er 1112 vom Kaiser Heinrich V. durch ein Fürstengericht in Goßlar seiner Würde entsetzt u. die Mark Helfreich (Helprich) v. Plötzke anvertraut. Heinrich II. wurde 1114 volljährig u. trat nun in das väterliche Erbe; stand 1123 dem Bischof von Halberstadt im Kriege gegen Heinrich den Löwen bei u. st. 1128. Markgraf wurde nun Rudolfs I. Sohn, Udo IV. von Freekleben. Dieser wurde 1130 von Albrecht dem Bären bei Aschersleben erschlagen, u. die Mark kam an Konrad, Sohn des Grafen Helfreich v. Plötzke, welcher 1133 bei einem Römerzuge unter Kaiser Lothar in der Lombardei fiel. Die erledigte Markgrafenstelle erhielt Albrecht der Bär. Vgl. Gebhard, Aquilonales Marchiones Electores Brandenburgici documentorum autoritate asserti, Lpz. 1742.

III. Brandenburg unter den Askaniern 1142–1320. Albrecht von Askanien, der Bär, ein Sohn des Grafen Otto von Ballenstädt, wurde 1138 von Konrad III., welchen er nach Lothars Tod 1137 unterstützte, mit dem Herzogthum Sachsen belehnt. Diese Belehnung erkannte aber Herzog Heinrich der Stolze von Sachsen u. Baiern u. sein Sohn Heinrich der Löwe nicht an, u. Albrecht mußte, nachdem 1140 die Mark an Rudolf II. von Stade, Sohn des Markgrafen Rudolf I. vergeben worden war, Heinrich dem Löwen das Herzogthum 1142 wieder abtreten. Er erhielt dafür 1143 die Ostmark (Niederlausitz), unabhängig von Sachsen, unter dessen Lehnsherrlichkeit bisher NSachsen gestanden hatte. Von dieser Zeit an nannte er sich Markgraf von B. Er nahm an dem großen Kreuzzug, welchen Heinrich der Löwe, Konrad von Zähringen u. Konrad von Meißen unternahmen, Theil. Niklot, Fürst der Obotriten, regte sich 1148 wieder, doch erzwang Albrecht einen Frieden, nach dessen Bedingungen Niklot Christ werden sollte, welche Bedingung er indeß nicht erfüllte. Nun benutzte Albrecht jede Gelegenheit, um die Wenden gegen die Oder zu drängen, u. da sie sich oft, um von dem an Niklot zu zahlenden Tribut loszukommen, freiwillig unterwarfen, so war bald die ganze Mark, mit Ausnahme B-s, erobert. Dieses wurde endlich 1157 erstürmt u. verbrannt u. der Wendenfürst Jazko geschlagen u. vertrieben. 1150 mißlang eine neue Fehde gegen Heinrich den Löwen, doch versöhnte sich Albrecht mit ihm auf dem Reichstage[181] in Würzburg. Die neue Mark B. umfaßte nun das Land nördlich bis an den Müritzsee in Mecklenburg, südlich bis an die Oberlausitz, östlich bis an die Oder u. westlich bis an die Elbe (es gehörte also die Ucker- u. Neumark noch nicht zu ihr). Freilich war das von den Wenden verlassene Land nur eine große Öde, aber Albrecht zog aus Seeland, Holland u. Flandern, vom Rhein u. aus Sachsen Ansiedler herbei, die durch kaiserliche Freibriefe von allen Abgaben befreit wurden. Durch sie wurde nach u. nach die Neustadt B., Bernau, Spandau, Berlin nebst Köln gegründet, der Dom in Havelberg gebaut, das Bisthum B. neu errichtet, Klöster gebaut u. bei Albrechts Wallfahrt nach Jerusalem der Johanniterorden ins Land gerufen u. mit einer Commende zu Werben beschenkt. An Heinrichs des Löwen Zug 1161 gegen den Obotritenkönig Niklot, welcher dem Reich der Obotriten ein Ende machte, nahm Albrecht Theil. Die Wilzen u. übrigen Wenden des eroberten Gebietes wurden theils zu Leibeigenen gemacht, theils in eigene Dörfer zusammengedrängt u. zum Christenthum gezwungen. Raub u. Mord rächte diese Unterdrückung. Albrecht dankte 1168 ab, theilte seine Länder unter seine Söhne, indem er Otto die Mark u. Bernhard Anhalt gab, u. st. 1170. Otto I. kriegte mit Heinrich dem Löwen gegen die Rugier, jedoch ohne Erfolg. Als 1180 Heinrich der Löwe geächtet wurde, u. Graf Bernhard von Anhalt, Ottos Bruder, das Herzogthum Sachsen erhielt, half Otto diesem Sachsen erobern. Auf dem Reichstage in Mainz 1182 verrichtete Otto I. zum ersten Mal das Amt eines Erzkämmerers. Er st. 1184. Otto II., sein Sohn, hatte sich in den Dänen nach der Gefangennehmung der Söhne des Obotritenfürsten