Philosophie [1]

[71] Philosophie (v. gr.), der Wortbedeutung nach Liebe zur Weisheit. So wie Pythagoras, welcher sich zuerst dieses Ausdrucks bedient haben soll, darunter nicht bestimmte Kenntnisse, sondern das Streben nach Erkenntniß überhaupt bezeichnete, so läßt sich das, was seitdem der allgemeine Sprachgebrauch unter P. versteht, nicht durch Angabe bestimmter Gegenstände, deren Erforschung ihre Aufgabe wäre, wie etwa das Pflanzenreich Object der Botanik, der Bau des menschlichen Körpers Object der Anatomie etc. ist, erläutern u. definiren. Nicht der Gegenstand, welcher, sondern die Art u. Weise, in welcher er untersucht wird, gibt einer Untersuchung den Charakter einer philosophischen u. ihren Refultaten den der P. P. ist denkende Erkenntniß, das Philosophiren die Ausübung derjenigen geistigen Operationen, deren Ergebniß eine durch das Denken u. für das Denken gewonnene Erkenntniß sein würde. Darin liegt die Grenzbestimmung der P. einerseits gegen die reine Empirie, gedankenlose Auffassung gegebener Thatsachen, andererseits gegen jede äußere Autorität, welche mit dem Anspruch auftritt vorschreiben zu können, was wahr od. falsch sei; das philosophische Denken gibt seine eigene Natur auf, wenn es auf den Geist der Prüfung u. Kritik Verzicht leistet. Aus der Allgemeinheit der philosophischen Aufgabe erklärt sich die alte Definition der P., daß sie die Erkenntniß göttlicher u. menschlicher Dinge (Rerum divinarum humanarumque scientia) sei; aus der Unmöglichkeit, alle beliebigen Gedanken für gleich wahr zu halten, u. dem in der Abhängigkeit der Gedanken von einander liegenden Bedürfniß, in der Prüfung u. Begründung derselben bis zu solchen Begriffen u. Sätzen zurückzugehen, die an sich selbst gewiß sind u. aus welchen andere Erkenntnisse abgeleitet werden können, die Bezeichnung derselben als der Wissenschaft der Principien. Die P. ist daher, was auch der historische Entwickelungsgang bestätigt, nicht eine besondere Wissenschaft neben u. außer den übrigen Wissenschaften, sondern der allgemeine Zug des menschlichen Geistes nach Erkenntniß wird, sobald er die blose Auffassung des thatsächlich Gegebenen überschreitet, immer ein philosophisches Element einschließen. Darin ist der natürliche Zusammenhang der P. mit den übrigen Erkenntnißgebieten begründet; so wie die letzteren der P. ihre Objecte, das worüber philosophirt werden kann, darbieten, so gewinnt jeder Complex von Kenntnissen erst durch die Einwirkung des ordnenden, prüfenden, verknüpfenden Denkens den Charakter der Wissenschaft; jede Wissenschaft, die mehr ist als eine blose Sammlung vereinzelter Notizen, kann in philosophischer u. in unphilosophischer Weise behandelt werden; in diesem Sinne fordert man philosophischen Geist in der Behandlung auch solcher Wissenschaften, die übrigens ihre besonderen Aufgaben haben. Die P. ist somit bestimmt, Blüthe der wissenschaftlichen Cultur zu sein, aber sie ist zugleich eine ihrer Wurzeln, weil nur durch die Erhebung des Gegenstandes in das Gebiet des Denkens Erkenntniß möglich ist.

