Tabak

[179] Tabak, die Tabakpflanze (Nicotiana tabacum) u. deren zum Rauchen, Kauen u. Schnupfen zubereiteten Blätter. I. Die allgemeinen Kennzeichen der Tabakspflanze sind: Blätter meist groß, abstehend, unten elliptisch, oben lanzettförmig, fast immer klebrig. Die Blüthen mit einem röhrigen, plattigen, fünfspaltigen, bleibenden Kelch; die einblätterige Blumenkrone ist trichterförmig, mit faltigem fünfspaltigem Samen u. fünf im Grunde eingefügten Staubträgern, deren Knöllchen auf den Enden der spitzen Staubfäden liegen; Griffel fadenförmig, Narbe einfach u. kopfförmig; die zwei- bis vierfächerige Samenkapsel enthält viele kleine runde Samenkörner; Stängel zwei bis sechs Fuß hoch, krautartig, aufrecht, rund, mehr od. weniger ästig; Wurzel stark, ästig, weiß mit vielen Wurzelfasern. Zu Rauch- u. Schnupftabaken werden unter den jetzt bekannten Arten 56 am häufigsten angewendet: a) Nicotiana tabacum (Virginischer T.), welcher wieder als gewöhnlicher Virginischer T. (Hängetabak), schmalblättriger Virginischer T. (Hirschzungentabak), dicklippiger Virginischer T. (in der Moldau als Tempicks cultivirt), breitblättriger Virginischer T. (Amersforter T.), blasig blättriger Virginischer T. u. gestielter herzförmiger Virginischer T. (Ostindischer T.) angebaut wird; er ist der gesuchteste u. angebauteste. b) Nicotiana macrophylla (Maryland T.[179] großblättriger T.). der gelblichere u. feinere Blätter u. dünne Seitenrippen hat. Er zerfällt wieder in rundblättrigen, länglichblättrigen (eine Spielart heißt Scrup), breitblättrigen, gestielten herzblättrigen u. kurzblättrigen Maryland (Griechischer T.), wird aber in Deutschland wenig angebaut. Schon minder werden angebaut: c) Nicotiana rustica (Veilchen- od. Bauerntabak, Englischer, Türkischer, Wilder T.); d) Nicot. quadrivalvis (vierklappiger od. Missouritabak), e) Nicotiana glutinosa (Soldatentabak); f) Nicotiana paniculata (Jungferntabak), s.u. Nicotiana; noch ungewöhnlicher sind, obgleich vielfach zum Anbau empfohlen; g) der Strauchartige T. (Baumkanastertabak, Nicot. fruticosa); h) Nicot. asiatica, durch sehr fette Blätter ausgezeichnet; i) Nicot. chinensis (Hun).

II. Ausbreitung des T-s. Der T. wird in allen Erdtheilen gebaut, gedeiht aber am besten zwischen dem 15. u. 35. Breitengrade; bes. eignen sich Inselländer u. Küstengegenden wegen des gleichmäßigen Klimas zu seinem Anbau. A) Amerika liefert T. aus den Vereinigten Staaten, Canada, Neubraunschweig, Mexico, Westindien, Venezuela, Brasilien u. Peru. Die wichtigsten Handelssorten sind: Aa) Südamerikanische T-e: a) Varinas od. Kanaster, welcher in Rollen gesponnen, zu 90–96 Pfd. in Rohrkörben (Canastra) versendet wird, bes. aus den Provinzen Varinas, Merida, Venezuela, Margaretha, Guiana. Die besten Sorten haben ein seines, weiches, kastanienbraunes Blatt u. äußerst milden Geschmack, die schlechteren eine schmutzigbraune bis grüne Farbe u. sind herber u. bitterer. b) Oronocokanaster, ähnlich dem vorigen, nur in schwereren Körben, stärker u. von dunkelbraunen dickeren Blättern; c) Oronocoblätter, lose, kleinere u. hellere Blätter in Leder od. Leinwandpackung zu 40–50 Pfd., bes. zum Mischen; d) Kumanatabak, als leichte dünne u. hellbraune Blätter, dem besten Varinas gleich, od. dunklere theuere Blätter zu Schnupftabak; in Seronen zu 90–100 Pfd. versendet; e) Cumana-Andonillen od. Carotten, in spindelförmigen Packeten zu vier Pfd. mit Bast umschnürt; F) Brasiltabak, entweder in Blättern zu Rauch- u. Schnupftabak od. in Rollen zu 400–500 Pfd. von drei Sorten: Legitimo als beste, schwarzer T. u. Kübeltabak. Eine besondere Art ist der Luxtabak (Sweetscent- od. Switzenttabak) aus entrippten Blättern. Bb) West-indische T-e: a) Cuba od. Havanna, davon die beste Sorte, Cabanas, wird 9–10 Meilen von der Havanna in Philippina erbaut u. entweder dort od. in Europa zu Cigarren verarbeitet; die Blätter sind gelb od. hellbraun, dünner, breiter u. leichter als andere Sorten u. werden zu 1–1 z Pfd. in mit Rohrbast gebundenen Packeten verkauft. Cuba erzeugt in größerer Menge die Sorte Cuba, bes. bei St. Jago de Cuba mit etwas dunkleren u. schweren Blättern; b) Domingo mit größeren Blättern, von denen die dünnsten ein gutes Deckblatt geben, zu Seronen von 70–80 Pfd. in Rohrbast verpackt; der nördliche u. westliche Theil der Insel liefert den besten T.; c) Portorico, in Rollen von 10–16 Pfd. u. zwar Guiana mit großen dünnen gelben Blättern, Guianilla mit längeren schmalen, hellbraunen Blättern, Aguadilla od. Ponée mit hellbraunen u. grünlichen kleinen Blättern zu kurzen dicken Rollen gesponnen u. Cabo Roxa mit dicken nicht vorzüglichen Blättern, Cc) Nordamerikanische T-e: a) Maryland, in Gebinden zu 1000–2000 Pfd., wovon der beste (Baytabak) aus den westlichen Gegenden ganz dünne, lange goldgelb glänzende Blätter hat; b) Ohio, dem vorigen nicht viel nachstehend, mit hellgelben od. röthlichen dünnrippigen Blättern; die Sandblätter od. Scrubs zu Deckblättern (Scrubsen); c) Virginia, mit dünnen großen süßlich-riechenden Blättern; als Luxtabak meist zu Schnupftabak verarbeitet; die feinste Sorte ist in Carotten; der am Jamesstrom gebaute (Jamesser) ist der Betl der Mexicaner (Türkentabak); d) Kentuky, dem vorigen nicht nachstehend, am besten aus den höheren nicht überschwemmbaren Gegenden, theils zu Deckblättern, theils zu Rauchtabaken; e) Mexico, ein guter T., welcher zum Theil in der dortigen ungeheueren Staatstabaksfabrik verarbeitet, theils nach England versendet wird; f) Bastard-Maryland, Louisiana, Missouri, Carolina. – Aus nordamerikanischem T. werden jährlich mehre Will. Pfd. Kau- u. Schnupftabak gefertigt; die hierbei abfallenden Stiele u. Rippen versendet man jetzt in Fässern von 800–1000 Pfd. od. in Packeten von 400–800 Pfd. u. verwendet sie in Europa zu Schnupftabak od. Mischungen von Rauchtabak, B) In Asien wird T. cultivirt in der Türkei, Persien, Indien, Tibet, Japan, China, auf den Philippinen, Java, Ceylon; folgende sind, wenn auch selten, im Handel: a) Ostindien liefert durch die Compagnie nur selten Packete zu 500- 800 Pfd. nach England; das Blatt ist dick, schwarzbraun, schwer u. betäubend; b) Ceylon liefert wenig nach Europa; er ist dem Domingo ähnlich, doch dunkler u. eignet sich zu Kautabak; c) Guzurate baut ein kleines goldgelbes Blatt von lieblichem veilchenartigem Geschmack, das von Nic. latifolia herstammt. C) Afrika baut T. am Rothen u. Mittelmeere, in Ägypten, Algier, den Canarischen Inseln, längs der ganzen Westküste u. am Cap; meist nur zum eignen Bedarf, D) Neuseeland u. Australien, sowie viele Inseln des Stillen Oceans bauen ebenfalls T. E) Europa baut allenthalben T., u. zwar in Ungarn, Belgien, Deutschland u. Frankreich als wichtigen Handelsartikel. a) Deutschland baut T. im südlichen Theile von Tyrol (Novereder u. Trienter Kreis), in Preußen (Guben u. Sorau in der Lausitz, Oblau in Schlesien), in Hannover (bei Nienburg, Nordheim, Göttingen, Lieberau u. Stolzenau), in Hessen (Hanau), in Baiern (Nürnberg) u. in der Pfalz. Der beste T. ist der Pfälzer, von welchem jährlich 10,000 Cntr. als Deckblätter nach England gehen. Man baut dort aa) Maryland in drei Sorten, als: Dutentabak, mit hellem großem Blatt u. seiner Rippe zu Cigarren u. Deckblättern; Ungarischen T., dem vorigen ähnlich, aber von kleinerem Blatt zu Cigarren; u. Griechischen T. mit hellem, ganz kleinem Blatt u. sehr seiner Rippe, als die feinste Sorte; bb) Virginientabak ebenfalls in drei Sorten, als: Dickrippigen Virginien od. Friedrichsthaler T., mit sehr großem fettem Blatte, röthlich gelber Farbe u. schwerer Rippe zu Rollendeckblättern; Vinzer, der beste Pfälzer zu Deckblättern u. Rauchtabak, mit großem, starkem Blatt von schöner Farbe u. nach Art der Havannatabake mit kleinen weißen Flecken; u. Weißrippigen Virginischen Hängtabak, mit schwerem fettem braunrothem Blatt; cc) Brasil od. [180] Veilchentabak, mit ovalrunden Blättern u. ziemlich langem Stiele, schwer u. betäubend, b) Frankreich treibt einen wegen der Tabakregie nicht sehr gehobenen Anbau; bes. in Languedoc erzeugt man Blätter aus Virginiensamen zu Schnupftabak; ferner in der Nähe von Dünkirchen u. Bergen (Flämische T-e) u. im Elsaß; c) Holland hat eine gehobene Tabakscultur; man benutzt meist Virginiensamen u. unterscheidet: Bestgut, die mildesten größten u. unbeschädigten Blätter; Ausschuß Bestgut, die zerrissenen u. schadhaften Blätter der ersten Sorte; Erdgut, die kleinen, frühreifen, unter dem Bestgut wachsenden Blätter; Sandgut, die untersten zunächst dem Boden stehenden Blätter; Zuigers od. Geiz, die kleinen hie u. da abgenommenen Nebenausschüsse. Der beste T. ist der Amersforter, aus der Provinz Utrecht, ein fettes Blatt, bes. zu Schnupftabak verbraucht; der Nykerker, aus Geldern; der Warwicker, aus Westflandern; der Mastrichter, aus Limburg; eine gute Sorte holländischer T. ist das neue Gut. Der schwarze Kistentabak ist eine holländische gepreßte Sorte, in kleinen Rollen u. geht häufig nach dem Norden. d) England betreibt den Tabaksbau, zu Gunsten seiner Colonien, nicht stark, aber es verarbeitet viel amerikanischen, west- u. ostindischen T.; die meisten Tabaksfabrikanten gibt es in Liverpool; etwas mehr baut Schottland; e) Dänemarks u. Schwedens Tabaksbau deckt nicht den ganzen Verbrauch dieser Länder. f) In Rußland ist der Tabaksbau erst seit 1762 durch Gesetze in Aufnahme gekommen u. wird in Volhynien, Podolien, in der Ukraine, West-, Klein- u. Weißrußland, in den Gouvernements Kursk u. Orel u. in den woronesischen u. saratowschen Colonien betrieben. Der ukrainische T. steht zum Theil an Güte dem ungarischen gleich u. stammt ursprünglich aus Asien. Der russische T. ist bei der Ausfuhr meist in Binsenmatten gepackt. g) Die Türkei baut viel T., von vorzüglicher Güte in Macedonien; die besten Sorten sind in Jenidsche Barter, Jolbaschi, Kirmalu, Karadagh, Petrich Strumzza etc. Er besteht aus kleinen grünen, braunen od. lichtgelben