Planeten

[178] Planeten (Planētae), alle Himmelskörper, welche in ihrer scheinbaren Bewegung am Himmel ihren Stand gegen die Fixsterne periodisch verändern, jedoch die Grenzen der als Thierkreis bezeichneten Sternbilder nicht überschreiten. Sonne u. Mond, Mercur, Venus, Mars, Jupiter u. Saturn bildeten im Alterthume die Siebenzahl der P. Mit dem Umsturz des als das Ptolemäische bezeichneten astronomischen Systems, nach welchem alle P. nebst dem ganzen Fixsternenhimmel sich um die Erde bewegen, u. nach dem Zwischensystem Tycho's de Brahe u. nachdem das Copernicanische System allgemeine Anerkennung erhalten hatte, mußte auch diese Ansicht von den P. aufgegeben werden. Nach dem von Copernicus seiner wesentlichsten Idee nach zuerst aufgestellten, von Kepler verbesserten u. von Newton auf mechanische Gründe zurückgeführten System befindet sich die Sonne in der Mitte der Planetenwelt u. bildet in mehrfacher Beziehung einen Gegensatz zu den P. Denn erstens ist sie der fest ruhende Centralkörper, um welchen die P. elliptische Bahnen beschreiben; zweitens übertrifft sie alle P. weit an Größe u. Masse, indem ihr Volumen 560 Mal, ihre Masse über 700 Mal größer ist als die aller P. zusammen genommen; drittens empfangen die an sich dunkelen P. von ihr Licht u. Wärme. Die Erde dagegen ist in die Planetenreihe selbst eingefügt u. wird zugleich vom Monde als Trabanten umkreist, welchen sie zugleich auf ihrer Bahn um die Sonne mit sich nimmt, u. welcher also, da er nur mittelbar die Sonne zum Centralkörper hat, auch aus der Reihe der P. tritt. Während so der Begriff des P. (od. Hauptplaneten) seinen Gegensatz findet, theils in dem der ruhenden Sonne, theils in dem des den P. umkreisenden Nebenplaneten, so steht er drittens den Kometen dadurch gegenüber, daß die Excentricität der Planetenbahnen immer klein, nicht über 0,256, die der Kometenbahnen immer groß, nicht unter 0,56, ist, u. daß die Planeten bei einer weit größeren Masse doch einen weit kleineren Raum als die Kometen einnehmen. Was nun die Erklärung der scheinbaren Bewegung der P. am Himmelsgewölbe durch das Copernicanische System anlangt, so ist ein Unterschied zu machen zwischen den beiden unteren P., Mercur u. Venus, welche der Sonne näher stehen als die Erde, u. den übrigen sogenannten oberen P. Die ersten entfernen sich nie über einen gewissen Grad, Mercur nicht über 23° u. Venus nicht über 47°, am scheinbaren Himmelsgewölbe von der Sonne, worauf sie zu derselben wieder zurückkehren, u. sind nur einige Zeit nach Untergang od. vor Aufgang der Sonne, als Abend- od. Morgensterne (u. zwar, mit guten Fernröhren beobachtet, ähnlich dem Mond in allen Lichtphasen) sichtbar, wogegen die oberen, unter denen zu Copernicus Zeiten nur Mars, Jupiter u. Saturn bekannt waren, in allen möglichen Entfernungen von der Sonne am Himmelsgewölbe, namentlich also auch in Opposition der Sonne od. 180° von ihr entfernt beobachtet werden können. Die für den ersten Anblick sehr verwickelt scheinbare Bewegung der P. am Himmel erklärt sich leicht u. vollständig, wenn man die beobachteten P. u. die Erde gleichzeitig sich bewegend vorstellt. Denkt man nämlich vorläufig die Erde allein in Bewegung von Westen nach Osten, den P. aber ruhend u. zwar nach derselben Seite hin stehend wie die Sonne (mit ihr in Conjunction), so wird der Planet sich scheinbar mit der gleichen Geschwindigkeit nach Westen bewegen; befände sich dagegen der ruhende Planet auf der entgegengesetzten Seite