Niklot u. durch Erwerbung von Gebietstheilen, die diesen gehörten, gefährliche Nachbarn gemacht. Mit Heinrich dem Löwen, der 1190 aus England zurückgekehrt war, gerieth er in Krieg, dieser eroberte die Hälfte seines früheren Besitzes zurück u. König Heinrich, nach seines Vaters, Kaisers Friedrich I., Tode, gewährte ihm Frieden. Nun half Otto II. 1191 dem Grafen Adolf von Holstein sein, während der Abwesenheit des Grafen in Palästina, von Heinrich dem Löwen besetzes Land, jedoch nur für den Augenblick, wieder gewinnen u. schlug 1195 die Flotte des Dänenkönigs auf der Oder, die zum Angriff gegen ihn ausgesandt war. Er wie sein Bruder standen auf der Seite des Königs Philipp von Schwaben gegen den Gegenkönig Otto IV. von Braunschweig u. nahmen Theil an der Eroberung von Goßlar. Auf Wunsch Philipps setzte Otto mit Hülfe des Herzogs Bernhard von Sachsen den vertriebenen Kronprätendenten Waldemar von Dänemark, gegen den Willen Ottos IV. u. König Erichs von Dänemark, als Bischof von Bremen ein u. gab ihm einen Theil der Mittelmark, unter der Bedingung, daß das Gebiet als erbliches Lehngut bei seinem Geschlechte verbleiben solle. 1196 schenkte er dem Erzbisthum Magdeburg die Altmark. Otto II. st. 1206 kinderlos u. ihm folgte sein Bruder Albrecht II., der seit 1196 Theil an der Regierung genommen hatte. Nach der Ermordung Philipps von Schwaben 1208 wendete er sich zu Kaiser Otto IV. u. blieb ihm selbst treu, als Friedrich II. als Gegenkaiser auftrat. Über die Abtretung vieler seiner besten Länder u. die Lehnsnahme der Altmark von Magdeburg unwillig, begann Otto den Magdeburger Krieg; doch waren auch kaiserliche Interessen dabei im Spiele, indem der Erzbischof für Friedrich II. focht. Otto schlug die Magdeburger 1212, aber 1214 nach der Schlacht bei Bovines, wo Otto IV. unterlag, ergriff König Waldemar II. von Dänemark, von Friedrich veranlaßt, die Waffen gegen B. u. kriegte mit abwechselndem Glück gegen ihn bis 1218, wo Otto IV. st. u. Friedrich II. den Markgrafen durch das Versprechen gewann, ihn mit Vorpommern bei Aussterben dieses Fürstenhauses zu belehnen. Albrecht II. st. 1221 u. seine Söhne Johann I. u. Otto III. (über welche ihre Mutter Mechtild u. der Graf Heinrich II. von Anhalt die Vormundschaft führten, bis sie 1226 mündig wurden) folgten ihm u. führten die Regierung gemeinsam. Unter ihnen kam der Titel Kurfürst allmählig auf, doch führte ihn nur der ältere Johann I. u. auch dieser noch nicht in Diplomen. Die Brüder wurden 1228 in eine Fehde Otto des Kindes von. Braunschweig, ihres Schwagers, mit seinen Basen verwickelt. Sie entsetzten das belagerte Braunschweig, kamen dadurch aber in Fehde mit dem Kaiser Friedrich II., dem Erzbischof von Magdeburg u. dem Bischof von Halberstadt; Otto III. wurde von dem gleichfalls gegen ihn aufgetretenen Markgrafen Heinrich 1238 gefangen, der andere Bruder aber hart bedrängt, so daß sogar Mittenwalde u. Köpnik eine Zeitlang von den Meißnern besetzt gehalten wurden. Otto III. kaufte sich endlich durch großes Lösegeld aus der Gefangenschaft los, sein Schwiegervater, König Wenzel von Böhmen, u. Otto von Braunschweig sendeten Hülfe, u. nun schlugen die Brüder 1240 die Magdeburger u. Halberstädter bei Gladigau, unweit Osterburg an der Biese, u. nahmen den Bischof von Halberstadt gefangen. Erst 1244 kam ein Friede zu Stande, in welchem Magdeburg die Lehnherrschaft über die Altmark u. andere Lehn verlor u. die Markgrafen wieder im Besitz des ganzen Landes kamen. Um 1250 erkauften die Brüder die Landschaften Lebus u. Sternberg vom Herzog Boleslaw von Niederschlesien u. gründeten Frankfurt a. d. Oder. Zu gleicher Zeit zwangen sie den Herzog Barnim I. von Stettin, ihnen das Uckerland abzutreten, u. den Herzog Mistevin in Ostpommern, ihre Lehnshoheit über ihn anzuerkennen, nachdem sie eine ähnliche Forderung schon 1235 gegen den Herzog von Stargard durchgesetzt hatten. 