Branntwein [1]

[207] Branntwein, im Allgemeinen jede durch Destillation (Brennen) aus Stoffen, welche vorher einer wenigen (geistigen) Gährung unterworfen worden, erhaltene brennbare (geistige) Flüssigkeit. I. Der B. ist ein aus Kohlenstoff, Sauerstoff u. Wasserstoff zusammengesetzter flüssiger Körper von geringem specifischen Gewicht, sehr flüssig, nimmt Wasser aus der Luft auf u. verschließt kleine Luftmengen. Auf dem Verhältnisse mit Alkohol u. Wasser beruht seine Stärke; herrscht das Wasser vor, so heißt die Flüssigkeit Lutter (Branntwasser), überwiegt der Alkohol die Wassermenge, so heißt die Flüssigkeit Weingeist, Spiritus, rectificirter, höchstrectificirter, alkoholsaurer Spiritus. Den Namen B. wendet man gewöhnlich an, wenn der Alkohol in dem Gewicht 20 bis 45 Proc. beträgt. Der gemeine B. (Schenk-B.) enthält (nach Richter) 22–30 Proc. Alkohol; der demselben eigene Geschmack u. Geruch (Fusel) beruht auf einem eigenen Öl, welches bei der gewöhnlichen Destillation mit übergeht u. ihn verunreinigt; der ein Mal (als Vorsprung, Spriet) rectificirte Weingeist hat etwa 40–45 Proc., der 2 Mal od. eigentlich rectificirte 55–56 Proc., der doppelt (höchst) rectificirte 75–80 Proc. Alkohol. Dieselben graduellen Verschiedenheiten kann man aber auch, unter Wahrnehmung von Vortheilen, durch einmalige Destillation erhalten. Ganz reiner absoluter Alkohol ist nur mit größter Schwierigkeit zu erhalten, weil sich ein bestimmter Antheil Wasser so fest damit verbindet, daß dieser Antheil nur von dem geübten Chemiker abgeschieden werden kann. Der B. kann nur aus solchen Körpern gebildet werden, welche Kohlen-, Sauer- u. Wasserstoff enthalten. Es gibt nur einen solchen Körper, den Zucker, welcher die Fähigkeit besitzt, sein Element durch Umwandlung in Folge anderer Einwirkungen in Alkohol u. Nebenproducte zu verwandeln. Diese Umwandlung erfolgt durch die Gährung. Solche zuckerhaltige Körper sind Obst-, Frucht-, Pflanzensäfte, Zuckerlösungen aller Art. In der Regel dienen letztere zur Darstellung des B-s. Die Zuckerlösungen bestehen aber nicht aus gewöhnlichem Rohzucker u. Wasser, sondern diese Zuckergattung muß erst künstlich hervorgebracht werden, ehe sie gelöst u. in Gährung gebracht werden kann. Die Zuckerbildung geschieht aus Stärkemehl. B. brennt im Verhältniß seiner Stärke mit blauer Flamme, die auch den dadurch erleuchteten Gegenständen ihr Colorit entzieht (Gesichter daher leichenblaß macht); bei schwächeren Sorten bleibt mehr od. minder unverdampftes Wasser von Fuselgeschmack u. Geruch zurück. (Vgl. übrigens Alkohol).

