Konrad

[693] Konrad (lat. Conradus), deutscher Name I. Fürsten. A) Kaiser u. Könige von Deutschland: 1) K. I., Sohn des fränkischen Grafen Konrad u. der Glismunde, einer Tochter des Kaisers Arnulf, u. so von mütterlicher Seite von den Karolingern stammend, geb. in Wilinaburg, war nach seines Vaters Tode Graf von Franken u. dem Rheinlande geworden u. besaß große Güter in Lothringen. Er focht 905 gegen die lothringischen Grafen Gerhard u. Matfried u. wurde nach dem Tode Ludwigs des Kinds, als ein Karolinger, im September 911 von den Deutschen zum König erwählt. Er führte Kriege gegen Lothringen, welches sich vom Reiche losgesagt u. an Frankreich angeschlossen hatte, gegen Herzog Heinrich von Sachsen, welcher nicht mit den Lehen in Sachsen zufrieden war, gegen die Kammerboten Erchanger u. Berthold in Schwaben, welche den Bischof von Constanz angegriffen hatten, u. gegen deren Kampfgenossen, den Herzog Arnulf von Baiern, so wie gegen die Ungarn, welche dieser zu seiner Hülfe nach Deutschland geführt hatte, s. Deutschland (Gesch.) IV. Er st. 918 in Quedlinburg u. liegt zu Fulda begraben. Seine Gemahlin war Kunigunde, Wittwe des Herzogs Luitpold von Baiern, von welcher er keine Kinder hatte; sein Nachfolger war Heinrich I. 2) K. II., der Salier, od. K. von Speier, Sohn des Herzogs Heinrich von Franken u. der Adelheid von Egisheim, Urenkel Konrads des Weisen, Herzogs von Lothringen, des Tochtermannes Ottos des Großen; wurde im Kampfe für den Grafen Gerhard von Elsaß gegen Herzog Gottfried von Lothringen 1017 verwundet. Nach dem Tode Kaiser Heinrichs II. 1024 ward er zum Kaiser gewählt, wurde in Mainz gekrönt, führte sogleich den Gottesfrieden in Deutschland ein u. zog 1026 nach Italien, wo er die aufrührerischen Großen u. Städte unterwarf u. in Mailand zum König von Italien u. in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Unterdessen hatte sich sein Stiefsohn, Herzog Ernst von Schwaben, gegen die kaiserliche Hoheit empört; nachdem K. diesen abgesetzt hatte, beruhigte er die Polen, welche die Ostgrenze des Reiches anfeindeten, krönte sich selbst 1033 in Genf zum König von Burgund u. ließ durch seinen Sohn Heinrich die Slawen für ihre Einfälle in Nordsachsen bestrafen. Auf seinem zweiten Zuge nach Italien, 1036, hatte er hartnäckige Kämpfe mit den Bischöfen u. konnte das empörte Mailand nicht erobern; hier gab er am 28. Mai 1037 die Constitution, nach welcher die kleineren, nicht unmittelbar dem Reich zu Lehen gehenden Besitzererblich auf Sohn u. Bruder übergehen sollten. Darauf kehrte er 1038 nach Deutschland zurück, wo er Gesetz u. Ordnung wieder herstellte; er st. 4. Juni 1039 in Utrecht u. wurde im Dom zu Speier beigesetzt; s. Deutschland (Gesch.) VI. Er war seit 1016 vermählt mit der von ihm entführten Gisela; von ihr ward er Vater seines Nachfolgers Kaisers Heinrich III. Er soll zuerst Zeugen in seinen Urkunden angeführt u. zuerst Investiturbriefe ertheilt haben. Vgl. Franz Löher, König Konrad I., Münch. 1858. 3) K. III., ein Hohenstaufe, Sohn des Herzogs Friedrich von Schwaben u. der Agnes, Tochter des Kaisers Heinrich IV., geb. 1093, erhielt vom Kaiser Heinrich V. das Herzogthum Franken (s.d. Gesch. des Herzogthums 1) b) u. ging 1125 nach dem Gelobten Lande. In seiner Abwesenheit zog der neue, von der Guelfischen Partei gewählte Lothar mehre Güter, welche K. unter Heinrich V. mit Franken verbunden hatte, wieder an die Krone. 