1252, 1258 u. 1265 zog Otto III. gegen die Preußen u. baute auf ihrem Gebiet den Marktflecken B. in Preußen. Die zweite Ehe Johanns mit Hedwig von Pommern befestigte den Besitz der Uckermark, u. Ottos Vermählung mit Beatrix von Böhmen hatte eine Vergrößerung des Landes um die Städte Bautzen, Görlitz, Lauban u. Löben zur Folge. Auch jenseits der Oder breiteten unterdessen die Brüder ihr Land aus, indem sie 1257 die Landstriche an der Warthe, Netze u. Drage, Theile Slaviens (das von den Slawen bewohnte Land) den Polen entrissen, Landsberg a. d. W. erbauten u. später Beerwalde, Neudamm, Arnswalde u. Königsberg in der Neumark gründeten. Das ehemalige Slavien wurde nun das Land über der Oder (Terra transoderana) genannt. Otto III. unternahm auch drei Kreuzzüge gegen die Preußen u. stand seinem Schwager Ottokar von Böhmen gegen die Ungarn u. den Herzog Waldemar von Schleswig gegen die Dänen bei. Ihm wurde nach dem Tode des Kaisers [182] Wilhelm von Holland 1256 die Kaiserwürde angeboten, welche er aber ausschlug. Johann I. st. 1266, Otto III. 1267. Johann I. hinterließ 7, Otto II. 4 Söhne. Beide hatten wenige Jahre vor ihrem Tode das Land, jedoch wie es scheint, blos in Rücksicht auf die Einnahmen getheilt. Die beiden Linien nannten sich, die von Johann I. gestiftete die Johanneische (Stendaler), die von Otto III. entsprossene die Ottonische (Salzwedeler). Diese Theilung wurde von den Erben aufrecht erhalten, u. so verlor B. nichts an Ansehen u. Macht, obgleich es so viele Fürsten hatte. Die Söhne Johanns I. hießen: Johann II., Otto IV., Konrad I., Erich, Albrecht V., Heinrich III. u. Johann IV.; die Söhne Ottos III.: Johann III., Otto V., Albrecht V. u. Otto VI. Albrecht IV. st. bald, Johann III. blieb auf einem Turnier in Magdeburg 1268, Erich u. Johann IV. traten in den geistlichen Stand; Heinrich III., Albrecht V. u. Otto VI. waren beim Tode ihrer Väter noch minderjährig. Nur die Prinzen Johann II., Otto IV. mit dem Pfeil, Konrad I. u. Otto V. traten die Regierung gemeinschaftlich an. Der älteste, Anfangs Johann der führte den Titel Kurfürst von B., die übrigen hießen, wie früher, Markgrafen. Schon in dem ersten Jahre ihrer Gesammtregierung bekamen sie mit Boleslaw V. von Polen Krieg. Dieser hatte die Stadt Meseritz befestigt, um die Fortschritte der Brandenburger jenseit der Oder zu hemmen, u. Otto IV. mit dem Pfeil zerstörte diese Festung. Die Polen fielen nun 1268 in der Neumark ein u. schleiften Zilenzig. Neue Nahrung erhielt der Krieg durch den Zwist der Söhne des verstorbenen Herzogs Swentopolk von Hinterpommern, von denen der eine, Werzlaw, sich dem Deutschen Orden in die Arme warf u. der andere, Mistevin, sich unter die Lehnsherrschaft der Markgrafen begab, denen er 1269 Danzig überlieferte. Während die Polen die Neumark verwüsteten, besetzte 1272 Konrad I. Danzig. Diese Erwerbung ging indeß wieder verloren, da Werzlaw starb u. sein Bruder Mistevin Danzig zurückforderte. Dieser trat, da ihm die Übergabe vor Ersatz der Kriegskosten verweigert wurde, zu dem Polenherzog Boleslaw über, dessen Neffen er zum Erben seines Landes bestimmte. Boleslaw eroberte Danzig wieder, u. B. verlor mit dieser Stadt die Aussicht auf die Erbschaft von Hinterpommern. Zugleich brachen die Polen nochmals in der Neumark ein, nahmen Strehlen u. Driesen, u. B. war in Gefahr, alle Länder jenseits der Oder einzubüßen, als 1273 ein sechsjähriger Waffenstillstand Rettung brachte. Bei dem ersten Kriege Rudolfs von Habsburg mit Ottokar von Böhmen, sendeten die Markgrafen von B., welche die Oberlausitz als böhmische Lehn besaßen, dem König Ottokar den Markgrafen Otto V. zu Hülfe, der auch zur Vermittelung des Friedens beitrug. Während im zweiten Kriege 1278 Otto V. an dem Kampfe Ottokars gegen Kaiser Rudolf Theil nahm, lief der Waffenstillstand mit den Polen ab, u. diese u. die Pommern fielen in der Neumark ein. Der Umstand, daß Erich