Blüthe [1]

[921] Blüthe (Bot.), im weiteren Sinne die Organe, durch welche die Frucht gebildet wird. Bei den Algen, Pilzen u. Flechten entwickelt sich die Pflanze aus einer nackten, od. zuweilen bei den beiden letzteren aus einer umhüllten od. doppelten Zelle, u. entbehrt aller zusammengesetzten Organe, also auch der B.; bei den übrigen Kryptogamen, die nur mit Stängel u. Blatt auftreten, sind die dem Pollen verwandten Keimkörner u. ihre Hüllen zwar schon als besondere Organe auftretend, aber doch verdienen sie noch nicht den Namen B. ganz; denn diese erscheint erst ganz als solche bei den Phanerogamen, wo sie aus den eigentlichen, od. wesentlichen B-ntheilen (Befruchtungswerkzeugen), den B-nhnilen u. Nebentheilen besteht. I. Wesentliche Blüthentheile u. B. im engeren Sinne, auch, weil durch sie die Fortpflanzung vermittelt wird, Befruchtungstheile sind: A) die Staubgefäße (Stamina), die das männliche Geschlecht in der Blume repräsentirenden, meist um die Staubwege herumstehenden Theile. Sie bestehen; a) aus dem Staubfaden (Träger, Filamentum), als dem unteren stielartigen, oft auch fehlendem Theile. Staubfäden sind hinsichtlich ihrer Verbindung mit einander: frei (Filamenta libera), bis auf den Grund von einander abgesondert; verwachsen (F. connata), u. zwar entweder alle in eine den Staubweg umgebende Röhre (einbrüderig, monadelphia), od. in zwei (zweibrüderig, diadelphia), od. mehrere (polyadelphia) Haufen verwachsen. Hinsichtlich des Orts, wo sie stehen: gegenüber (opposita), den Kelch- od. Blumenblättern, abwechselnd (alterna). den Zwischenräumen entsprechende. Sie stehen am Kelche (Stamina calyci inserta, St. perigyna), od. an der Blumenkrone (Stam. corollae inserta); die Blumenblätter einer vielblätterigen Corolle, so mit einander verbindende Staubfäden, daß diese das Ansehen einer einblätterigen gewinnt (Stamma sympetalica); am Staubwege (gynandria); am Blütheboden (St. receptaculo inserta, Thalamostemones) od. in Nebenblumenblättern (Parapetalostemones). Hinsichtlich der Form: sehr verschieden gebildet. Hinsichtlich der Richtung: gerade (recta), mit den Spitzen gegen einander geneigt (conniventia), gekrümmt (incurva), niedergebogen (declinata), aufrecht (erecta). Hinsichtlich des Verhältnisses zu einander: gleich (aequalia), ungleich (inaequalia), u. zwar zweimächtig (didynamia), wenn von. 4 Staubfäden 2, viermächtig (tetradynamia), wenn 4 von 6 länger sind; unregelmäßig (irregularia), an Größe, Gestalt, Richtung verschieden. b) Der Staubbeutel (Anthera), der auf den Staubfäden ruhende, hohle, zellige, den Samenstaub enthaltende Theil, hinsichtlich seiner Gestalt verschieden, hinsichtlich seiner Befestigung auf dem Träger: aufrecht (erecta), mit der Basis, aufliegend (incumbens), mit einer Seite, also wagerecht auf der Spitze des Trägers befestigt; beweglich (versatilis), angewachsen (adnata), gleichsam dachförmig auf dem Träger sitzend u. an beiden Seiten desselben verwachsen; sitzend (sessilis), ohne Staubfäden. Im Verhältniß zu einander: frei (liberae), nicht verwachsen; zusammenhängend (cohaerentes), durch Häkchen, Borsten, Wolle, leicht mit den nebenstehenden verbunden; verwachsen (connatae), unter einander in eine Röhre (symphyantherae, Syngenesisten); doppelt (didyma), zu 2 auf einem Staubfaden verbunden; beisammenstehend (consociatae), mehrere frei auf einem