Hoffmann

[441] Hoffmann, 1) Johann, geb. in Schweidnitz; war Professor der Theologie in Prag, führte mit O. von Münsterberg 1409 bei dem Auszuge der Studenten aus Prag viele derselben nach Leipzig u. wurde so die Veranlassung zur Stiftung der Universität daselbst. Er war Anfangs Professor der Theologie das., wurde dann 1414 Bischof in Meißen u. st. daselbst 1451. 2) Melchior, ein Schwärmer, geb. zu Hall in Schwaben, erlernte das Kürschnerhandwerk u. kam zur Zeit der Reformation auf seiner Wanderschaft nach Livland; hier ergriffen von der Wahrheit der Evangelischen Lehre, trat er derselben selbst bei u. predigte in Wolmar das Evangelium; von da vertrieben ging er nach Dorpat u. predigte hier nicht allein das Wort, sondern trat auch als Bilder- u. Klosterstürmer auf; deshalb u. mit seinen eigenen Anhängern zerfallen, auch von hier ausgewiesen, ging er 1525 nach Wittenberg zu Luther u. Bugenhagen, kehrte zwar nach Dorpat zurück, aber nur auf kurze Zeit, war dann Krankenpfleger in Reval, Prediger in Stockholm u. in Kiel. War er bisher schon nicht mit den Reformatoren einig, da er die Schrift apokalyptisch erklären wollte, so kam nun noch die Abweichung von der lutherischen Abendmahlslehre dazu, weshalb er 1529 aus Kiel verwiesen wurde. Er ging nun nach Strasburg, Emden, wo er zuerst die Wiedertaufe vornahm, u. 1530 wieder nach Strasburg, wo Schwenkfeld Einfluß auf ihn erhielt u. er wegen seiner Angriffe auf die Geistlichen 1533 ins Gefängniß gesetzt wurde; auch von hier aus predigte u. schrieb er, nannte die Kindertaufe von dem Teufel eingesetzt, hielt sich für den Propheten Elias u. kündigte den Jüngsten Tag auf 1536 an. Er st. nach 1542, u. die nach ihm genannte wiedertäuferische Sekte, Hoffmannianer, erhielt sich noch in u. bei Strasburg u. in Niederdeutschland eine Zeitlang fort. Er schr. mehrere apokalyptische Schriften; vgl. über ihn: Krohn, Lpz. 1758; H. Herrmann, Sur la vie et les écrits de M. H., Strasb. 1852. 3) Daniel, geb. 1540 in Halle; studirte um 1558 in Jena, war erst Professor der Ethik in Jena, seit 1576 der Ethik u. Dialektik u. 1578 der Theologie in Helmstedt, 1580 auch Consistorialrath. Mit seinem Collegen Heßhus war er Gegner der Abendmahlslehre in der Concordienformel, behauptete seit 1598, daß zwischen den Wahrheiten der Theologie u. der Philosophie ein nothwendiger Widerspruch stattfinden müsse, u. bewies dies aus den Paulinischen Briefen u. Luthers Schriften. Durch seine Gegner Caselius, Martini, Günther u. Liddel verklagt, mußte er 1601 widerrufen u. wurde seines Amtes entsetzt; 1603 kehrte er zwar nach Helmstedt zurück, indeß da er seine alten Meinungen zu verfechten fortfuhr, wurde er 1604 emeritirt u. ging nach Wolfenbüttel, wo er 1611 starb. Seine Anhänger (Hoffmannianer) hießen wegen ihrer Annahme einer doppelten Wahrheit Duplicisten, ihre Gegner Simplicisten. Vergl. Malleus impietatis Hoffmannianae, Frankf. 1604; G. Thomasius, De controversia Hofmanniana, Erl. 1844. Er schr. viele Streitschriften, so: Be duplici veritate Lutheri a philosophis impugnata, Magdeb. 1600; Super quaestione, num syllogismus rationis locum habeat in regno fidei, ebd. 1600. 4) Kaspar, geb. 1572 in Gotha; st. 1648 als Professor der Medicin in Altorf; er schr.: Institutiones medic., Lyon 1645; De medicamentis officinalibus, Par. 1646, Frankf. 1666, u. Mehreres über Galen. 