Die Veranlassungen nun, aus welchen gleichwohl die P. aus dieser natürlichen Verknüpfung mit den übrigen Wissenschaften frühzeitig herausgetreten ist u. sich nicht nur als Complex od. System eigenthümlicher Lehrmeinungen auszubilden gesucht, sondern auch sich selbst in eine Mehrheit philosophischer Disciplinen gegliedert hat, liegen theils in der ungeheueren Weite des Gebietes, welches sich der wissenschaftlichen Forschung öffnet, theils in den Schwierigkeiten derselben. Wenn man z.B. die moderne Physik od. Chemie mit den Anfängen der Naturphilosophie der alten Griechen vergleicht, so fällt sofort in die Augen, daß die blose Auffassung der Naturerscheinungen durch Beobachtung u. Experiment sammt der Bestimmung der dabei obwaltenden Größenverhältnisse eine Aufgabe ist, welche zu dem Versuche, sie erst innerhalb ihrer eigenen Grenzen zu vollenden, eben so nöthigt als berechtigt. Neben der äußeren Natur dringt sich die Welt des Bewußtseins mit seinen Vorstellungen u. Gedanken,[71] seiner Luft u. seinem Schmerz, seinem Thun u. Leiden, der mannigfaltigen Werthbestimmungen, die sich in der Unterscheidung des Angenehmen, des Schönen u. Häßlichen, des Guten u. Bösen ankündigen, mit seinen religiösen Vorstellungen u. seinen Voraussetzungen einer übersinnlichen Welt der Forschung auf. Wenn daher die Bemühungen, welche die Kenntniß der äußeren Natur zum Ziele haben, unabhängig von der P. in besonderen Wissenschaften ihre Resultate niedergelegt haben, so blieb die Welt der inneren Erfahrung der P. als ein ihr eigenthümliches Gebiet überlassen. Dazu kommt, daß innerhalb des im Verkehr mit der Außenwelt unabsichtlich entstehenden Gedankenkreises sich gewisse allgemeine Begriffe als für einen größeren od. kleineren Umfang herrschende u. maßgebende hervorheben u. gleichwohl für das prüfende Denken in diesen Begriffen sich Dunkelheiten, Lücken, unaufgelöste Fragen entdecken, welche dem Denken einen Anstoß zu dem Versuche geben, über diese Begriffe selbst ins Klare zu kommen, sie entweder genau u. scharf zu bestimmen od. an ihre Stelle, wenn sie als unzureichend od. falsch erkannt werden, andere zu setzen. So entsteht ein Denken, welches die im menschlichen Gedankenkreise vorhandenen allgemeinen Hauptbegriffe aus der Masse der übrigen herausholt, sie zu Gegenständen seiner Untersuchung macht, in ihnen seine Probleme findet u. dieses um solche Begriffe sich bewegende, in dieselben sich vertiefende, auf deren zureichende Bestimmung, Berichtigung u. systematische Verknüpfung hinarbeitende Denken ist nun vorzugsweise das philosophische, speculative. In dieser Beziehung entsteht P. als besondere Wissenschaft durch das Bedürfniß, diejenigen Begriffe, welche andere Wissenschaften voraussetzen, wie z.B. die Naturwissenschaft u. Mathematik die Begriffe des Seins u. des Werdens, des Stoffs u. der Kraft, der Causalität, des Raumes u. der Zeit etc., die Jurisprudenz den des Rechts, die Theologie den Gottes u. s. f., selbst zum Gegenstande einer denkenden Untersuchung zu machen. Allerdings liegt dadurch für die P. eine große Gefahr, in willkürliche Begriffsdichtungen zu verfallen, wenn sie die Beziehungen zwischen den Begriffen u. dem gegebenen Erfahrungsstoffe aus dem Auge verliert, u. daraus erklärt sich der Vorwurf leerer Speculationen, welchen die Vertreter der empirischen Wissenschaften oft der P. gemacht haben; andererseits wird aber erst dadurch die volle Bedeutung der Definition, daß die P. Wissenschaft der Principien sei, deutlich; ihr fallen alle die mannigfaltigen Probleme zu, deren Lösung die übrigen Wissenschaften dahin gestellt sein lassen, u. darin liegt eine der wichtigsten Ursachen des langsamen u. unsicheren Fortschrittes der philosophischen Forschung.

Die Mannigfaltigkeit der philosophischen Aufgaben macht es ferner begreiflich, daß man frühzeitig angefangen hat, verschiedene Theile der philosophischen Untersuchungen u. somit eine Mehrzahl philosophischer Disciplinen zu unterscheiden. Die Frage, ob das gesammte System der P. nur ein einziges Princip habe, aus welchem alle einzelnen philosophischen Disciplinen abgeleitet werden können od. müssen, od. ob die P. ein Complex verschiedenartiger Untersuchungen ist, deren jede ihre eigenen Fundamentalbegriffe hat, wie vielfach auch ihre Resultate in einander eingreifen mögen, ist eine methodologische Frage, deren Beantwortung selbst innerhalb der P. zu suchen ist. Historisch betrachtet sind die gebräuchlichsten Namen der verschiedenen philosophischen Disciplinen Logik od. Dialektik, Metaphysik mit ihren Anordnungen auf Naturphilosophie (Kosmologie), Religionsphilosophie (Natürliche Theologie), Psychologie, Moral (Ethik), Rechtsphilosophie (Naturrecht), Ästhetik (s.d. a.), Philosophie der Geschichte. Abgesehen von der Art, wie einzelne philosophische Systeme die Aufgabe jeder dieser Disciplinen u. ihr Verhältniß zu den übrigen bestimmt haben, hat man vorzüglich nach der Eintheilung des Aristoteles sie durchschnittlich in zwei Gruppen gesondert, die man als theoretische u. praktische P. bezeichnet, je nachdem der Zweck einer solchen Wissenschaft in der theoretischen Erkenntniß od. in ihrer Beziehung auf das Handeln liegen sollte. Durchgreifender als dieser Unterscheidungsgrund ist der in den Begriffen selbst, um deren Bestimmung, Entwickelung u. Anwendung es sich handelt, liegende Unterscheidungsgrund, ob die Begriffe selbst Erkenntnißbegriffe od. Musterbegriffe, Vorbilder, sind, d.h. ob sie mit dem Anspruche auftreten, darüber zu entscheiden, was die Welt der Erscheinungen ist, welche Ursachen ihr zu Grunde liegen u. nach welchen Gesetzen ihre Veränderungen erfolgen, od. ob sie sich als Maßstab ihres Werthes u. somit als Normen der Beurtheilung u. Motive des künstlerischen u. praktischen Handelns ankündigen. So treten Metaphysik, Religionsphilosophie, Philosophie der Natur u. der Geschichte, Psychologie auf die eine, Moral, Rechtsphilosophie u. Ästhetik auf die andere Seite; den letzteren fallen die Ideen des Schönen u. Guten anheim, während die Forderung der Wahrheit sich bald auf die Wahrheit der theoretischen Erkenntniß, bald auf die Gültigkeit sittlicher u. ästhetischer Ideale bezieht. Wenn man daher die P. auch als Wissenschaft der Ideen bezeichnet hat, so bezieht sich dies, wenn man nicht jeden allgemeinen Begriff eine Idee nennen will, lediglich auf die letzte Gruppe philosophischer Wissenschaften. Da endlich jede sowohl rein theoretische als ästhetisch praktische Untersuchung es mit Begriffen u. ihren Verknüpfungen zu thun hat, so drängte sich schon dem Plato die Frage auf, ob es für das Verfahren mit Begriffen nicht eine Gesetzmäßigkeit gebe, welche eine Entscheidung über ihre Richtigkeit u. Unrichtigkeit enthält, u. so ist durch die systematische Antwort, welche Aristoteles auf diese Frage gab, die Logik (bei Plato Dialektik genannt) noch. in den Kreis der philosophischen Disciplinen getreten, wobei es ziemlich gleichgültig ist, ob man die Nachweisung der dem Denken immanenten Gesetzmäßigkeit für eine Propädeutik od. Methodik alles wissenschaftlichen Verfahrens überhaupt od. für einen Theil der P. selbst erklärt. Jedenfalls ist diese Untersuchung wesentlich philosophischer Natur.

