Leipzig

[251] Leipzig, 1) Kreisdirectionsbezirk des Königreichs Sachsen, gebildet 1835 aus dem ehemaligen Leipziger Kreise, zu welchem noch Theile des ehemaligen Meißnischen u. Erzgebirgischen Kreises geschlagen sind, 63,14 QM. umfassend, zählt in 37 Städten, 3 Marktflecken u. 941 Dörfern 467,040 meist protestantische Einwohner; südlich nur durch Vorberge des Erzgebirges etwas bergig (Rochlitzer Wald, Kolmberg), sonst meist eben u. fruchtbar; Flüsse: die beiden Mulden, die sich hier vereinigen u. deren Thäler manche landschaftliche Schönheit bieten, die Elster u. Pleiße; Producte: Getreide, Obst, Ölgewächse, wenig Holz, Zuchtvieh; Gewerbe: viel Fabriken; Handel, wichtig, vor Allen in der Hauptstadt; Behörden, s.u. Sachsen (Königreich); Eintheilung: in vier Amtshauptmannschaften (Borna, Grimma, Rochlitz u. Döbeln) u. in fünf Gerichtsbezirke: das Bezirksgericht Leipzig mit den Gerichtsämtern Leipzig I. u. II., Brandis, Markrannstädt, Taucha u. Wurzen; in das Bezirksgericht Borna mit den Gerichtsämtern Borna, Frohburg, Grimma, Lausigk, Pegau, Rötha u. Zwenkau; in das Bezirksgericht Rochlitz mit den Gerichtsämtern Kolditz, Geithain, Geringswalde, Hartha, Leisnig u. Penig; in das Bezirksgericht Mittweida mit den Gerichtsämtern Mittweida, Burgstädt, Hainichen, Roßwein u. Waldheim; u. in das Bezirksgericht Oschatz mit den Gerichtsämtern Oschatz, Döbeln, Mügeln, Strehla u. Wermsdorf. 2) Bezirksgericht u. zwei Gerichtsämter in obengenanntem Kreisdirectionsbezirk, von welchen das Gerichtsamt I. in 1 Stadt (Leipzig) u. 23 Dörfern 91,360 Ew., das Gerichtsamt II. aber in 41 Dörfern 24,360 Ew. zählt. 3) Hauptstadt des gleichnamigen Kreisdirections- u. Gerichtsbezirks im nordwestlichen Theile Sachsens, in einer großen u. fruchtbaren Ebene, welche von den die Stadt zum Theil berührenden u. sich in deren Nähe vereinigenden Flüssen Elster (mit Luppe), Pleiße u. Parthe, sowie deren zahlreichen Armen reichlich bewässert wird u. durch den Wechsel von sorgfältig angebauten Feldern, Wiesen u. schönem Laubwald, sowie durch dichtgereihte, meist wohlhabende u. volkreiche Dorfschaften sehr beleht erscheint; zerfällt in die innere Stadt, die Vorstädte u. die neuen Anbaue. Die innere Stadt, die nur etwa 3/4 Stunden im Umfang hat, war früher befestigt, doch wurden seit 1784 die Festungswerke fast vollständig abgetragen u. die vier Thore u. acht Pförtchen allmälig (zuletzt das erst 1722 neuerbaute Petersthor im März 1860) niedergerissen, so daß die innere Stadt nach allen Seiten hin offene Ausgänge nach den Vorstädten besitzt u. von diesen nur durch die ringsum laufenden Promenaden u. Parkanlagen geschieden wird. Entsprechend der administrativen Eintheilung der inneren Stadt in vier (Grimmaisches Hallesches, Ranstädter u. Peters-) Viertel unterscheidet man die Grimmaische od. Dresdener, die Hallesche, die Ranstädter od. Frankfurter, die Peters- od. Zeitzer Vorstadt; dazu kommen noch die erst im 18. Jahrh. angelegte Johannisvorstadt u. erst seit 1834 entstanden im Osten der Stadt die Friedrichsstadt u. Marienstadt, die Äußere Zeitzer Vorstadt im Süden u. an der Westseite der Stadt (dem ehemaligen Reichelschen u. Rudolfschen Gärten) der nach seinem Begründer (E. K. E. Heine) benannte Heinesche Anbau od. die Westvorstadt. Im Süden entstand seit 1832 das Johannisthal, eine große u. freundliche Anlage von Privatgärten, von denen jedoch schon ein Theil im Frühjahr 1860 zu Bauplätzen verkauft wurde. Unter den zahlreichen öffentlichen Plätzen L-s sind hervorzuheben: der Marktplatz in der inneren Stadt mit dem Rathhaus, der Augustusplatz, der mit dem Roßplatze u. weiter dem Königsplatze (mit der Marmorstatue des Königs Friedrich August I.) u. dem kleineren Obstmarkte eine zusammenhängende Reihe von Plätzen zwischen der inneren Stadt u. den Vorstädten bildet, etc. Die neuen Anbaue u. zum großen Theil auch schon die inneren Vorstädte tragen in Bezug auf Architektur u. Anlage ganz modernen Charakter. Die Comptore u. Verkaufslokale der bedeutendsten Handelshäuser befinden sich meist in der inneren Stadt, namentlich in dem Theile, wo sich der Meßverkehr concentrirt (in Meßlage); in einem anderen Theile (Grimmaisches Viertel der inneren Stadt u. mehreren Straßen der Dresdener Vorstadt) ist der Sitz des Buchhandels. Die Gesammtzahl der Häuser beläuft sich auf 2500; die Straßen werden äußerst reinlich gehalten, zu beiden Seiten in der inneren Stadt fast vollständig, in den Vorstädten erst zum Theil mit breiten Trottoirs versehen u. durch Gas erleuchtet. Durch ein Kloakensystem findet Unrath, Regen- u. Schneewasser ihren Abzug; die hölzerne Röhrenleitung, welche jetzt nur die innere Stadt u. einen Theil der Vorstädte von der Wasserkunst aus mit fließendem Wasser versieht, wird in nächster Zeit durch eine großartige Wasserleitung für die gesammte Stadt ersetzt werden. Die Zahl der meist lutherischen Einwohner war Anfang 1860 bereits auf 74,600 (ohne das Militär) gestiegen.