Blättern, wird meist zu Rauchtabak, zum Theil von gutem Geruch u. Geschmack, benutzt, ist aber sehr schwer; der in der Walachei am Seratflusse wachsende, häufig in die Umgegend ausgeführt, heißt Baschauer. h) Ungarn nebst den angrenzenden Ländern erbaut vielen u. guten T. Der ungarische T. ist hell u. dunkelbraun, von gutem Geruch u. so mild, daß er ohne weitere Zubereitung geraucht wird. Vorzügliche Sorten sind der Debrecziner, Debröer, Rapuvarer, Fünfkirchner, Futtacker, Kospolager, Palanker, Szegediner, Tolner etc. Der Zaprater in Galizien, an der Grenze der Bukowina, kommt an Güte dem virginischen gleich. i) Italien erzeugt in mehren Theilen T., weniger k) die Schweiz. Im Jahr 1854 wurden z.B. in Bremen 41,503 Fässer Maryland (zu 500–1000 Pfd.), Virginien u. Kentuky (zu 1000–2000 Pfd.), sowie 157,840 Seronen, Packen u. Körbe (zu 100 Pfd.) von dgl. T. eingeführt. Die Production an T. beträgt durchschnittlich für Preußen 225,091 Centner, Baiern 111,177 Ctnr., Sachsen 1200, Württemberg 61,000, Baden 110.000, Kurhessen 3955, Großherzogthum Hessen 13,608, Thüringen 3721, Braunschweig 258 Centner. In Dänemark kommt an consumirtem T. jährlich auf den Kopf 4 1/2 Pfd., in Belgien 4 3/4 Pfd., in Neusüdwales, wo der T. steuerfrei ist, 14 Pfd. In den österreichischen Kronländern werden angeblich jährlich consumirt: 6,471,195 Pfd. Schnupftabak, 50,443,662 Pfd. Rauchtabak u. 635,783,680 Stück Cigarren.

III. Anbau des T-s. Der T. verlangt einen sehr fetten, gut gedüngten, lockeren Boden u. gedeiht bes. in Neubrüchen u. in gebranntem Boden. Die Aussaat erfolgt Ende März in guter seiner Mistbeeterde. Man macht dazu erhabene Mistbeete (Tabakskutschen), indem man, um die jungen Pflänzchen gegen Maulwürfe u. anderes Ungeziefer zu sichern, zwei Fuß vom Boden einen Boden von Dielen auf Steinen, Faschinen od. Stangen anlegt u. den Rand mit, auf der hohen Kante stehenden Bretern einfaßt, darauf legt man 3–4 Zoll frischen, strohigen Dünger u. darüber 5–6 Zoll feingesiebte, sandige Garten- od. Mistbeeterde. Auf diese wird der Same dünn gesäet u. leicht mit seiner Erde übersiebt, welche man mit Gras dünn überstreut. Bis er keimt, bedeckt man die Erde leicht mit Stroh, welches immer feucht gehalten wird. Fangt der Same zu keimen an, so nimmt man das Stroh weg u. begießt die Erde; fallen Reise ein, so werden die Beete des Nachts mit Strohdecken zugedeckt, übrigens aber sorgfältig von Unkraut gereinigt. Auf einen Erfurter Acker von 160 QRuthen rechnet man ein Samenbeet von 12 Fuß Länge u. fünf Fuß Breite, u. zum Besäen desselben etwa ein Loth, wenigstens zwei Jahre alten, aufgequellten Samen. Sobald die Pflanzen im Mai od. Juni hervorgekommen sind, versetzt man sie bei eingetretenem od. zu erwartendem Regenwetter (damit die Pflänzchen nicht durch die große Sonnenhitze leiden), in schmale, gut gepflügte u. abgeeggte Bänke od. Rabatten, so daß man bequem hindurch gehn u. die Pflanzen Pflegen kann; auf jede Rabatte werden zwei Reihen Pflanzen im Verband 2–3 Fuß weit von einander mit dem Pflanzstock gesetzt u. behäufelt. Wachsen die Pflanzen heran, so werden sie fleißig gejätet, behackt u. gehäufelt, u. sind sie zwei Fuß hoch, so bricht man die untersten, gelblich gewordenen Blätter (von denen in Holland wenigstens die drei untersten Sandgut, die drei auf sie folgenden Erdgut, beide zusammen Untergut heißen) ab, reiht sie (schnürt sie) auf Fäden u. hängt sie in einem leichten Schuppen von Hopfenstangen mit einem Strohdach gleich auf dem Felde od. auf einem lustigen Boden des Wohngebäudes zum Abtrocknen auf. Sie sind das geringste Gut u. von geringem Preis. Im Juni köpft man die Stängel (Toppen, Obergut) u. bricht die sich jetzt entwickelnden Seitenzweige (Geize) u. Blüthenknospen nach u. nach aus (Geizen, Ausgeizen), u. setzt dies immer fort, wodurch die übrigen Blätter mehr Nahrung bekommen u. vollkommener u. kräftiger werden. Im Juli beginnt nun das Abblatten der größten Blätter, wenn sie auf der unteren Seite eine Erbsfarbe annehmen, dies währt bis Ende Augusts, denn späterhin leiden die Blätter schon von den eintretenden Nebeln. Die gewonnenen reinen Blätter heißen Bestgut, die fleckigen u. zerrissenen Ausschuß. Statt des Abblattens zieht man auch die ganzen Stängel aus, was schönere gelbere Blätter gibt. Nun folgt das Trocknen des T-s meist, wie oben, in Schuppen gleich auf dem Felde. Ist dies geschehen, so bringt man ihn nach halb ausgeschnittener dicker großer Rippe, auf einem von der Sonne nicht beschienenen Orte auf kleine,[181] 5–6 Fuß hohe Haufen (Streckhaufen), indem man die ganzen Schnuren abnimmt u. sie mit dem T. m einer Richtung neben u. dann über einanderlegt (Strecken); od. legt ihn zuweilen auch auf, zwischen ein Hordengestell (vier senkrechten Säulen, welche mit Querlatten verbunden sind) angebrachte hölzerne, mit grober Leinwand beschlagene Horden, damit er 6–8 Tage lang schwitze, wobei er braun wird (jedoch darf er dabei nicht schwarz werden), dann hängt man ihn auf Fäden gereiht an einem lustigen, nicht von der Sonne beschienenen Orte zum Trocknen auf. Völlig trocken, wird er im Januar bis März bei feuchtem Wetter, damit die Blätter nicht brechen, abgenommen, auf Bündel (Büschel) gebunden u. diese, oft das Innere nach außen, das Untere nach Oben, gewendet. So wird er der Gährung überlassen u. centnerweise an die Fabriken verkauft. Zu Samen läßt man blos die schönsten u. stärksten Pflanzen stehen, bricht ihnen aber die Seitentriebe aus, damit der Same in den Gipfeln desto vollkommener werde. Im Sept. schneidet man auch die Samenstängel ab, bindet sie in Bündel zusammen, bringt sie an einen lustigen Ort unter Dach u. drischt sie im Januar aus. Der Same gibt Speise- u. Brennöl. Die Stängel werden, wenn sie nicht im Ganzen ausgezogen u. getrocknet werden, zu Compost verarbeitet. Man zieht sie gleich nach der letzten Blätterente aus, legt sie in eine Grube der Länge nach ein u. tritt sie zusammen. Wenn die Grube ganz voll ist, begießt man sie mit Mistjauche, welche mit Wasser vermischt ist. Dann bedeckt man die Grube mit der ausgeworfenen Erde u. bildet davon ein Dach. Die Grube fängt bald an sich zu erhitzen u. in Gährung zu treten. Im Frühjahr ist der Dünger fett u. gut u. man verbraucht ihn wieder auf Tabaksfeldern. Die Grube wirft man wieder mit ausgegrabener befeuchteter Erbe zu u. pflanzt darauf Knollengewächse. Feinde u. Krankheiten des T-s sind: Maulwürfe, Mäuse, Kröten, Schnecken, Maden, Hagel, Sturm u. Fröste; gegen erstere schützt man sich durch Räuchern. Das Faulen der Pflanzen kann von Ungeziefer, ungünstiger Witterung u. fehlerhafter Behandlung herrühren, man verhütet u. entfernt die Entstehungsursachen. Der Rost befällt die Blätter in ihrer ersten Ausbildung; diese werden mit gelbrothen, rostfarbenen Flecken bedeckt, welche sich immer mehr verbreiten, dadurch vertrocknen u. verzehrt werden u. untauglich sind.

IV. Die Fabrikation des durch den Anbau roh gelieferten T-s geschieht in Tabaksfabriken. Wo das Tabaksmonopol (s.d.) herrscht, sind sie Anstalten des Staates, in anderen Staaten betreiben sie Private, vorzüglich in Seestädten. Die größeren Fabriken verarbeiten meist ausländische Blätter, die kleineren beschränken sich mehr auf inländische. Zur Fabrikation wird der T. in Carotten, Rollen od. Blättern verwendet. Zu den Carotten (Puppen) werden die Tabaksblätter in leinene Tücher gelegt u. zwar die größeren Blattstücken zu unterst od. zu oberst, die kleineren in der Mitte zusammengerollt, u. das Tuch mit starken Stecknadeln festgesteckt, so daß eine in der Mitte etwa 3–5 Zoll dicke, nach dem Ende sich verjüngende Stange von ungefähr 1–2 Fuß daraus entsteht. Die Stangen werden dann von einer Spitze bis zur andern mit einer starken Schnur dicht umwunden; dabei wird die Schnur mittelst des Carottenzugs (bei kleineren Carotten ein horizontales Bret mit einem senkrechten Stabe, an welchem die Schnur befestigt ist, bei größeren eine Walze, welche auf der einen Seite mit einem Sperrrade, auf der andern mit einem Kreuze zum Umdrehen befestigt u. um welches die an der Wand befestigte Schnur zum Theil gewickelt ist, u. mittelst derselben straff angezogen werden kann) od. mittelst der Carottentafel (ein Carottenzug, an welchem mehre Menschen zugleich arbeiten können) so fest wie möglich gezogen u. mit ihren Enden, festgeknüpft. In diesem Zustande werden die Carotten auf einem Boden unter fleißigem Umwenden getrocknet; nach 14 Tagen werden sie ausgepackt, in andere trockene Tücher geschlagen, abermals mit einer Schnur so fest als möglich umwickelt u. wieder 14 Tage getrocknet. Nach dieser Zeit werden die Schnuren u. Tücher abgenommen, die Carotten mit Bindfaden umschlungen (fisellirt) u. aufgehoben. Nach einem halben Jahr sind die Carotten zum Verbrauchen geschickt, können an einem feuchten Orte aber auch 10 Jahre aufgehoben werden, ohne zu verderben. Durch diese Behandlung wird der T. nochmals in allmälige Gährung versetzt, die Beize auf das Innigste mit dem Blatte verbunden, durch das feste Zusammenschnüren aber auch das Modern verhindert. Zur Verfertigung des Rollentabaks werden die Blätter mittelst einer Spinnmaschine, einer einfachen Haspel, wo an dem einen Ende des Weltbaums die Kurbel zum Herumdrehen, am anderen Ende ein hakenförmiges Eisen befestigt ist; von zwei Arbeitern, von, denen der eine dreht, der andere die Blätter einlegt, zu einem 3/4 -1 1/2 Zoll dicken Seile, welches aus den Tabaksblättern zusammengedreht wird, zusammengewunden, die großen unbeschädigten Blätter, welche zur äußeren Bekleidung der Rolle gebraucht werden, heißen Wickelblätter. Vor dem Spinnen (Torquiren) müssen die Blätter etwas angefeuchtet werden, damit sie besser zusammenhalten. Um die Tabaksrolle besser zu pressen u. zu glätten, befestigt der Arbeiter ein Handeisen, d.i. eine vierkantige eiserne Platte, mit zwei Riemen an die rechte Hand. Der Blättertabak wird in losem Zustande verwendet.

A) Zur Fertigung des Rauchtabaks werden manche Sorten schon dann tauglich, wenn die Blätter in Haufen aufeinander geschichtet längere Zeit liegen u. dadurch in eine Erhitzung u. Fermentation (Gahre) kommen, welche sich durch einen scharfen Geruch verräth; andere Sorten werden durch das Sauciren (s.d.) an Geschmack u. Geruch verbessert, auch wohl auf der Tabaksdarre, einem vier Fuß hohen, eben so breiten u. nach Beschaffenheit des Raumes langen Ofen, oben mit Kacheln od. Fliesen bedeckt, getrocknet; auch durch Räuchern, durch welches die Tabakspflanzer häufig den Blättern die völlige Trockenheit geben, werden viele scharfe u. widrige Theile entfernt. Um den Werth des T-s zu erhöhen, werden die Blätter nochmals ausgerippt, d.h. die mittlere starke Rippe losgerissen, od. es wird wenigstens der Hintere stärkere Theil des Blattes abgeschnitten. Hierauf wird der T., nachdem er zuvor in Carotten u. Rollen gebracht, besserer T. aber gleich in Blättern geschnitten u. so zum Rauchen vorbereitet. Das Schneiden geschieht mit der Tabalsschneidelade; diese besteht aus einem länglichen Kasten mit Füßen, in welchen die angefeuchteten Blätter so fest als möglich gepreßt werden. An der vorderen Seite des Kastens ist das große Schneidemesser angebracht; beim Auf-[182] u. Niederdrücken des Messers setzt ein daran befindlicher Hebel ein Rad u. durch dieses eine Schraube in Bewegung, welche in dem hinteren Theile des Kastens angebracht ist, u. den zu schneidenden T. gleichmäßig vorwärts drückt. Größere derartige Maschinen enthalten eine Messerwelle mit mehren Schneidemessern u. werden durch Wasserkraft getrieben. Soll der geschnittene T. kraus (Kraus- od. Krulltabak) werden, so wird er aus erhitzten Blechen geröstet u. gedörrt. Der nicht gekräuselte T. heißt im Gegensatz Blätter-, Blättchentabak (holländische Blättchen), ist meist in viereckige Stücken geschnitten, u., da er eine schlechtere Appretur erhält, als der feste u. krausgeschnittene, auch leichter als dieser. Bei der Verfertigung des Rauchtabaks kommt es außer dem guten Sortiren u. Sauciren (s.d.) bes. aus die Geschicklichkeit an, aus mehren Sorten einen angenehmen T. zusammenzusetzen. Die Sorten des Rauchtabaks unterscheidet man entweder nach den Ländern, woher die Blätter bezogen sein sollen, als Varinas, Orinoco, Havanna, Domingo, Portorico etc. s. oben II.), od. nach der Stadt, in welcher, od. von dem Fabrikherrn, von welchem sie bereitet worden sind; od. sie bekommen auch ganz willkürliche Namen, dies ist z.B. der Fall bei dem Karten- od. Brieftabak, welcher in besondere Umschläge eingeschlagen ist u. nach der Farbe derselben Blau-, Roth- u. Gelbbrieftabak etc. heißt, bei dem Jagdkanaster, bei dem Communalgardenkanaster etc. Loser geschnittener T. heißt dagegen Sacktabak. Gute Sorten geschnittenen T-s werden auch in Blei gepackt. Die berühmtesten deutschen Tabaksfabriken sind Nathusius in Neuhaldensleben, Georg Prätorius u. Brunzlow u. Söhne in Berlin, Justus in Hamburg, Apel u. Brunner, Quandt, Kreller in Leipzig, Lotzbeck in Augsburg, Gebrüder Bernard in Offenbach etc. B) Bei der Fabrikation des Schnupftabaks, werden zuerst die Blätter von den Stielen u. Rippen abgerissen (abgerippt) u. beide Theile abgesondert zu Schnupftabak verarbeitet, weil sie eine besondere Behandlung erfordern. Das Klarmachen der Blätter u. der daraus gefertigten Carotten geschieht vorzüglich auf der Rappeemühle (Rappeemaschine, Rappé), welche aus einem hölzernen, mit Füßen versehenen Rahmen besteht, dessen Schenkel mit Schrauben an einander befestigt sind; in diesen Rahmen sind in Abständen von 2–3 Linien der Länge nach Sägeblätter gespannt, sämmtlich mit den Zähnen nach oben, doch stehen abwechselnd bei dem einen Blatte die Zähne rechts, bei dem andern links. Carotten od. Blätter sind in einen blechernen, unten offenen Kasten od. Büchse gesteckt, deren Deckel beweglich ist u. durch eine Schraube fest auf den T. niedergedrückt werden kann. Der fertige Schnupftabak fällt in einen Schubkasten unter den Sägen. Gewöhnlich wird der Kasten von einem Arbeiter an zwei Handgriffen über den Sägeblättern hin u. her geschoben. Bei einer anderen Einrichtung der Rappeemühle werden die in einen besonderen Rahmen gespannten Sägeblätter hin u. her bewegt überdem in einem zweiten Rahmen befindlichen die Carotten enthaltenden Carottenkasten, in welchem die Carotten durch den Druckkasten gegen die Sägen angedrückt werden, da bei jedem Hin- u. Hergange des Sägenrahmens ein Rad in zwei Zahnstangen (Aufwindeisen), die zu beiden Seiten des feststehenden Rahmens liegen, unten durch einen Steg verbunden sind u. auf diesem den Druckkasten tragen, eingreift u. sie sammt dem Druckkasten um einen Zahn hebt. Der abgeriebene Schnupftabak fällt in zwei Schubkästen neben dem Carottenkasten. Diese Art Rappeemühle kann man leicht durch eine Elementarkraft treiben. Bei einer dritten Art Rappeemühle sind die Sägen an einer Welle befestigt, welche der Arbeiter mit einer Kurbel herumdreht, während er mit der andern Hand die Carotten an die Säge hält. Die nun noch übrig bleibenden Stücken, die Rippen, aber auch gute Blätter, werden auf den verschiedenen Schnupftabaksmühlen geschnitten, gestampft od. gemahlen. Diese bestehen entweder aus einem großen, am Rande mit einer Einfassung versehenen Bodensteine, auf welchem zwei Mühlsteine mit der Stirne laufen, indem sie sich um horizontale Achsen drehen, welche einander gegenüber in einer stehenden, von einem Wasserrade getriebenen Welle angebracht sind; od. sie besteht aus zwei über od. neben einander liegenden, umlaufenden Walzen (Schnupftabaksplättmaschine, Tabaksblattwalzenmaschine); diese Walzen sind von Holz u. mit Messing überzogen u. können daher auch zum Strecken der Bleiplatten gebraucht werden, welche man zum Einpacken des Schnupftabaks nöthig hat. Eine Schnupftabaksstampfmühle besorgt das Schneiden u. Stampfen des Schnupftabaks zugleich; am untern Ende jeder Stampfe ist ein scharfes, starkes Messer angebracht; die Stampfen arbeiten paarweise in einem Kübel, welcher mittelst eines Schiebezeuges beständig herumgedreht wird; die Kübel, starke, oben mit Faßdauben eingefaßte Klötze ruhen mit einer auf ihrer Unterseite eingelassenen eisernen Pfanne auf je einem Spitzzapfen; die Spitzzapfen für die sämmtlichen Kübel sind auf einer starten Pfoste befestigt, welche auf einer starken Schwelle (Kübelstock) ruht. Das am Kübel befestigte Schiebrad wird durch eine Schiebklaue von der Daumenwelle aus umgedreht, indem, während der Daumen die Stampfe hebt, ein anderer kleiner Daumen die Klaue vorwärtsschiebt, welche gleich darauf wieder zurückgezogen wird. Der eine Zeitlang gestampfte T. wird gesiebt, das Grobe wieder in den Kübel gethan u. so feinere Sorten durch fortgesetztes Sieben gewonnen. Man hat noch mehre Arten Schnupftabaksschneidemaschinen, unter andern eine von Reichenbach verbesserte, welche dem Schneidezeug noch Seitenbewegungen gibt u. daher den Schnupftabak um so vollkommner zerkleinert. Das Sauciren des Schnupftabaks geschieht meist vor dem Klarmachen der Blätter u. Rippen, bisweilen auch nachher, doch gibt dies einen schlechtern T. Man hat auch Schnupftabak, welcher gar keine Sauce bekommt, u. dieser heißt Naturel od. Sans sauce. Die verschiedenen Schnupftabakssorten sind: Espaniol od. Spaniol, er wird vorzüglich von Havannablättern gemacht, auf Mühlsteinen gemahlen u. mit einer seinen rothen Ochererde (Amalgana od. Rubrica fabrilis) vermengt; vorzüglich gehört hierzu der Sevilla, wovon die feinste Sorte Garanza heißt. Ebenfalls eine spanische Sorte ist der Tonca (spanische Kleie), er wird auch aus Havannablättern verfertigt u. mit einer gelben Ochererde vermengt. Der spanische Schnupftabak kommt in irdenen Töpfen zu 1 Pfd. ob. in Seronen gepackt in den Handel. Der holländer sieht gelb aus, doch hat man auch eine schwarze Sorte; er wird meistens aus Amersforter Blättern gemacht. Der St. Omer wird meistens aus Carotten, doch auch[183] aus virginischen, ungarischen u. pfältzer Blättern gemacht. Vorzügliche Sorten sind: Dünkirchner od. Cardinal, so wie Mops u. Doppelmops. Von dem ungarischen Schnupftabak ist vorzüglich der gelbe Debrier; er wird aus den besten, wachsgelben Blättern des um Erlau erbauten T-s bereitet. Der Brasilientabak od. Brasil ist schwarz, wird vorzüglich in Italien verbraucht u. kommt bes. über Portugal od. England in Blechbüchsen zu 2 Pfd. in den Handel. Der französische Schnupftabak zeichnet sich bes. durch Wohlgeruch aus; berühmt ist der Rappée de Paris od. Robillard (nach den Tabaksfabrikanten Gebrüder Robillard benannt), Gout de Paris, Bergamot, T. à la Rosa, T. à mille Fleurs, T. de Dames, T. de Prince. Marokko ist eine sehr starke, gute Sorte, vorzüglich aus maryländischen Blättern verfertigt; Marino ist ein lieblicher, scharfer, etwas süßlicher Schnupftabak; Macuba ist eine seine, wohlriechende Sorte; Cusko od. Grabusko eine seine gelbe Sorte aus Peru. Außerdem hat man noch St. Malo, St. Domingo, St. Vincent, Hanauer, Offenbacher Schnupftabak etc. Gehörnten Schnupftabak nennt man granirten T.; Pongiboutabak ist Schnupftabak, unter welchen Pomeranzenessenz od. Zibeth gemengt ist. Oft parfumirt man auch den Schnupftabak, bes. durch Einlegen einer Tonkabohne (s.d.). Auch hat man Schnupftabak, welcher ohne alle Zuthat von eigentlichem T., aus Rosmarinblättern, Majoran u. anderen grünen Pflanzenkörpern, mit mancherlei Zusätzen, auch verschieden bereitet wird (grüner Schnupftabak, Kräutertabak, Schneeberger Schnupftabak). Schnupftabak wird meist in dünnes Blei (Tabaksblei) verpackt versendet, damit die Sauce nicht vertrocknet; da aber das Blei beträchtlich vom T. angegriffen wird u. dadurch Vergiftungen veranlaßt wurden, versendet man die bessern Sorten jetzt nur noch in Glasbüchsen, die schlechteren in Fässern. Minder gefährlich ist das verzinnte Tabaksblei u. das Stanniol, da diese weniger von der Beize angegriffen werden.

V. Die chemischen Bestandtheile des T-s sind mach einer Analyse von 10000 Theilen frischen Blättern: 6,0 Nicotin, 1,0 Nicotianin, 287,0 Extractivstoff, 174,0 Gummi mit äpfelsaurem Kalk, 26,7 grünes Harz, 26,0 Eiweiß, 104,8 kleberartige Substanz mit Stärkmehl u. Wachs, 51,0 Äpfelsäure, 12,0 äpfelsaures Ammoniak, 4,8 schwefelsaures Kali, 6,3 Chlorkalium, 9,5 äpfelsaures u. salpetersaures Kali, 16,6 phosphorsaurer Kalk, 24,2 äpfelsaurer Kalk, 8,8 Kieselerde, 496,9 Pflanzenfaser, 8828,0 Wasser. Man nimmt an, daß der Nicotingehalt (bei Havannatabak 2 Procent, bei den schlechtesten Gattungen 11 Proc. vom trocknen T.) das Betäubende, das Nicotianin aber das Aroma des T-s bedinge. Die geschätzte leichte Verbrennlichkeit des T-s, welche man z.B. an den sogenannten höhlenden Cigarren vermißt, soll ihren Grund in dem Vorkommen von salpetersauren Salzen, bes. aber von äpfelsaurem, citronsaurem, oxalsaurem u. pektinsaurem Kali in dem T. haben. Sind diese organischen Säuren an Kalk, das Kali aber bloß an Chlor, Schwefelsäure etc. gebunden, so ist der T. schwer verbrennlich. Der T. ist in allen seinen Wirkungen höchst narkotischer, die Nerven reizender, ja selbst betäubender Natur. Er wird zum Rauchen, Schnupfen, Kauen u. in der Medicin gebraucht. A) Das Tabaksrauchen geschieht am einfachsten, wenn man etwas T. in ein Blatt Papier od. ein Pflanzenblatt wickelt u. nun anbrennt, wie dies in Spanien u. Amerika noch jetzt gewöhnlich ist, u. welches Veranlassung zur Verfertigung der Cigarren (s.d.) gegeben hat. Zur Herstellung dieser Cigaretten od. Papiercigarren verwendet man am besten, ein Papier (Tabakspapier), welches aus 5 bis 20 Procent Leinenlumpen u. aus entrippten Tabaksblättern hergestellt wird. Ferner bedient man sich zum Rauchen besonderer Werkzeuge, der Tabakspfeifen (s.d.). Der Tabaksrauch enthält fast immer bestimmbare Mengen von Schwefelwasserstoff u. Blausäure, ebenso von Ammoniak; letzteres steht nach A. Vogel in directem Verhältniß zu der Aschenmenge, aber im umgekehrten Verhältniß zu dem Einkaufspreis des T-s. Das Tabaksrauchen wirkt auf den, nicht an dasselbe gewöhnten Organismus als narkotisch-scharfes Gift; erregt Erbrechen, Durchfall, Kopfweh, Betäubung, verliert aber bei öfterm Gebrauch diese unangenehmen Wirkungen sehr bald u. wird Vielen ein genußreiches u. unentbehrliches Reizmittel, welches bei Vermeidung des Übermaßes weder das Leben, verkürzt, noch die Gesundheit beeinträchtigt; vielmehr befördert der T. Morgens geraucht die Expectoration u. die Leibesöffnung, kann aber auch bei solchen, welche viel ausspucken während der Verdauungszeit, durch Entziehung des Speichels nachtheilig werden. B) Der Schnupftabak dient als ein ermunterndes, die Gehirnthätigkeit anregendes Reizmittel u. kann dadurch, daß er eine vermehrte Absonderung der Nasenfeuchtigkeiten bewirkt, bei bestehender Neigung zu Augenentzündüngen als ableitendes Mittel wohlthätig, aber auch im Übermaß u. in scharfer, mehlartiger Form angewendet, für die Nasenschleimhaut u. ihre Nerven nachtheilig werden. C) Das Tabakskauen, od. die Gewohnheit etwas Rauchtabak od. eigens dazu gefertigten Rollentabak (ein Primchen) in den Mund zu nehmen u. etwa 1/4 Stunde in dem Munde zu behalten, um dadurch einen Reiz auf die Nerven hervorzubringen, findet sich meist nur bei Leuten geringern Standes, welche bei ihren Arbeiten durch den Gebrauch der Tabakspfeife gestört werden od. wegen möglicher Feuersgefahr sich der Pfeifen nicht bedienen dürfen. Bes. ist das Kauen des T-s beim Schiffsvolke gewöhnlich, indem es ein Schutzmittel gegen den Scharbock sein soll, u. bei Gefangenen. Es wird dazu gewöhnlicher Rollentabak genommen od. echter Kau- od. Knulltabak eigens bereitet, indem man meist schwere Virginienblätter mit Corinthen, Syrup, Wein, gedörrten Pflaumen etc. beizt u. nach vierwöchentlichem Liegen in der Sauce in kleine, kaum fingerdicke Rollen spinnt. Der Kautabak kommt auch in eigenen Päckchen (Köpfen) in den Handel. D) In der Medicin wird der T. selten innerlich, bisweilen in Klystieren als Aufguß, od. als Rauch, bei eingeklemmten Brüchen, bei Belebungsversuchen Scheintodter etc. (s. Tabaksklystier) angewendet. In der Landwirthschaft, im Aufguß od. Absud, äußerlich als Waschmittel, zur Vertreibung des Ungeziefers in der Gärtnerei, als Asche, auf zarte Gewächse gestreut, zur Abhaltung der Erdflöhe u. Vertilgung der Blattläuse angewendet.

VI. Der Gebrauch eines reizenden Krautes zum Rauchen ist sehr alt. Die Celten kannten ein [184] Kraut, welches sie kauten, rauchten u. schnupften. Auch die Skythen warfen nach Herodot ein Kraut in das Feuer, dessen aufsteigenden Dunst sie einathmeten u. welcher bei ihnen eben so wirkte, wie bei den Griechen der Wein. Ähnlich verfuhren die Thracier nach Pomponius Mela. Den asiatischen Völkern war der T. in alter Zeit unbekannt, wenigstens in Westasien kannte ihn vor Muhammed Niemand u. von dessen Gebrauch in Indien u. China schweigt Marco Paolo u. andere ältere Reisende ganz, in Hinterasien u. auf den Inseln wurde er erst durch die Holländer u. Portugiesen eingeführt. In Amerika fand Columbus 1492 das Rauchen des T-s in kleinen Rollen (Tabacos) bei den Bewohnern von Guanahani, Las Casas bei denen von Haiti u. der Pater Roman Pane bei denen von Hispaniola, bei welchen letztern das Kraut Cojoba hieß. Auch in Yucatan u. Mexico war das Tabaksrauchen vor Ankunft der Europäer bekannt, u. unter den mexikanischen Alterthümern findet man auch Tabakspfeifen. In Südamerika reichte vor der Entdeckung durch die Europäer der Gebrauch des Tabaks nur durch Guiana bis Brasilien, während er in den Platastaaten, Peru, Chile etc. erst von den Europäern eingeführt wurde. Nach Europa wurde der T. von Westindien aus gebracht, u. zwar um 1558 durch Gonzale Hernandez de Oviedo, welcher ihn beschrieb u. nach Spanien brachte. Anfangs hier als Zierpflanze gezogen, wurde er erst von Nicolo Menardes in den Officinen gebraucht, u. 1560 sendete Jean Nicot, französischer Gesandter am portugiesischen Hofe, den Samen an Katharina von Medici, u. daher erhielt dies Kraut den Namen Nicotiana, ward als ein wunderthätiges Heilmittel gegen viele Krankheiten angepriesen u. Herba nicotiana, Herba medicea, Herbe de la Reine Mère, Heiliges Wundkraut (Herba sancta), Indianisches Beinwell, Kraut des heiligen Kreuzes (weil es Prosper Poblicola de Sta. Croce, der päpstliche Nuntius in Portugal, nach Italien geschickt hatte), ferner Königs- od. Königinkraut, auch wegen des Cardinals von Lothringen, welcher es eifrig brauchte, Herbe du Grand Prieur etc. genannt. Nach Deutschland kam der T. schon 1565 durch den Augsburger Arzt Adolf Occo; die Sitte des Rauchens aber kam hier erst zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges durch die englischen Hülfstruppen des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz auf. Seit 1659 bauete Henneberg, seit 1676 die Mark Brandenburg, seit 1660 die Pfalz u. Hessen T. an; nach England kam das Tabakrauchen 1586 aus Virginien u. von da 1590 erst nach Holland. In England wurde nach dem Muster der amerikanischen die ersten kleineren Pfeifen verfertigt, auch Tabakshäuser errichtet. 1604 suchte König Jakob I. den Gebrauch des T-s durch eine starke Auflage abzuschaffen, er schrieb selbst eine Schrift Misocapnus (d.i. Rauchfeind) gegen denselben u. verbot jedem Pflanzer in Virginien mehr als 100 Pfd. zu bauen. 1624 wurde in England das erste Tabaksmonopol eingeführt u. 1643 in eine Tabakssteuer verwandelt. 1605 kam der T. durch die Engländer nach der Türkei u. 1610 rauchte man in Constantinopel, doch befahl der Sultan, um das Rauchen lächerlich zu machen, einen Türken mit durch die Nase gestoßener Pfeife durch die Straßen Constantinopels zu führen. Von den Türken lernten ihn die Perser kennen u. der Gebrauch war bei ihnen schon 1633 gemein. In Rußland wurde das Rauchen 1634 bei Strafe des Naseabschneidens verpönt, doch schon seit 1650 gewöhnlich. In der Schweiz erließen 1658. Appenzell, 1660 u. 1661 Bern, 1670 Glarus Verordnungen gegen den Gebrauch des T-s. In Bern, stand der T. unter der Rubrik: Du sollst nicht ehebrechen, u. hatte ein eigenes Gericht, Chambre du tabac. Noch zu Ende des 17. Jahrh. eiferten Prediger in Deutschland gegen das Tabaksrauchen. Das Tabaksschnupfen war zuerst in Spanien u. Frankreich unter Franz II., dann in Italien, wenig später als das Tabaksrauchen aufgekommen; 1600 schnupften schon die holländischen Damen parfümirten T., 1624 belegte Papst Urban VIII. alle mit dem Bann, welche in der Kirche schnupften, 1698 wurde dessen Excommunication von Innocenz XII. hinsichtlich der Peterskirche erneut, von Benedict XIII., welcher selbst stark schnupfte, aber 1724 aufgehoben. Vgl. J. C. Gotthard, Cultur, Fabrikation u. Benutzung des T-s, Berl. 1802; Anweisung zum vortheilhaften Tabaksbau für Ökonomen, Meißen 1813; Hermbstädt, Anleitung zur Kultur der Tabakspflanzen, Berl. 1822; Neider, Das Ganze des Tabakbaus, Nürnb. 1826; Gorloff, Das Ganze des Tabaksbaus, Lpz. 1826; Der Tabaksbau in Baiern, Landsh. 1832; Melzer, Die Tabaksarten, Heidelb. 1835; Zeller, Anleitung zum Tabaksbau, Karlsr. 1837; Tiedemann, Geschichte des T-s, Frankf. 1854; von Bibra, Die narkotischen Genußmittel u. der Mensch, Nürnberg 1855; Fries, Anleitung zum Tabaksbau, Stuttg. 1857.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 179-185.
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