als die Sonne (mit ihr in Opposition), so wird der Planet sich scheinbar nach Osten bewegen. Für die Quadraturen endlich, wo die Erde sich gerade in der Richtung nach dem P. bewegt, würde der P. ruhend erscheinen. Mit dieser bloß scheinbaren von der Bewegung der Erde herrührenden Bewegung verbindet sich nun die eigene Bewegung der P. von Westen nach Osten in. ihrer Bahn. Für die oberen P., welche niemals zwischen Sonne u. Erde treten, ist diese zweite Bewegung auch scheinbar nach Osten gerichtet; rechnet man die erstere bald östliche bald westliche hinzu, so ergibt sich als Gesammtbewegung meist eine östliche (rechtläufige), zur Zeit der Opposition aber wegen der größeren Geschwindigkeit der Erde eine westliche (rückläufige). Für die unteren P. ist die zweite Bewegung zur Zeit der oberen Conjunction, wo die Sonne zwischen ihnen u. der Erde steht, nach Osten, zur Zeit der unteren Conjunction nach Westen gerichtet. Rechnet man die scheinbare von der Bewegung der Erde herrührende, welche für die unteren P. immer westwärts ist, hinzu, so ergibt sich auch für die unteren P. meist eine rechtläufige, zur Zeit ihrer unteren Conjunction aber wegen der kleineren Geschwindigkeit der Erde eine rückläufige. Außer der Bewegung der P. parallel der scheinbaren Sonnenbahn am Himmel (der Ekliptik), also den Veränderungen ihrer Länge; die P. haben aber auch veränderliche Breite, befinden sich bald nördlich bald südlich von der Ekliptik; die Ebene jeder Planetenbahn durchschneidet also die Ekliptik in zwei entgegengesetzten Punkten, die man (eben so wie in der Bewegung des Mondes um die Erde) als aufsteigenden u. niedersteigenden Knoten bezeichnet (vgl. Knoten). Die P. haben ferner, da sie in Ellipsen um die Sonne sich bewegen, ihren weitesten u. geringsten Abstand von der Sonne (Aphelium u. Perihelium) in entgegengesetzten Punkten ihrer Bahn, eben so einen. Zeitpunkt, wo sie der Erde am nächsten, einen anderen, wo sie ihr am fernsten sind. Auf die Sonne bezogen aber bewegen sie sich nicht nur mit der Erde. in übereinstimmender Hauptrichtung, sondern auch mit einer, mit ihrer Entfernung von der Sonne gesetzmäßig[178] abnehmenden Geschwindigkeit, so daß die Periode, innerhalb welcher sie ihren Umlauf machen (das Planetenjahr), nicht allein wegen des im Verhältniß des mittleren Abstandes jedes P. von der Sonne zunehmenden Umfangs der Planetenbahn, sondern auch wegen der minderen Geschwindigkeit der entfernteren P. größer ist. Es besteht nämlich darüber das Gesetz, daß sich die Quadrate u. Umlaufszeiten je zweier P. verhalten wie die dritten Potenzen ihrer mittieren Entfernungen. Für jeden einzelnen P. ist die Geschwindigkeit in der Sonnennähe größer als in der Sonnenferne u. zwar überstreicht die von der Sonne nach dem P. gezogene Gerade (Radiusvector) eines P. immer in gleichen Zeiten gleiche Flächen. Diese beiden Gesetze zusammengenommen mit dem ersten, daß jeder Planet eine Ellipse beschreibt, in deren einem Brennpunkt sich die Sonne befindet, sind die drei berühmten Keplerschen Gesetze von der Planetenbewegung. In Betreff der Abstände der P. von der Sonne stand bis vor einiger Zeit die sogenannte Bodesche Planetenreihe od. das Gesetz von Titius in Ansehen, nach welcher, wenn man die mittlere Entfernung des Mercur (8 Millionen Meilen) = 4 setzt, die der Venus 4+3 = 7 (od. 15 Mill. Meilen), der Erde 4+2. 3 = 10 (od. 20 Mill. Meilen), des Mars 4+4. 3 = 16, des Jupiter 4+16. 3 = 52, des Saturn 4+32. 