[251] L. besitzt nur wenige Bauwerke, die in architektonischer Beziehung ausgezeichnet zu werden verdienen. Unter den 8 lutherischen Kirchen sind die Thomaskirche (1496 eingeweiht) u. die Nikolaikirche (1525 eingeweiht, 1785–96 restaurirt) die Hauptkirchen; die Pauliner- od. Universitätskirche (1240 erbaut) erhielt 1841 ein Denkmal des Markgrafen Diezmann von Meißen; die übrigen 5 (Neukirche, Peterskirche, Johanniskirche [mit Gellert's Denkmal], Georgen- u. Jakobikirche) sind ohne Bedeutung, ebenso die Kirche der Reformirten u. die beiden Bethäuser der Griechen. Die katholische Kirche wurde 1845–47 in Gothischem Styl, die Synagoge 1855 in Maurischem Styl erbaut. Sonst sind merkwürdige Gebäude: in der inneren Stadt das Rathhaus am Markte (1556 erbaut), die Pleißenburg (das Schloß), die frühere 1549 von Kurfürst Moritz erbaute Citadelle L-s, seit 1818 theilweise umgebaut od. mit modernen Aufbauen versehen, jetzt theils zur Kaserne, theils zum Local für einige königliche Behörden u. Institute, der dickrunde Thurm seit 1790 zum Observatorium (das jedoch durch eine neu vor der Stadt zu erbauende Sternwarte ersetzt werden soll) eingerichtet, die Börse, das Gewandhaus mit Stadtbibliothek, Concertsaal u. Ballsaal. Unter den neueren Bauwerken zeichnen sich vor Allem aus: das Augusteum, 1831–1836 ausgeführt, an der Westseite des Augustusplatzes, nebst der Umgebung Sitz der Universität, u. das Museum, an der Südseite des Platzes, 1857–59 im Palaststyl erbaut. Sonst sind noch zu nennen: zunächst von den Gebäudender Universität das Fridericianum, das Mauricianum, ganz zu Läden u. Miethlocalen benutzt, u. das im Frühjahr 1860 begonnene Palais mit der Wohnung für die königliche Familie (am Ritterplatz u. Park); ferner von anderen öffentlichen Gebäuden: das Postgebäude, die Deutsche Buchhändlerbörse, die Erste u. Dritte Bürgerschule, die Georgen- od. Fleischhalle (1859 vollendet); unter den fünf Bahnhöfen der Baierische (Westliche Staatsbahn), der Thüringische (1857) u. der Berliner (1859). Unter den Privatgebäuden sind in künstlerischer Hinsicht hervorzuheben: das Römische Haus (auf Kosten des Dr. Härtel gebaut, jetzt der Baumgärtnerschen Familie gehörig), die Centralhalle, die Freimaurerloge in der Elsterstraße (vereinigt Apollo u. Balduin), mehrere sehr ansehnliche, ganz od. theilweise für Zwecke des kaufmännischen Verkehrs bestimmte Häuser (Tuchhalle, Leinwandhalle, Kaufhalle, Hotel de Pologne etc.), wozu noch mehrere, in der zweiten Hälfte des 17. u. der ersten des 18. Jahrh. erbaute große Häuser reicher Kaufleute sich gesellen, wie Koch's, Hohmann's, Auerbach's Hof (früher der Bazar von Deutschland, noch jetzt mit Auerbach's Keller, der in Goethe's Faust eine Rolle spielt), Große Feuerkugel, Hohenthal's, Stieglitz's, Barthel's Hof etc. Unter den Gärten sind berühmt der Löhr'sche (jetzt Keil'sche) u. der Gerhard'sche (sonst Richter'sche, dann Reichenbachsche), letzter wegen des Denkmals des Fürsten Poniatowski, welcher hier am 19. Octbr. 1813 an einer, durch einen Stein bezeichneten Stelle in der Elster seinen Tod fand (der Reichelsche u. Rudolfsche sind jetzt bebaut, ebenso der früher Bose'sche, später Reimersche); in horticulturhistorischer Hinsicht sind der Botanische (Trier'sche) Garten, sowie die von Frege, Laurentius u. A. hervorzuheben. Der Friedhof zu St. Johannis (dessen ältester Theil jedoch 1850 abgeräumt wurde), welcher wie der 1845 angelegte Neue Gottesacker (vor dem Hospitalthore) gartenähnlich von den Leipzigern gepflegt wird, ist reich an Grabmälern berühmter Verstorbener (Spohn, Gellert, Pölitz etc.); vgl. die Schriften über denselben von Gretschel (Lpz. 1836) u. Heinlein (ebd. 1837); sehr einfach ist der Friedhof am Jakobshospital; einen besonderen Begräbnißplatz besitzen die Israeliten (im Johannisthal) u. wollen die Katholiken anlegen (vordem Zeitzer Thor). Denkmäler: das eherne Standbild Thaer's (von Rietschel), seit 1850 in der Promenade zwischen Roßplatz u. Bürgerschule, seit Ende 1859 am Ausgang der Universitätsstraße, Gellerts Denkmal (von Öser) in den Promenaden auf dem Schneckenberge u. in einem anderen Theile des Parks ein Denkstein auf den Bürgermeister K. Wilh. Müller (st. 27. Febr. 1801), auf dem Theaterplatz eine sitzende Statue Hahnemann's (von Steinhäuser, seit 1851), in der Nähe der Thomasschule die Denkmäler Hillers u. Seb. Bachs (1843).