1128 kehrte er nach Deutschland zurück u. trat als Gegner Lothars auf; er befreite Nürnberg von dessen Belagerung, nahm auch den königlichen Titel an u. ging nach Italien, um Anhänger zu gewinnen, u. wurde zu Monza u. dann in Mailand als König der Lombardei gekrönt. Aber hierdurch verlor er die Freundschaft der gegen die Mailänder aufgebrachten Städte u. wurde, statt vom Papste die Kaiserkrone zu empfangen, von demselben excommunicirt, u. zu schwach, etwas gegen Rom unternehmen zu können, kehrte er nach Deutschland zurück. Durch Lothar bedrängt, söhnte er sich 1135 mit ihm zu Mühlhausen aus, wurde von der Excommunication befreit u. machte Lothars Römerzug mit. Nach Lothars Tode ward K. 1138 zum Kaiser gewählt; er hatte harte Kämpfe mit dem Herzog Heinrich dem Stolzen von Baiern u. Sachsen, welchen er in die Acht erklärte, schlug Heinrichs Bruder, Welf IV., 1140 bei Weinsberg (s.d.) u. nahm diese Stadt ein. Nachdem er einen allgemeinen Landfrieden ausgeschrieben hatte, unternahm er 1147 einen Kreuzzug, kehrte aber, ohne etwas ausgerichtet zu haben, 1148 nach Deutschland zurück; er st. 15. Febr. 1152 in Bamberg, s. Deutschland (Gesch.) VII. Ihm folgte sein Vetter Friedrich I.; er war vermählt mit Gertrud, Tochter des Grafen Berengar von Sulzbach. Vgl. Jaffe, Geschichte des Deutschen Reichs unter K. III., Hann. 1845. 4) K. IV., zweiter Sohn des Kaisers Friedrich II. u. der Yolantha, geb. 1228; wurde nach Absetzung seines älteren Bruders Heinrich 1237 von seinem Vater zu Wien zum Herzog von Schwaben u. römischen König eingesetzt u. als solcher gekrönt. Bei seines Vaters Abwesenheit führte er die Regierung des Reichs kräftig, aber mit wenig Glück, s.u. Deutschland (Gesch.) VIII., u. wurde 1250 selbst Kaiser. Er hatte in Deutschland mit seinem Gegenkönig Wilhelm von Holland u. in Italien, wohin er 1251 gezogen war, mit Apulien u. dem Papste zu thun; er konnte weder dort das kaiserliche Ansehen, noch in Deutschland die Ruhe unter den Befehdungen der Fürsten u. Städte herstellen; er st. 21. Mai 1254 bei Lavello; s. ebd. Er war vermählt mit Elisabeth, Tochter des Herzogs Otto von Baiern; sein Sohn war Konradin. 5) K., zweiter Sohn des Kaisers Heinrich IV. u. der Bertha, geb. 1074 in dem Schlosse Vokeurot; erhielt 1076 von seinem Vater die Belehnung mit Niederlothringen (s. Lothringen) u. wurde 1087 zu seines Vaters Nachfolger gekrönt; in Italien gegen dessen Feinde zurückgelassen, machte er mit diesen 1093 gemeinschaftliche Sache, wurde aber von seinem Vater durch List gefangen; wieder frei geworden, ward er von dem Erzbischof von Mailand u. den übrigen Anhängern des Papstes zum Könige gewählt, dagegen ließ Heinrich, nach Deutschland zurückgekehrt, seinen dritten Sohn, Heinrich, zu seinem Nachfolger wählen u. krönen; K. aber st. 1101 in Florenz, von den Päpstlichen u. von Mathilde von Toscana, nachdem sie ihre Absichten erreicht hatten, verlassen.

B) Könige. a) Von Arelat od. Hochburgund: 6) K. der Friedfertige, Sohn Rudolfs II., Königs von Hochburgund, geb. um 928, welchem er 937 minderjährig folgte; er wurde am Hofe Ottos des Großen erzogen u. regierte bis 993, wo er st.; s. Burgund (Gesch.) I. D). Er war[693] vermählt mit Adelheid (Adele), seit 955 mit Mathilde, Tochter des Königs Ludwig übers Meer; ihm folgte sein ältester Sohn Rudolf III. b) König von Jerusalem: 7) K., so v.w. Konrad 29). c) Von Sicilien: 8) K. I., so v.w. Konrad 4). 9) K. II., so v.w. Konradin.