3 = 100, des Uranus 4+64. 3 = 196 sei. Die Lücke zwischen Mars u. Jupiter, in welcher man einen P. mit dem Abstande 4+8. 3 = 28 (od. 56 Mill. Meilen) erwartete, wurde auch in der That durch die zu Anfang dieses Jahrhunderts entdeckten kleinen P., Vesta, Inno, Ceres, Pallas, ausgefüllt, da deren Abstand 50 bis 58 Mill. Meilen ist. Allein abgesehen davon, daß die wirklichen mittleren Abstände der P. nicht eben sehr genau jener Progression genügen, ist sie durch den neuerdings entdeckten Neptun, der statt 776 Mill. nur 621 Mill. Meilen entfernt ist, nicht bestätigt. Nachdem nämlich 13. März 1781 durch Herschel den Älteren der Uranus (s.d.) entdeckt u. seine mittlere Entfernung von der Sonne auf 398 Mill. Meilen bestimmt worden war, wurde schon in den letzten Jahren des 18. Jahrh. öfters die Frage aufgeworfen, ob derselbe wohl der äußerste Planet wäre. In Joh. Jacobis Taschenbuche für 1802 wurde bemerkt: »Ophion, der letzte Planet, jenseits des Uranus, ist 780 Mill. geograph. Meilen von der Sonne entfernt u. braucht zu seinem Umlaufe um dieselbe 250 Jahre. Er ist noch nicht entdeckt.« Cacciatore glaubte, im Mai 1835 in dem Sternbilde der Jungfrau einen Planeten jenseits der Uranusbahn entdeckt zu haben, was sich aber bald als irrig erwies. Die Auffindung eines solchen Planeten sollte vielmehr erst in neuester Zeit auf einem ganz anderen Wege geschehen. Die ersten Tafeln für Uranus hatten Conti u. Delambre entworfen, welche Tafeln bis zum Jahre 1811 stets mit dem wirklichen Orte des Uranus am Himmel übereinstimmten, später aber große Unterschiede zeigten. Zwar machte Bouvard in Paris 1821 seine verbesserten Uranustafeln bekannt, doch abgesehen davon, daß sie mit den älteren, bis 1690 zurückreichenden Beobachtungen, in denen Uranus wiederholt von Flamsteed, Bradley, Mayer als vermeintlicher Fixstern beobachtet u. verzeichnet worden ist, gar nicht übereinstimmten, wichen sie schon 1830 um 20 Secunden, 1842 um 120 Secunden Länge u. 30 Secunden Breite von den Beobachtungen ab. Deshalb stellte die mathematische Klasse der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen im Jahre 1844 die Bearbeitung ganz neuer Uranustafeln als Preisfrage auf. Le Verrier in Paris machte sich an die Lösung dieser Preisaufgabe u. theilte am 10. Nov. 1844 der Pariser Akademie seine Untersuchungen über die Theorie der Uranusbewegungen mit, aus denen sich ergab, daß bei der bisherigen Berechnung der Störungen des Uranus durch Jupiter u. Saturn Manches vernachlässigt worden war, u. daß man also durch die Bouvardschen Tafeln die Bewegung des Uranus unmöglich genau darstellen könne. Später fand Le Verrier, daß selbst das Vernachlässigte noch keineswegs hinreiche, die Unterschiede zwischen Theorie u. Beobachtung vollkommen zu erklären. So betrug z.B. im Jahre 1831 die gefundene Verschiedenheit 188 Secunden, von denen 140 ohne Annahme eines bisher unbekannten Einflusses gar nicht zu enträthseln waren. Dies theilte Le Verrier der Pariser Akademie im Juni 1846 mit der Bemerkung mit, daß er das Dasein eines Planeten jenseits des Uranus mit Bestimmtheit behaupten könne. Er wagte sich nun sogar weiter u. bestimmte unter der nicht ungerechtfertigten Annahme, daß die Entfernung des neuen Planeten von der Sonne ungefähr das Doppelte des Uranusabstandes sei (Bodesche Analogie), die heliocentrische Länge desselben für den 1. Jan. 1847 zu 325° u. fand den neuen Planeten auch wirklich 23. Sept. 1846, welcher Neptunus (s.d.) genannt wurde.