II. Man hat verschiedene Branntweinsorten: a) nach den Materialien, die zu ihrer Fabrication benutzt werden. Aus schlechten Weinen od. Weinüberresten gewonnene B-e werden zu Franz-B. veredelt, indem diesem (gewöhnlich[207] in Frankreich bereitet) der bei der Fabrikation sich beifügende Essigäther einen bes. lieblichen Geschmack gibt. Es läßt aber ein jeder reiner B. durch Beimengung von etwas Essigäther sich auf gleiche Weise veredeln; die gewöhnlichste Sorte, bes. in nördlichen Gegenden, ist der Korn-B., aus Roggen u. Weizen überhaupt gewonnen, u. in neuerer Zeit der Kartoffel-B.; diese beiden letzten Sorten nennt man auch, im Gegensatz zu dem ersten, Frucht-B-e. In neuester Zeit hat man sich, bes. in Folge der Kartoffelkrankheit, bestrebt, noch aus vielen anderen Stoffen B. darzustellen, so aus Holzfasern, Queckenwurzeln, Kürbis, Mais, Lupinensamen, Zuckerrunkelrüben, Möhren, Feigencactus, Krapp, Asphodil, Tapinambur, Vogelbeeren etc.; doch haben nur Mais, Zuckerrüben u. Möhren günstige Resultate gegeben, u. es wird gegenwärtig aus diesen Stoffen B. im Großen mit Erfolg dargestellt. b) Abgezogene B. od. Liqueure. Im Handel unterscheidet man mehrere, bei der Destillation selbst mit gewürzhaften Substanzen verbundene B-e, denen aber meist die unter a) erwähnten Stoffe zu Grunde liegen; es sind deren unendlich viel; der Kümmel- u. Pomeranzen-B. sind die gemeinsten. Der Bittere B. ist ein magenstärkender B., von dem es einfachen u. doppelten, Englisch- u. Spanisch-Bittern gibt; Hauptbestandtheile desselben sind getrocknete Pomeranzenfrüchte u. Schalen, Kalmuswurzel, Tausendgüldenkraut, Angelikawurzel, Wachholderbeeren, Bittersüß- u. Gentianwurzel. Mit Syrup od. gebranntem Zucker wird er braun gefärbt. Nach der Stärke unterscheidet man wieder einfachen u. doppelten. Gewöhnlich wird auch etwas Zucker zugesetzt. Die feinsten Liqueurs erhalten den Namen Crêmes, s.u. Liqueur. Eigene Arten bilden wieder die Ratafia's, der Arack, Rum etc., s.d. a. In Deutschland wird bes. in Nordhausen das B-brennen u. also auch der Verkehr damit ins Große getrieben; am bedeutendsten war von hier aus der Abzug in dem französischen Revolutionskriege; auch die Quedlinburger B-e sind sehr gesucht, für das Ausland auch die der Städte Hamburg, Altona, Rostock. Von Köln u. mehreren Städten am Rhein u. in Westfalen aus geht der Handel mit über Wachholderbeeren abgezogenem B. (Genever, Steinhäuser) ins Bedeutende. In Holland liefern bes. Schiedam, Rotterdam, Amsterdam u. Weesp sehr viel Korn-B. u. Genever, eben so aber auch von ersterem Rußland, Polen u. Schweden sehr viel. In Frankreich ist der Franz-B. der am meisten ausgeführte; von Cette, Bordeaux, Rochelle, Nantes, Bayonne u. Dünkirchen wird damit ein bedeutender Handel getrieben, bes. auch nach den Küsten von Afrika; der Spanische B. ist in neuerer Zeit ebenfalls sehr in Gang gekommen, bes. über Alicante u. Barcellona in Menge. Einen eigenen Zweig bildet auch der Handel mit Liqueurs, bes. mit italienischen u. französischen; doch sind auch die Danziger u. Breslauer sehr gesucht.