L. ist Sitz der Kreisdirection für den Leipziger Kreisdirectionsbezirk, eines Appellationsgerichts, eines Bezirksgerichts (dessen eine Abtheilung das Handelsgericht bildet), der Oberpostdirection für das Königreich Sachsen, des Kreissteuerraths für den zweiten Steuerkreis, der Landeslotterie, der Direction der Westlichen Staatseisenbahn, Hauptzoll-, Hauptsteuer- u. Rentamt, die Verwaltung der Leipziger Zeitung u. anderer Behörden. Der Stadtrath besteht aus 1 Bürgermeister, 1 Vicebürgermeister, 7 besoldeten u. 12 unbesoldeten Stadträthen; die Zahl der Stadtverordneten beträgt 60. Unter den Anstalten u. Einrichtungen für die gemeine Wohlfahrt sind bes. hervorzuheben: die gut organisirten Feuerlöschanstalten, das 1826 eingerichtete Pfand- u. Leihhaus, mit welchem eine Sparkasse verbunden ist, die Anstalt für Arbeitsnachweisung, die Speiseanstalt, die Darlehnanstalt für Gewerbtreibende (seit 1858), der Sparverein, die Armenanstalt, die 1853 ein neues Armenhaus aufführen ließ. Stiftungen u. Vereine für wohlthätige Zwecke sind: das städtische Jakobshospital (dient zugleich für die Universität als medicinische Klinik), die Heilanstalt für Augenkranke (1820 von Ritterich gestiftet, seit 1823 als klinisches Institut benutzt), das Taubstummeninstitut u. mehre Kleinkinderbewahranstalten. Privatunternehmungen sind das Orthopädische Institut (1831), die homöopathische Berathungsanstalt u. dergl. mehr; ferner die Irrenheilanstalt von Güntz im nahen Stötteritz, die Erziehungsanstalt von Kern für Blödsinnige (seit 1859 in Möckern, vorher in Gohlis). Für alte Leute besteht das reich dotirte Hospital zu St. Johannis, als Versorgungsanstalt dient das Georgenhaus (bisher zugleich auch Arbeitshaus für Freiwillige, Correctionsanstalt u. Waisenhaus); ferner bestehen noch zahlreiche Wittwen-, Kranken-, Begräbnißkassen etc.

L. ist nächst Hamburg die bedeutendste Handelsstadt Deutschlands u. einer der wichtigsten Handelsplätze der civilisirten Welt überhaupt; das Meiste haben hierzu unstreitig die Messen beigetragen. Sie sind a) die Oster- od. Jubilatemesse, welche stets mit dem Sonntag Misericordias Domini (dem zweiten Sonntag nach Ostern, die eigentliche Meßwoche mit dem Sonntag Jubilate) beginnt; b) die Michaelismesse, welche mit Anfang der Woche beginnt, in welche der Michaelistag fällt, u. c) die Neujahrsmesse, welche mit dem 27. December[252] anfängt. Die Ostermesse ist die bedeutendste, die Michaelismesse nur wenig geringer, die Neujahrsmesse weniger bedeutend. Jede dieser Messe dauert drei Wochen, die eigentliche Meßwoche ist die, wo den Sonntag vorher die Messe eingeläutet wird, ihr geht die Böttcherwoche voraus, wo schon Meßfreiheit, d. h. Erlaubniß für Jeden ist, gegen ein gewisses Standgeld feil zu halten (doch ist diese Erlaubniß für Juden u. für gewisse Handwerke, z.B. Schuhmacher, kürzer), u. folgt die Zahlwoche nach, wo am Donnerstag Zahltag, am Freitag Assignationstag ist. Ungeachtet dieser gesetzlichen Zeit u. ungeachtet das frühere Auslegen der Waaren u. das Ausstecken von Meßfirmen bei Geldstrafe verboten ist, werden doch die wichtigsten, bes. die Geschäfte en gros, in der Vorwoche, d. h. in der Woche vor der Böttcherwoche, gemacht. Schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. hatte L. besuchte Märkte; 1183 verordnete Markgraf Otto der Reiche, daß 2 Meilen um L. kein Jahrmarkt abgehalten werden solle, welcher der Stadt Nachtheil bringen könnte. Es bestanden seitdem nur die privilegirten Jubilate- u. Michaelismärkte (die aber im 15. Jahrh. noch keine Messen waren), bis 1458 Friedrich der Sanftmüthige den Neujahrsmarkt hinzufügte, der 1466 vom deutschen Kaiser Friedrich III. privilegirt wurde. Neu bestätigt wurden alle drei Privilegien 1497 durch Kaiser Maximilian I., welcher alle Märkte in den Bisthümern Magdeburg, Halberstadt, Meißen, Erfurt u. Naumburg, welche L. nachtheilig werden könnten, untersagte. Die Stadt wachte eifersüchtig über ihre Vorrechte u. gerieth deshalb vielfach in Streit mit den anderen Marktplätzen, namentlich mit Naumburg, weshalb sich der Rath seine Privilegien, wozu unterdessen noch das Stapel- u. Niederlagsrecht gekommen war, noch durch eine päpstliche Bulle vom 8. Dec. 1414 bestätigen ließ. Seitdem fand der Meßhandel seinen Schwerpunkt in Leipzig, gegen welches viele andere Makte (wie Halle, Erfurt, Jena, Weißenfels, Langensalza, Meißen, Zeitz, Naumburg u.a.m.) ihre Bedeutung verloren. Das Kipper- u. Wipperunwesen, wie die Drangsale des Dreißigjährigen Krieges schadeten zwar den Messen sehr, doch vermochten sie nur vorübergehend den Aufschwung derselben niederzuhalten. Zwar verlor L. im Anfang des 18. Jahrh. das Stapelrecht, dagegen überflügelte es gegen Ausgang desselben Frankfurt a. d. O. Während die Continentalsperre nicht unvortheilhaft wirkte, übten die Ereignisse von 1813, weiter die Theilung Sachsens, die Prohibitivmaßregeln des Auslandes, das Absperrungssystem Preußens, die Elbschifffahrt, die eingeführten Accisefixationen u. anderes mehr einen sehr nachtheiligen Einfluß insbesondere auf L-s Handel. Allein einen neuen Aufschwung nahmen die Messen wie der ganze Leipziger Handel in Folge des Beitritts Sachsens zum Deutschen Zollverein 1833, sowie namentlich seit Eröffnung der Leipzig-Dresdener Eisenbahn (begonnen 1835, in ihrer ganzen Ausdehnung eröffnet 1839), durch welche der erste Anstoß zur Anlegung größerer Eisenbahnen gegeben wurde. Derselben folgten 1840 die Magdeburg-Leipziger, 1843 die Sächsisch-Baierische (jetzt Westliche Staatsbahn), 1856 die Thüringer u. 1859 die Berliner Bahn, deren Bahnhöfe sämmtlich durch