Die Darstellung der verschiedenen Versuche, die Aufgaben der P. zu lösen u. dadurch zu einer zusammenhängenden Erkenntniß zu gelangen, ist die Geschichte der P., welche, weil die philosophische Denkweise theils vielfach von den unabhängig von der P. vorhandenen sittlichen, politischen u. religiösen Vorstellungsarten u. Tendenzen abhängt, theils aber auch auf den Gedankenkreis u. die Bestrebungen eines Zeitalters zurückwirkt, zugleich ein wichtiger Theil der allgemeinen Culturgeschichte ist. Die Anfänge einer begriffsmäßigen Behandlung philosophischer Fragen lassen sich deutlich erst bei[72] den alten Griechen nachweisen; die Philosopheme der orientalischen Völker sind mehr mythische Dich-tungen über den Ursprung der Welt u. die in derselben waltenden Kräfte, als Producte eines reflectirenden Denkens, u. wenn sich auch nachweisen lassen sollte, daß die älteste griechische Naturphilosophie Beziehungspunkte zu den religiösen Anschauungen der Ägyptier u. Perser gehabt habe, so ist doch die Entwickelung eines eigentlich philosophischen Gedankenkreises eine selbständige Leistung der griechischen Denker. Die Geschichte der griechischen u. somit überhaupt der antiken P. zerfällt in drei Perioden, die sich wie Anfang, Blüthe u. Verfall zu einander verhalten; die erste umfaßt die Zeit von den Anfängen der Naturphilosophie bis Sokrates (600–400 v. Chr.); die zweite das Zeitalter des Sokrates, des Plato u. Aristoteles (400–322); die dritte die Zeit bis zum Erlöschen der letzten heidnischen Philosophenschulen zu Anfang des 6. Jahrh. n.Chr. Die vorsokratischen Denker beschäftigten sich vorzugsweise u. fast ausschließend mit Speculationen über die Natur; die Frage nach dem, was den wechselnden Naturerzeugnissen zu Grunde liegt, suchte die Ionische Naturphilosophie (so genannt von dem Vaterlande der meisten sie vertretenden Denker) zunächst dadurch zu beantworten, daß sie einen od. mehre Urstoffe (Elemente) annahm, auf deren Verdünnung u. Verdichtung, Mischung u. Entmischung das Entstehen u. Vergehen der Dinge sollte zurückgeführt werden können, Thales Wasser, Anarimenes Luft, Heraklitos Feuer, Empedokles Feuer, Wasser, Luft, Erde, der Letzte also Urheber der die Physik lange Jahrhunderte beherrschenden Annahme dieser vier Elemente. So wie diese Ansichten zuerst Anaxagoras durch die Berufung auf eine in der Welt wirkende vernünftige Kraft überschritt, so trat in der Eleatischen Schule einerseits (deren wichtigster Vertreter Parmenides war) u. Heraklitos andererseits ein Gegensatz nicht sowohl rücksichtlich bestimmter physikalischer Annahmen, als vielmehr rücksichtlich der Begriffe des Seins u. des Werdens auf, indem beiden die Frage, wie das Seiende werden u. wie das Werdende in könne, zum Bewußtsein kam; sie glaubten die darin liegende Schwierigkeit dadurch lösen zu können, daß sie dem einen Begriff dem anderen gegenüber seine Gültigkeit absprachen, indem Parmenides behauptete, nur das Sein ist, alles Werden ist Schein, Heraklitos dagegen, es gibt nur ein ewiges Werden u. alles beharrliche Sein ist Schein. Daß Seiendes aus Nichtseiendem nicht entstehen könne, war mit Ausnahme des Heraklitos Grundvoraussetzung aller dieser Speculationen, denen sich auch der von Leukippos u. Demokritos aufgestellte Atomismus dadurch anschloß, daß er die Entstehung u. Veränderung der Dinge aus der durch eine ewige Bewegung vermittelten Verbindung u. Trennung untheilbarer Körperchen zu erklären suchte u. somit Urheber einer Ansicht wurde, unter deren hypothetischer Annahme, wenn auch mit wichtigen Modificationen, die Physik u. Chemie bis auf unsere Zeit sich fortgebildet hat. Eine isolirte Stellung nimmt die Pythagoreische od. Italische Schule ein, indem sie in der Ergründung nicht der Urstoffe, sondern der mathematischen Verhältnisse das eigentliche Gebiet der Erkenntniß suchte. Die große Umwandlung, welche Sokrates in den philosophischen Bestrebungen hervorbrachte, bestand theils darin, daß er den Sophisten gegenüber, die als Lehrer praktisch nützlicher Kenntnisse zugleich Vertreter der vulgären, theilweis geradezu unsittlichen praktischen Denkart waren, den Inhalt seiner eigenen religiös-sittlichen Überzeugungen energisch geltend machte u. dadurch, wie die Alten sagten, die Ethik als eine zweite Person in die Philosophie einführte, zugleich aber auch das lebhafte Bedürfniß fühlte, sich über den Begriff des Guten eine bewußtvoll denkende Rechenschaft zu geben, u. dadurch der eigentliche Urheber des methodischen Verfahrens mit Begriffen wurde. Die Anregung, welche er der Gedankenbewegung seiner Landsleute gab, trug nur fragmentarische Früchte in den sogenannten kleineren Sokratischen Schulen (unvollkommene Sokratiker), der Kyrenalschen (s. Aristippos), der Kynischen (s. Antisthenes), der Megarischen (s. Euklides, Stilpo); dagegen zugleich unter dem Einflusse der vorsokratischen Speculation die reichsten, den metaphysischen wie ethischen Fragen gleichmäßig zu Gute kommenden in den philosophischen Leistungen des Plato u. des Aristoteles, deren Lehren nicht nur den Höhepunkt der griechischen P. bezeichnen, sondern auch lange Jahrhunderte hindurch auf den Gang der philosophischen Forschung Einfluß gehabt haben. Nach dem Tode des Aristoteles tritt ein rasches Sinken der P. bei den Griechen ein; weder seine Peripatetische Schule, noch des Plato Schüler (ältere Akademie) haben etwas Wesentliches zur Erweiterung u. Berichtigung der P. gethan; die Epikureische u. Stoische Schule entbehrten beide eines tiefeingehenden Interesse für die Fragen der theoretischen Speculation u. cultivirten, die erstere in der Richtung einer flachen Glückseligkeitslehre, die zweite mit ernstem u. strengem Sinne. vorzugsweise die Ethik u. betrachteten daher die P. nicht sowohl als eine Aufgabe der Forschungen, sondern vielmehr als eine durch die Reflexion bestimmte Art der Lebensführung, daher sie jede in ihrer Art das Bild des echten Philosophen in der Schilderung des »Weisen« ausführten. In der jüngeren Akademie (s. Arkesilaos, Karneades) zeigte sich zwar zum erstenmal der Zweifel an der die früheren Systeme beherrschenden Voraussetzung, daß das Denken die Dinge so zu erkennen im Stande sei, wie sie sind; aber die Streitigkeiten, in welche sie über das Kennzeichen (Kriterium) der Wahrheit mit der Stoischen Schule verwickelt wurde, blieben unfruchtbar, u. während auf der einen Seite durch Philo aus Larissa u. Antiochos aus Askalon eine Annäherung zwischen beiden erfolgte, gewann allmälig eine skeptische Richtung, der Zweifel an der Möglichkeit u. Zuverlässigkeit alles wissenschaftlichen Erkennens, nicht blos auf dem Gebiete der P., sondern auch in allen anderen Wissenschaften Grund u. Boden, u. diese Denkart, welche schon Pyrrho (kurz nach Sokrates) vorbereitet u. die sogenannte Empirische Schule der Ärzte, namentlich Änesidemos, fortgesetzt hatte, fand ihren umfassendsten Ausdruck in den Schriften des Sextus Empiricus.