C) Andere weltliche Fürsten. a) Herzöge von Baiern: 10) K. I., Graf von Zütphen, Enkel des Pfalzgrafen Ezo bei Rhein u. der Mathilde, der Schwester des Kaisers Otto III., u. Sohn des Herzogs Ludolf, wurde um 1047 Herzog von Baiern, aber 1053 vom Kaiser Heinrich III. durch das Fürstengericht zu Merseburg entsetzt u. als widerspenstig u. mit den Ungarn verbündet seiner Länder beraubt; er ging nach Ungarn u. st. hier 1054. 11) K. II, zweiter Sohn des Königs Heinrich IV. u. der Agnes von Poitiers, Stiefbruder des Vor., geb. 1052; erhielt 1053 das Herzogthum Baiern u. st. 1056, s. Baiern (Gesch.) III. b) Herzöge von Böhmen: 12) K. I., Sohn des Herzogs Bretislaw I., folgte 1092 seinem Bruder Wratislaw II. u. st. 1093; ihm folgte sein Neffe Bretislaw II., s. Böhmen (Gesch.) III. 13) K. II., Markgraf von Mähren, Enkel des Vor., Sohn Leopolds; wurde 1182 gegen Friedrich zum Herzog gewählt u. hatte schon Prag besetzt, wurde aber vom Kaiser in die Reichsacht erklärt; er machte einen Zug ins Gelobte Land mit u. wurde nach seiner Rückkehr, nachdem der Herzog Friedrich gestorben war, 1190 zum Herzog gewählt, starb aber schon 1191; s. ebd. III. c) Markgrafen von Brandenburg: 14) K. I., Sohn des Grafen Helfreich von Plätzke, regierte 1130–33, wo er vor Monza fiel; s. Brandenburg (Gesch.) II. 15) K. II., Sohn Johanns I., folgte demselben mit seinen Brüdern Johann II. u. Otto IV. u. st. um 1299; s. ebd. III. d) Herzöge von Elsaß unten r) Herzöge von Schwaben. e) Herzöge von Franken: 16) K. I., so v.w. Konrad 1). 17) K. II, der Rothe od. Weise, Sohn des Grafen Werner, folgte seinem Großvater als Graf von Speier u. Worms u. wurde nach dem Tode des Herzogs Eberhard 939 vom Kaiser Otto I. zun. Herzog von Franken u. 944 auch zum Herzog von Oberlothringen eingesetzt; er kämpfte 952 mit gegen Berengar, aber als er des Kaisers Bruder Heinrich in Baiern angriff, nahm dieser ihm Lothringen wieder (s. Lothringen [Gesch.]). Er versöhnte sich 954 wieder mit Otto, wurde von demselben gegen die Ungarn geschickt, welche in Baiern eingefallen waren, u. wurde in der Schlacht auf dem Lechfelde, 955, durch einen Pfeilschuß getödtet. Er war vermählt mit Luitgarde, Tochter des Kaisers Otto I., sein Sohn Otto folgte ihm in Franken; s. Franken (Herzogth.). 18) K. III. (Kuno) von Worms od. der Alte, Enkel des Vor., Sohn des Herzogs Otto, folgte diesem 1004 in Rheinfranken, Frankonien u. Kärnten, eben so wie in der Markgrafschaft Verona u. st. 1011; er war in zweiter Ehe mit Mathilde, Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben vermählt; sein Sohn u. Nachfolger war der Folgende; s. ebd. 19) K. IV. der Jüngere, Sohn des Vor., folgte demselben 1011 in Rheinfranken u. Frankonien, aber so lange Kaiser Heinrich II. lebte nicht in Kärnten; erst 1035 wurde er mit Kärnten belehnt, war auch um diese Zeit Herzog von Elsaß u. st. 1039 ohne Nachkommen. 20) K. V. von Hohenstaufen, s. Konrad 3) u. Franken (Herzogth.). f) Grafen von Hohenzollern, s. unten o) Burggrafen von Nürnberg g) Herzöge von Kärnten: 21) K. I., so v.w. Konrad 18) 22) K. II., so v.w. Konrad 19). 