eine Verbindungsbahn (seit 1851) in Zusammenhang stehen. L. ist gegenwärtig einer der wichtigsten Knotenpunkte des deutschen Eisenbahnnetzes, welches sich namentlich in den umliegenden Theilen des mittleren Deutschlands immer mehr verzweigt u. somit die Ackerbau- u. Bergwerksdistricte, wie die zahlreichen Fabrikorte mit L. in nächste Verbindung setzt. Eisenbahnen nach Grimma etc. zum Anschluß an die Östliche Staatsbahn, wie nach Eilenburg etc. zur directen Verbindung mit Frankfurt a. d. O. sind projectirt. Seit 1834 hat sich der Meßverkehr in L. verdreifacht; während 1834 die Waarenzufuhr aus dem Zollvereinsgebiet nur 131,182 Centner, die der fremden Waaren 31,000 Centner betrug, wurden 1854 an vereinsländischen Waaren 359,543, an fremden 11,746 Centner declarirt. Diese Waarenzufuhr vertheilte sich auf die Ostermesse mit 160,000, auf die Michaelismesse mit 150,000, auf die Neujahrsmesse mit 60,000 Centnern. Die Leipziger Messen sind daher die bedeutendsten in Deutschland, da von der gesammten Waarenmasse, die auf die deutschen Messen gelangen, allein 46 Proc. nach L. auf den Markt kommen (Frankfurt a. d. O. 36 Proc., Frankfurt a. M. 15 Proc., Braunschweig nur 5 Proc.). Die wichtigsten Waarengattungen sind: Baumwollenwaaren, Glas, Leder, Seidenwaaren, Leinwand, Wollenwaaren (Tuch etc.), Kurz- u. Galanteriewaaren, Pelzwerk, Holzwaaren, Häute, Felle, Wolle, Thierhaare, Bettfedern etc. L. ist der Hauptplatz für fremde Baumwollenartikel (Frankfurt a. d. O. für vereinsländische) wie für vereinsländische Wollenwaaren; für Leder aus den Vereinslanden ist L. mit Frankfurt a. M., für seidene u. halbseidene mit Frankfurt a. d. O. der größte Markt; in Leinenwaaren ist L. u. Frankfurt a. d. O., ebenso auch in Glas allen übrigen Plätzen voraus; für Rauchwaaren u. Bettfedern ist L. der Hauptplatz. Der Handel der eigentlichen Leipziger Firmen beschäftigt sich theils mit dem Vertrieb der Landesproducte u. der Erzeugnisse der städtischen Industrie, theils mit Zinn, Blech, Smalte, Alaun, Eisen, Kohlen u. anderen Mineralproducten, Porzellan u. Steingut, Leinen- u. Weißwaaren, Leder, Tuch, Papier, Kattun, Spitzen, Stickereien, Gold- u. Silberarbeiten, Wolle, Pferden etc. Der sehr besuchte Wollmarkt wird im Juni (seit. 1826) abgehalten. Die seit 1842 bestehende Ölbörse wurde 1853 mit einer Productenbörse vereinigt. Den Zwischenhandel beschäftigen hauptsächlich Colonialwaaren, Seidenstoffe, Rauchwaaren, Droguen, Färbehölzer, Weine; hierzu kommen bedeutende Speditions-, sowie ansehnliche Commissions-, Export- u. Wechselgeschäfte. Zur Erleichterung des Verkehrs bestehen in L. verschiedene Geldinstitute, vor Allem die Bank (seit 1838), sowie Auswechselungskassen der Weimarischen, Geraer u. der Anhalt-Dessauischen Landesbank u. der Privatbanken von Gotha, Lübeck u. Rostock, die Allgemeine deutsche Creditanstalt (seit 1855), der Erbländisch-Ritterschaftliche Creditverein, die Landständische Hypothekenbank des Markgrafenthums Oberlausitz zu Bautzen, Feuerversicherungsgesellschaft u. Mobiliarbrandversicherungsbank, Lebens, versicherungsanstalt, Flußassecuranzcompagnie, Allgemeine Sächsische Lehrerbrandversicherungsgesellschaft, Hagelschädenvergütungsgesellschaft, die Rentencapital- u. Lebensversicherungsbank Teutonia. Für die Heranbildung des Kaufmannsstandes, der übrigens in L. in die Kaufmannschaft, welche nur Grossohandel treibt, u. die Mitglieder der Kramerinnung, welche allein zum Detailhandel berechtigt[253] sind, getheilt wird, sorgt seit 1831 die Handels-schule; zur weiteren Ausbildung der jüngeren Glieder derselben hat sich 1858 der kaufmännische Verein gebildet.

Ein Hauptzweig des Leipziger Handels ist der Buchhandel, der sich seit Anfang des 16. Jahrh. zum Theil von Frankfurt am Main nach L. zog; gegenwärtig ist L. der Hauptstapel- u. Commissionsplatz des gesammten deutschen u. zum Theil auch ausländischen Buch-, Kunst- u. Musikalien-handels (s. Buchhandel). Die Buchhändler theilen sich in Verlags-, Commissions- u. Sortimentsbuchhändler; seit 1825 besteht der Allgemeine Börsenverein der deutschen Buchhändler, der am Platze eine Börse erbauen ließ u. das Börsenblatt herausgibt. Ende Februar 1860 bestanden in L. 187 Buch-, Kunst- u. Musikalienhandlungen, 47 Druckereien mit 135 Buchdrucker- u. 105 Schnellpressen (worunter 3 doppelte), welche über 900 Drucker u. Setzer beschäftigen; ferner 11 Schriftgießereien, 5 Notendruckereien, zahlreiche Kupfer- u. Steindruckereien, Ateliers für Kupfer- u. Stahlstich, Lithographie u. Xylographie; an 100 Buchbindereien u. viele Papierhandlungen. Mehrere größere u. kleinere Buchhandlungen haben auch umfassende Antiquariate errichtet; jährlich werden mehrmals in den beiden Auctionsanstalten von Hartung u. I. O. Weigel große Bücherauctionen abgehalten. Durch den Buchhandel sind nicht nur viele damit in näherer u. fernerer Verbindung stehende Zweige des Handels, wie der künstlerischen u. technischen Industrie, ungewöhnlich belebt, sondern auch eine große Anzahl von Literaten nach L. gezogen u. zahlreiche journalistische Unternehmungen hervorgerufen wurden. So erscheinen außer vielen wissenschaftlichen od. unterhaltenden (Gartenlaube, Familienjournal etc.) od. blos zur Anzeige bestimmten periodischen Schriften, vier größere politische Blätter (die officielle Leipziger Zeitung, die Deutsche Allgemeine Zeitung, das Leipziger Journal [seit 1860], die Illustrirte Zeitung), drei größere Anzeigeblätter (Leipziger Tageblatt, Dorfanzeiger, Generalanzeiger) etc. (s. Zeitungen u. Zeitschriften). Eine Bildungsanstalt für Buchbändlerlehrlinge wurde 1853 errichtet.