III. Verfälschungen u. Künsteleien mit B. a) Zu den absichtlichen Verfälschungen gehört zunächst die absichtliche Verdünnung, die aber dadurch der Gesundheit nachtheilig werden kann, daß der Zusatz scharfer Substanzen die Schwäche des B-s verstecken soll. Das gemeinste Mittel ist Pfeffer; andere Substanzen sind: Seidelbast, Bertramwurzel, bedenklicher ist Kirschlorbeerwasser, um Liqueuren einen Geschmack von bitteren Mandeln zu verleihen, auch Schwefelsäure, um ein Bouquet in dem B. zu entwickeln. b) Zufällige Verfälschungen sind Beimischungen metallischer Theile, bes. essigianern Kupfers, bei Anwendung kupferner Destillationsgeräthe, die daher auch beständiger Reinhaltung bedürfen. Um die Verfälschungen zu erfahren, zugleich aber die Reinheit u. Stärke des B-s zu prüfen, dienen die Branntweinproben. Dahin gehört, als die nächstgelegene, der Geschmack, bes. hinsichtlich des Fusels, dann Wasserhelle, Perlen im Glase (im Verhältniß mit dem Alkoholgehalt), doch kann es betrügerisch auch einem schwachen B. verliehen werden, wenn beim Einmaischen des Getreides (od. auch der Kartoffeln) etwas Haferschrot mit eingemaischt wird, auch durch Zusatz von etwas in starkem Weingeist aufgelöster Seife, auch durch (übrigens sehr schädlichen) Zusatz von Gummi Gutti. Ferner sind B-proben: das Eintauchen von ungeleimtem Papier, in welches sich der ungewässerte B. nicht über die eingetauchte Stelle, einzieht; die Schnelligkeit, mit der eingetröpftes Öl zu Boden sinkt; das schnelle Verfliegen guten B-s, wenn man ihn in der Hand reibt, wobei er Kälte ohne Brennen zurückläßt; das Abbrennen, wobei nur wenig Feuchtigkeit zurückbleibt, um so weniger aber, je oberflächlicher er während des Verbrennens verbreitet ist (der völlig rectificirte B. läßt gar keinen Rückstand u. zündet unter dem Verbrennen mit ihm begossenes Schießpulver); der Aräometer, der auch wohl den Namen Branntweinprober führt; der Alkoholometer, als die vorzüglichste B-probe hinsichtlich der Stärke der Vaporimeter (s.d.). Kupferhaltigen B. kann man leicht erkennen, wenn man ihm einige Tropfen Olivenöl zusetzt u. damit tüchtig schüttelt. Das abgesonderte Öl zeigt sich grünlich gefärbt u. enthält alles in dem B. gelöst gewesene Kupfersalz. Um B. zu reinigen entfernt man zunächst die überflüssigen wässerigen Theile durch wiederholte Destillation od. Rectification, od. man gießt den B. in eine Rindsblase, bindet diese zu u. hängt sie 8 Tage in trockene Wärme von wenigstens 30°; das Wasser schwitzt durch die Blase u. der Spiritus bleibt zurück. Den sogenannten Fusel reinigt man durch gut ausgeglühte u. pulverisirte Lindenkohle, etwa 2 Pfund auf jeden Eimer; der abgezapfte B. wird nach einigen Tagen nochmals destillirt. Um B. älter zu machen, setzt man auf je 1 Litre desselben 5–6 Tropfen Salmiakgeist u. schüttelt stark um. Früher bediente man sich zu diesem Behuf Tragantschleimgeist. Das Färben der B. mit gebranntem Zucker ist nicht schädlich. Früher wendete man zum Färben Catechu an. Damit der B. gegehörig rein u. unverfälscht von den dazu berechtigten Personen fabricirt wird u. dem Mißbrauch des B-trinkens unter der niederen Volksklasse, wenigstens durch Beschränkung des B-schanks auf Personen, die dasselbe nicht zum einzigen od. Hauptnahrungszweig machen, durch Bestrafung der Trunkenbolde, die vorzugsweise es durch Übermaß im B-genusse sind, durch Verbot alles Borgens im B-schank, Beförderung von Mäßigkeitsvereinen (s.d.), Herstellung billigen u. guten Bieres od. Landweines etc. Einhalt geschehe, besteht eine Branntweinpolizei. Eben so hat man oft den Preis des B-s im Einzelnen durch Branntweintaxen polizeilich zu bestimmen versucht, ist aber stets wegen Unterschied der Stärke des B-s u. der Gemäße auf große Schwierigkeiten gestoßen. Das Recht, das an mehreren[208] Orten Rittergütern d. großen B-brennereianstalten zusteht, zu fordern, daß Gerichtsunterthanen, od. überhaupt Personen eines gewissen Bezirks, bes. Wirthe, ihren B-bedarf von ihnen beziehen, ist der Branntweinzwang; doch ist er jetzt in den meisten Staaten aufgehoben.