23) K. III., Vetter des Kaisers Heinrich III, wurde 1057 Herzog u. st. 1058, s. Kärnten (Gesch.). h) Herzöge von Lothringen: 24) K. der Weise, Herzog von Oberlothringen, so v.w. Konrad 17). i) Grafen von Luxemburg: 25) K. I., Sohn Gilberts, regierte 1057–86; s. Luxemburg (Gesch.); er war vermählt mit Clementine (Ermesinde) von Longwi; ihm folgte sein Sohn Heinrich I. 26) K. II., Enkel des Vor. u. Sohn Wilhelms, regierte 1128–36; er war vermählt mit Ermengarde von Geldern u. Gisela; hatte aber keine Kinder, daher starb mit ihm der Mannsstamm der älteren Grafen von Luxemburg aus, s. ebd.; ihm folgte Heinrich II, Graf von Namur. k) Herzog von Massovien: 27) K., rief die Deutschen Ritter gegen die Preußen 1230 nach Polen, trat denselben die Herrschaft Kulm ab u. gab so die erste Veranlassung, daß sich der Orden in Preußen festsetzen konnte; er soll 1269 Warschan erbaut haben; s. Preußen. l) Markgraf von Meißen: 28) K. der Große, Graf von Wettin, Sohn des Markgrafen Thimo von der Lausitz u. durch seine Großmutter, Mathilde, Urenkel des Markgrafen Eckard von Meißen, geb. 1098 od. 1088; machte seinem Vetter Heinrich dem Jüngern die Markgrafschaft Meißen streitig, folgte ihm 1123 u. erbte 1127 von seinem Bruder die Grafschaft Wettin; über ihn s. Meißen (Gesch.). Er gründete 1128 das Kloster auf dem Lauterberg (jetzt Petersberg) bei Halle, ließ sich 1156 dort einkleiden, starb daselbst 5. Febr. 1157 u. wurde in der Kirche des dortigen Klosters beigesetzt; er war vermählt mit Lugardis, nach Einigen Schwester des Kaisers Konrad III., nach And. Tochter des schwäbischen Grafen Albert. Vgl. Schöttgen, Geschichte K-s des Großen, Dresd 1745. m) Markgraf von Montserrat, Herr von Tyrus u. Titularkönig von Jerusalem: 29) K., Sohn Wilhelms III., geb. in der Mitte des 12 Jahrh.; zeichnete sich in den Kriegen des Papstes gegen Kaiser Friedrich II. aus, nahm den Erzbischof Christian von Mainz gefangen u. machte 1186 einen Kreuzzug mit. Unterwegs half er dem Kaiser Isaak Angelos Empörer besiegen u. erhielt dafür dessen Schwester Theodora zur Gemahlin, das Recht den Purpur zu tragen u. die Anwartschaft auf den Thron. Er langte in Tyrus an, als dies eben an Saladin übergeben werden sollte u. zwang diesen zum Abzug, weshalb er Fürst von Tyrus wurde. Er bewirkte hierauf die Auswechselung seines Vaters aus muselmanischer Gefangenschaft gegen einen gefangenen Emir, prätendirte, nachdem er Isabelle, Sibyllens Schwester, geheirathet hatte, den Thron von Jerusalem (s.d., Gesch.) selbst u. wurde von Philipp August, König von Frankreich, unterstützt, von Richard Löwenherz aber bekriegt; als man einen Vergleich vermittelte, wurde K. auf Befehl des Alten vom Berge, des Hauptes der Assassinen, 1192 von zwei Fanatikern ermordet. n) Graf von Neufchatel: 30) K., Graf von Freiburg, Sohn des Grafen Egon IV., folgte 1395 seiner Tante Isabella als Graf von Neufchatel u. st. 1421; sein Sohn u. Nachfolger war Graf Johann, s.d. o) Burggrafen von Nürnberg: 31) K. I, Sohn des Grafen Rudolf von Hohenzollern, erscheint 1164 als erster Burggraf von Nürnberg, bis 1191; s. Nürnberg (Gefch);[694] er war vermählt mit Margarethe von Vohburg. 32) K. II., Sohn des Burggrafen Friedrich I., folgte diesem 4218; er kommt auch als Graf von Zollern vor; er wurde nachher Rathdes Kaisers Friedrich II., Erzieher von dessen Söhnen Heinrich u. Konrad u. zuletzt Gouverneur von Österreich; er soll 1226 gestorben sein. 33) K., Bruder Johanns II. u. Albrechts des Schönen, mit welchem er gemeinschaftlich 1332 auf Friedrich IV. folgte; er st. 1334. p) Pfalzgraf von Rhein: 34) K. von Hohenstaufen, Bruder des Kaisers Friedrich I., wurde 1156 Pfalzgraf, zog 1158 mit dem Kaiser nach Italien, führte 1164 glücklich Krieg gegen den Erzbischof von Köln u. st. 1195; s. Pfalz (Gesch.). Er war vermählt mit Irmengarde von Henneberg; seine einzige Tochter Agnes war mit Heinrich von Baiern vermählt, welcher ihm folgte. q) Herzöge von Schlesien; aa) von Glogau: 35) K., dritter Sohn Heinrichs des Frommen, geb. 1225; wurde Geistlicher u. 1250 Bischof von Passau, nöthigte aber, diesen