Obgleich die meisten städtischen Gewerbe mehr od. minder fabrikmäßig betrieben werden, so ist doch L. keine eigentliche Fabrikstadt. Von hervorragenden Fabriketablissements, die meist auf den benachbarten Dörfern liegen, sind zu nennen: zwei Kammgarnspinnereien zu Pfaffendorf u. Eutritzsch, eine Waggonfabrik (der Leipzig-Dresdener Eisenbahn), eine Rübenzuckerfabrik in Mockau, eine Teppichmanufactur in Plagwitz, zwei Dampfwalzmühlen (in der Stadt u. Neuschönefeld), einige Sägewerke, einige Kattundruckereien; die Seidenmanufacturen, wie Gold- u. Silbergespinnst, haben sich stets nicht lange erhalten können. Auf bedeutender Höhe behaupteten sich jedoch die Fabriken für Wachstuch, Tabak, ätherische Öle u. andere Chemikalien, Liqueure u. Essenzen, die Ölraffinerien; ferner die Production don Weißzeug, künstlichen Blumen, Stickereien aller Art, Putz- u. Modewaaren, Gold- u. Silberarbeiten, Hüten, Seife u. Licht, Parfümerien, Spielkarten u. anderen Artikeln für das Leben u. namentlich den Luxus. Bierbrauerei wird in fünf großen Etablissements (worunter die sehr ansehnliche Vereinsbrauerei) betrieben. Für Hebung der Gewerbsthätigkeit wirkt seit 1824 die Polytechnische Gesellschaft, die seit 1829 eine Sonntagsschule für Lehrlinge unterhält. Viele Leipziger Kaufleute besitzen oft sehr bedeutende Fabriken in den eigentlichen Fabrikstädten Sachsens u. der Nachbarländer.

Unter den Wissenschaftlichen Anstalten steht die Universität oben an. Sie wurde 1409 von 2000 aus Prag einwandernden Studenten begründet mit Erlaubniß des Papstes (9. Sept. 1409) u. von diesem am 4. Dec. 1409 (dem eigentlichen Stiftungstage) bestätigt. Die Gesammtheit der Lehrer u. Studenten theilte sich in vier Nationen (Sachsen, Meißner, Franken [nachher Baiern] u. Polen); die Universität erhielt drei Häuser (Großes u. Kleines Fürstencollegium u. Frauencollegium), viele Freiheiten u. die Einkünfte von drei Dörfern (Hohenheida, Göttsprina, Merkwitz) überwiesen, auch erhielt sie 1413 vom Papst Johann XXIII. sechs Canonicate. Der Reformation leistete die Universität hartnäckigen Widerstand. Gewissermaßen ihr zweiter Stifter wurde Kurfürst Moritz, der ihr das Paulinerkloster nebst der Paulinerkirche, reiche Einkünfte aus den eingezogenen Gütern der Klöster auf dem Petersberge u. in Pegan, ferner fünf Dorfschaften, 325 Acker Waldung (das Universitätsholz) etc. überwies. Zugleich wurde das Convict begründet, in welchem 1860 über 250 arme Studirende speisen. Kurfürst August errichtete zwölf Professuren u. veranlaßte eine Universitätsordnung; Christian I., August der Starke u. namentlich König Friedrich August I. ließen sich die bessere Ausstattung der Hochschule angelegen sein. 1829 wurde zur besseren Verwaltung der ökonomischen Angelegenheiten eine eigene Rentverwaltung eingesetzt; die alte Verfassung erlag namentlich seit 1830 vielen Veränderungen; die letzte Umgestaltung datirt von 1850 (Umänderung 1860). Unter den Regierungen der Könige Anton, Friedrich August II. u. namentlich Johann ist sehr Vieles, theils für Steigerung der Einkünfte (durch Neubauten, bessere Verwerthung der Grundstücke etc.), theils für die Sammlungen der Universität geschehen. Die Leipziger Universität hat sich während. der ganzen Zeit ihres Bestehens den Ruf einer der ausgezeichnetsten deutschen Hochschulen bewahrt. Sie zählte in den letzten Jahren über hundert Professoren u. Docenten, sowie zwischen 800 u. 850 Studenten. Das Vermögen der Universität ist sehr bedeutend; die Vermächtnisse zu Stipendien, Freitischen, Benefizien aller Art betragen allein an 750,000 Thlr.; sie besitzt allein in der Stadt 37 Hausgrundstücke. Zur Universität gehören die Universitätsbibliothek (1543 gegründet, 1660 an 124,000 Bände stark, mit 2000 Handschriften u. einer bedeutenden Münzsammlung); das Anatomische Institut mit Sammlung; die Sternwarte mit Bibliothek u. Instrumentensammlung; der Physikalische Apparat; das Chemische Laboratorium; das Naturhistorische Museum (im Augusteum); der Botanische Garten; die Archäologische Sammlung (im Fridericianum); das Pharmakognostische Museum; die Hebammenschule mit Entbindungsanstalt (Triersches Institut); das mit dem Städtischen Jakobshospitale verbundene Klinische Institut; das Medicinisch-poliklinische Institut; das Chirurgischpoliklinische Institut u. das Institut für Augenheilkunde; endlich ein Homiletisches u. Philologisches Seminar.

An Schulen bestehen in L. noch zwei Gymnasien,[254] die Thomasschule u. die Nicolaischule; eine Realschule (seit 1834, Ostern 1860 mit 234 Schülern); eine erste od. höhere Bürgerschule (Ostern 1860 mit 1745 Schülern); letztere, 1804 eröffnet, hat vielen anderen als Muster gedient. Die zweite Bürgerschule zählt 1099, die dritte 2418 Schüler (eine vierte wurde 1860 im Bau begonnen); zwei jetzt vereinigte Freischulen (Raths- u. Wendlersche Freischule), eine Armenschule, eine katholische Bürger- u. Armenschule, die Waisenhausschule u. die am Arbeitshaus für Freiwillige. Außerdem mehrere Privatinstitute, darunter das von Hauschild begründete, seit 1856 von Zille geleitete Moderne Gesammtgymnasium. Ferner die Taubstummenlehranstalt, 1778 von Sam. Heinicke begründet; die Pestalozzistiftung (bei Pfaffendorf) zur Erziehung armer u. verwahrloster Kinder (1846 gestiftet; seit 1853 im gegenwärtigen Local); fünf Kinderbewahranstalten. Unter den Gelehrten Gesellschaften obenan steht die Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften (am Geburtstage Leibnitz's 6. Juli 1846 eröffnet), nebst der sich anschließenden Fürstlich Jablonowsky'schen Gesellschaft der Wissenschaften. Ferner sind zu nennen: die Deutsche Morgenländische Gesellschaft (zugleich auch in Halle); die Deutsche Gesellschaft (gestiftet 1697, welche zu Gottscheds Zeit in der Entwickelungsgeschichte der Deutschen Literatur eine wichtige Rolle spielte); die Historischtheologische Gesellschaft (seit 1818); die Medicinische Gesellschaft (gestiftet 1829); die Astronomische Gesellschaft (seit 1844); die Leipziger Ökonomische Societät (1765) mit Versuchsstation in Möckern; die Bachgesellschaft (seit 1849) etc. Hieran reihen sich der Advocatenverein (1842), der Ärztliche Verein (1844), der Homiletische Localverein der Candidaten (1641), der Lehrerverein, der Schillerverein, der Gabelsberger Stenographenverein (1846), der Schriftstellerverein (1842) etc. Außer dem oben erwähnten kaufmännischen Verein besteht auch ein Gesellenverein. Der Gustav-Adolf-Verein (s.d.) hat seinen Centralsitz in L. Der 1843 gebildete 19. Octoberverein hat den Zweck, Nachrichten u. Einzelheiten über die Schlacht bei L. 1813 zu sammeln u. die Stellen, wo der Kampf am heftigsten gewesen, mit Denksteinen zu bezeichnen, wie denn dergleichen Steine auch bereits am 5. Juni 1845 in der Marienstraße, am 3. Juli 1850 bei Möckern (versetzt a. vergrößert 1858), 1856 bei Göhren u. 1857 bei Holzhausen errichtet worden sind. Zu den sonst noch in L. bestehenden Instituten für geistige Bildung gehört vor allen noch die Stadtbibliothek im Saale des Gewandhauses, etwa 90,000 Bände u. 2000 Handschriften zählend, 1683 gegründet, 1637 durch das Vermächtniß der Pölitzschen Bibliothek (26,000 Bände), 1855 durch die Beckersche musikalische Sammlung bereichert. Seit 1851 besteht eine Volksbibliothek; mehr als 30 Leihbibliotheken in der Stadt u. deren nächster Umgebung, zum Theil mit Lesezirkeln verbunden; Literarisches Museum für Zeitungslectüre des Buchhändlers Fleischer; 6 Musikleihanstalten.

Unter den Anstalten für künstlerische Bildung ist nur die Königliche Akademie für Malerei u. Zeichenkunst (seit 1764), früher unter Ösers, Fischbeins, Schnorrs, gegenwärtig unter G. Jägers (s.d.) Direction, nebst der Baugewerkenschule. Eine größere öffentliche Kunstsammlung erhielt L. erst 1848 mit Errichtung des Städtischen Museums, welches durch das reiche Vermächtniß des Kaufmanns u. Kunstfreundes H. Schletter einen Schatz der trefflichsten Bilder, namentlich neuerer Meister (Delaroche, Calame, Gudin, Verboekhoven etc.) erhielt u. seit 1859 im Museumgebäude aufgestellt ist; Kupferstichsammlung des Leipziger Kunstvereins (im Museum); Permanente Kunstausstellung des Kunsthändlers Del Vecchio in der Kaufhalle; die reichen Privatgallerien des Dr. Keil u. des Freiherrn Speck-Sternburg (in Lützschena); die Weigelschen Sammlungen für Kupferstichkunst u. Xylographie; das Antiquitätenlager von Köder u. Zschiesche etc. Seit 1856 besteht ein Leipziger Künstlerverein für gesellige Zwecke. Für die Bildung eigentlicher Maler u. Bildhauer ist L. nicht der Ort, da alle jungen Talente bald für die buchhändlerische u. sonstige Industrie gewonnen werden. Dagegen finden Theater u. namentlich Musik wohl nirgends mehr Antheil, als in L. Das Stadttheater (seit 1817 stehend), gehört zu den vorzüglichsten städtischen Bühnen Deutschlands; es feierte unter Direction Küstners (s.d.) bis 1828 seine Glanzperiode; daneben wurde 1853 ein Sommertheater in Gerhards Garten errichtet. Berühmt sind die Großen Concerte im Gewandhaus (1743 gegründet), welche namentlich große classische Musiken zur Aufführung bringen u. den ausgezeichnetsten Künstlern Gelegenheit geben, ihre Talente zu zeigen. Das Conservatorium der Musik, 1843 von Mendelssohn-Bartholdy gestiftet, wird von tüchtigen Meistern, wie Hauptmann, Becker, David, Rietz, Moscheles, Dreyschock, Lobe, Brendel geleitet. Vorzüglich geschulte Chöre für Gesang sind das Thomanerchor u. der Paulinergesangverein, welche bei den sonntäglichen Kirchenmusiken mitwirken. Musikalische Bildung u. Unterhaltung bezwecken auch der Musikverein Euterpe (im Winter acht Concerte in der Buchhändlerbörse); ferner der Riedelsche Verein, der Ossian, die Singakademie, der Philharmonische Verein, der Zöllnerverein, Dilettanten-Orchesterverein u. gegen 20 Männergesangvereine; sechs concessionirte u. drei Militärmusikchöre besorgen die Concerte etc. in den zahlreichen Vergnügungslocalen.