von B., Domprobst von Magdeburg, sich um das Erzbisthum bewarb, regte von Neuem die Magdeburger Streitfrage an u. hatte eine Fehde zur Folge, in welcher Markgraf Otto IV. in die Gefangenschaft des Erzbischofs, Grafen von Schwalenberg, gerieth, aus welcher er sich nach schwerer Hast mit 4000 Mark lösen mußte. Nachdem Ottokar von Böhmen in der Schlacht auf dem Marchfelde 1278 geblieben war, vermittelte Otto V. einen Frieden mit dem Kaiser, in welchem unter Anderen ausgemacht wurde, daß Markgraf Otto IV. eine Tochter des Kaisers Rudolf heirathen sollte. Otto V. blieb in Böhmen, um als Vormund Wenzels dieses Land u. Mähren zu verwalten, aber seine Habsucht machte ihn verhaßt. Sein Streit mit der Königin Mutter, Kunigunde, um die Vormundschaft, endigte damit, daß er Böhmen verlassen mußte. Er nahm indeß den Thronerben mit sich nach Zittau u. lieferte ihn erst gegen eine hohe Summe, die er als Erziehungskosten forderte, an die Böhmen aus, vgl. Böhmen IV. 1279 st. der Polenherzog Boleslaw; der Krieg mit Magdeburg dauerte fort. Der Bischof Schwalenberg hatte zwar, auch von Braunschweig angegriffen, seine Würde niedergelegt, aber nun trat Graf Bernhard von Wölpe als Nebenbuhler Erichs auf u. führte den Krieg so glücklich, daß dieser Frieden schließen mußte. 1281 starb Bernhard von Wölpe u. dem nächst wurde Erich Erzbischof von Magdeburg, als Markgraf Johann II. kinderlos 1283 starb, nahm sein Bruder Otto IV. mit dem Pfeile den kursürstlichten Titel an. Die Markgrafen von B. vergrößerten 1291 ihr Land durch Ankauf der Mark Landsberg in Sachsen von dem Markgrafen Albrecht dem Unartigen von Meißen: auch Delitzsch, Lauchstädt, Altstädt, Sangerhausen etc. wurden nach u. nach von Meißen käuflich an B. gebracht u. 1303 auch die Niederlausitz u. das Land zwischen der Schwarzen Elster u. Elbe. 1296 entledtgte sich Otto IV. seines Hauptgegners, des Fürsten Primislaw von Polen, indem er ihn während der Fastnacht in Rogotzno, an der Grenze der Neumark, ermorden ließ, u. 1291 gab er als Kurfürst bei der Kaiserwahl seine Stimme für Adolf von Nassau. Adolf belehnte B. hierfür mit Landsberg, übertrug ihm alle kaiserlichen Rechte in Lübeck u. ernannte Otto IV. zum Feldhauptmann in Thüringen. Dennoch war Otto einer der ersten, die von Adolf abfielen u. Albrecht von Österreich 1298 als Kaiser anerkannten. 1298 st. Otto V., einen einzigen Sohn Hermann hinterlassend; Otto VI. st. als Mönch 1303, so daß 1307 von allen Markgrafen von B. blos noch Otto IV. u. dessen Neffen Hermann u. Waldemar übrig waren. Otto IV. u. Hermann kämpften für Wenzel von Böhmen gegen Kaiser Albrecht u. später gegen Erich VIII. von Dänemach. Hermann fand in der letz. en Fehde 1308 seinen Tod, einen Sohn Johann hinterlassend; Otto IV. hatte mit der Geistlichkeit in seinen letzten Lebensjahren in Streit gelebt u. war deshalb 1305 in den Bann gekommen. Auch er st. 1309, u. nun war Waldemar, Konrads Sohn, alleiniger Markgraf u. Kurfürst von B., da sein Bruder Johann V. früher gestorben war u. sein Bruder Heinrich ohne Land nicht zur Regierung kam, sein Vetter aber, Johann VI. der Erlauchte, noch unter seiner Vormundschaft stand. Waldemar war einer der mächtigsten Fürsten Deutschlands, denn er besaß die 5 Marken, die Markgrafschaft Landsberg u. die Pfalz Sachsen, u. hatte Ansprüche auf die dem Markgrafen Hermann verpfändete Niederlausitz u. auf Pomerellen. Nach einem glücklichen Kriegszug in Pomerellen, wo er Danzig nahm, seine Eroberungen aber außer Rügenwalde, Stolpe u. Slave, dem Deutschen Orden gegen[183] 10,000 Mark Silber 1310 abtrat, bekriegte er 1310 den Kurfürsten Rudolf von Sachsen-Wittenberg u. wurde nach einigen Unfällen im Städtchen Briezen eingeschlossen, das er wegen seiner tapferen Vertheidigung Treuenbriezen nannte. 