Stand aufgebend, seine Brüder Boleslaw II. u. Heinrich 1255, ihm Glogau, Krossen u. Sagan abzutreten; Herzog Heinrich von Breslau hatte ihn bei seinem Tode 1290 zum Erben eingesetzt, doch besetzte Heinrich von Liegnitz das Herzogthum; aber 1293 fing ihn K. u. nöthigte ihn zur Abtretung mehrer Städte; er st. 1298; er war vermählt mit Salome von Großpolen u. dann mit Brigitta, Tochter des Markgrafen Dietrich von Meißen; sein Nachfolger war Heinrich VII. bb) von Öls: 36) K. I., vierter Sohn Heinrichs IV. von Glogau; bekam nach Theilung der väterlichen Erbschaft 1309 Öls u. st. 1366; er war vermählt mit Elisabeth, Tochter des Herzogs Heinrich von Breslau u. dann mit Euphemie, Erbtochter des Herzogs Wladislaw von Kosel; er war Stammvater aller, schlesischen Herzöge von Öls; s. Schlesien (Gesch). 37) K. II., Sohn des Vor., aus zweiter Ehe, folgte 1366 seinem Vater u. erhielt 1367 die Lehn von Kosel; et zog 1387 mit den Polen gegen die Lithauer u. st. 1403; er war vermählt mit Agnes, Tochter des Herzogs Kasimir von Teschen, u. dann mit Beata, Tochter des Herzogs Bernhard von Schweidnitz. 38) K. III., Sohn des Vor., folgte 1403 seinem Vater; wurde 1410 im Kriege gegen die Polen gefangen, aber freigelassen zog er 1414 mit den Polen gegen die Preußen; 1450 nöthigte ihn sein Sohn K., ihm das Herzogthum abzutreten, u. K. selbst st. 1451 in Breslau. Er war vermählt mit Dorothea, Tochter des Herzogs Johann von Masovien. Von seinen Brüdern war Konrad IV. Herzog von Wohlau u. Steinau u. st. 1431; u. Konrad V., Herzog von Kanth u. st. 1452. 39) K. VII. der Schwarze, Sohn des Vor.; folgte seinem Vater 1450 u. st. 1471, s. ebd. 40) K. VIII. der Weiße, Bruder des Vor., folgte mit seinem Bruder in der Regierung, mußte ein Herzogthum dem König Matthias (Corvinus) Hunyades 1475 abtreten, erhielt es aber von König Wladislaw 1490 wieder u. st. 1492; s. ebd.; mit ihm starben die Herzöge von Öls aus. r) Herzöge von Schwaben u. Elsaß: 41) K. I, Sohn des Grafen Otto von Rheingau, folgte 982 auf Otto I. u. führte zuerst den Titel Herzog von Elsaß u. Schwaben (Alemannien) u. st. 997; s. Schwaben (Gesch.). 42) K. II, so v.w. Konrad 19). 43) K. III., Herzog von Franken, dritter Sohn des Kaisers Friedrich I., wurde 1191 von seinem Bruder Heinrich VI. mit Schwaben u. Elsaß belehnt u. st. 1196 auf einem Zuge gegen den Herzog Berthold V. von Zähringen. 44) K. IV., so v.w. Konrad 4). 45) K. V., so v.w. Konradin. s) Herzog von Spoleto: 46) K., einer tapfersten Feldherrn Friedrichs I. u. Heinrichs VI., der so ungestüm angriff, daß seine Feinde sagten, eine Fliege steche ihn ins Gehirn (dahersein Beiname Mosca di cervello). Friedrich I. gab ihm das Fürstenthum Ravenna u. das Markgrafthum Ancona, Heinrich VI. das Herzogthum Spoleto u. die Grafschaft Assisi, der Papst Innocenz III nahm ihm aber später alle Besitzungen wieder. t) Herzog von Thüringen: 47) K., Sohn, des Grafen Wernhard, bekam 892 das Herzogthum Thüringen, gab dasselbe aber bald freiwillig wieder auf; 902 erhielt er nebst seinem Bruder Gebhard die Abtei St. Maximin zu Lehen. Er gerieth in demselben Jahre mit Adelbert von Bamberg in Krieg u. wurde von demselben 905 bei Fritzlar überfallen u. getödtet, s. Hessen (Gesch.) I. u) Graf von Wettin, s. oben l), Markgraf von Meißen. v) Graf von Württemberg: 48) K. von Beutelsbach, um 1100 erster Graf von Württemberg, s.d. (Gesch.). w) Herzog von Zähringen: 49) K., Sohn Bertholds II.; folgte seinem Bruder Berthold III. 1122–52, s. Zähringen (Gesch.). Er wurde auch Statthalter von Burgund u. wird deshalb von Einigen König von Burgund genannt.

