Bamberg [1]

[259] Bamberg (sonst Bisthum, jetzt Erzbisthum). Das Bisthum B. ward 1007 durch Kaiser Heinrich II. gestiftet u. mit dem Bezirk um B., der früher Eigenthum seiner Gemahlin Kunigunde gewesen war u. zu den Sprengeln der Bischöfe von Eichstädt u. Würzburg gehört hatte, dotirt. Heinrichs II. Kanzler Eberhard ward erster Bischof, hielt 1011 das Bamberger Concil, wegen Streitigkeiten der deutschen [259] Bischöfe u. st. 1040; Snidger von Meyendorf, ebenfalls Kanzler der Kaiser Heinrich II. u. Konrad II., folgte ihm, wurde 1046 als Clemens II. Papst u. st. 1047 zu Pesaro. Die folgenden Bischöfe Hertwig u. Albero, Herzöge von Kärnthen, (1054–57) regierten ruhig, nur Günther 1057 bis 1065 zog mit einem Heer nach Palästina, starb aber 1066 in Ungarn, u. Hermann (I.), 1066 bis 1075, u. Rupert, 1075–1102, geriethen mit dem Papst in Differenz u. in den Bann, Letzter wurde jedoch losgesprochen u. wieder eingesetzt. Von u. unter diesen Bischöfen wurden fast alle Stiftungen 1. Klöster in u. um B. gegründet. Unter Rupert brannte die Domkirche ab. Sein Nachfolger, St. Otto von Mistel- (Müssel-) bach in Schwaben, st. 1139 u. wurde 1189 canonisirt. Seit Egilbert (1139–46) wurden die Bischöfe nicht mehr vom Kaiser eingesetzt, sondern vom Domcapitel gewählt, obgleich die Kaiser bis 1398 auf dieses Vorrecht Anspruch machten. So Eberhard (nach Ein. Herzog von Baiern, nach And. Herr von Reiffenberg in der Wetterau) bis 1170, Hermann (II.), Otto II. bis 1196, Thymo bis 1202, Konrad bis 1203; Ekbert (Egbert), Graf von Andechs, Sohn des Herzogs Berthold von Meran (1203 bis 1237), stand auf der päpstlichen Partei gegen König Philipp u. gerieth 1208 in Verdacht, mit Otto von Wittelsbach bei der Ermordung Philipps auf der Altenburg einverstanden gewesen zu sein. Er mußte deshalb nach Ungarn flüchten, wurde der bischöflichen Würde entsetzt, in die Acht erklärt u. erst 1214 vom Kaiser Friedrich II. wieder eingesetzt. 1218 zog er nach Palästina, stritt nach seiner Rückkehr mit dem Herzog Bernhard von Kärnthen wegen der Bambergischen Güter, in welcher Fehde er 1233 gefangen wurde u. sich durch großes Lösegeld freikaufen mußte, u. st. 1237 als kaiserlicher Statthalter zu Wien. Als sein Nachfolger Poppo 1242 wegen Verschwendung der Kirchengüter vom Kaiser Friedrich II. aller Würden entsetzt worden war, wurde Heinrich von Schmiedfeld (1242 bis 1256) Bischof, welchem der Kaiser zuerst den Titel eines Fürstbischofs gab. Dessen Nachfolger waren: Berthold, Graf von Leiningen bis 1285, Arnold, Graf von Solms bis 1296, Leopold I. von Grindlach bis 1304, Wulfing von Stubenberg in Kärnthen bis 1319, der erste vom Papst ernannte Bischof von B.; Johann von Göttingen bis 1324; Heinr ich von Sternberg bis 1328, vorher Predigermönch, Werner (Wertho) bis 1335, Leopold II. von Egloffstein bis 1343, Friedrich I. von Hohenlohe, Leupold von Babenberg (s.d.) bis 1356; Friedrich II., Graf von Truchending, starb vor der Inthronisation u. nun folgte Ludwig, Markgraf von Meißen, bis 1373. Diese Bischöfe thaten viel für das Stift B. u. erwarben schöne Güter. Lambert von Burn (1374–98) ist bes. dadurch merkwürdig, daß er in Folge seiner großen Verschwendung mehrere neue Abgaben einführte, bes. eine Abgabe auf Getränke, weshalb bedeutende Gährung entstand, welche aber bald wieder unterdrückt wurde. Der sehr verhaßte Bierpfennig (Lambertiner) blieb aber. Albert, Graf von Werthheim, sein Coadjutor u. Nachfolger, st. 1421; Friedrich von Aufseß (1421–31), der frömmste Fürst seiner Zeit, legte die Regierung 1431 nieder u. st. 1440. Anton von Rotenhan (1431–91) ward 1435 von der Stadt B. wieder vertrieben, erklärte sie deshalb mit Erlaubniß des Papstes Eugen IV. in den Bann, eroberte sie, hob viele Gerechtsame der Bürger auf u. strafte mehrere derselben am Leben. Seine Verschwendung aber, bes. durch Hang zur Alchymie erregt, zwangen ihn, viele Güter an Juden zu verpfänden. Georg I. von Schaumberg (1459–75, st. 1479), beförderte die Buchdruckerkunst, u. Philipp, Graf von Henneberg (1475–87), vertrieb die Juden aus B. u. sammelte große Schätze, die seinem Nachfolger Heinrich III., Groß von Trockau (1487–1501), in seinen Kämpfen gegen den Markgrafen Kasimir von Brandenburg gut zu statten kamen. Der treffliche Veit I., Truchseß von Pommersfeldern, st. schon 1503, u. Georg II., Marschall von Ebnet, 1505; Georg III., Erbschenk von Limburg, (1505–22), war vertrauter Rathgeber des Kaisers Maximilian I., er verstattete Gewissensfreiheit, stand mit Luther im Briefwechsel u. verbot die Bekanntmachung der gegen diesen gerichteten päpstlichen Bulle. Sein Nachfolger Weigand von Redwitz (1522–56) dagegen widersetzte sich der Ausbreitung der Lutherischen Lehre, mußte sich aber wegen des Bauernaufstandes auf die Altenburg flüchten u. sah sich 1535 dennoch genöthigt, die Ausübung der Lutherischen Lehre zu erlauben, wodurch er die Hälfte seines Kirchensprengels verlor. Unter ihm verheerte der Markgraf Albrecht von Brandenburg das Hochstift wiederholt. Georg IV. von Rügheim (1556–61) u. Veit II. (1561–77) bemühten sich, die Wunden des Landes zu heilen, u. der Letztere hinterließ beträchtliche Schätze, welche Joh. Friedrich Zobel von Giebelstadt (1577 bis 1580) durch Bauen u. Gartenanlagen auf dem Geiersworthe wieder verschwendete. Martin von Eyb (1580–83) u. Ernst von Mengersdorf (1583–91) beschäftigten sich nur mit dem Innern, von Letzterem rührt das Ernestinische Priesterhaus (s. Bamberg [Geogr.]) u. das Gymnasium illustre (s. ebd.) her. Unter Neithard von Thungen (1591–98) wurden die Protestanten verfolgt. Johann Philipp von Gebsattel (1599–1609) förderte die katholische Liga u. Joh. Gottfried von Aschhausen (1609–22) rief 1610 die Jesuiten ins Land, war gegen die katholische Geistlichkeit sehr streng u. verfolgte wie Joh. Georg II. von Dornheim (1622–33) die Protestanten, mußte aber 1631 bei dem Einfall der Schweden nach Kärnthen flüchten. Auch sein Nachfolger Franz von Hazfeld (1631_–42), Bischof von B. u. Würzburg, mußte flüchten, worauf sich Herzog Bernhard von Weimar des Landes bemächtigte u. daraus u. aus Würzburg das Herzogthum Franken bilden wollte, woran ihn aber der Tod hinderte. Melchior Otto (1642–53) verwandelte 1647 das Gymnasium illustre in eine Universität (s. Bamberg [Geogr.]), Dessen Nachfolger Philipp Valentin von Rieneck (1653–72), Peter Philipp von Dernbach (1672–83) u. Marquard Sebastian von Stauffenberg (1683–93) sorgten für die innere Wohlfahrt, bes. für Schulen u. Bauten. Lothar Franz, Graf von Schönborn (1693–1729), zugleich Coadjutor von Mainz, leistete in den Kriegen jener Zeit dem Kaiserhause treffliche Dienste gegen Frankreich; auch für B., wo er sich zwar wenig aufhielt, thater doch durch den Bau der Residenz u. der Schlösser Pommersfelden u. Gaibach viel. Friedrich Karl von Schönborn (1729–46), zugleich Fürstbischof[260] von Würzburg, gab der Universität eine medicinische u. juristische Facultät. Philipp Anton von Frankenstein (1746–53) u. Franz Konrad von Stadion (1753_–57) genossen einer ruhigen Regierung; Adam Friedrich, Graf von Seinsheim (1757–79), unter dessen Regierung während des 7jährigen Krieges Seuchen, Feinde u. Hungersnoth B. hart bedrängten, so wie Franz Ludwig von Erthal (1779–95), thaten viel für das Land, die Gesetzgebung u. die gleiche Vertheilung der Staatslasten. Der Letztere stiftete das allgemeine Krankenhaus in B. u. legte die Badehäuser in Bocklet an. Christoph Franz von Buseck 1795, der letzte Fürstbischof von B., mußte schon 1796 vor den Franzosen nach Prag u. 1799 nach Saalfeld flüchten, u. ließ 1800 seinen Neffen, Georg Karl von Fechenbach, zu seinem Nachfolger erklären. Aber, bevor Christoph Franz noch starb, wurde B. 1802, in Folge des Luneviller Friedens, säcularisirt u. das Hochstift, damals 65 QM. u. 207,000 Ew., dem Kurfürsten von Baiern übergeben, der dasselbe zum Obermain- u. Rezatkreise (j. Ober- u. Mittelfranken) schlug. Der Bischof Christoph Franz wurde pensionirt u. st. 1805. An die Stelle des ehemaligen Bischofs ist seit 1817 ein Erzbischof getreten, zu dessen Diöces die Bisthümer Würzburg, Eichstädt u. Speier gehören. Als erster Erzbischof wurde Josepha. Stubenberg berufen; diesem folgten: 1821 Joseph Mariav. Fraunberg (s.d.), u. als dieser 17. Jan. 1842 starb, Bonifaz Kaspar v. Urban. Vgl. Eisenmann, Geographische Beschreibung des Erzbisthums B., 1833; Jäck, Geschichte B-s, 1806–1809, 4 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 259-261.
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