1311 vermählte er sich mit seiner Base Agnes, Schwester seines Vetters u. Mündels Johann. Ein feierliches Beilager sollte in Rostock gefeiert werden, allein die Stadt verschloß ihm die Thore, u. er mußte seine Hochzeit vor der Stadt im Rosengarten feiern. Als Waldemar, um Rostock dafür zu züchtigen, 1312 nach der Ostsee auszog, so benutzte Markgraf Friedrich der Gebissene von Meißen seine Abwesenheit u. brach in B. ein. Waldemar schlug ihn 1313 bei Großenhain, nahm ihn gefangen u. besetzte Meißen u. Dresden. Friedrich versprach, um nur loszukommen, die Niederlausitz, das Pleißnerland, Torgau, Rochlitz, Großenhain u. Döbeln abzutreten; aber befreit, weigerte er sich, seine Versprechungen zu erfüllen. Waldemar trat darauf die meisten Ansprüche seinem Schwager ab, welcher den Kampf um sie fortsetzte. Bei der Kaiserwahl, nach Heinrichs VII. Tode, schloß sich Waldemar der österreichischen Partei an, dennoch wurde durch Verrath des brandenburgischen Gesandten, von Buch, Ludwig der Baier zum Kaiser gewählt. Während dem dadurch entstandenen Kriege schloß Rostock Frieden mit Waldemar u. 1315 ergab sich ihm Stralsund, um den Ansprüchen des Rügenfürsten Witzlaf zu entgehen, freiwillig. Diese Erwerbung verwickelte ihn in Krieg mit Witzlaf u. dessen Bundesgenossen Dänemark. Beiden schlossen sich Mecklenburg, Schweden, Polen, Sachsen-Lauenburg, Braunschweig, Schleswig, Holstein, der Markgraf von Meißen u. Erzbischof von Magdeburg an. Innere Unruhen kamen noch dazu, um die ganze Existenz B-s in Frage zu stellen, aber tapfer erwehrte sich Waldemar mit seinen Bundesgenossen, Pommern u. Stralsund, der Feinde, verlor zwar die Schlacht von Gransee gegen die Dänen u. Mecklenburger; doch ließ sich Dänemark u. der Erzbischof von Magdeburg bald darauf durch Abtretung von Friedeburg in der Niederlausitz am 17. Decbr. 1317 zum Frieden von Wordinburg bewegen, wobei Waldemar noch Gebietszuwachs von Mecklenburg bekam. Auch Markgraf Friedrich der Gebissene schloß Frieden u. trat die Niederlausitz u. Dresden an Waldemar ab. Als kurze Zeit darauf Johann V., der an der Regierung wenig Theil genommen hatte, starb, wurde Waldemar, was er der That nach längst gewesen war, auch dem Namen nach Herr von allen Marken, aber kurze Zeit darauf von Wismar, wohin ihn Unterhandlungen mit den nordischen Mächten geführt hatten, zurückgekehrt, st. Waldemar ebenfalls 1319 in Bärwalde u. wurde im Kloster Chorin begraben. Waldemar hinterließ keine Kinder, darum folgte ihm Heinrich das Kind, der Sohn seines jüngeren Bruders, Heinrichs ohne Land, der mit seiner Mutter in Landsberg residirte, unter Vormundschaft des Herzogs Wratislaw von Pommern, starb aber noch als Knabe 1320. Von allen Seiten waren schon nach Waldemars Tode Prätendenten herbeigeeilt. Wratislaw von Pommern nahm die Gegend von Stolpe, Heinrich von Mecklenburg die Priegnitz u. Uckermark, der König von Polen die Neumark, König Johann von Böhmen die Lausitz, der Markgraf von Meißen Dresden, Anhalt prätendirte die Mark Landsberg u. die Pfalz Sachsen, Herzog Rudolf von Sachsen-Wittenberg Städte in der Mittelmark u. die Schirmvoigtei über Quedlinburg, Magdeburg die Städte Seehausen, Wolmirstädt u. Werben, u. die Kurfürstin Agnes, welche sich drei Monate nach Waldemars Tode an Herzog Otto von Braunschweig vermählte, nahm die Altmark als Witthum in Besitz.

IV. Brandenburg unter den Markgrafen aus dem Hause Baiern, 1320–1373. Diese Verwirrung noch zu mehren, belehnte Kaiser Ludwig der Baier 1322 seinen Sohn Ludwig den Brandenburger, einen 12jährigen Knaben, mit B., nicht beachtend, daß er dem Könige von Böhmen, um seine Stimme zur Kaiserwahl zu gewinnen, Hoffnung auf den Besitz der Marken gemacht hatte. Ludwig bemächtigte sich, ungeachtet aller Einreden Frankreichs u. des Papsts Johannes XXII., der deshalb sogar den Bann über Ludwig u. später auch gegen den neuen Kurfürsten von B. u. seine Anhänger aussprach, der Marken mit Hülfe Bertholds von Henneberg, trat 1324 als Kurfürst u. Erzkämmerer des Reichs auf u. vermählte sich