Träger u. zwar 2: gepaart, geminatae, 3: ternatae. Der innere Raum ist ungetheilt; einfächerig (unilocularis) od. zweifächerig (bilocularis) durch eine Scheidewand getheilt; sie öffnen sich: an der Seite (latere dehiscens) od. an der Spitze (apice dehiscens). Der Mittelnerv, der noch über den Staubbeutel hinausgeht u. die Scheidewand (Dissepimentum) bildet, wird das Connectivod. Mittelbund (Connectivum) genannt. Die Form der Staubbeutel ist verschieden; bald sind sie kugelrund (Antherae globosae), bald nierenförmig (A. reniformes), länglichrund (A. oblongae), schmal (A. lineares), pfeilförmig (A. sagittatae), doppeltpfeilförmig (A. utrinque sagittatae), d.h. an beiden Enden pfeilförmig, zweihörnig (A. bicornes). d.h. mit zwei hornförmigen Fortsätzen an der Spitze, od. gegrannt (A. aristatae), d.i. in einen borstenförmigen Fortsatz auslaufend. c) Der Blüthenstaub (Pollen), der in dem Staubbeutel enthaltene sehr seine, die Narbe befruchtende u. so die Erzeugung vollkommenen Samens vermittelnde Staub, besteht aus einer meist kugeligen od. elliptischen Zelle, die zuweilen auf der Oberfläche gekörnt, stachelig od. netzförmig, meist bunt gefärbt ist u. ein kleberiges Öl absondert. An der äußeren Pollenhaut bemerkt man häufig regelmäßig vertheilte[921] Einfaltungen, in denen sich sehr oft an einer od. mehreren Stellen eine Art Poren finden. Zuweilen fehlen auch diese Falten u. die Poren liegen frei da. Kommt nun das Pollenkorn mit der Narbenfeuchtigkeit od. dem Honigsafte der B. in Berührung, so wächst ihre innere Haut aus einer od. mehreren der Poren in Form eines oft sehr langen Schlauches heraus. Bei den Orchideen hängen die ganzen Pollenkörper durch eine kleberige Masse zusammen, u. bei den Asklepiaden bildet die ganze Pollenmasse einen kleinen zelligen Körper. B) Pistill (Staubweg, Stempel, Pistillum), weibliche Befruchtungstheile, welche aus dem Samenstaub die befruchtende Flüssigkeit an sich ziehen, das in ihnen enthaltene Pflanzenei zum Samen entwickeln u. endlich theilweise selbst zur Frucht (s.d.) werden. Sie haben ihren Platz jederzeit in der Mitte der B. u. bestehen: a) aus dem Fruchtknoten (Germen, Eierstock, Ovarium), dem untersten, einfachen od. zusammengesetzten, aufsitzenden (sessile), od. gestielten (pedicillatum), oberen (superum), d.h. völlig bis unterhalb seiner Basis von der Blume umschlossene, od. unteren (inferum), unter- u. außerhalb der Blume befindlichen Theile, aus welchem sich die Frucht entwickelt u. der aus einem od. mehreren Fruchtblättern besteht, welche die Anfänge des Samens, als kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen (Eierchen, Samenknospen, Ovula) umschließen. b) Der Griffel (Stylus, Tuba), welcher die Narbe (s.u. c) trägt, oft aber auch fehlt, steht bald auf der Spitze des Fruchtknotens (Endgriffel Stylus terminalis), bald an der Seite (Seitengriffel, St. lateralis), od. nahe am Grunde desselben (Grundgriffel, St. basilaris). Er findet sich von verschiedener Gestalt, Richtung u. Dauer, einfach, ungetheilt, 2- od. mehrspaltig (fissus, bi-, trifidus) ebenso bis zur Hälfte (divisus) od. über dieselbe (partitus), mehrfach getheilt, auch in mehrfacher Zahl. Der Griffel ist oft mit Haaren bedeckt u. diese hat man Sammelhaare (Pili collectores) genannt, weil der B-nstaub oft an ihnen hängen bleibt. c) Die Narbe (Stigma). Der obere, vor