IV. Gebrauch des B. Der B. gehört zu den kräftigsten Erregungsmitteln; er ist mäßig genossen Arznei für die Verdauung, die er zur besseren Verarbeitung bes. schwer verdaulicher, auch fetter Nahrungsmittel erregt u. ist bei starker Muskelanstrengung in kalter Luft, für Soldaten in der Campagne u. bei sonstigen großen Anstrengungen, für Schiffer, Seeleute, Jäger etc., ein ganz zweckmäßiges Erwärmungsmittel; sein Gebrauch als bloßes Genußmittel ist aber ein Mißbrauch. Der anhaltende u. übermäßige Genuß desselben wirkt gleich einem langsamen Gifte u. erzeugt Abstumpfungen des Geistes u. Körpers, Zerstörung der Verdauungskräfte, Bildung von Skirrhositäten in inneren Organen, Wassersüchten, Lähmungen etc.; vgl. Trunksucht, Trunkenheit, Delirium tremens. Mit Recht hat man daher die Trunksucht im V. als Branntweinpest bezeichnet, u. die Mäßigkeitsvereine eisern vorzüglich gegen den Genuß des B-s. Am nachteiligsten wirkt er concentrirt u. ohne Zusätze genossen, weshalb er in den feineren Liqueuren, mit einem großen Antheil Zucker, zuträglicher ist; am wenigsten bedenklich, bei nicht sehr großem Mißbrauch, ist er mit Nasser verdünnt, wie beim Modegebrauch des Aracks zum Thee. Vgl. I. K. Renard, Der B. in diätetischer u. polizeilicher Rücksicht, Mainz 1817. Als Heilmittel dient V. bes. in Magenschwäche, Blähungsbeschwerden (bes. der Kümmel-B.), gegen Scorbut u.a. Schwächekrankheiten, auch gegen Ansteckung (bes. Wachholder-B.), da er die Ausdünstung fördert. Auch äußerlich ist, wo es darauf ankommt, matte Glieder zu stärken, schon der gewöhnliche B. ein kräftiges Erregungsmittel, mehr noch in vielen Formen, wo andere noch mehr erregende Mittel von ihm aufgenommen sind, als Riechwasser, zum Waschen u. Anstreichen für Belebung von Ohnmächtigen u. Schwachen, zur Zertheilung örtlicher Entzündung, zur Blutstillung etc. Bei Pferden wird B. als erregendes Mittel (gewöhnlich mit Brod) bei großer Ermattung mit Nutzen gegeben, aber auch gegen wirkliche Schwächekrankheiten, auch gegen Blähungen; doch berauscht er in Gaben von 2–3 Unzen mit Wasser u. wird in dieser Hinsicht von betrügerischen Roßkämmen gemißbraucht. Bei Rindern dient er in der Blähsucht zu 4–6 Unzen u. im Milzbrand. Junge Hunde werden durch, ihnen häufig gegebenen B. als Schooßhündchen klein erhalten. Der sogenannte Branntweinspülicht (Schlempe) dient als Scheuer- u. Mastungsmittel, äußerlich bes. bei Steifigkeit der Gliedmaßen, ödematösen Anschwellungen, Gicht, Rheumatismus, englischer Krankheit, bes. in Form von Bädern. B. dient auch zur Aufbewahrung thierischer Theile, um sie gegen Fäulniß zu sichern, besonders von anatomischen Präparaten, zum Reinigen des Glases, besonders der Spiegel, zum Stahlschleifen mit Schmirgel, der stärkere zum Brennen in Lampen, für die Glasmalerei, od. auch zu Vergoldungen u. Versilberungen, zu mancherlei Firnissen, zur Auflösung von Hausenblase, Ausspülung von Weinfässern, oft auch, um schwachen Weinen nachzuhelfen, od. sie zum Transport zur See fähig zu machen, zur Wegnahme von Wachs- u.a. Flecken in Kleidern, zur Bereitung von Essenzen, Parfümerien, Liqueurs u.a. Kraftgetränken, so wie zu manchen Speisebereitungen.