bald darauf mit der Prinzessin Margarethe von Dänemark. Rudolf von Sachsen, sich der Macht des Kaisers nicht gewachsen fühlend, trat mit seinen Ansprüchen zurück, Mecklenburg gab die Priegnitz wieder heraus, die Wittwe Waldemars behielt die Altmark nur auf Lebenszeit, u. die meisten Städte erklärten sich für den neuen Herrn. Nur die vom Papst aufgeregte Geistlichkeit leistete längeren Widerstand. Der Erzbischof von Magdeburg drang in die Marken ein, u. Polen, Russen u. Lithauer überschwemmten B. u. verwüsteten die Neumark, wurden aber geschlagen; den Bischof von Lebus nahmen die Bürger Frankfurts a. d. O. gefangen, weßhalb diese vom Papst mit Bann u. Interdict belegt wurden. Um seinen Vater auf seinen Kriegszügen nach Italien zu unterstützen, mußte Kurfürst Ludwig an den Grafen von Schwerin u. den Erzbischof von Magdeburg große Landstriche verpfänden; zugleich war er mit Pommern wegen der Lehnsherrschaft über dieses Land in einen Krieg verwickelt, in welchem er 1329 vom Herzog Barnim III. von Stettin bei Prenzlau u. 1331 bei Kremen geschlagen ward. In Folge dessen verlor er einen Theil der Uckermark u. Stolpe, erhielt aber dafür die Anwartschaft auf Pommern, im Fall das herzogliche Haus daselbst erlöschen sollte. Der Tod der Wittwe Waldemars, Agnes, verwickelte 1334 Ludwig in Zwistigkeiten mit Herzog Otto von Braunschweig, die später 1343 zu einem kurzen Krieg mit Otto führten, denen aber dessen Tod bald ein Ziel setzte. Magdeburg, welches auf die Altmark Ansprüche machte, riß mehrere Städte derselben an sich. Um diese Zeit gerieth Ludwig in solche Bedrängniß, daß er mit dem Adel seines Landes einen Vertrag schloß, in welchem dieser ihm, im Falle der Noth, seine Schlösser zu öffnen, er aber ihnen versprach, ihre Raubzüge u. die Plünderung seiner Unterthanen nicht zu hindern. Dieser entehrende Vertrag hemmte Handel u. Verkehr, verödete ganze Gegenden u. zwang die Städte, Bündnisse unter sich zu errichten, um sich gegenseitig zu schützen. 1342 vermählte sich Ludwig in 2. Ehe. mit Margaretha Maultasch, Gräfin von Tyrol, der Tochter des Herzogs Heinrich von Kärnthen, nachdem Kaiser Ludwig die Ehe dieser mit Johann Heinrich[184] Sohn des Königs Johann von Böhmen, eigenmächtig durch einen Bischof getrennt hatte. Der neue Papst Clemens VI. sprach deshalb den Bann über Ludwig aus, während der König von Böhmen, Johann, 1343 Mecklenburg, Pommern, Sachsen-Wittenberg u. Magdeburg gegen Baiern u. B. aufreizte u. selbst gegen den Kaiser rüstete. Kaiser Ludwig rief dagegen den König Kasimir III. von Polen, den Markgrafen von Meißen u. den Herzog von Österreich gegen Johann von Böhmen zum Beistand seines Sohnes zu den Waffen. Das Bündniß löste sich aber wieder, als der Papst 1346 einen Theil der Reichsfürsten bewog, den Sohn Johanns von Böhmen, Karl von Mähren, zum Gegenkaiser Ludwigs zu wählen. Kaiser Ludwig u. sein Sohn, der Kurfürst, bemühten sich zwar, diese Wahl ungültig zu machen, u. der Letztere trieb die Böhmen selbst wieder aus Tyrol heraus, aber 1347, als Kaiser Ludwig starb, bestieg Karl IV. ohne Widerspruch den Kaiserthron, obgleich der Kurfürst Ludwig, der im Besitz der Reichskleinodien war, mehrere andere Fürsten, vor allen Eduard III. von England u. Friedrich den Ernsthaften von Meißen vergebens anspornte, gegen Karl als Gegenkaiser aufzutreten. Um diese Zeit trat ein Pilger vom heiligen Grabe in der Mark auf, welcher sich für den Markgrafen Waldemar ausgab (der falsche Waldemar) u. erzählte, er sei durch Gewissensbisse wegen seiner Ehe in verbotenem Grade mit seiner Muhme Agnes gequält worden u. habe daher, um diese im Stillen u. ohne Aufsehn zu lösen, sich krank gestellt u. befohlen, einen fremden Leichnam statt seiner zu begraben, sei aber selbst entflohn, nach dem heiligen Grabe gepilgert u. in fremden Ländern umhergeirrt, wo er denn nach dem Tod der Agnes, um B. zu retten u. zu beglücken, zurückkehre. Er