II. Hochmeister des Deutschen Ordens: 50) K. von Thüringen, vierter Sohn des Landgrafen Hermann I. von Thüringen; gerieth 1232 mit dem Erzbischof Konrad von Mainz wegen des in Hessen gelegenen Heiligenbergs in Krieg u. zerstörte Fritzlar, Witzenhausen u. andere Städte. Um 1223 in den Deutschen Orden getreten, wurde er 1239 Hochmeister u. st. 1244, s.u. Preußen (Gesch.). 51) K. von Feuchtwangen, 1290–97, s. ebd. 52) K. Zolner von Rotenstein, 1382–91, s. ebd. 53) K. von Wallenrod, 1391–94, s. ebd. 54) K. von Jungingen, 1394–1407, s. ebd. 55) K. von Erlichshausen, 1441–50, s. ebd.

III. Geistliche Fürsten. A) Erzbischof von Köln: 56) K. von Hochstad, Sohn des Grafen Lothar von Hochstad, 1238–61 Erzbischof, ein kriegerischer Mann u. einer der berühmtesten Erzbischöfe von Köln, s.d. (Gesch. des Erzbisth.). Unter ihm wurde der Bau des Kölner Doms begonnen. B) Erzbischöfe von Magdeburg: 57) K. I., Graf von Querfurt, Sohn des Grafen Gebhard, war erst Canonicus in Magdeburg u. Goslar, wurde 1134 zum Erzbischof gewählt, stand auf der Seite der Guelfen u. st. 1142. 58) K. II., von Sternberg, war Canonicus u. Stiftskanzler in Magdeburg, wurde 1266 Erzbischof u. st. 1278. C) Erzbischöfe von Mainz: 59) K. I., Graf von Wittelsbach, Sohn Ottos IV. von Wittelsbach; 1160 vom Kaiser Friedrich I. gegen den vom Volk erwählten Grafen Rudolf von Zähringen ernannt u. gegen den später von Konrad von Schweden eingesetzten Christian von Buch erhalten. Als er jedoch den vom Kaiser eingesetzten Papst Victor nicht anerkennen wollte, sondern dem Papst Alexander treu blieb, wurde er von Ersterem 1165 vertrieben, floh nach Rom u. wurde Bischof von Sabina, nach dem Tode des Erzbischofs Christian I. wurde er 1183 wieder Erzbischof u. st. 1200 auf der Rückreise von einer Gesandtschaft in Ungarn; s. Mainz (Gesch. des Erzbisth.). Ihm[695] schreibt man das Chronicon rerum moguntiacarum von 1140 bis 1250, das einen gewissen K. von Mainz (Conradus Episcopus) zum Verfasser hat, zu, 1. Ausg. Basel 1523. 60) K. II., von Weinsberg, Sohn Engelharos, war erst Canonicus in Mainz, wurde 1390 Erzbischof u. st. 1396 in Aschaffenburg, s. ebd. 61) K. III., Rheingraf von Stein, Sohn des Grafen Johann II., Canonicus in Mainz u. Propst in Frankfurt, wurde 1419 zum Erzbischof gewählt, hatte heftige Streitigkeiten mit den Mainzern u. st. vor Beendigung derselben 1434, s. ebd. D) Erzbischöfe von Trier: 62) K. I. (Konon, Kuno), aus Pfulingen in Schwaben, Dompropst in Köln; wurde 1066 zum Erzbischof erwählt u. st. in demselben Jahre, s. Trier (Gesch. u. Erzbisth.). 63) K. II. (Konon), Graf Daun zu Falkenstein, geb. 1320, Canonicus in Mainz u. seit 1361 Coadjutor des Erzbischofs Boemund II. von Trier, wurde 1362 dessen Nachfolger, abdicirte 1388 u. st. bald darauf; s. ebd. Er war ein eifriger Alchymist. E) Bischof von Utrecht: 64) K. aus Sachsen, war Kämmerer des Erzbischofs von Mainz, seit 1075 Lehrer des Kaisers Heinrich IV. u. vertheidigte diesen gegen Papst Gregor VII.; er wurde 1076 Bischof u. 1098 ermordet; er schr.: Pro imperatore contra papam in Goldasts Apologiae pro Henrico VI., Hanau 1611.

