Skorpion [1]

[190] Skorpion, 1) Scorpio L., Gattung aus der Familie der Skorpionthiere u. der Ordnung der[190] vielleibigen Spinnen od. Scheerenfüße (Pedipalpi); der Hinterleib ist in zwei Abtheilungen getheilt, die vordere siebenringelig u. so dick wie der Brustschild, am Ende sich abrundend u. in die fünf viel dünneren hinteren Leibesglieder, welche eine Art Schwanz bilden, übergehend. Am letzten Gliede befindet sich ein blasig aufgetriebener, am Ende verdünnter, zugespitzter u. umgebogener Stachel, welcher der Länge nach durchbohrt ist u. eine Giftdrüse enthält. Die Taster bilden große dicke Scheeren, wie bei den Krebsen. Auf der Mitte des Kopfes stehen zwei große, am Vorderrande jederseits 2–3 kleinere einfache Augen. Hnter dem letzten Fußpaare oben am Brustschilde befindet sich jederseits ein kammförmiges Organ, in der Nähe der beiden Geschlechtsöffnungen. Die Wirkung des Skiorpionstichs ist nur das erstemal sehr heftig, die folgenden Male mindert sie sich allmälig. Die verwundeten Stellen schwellen sehr auf u. veranlassen heftige Schmerzen, welche 24,48, selbst 72 Stunden anhalten. Die hauptsächlichste Wirkung ist aber ein völliger Kraftnachlaß u. eine solche Ermattung, daß der Kranke sich nicht aufrecht erhalten kann. Französische Ärzte haben daher den Skorpionstich in Fällen vorgeschlagen, wo es nothwendig ist einer heftigen Pulsirung des Herzens Einhalt zu thun. Die S-e wurden sonst mit Baumöl, welchem man dann eine Heilkraft gegen den Stich desselben u. anderer giftiger Thiere beimaß, übergossen aufbewahrt (Skorpionöl). Der Aufenthalt der S-e ist in warmen Ländern auf der Erde, unter Moos u. Steinen (daher schon im Alterthum das Sprichwort: vermuthe unter jedem Steine einen S.) in Mauerlöchern, gewöhnlich an dunkeln Orten, nicht selten in Häusern, ja sogar in Betten. Ihr Fraß besteht in allerlei Insecten u. Gewürm, welche sie mit den Scheeren festhalten u. mit dem Stachel erst verwunden, ehe sie sie verzehren. Ihr Lauf ist schnell. Sie bringen des Jahres wenigstens einmal (nach der Behauptung Einiger zweimal) Junge, 20–60 an der Zahl, welche erst nach zwei Jahren zeugungsfähig sind u. von der Mutter eine Zeit lang auf dem Rücken getragen werden. Wenn die S-e von Gefahr des Todes (z.B. durch einen Kreis glühender Kohlen) gedrängt werden, so schlagen sie mit ihrem Stachel so lange um sich, bis sie sich selbst treffen u. tödten. Einige Arten haben acht Augen (bei Leach Buthus genannt), andere nur sechs. Arten: Afrikanischer S. (S. afer), braunschwärzlich, Beine u. Endglied des Schwanzes rothbraun, acht Augen, Scheeren breiter als lang, grobkörnig u. behaart, Kämme dreizehnzähnig, bis 6 Zoll lang; findet sich in Nordafrika u. Ostindien; sein Gift verursacht gefährliche Zufälle, auch den Tod, u. scheint mit dem Alter des Thieres gefährlicher zu werden; Europäischer S. (S. europaeus), dunkelbraun, lichter an den Füßen u. dem letzten Schwanzgliede, hat Kämme mit 9–10 Zähnen, herzförmig eckige Scheeren; im südlichen Europa, minder gefährlich als jener; Deutscher S. (S. germanus), kastanienbraun, ohne Kiel auf dem Schwanze, fünf Grübchen auf der unteren Scheerenfläche; Länge 10–.11 Linien; in Tyrol; Gelblicher S. (S. occitanus), aus Spanien, der Berberei; S. Australasiae u. m. a. Die Entstehung des S-s leiteten die Alten aus dem verfaulten Rückgrath der Krokodile her u. verstanden darunter im Allgemeinen ein giftiges schädliches Thier, daher sie nicht allein in den christlichen Religionsurkunden neben Schlangen als gesihrliche Gegner genannt werden, sondern auch den altpersischen. 2) Art der Flügelschnecken, s.d. b); 3) Art der Gattung Hummer, s.d. 1) B) b).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 190-191.
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