5) Moritz, geb. 1622 in Fürstenwalde, u. st. 1698 als Professor der Medicin u. württembergischer Rath u. Leibarzt in Altorf; er entdeckte den Pankreatischen Gang in einem Wälschen Huhn u. schr.: Synopsis institutionis med, Altorf 1661 Pad.[441] 1664; Synopsis institut. anatomic., Altorf 1661, 1881, u. m. a. 6) Joh. Jak., geb. 1635 in Basel; Professor der Griechischen Sprache daselbst; er schr.: Lexicon universale histor. chronolog., Bas. 1668, 4 Bde., Leyd. 1698, Fol.; Geschichte der Päpste, ebd. 1687, 2 Bde., u. m. a. 7) Friedrich, geb. 19. Febr. 1660 in Halle; studirte 1678–81 in Jena u. Erfurt Medicin, machte dann eine Reise durch Holland u. England, prakticirte seit 1685 in Minden, wurde hier Garnisonarzt, 1686 Physikus u. kurfürstlicher Leibarzt, 1688 Physikus in Halberstadt, 1693 Professor der Medicin in Halle u. 1708 zugleich Leibarzt des Königs Friedrich I. in Berlin; 1712 verließ er Berlin wieder u. widmete sich seinem akademischen Beruf bis zu seinem Tode, 12. November 1742. Er erwarb bes. durch sein neues System der Medicin hohen Ruf, worin er der Stahlschen Theorie entgegen, in Anwendung des Leibnizischen Systems, den Mechanismus der Theile u. den Einfluß substantieller Kräfte als Grundstützen annahm u. so in Deutschland die Mechanisch-dynamische Schule stiftete, deren Anhänger Hoffmannianer hießen. Dieses System ist jedoch nicht frei von Hypothesen u. vorgefaßten Meinungen, hat indessen zur Aufrechterhaltung der Ansicht wesentlich beigetragen, daß die Medicin ihre Höhe u. ihren Zielpunkt eben so in einer gründlichen Theorie, als in einer jene bewährenden Erfahrung zu suchen habe. Auch hat er sich durch Untersuchung mehrer mineralischer Brunnen Verdienste erworben u. zu allgemeiner Benutzung derselben in neuerer Zeit das Meiste beigetragen; auch verdankt die Arzneimittellehre ihm mehre noch jetzt sehr hoch geschätzte Mittel. Hauptwerke: Fundamenta medicinae ex principiis mech. et pract. proposita, Halle 1694, auch 1703; Idea fundamentalis universae medicinae, ebd. 1707; Anweisung, wie ein Mensch vor dem frühzeitigen Tod u. allerhand Krankheiten durch ordentliche. Lebensart sich verwahren könne, ebd. 1715–28, 9 Bde.; Observ. et cautelae circa thermarum usum et abusum, ebd. 1717; Systema medicinae rationalis, ebd. 1718–40, 9 Bde.; Medicina consultatoria, ebd. 1721–39, 12 Bde.; Observationes barometrico-meteorologicae, et epidemiae Halensis a. 1700, Halle 1701; Dissertationes physico-medicae curiosae eclectiores, Leyd. 1708 u. Vened. 1735, 2 Bde.; Diss. phys.-med. sel., Leyd. 1719, 2 Bde.; Observat. physico-chem., ebd. 1722 u. 1736; Opuscula pathologico-practica, Halle 1738; O puscula physico-med., Ulm 1725 f., Halle 1739, 2 Bde.; Consultat. et responsa med., Halle 1734, 3 Bde., u.ö., deutsch von S. Schaarschmidt, ebd. 1735; Medicus polit., Leyd. 1738, Halle 1746; lateinische Schriften, Genf 1740, 6 Bde., 2. A. 1748; nach H-s Tode fügte E. A. Nicolai zwei Supplemente in 3 Bdn. 1753–60 bei, die 4 ersten Bände wurden 1746 wieder abgedruckt, die ganze Sammlung aber in 25 Bdn. zu Neapel 1753, u. in 27 Bdn. 1763, auch in 17 Bdn. zu Venedig 1745 etc.; J. H. Schulze, Vita Hoffmanni, Halle 1730. 8) Gottfried, geb. 1678 zu Plagwitz bei Löwenberg in Schlesien, studirte seit 1685 in Leipzig, wurde 1688 Tonrector, 1695 Rector am Gymnasium zu Lauban u. 1708 in Zittau, wo er 1712 st. Er schr.: Leichengesänge, Laub. 1704; Bußlieder, ebd. 1705; Erbauliche Denkzettel etc., Budiss. 1717; seine Lebensbeschreibung von Didascalophilo, ebd. 1721. 9) Christoph Ludw., geb. 1721 zu Rheda in Westfalen; studirte bis 1746 in Jena Medicin, wurde dann Professor der Medicin u. Philologie in Burgsteinfurt, später Leibarzt des Bischofs in Münster u. Director des Medicinischen Collegiums daselbst, 1787 in gleicher Eigenschaft in Mainz, ging mit dem Kurfürsten nach Aschaffenburg u. st. 1807 in Eltville. Nach seinem System, einer Verschmelzung der Humoral- u. Solidartheorie, wollte er die Krankheiten durch Reinigung der Säfte heilen u. diese theils durch natürliche Absonderungen, theils durch künstliche Ausleerungen bewirken. Er schr.: Von den Pocken, 1770–89, 2 Bde.; Von der Empfindlichkeit u. Reizbarkeit der Theile, 1779, 2. A. 1792; Über den Scharbock, die Lustseuche u. die Ruhr, 1782; Der Magnetist, 1787; Opuscula lat. med. argumenti, herausgegeben von Chavet, 1789; Vermischte medicinische Schriften, 1790–95, 4 Bde. 10) Georg Franz, geb. 1760 in Markbreit; wurde 1789 Professor der Medicin in Erlangen, 1792 der Botanik in Göttingen, wo er 1803 die Phytographische Gesellschaft stiftete, u. 1804 in Moskau Staatsrath. Hauptschriften: Enumeratio lichenum, Erl. 1784–96, 4 Bde.; Historia salicum, Lpz. 1785–91, 2 Bde., Fol.; Vegetabilia cryptogam., ebd. 1787–90, 2 Fascikel; Plantae crustaceae, 1789–91, 2 Bde., Fol.; Nomenclator fungorum, Berl. 1780 f., 2 Hefte; Abbildungen der Blätterschwämme, ebd. 1790–93; Deutschlands Flora, Erlangen 1790 bis 1800; Vegetabilia in Hercyniae subterraneis collect., Nürnb. 1797–1802, Fol.; Genera umbelliferarum, Mosk. 1814, auch 1816. 11) Johann Gottfried, geb. 1765 in Breslau, studirte seit 1784 in Halle, Leipzig u. Königsberg die Rechte, bekleidete seit 1796 mehrere Schul- u. Verwaltungsämter, wurde 1803 Assessor bei der ostpreußischen Kriegs- u. Domänenkammer, 1807 Professor der Kameralwissenschaften in Königsberg, kam 1808 als Staatsrath in die Gewerbesection ins Ministerium des Innern, ging 1813 mit Hardenberg in das Hauptquartier der Verbündeten u. zum Congreß nach Wien; 1816 kam er in das Ministerium des Auswärtigen u. wurde zugleich mit der Leitung des Statistischen Bureaus betraut; 1835 gab er seine Professur auf u. st. 12. Nov. 1847. Er schr.: Die Berechnung u. Benutzung des Bauholzes, Königsb. 1799; Der Wassermühlenbau, ebd. 1800; Das Interesse des Menschen u. Bürgers bei der bevorstehenden Zunftverfassung, ebd. 1803; Übersicht der Bodenfläche der Bevölkerung des preußischen Staats, Berl. 1818, 2. Aufl. 1819; Beiträge zu der Statistik des preußischen Staats, ebd. 1821; Neueste Übersicht der Bodenflächen etc. der einzelnen Kreise des preußischen Staates, 1833; Die Wirkungen der Cholera im preußischen Staate während des Jahres 1831, Berl. 1833; Die Lehre vom Gelde, 1838; Die Bevölkerung des preußischen Staates Ende 1837, ebd. 1839; Von den Steuern, 1840; Die Befugniß zum Gewerbebetriebe, 1841; Die Zeichen der Zeit im deutschen Münzwesen, 1841; Bevölkerungs-, Geburts-, Ehe- u. Sterblichkeitsverhältnisse im Preußischen Staate von 1820–34, Berl. 1843; Sammlung kleiner Schriften staatswirthschaftlichen Inhalts, 1843; Übersicht der allgemeinen staatswirthschaftlichen Verhältnisse,[442] welche die Verschiedenheit der Bildung u. des Besitzes erzeugt, 1845. 