IV. Geistliche: 65) K. von Marburg, ein Dominicaner im 13. Jahrh., war wahrscheinlich Predigermönch, wurde vom Papst Gregor IX. als öffentlicher Prediger nach Deutschland geschickt u. mit der Visitation der Klöster u. anderen Geschäften beauftragt; er war auch Beichtvater der Landgräfin Elisabeth der Heiligen von Thüringen. Als vom Papste seit 1232 ernannter Großinquisitor od. Ketzerrichter wüthete er in Deutschland auf das Grausamste u. Ungerechteste gegen die Ketzer, bes. die Stedinger; da er aber den Grafen von Sayn zum Ketzertode verurtheilte, so nahm eine Reichsversammlung in Mainz denselben in Schutz u. K. wurde 30. Juli 1233 von einigen deutschen Edelleuten in der Nähe von Marburg erschlagen; Papst Gregor IX. sprach ihn als Märtyrer heilig.

V. Dichter, Schriftsteller u. Gelehrte: 66) Graf K. (Kuono), mit dem Beinamen Kurzbold, dessen Heldenthaten u. Eigenheiten in verloren gegangenen Volksliedern des 11. u. 12. Jahrh. besungen wurden. 67) Der Pfaffe K., mittelhochdeutscher Dichter, der vermuthlich als Kapellan im Dienste Heinrichs des Löwen stand u. zwischen 1173–77 das Rolandslied, ein erzählendes Gedicht von Kaiser Karls Zug gegen die spanischen Sarazenen dichtete, am besten herausgegeben von W. Grimm (Ruolandes liet), Gött. 1838. 68) K. Flecke, ein Ritter, der um 1230 das erzählende Gedicht Flore u. Blancheflur nach einer französischen Dichtung Ruprechts von Orbent dichtete (herausgegeben im 2. Bande von Müller's Sammlung, wozu der Schluß von Hahn in Mone's Anzeiger, 1837). 69) K. von Fussesbrunnen, ein mittelhochdeutscher Dichter, der um 1230 gestorben war u. das geistliche Gedicht Die Kindheit Jesu dichtete, herausgegeben in Hahns Gedichten des 12. u. 13. Jahrh. 70) K. von Lichtenau (Conradus Ursbergensis), stammte aus einem schwäbischen Adelsgeschlechte, lebte eine Zeitlang am kaiserlichen Hofe, wurde während seiner Anwesenheit in Rom Mönch u. 1215 Abt des Prämonstratenserklosters Ursperg in Baiern, wo er, vom Kaiser Friedrich II. wegen seiner Gelehrsamkeit hoch geschätzt, 1240 starb. K. galt bisher für den Verfasser eines als Geschichtsquelle wichtigen Chronicon, welches mit Ninus beginnt u. bis 1229 reicht; neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, daß der erste Theil dieses Geschichtswerkes (bis 1101) vom Abt Ekkehard I. von Urach bei Würzburg herrührt, die Fortsetzung aber bis 1229 von einem Italiener geschrieben ist. Eine weitere Fortsetzung bis zum Jahr 1537 lieferte Kaspar Hedius. Das Chronicon Urspergense wurde zuerst von Peutinger (Augsb. 1515), dann von Melanchthon (Strasb. 1537, Bas. 1569), zuletzt zu Strasburg 1609 herausgegeben. Vgl. Wattenbach, Die Geschichtsschreiber des Mittelalters, Berl. 1859. 71) K. (Conradus philosophus), Benedictiner in der Abtei Scheuern in Schwaben, st. 1241; er schr.: Chronicon Schirense, Ingolst. 1623, Strasb. 1716. 