Nachdem in der neuesten Zeit die Kenntniß von den P. bedeutend erweitert worden ist, kann man sie in folgende drei Gruppen zusammenstellen: a) Innere P., die vier P. von mittlerer Größe, welche sich in der Aufeinanderfolge Mercur, Venus, Erde (mit ihrem Mond) u. Mars, in dem relativ beschränkten Gebiet des Sonnensystems, in immer an Größe zunehmenden Bahnen um die Sonne bewegen. Die Erde ist unter ihnen der größte. Als gemeinschaftliche Charaktere kommen ihnen zu: ungleich größere Dichtigkeit, als die Sonne; eine etwa 24 Erdenstunden betragende Dauer ihrer Bewegung um ihre Achse; eine Neigung ihrer Drehungsachse zu ihrer Bahn von mehr als 20°; eine ziemlich gebirgige Oberfläche; eine Atmosphäre, welche der der Erde entspricht; Mondlosigkeit bis auf den einen Mond der Erde. b) Die mittlere Gruppe der Asteroiden od. Planetoiden. Unter ihnen wurden zuerst Anfang dieses Jahrhunderts bis 1807 die vier, Ceres, Pallas, Juno, Vesta, 1845 Asträa u. seitdem (bis Mai 1861) noch 71 entdeckt, so daß ihre Zahl jetzt auf 76 gestiegen ist (s. Asteroiden). Sie füllen den Raum zwischen Mars u. Jupiter, so daß sie dem Mars im allgemeinen näher stehen, als dem Jupiter. Sie sind ausge. zeichnet durch außerordentliche Kleinheit (ihr Durchmesser ist fast unmeßbar klein, der der Vesta wird von Lamont auf 145 Meilen, also 1/5 des Mercur angegeben; ihre Masse ist noch gänzlich unbekannt), durch die starke Neigung ihrer Bahnen gegen die Ekliptik (bei Pallas steigt sie auf 341/2°, während sie unter den größeren P. bei Mercur ihren größten Werth von 7° erreicht), durch die bedeutende Excentricität ihrer Bahnen (bei Juno ist sie 0,256) u. durch das gegenseitige Verschlungensein ihrer Bahnen. c) Äußere P., Jupiter, Saturn, Uranus u. Neptun. Sie haben weit erheblichere Größe dem Volumen[179] nach, so daß dagegen die von ihnen eingeschlossenen P. in dieser Hinsicht fast gar nicht in Betracht kommen, indem Uranus die Erde über 80, Neptun 94, Saturn (ohne den Ring) etwa 908, Jupiter aber wenigstens 1448 Mal darin übertrifft; mindere Dichtigkeit (keiner ist mehr als 1/4 Mal so dicht als die Erde); eigene Beschaffenheit der Atmosphäre, indem diese nicht Wolken, sondern Zonen bildet, welche den Körper in horizontalen Streifen umgeben; große Schnelligkeit ihrer Achsenumwälzung, so daß die Periode einer jeden, ungeachtet der Größe der P., doch nur etwa halb so lang ist, als die der Erde; beträchtliche Abplattung nach den Polen; Begleitung von mehrern Trabanten (des Jupiter von 4, des Saturn von 8, des Uranus wenigstens von 6, des Neptun von 2 Trabanten); nur geringe Abweichung der Bahnen von der Ebene der. Ekliptik (sie ist bei Saturn am größten, nämlich 21/2°). Was die Massenbestimmung der P. betrifft, so findet sich dieselbe für den von Nebenplaneten begleiteten Hauptplaneten nach den Gesetzen der Gravition die Masse U nach der Formel:

Planeten

wobei a die halbe große Achse der Bahn des Nebenplaneten u. U seine Umlaufszeit, die Masse der Sonne aber = 1 gesetzt ist. Hiernach ist die Masse der Erde, 1/355000, des Jupiter 1/1054, des Saturn, 1/3500, des Uranus 1/17918, des Neptun 1/20000. Die Massen der anderen P. aber, die von keinen Trabanten begleitet werden, können nicht mehr so einfach hergeleitet werden; man muß sie dann aus den Störungen, welche sie im Laufe der übrigen P. hervorbringen, bestimmen. Man setzt die Masse des Mercur 1/2026000, der Venus 1/402000, des Mars 1/2680000. Auf die Kenntniß der Massen der Trabanten ist wohl, die des Erdmondes ausgenommen, für immer zu verzichten. Die letztere hat man aus den Beobachtungen der Nutation u. der Ebbe u. Fluth ziemlich genau bestimmen können; sie ist, 1/87 der Erdmasse. Über jeden einzelnen P. s. die eignen Artikel.

Die Alten kannten als P. blos Mercur, Venus, Mars, Jupiter u. Saturn, wozu sie auch Sonne u. Mond rechneten. Die Kenntniß derselben erhielten die Griechen von den Chaldäern u. Ägyptiern. Diesen galten die P. als Gottheiten ersten Ranges u. jeder als der Regent eines der sieben Wochentage; daher benannten die Römer ihre Wochentage nach ihnen. Die griechischen Namen der P. (Phänon [Saturn], Phaethon [Jupiter], Pyroeis [Mars], Helios [Sonne], Phosphoros [Venus], Hermes [Mercur], Selene [Mond]) sind alle von Feuer, Licht, Glanz hergenommen. Die schon im Alterthum gebräuchlichen Planetenzeichen hielt Saumaise für Schriftzüge aus den Anfangsbuchstaben ihrer Namen; nach Scaliger stellt ♄ (Saturn) eine Hippe vor, ♃ (Jupiter) Blitz od. ein Ζ (Ζεύς) ♂ (Mars) Lanze u. Schild, ☉ (Sol) Sonnenscheibe, ☾ (Luna) zunehmenden Mond, ♀ (Venus) Spiegel der Göttin, ☿ (Mercur) den Heroldstab. Die Chaldäer sahen die Sonne u. Mond als die wirkende Ursache bei allen irdischen Begebenheiten an, u. mit ihnen sollten sich dann die Einflüsse der Zeichen des Thierkreises vereinigen. Bei der Geburt des Menschen kam es bes. auf vier Zeichen an; auf das, welches im Augenblick der Geburt aufging, das, welches gerade in der Mitte des Himmels stand, das eben untergehende u. das unterirdische, d.h. das im entgegengesetzten Meridian unter der Erde culminirende. Dann beobachtete man auch die Zeichen, die vor jedem dieser Hauptzeichen unmittelbar vorhergingen u. ihm folgten, u. somit hatten alle Einfluß auf Glück u. Unglück. Leben u. Tod des Neugebornen. Auch einen Geschlechtsgegensatz unter den Zeichen setzten sie fest, indem sie. dieselben vom Widder aus abwechselnd als männlich u. weiblich sich dachten u. diesem gemäß ihren Einfluß bestimmten. Jedem Zeichen war ein Obergott zugeordnet, jedes wieder in drei Dekane getheilt, denen eben so viele Genien zugegeben waren, während noch niedrigere Intelligenzen den kleinern Unterabtheilungen vorstanden. Im Zodiacus bewegten sich nun als Herrscher die sieben P. u. die vornehmsten unter ihnen Sonne u. Mond. Sie hatten ihre Häuser im Thierkreise, Sonne u. Mond auf dem Scheitel des großen Himmelsberges, jene in der Feuergluth des Löwen, dieser im Krebse, dem Thiere des Wassers u. der Feuchte, Mercur, der nächste bei der Sonne, in den Zwillingen u. der Jungfrau, Venus im Stier u. in der Wage, Mars im Widder u. Skorpion, Jupiter in den Fischen u. im Schützen, Saturn zu unterst in Wassermann u. im Steinbock. Ferner wurden die P. auch unter die 36 Dekane vertheilt, so daß Mars mit dem 1. Dekan des Widders anfing, worauf ☉, ♀, ☿, ☾, ♄, ♃ folgten, u. dann die Reihe wieder mit Mars begann, bis