12) Georg Ludwig, geb. 1765 in Meisenheim; studirte in Gießen die Rechte, wurde 1789 Waisenschreiber bei dem Oberamt in Zweibrücken, 1790 Assessor bei dem protestantischen Oberconsistorium daselbst u. 1815 Appellationsgerichtsrath in Zweibrücken. Seine Theilnahme an Siebenpfeifers Rheinbaiern zog ihm viel Unannehmlichkeiten zu; er schr.: Die staatsbürgerlichen Garantien, Stuttg. 1828, 2. Aufl. Lpz. 1831, 2 Bde.; Untersuchungen über die wichtigsten Angelegenheiten des Menschen als Staats- u. Weltbürger Zweibr. 1830, 2 Bde. 13) Ernst Theodor Amadeus [Wilhelm]), geb. 24. Jan. 1776 zu Königsberg in Preußen; studirte das. die Rechte, war dann seit 1796 in Glogau bei dem Oberamtsgericht angestellt, wurde 1798 in Berlin Referendar bei dem Kammergericht, 1800 Assessor bei der Regierung in Posen, wurde jedoch wegen einiger Carricaturen, welche er bei einer Redoute vertheilte, u. die der General Zastrow u.a. Angestellte auf sich bezogen, 1802 als Regierungsrath nach Plozk versetzt, kam 1803 in gleicher Eigenschaft nach Warschau, wo er mitten unter Geschäften der Musik u. Dichtkunst lebte. 1806 mit den andern südpreußischen Beamten brodlos geworden, begab er sich nach Berlin, lebte hier höchst dürftig u. nahm 1808 die Stelle als Musikdirector beim Theater des Grafen Soden in Bamberg an. Bald hörte das Bamberger Theater wieder auf, u. er lebte nun vom Unterrichtertheilen u. schrieb für die Allgemeine Musikalische Zeitung Aufsätze, welche später die Grundlage zu seinen Phantasiestücken in Callots Manier bildeten. 1813 wurde er Musikdirector der Secondaschen Gesellschaft in Leipzig u. Dresden; 1814 trat er wieder in preußische Dienste, Anfangs ohne Gehalt beim Kammergericht in Berlin, dann 1816 als Kammergerichtsrath u. starb 24. Juli 1822 an der Rückenmarksdarre. Von jeher war Musik seine Leidenschaft gewesen, er hatte sogar mehrere Sachen componirt; so waren schon in Posen die Composition von Goethe's Scherz, List u. Rache, in Warschau die Opern: der Canonicus von Mailand u. Schärpe u. Blume (beide auch von ihm gedichtet), ferner die Musik von Werners Kreuz an der Ostsee u. zu Brentanos Lustigen Musikanten durch ihn entstanden. Seit 1815 trat er als Schriftsteller auf u. war in dieser Zeit einer der besten Novellendichter der Deutschen. H. schr.: Phantasiestücke in Callots Manier, Bamb. 1814, 4 Bde., 3. Aufl. Lpz. 1825, 2 Bde.; Die Vision auf dem Schlachtfelde von Dresden, ebd. 1814; Die Elixire des Teufels, Berl. 1816, u. Aufl. 1827; Nachtstücke, ebd. 1817, 2 Bde.; Seltsame Leiden eines Theaterdirectors, ebd. 1818; Klein Zaches genannt Zinnober, 1819, u. Aufl. 1824; Die Serapionsbrüder, ebd. 1819 bis 1821, 4 Bde.; Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler, 1821 f., 2 Bde.; Prinzessin Brambilla (ein Capriccio), 1821; Meister Floh (ein Mährchen), Frankf. 1822; Der Doppelgänger, Brünn 1824; Ausgewählte Schriften, Berl. 1827 f., 10 Bde.; Erzählende Schriften, in einer Auswahl (herausgegeben von seiner Wittwe Micheline geb. Rorer), Stuttg. 1827–31, 18 Bde. Aus H-s Leben u. Nachlaß (von J. E. Hitzig), Berl. 1823, 2 Thle.; Nachträge zu diesem Werk in H-s letzten Erzählungen, ebd. 1825, 2 Thle.; Z. Funck, Aus dem Leben zweier Dichter, Wetzel u. H., Lpz. 1836. 14) Ernst Emil, geb. 1785 in Darmstadt; lernte die Handlung, errichtete 1808 ein kaufmännisches Geschäft u. wurde großherzoglich hessischer Tommerzienrath; 1813 nahm er sich eifrig der Landesbewaffnung an u. wurde Chef des ersten darmstädtischen Landwehrbataillons; er that 1817 viel zur Milderung der Hungersnoth in Hessen u. war bei Erhebung der Griechen zu Gunsten derselben sehr thätig, reiste deshalb als Bevollmächtigter sämmtlicher deutschen Griechenvereine nach Marseille u. besorgte dort die Einschiffung der nach Griechenland gehenden Freiwilligen. 