V. Geschichte. Die Erfindung des B-s ist uralt; in Europa wurde jedoch der B., aus Destillation des Weines erhalten (daher auch gebrannter Wein, lat. Vinum ustum, genannt), erst durch die Araber bekannt. In Indien u. China wurden aber seit undenklichen Zeiten aus Palmen u. Datteln branntweinartige Flüssigkeiten bereitet, u. der Wein der Indier, dessen Strabo gedenkt, ist wohl kein anderer, als der aus Reiß noch jetzt daselbst bereitete Arack. Die arabischen Ärzte mögen sich aber durch die Erfindung den Destillirens, welche etwa in den Anfang des 9. Jahrh. fällt, mehrere Jahrhunderte nur auf die Bereitung von destillirtem Wasser zum Arzneigebrauch beschränkt haben, u. später erst aus die B-bereitung geleitet worden sein. Erst Abulkasem, zu Anfang des 12. Jahrh., erwähnt der Destillation des Weines, u. zwar durch eine Geräthschaft, wodurch aufwärts destillirt wurde. Durch die Ärzte der Araber wurde nun der gebrannte Wein auch den europäischen Chemikern bekannt, so u.a. dem Arnold de Villanova u. dessen Schüler Raimund Lullus v. Majorca, welchen mit Unrecht wohl auch die Erfindung des B-s zugeschrieben wird, obwohl sie wesentlich zu besserer Bereitung, auch zur Bekanntmachung desselben beitrugen. Bald wurde nun der B. Gegenstand des Handels; bes. wurde in Modena zu Anfang des 14. Jahrh. der B. für sich, od. auch in Liqueurform (sehr zeitig als Rosmaringeist) bereitet. Er kam als Verlängerungsmittel der Jugend u. des Lebens (Lebenswasser, Aqua vitae), in hohen Ruf, Anfangs jedoch mehr nur als Arzneimittel, bes. gegen die Pest u. ansteckende Krankheiten, doch allmählig immer mehr als Genußmittel, als welches ihn vornehmlich die deutschen Bergleute brauchten. Auch von Venedig aus wurde ein starker Handel damit, bes. auch nach der Türkei getrieben. Doch war die Bereitung lange noch ein Geheimniß der Chemiker. Bald reichten indeß der Wein- u. auch die Weinhefen, welche man bes. für die Anfertigung desselben benutzte, nicht mehr hin, das Bedürfniß zu decken, u. man sing zu Anfang des 15. Jahrh. an, Bierhefen u. etwas später in weinige Gährung versetzte mehlige Substanzen dazu zu verwenden. Mit der zunehmenden Verbreitung des B-genusses lernte man aber seinen Nachtheil bei zu starkem, rücksichtslosem u. anhaltendem Gebrauche kennen. Im 15. Jahrh. erschienen schon Schriften dagegen. Mehrere Regierungen fanden sich bes. im 16. Jahrh. veranlaßt, polizeiliche Maßregeln gegen den Mißbrauch des B-s zu treffen. Die häufigste Verbreitung erhielt der B-genuß u. das Berauschen dadurch schon im 10. Jahrh. in Rußland u. von da aus unter den nördlichen asiatischen Nationen. Im 17. Jahrh. erlangte das technische Verfahren bei der Bereitung des B-s immer höhere Grade von Vollkommenheit, u. man benutzte in diesem u. dem folgenden nun eine Menge Vegetabilien mit Mehl- u. Zuckerstoffen zu dessen Anfertigung. Der Mißbrauch des B-s als Genußmittel rief in neuer Zeit wieder B-verbote hervor, so in Preußen unter Friedrich Wilhelm I. für Potsdam; ebenso bei Theuerungen, um Roggen, Kartoffeln etc. durch B-brennen nicht[209] dem eigentlichen Gebrauche zu Speise zu entziehen. Aber die Verbote erwiesen sich als unausführbar u. ungenügend, namentlich da sich die Getreidepreise ungeachtet derselben nicht minderten; jetzt bes. bei dem B. aus Kartoffeln würde dasselbe noch erfolgloser sein. Außerdem greift die B-brennerei so tief in den größeren landwirthschaftlichen Betrieb ein, daß sie sich ohne bedeutende Störungen u. Nachtheile nicht mehr davon losscheiden läßt, so wie auch das Interesse vieler Regierungen der Branntweinbesteuerung wegen mit der Production des B-s eng verbunden ist.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 207-210.
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