der Befruchtung feuchte, kleberige, drüsige, zur Aufnahme des Samenstaubs bestimmte, nach der Befruchtung vertrocknende, meist auf dem Griffel, oft auch unmittelbar auf dem Fruchtknoten sitzende (sessilis), nie fehlende, aber an Zahl, Theilung, Gestalt, Stand u. Oberfläche sehr verschiedene Theil des Pistills. Bei den meisten phanerogamischen Pflanzen sind Staubgefäße u. Pistille in einer B., die dann Zwitter-B. (Flos hermaphroditus) heißt, vereinigt, bei vielen aber auch getrennt in verschiedenen Blumen. Solche heißen: B-n mit getrenntem Geschlecht, eingeschlechtige B-n (Flores diclini), u. Blumen, die blos Staubgefäße enthalten, heißen männliche (Flores masculi), solche, die blos Staubwege haben, weibliche B-n (Flores foeminei). Sind weibliche u. männliche B-n auf einem u. demselben Stamme, so ist dies eine Pflanze mit halbgetrenntem Geschlecht od. einhäusig (Planta monoica); finden sich männliche u. weibliche B-n so getrennt, daß eine ganze Pflanze blos männliche, eine andere blos weibliche hat, so sind dies Pflanzen mit ganz getrenntem Geschlecht, zweihäufige (Plantae dioicae). Pflanzen, welche auf demselben Stamm eingeschlechtige u. Zwitterblumen tragen, heißen Plantae polygamae. Sind bei Zwitterblumen eines Stammes wechselseitig in der einen die Staubgefäße, in der anderen die Staubwege unfruchtbar, so heißen erstere weibliche, letztere männliche Zwitterblumen (Flores hermaphroditi foeminei, masculi); B-n ohne alle Geschlechtstheile sind taub od. geschlechtslos (Fl. neutri).

II. Weniger wesentlich, nicht zur Befruchtung nothwendig, doch aber zur Darstellung einer vollständigen B. (Flos completus) erforderlich, sind die Blüthendecken od. Blüthenhüllen, Blume (Integumenta floralia), u. zwar wenn deren, wie meistens, 2 vorhanden sind: als innere (Blumenkrone) u. äußere (Kelch), Perianthium internum et externum unterschieden. A) Die Blumenkrone (Corolla), die die Befruchtungstheile zunächst umgebende, durch feineres Gewebe u. schönere Farbe ausgezeichnete, nicht von der Oberhaut der Pflanze überzogene, daher auch nicht mit Spaltöffnungen versehene, u. dadurch sich von dem Kelche unterscheidende Hülle aus getrennten od. mit einander zu einer Röhre verwachsenen Blumenblättern (Petala) bestehend. Die Blumenkrone steht entweder auf dem Fruchtknoten (obere, Corolla supera), od. ist, diesen umschließend, mit ihrer Basis unter demselben an den Stiel geheftet (untere B., Cor. infera). Sie ist ferner a) einblätterig (monopetala) od. richtiger verwachsenblätterig (gamopetala): aa) regelmäßige. Man unterscheidet an dieser: α) die Röhre (Tubus), den unteren röhrigen Theil; β) den Schlund (Faux) die Grenze zwischen der Röhre u. γ) dem Rande (Saum, Limbus), dem erweiterten, meist zurückgebogenen Theile, welcher ungetheilt (integer) gezähnt (dentatus), in mehrere Theile (Lappen, Lobi, Laciniae) gespalten od. getheilt (limbus bi-, tri-, quatri-, quinquefidus s. partitus) sein kann. Eine solche Blumenkrone heißt nach ihrer Gestalt: röhrig (tubulosa) keulenförmig (clavata), kugelrund (globosa), krugförmig (urceolata), glockenförmig (campanulata), becherförmig (cyathiformis), trichterförmig (infundibuliformis), präsentirtellerförmig (hypocrateriformis), radförmig (rotata) etc. bb) Unregelmäßige einblätterige Blumen. Sie stehen meist horizontal u. sind einlippig (unilabiata), wenn die eine