Laboratorium

[947] Laboratorium, 1) Hausraum für chemische Arbeiten zum Privatgebrauch od. zum Unterricht für Universitäten u. Schulen. Es enthält die nöthige Anzahl Arbeitstische mit Regalen zum Aufstellen der Reagentien, ein od. mehrere Wasserbehälter mit fließendem Wasser zum Reinigen der Geräthe, ein mit Glasfenstern abgeschlossenes Sandbad, eine Wage, Lampen für Spiritus od. Gas. Luftbäder etc. Geräthschaften, welche ununterbrochen in Gebrauch sind, wie Probirgläser, Kolben, Bechergläser, Porzellanschalen, Trichter, Spirituslampen, sind in größeren Laboratorien jedem Arbeitenden in hinreichender Menge zum alleinigen Gebrauch überlassen u. ihm zur Aufbewahrung derselben ein eigener Schrank unter dem Arbeitstisch angewiesen. Außerdem befindet sich im L. ein Schrank mit Feilen, Bohrern, Glasröhren, Filtrirpapier u. Scheren, Kautschukröhren, Korken etc., sowie eine kleine Bibliothek mit Lehrbüchern der allgemeinen u. analytischen Chemie zum Nachschlagen u. Tafeln der Atomgewichte zum Berechnen der Analysen. Die Öfen zum Glühen u. Schmelzen sind gewöhnlich in einem besonderen Raume (Pyrotechnisches L.), wo sich auch die Vorrichtung zum Destilliren des Wassers befindet, mit welcher zweckmäßig ein Trockenapparat verbunden ist. Ebenso muß ein besonderes Local zur Entwickelung von Schwefelwasserstoff, schwefeliger Säure u.a. schädlicher Gase vorhanden sein. Luftpumpen, galvanische Batterien u.a. Apparate, welche nur zuweilen in Gebrauch kommen, befinden sich im Apparatenzimmer; ebenso sind die seinen Wagen in einem besonderen Zimmer (Wagenzimmer) aufgestellt, in welchem sich auch ein Mikroskop befindet. Größere Vorräthe an Gläsern, Kolben, Retorten, Schalen, Tiegeln, Materialien u. Reagentien sind in der Vorrathskammer aufbewahrt. Präparate zum Gebrauch im L. od. für den Unterricht sind entsprechend geordnet in Glasschränken im Apparatenzimmer, Wagenzimmer od. sonst einem passenden Ort aufgestellt. 2) Der Raum in einer Apotheke, wo die officinellen chemischen Präparate, Arzneimittel (Pflaster, Salben, Tincturen, Säfte etc.) u. zum Theil auch die Arzneien zubereitet werden; er enthält einen Dampfapparat zum Destilliren, zur Herstellung von Decocten, Infusionen, zugleich mit einem Wasserbad, Trockenofen mit mehreren Etagen u. Sandbad, Öfen zum Schmelzen u. Glühen, eine Presse, Wage, gläserne Destillirapparate, Mörser u.a. Geschirr; auch muß das L. reichlich mit Wasser versehen sein. Auf den Arbeitstischen befinden sich Repositorien für Reagentien u.a. Gegenstände, Filterträger etc. Schalen, Trichter u.a. zum täglichen Gebrauch bestimmte Gegenstände werden in einem Schrank aufgestellt. Vgl. F. Mohr, Lehrbuch der pharmaceutischen Technik, Braunschw. 1847. 3) In den Probirhütten feuerfestes Gemach, zum Schmelzen der Erze u. Abtreiben der Metalle; 4) bei der Artillerie Gebäude, das zur Anfertigung der Pulvermunition, Zündungen, Kunstfeuer etc. eingerichtet ist u. wo sich das Nöthige an Handwerkszeug u. Geräthschaften befindet; 5) so v.w. Gießerei.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 947.
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