1823 gründete er eine Militärvertretungsgesellschaft (welche bis 1835 bestand), u. wurde 1826 zum Deputirten auf dem hessen-darmstädtischen Landtage gewählt. In Folge einer schriftlichen Aufforderung an die Wähler in Hessen-Darmstadt, nur Liberale zu Abgeordneten zu wählen, wurde ein Proceß wegen Majestätsverletzung über ihn verhängt, welcher jedoch 1829 mit seiner Freisprechung endigte, u. H. trat wieder in die Ständeversammlung ein, in deren Mitte er mehre liberale Anträge stellte, wie die Freiheit der Presse u. Aufhebung des Cölibats für die katholischen Geistlichen. 1832 wieder in die Kammer gewählt, beantragte er aufs Neue Preßfreiheit, sprach gegen die Bundestagsverordnungen, gegen manche Partien der Verfassung u. bes. gegen den Schloßbau. 1834 wieder Abgeordneter, wurde er der Wahlbestechung angeklagt u. erlangte 1835 nur Freisprechung von der Instanz, wodurch ihm die Fähigkeit geraubt wurde, wieder Abgeordneter zu werden. 1836 gab er die erste Anregung zu dem einige Jahre später auf Kosten des Staats erfolgten Bau einer Eisenbahn durch die Provinz Starkenburg. Für seine Vaterstadt zeigte er sich als langjähriges Mitglied des Gemeinderathes sehr thätig. Er starb 1847; u. 1852 wurde auf dem Friedhof in Darmstadt seine Marmorbüste aufgestellt. 15) Andreas Gottlieb, geb. 13. April 1796 in Weibsleben in der Grafschaft Mansfeld; machte die Feldzüge 1814 u. 1815 als Freiwilliger mit, studirte dann in Halle Theologie u. Orientalische Sprache, habilliirte sich daselbst als Privatdocent, wurde 1822 Professor der Theologie u. Orientalischen Sprachen in Jena, 1828 Kirchenrath u. 1843 Geheimer Kirchenrath; er schr.: Grammatica syriaca, Halle 1827; Die Apokalyptiker der ältern u. neuern Zeit, Jena 1833–38, 1. Bd. 2 Abth.; bearbeitete Warnekros' Entwurf der hebräischen Alterthümer, Weim. 1832; er war auch Mitredacteur der zweiten Serie der Ersch-Gruberschen Encyclopädie. 16) Friedrich, zweiter Sohn von H. 9), geb. 1797 auf der Pinnau bei Wehlau in Ostpreußen, war 1813 u. 1815 Militär, studirte in der Zwischenzeit in Berlin Medicin u. 1818 in Göttingen Naturwissenschaften, wurde Privatdocent in Halle u. 1833 Professor in Berlin, wo er 1838 starb; er schr. u.a.: Beiträge zur genauern Kenntniß der geographischen Verhältnisse Norddeutschlands, Berl. 1823; Geognostische Karte vom nordwestlichen Deutschland, ebd. 1829, 24 Blätter; Übersicht der orographischen u. geognostischen Verhältnisse vom nordwestlichen Deutschland, Lpz. 1830. 2 Abthl.; Geognostischer Atlas vom nordwestlichen Deutschland, ebd. 1830; Über die geognostische Beschaffenheit der Liparischen Inseln, ebd. 18324 [443] Physikalische Geographie u. Einleitung in die Geognosie, Berl. 1836; Hinterlassene Werke, ebd. 1837. 