Hälfte der Röhre in einen breiten Lappen verlängert ist, während die andere wie abgeschnitten erscheint; zungenförmig (lingulata), wenn dieser Lappen lang u. schmal, z-B. bandförmig, ist; zweilippig (bilabiata), u. zwar: rachensoförmig (ringens), maskirt (larvenförmig, personata, larvata). Bei diesen ist zu unterscheiden: die obere u. untere Lippe (Labium superius et inferius), der Helm (Galea), der Rachen (Rictus), der Schlund (s. oben aa) β), der Gaumen (Palatum), der Bart (Barba, Labellum), der Sporn (Calcar). b) Vielblätterige Blumenkrone, bestehend aus mehreren mit einander verwachsenen Theilen, welche Blumenblätter (Petala), genannt werden. An letzteren unterscheidet man: einen breiteren oberen Theil, die Platte (Lamina), u. einen schmäleren, oft verlängerten, oft auch fehlenden, den Nagel (Unguis), mit welchem es an den Blüthenboden befestigt ist. Nach der Zahl der Blumenblätter heißt[922] eine Blumenkrone 2-, 3-, 4-, 5–vielblätterig (bi-, tri-, tetra-, pentra-, polypetala). Man unterscheidet: aa) mehrblätterige regelmäßige Blumenkronen u. unter diesen: die kreuzförmige (Corolla cruciata s. cruciformis), mit 4 einander kreuzweis gegenüberstehenden Blumenblättern (z.B. bei dem Rübsamen); die lilienartige (Cor. liliacea), mit sechsblätteriger einfacher B-nhülle, von der man auch die 3 äußeren Blätter als Kelch, die 3 inneren als Blumenkrone betrachtet; die mierenförmige (Cor. alsineformis, s. stellarinca), mit 5 kurzgenagelten Blumenblättern, öblätterigem Kelch; die nelkenförmige (C. caryophyllacea), mit 5 breitgeplatteten, langgeiagelten Blumenblättern, einblätterigem Kelch; die rosenförmige (C. rosacea), mit 5 ausgebreiteten, sehr kurz genagelten Blättern, fünfspaltigem, selten zehnspaltigem Kelche u. zahlreichen Staubgefäßen u. Pistillen; malvenartige (C. malvacea), fünfblätterig, am Grunde mit der Staubfädenröhre verwachsen. bb) Die mehrblätterige unregelmäßige Blumenkrone. Hierher gehört: die schmetterlingsförmige (Cor. papilionacea), bestehend aus der Fahne (Vexillum), den Flügeln (Alae), dem Schiffchen (Carina); die vielblätterige rachenförmige (Cor. ringens polypetala), z.B. Gladiolus communis, Balsamine; die zweiflügelige (Cor. diptera s. bialata), mit zwei besonders großen Blumenblättern; die gespornte (C. calcarata), z.B. Rittersporn etc.; die kappenförmige (C. cucullata), die orchisartige (C. orchidea), rachenförmig, oft gespornt, mit 6 Blättern, von denen die oberen als Helm aufrecht stehen, die unteren als Bart ausgebreitet u. von verschiedener Form sind, das mittele der oberen zuweilen eine große gespornte Honiglippe bildend. B) Nebenblüthetheile, welche auf der Corolle u. zwischen ihr u. den Staubgefäßen stehen u. nicht selten zum Schutze od. zur Absonderung eigenthümlicher Stoffe, z.B. des Honigsaftes, dienen. Die Nebenkrone (Corolla spuria, Paragonium, Parapetala), den Blumenblättern an Substanz ähnlich, nach Gestalt, Größe u. Stand verschieden. Hierher gehören: die Klappen (Fornices), kleine Verlängerungen der Blumenblätter, meist zur Bedeckung der Staubgefäße; der Bart (Barba), dicht zusammenstehende, kurze Haare in der Öffnung des Kelchs, der Blume od. auf den Blumenblättern; der Faden (Filum), lange, dicke, krautartige, bald gerade (rectum), bald hornförmig gebogene (corniculatum), den Grund der Blume durch ihre Menge verschließende Körper; der Kranz (Corona) verschieden gestaltet, der Blume selbst sehr ähnlich, bald einblätterig (monophylla, bei Narcissus), bald mehrblätterig (bei Silene), kappenförmig (stylostegium, bei Asclepias), das Pistill bedeckend; Stimmgabel (Anthocorynium), keulenförmiger, gabelförmig getheilter, gefärbter, horizontal, gleichsam reitend am Blumenstiele sitzender Nebenkheil, bei der Gattung Surubea. Nebenstaubgefäße (Parandria): Nebenstempel (Paragyula), Nebenfruchtknoten (Parametrium), Nebenhoniggefäße (Paranectaria), welche das Ansehen der genannten Organe, aber ohne Samen, Narbenfeuchtigkeit, Pollen od. Nectar haben. Die Honiggefäße (Nectaria), welche einen süßen Saft (Honigsaft, Nectar) bereiten u. absondern, haben meist die Gestalt einer Drüse (Honigdrüse, Glandula nectarifera) von verschiedener Größe u. Stellung, bald sitzend (sessilis), bald gestielt (petiolata), kugelig (globosa), flach (plana), zusammengedrückt (compressa). becherförmig (cyathiformis); auch die Form einer Schuppe (Squama nectarifera), od. einer Vertiefung (Porus nectarifer). Zu den Nectarien steht das Saftmaal (Nectarastigma) in Beziehung, ein meist anders gefärbter Strich od. Flecken an den Blumenblättern in der Nähe des Neciariums u. zu diesen hinführend Zur Aufbewahrung des Honigsaftes dienen eigene, oft wesentlich zur Corolle gehörende Behältnisse (Receptacula nectaris, Nectarotheca). Sie sind: gefaltet (plicata) durch die Falte der einwärts gebogenen Blume, grubig (foveolata) durch eine Vertiefung an einem Theile derselben gebildet; kappenförmig (cucullata), spornförmig (calcarata) u. enthalten oft auch die absondernde Drüse in sich. C) Der Kelch (Calyx, Perianthium), die sich unmittelbar unter den Blüthentheilen od. der Blumenkrone findende, dieselbe kreisförmig umgebende, vor dem Aufblühen einschließende, meistens grüne u. festere, oft auch fehlende äußere Decke der Blume, von der Blumenkrone, welcher er oft an Färbung u. Gestalt gleicht (Calyx corollinus), u. wenn sie fehlt, als Ersatz dient, durch die ihn außen überziehende Fortsetzung der Oberhaut des ihn tragenden Pflanzentheiles, u. die dieser eigenthümlichen Spaltöffnungen kenntlich, ist bisweilen so mit Blumenblättern verwachsen, daß seine äußere Fläche die angegebenen Kennzeichen, die innere, die der Blumenkrone zeigt, wo er dann als Blumenkelch (Calyx corollaceus) bezeichnet wird. Der Kelch ist a) seinem Stand nach: ein oberer (Cal. superus), wenn er auf dem Fruchtknoten; ein unterer (C. inferus), wenn er mit seiner Basis unter der des Fruchtknotens angewachsen ist; ein umgebender (Cal. perigynus, Germen cingens), wenn er mit seiner Basis den Fruchtknoten kranzartig umgibt; ein entfernter (C. remotus), wenn der verlängerte B-nstiel den Fruchtknoten über die Basis des Kelches erhebt; b) der Zahl nach: einfach (C. simplex), doppelt (duplex), gekelcht (calyculatus), wenn seine Basis einige kleine Blättchen umschließen; c) seiner Zusammensetzung nach: einblätterig (verwachsenblätterig, C. monophyllus), wenn seine Blätter ganz od. doch von der Basis aus mit einander verwachsen sind; vielblätterig (polyphyllus), wenn er aus mehreren, ganz von einander getrennten Theilen, Kelchblätter Sepala genannt, besteht; d) der Gestalt nach bezeichnet man ihn auf dieselbe Weise, wie die Korolle, u. er kann demnach bald radförmig, bald trichterförmig, glockig, kugelig, becherförmig etc., bald vier- od. mehrblätterig od. vier- od. mehrtheilig genannt werden; e) dem Rande nach: gefranzt (C. ciliatus), am Rande mit parallelen Haaren besetzt; gegrannet (aristatus), mit in eine Granne sich endigenden Zähnen; gespalten (fissus s. fidus), höchstens bis zur Hälfte eingeschnitten; getheilt (partitus), über die Hälfte eingeschnitten etc.; f) der Blüthenzahl nach, die er umschließt: nur einer angehörig, wie in den meisten Fällen, od. mehrere auf gemeinschaftlichem B-nboden stehende B-n umfassend: [923] gemeinschaftlicher Kelch Anthodium, Cal. communis, Perianthium commune). wie z.B. bei den Scheibenkopf- u. Häuschenblättern. In letzterem Falle ist er bald blätterig (foliaceus), bald schuppig (squamosus), dornig (spinosus), wenn die Schuppen in dornartige Spitzen endigen, einfach (simplex), wenn die Blätter od. Schuppen nur eine Reihe bilden; gestrahlt (radiatus), wenn er aus mehreren Reihen besteht u. die Blätter der inneren sehr verlängert sind; dachziegelförmig (imbricatus), wenn immer die Spitzen der unteren Reihen, die Basis der oberen bedecken; sparrig (squarrosus), wenn die Spitzen der Blätter od. Schuppen abstehen. Diese können übrigens auch stachelig, gewimpert, trockenhäutig etc. sein. Eine Blüthe heißt vollständig (Flos completus), wenn sie neben den wesentlichen, inneren Theilen auch Kelch u. Krone besitzt; unvollständig (Fl. incompletus), wenn einer od. der andere dieser Theile fehlt; vollkommen (Fl. perfectus), wenn alle Theile gehörig gebildet sind; verstümmelt od. unvollkommen (Fl. imperfectus s. mutilatus), wenn sie nicht die ihnen zukommende Ausbildung besitzen. Gefüllte Blume (Flores pleni), deren sämmtliche Staubgefäße, auch wohl Griffel u. Nectarien, sich in Blumenblätter, od. bei zusammengesetzten B-n, deren Scheibenblümchen sich in Strahlenblümchen verwandelt haben; volle B. (Fl. multiplicati), wenn sich aus einem Theil der Staubgefäße 2,3–4 Reihen (daher Fl. duplices. triplices etc.) Blumenblätterbilden; sproßende B. (Fl. proliferi), wenn aus einer B. eine od. mehrere B-n hervorkommen.

Besonderer Erörterung bedarf die B. der Gräser. Bei der Gras-B. heißen die B-nhüllen: Bälge (Glumae): a) der nach innen, zunächst den Befruchtungstheilen gelegene zärtere Blumenbalg (Gl. corollina, Glumella), bestehend aus Stelzen (Valvulae corollae). Blättchen, von denen das innere häutig, die äußere grün ist; b) der äußere, jene umschließende Kelchbalg (Gluma calycina) umfaßt bald eine, bald mehrere Blumen (Gl. cal. uni-. bi-, multiflora). besteht aus 1,2 od. mehreren Blättchen: Klappen (Valvulae calycinae), ist bald grün, bald anders gefärbt. Beiderlei Bälge sind bald beide, bald nur einer mit einer Granne (Arista) versehen (aristatae), bald auch ohne dieselbe, unbewehrt (inermes s. mutilae). Die Granne, eine längere od. kürzere, faden- od. borstenförmige Spitze, kann von der Spitze (Endgranne, Arista terminalis), vom Rücken (Rückengranne, A. dorsalis) od. von der Basis (Grundgranne, A. basilaris) der Klappen od. Spelzen ausgehen, u. überdies nackt (nuda), federartig (plumosa) rauch (aspera), gerade (recta), gedreht (tortilis), zurückgekrümmt (recurvata), gegliedert (articulata), gekniet (geniculata) sein. Vgl. die Familie der Gramineen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 921-924.
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