Die Römer, ein schon an sich mehr zu praktischer Thätigkeit als zu geistiger Vertiefung befähigtes Volk, lernten die griechische P. erst in der Zeit ihres Verfalls (ungefähr 150 v. Chr.) kennen, u. obwohl namentlich Cicero durch gewandte, leichtfaßliche, zum Theil nach griechischen Originalen gearbeitete Darstellungen für die Verbreitung der P. in Rom wirkte, so[73] eigneten sich die Römer doch vorzugsweise nur die praktischen Richtungen der Epikureischen (so Lucretius) u. Stoischen Schule an, u. was römische Schriftsteller, wie Seneca u. der Kaiser Marcus Aurelius, in dieser Richtung leisteten, ist auf den Gang der wissenschaftlichen Forschung von keinem bedeutenden Einfluß gewesen. Die trübe Gährung der ersten Jahrhunderte n.Chr. führte überhaupt zu einer Vermischung verschiedenartiger, zum Theil heterogener Elemente (Eklecticismus, Synkretismus), in welcher ein unklares, halb philosophisches, halb religiöses Bedürfniß seine Befriedigung suchte. Während auf der einen Seite die Beschäftigung mit der P. schon bei den alexandrinischen Gelehrten zur Sache der blosen Gelehrsamkeit geworden war, griff man andrerseits in das entlegene Alterthum als Quelle angeblich uralter geheimnißvoller Weisheit zurück; orientalische Vorstellungsarten verschmolzen mit platonischen u. aristotelischen Lehren; die mühsame Anstrengung des forschenden Denkens wurde mit der Behauptung einer unmittelbaren Anschauung des Göttlichen vertauscht; dem unter der Autorität der Offenbarung auftretenden Christenthum eine mystisch philosophische Wunderwelt gegenübergestellt, um durch sie die Anschauungen des antiken Heidenthums zu retten, u. so bezeichnet der Neupythagoreismus u. der alexandrinische Neuplatonismus nicht sowohl eine weitere Entwickelung der alten P., als vielmehr den Kampf einer untergehenden mit einer sich neubildenden geistigen Welt.