17) August Heinrich, geb. 2. April 1798 in Fallersleben im Hannöverschen (daher gewöhnlich H. von Fallersleben genannt), studirte 1816–19 in Göttingen u. Bonn Philosophie u. Schöne Wissenschaften, wurde 1823 Custos an der Universitätsbibliothek in Breslau, 1830 außerordentlicher u. 1835 ordentlicher Professor der Deutschen Sprache u. Literatur daselbst; kam 1842 wegen seiner Unpolitischen Lieder, Hamb. 1840–41, 2 Bde., in Untersuchung u. wurde 1843 seiner Stelle entlassen (vgl. Zehn Actenstücke über die Amtsentsetzung des Professors H., Manh. 1843). Er reiste darauf längere Zeit in Deutschland umher, namentlich 1847 in Württemberg u. Baden, bes. in Manheim; 1848 wurde er von Preußen rehabilitirt, u. bezog von da das gesetzliche Wartegeld als Pension, lebte darauf am Rhein, seit 1851 namentlich in Neuwied, u. ließ sich 1853 in Weimar nieder. Er schr.: Lieder u. Romanzen, Köln 1821; Allemannische Lieder, Bresl. 1826, 5. Aufl. ebd. 1843; Gedichte, ebd. 1826, u. Aufl. Lpz. 1834, 2 Bdchn., neue Sammlung, ebd. 1837; Jägerlieder, Bresl. 1828; Immergrün, ebd. 1828; Fundgruben für Geschichte, Deutsche Sprache u. Literatur, ebd. 1830; Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luther, ebd. 1832; 2. Aufl. Hannov. 1854; J. Chr. Günther, Ein literarisch-historischer Versuch, Bresl. 1832; gab heraus: Fragmente eines Gedichts von der Welt Merigarto, Prag 1834; Elnonensia mon. des langues romane et tudesque dans le 9. siècle, Gent 1837 (darin das Ludwigslied); Bruchstücke aus Tristan u. Isolde, Bresl. 1823; Althochdeutsche Glossen, ebd. 1825; Willeram, ebd. 1827; Reinecke Voß, ebd. 1834; Unpolitische Lieder, 1840–41, 2 Bde.; Altdeutsche Blätter (mit M. Haupt), ebd. 1834 f., 2 Bde.; Alte politische Lieder, Lpz. 1843; Verzeichniß der altdeutschen Handschriften der k. k. Bibliothek in Wien, 1841; Die deutschen Gesellschaftslieder des 16. u. 17. Jahrh., u. Aphorismen u. Sprüche des 16. u. 17. Jahrh., 1844; Horae Belgicae, 1830 bis 1854, 10 Bde.; mehrere Sammlungen von Kinderliedern, 1843–47; Diavolini (Gedichte), 2. Aufl. 1848; Alte niederländische Sprüchwörter nach der ältesten Sammlung, Hannov. 1854; Niederländische geistliche Lieder des 15. Jahrh., ebd. 1854; gab Antwerpner Liederbuch vom Jahre 1544, ebd. 1854; Teophilus, niederdeutsches Schauspiel, 1843; Michael Vehes Gesangbüchlein vom Jahre 1537 (das älteste katholische Gesangbuch), ebd. 1853; Bücherkunde der deutschen Dichtungen bis zum Jahre 1700, Lpz. 1858 ff., heraus; auch ließ er eine gesichtete u. vollständige Sammlung seiner lyrischen Gedichte, ebd. 1853, u. die Lieder aus Weimar, ebd. 1855, erscheinen. Er gibt auch seit 1854 mit Oscar Schade die Weimarischen Jahrbücher für Deutsche Sprache, Literatur u. Kunst heraus. 18) Karl Alexander, geb. 1798 im polnischen Palatinat Masovien, studirte in Warschau die Rechte, wurde wegen Theilnahme an politischen Verbindungen für unfähig zum Staatsdienste erklärt, erhielt jedoch 1828 die Stelle eines Raths bei der Polnischen Bank, nahm beim Ausbruch der Polnischen Revolution 1830 lebhaften Antheil an der Organisation der Nationalgarde u. der Behörden von Warschau, wurde Bankdirector, 1831 mit einer diplomatischen Sendung nach Deutschland beauftragt u. blieb bis zu Ende des Kriegs in Frankfurt a. M., ging dann nach Dresden u. 1832 ausgewiesen von da nach Frankreich, 1848 kam er wieder nach Dresden u. ging später nach Galizien; er schr.: Die große Woche von Polen 1830; Coup d'oeil sur l'état politique de Pologne sous la domination Russe, Par. 1832; La nationalité Polonaise détruite, ebd. 1833; Cztery powstania, Par. 1837 u. Vademecum polskie, ebd. 1839. Auch gründete er 1825 eine juridische Zeitschrift unter dem Titel: Polnische Themis, u. gab eine polnische Übersetzung der Werke Benjamin Franklin's 1827 heraus. 