Hypothese

[688] Hypothese (Hypothĕsis, gr.), 1) Grund-, Unterlage; 2) Grundlage für eine Rede, Schrift, Grundgedanke; 3) ein durch Personen u. Umstände bestimmter Hauptsatz einer Rede (z.B. Pompejus ist zum Feldherrn gegen Mitbridates zu wählen), im Gegensatz vom Satze, Thesis (z.B. was wird zu einem guten Feldherrn erfordert); 4) (Conditionalsatz), der Grundgedanke, die Aufgabe, das Thema zu einer Abhandlung od. Rede in den griechischen Rhetorenschulen; 5) (Argumentum), der kurzgefaßte Inhalt einer Tragödie, mit den nöthigen Beigaben, welche zum Verständniß gehören, Dergleichen H-n finden sich vor den griechischen [689] Tragödien, sie stammen aus später Zeit u. sind aus den Didaskalien (s.d.) zusammengesetzt; 6) Voraussetzung, Vermuthung, Bedingung; 7) (Hypothetischer Satz), ein wahrscheinlicher Satz, der mit wenn – so gebildet wird, deshalb aufgestellt, um aus demselben etwas sonst nicht Erweisliches zu folgern od. zu erklären; 8) jede auf Wahrscheinlichkeit gegründete Behauptung; 9) in der angewandten Mathematik die Annahme über die physische Beschaffenheit der Größen, welche den Gegenstand einer mathematischen Untersuchung ausmachen, z.B. daß das Licht ein Ausfluß des leuchtenden Körpers sei.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 688-689.
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688 | 689
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