72) K. Schenk von Winterstetten, ein Schweizer Ritter u. Freund der Poesie, auf dessen Veranlassung Ulrich von Türheim (1241) die Fortsetzung zum Titurel Gottfrieds von Strasburg verfaßte u. für den Rudolf von Ems seinen Wilhelm von Orleans dichtete 73) K. von Würzburg (Meister Konrad), einer der vorzüglichsten deutschen Dichter des Mittelalters. Er war bürgerlichen Standes, aus dem Würzburgischen gebürtig, muß aber schon früh sein Vaterland verlassen u. am oberen Rhein, in Strasburg u. Basel gelebt haben; er st. 1287 in Basel. K. war ein sehr fruchtbarer Dichter; am besten jedoch sind ihm Erzählungen von nicht zu großem Umfange gelungen. Die erste Stelle unter denselben nimmt wohl der Engelhard ein, welchem die in den Karolingischen Kreis einschlagende Sage von Amicus u. Amelius zu Grunde liegt. Das Gedicht ist nach einem lateinischen Buche bearbeitet u. nur in einem alten schlechten Drucke (Frankf. 1573) erhalten, woraus es Haupt (Lpz. 1844) wieder hergestellt hat. Daneben sind noch zu erwähnen: Otto mit dem Barte, ebenfalls nach einem lateinischen Buche um 1260 gedichtet (herausgegeben von Hahn, Quedlinb. u. Lpz. 1838); Der Welt Lohn, eine kleinere allegorische Erzählung, deren Held der Dichter Wirnt von Gräfenberg ist (herausgegeben von F. Roth, Frankf. 1843); die kleine Erzählung Von der Minne od. Das Herzmäre (herausgegeben in Laßbergs Liedersaal, 2. Bd. u. dem Liederbuch der Clara Hätzlerin, herausgegeben von Halthaus); die Legenden von Sylvester (herausgegeben von W. Grimm, Gött. 1841) u. Alexius (herausgegeben von Maßmann, Quedlinb. u. Lpz. 1843 u. von Haupt in der Zeitschrift für Deutsches Alterthum, Lpz. 1843, 3. Bd.). Auch hat man von K. ein Gedicht über die Sage vom Schwanritter (in Grimms Altdeutschen Wäldern, 3. Bd.). K-s letztes Werk war der Trojanische Krieg, ein sehr weitläufiges Gedicht, dem ein altfranzösischer, sowie der lateinische Dares Phrygius zu Grunde liegt (die erste Hälfte in Müllers Sammlung, 3. Bd.; ein Bruchstück aus der zweiten Hälfte, Der Tod des Hercules, in Mone's Anzeiger, 1837). K-s Lobgedicht auf die Jungfrau Maria, Die goldene Schmiede, steht zwischen lyrischer u. didaktischer Poesie mitten inne u. ist in der erzählenden Versart der kurzen Reimpaare abgefaßt (herausgeg. von W. Grimm, Berl. 1840). Sonst besitzt man von K. noch verschiedene Lieder, Sprüche u. Beispiele religiösen n.[696] weltlichen Inhalts (bei von der Hagen, Minnesänger, 3. Bd.); vieles andere wird ihm fälschlich zugeschrieben. 74) K. Schenk von Landeck, Minnesinger, ein Thurgauer, der wohl schon 1276 dichtete, aber noch um 1308 am Leben war. Lieder von ihm in v. d. Hagcus Minnesingern (4. Bd.). 75) K. v. Queinfurt, deutscher Dichter des 14. Jahrh., soll Pfarrer zu Steinkirch am Queiß gewesen u. 1382 zu Löwenberg gestorben sein. Er ist Verfasser eines Ostergesangs, der am besten in Hoffmanns von Fallersleben Geschichte des deutschen Kircheulieds vor der Reformation (2. Aufl. Lpz. 1855) u. Wackernagels Dentschem Kirchenlied (Stuttg. 1841, Nr. 120) herausgegeben ist.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 693-697.
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Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

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Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

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