19) Clementine, geborne Tanska, Gattin des Vorigen, geb. 1798 in Warschau; eine der bedeutendsten populären polnischen Schriftstellerinnen der Gegenwart, wurde 1827 Lehrerin der Moral an dem neu errichteten Gouvernanteninstitut in Warschau u. erhielt die Oberaufsicht über alle Pensionsanstalten dieser Stadt, verheirathete sich 1829 mit dem Vorigen u. ging nach Unterdrückung des Polnischen Aufstandes mit demselben nach Dresden u. Paris, wo sie sich der polnischen Emigranten thätig annahm; nach mehrfachen Reisen in der Schweiz, Deutschland u. Italien kehrte sie 1845 nach Paris zurück u. st. 25. Sept. 1845. Sie schr. polnisch: Sechs historische Novellen, 1818; Erinnerungen der guten Mutter, die 6 Auflagen erlebten; Mutter Amalie; Die Neujahrsgeschenke der kleinen Helena; Erholungen für Kinder u.a. Ihre nachgelassenen Schriften (Pisma posmiertne) herausgegeben Berl. 1849, 9 Thle. (der 1._– 3. Theil ihre Memoiren, der 4._– 6. Theil Auszüge aus ihren Vorträgen in Warschau über die Pflichten des weiblichen Geschlechts, der 7. Moralische u.a. Sentenzen aus ihrem Tagebuche, der 8. u. 9. Auszüge aus verschiedenen Schriften enthaltend). 20) Karl Friedrich Vollrath, geb. 1796, Privatgelehrter in Stuttgart; er st. 1841 u. schr.: Umrisse zur Erd- u. Staatenkunde, Stuttg. 1824; Die Erde u. ihre Bewohner, ebd. 1833, 5. Aufl. 1839; Deutschland u. seine Bewohner, ebd. 1834–36, 4 Bde.; Europa u. seine Bewohner, 8 Bde.; Das Vaterland der Deutschen, Nürnb. 1839; Die Völker der Erde, ihr Leben, ihre Sitten etc., Stuttg. 1840, 2 Thle.; Allgemeine Einleitung in die Erdkunde, ebd. 1841 u. m. a.; gab auch heraus: Atlas für Schulen u. zum Selbstunterricht, Stuttg. 1833, 3. Aufl. 1837; Vollständiger Himmelsatlas, ebd. 1835–37; Wandkarte der Alten Welt, ebd. 1839; Der Erdball, ebd. 1836–40, 3 Lieferungen; Jahrbuch der Reisen, ebd. 1832; mit H. K. W. Berghaus die Zeitschrift Hertha, Stuttg. 1825 ff., 8 Bde. etc. 21) Charles Fenno, geb. 1806 in New York; studirte Rechtswissenschaften, wurde Advocat u. prakticirte einige Zeit in New York; schrieb währenddem für den New Yorkk American, wurde endlich Mitredacteur u. widmete sich ausschließlich literarischen Beschäftigungen; nachdem er von der Redaction des New York American zurückgetreten war, gab er das Knickkerbocker Magazine, dann das American Monthly Magazine u. einige Zeit den Mirror heraus; er war auch Mitbegründer der in New York erscheinenden Literary World u. ein Jahr Redacteur derselben; er schr.: Winter in the West, New York 1834, 2 Bde.; Wild Scenes in the Forest and in the Prairie, 1837[444] (deutsch, Dresd. 1845); Greyslaer, 1839 (deutsch, Stuttg. 1841); The Vigil of Faith, 1843; Echo, and Borrowed Notes for Home Circulation, 1844; Poems, 1845. 22) Jakob Daniel, geb. 1808 in Lübeck; studirte seit 1828 Theologie u. Philologie in Jena u. München, privatisirte seit 1831 in verschiedenen Orten Thüringens, war eine Zeit lang Lehrer an einem Privatinstitut in der Französischen Schweiz u. ging 1838 als Erzieher nach Rußland; er schr.: Fortsetzung von Goethes Faust, Lpz. 1833; Tassos Tod, Tragödie, ebd. 1834; Die Halbschwestern, Drama, ebd. 1835; Eduard u. Julie, Altenb. 1836, 2 Bde.; Reise nach Savoyen, Blankenb. 1837; Dichtung u. Urtheil, ebd. 1827, 2 Hefte, etc. 23) s. Hofmann.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 441-445.
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