fand bei Vielen Glauben, die Altmark fiel ihm zu, dann die Mittelmark u. die übrigen Theile von B. Er erschien an auswärtigen benachbarten, bes. den anhaltischen u. sächsischen Höfen, u. auch hier ward er anerkannt. Am Hofe des Erzbischofs von Magdeburg ließ er einen Siegelring in den ihm gereichten Becher mit Wein fallen, u. siehe, dies war der Ring, den Waldemar immer getragen hatte. Schon war Ludwig auf Frankfurt a. d. O. u. noch einige Städte beschränkt, als Kaiser Karl IV. 1348 in B. erschien. Im kaiserlichen Lager vor Frankfurt a. d. O. stellte sich der falsche Waldemar zum Verhör; feierlich bezeugten ihm der Herzog Rudolf von Sachsen u. dessen Sohn, ferner der Herzog von Mecklenburg, Johann I., der Graf Albrecht von Bamberg, u.a.m., daß er der wahre Waldemar sei, worauf ihm der Kaiser feierlich die Lehn reichte u. im Falle des Todes ohne Erben die Söhne des Herzogs von Sachsen u. die Fürsten von Anhalt mit B., der Kur u. Landsberg belehnte. Unterdessen hatte Karl die Belagerung von Frankfurt a. d. O. aufgehoben, Ludwig war entkommen u. hatte Günther von Sch warzburg bewogen, an seines Vaters Stelle als Gegenkaiser aufzutreten; als dieser aber 1349 zu Frankfurt a. M. vergiftet wurde, erkannte Ludwig Karl IV. unter dem Versprechen an, daß der Kaiser ihm die Mark verschaffen u. Waldemar fallen lassen wolle. Karl IV. verhieß im Frieden zu Bautzen 1350 Ludwig die Mark zu geben u. berief Waldemar vor den Reichstag zu Nürnberg, seine Ansprüche zu erweisen. Als er nicht erschien. wurde er seiner Belehnung für verlustig erklärt, u. Ludwig, wie seine Brüder. Ludwig der Rome- u. Otto, mit den Marken belehnt, die Unterthanen aber ihres Eides entbunden. Zwar protestirten 14 Städte hiergegen u. erinnerten den Kaiser, daß er ihnen erst vor Kurzem den Eid für Waldemar anbefohlen habe, aber vergebens. Die Städte u. Edlen wurden endlich durch Sühnebriefe bewogen, die Partei Waldemars zu verlassen, die benachbarten Fürsten wurden abgefunden u. endlich standen Sachsen-Wittenberg u. Anhalt allein u. gaben Waldemars Sache auf. Waldemar floh nach Dessau, wo er fürstliche Ehre genoß, seine Machtlosigkeit erkennend, entließ er seine Unterthanen ihrer Eide 1355 u. starb 1356. Der Betrug des sogenannten falschen Waldemar konnte nicht bis zur Evidenz erwiesen werden. Seine Gegner behaupten, er sei ein Müllerbursche Jakob Rehbock aus Hundelust, od. ein Bäckergeselle Mänicke aus Belitz gewesen, habe als Knappe bei dem wahren Waldemar in Diensten gestanden, hier den Siegelring desselben entwendet (nach Andern stahl er ihn der Leiche im Grabe), u. habe, seine Ähnlichkeit benutzend, später den Waldemar nachgeahmt. Die Vertheidiger desselben machen dagegen bemerklich, daß die Gegner nicht einmal über die Angaben, wer denn der falsche Waldemar eigentlich gewesen, einig wären, u. Ludwig keinen Beweis der Unechtheit, welchen, wenn Waldemar ein Betrüger war, nach 15 Jahren zu liefern, nicht schwer sein konnte, geleistet habe. Man erklärt den Hergang der Sache in folgender Weise: B. war durch Ludwig den Baier mit Übergehung der Rechte Sachsens u. Anhalts an das baiersche Haus gekommen. Karl IV. wollte, zum Thron gekommen, seines Gegners Sohn nicht als Markgrafen leiden, zog aber List der Gewalt vor. Deshalb erschien der falsche Waldemar, ein alter Mann, vielleicht ein sonstiger Diener des Kurfürsten, der mit dessen Verhältnissen ganz genau bekannt war, u. wurde anerkannt, um nach seinem Tode Sachsen u. Askanien die Erbfolge zuzuwenden. Im Zeitenlauf änderten sich aber die Verhältnisse; Karl IV. konnte mit Ludwig Frieden schließen u. eine nicht unbedeutende Menge Gegner loswerden, wenn er B. dem Haus Baiern ließ u. seine frühere Belehnung zurücknahm. Er that dies, u. Anhalt, um sich kein Dementi zu geben, behandelte den falschen Waldemar als Fürsten. Ludwig, der schon 1349 einen Theilungsvertrag mit seinen Brüdern geschlossen hatte, trat, des unruhigen Lebens u. Treibens satt, 1352 die Marken an seine Brüder Ludwig den Römer (so genannt, weil er in Rom geboren war) u. Otto VII. den Finnen od. den Faulen ab u. zog sich nach Baiern zurück. Erster, welcher mit Ingeburg, Prinzessin von Mecklenburg, vermählt war u. dadurch unter dem Vorigen Gelegenheit gehabt hatte, dem falschen Waldemar entgegen zu wirken, übernahm die Regierung allein, da Otto noch unmündig war. Die Kurstimme hatte sein Bruder für sich behalten, u. er erhielt sie erst mehrere Jahre später, als der ältere Ludwig auf die kaiserliche Verordnung, daß die Kur an dem Lande u. nicht an der Person des Fürsten haste, darauf Verzicht leistete. Gleich beim Regierungsantritt wurde Ludwig in einen Krieg mit Anhalt u. Sachsen-Wittenberg (1352–1355) verwickelt u. mußte, um sich aus Finanzverlegenheiten zu helfen, eine Menge Städte verpfänden; seine Verlegenheiten wuchsen aber immer mehr, da er für Aufhebung eines neuen, wegen Zwistigkeiten[185] mit dem Bischof von Lebus gegen ihn erlassenen Bannes 12,000 Mark Silber bezahlen u. die Ansprüche Pommerns u. Magdeburgs theils durch Abtretung von Land, theils durch Geldsummen beschwichtigen mußte. Seiner, von Wilhelm von Baiern-Holland hart bedrängten Mutter suchte er zwar Hülfe zu bringen, aber ohne etwas zu erwirken. 1300 bekam Markgraf Otto Antheil an der Negierung. 1354 (nach Anderen 1363) schlossen beide Markgrafen eine Erbverbrüderung mit Kaiser Karl IV., trotz aller Protestationen des Herzogs Stephan von Baiern u. Anhalts; Ludwig gab zu, daß der Kaiser die an Meißen verpfändete Niederlausitz für Böhmen einlöse, u. trat dazu Spremberg für 1000 Mark Silber ab. Ludwig der Römer starb 1365 kinderlos, u. Otto VII. trat nun die Alleinregierung an. Er vermählte sich mit der Tochter des Kaisers Karl IV. u. trat derselben als Leibgeding die Neumark mit den Landschaften Barnim, Lebus u. Teltow ab, mit der Zusicherung, daß diese Länder nach ihrem Absterben an Böhmen fallen sollten. Während Otto an dem glänzenden Hofe seines Schwiegervaters in Prag lebte, verfiel die Mark immer mehr. Der räuberische Adel zog plündernd durch das Land, machte die Heerstraßen unsicher, drang selbst in die Städte raubend ein u. vernichtete den Wohlstand, zu welchem die Askanier einen vortrefflichen Grund gelegt hatten. Herzog Otto von Braunschweig vereinigte sich mit den Räubern u. plünderte die Altmark aus, auch Pommerns Herzog drohte mit Krieg. In dieser Verlegenheit überließ Kurfürst Otto das Münzrecht an die Städte der Altmark für 5700 Mark Silbers. Durch den Mißbrauch, welchen diese mit diesem Rechte trieben, indem sie schlechtes Geld in Umlauf brachten, steigerten sich die Calamitäten, von denen das Land betroffen war, in erschreckender Weise. Der Handel lag darnieder, alle Banden des Rechts waren gelockert u. gelöst, jeder Besitz, jedes Eigenthum in Frage gestellt. Indessen war des Kurfürsten Otto Gemahlin gestorben, od. hatte sich von ihm getrennt; Otto, in der Absicht, den Erbschaftsvergleich mit dem Kaiser womöglich wieder aufzulösen, berief den Sohn seines Bruders, des Herzogs Stephan, Friedrich, aus Baiern zu sich u. ließ ihn in den Städten der Neumark huldigen. Kaiser Karl rückte, um dies zu hindern, 1373 in die Mark ein u. zwang den machtlosen Kurfürsten, die Regierung der Mark gegen ein geringes Gnadengehalt am 15. August 1373 an Wenzel, Karls IV. Sohn, abzutreten. Sein Neffe Friedrich mußte für sich u. seine bairischen Verwandten auf die Mark verzichten, ü. Otto zog sich nach Baiern zurück, wo er 1379 kinderlos starb.

V. Brandenburg unter den Markgrafen aus dem Hause Luxemburg, 1373 bis 1415. Der Wechsel der Dynastie führte leinen Wechsel in der Verwaltung des Landes herbei. Die schlechte Wirtschaft der Baiern setzten die Luxemburger fort, u. die Noth u. das räuberische Unwesen im Lande griff weiter u. weiter um sich. Kaum hatte sich