Die zweite Hauptperiode der Geschichte der P. bildet die Zeit des sogenannten Mittelalters vom 6._– 15. Jahrh. Abgesehen von den philosophischen Bestrebungen der Araber im 9._– 13. Jahrh. ist diese Periode im Allgemeinen durch die Abhängigkeit der P. von der christlichen Theologie charakterisirt. Der Einfluß des Christenthums als einer geoffenbarten Lehre, die ihrer Natur nach jede Kritik ablehnte, war, wie segensreich auch die dadurch bewirkte Umgestaltung des religiösen Glaubens war, doch der Selbständigkeit der philosophischen Forschung nicht günstig. Zwar empfanden in den ersten Jahrh. n.Chr. die bedeutenderen, namentlich die griechischen Kirchenväter, wie z.B. Clemens von Alexandrien u. Origenes, das Bedürfniß die christliche Lehre mit den Resultaten der hellenischen Bildung zu vermitteln; sie betrachteten die griechische, namentlich die Platonische P. als eine Vorbereitung auf das Christenthum; ebenso stand die Ausbildung u. Fixirung der christlichen Dogmen vielfach unter dem Einflusse eines von der griechischen P. entlehnten Begriffsapparates, u. in der Lateinischen Kirche suchte namentlich Augustinus mit tiefphilosophischem Sinne in die christlichen Dogmen einzudringen; aber zugleich machte sich durch Kirchenlehrer, wie Tertullianus, Arnobius, Lactantius, u. durch Päpste, wie Gregor den Großen, eine fromme Verachtung u. Verdammung der P. als bloser Weltweisheit (Scientia saecularis) geltend u. gelangte in den folgenden, allem wissenschaftlichen Interesse abgewandten, mit kümmerlichen Überbleibseln von dem geistigen Reichthum der alten Welt sich behelfenden Jahrhunderten mit der Ausbildung der Hierarchie zur Herrschaft. Dieses Verhältniß änderte sich auch nicht wesentlich, als im 10. u. 11. Jahrh. an den bischöflichen Schulen u. später an den Universitäten sich wieder eine philosophische Thätigkeit zu regen begann, die durch den Namen der Scholastik bezeichnet wird. Für diese waren die Mysterien der christlichen Dogmatik unantastbare Thatsachen; die Aufgabe der P. war darauf beschränkt, sie mit Hülfe der Logik in ein formelles System zu bringen; u. obwohl der Gesichtskreis der Scholastik sich durch die im 12. Jahrh. eingetretene Kenntniß der physischen u. metaphysischen Schriften des Aristoteles erweiterte, so führte dies doch im Ganzen u. Großen nur zu einer ebenso sklavischen Anhänglichkeit an die aristotelische Lehre, wie die Kirche in Beziehung auf das Dogma forderte. Vor Aristoteles u. dem Dogma beugten sich selbst so eminente Geister, wie Abälard, Albert der Große, Thomas von Aquino, Duns Scotus; auch der Streit zwischen Nominalismus u. Realismus änderte in der Blüthezeit der Scholastik daran nichts; erst im 14. Jahrh., als die Scholastik schon zu sinken begann, wurde er von Einfluß. Seit dem Anfang des 15. Jahrh. fingen innerhalb der Scholastik Symptome des inneren Verfalls dadurch sich zu zeigen an, daß theils die Mystik ihr gegenüber das Bedürfniß einer tieferen religiösen Befriedigung geltend machte, theils innerhalb ihrer selbst der Drang nach freierer Bewegung in der Unterscheidung zwischen philosophischer u. theologischer Wahrheit einen Ausweg suchte. Nach der Eroberung von Constantinopel (1453) trat durch das wiedererwachende unbefangene u. begeisterte Studium des Klassischen Alterthums ein Aufschwung des geistigen Lebens ein, der sehr bald zu heftigen Angriffen auf die Geschmacklosigkeit u. Unfruchtbarkeit der scholastischen Art zu philosophiren führte. Diese allgemeine Bewegung der Geister, deren Verlauf u. Resultat man als die Wiederherstellung der Wissenschaften (Restauratio literarum) bezeichnet, dauerte im 16. Jahrh. fort u. wurde durch die, zum Theil von ihr mitgetragene kirchliche Reformation verstärkt; neben dem erneuerten Studium der antiken Philosophie, namentlich des Plato u. Aristoteles in ihrer ursprünglichen Gestalt (das Mittelalter hatte sich mit meist sehr schlechten Übersetzungen behelfen müssen), gelang es Männern wie Galilei, Toricelli, Copernicus die Grundlagen der modernen Naturwissenschaft zu entdecken u. den Aberglauben an die aristotelische Physik u. Astronomie zu zerstören. Für die P. hatte diese Umgestaltung der geistigen Bestrebungen aber zunächst nicht die Folge einer streng methodischen Erneuerung ihrer Untersuchungen; vielmehr erzeugte sie auf diesem Gebiete ein unruhiges, tumultuarisches, theilweis durch wunderliche Irrwege sich fortarbeitendes Verfahren, dessen gemeinschaftliches Merkmal vorzugsweise in der Überzeugung liegt, daß man mit den Überlieferungen der Scholastik brechen u. nach eigenen Grundsätzen (juxta propria principia) die Erkenntniß suchen müsse. Die Schriften des Mars. Ficinus, Franz Patritius, Giord. Bruno, Andr. Cäsalpinus, Cäs. Baccini, Petr. Pomponatius, Bern. Telesius, Thom. Campanella, Nic. Taurellus u. A. bieten in dieser Beziehung ein sehr buntes Bild kritischer, theosophischer, pantheistischer u. naturphilosophischer Ansichten dar. Zugleich drangen Petr. Ramus auf Vereinfachung der Logik, Mich. Montaigne u. Pet. Charron wendeten ihre reiche Welt- u. Menschenkenntniß auf praktische P. an; Nic. Machiavellin. I. Bodin begannen politische Fragen wieder in den Kreis der philosophischen Erörterung zu ziehen.