der ganze Thierkreis vollendet war. Jeder Planet hatte in seinem Dekane eben die Kraft, wie in seinem Hause; diese wurde aber am höchsten, wenn er seine Exaltation (Erhöhung) erreichte, nämlich ☉ in 19° ♈,☾ im 3° ♉, ☿ im 15° ♍, ♀ im 27° ♓, ♂ im 28°, ʑ, ♃ im 15° ♏, ♄ im 20° ♎. Vier P. wurden den vier Weltgegenden zugegeben, ♃ dem Norden, ♀ dem Süden, ♄ dem Osten, ♂ dem Westen. Den ganzen Orient beherrschte die Sonne, u. ihr war zunächst Jupiter verbunden, den Westen der Mond u. mit ihm Venus. Wie die Zeichen, so theilten sich auch die P. in gute u. böse. Sonne u. Mond waren Regenten des Lebens, jene gab Empfindung, dieser Wachsthum; Jupiter u. Venus waren gut durch ihre Verbindung mit Sonne u. Mond, Saturn u. Mars böse, weil sie sich zu beiden nur wenig hinneigen, Mercur, nach Beschaffenheit der Aspecten, bald gut bald böse. Auch der Geschlechtsunterschied wurde bei den Sternen beachtet: Mond u. Venus waren weiblich, Sonne, Saturn, Mars männlich, Mercur beides. Der Tag vermännlicht die P. durch Wärme u. Kraft, die Nacht verweiblicht sie durch Feuchtigkeit u. Ruhe; auch nähern sie sich dem männlichen Charakter, wenn sie vor der Sonne im Osten hergehen, u. dem weiblichen, wenn sie ihr westlich folgen. Aller Erzeugung Vater ist der Himmel u. die Mutter ist in den Elementen. Diese Elemente wurden unter die 12 Zeichen vertheilt, so daß dem Löwen, als Zeichen des Sommersolstitiums, welches er 2500 v. Chr. war, das Feuer, der Jungfrau die Erde, der Wage die Luft, dem Skorpion das Wasser u. so fort herum entsprach. Diesen astrologischen Sätzen gemäß war nun auch der Tempeldienst eingerichtet, daß die astrologischen Mächte darin niedersteigen u. ihre Strahlen hineinwerfen konnten. Jeder Planet hatte im Bilde seine eigene Farbe u. Gestalt, seinen eigenen Cultus, seine Priester u. ein eigenes Costum. Den sieben alten P. Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Mercur[180] u. Mond werden auch abwechselnd Regierungsjahre zugeschrieben, so daß deren Eigenschaften u. Wirkungen die Witterung u. Fruchtbarkeit des betreffenden Jahres bestimmen sollen: das Saturnusjahr soll sehr kalt, zu vielem Regen geeignet u. selten fruchtbar, das Jupiterjahr (ein solches ist das Jahr 1861) warm u. mäßig feucht u. zu guter Fruchtbarkeit geneigt, das Marsjahr mehr trocken als naß u. wegen der vielen Dürre weniger fruchtbar, das Sonnenjahr immer trocken, wenig feucht, mittelmäßig warm u. fruchtbar, das Venusjahr mehr feucht als trocken, ziemlich warm u. fruchtbar, das Mercuriusjahr trocken u. kaltsein u. selten fruchtbar, das Mondenjahr im Ganzen ein mehr feuchtes als kaltes u. trockenes u. ebenfalls selten fruchtbar sein. Vgl. Astrologie, Nativitätstellen, Konstellation, Horoskop.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 178-181.
Lizenz:
Faksimiles:
178 | 179 | 180 | 181
Kategorien:

Buchempfehlung

Droste-Hülshoff, Annette von

Gedichte (Die Ausgabe von 1844)

Gedichte (Die Ausgabe von 1844)

Nach einem schmalen Band, den die Droste 1838 mit mäßigem Erfolg herausgab, erscheint 1844 bei Cotta ihre zweite und weit bedeutendere Lyrikausgabe. Die Ausgabe enthält ihre Heidebilder mit dem berühmten »Knaben im Moor«, die Balladen, darunter »Die Vergeltung« und neben vielen anderen die Gedichte »Am Turme« und »Das Spiegelbild«. Von dem Honorar für diese Ausgabe erwarb die Autorin ein idyllisches Weinbergshaus in Meersburg am Bodensee, wo sie vier Jahre später verstarb.

220 Seiten, 11.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon