Sieben

[25] Sieben, 1) ist in der Reihe der einfachen Zahlen dadurch ausgezeichnet, daß sie aus der Vereinigung von Drei u. Vier hervorgeht, u. da diese beiden Zahlen in ihrer Art als vollkommene zu betrachten sind (im Räumlichen als Sieben u. Sieben), so ist der Anstrich vom Mystischen, welchen diese dadurch erhalten haben, auch auf die S. übergetragen u. derselben mehrfach im Alterthum die symbolische Bedeutung einer heiligen Zahl beigelegt worden. In Indien war die S. Symbol der kosmischen Harmonie u. der Mensch, nach seinen 7 Haupttheilen u. 7 Lebensaltern, Repräsentant des makrokosmischen Heptachords (der siebenseitigen Weltleier); es gab 7 Planeten, 7 Erdtheile, 7 Meere, 7 Berge des Paradieses, 7 Ströme in Hindostan; die Chinesen theilten ihr Reich in 7 Provinzen u. unterschieden in dem Menschen, außer den dreigeistigen Seelen, noch 7 materielle; die Perser nahmen auch 7 Berge des Paradieses u. 7 Amschaspands an; bei den Ägyptiern beherrschten 7 Planeten den Himmel, 7 Tage bildeten den Cyklus einer Woche, 7 Jahre wieder einen größeren Cyklus. In Griechenland war die Zahl dem Apollon heilig; ihm wurde am 7. Tage nach dem Neumond geopfert (Hebdomagetes), eben so dem Dionysos, welcher in der Orphischen Lehre in 7 Stücke zerrissen worden sein sollte. Besonders aber erscheint die S. als heilige Zahl in Böotien, hier waren die 7 Thore Thebens, 7 Söhne u. Töchter Amphions, 7 Archageten von Platää, 7 alte Jolaidensamilien zu Thespiä, 7 Bundesstaaten von Kalauria etc. Für das menschliche Entstehen hatte man ebenfalls die einzelnen wichtigen Momente in die Siebenzahl gesetzt; 7 Tage nach Empfang des Samens im Mutterschoße sollte sich derselbe zu einer Gestalt vereinigen; nach 4✕7 Tagen Kopf u. Rücken sich bilden; nach 7✕7 Tagen die menschliche Gestalt vollendet werden. Die Stufenjahre u. die kritischen Tage bei gewissen Krankheiten waren 7, u. daraus, weil diese Tage dem Leben des Kranken gefährlich erschienen, erklärt sich auch jetzt noch die Böse S. Noch hatte man 7 Wunderwerke, ein Siebengestirn, 7 himmlische Kreise u. v. a. Anspielungen. Bes. war die Siebenzahl (Heptas) bei den Pythagoreern heilig u. erhielt von ihnen den Namen Athene. Später erhielt sie die Beinamen Hermes, Herakles, Hephästos, Dionysos, auch Rex u. Numerus virgineus, weil sie (wie Philo spricht) nicht gebiert, noch geboren wird, d.h. in der Scala des Denars kein Product einer Multiplication ist, noch ein solches liefert. Noch erscheinen dort Sieben Weise, die Pansflöte hatte 7 Röhre u. die Leier des Helios 7 Saiten, die Seele 7 Kräfte etc., u. Rom war auf 7 Hügel gebaut. Wie Hermippos eine Schrift über die Heptas geschrieben hatte, so Varro ein (jetzt verlornes) Buch Hebdomades, worin er, nach Gellius, alle merkwürdigen Beziehungen der Siebenzahl aufgeführt hatte. Bei den Hebräern war die Zahl ebenfalls heilig, 7 Jahre bildeten das Sabbathsjahr, 7✕7 Jahre das Jubeljahr. Sonst erscheint in dem A. u. N. T. diese Zahl oft, so in Pharaos Traum die 7 fetten u. 7 magern Kühe, das Oster-, Laubhütten- u. andere Feste dauerten 7 Tage; außerdem in der Bibel 7 Bußpsalmen, 7 Bitten, 7 Seligpreisungen etc.; in der Apokalypse sind 7 Gemeinden, 7 Leuchter, 7 Sterne, ein 7 köpfiges Ungeheuer etc. Die mittelalterliche Kirche hat 7 Sacramente, 7 Todsünden, 7 Tugenden u. Laster, 7 Horae canonicae, 7 clericalische Amtsgrade, 7 Stufen des innern Heiligungslebens angenommen u. so zählte man 7 Freie Künste (s. ch. 1). Am tiefsten liegt die Bedeutung der Siebenzahl in den 7 Tönen der Musik, indem sie hier allerdings aus dem Dreiklang u. Vierklang hervorgeht. Bei den Germanen kommt die S. bes. im Rechtswesen vor; am Gerichtsplatz stehen 7 Eichen; vor Gericht erscheint jeder Freie, welcher 7 Schuh an Grund u. Boden vor sich u. hinter sich hat; 7 Schöffen gehören zur Abfassung eines echten Spruchs; 7 Zeugen zu einem Beweis; 7 Jahre sind oft fristbestimmend, z.B. für die Grenzbegehung; es werden 7 Frieden geboten (für Haus, Weg, Ding, Kirche, Wagen, Pflug u. Teich); in Friesland waren 7 Straßen (4 Wasser- u. 3 Landstraßen) u. wurden 7 Pfennige (4 dem himmlischen[25] u. 3 dem irdischen Könige) entrichtet etc. 2) Die S., s. Sieben Weise Griechenlands.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 25-26.
Lizenz:
Faksimiles:
25 | 26
Kategorien: