Eiche [1]

[520] Eiche (Quercus), Pflanzengattung aus der Familie der Cupuliferae, 21. Kl. 9. Ordn. L.; männliche Blüthen mit 5–9 Staubfäden u. fünf- bis neuntheiliger Blüthenhülle in hängenden Kätzchen; weibliche Blüthen mit einer aus vielen dachziegeligen mit einander verwachsenen Schuppen gebildeten Hülle; der kurze Griffel mit 3–5 Narben; Frucht: Eichel (s. unten), eine Nuß mit Näpfchen, letzteres durch die weibliche Blüthenhülle gebildet. Die Arten dieser Gattung sind Waldbäume mit jährigen od. ausdauernden, ganzrandigen od. gezähnelten, buchtigen od. fiederspaltigen Blättern u. schmalen, linealen Nebenblättern. Arten: a) Sommer-E. (Augst-E., Stiel-E., Q. pedunculata Willd.), 100–180 Fuß hoch u. 6–8 Fuß dick; nimmt in die Stärke 200–400 Jahre zu u. kann ein Alter von 1000 Jahren erreichen. Blüthen erscheinen Anfang Vlai zugleich mit dem Laube; Frucht od. Eichel sitzt zu 2 beisammen auf einem gemeinschaftlichen langen Stiel u. ist walzenrund mit halbkugeligem, warzigschuppigem Näpfchen; die sehr kurzen Blätter an Stielen länglich, glatt, ungleich vertieft u. mit zugerundeten Lappen; Stamm cylindrisch, 30–40 F. hoch; Holz schwer, hart, fest, zähe, jung weiß, alt bräunlich. Diese E. kommt in ganz Europa bis zum 55° nördl. Br. in sandigem, mit Dammerde u. Lehm vermischtem Boden, mehr in Ebenen u. auf niederen Bergen als auf hohen Gebirgen vor, wo sie höchstens bis 3000 Fuß Höhe über dem Meere gefunden wird; die Früchte dienen zur Mast u. zum Branntwein; über den weiteren Nutzen dieser u. der folgenden Arten s. unten. b) Winter-E. (Stein-E., Q. Robur Willd.), 100–120 Fuß hoch u. 5–7 Fuß dick in 250 Jahren; wird 400–609 Jahr alt; die Eichel ist kleiner als die der vorigen u. sitzt traubenweise zu 2–4 u. 6–12 auf der Spitze eines sehr kurzen Stiels; die langstieligen Blätter sind größer, länglich, oben stumpf, mit regelmäßig vertieften, zugerundeten Lappen, brechen auch später aus; Holz rostgelb, porös, brüchig u. nicht so zähe wie das der Sommer-E. Sie kommt bis 60 u. 62° nördl. Br. noch fort, dagegen im südlichsten Europa nicht mehr, liebt mehr die Berge u. wächst daselbst höher; Sandboden mit Lehm ist ihr am zuträglichsten; Holz ist weniger gesucht. An beiden kommen häufig Galläpfel vor, jedoch von geringem Werth. c) Weichhaarige E. (Q. pubescens L.), Frucht- u. Blattstiel kurz, Blätter gestielt, verkehrt eirund, buchtig, im Frühling filzig, die herangewachsenen unterseits flaumig od. zuletzt kahl, die Lappen stumpf, ungetheilt od. stumpf ein- bis zweieckig, wehrlos, Näpfchenschuppen angedrückt, Früchte zu 2–3 beisammen; auf Hügeln u. waldigen Gebirgen, am Kaiserstuhl, auf Kalkbergen in Oberbaden, der südlichen Schweiz bis ins Littorale, Unterösterreich, Mähren, Böhmen, Südeuropa. d) Österreichische od. Burgundische E. (Q. Cerris L.), höher u. stärker als die vorigen, das Holz fester u. dichter, Rinde dicker, Frucht groß, länglich; der halbrunde Becher ist stachelig-schuppig; Blätter verkehrt eirund od. länglich, buchtig od. fiederspaltig, flaumig od. unterseits graufilzig, mit stachelspitzigen Lappen. Auf waldigen Gebirgen in der italienischen Schweiz, im südlichen Tyrol, Untersteyermark, Krain, Littorale, Unterösterreich; liefert die französischen Galläpfel. e) Knopper-E. Q. aegilops L.), in Griechenland, der Levante, Spanien; Blätter steif, eirundlänglich, schiefwinkelig zugespitzt, grob u. scharf gesägt, oft 6 Zoll lang; Früchte groß, 2 Zoll lang, sitzen in großen, mit rauhen, dicken Schuppen besetzten Bechern; sie liefert Galläpfel u. Knoppern (s.d.). f) Kork-E. (Q. Suber L.), im wärmeren Europa, bes. Spanien; 30–40 Fuß hoch, 14–2 Fuß dick, dauert 100–150 Jahre; Stamm knorrig, Krone breit u. krummästig, Zweige lang u. ruthenförmig; an denselben in großer Anzahl beisammend stehend die eiförmigen, 2–3 Zoll langen, spitzigen, am Rande dornig gezähnten, dunkelgrün glänzend den, unten weißgrauen Blätter; Rinde dick, schwammig, aufgerissen, trennt sich von selbst vom Baume; Eicheln lang auf kurzen Stielen; sie wächst in Gebirgen, dauert im mittleren Deutschland nicht aus; Holz sehr fest; Hauptnutzen: die Korkrinde (s.d.), die man alle 8–10 Jahre bis auf die Basthaut abschälen kann. Die Korkschicht der Rinde erreicht ams Stamme nicht selten die Dicke von 4–5 Zoll u. erneut sich immer von Neuem, wenn sie abgerissens wird; geschieht dies nicht von Menschen, so wirst sie der Baum selbst ab. In der Regel wird nur die Korkschicht des unterhalb der Krone befindlichen Stammes abgeschält, wobei die darunter liegende junge Rinde nicht mit abgelöst werden darf. g) Stech-E. (Immergrüne E., Q. Ilex L.), in Südeuropa u. Krain; 30–50 Fuß hoch, 1 Fuß dick; Blätter eirund, ungetheilt, zugespitzt, gesägt, an den Sägezähnen bedornt, immergrün, lana gestielt; Eicheln eirund, klein, sehr kurz gestielt u. eßbar; Holz sehr nutzbar, schwer, hart, elastisch, fault nicht leicht. h) Kermes-E. (Scharlach-E., Q. coccifera L.), in Südeurvpa, bes. auf hohen Gebirgen, ziemlich hoch; Blätter klein, eirund, unzertheilt, dornig gezähnt, immergrün, sehr kurz gestielt; Eicheln groß, dick, reisen Ende August. Die von Schildläusen (Coccus ilicis) verursachten Auswüchse an Trieben u. Blättern liefern die Kermesbeeren (s.d.). i) Speis-E. (Q. esculus), in Südeuropa, 30 Fuß hoch bei dickem Stamm; die länglichen Eicheln wie Haselnüsse eßbar. k) Kastanienblätterige E. (Q. Prinus L.), wächst schnell, in 80–100 Jahren 40–80 Fuß hoch u. 3 Fuß dick; Holz rostgelb, porös, zähe, fest u. dauerhaft; aus dem südlichen Nordamerika; auch in Deutschland ausdauernd; auf Bergen in dürrem, mit Erde gemischtem Sande; Nutzholz wie das der deutschen E-n; die süßen Eicheln eßbar. l) Rothe E. (Q. rubra L.), sehr schnellwüchsig, in 120–150 Jahren 60–80 Fuß hoch, 3 Fuß dick; Blätter im Herbst schön roth; stammt aus Nordamerika; nutzbar als Bauholz ins Trockne, zu Tischlerarbeiten, bes. aber als Brenn- u. Kohlholz, wegen der Schnellwüchsigkeit des Baumes. m) Q. lusitanica (Q. infectoria), strauchartig in Spanien, Kleinasien, Persien, liefert die besten Galläpfel. n) Q. tinctoria, hoher Baum in Nordamerika, mit länglich ovalen, schwach ausgeschweiften, gezähnelten Blättern. Die Rinde ist das Quercitronholz. Außerdem noch mehrere, in Nordamerika heimische, doch auch in Europa akklimatisirte Arten. Der Nutzen der E-n ist schon im Allgemeinen oben bei den einzelnen Arten angegeben. Das Eichenholz, bes. von den beiden ersten Arten, dient als eins der besten harten Hölzer, zur Feuerung u. zum Kohlenbrennen; die Hitzkraft der Winter-E. verhält sich zu der der [520] Buche = 350 : 360, der Sommer-E. zu der der Buche = 328 : 360, der Kubikfuß wiegt frisch 591 Pfd., halbtrocken 58 Pfd., dürr 443/4 Pfd.; noch besser ist es als Bauholz über u. vorzüglich unter dem Wasser, wo es vor Alter schwarz wird u. Jahrtausende lang ausdauert. Den Tischlern dient es, gebohnt u. lackirt, als Nutzholz u. zu Vertäfelungen; trefflich ist es zum Schiff- u. Maschinenbau. Versteinertes Eichenholz heißt Dryites. Die Eichenrinde, bes. von jungen Bäumen (s. Eichenschälwaldung), dient zur Gerberlohe, in Krankheiten von Schwäche od. Erschlaffung als Decoct zur Stärkung, auch als Surrogat der Chinarinde. Die Eicheln, länglich eiförmige, von einer glatten, gelbbraunen Schale umschlossenen, in einem kurzen, rauhen, napfförmigen Kelche (Eichelkelche, Eichelnäpfchen) sitzende bittere Früchte der ersten beiden u. auch anderer Arten, dienen bes. zur Mast für wilde u. zahme Schweine (s.u. Mast); auch das Wild, Schafe u. Ochsen fressen sie gern; in Hungersnoth werden sie wohl auch zu Eichelbrod benutzt; in Norwegen dient dies zur gewöhnlichen Nahrung u. bei Vermengung mit anderem Mehl ist sein Genuß nicht nachtheilig; Eicheln werden, bes. geröstet, als Eichelkaffee bereitet u. getrunken u. sind wirksam gegen Skropheln, dienen auch als Chokoladensurrogat; die von mehreren Arten (bes. f), g), i) u. k) sind eßbar. Die Eichel dient auch zur Wettervorherbestimmung; hat sie einen reinen, ganz weißen Kern, so soll dieser auf schönen, trockenen Sommer u. fruchtreiches Jahr deuten; ist aber das Innere derselben molkig, feucht u. fleckig, so soll Nässe u. stürmische Witterung folgen. Die Eichenzucht geschieht, indem man die aus abgefallenen Eicheln entstandenen jungen Bäumchen auf Viehweiden u. andere leere Stellen versetzt. Da die Pfahlwurzel der E. in den ersten Jahren sehr tief geht u. man diese, ohne ein tiefes Loch zu machen, nicht füglich weiter als 1 Fuß unter dem Boden abschneiden kann, so kränkelt die versetzte junge E. u. wächst, wenn sie nicht sehr starke Nebenwurzeln hat, langsam u. dürftig. Damit sie nun starke Nedenwurzeln erlange, versetzt man die jungen E-n, wenn sie 2–3 Fuß hoch sind, nachdem man die Pfahlwurzel 3–4 Zoll tief abgeschnitten hat, in einen Platz (Eichengarten, Eichenkamp, Eichenkampf), mit durch 8–9 Zoll tiefes Umgraben (nicht aber durch Rajolen, was den Boden zu tief aufwühlt) urbar gemachtem gutem Boden, aus dem man bes. alle Quecken entfernt. Hat man keine ganz gesunde junge E. in dem Forst, so sät man Eicheln in einen kleineren Eichenkamp, der ebenfalls gut umgraben ist, in 11/2 Fuß von einander gelegene Rinnen an, die man 11/2–2 Zoll hoch mit lockerer Erde bedeckt. Die aufgegangenen Pflanzen hält man frei von Unkraut, hackt den Boden jährlich etwas auf u. versetzt die jungen Pflanzen nach einigen Jahren in regelmäßige Reihen. Haben diese Pflanzen die obige Größe erreicht, so verpflanzt man sie in den größeren Kamp, in welchem man sie in Reihen setzt, die 2 Fuß von einander entfernt sind, u. in welchem die Pflänzchen ebenfalls 2 Fuß auseinander stehen. Die unten hervorkommenden Aste werden jedoch nach u. nach ausgeschnitten u. der Boden um die Pflanzen jährlich aufgehackt. Man versetzt sie nun, wenn sie ohne Pfahl selbständig stehen können. – Die E. war bei vielen Völkern ein heiliger Baum; schon wegen ihrer Größe, Höhe, Schönheit u. Stärke. Bei den Griechen (E. von Dodona [s.d.]) u. Römern war sie dem Jupiter geheiligt. Bei den alten Preußen, Böhmen u. Wenden wurde der Gottesdienst unter E-n gehalten; eben so bei den Celten u. den Nordgermanen. Als deutscher Baum überhaupt kam die E. erst durch die Denis'sche u. Klopstock'sche Bardenpoesie auf. Ein Eichenkranz ist das Symbol der Vaterlandsliebe u. Vaterlandstreue, u. wird deshalb auch auf Orden (s. Eisernes Kreuz) angebracht. Die Eichel dient in ihrer plastischen Form zu mancherlei Zierrathen, sowohl in Bildhauerkunst, als auch Posamentirern u. Modistinnen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 520-521.
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