Mit dem 17. Jahrh. beginnt nun die dritte[74] Hauptperiode der Geschichte der P., welche man die der neueren P. nennt. Ihre charakteristischen Merkmale liegen nicht nur in der Freiheit u. Unabhängigkeit der philosophischen Forschung von äußerer Autorität, sondern auch in dem Streben nach methodischer, die verschiedenen Probleme der P. gleichmäßig berücksichtigenden Untersuchung. Die beiden Denker, auf welche man die Anfänge der neuern P. zurückführt, sind Baco von Verulam u. René Descartes (Cartesius), u. die Verschiedenheit der Richtungen, welche sie einschlugen, war lange Zeit für die Entwickelung der P. maßgebend. Der Mittelpunkt für die Bemühungen Baco's war Erkenntniß der Natur; er wies vor Allem auf die Erfahrung als die Quelle der menschlichen Erkenntniß hin, d.h. auf sorgfältige, vorurtheilsfreie, möglichst umfassende, durch das Experiment unterstützte Beobachtung der Thatsachen u. vorsichtige, auf den wirklich beobachteten Thatbestand gegründete Ableitung allgemeiner Sätze. Er zeichnete hiermit der Naturforschung die Methode der Induction vor, durch welche dieselbe seitdem so glänzende Fortschritte gemacht hat. Diese empirische Richtung verfolgten in England Thom. Hobbes u. John Locke. Bei dem Letztern tritt schon der von Kant in anderer Weise wiederaufgenommene Gedanke hervor, daß die Untersuchung des menschlichen Erkenntnißvermögens eine Vorarbeit für jeden Versuch einer Metaphysik sei, u. dadurch erhielt die P. eine vorzugsweise psychologische Richtung. Metaphysik als Erkenntniß des Wesens der Dinge erschien als unmöglich; gerade der Empirismus des Hobbes u. Locke führte zu der Einsicht, daß der sinnlich gegebene Erfahrungsstoff uns nur Erscheinungen erkennen lasse, u. daraus erklärt sich, daß sich aus ihm bei Berkelei eine idealistische, bei Dav. Hume eine skeptische Richtung entwickelte. Andererseits lag in der Beschränkung des Wissens auf das erfahrungsmäßig Gegebene die Gefahr einer Zurückdrängung u. Verkennung der sittlichen u. religiösen Interessen; eine gegen sie sich negativ u. polemisch verhaltende, rein sensualistische u. materialistische Richtung charakterisirt die französische P. des 18. Jahrh., wie sie bei den sogen. Encyklopädisten (Condillac, Diderot, D'Alembert, La Mettrie, Voltaire, Helvetius etc.) in verschiedenen Abstufungen hervortrat. Ein ernsterer Sinn für Religion u. Moral durchdringt die Schriften der englischen u. schottischen Moralphilosophen, Psychologen u. Metaphysiker, Ad. Ferguson, Fr. Hutchinson, Ad. Smith, Dav. Hartley, Thom. Reid, Dug. Stewart etc.