Es gibt in L. zahlreiche (über 600) Etablissements für Vergnügen u. geselligen Verkehr, Concert- u. Ballsäle, Bierhäuser u. Restaurationen, Kaffeehäuser u. Conditoreien etc.; viele Gesellschaften zum Zwecke des Vergnügens. Ein reizender Spaziergang in unmittelbarer Nähe der Stadt (zwischen letzter u. Gohlis) ist das Rosenthal. Alle Ortschaften in der Umgegend von L. werden namentlich während des Sommers, bes. an Sonn- u. Feiertagen besucht. Die merkwürdigsten u. besuchtesten Orte sind: Gohlis (mit dem Hause, wo Schiller das Lied an die Freude dichtete), Möckern (mit Schlachtdenkmal), Wahren, Lützschena (Besitzung des Freiherrn von Speck-Sternburg, mit Park, Gemäldegallerie, großartigem Ökonomiebetrieb u. Landwirthschaftlicher Lehranstalt); Lindenthal u. Breitenfeld; Eutritzsch, Schönfeld, Abtnaundorf (mit Park u. den Villen der Familie Frege), St. Thekla; Zweinaundorf (mit Park); der Thonberg, Stötteritz (mit Irrenanstalt, Tabaksbau); Neusellerhausen, Stüntz, Paunsdorf, Sommerfeld, Machern (mit Park); Probstheide, Mensdorf, Wachau u. das Städtchen Liebertwolkwitz, Güldengossa, Störmthal, Connewitz, Lösnig, Dölitz, Markkleeberg, Crostewitz (Holzpantoffelfabrikation), Cröbern, Raschwitz, Ötzsch, Zöbigker, das Städtchen Zwenkau, Schleußig, Klein- u. Großzschocher, Knauthain u. Eythra (mit Park); [255] Lindenau (mit der Restauration zum Kuhthurm), Plagwitz (fast ganz dem Dr. Heine gehörig u. von demselben mit Straßenanlagen u. Neubauten versehen), Schönau, Leutsch (in der Nähe die prächtige Waldpartie der Bürgeraue mit der großen Eiche), Böhlitz-Ehrenberg, Gundorf (in der Nähe der botanisch interessante Bienitzwald) etc. Mehrere nahe Dörfer, wie namentlich Reudnitz, Volkmarsdorf, Neuschönfeld, Neusellerhausen, Anger u. Krottendorf hängen nicht blos unmittelbar mit der Stadt, sondern auch wieder unter sich selbst zusammen, tragen theilweise (Reudnitz, ganz u. gar das erst seit 1837 erbaute Neuschönfeld) städtisches Ansehen u. sind außerordentlich bevölkert;mehrere Dörfer zählen über 1000, einige (Lindenau, Neuschönfeld, Volkmarsdorf) über 3000, Stötteritz u. Reudnitz über 5000 Ew., die zum großen Theil die Quellen ihres Verdienstes in der Stadt haben.

L. dankt seine Gründung sorbenwendischen Fischern u. war jedenfalls schon ein Dorf (benannt von Lip od. Lipa Linde), als König Heinrich I. am Zusammenfluß der Pleiße u. Parthe eine Burgwart anlegte (um 920). Als Stadt (d.i. ein befestigter Ort) wird es zuerst um 1015 in Ditmars Chronik erwähnt. Es gehörte ursprünglich Gaugrafen (des Gaues Chutici), in geistlicher Hinsicht aber seit 1018 unter das Bisthum Merseburg, welches 1022 auch die weltliche Herrschaft über L. erlangte, bis es nach einer Belagerung 1134 Markgraf Konrad von Meißen tauschweise an sich brachte. Dessen Nachfolger Otto der Reiche erweiterte L-s Befestigung unter Ertheilung des Weichbildrechts, stiftete die Nikolaikirche u. 1182 die beiden Jahrmärkte, welche sich später zur Jubilate- u. Michaelismesse entwickelten. Um die ihm bes. wegen der Gründung des Thomasklosters (nebst Kirche, 1213), welchem er das Patronat der Leipziger Kirchen zueignete, feindselig gesinnten Bürger L-s in Zaum zu halten, ließ Markgraf Dietrich 1218 die Stadtmauern schleifen u. drei Burgen anlegen, von welchen aber eine schon 1231 in ein Dominicanerkloster (Paulinum genannt) u. bald darauf eine zweite in ein Franciscanerkloster verwandelt wurde. Heinrich der Erlauchte hielt bis 1259 in L. mehre Landtage, u. unter Markgraf Dietrich von Landsberg bildete sich nicht nur das städtische Rathscollegium aus, sondern es erweiterte sich auch L-s Handel in Folge eines Schutz- u. Freiheitsbriefes (von 1268) für fremde, nach L. ziehende Kaufleute (namentlich wandten sich dahin viel Lombarden, welche meist Geldwechsel trieben) u. des 1273 der Stadt ertheilten Münzrechtes, so daß man wohl von dieser Zeit die Entstehung der Leipziger Kramerinnung od. Kaufmannsgilde datiren kann. Dagegen litt L. sehr in den Kriegen der Markgrafen Friedrich u. Diezmann, welcher Letztere 1307 in der Thomaskirche ermordet wurde. 1325 fanden sich die ersten Spuren des Leipziger Schöppenstuhls, eines Anfangs nur städtischen, seit 1574 aber landesherrlichen Spruchcollegiums. 1395 wurde die Nikolaischule u. 1409 die Universität gegründet (s. oben). 1435 erwarb der Rath die städtische Gerichtsbarkeit (welche seit 1856 wieder an den Staat übergegangen ist), u. 1488 wurde das Leipziger Oberhofgericht gegründet, nachdem am 26. Aug. 1485 zu L. die Landestheilung zwischen Kurfürst Ernst u. Herzog Albrecht stattgefunden hatte. 