Pomeranze

[334] Pomeranze, rundliche, oben u. unten eingedrückte, rothgelbe, gelbliches, säuerlich-bitterliches, saftiges Fleisch enthaltende Frucht des Pomeranzenbaums. Die meisten P. bringt Italien, Spanien u. Portugal in den Handel; die Kisten von Genua enthalten 400 Stück, aus den Gegenden um den Lago di Garda 500–550, von Lissabon 500, von Malaga 1000 Stück. Die reisen P. dienen zur Bereitung des Bischofs, der Bischofsessenz u. ähnlicher Getränke; die unreifen getrockneten, grünlich schwarzen, kugelrunden, die Größe einer Erbse bis einer Wallnuß habenden, gewürzhaft bitteren Früchte zur Bereitung des Pomeranzenextracts u. der Pomeranzentinctur u. die kleineren werden zum Einlegen in Fontanelle gebraucht. Pomeranzenschalen (Cortices aurantiorum), dunkel- od. bräunlichgelb, hart auf der inneren Seite mit weißlichem, weichem, schwammigem Parenchyma besetzt, gewürzhaft riechend, bitter aromatisch schmeckend, dienen, mit Zucker eingesotten, als Leckerei. Sonst werden sie auch arzneilich, nach vorgängigem Aufweichen, von dem unkräftigen, weißen Parenchyma gereinigt (dann mit Flavedo corticum aurantiorum bezeichnet), als magenstärkendes Mittel angewendet. Pomeran zenschalenextract (Extractum corticum aurant.), durch Eindicken eines mit Weingeist u. Wasser gemachten Auszugs der von der Parenchyma befreiten Pomeranzenschale bereitet, braun, ange nehm bitter, von deutlichem Pomeranzengeruch u. gleichen Kräften wie die Schalen. Pomeranzen schalenöl (Oleum cort. aur., Ol. Portugallo), aus den Pomeranzenschalen durch Destillation u. Auspressen erhalten; vgl. Bergamottöl. Pomeranzenschalentinctur (Pomeranzentinctur, Tinctura cort. aur.), aus 1 Theil von der Parenchyma befreiten Pomeranzenschale u. 6 Theilen Weingeist, durch Digestion bereitet u. als Stomachale u. Carminativum gebräuchlich. Pomeranzenelixir (Elixir aurantiorum compositum), mit Malaga- od. Madeirawein bereiteter Auszug von Pomeranzenschalen u. Früchten, Zimmtkassie, kohlensaurem Kali,[334] welchem etwas Wermuth-, Cascarill-, Enzian-, Bitterkleeextract, nach einigen Pharmakopöen auch Citronenöl u. Schwefeläthergeist, zugesetzt wird; schwarzbraun, undurchsichtig, gewürzhaft ätherisch riechend, bitter gewürzhaft schmeckend, 1/2–1 Eßlöffel als magenstärkendes Mittel angewendet.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 334-335.
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