Im Gegensatze zu Baco hatte Descartes unter Hinweisung auf das Ich als den durch keinen Zweifel anzutastenden Träger alles Denkens in gewissen angebornen Begriffen, namentlich dem Gottes, die Grundlage der wahren Erkenntniß gesucht u. einen Dualismus der geistigen u. denkenden, sowie der körperlichen u. ausgedehnten Substanz an die Spitze seiner Weltansicht gestellt. Der große Einfluß, welchen er auf sein Zeitalter ausübte, hatte aberweniger in seiner Metaphysik, als vielmehr darin seinen Grund, daß er theils die Mathematik in glänzender Weise erweiterte, theils durch seine Corpuscularphilosophie (mechanische Naturphilosophie), d.h. durch eine modificirte Wiederherstellung des Atomismus, eine im Vergleich mit der aristotelisch scholastischen Lehre von den substanziellen Formen für die Erklärung der materiellen Welt viel fruchtbarere Lehre aufgestellt zu haben schien. Die speculativen Elemente der Cartesianischen Lehre kamen vorzugsweise bei Malebranche u. bei B. Spinoza zur Geltung, welcher Letztere aus dem Begriffe der Substanz ein durchgeführtes u. in sich geschlossenes pantheistisches System ableitete. Deutschland trat in den Kreis der Bestrebungen der neueren P. durch G. W. Leibnitz ein, welcher in seiner aus einer Reaction gegen die herrschende Corpuscularphilosophie hervorgegangenen Monadologie einen Standpunkt gewonnen zu haben glaubte, von welchem aus sich eine Einsicht in die relative Wahrheit der verschiedensten metaphysischen Lehrmeinungen gewinnen lasse. Die Art, wie Chr. Wolff u. seine zahlreichen Anhänger die Leibnitzische Lehre benutzten, rechtfertigt nur zum Theil die gewöhnliche Bezeichnung Leibnitz-Wolffsche P.; Wolff bewegt sich vielfach insofern wieder auf dem Boden der Scholastik, als er eine Frage beantwortet zu haben glaubt, wenn er von den Begriffen, auf welche sie sich bezieht, eine Nominaldefinition gegeben hat; aber er hat jedenfalls das Verdienst, die gesammten philosophischen Wissenschaften in ein großes systematisch geordnetes Lehrgebäude vereinigt zu haben, wozu ihm seine Fertigkeit in der Handhabung der logischen Formen u. sein unermüdlicher Fleiß ganz bes. befähigten. Der in seinen Schriften mit großer Behaglichkeit sich ausbreitende Dogmatismus konnte die Bedürfnisse eines scharfen Denkens nicht befriedigen; aber das sinkende Ansehn dieses Dogmatismus machte in Deutschland zunächst einer auf Faßlichkeit u. Gemeinnützigkeit hinarbeitenden Popularphilosophie Platz, welche, indem sie nach Aufklärung strebte, doch jeder tiefern theoretischen Untersuchung aus dem Wege zu gehen u. mit den strengen Forderungen der Sittlichkeit durch eine schlaffe Glückseligkeitslehre sich abzufinden suchte.

Gleichwohl war das Zeitalter von vielfachen geistigen Interessen durchdrungen; den bedeutendsten Einfluß darauf hatte der Aufschwung, welchen die deutsche Nationalliteratur durch Winckelmann, Lessing, Herder, Goethe erhielt; die Begeisterung für Kunst u. Poesie begegnete sich mit einem lebhaften Interesse für allgemeine Cultur, Erziehung, Verbesserung des öffentlichen Lebens, u. so fand Imman. Kant, mit welchem der zweite Hauptabschnitt der Geschichte der neuern P. beginnt, in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrh. einen überaus empfänglichen Boden. Sein Unternehmen, durch Kritik der menschlichen Erkenntnißvermögen die gesammte P. zu reformiren, mit der Nachweisung der von der Erfahrung unabhängigen Grundlagen der Erkenntniß zugleich die unüberschreitbaren Grenzen derselben für immer festzustellen u. das die Grenzen der Erfahrung überschreitende Gebiet des religiösen Glaubens u. der sittlichen Überzeugungen vor den Angriffen eines sensualistischen Skepticismus zu sichern, fand seine Ausführung in dem von ihm aufgestellten transscendentalen od. kritischen Idealismus, welcher den dogmatischen Behauptungen der älteren Schulmetaphysikalle Berechtigung absprach u. die unbedingte Gültigkeit des Sittengesetzes als das wahre u. allein haltbare Motiv des Glaubens an Gott, Freiheit u. Unsterblichkeit geltend machte. Die in Deutschland eine Zeit lang fast allgemein herrschende Lehre Kants wurde der Ausgangspunkt einer Anzahl bedeutender, rasch auf einander folgender philosophischer Systeme, deren durch I. G. Fichte, Schelling u. Hegel bezeichnete[75] Hauptströmung durchaus in der Richtung des Idealismus liegt. Die Wendung, welche die P. in Deutschland dadurch nahm, daß Fichte den in Kants Lehre liegenden kritischen Idealismus zu einem auf die Spitze des Begriffs vom Ich gestellten streng durchgeführten subjectiven Idealismus entwickelte, welchen Schelling unter dem Einfluß der spinozistischen Lehre durch seine Identitätsphilosophie, Hegel durch einen absoluten Idealismus überbot, welcher Gott u. die Welt als den dialektischen Proceß der sich selbst darstellenden, sich in der Welt zum Bewußtsein bringenden absoluten Idee zum Gegenstand eines ebenfalls absoluten Wissens gemacht zu haben glaubte: diese Wendung hat einen den eigenen Absichten des nüchternen Kant schnurstraks entgegengesetzten Verlauf gehabt. Den Gegensatz dazu bieten die Untersuchungen I. F. Herbart's, welcher, abgesehen von dem eigenthümilchen Charakter seiner Ethik, zunächst in den Widersprüchen, in welche sich schon der Fichte'sche Idealismus verwickeln mußte, die Veranlassung fand, die Probleme der Metaphysik schärfer zu bestimmen u. methodischer zu sondern, als dies bis dahin geschehen war, u. welcher durch eine scharfsinnige Kritik nicht der Erkenntnißvermögen, sondern der Erkenntnißbegriffe zu einer realistischen Metaphysik geführt worden ist, deren Resultate für die Psychologie stillschweigend vielfach in den wissenschaftlichen Gedankenkreis des Zeitalters übergegangen sind, für deren Anwendung auf die speciellen Fragen der Naturphilosophie aber nur noch sehr unsichere Anfänge vorhanden sind. Bei der lebhaften philosophischen Thätigkeit, welche in Folge dieser umfassenden philosophischen Leistungen in Deutschland im 19. Jahrh. stattgefunden hat, haben sich neben denselben u. mehr od. weniger unter ihrem Einflusse mannigfaltige Richtungen u. Ansichten geltend zu machen gesucht, u. es ist in dieser Beziehung vorzugsweise an die Glaubensphilosophie Fr. H. Jacobi's, die Umbildung der Lehre Kants durch Krug u. Fries, die philosophischen Arbeiten Fr. Schleiermachers, I. C. F. Krause's, Franz von Baaders, Chr. H. Weisse's, H. I. Fichte des Jüngeren, Ad. Trendelenburgs, H. Lotze's (s.d. a.) zu erinnern. Dennoch hat der rasche Wechsel der philosophischen Systeme, von denen die meisten mit den Ansprüchen apodiktischer Gewißheit auftraten, ohne diese Ansprüche rechtfertigen zu können, das natürliche Band zwischen der P. u. den übrigen Wissenschaften gelockert; an die Stelle der während einiger Jahrzehnte herrschenden philosophischen Aufregung ist eine Erschlaffung getreten, welche sich darin zu erkennen gibt, daß die übrigen Wissenschaften ihren Weg unabhängig von der P. gehen u. das noch vorhandene philosophische Interesse sich mehr auf die Geschichte der P., als die P. selbst bezieht. Gleichwohl ist die Zeit von Kant bis auf die Gegenwart eine der reichsten Perioden für die Geschichte der philosophischen Versuche, u. weder Frankreich noch England (Italien u. Spanien sind das erstere nicht seit dem 15. Jahrh., das letztere niemals von eingreifender Bedeutung für den Gang der philosophischen Forschung gewesen) haben etwas aufzuweisen, was mit den Anstrengungen des speculativen Denkens in Deutschland verglichen werden könnte. Vgl. W. T. Krug, Allgemeines Handwörterbuch der philosophischen Wissenschaften, 2. A., Lpz. 1833 f.; W. G. Tennemann, Geschichte der P., Lpz. 1798–1819, 11 Bde.; Windischmann, Die P. im Fortgang der Weltgeschichte, Bonn 1827–1832, 3 Thle.; G. Ritter, Gesch. der P., Hamb 1829–53, 12 Bde.; I. Fr. Fries, Geschichte der P., Halle 1837–40, 2 Bde.; E. G. Reinhold, Handbuch der allgem. Gesch. der P., 1828 f., 3 Bde., 3. A. Jena 1845; Derselbe, Lehrbuch der Geschichte der P., Jena 1836, 3. A. 1849; A. Gladisch, Die Religion u. P. in weltgeschichtlicher Entwickelung, Bresl. 1852; L. Strümpell, Geschichte der griechischen P., Lpz. 1854 u. 1861, 2 Thle.; Chr. Aug. Brandis, Handbuch der Geschichte der griechisch-römischen P., Berl. 1835–57, 2 Thle.; Ed. Zeller, Die P. der Griechen, Tübing. 1844–52, 3 Thle., 2. A. 1856 ff.; Schmölders, Essay sur les écoles philosophiques des Arabes, 1843; H. Ritter, Über unsere Kenntniß der arabischen P., Götting. 1844; Joh. Huber, Die P. der Kirchenväter, Münch. 1859; Ed. Röth, Geschichte der abendländischen P., Manh. 1846–58, 2 Bde.; I. Erdmann, Versuch einer wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der neuern P., Lpz. 1836–53, 3 Bde.; K. Fischer, Geschichte der neuern P., Manh. 1854–60, 3 Bde.; M. Carrière, Die philosophische Weltanschauung im Zeitalter der Reformation, Stuttg. 1847. Über die Bedeutung der Kunstausdrücke, durch welche man die Verschiedenheit der philosophischen Richtungen in Beziehung theils auf ihre Methode, theils auf ihre Resultate bezeichnet, wie z.B. Dogmatismus, Kriticismus, Skepticismus, Empirismus, Sensualismus, Materialismus, Spiritualismus, Rationalismus, Realismus, Idealismus, Monismus, Dualismus, Pantheismus, Theismus, Deismus etc. s.d. a.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 71-76.
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Anonym

Schau-Platz der Betrieger. Entworffen in vielen List- und Lustigen Welt-Händeln

Schau-Platz der Betrieger. Entworffen in vielen List- und Lustigen Welt-Händeln

Ohnerachtet Schande und Laster an ihnen selber verächtlich / findet man doch sehr viel Menschen von so gar ungebundener Unarth / daß sie denenselben offenbar obliegen / und sich deren als einer sonderbahre Tugend rühmen: Wer seinem Nächsten durch List etwas abzwacken kan / den preisen sie / als einen listig-klugen Menschen / und dahero ist der unverschämte Diebstahl / überlistige und lose Räncke / ja gar Meuchelmord und andere grobe Laster im solchem Uberfluß eingerissen / daß man nicht Gefängnüsse genug vor solche Leute haben mag.

310 Seiten, 17.80 Euro

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Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

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