1480 wurde die erste. Buchdruckerei in L. angelegt; 1507 erhob Kaiser Maximilian die drei Leipziger Jahrmärkte (die Neujarhsmesse war 1458 hinzugekommen) zu Messen (s. oben). Nachdem hier 1519 die Leipziger Disputation (s.d.) zwischen Luther, Eck u. Karlstadt stattgefunden hatte, wurde im Jahre 1539 unter Herzog Heinrich die Reformation eingeführt, in deren Folge der Rath das Kirchen- u. Schulpatronat nebst vielen säcularisirten Klostergütern an sich brachte, wogegen die Stadt durch den Schmalkaldischen Krieg (sowie früher im Sächsischen Bruderkriege) bedeutend litt, bes. durch die Belagerung im Januar 1547, welche auch den Neubau der Pleißenburg veranlaßte. Über das auf dem hiesigen Landtage 1549 auf Befehl des Kurfürsten Moritz, welcher auch das Consistorium von Merseburg nach L. verlegte, abgefaßte Leipziger Interim s. Interim c). Ums Jahr 1600 entstanden die Buchhändlermessen (s. Buchhandel), doch wurde L. erst zu Anfang des 18. Jahrh. der Hauptstapelplatz des deutschen Buchhandels. Ungemein litt die Stadt im Dreißigjährigen Kriege durch siebenmalige Belagerung von 1631–42, Contributionen u. andern Kriegslasten, wozu namentlich auch die blutige Schlacht bei L. od. Breitenfeld am 7. Sept. 1631 beitrug, in welcher Gustav Adolf die Kaiserlichen unter Tilly schlug (s. Dreißigjähriger Krieg), sowie eine zweite Schlacht bei L. am 2. Nov. 1642, in welcher ebenfalls die Schweden unter Torstenson siegten u. dann bis 1650 L. besetzt hielten. Während dieses Krieges wurde hier im Jahre 1631 nicht nur (im Februar) ein Bündniß der protestantischen Stände Norddeutschlands unter dem Vorsitz des Kurfürsten von Sachsen geschlossen, sondern auch Behufs der Vereinigung der Calvinisten u. Lutheraner das Leipziger Colloquium (s.d.) gehalten Den Handel förderte die Errichtung der Börse 1678 u. des Handelsgerichts 1682, sowie 1690 eine Münzconferenz in L., durch welche der Leipziger Münzfuß (1 Mark sein – 12 Thlr.) an der Stelle des Zinnaischen in Sachsen eingeführt wurde (s. Münzfuß). Nachdem sich schon unter Kurfürst Christian I. viel aus den Niederlanden vertriebene Kaufleute in L. niedergelassen hatten, führte die Aufhebung des Edictes von Nantes abermals viel dergleichen protestantische Flüchtlinge aus Frankreich nach L., wo sich dadurch eine französische Colonie bildete. Hart traf L. der Siebenjährige Krieg, jedoch erholte es sich bald wieder, um seit 1770 seine alten Festungswerke nach u. nach in Promenaden (s. oben) verwandelt zu sehen Eine ganz veränderte Richtung gab dem Handel der Französischpreußische Krieg von 1806 u. ein harter Schlag für denselben war die von Napoleon gebotene Vernichtung aller englischen Waaren; dessenungeachtet litt der Meßverkehr in den Kriegsjahren 1806–1812 nur wenig. Nachdem L. in dem Österreichischen Kriege von 1809 zwei Mal von den Österreichern u. Braunschweigern besetzt worden war, traf es bes. hart das Kriegsjahr 1813, in welchem vom 14.–19. October die Napoleons Macht stürzende Völkerschlacht bei L. geschlagen (s. Russisch-deutscher Krieg von 1812–15) u. L. von den Alliirten mit Sturm genommen wurde. Nicht minder nachtheilig wurde für L. die Theilung Sachsens 1815, welche die preußischen Schlagbäume bis 2 Stunden vor die Stadt setzte, bis dieselben in Folge des Zollvereins 1834 wieder fielen. Viel Veraltetes, bes. das Privilegium de non reddendis rationibus des Stadtraths, beseitigten die Septembertage 1830, sowie das Jahr 1835 den Schöppenstuhl,[256] vas Oberhofgericht u. Consistorium, während die Stadt dafür das Appellationsgericht u. die Kreisdirection bekam. Hierzukamen 1836 die Buchhändlerbörse u. 1839 die Leipziger Bank. Zu der gegenwärtigen mächtigen Blüthe der Stadt trugen neben dem obengedachten Zollverein hauptsächlich seit 1836 die Eisenbahnen (s. oben) bei, deren gegenwärtig fünf sich in L. vereinigen. Am 12. Aug. 1845 die Leipziger Ereignisse, bei Gelegenheit der Abhaltung der Revue der Leipziger Communalgarde durch den Prinzen Johann, wo Abends der entstehende Tumult vor der Wohnung des Letztern durch Einschreiten des Militärs beschwichtigt wurde. Vom 20. Oct. bis 27. Nov. 1847 Versammlung von Deputirten aller deutschen Staaten, um die Grundzüge eines allgemeinen deutschen Wechselrechts aufzustellen. Unruhen u. politische Bewegungen erlitt L. auch im Jahr 1848 u. 1849. Im März 1848 wurde die Stadt in weitem Umkreise mit Truppen cernirt. Im Mai 1849 neue Unruhen; am 6. Mai stellte sich der Rath der Stadt L. bis zum Austrag der Conflicte zwischen Regierung u. Volk unter den Schutz der Deutschen Reichsgewalt. In der Nacht zum 7. wurden Barrikaden errichtet, wobei es zwischen der Communalgarde u. den Tumultuanten zu blutigen Zusammenstößen kam. Vom April bis Mai 1850 wurde in der neuerbauten Centralhalle eine große Ausstellung deutscher Industrieerzeugnisse abgehalten. Hauptbrände haben die Stadt betroffen 1420, 1498, 1546 (im Schmalkaldischen Kriege), 1631, 1632, 1642 u. 1682. Vgl. Schneider, Leipziger Chronik, Lpz. 1655; Vogel, Leipziger Annalen, ebd. 1740, Fol. (n. Aufl. 1756); Franz, Pragmatische Handelsgeschichte der Stadt L., ebd. 1772; Gretschel, L. u. seine Umgebung, 2. Aufl. 1836; Ramshorn, L. u. seine Umgebung, Braunschw. 1841; Gretschel, Beiträge zur Geschichte L-s, Lpz. 1836; Dolz, Versuch einer Geschichte L-s, ebd. 1818; Große, Geschichte der Stadt L., ebd. 1840–42, 2 Bde.; Sparfeld, Chronik der Stadt L., ebd. 1849, 2. A. 1851; jährlich erscheint ein Leipziger Adreßbuch u. ein Meßadreßbuch.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 10. Altenburg 1860, S. 251-257.
Lizenz:
Faksimiles:
251 | 252 | 253 | 254 | 255 | 256 | 257
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Therese. Chronik eines Frauenlebens

Therese. Chronik eines Frauenlebens

Therese gibt sich nach dem frühen Verfall ihrer Familie beliebigen Liebschaften hin, bekommt ungewollt einen Sohn, den sie in Pflege gibt. Als der später als junger Mann Geld von ihr fordert, kommt es zur Trgödie in diesem Beziehungsroman aus der versunkenen Welt des Fin de siècle.

226 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon