Hund [1]

[613] Hund (Canis), 1) Gattung der reißenden Raubthiere, mit oben drei, unten drei Lücken- u. hinter dem großen Fleisch- od. Reißzahne zwei Höckerzähnen, fünf Zehen an den Vorder-, vier an den Hinterfüßen, mit nichtzurückziehbaren Krallen; die Schnauze ist mehr od. weniger kegelförmig vorstehend, die Zunge nicht rauh, der Rücken nicht abschüssig u. der Geruch ist scharf. Man theilt diese Gattung in folgende 5 Untergattungen: A) Füchse (Vulpes), Schwanz gerade, keulenförmig buschig behaart, von der Länge des Körpers, Pupille senkrecht, länglich rund; Art: Gemeiner Fuchs (Canis vulpes, Vulpes vulgaris), s.d.; die übrigen Arten s.u. Fuchs. B) Fennecs od. Großohrfuchs (Ohrenthier, Megalotis), ebenso, aber die Ohren sehr groß; Art: Gemeiner Fuchs (C. s. M. zerda); die übrigen Arten s.u. Ohrenthier (Megalotis). C) Wölfe (Lupus), Pupille rund, Vorderzähne sägeartig eingeschnitten, Schwanz senkrecht getragen: a) Eigentliche Wölfe, Schwanz ziemlich kurz u. nicht lang behaart; leben nicht in Höhlen; Art: Gemeiner Wolf (C. lupus), s.d. wo auch die anderen Arten stehen; b) Goldwölfe (Schakals), Schwanz länger, langhäriger; graben sich Höhlen; Arten: Gemeiner Goldwolf (Schakal, C. aureus); Syrischer Schakal (C. syriacus); diese u. die übrigen Arten s.u. Schakal u. Wolf. D) Eigentliche Hunde (Canis), Vorderzähne gewöhnlich, Pupille rund, Schwanz mittellang (oft fast kurz), aufwärts gerichtet; Art: Gemeiner H. (Haushund, C. familiaris); andere Arten, z.B. der Antarktische H. (Maloninenhund, C. antarcticus, C. malovinicus), Durangehund (C. duraugensis), Dingo (Neuholländischer H., C. dingo s. Novae Holandiae) u. der Sibirische Alpenhund (C. alpinus) leben zwar frei in der Wildniß, doch läßt sich nicht mit Sicherheit nachweisen, ob sie nicht vielleicht nur verwilderte Haushunde sind. 2) Gemeiner H. (Haushund, Canis familiaris, der männliche H. Rätte, der weibliche Betze, die Jungen Wölfe). Art aus voriger Gattung; Jagdausdrücke beim H. sind: das Maul Gebiß, die hängenden Oberlippen Lappen (er ist gut belappt), die Ohren Behang (Gehänge, Geläppe, er ist gut behangen), der Schwanz Ruthe, die Füße Läufe, die Nägel Klauen, die Hinterdaumen Afterklauen, die untere Fläche des Fußes Ballen, männliches Glied Feuchtglied, Hoden Geschröte (Nieren), weibliches Schnalle, Brüste Gesäuge, Excremente Losung (löst sich, leert sich, macht sich leicht), er pißt feuchtet, sein Futter Fraß, er nimmt ihn, bellt nicht, sondern schlägt an (gibt Hals, gibt laut, ist laut), ist statt fett u. mager schlecht od. gut bei Leibe, statt verdrossen launisch, riecht gut od. schlecht hat eine gute od. schlechte Nase, er beißt sich nicht, sondern würgt sich. Der Haushund unterscheidet sich von den übrigen Arten der Gattung H. vorzüglich durch die aufwärts gebogene Ruthe, im Übrigen erscheint er in so vielen Abänderungen, daß sich kaum ein anderes Kennzeichen anführen läßt. Verschieden ist die Größe u. Körperform, verschieden die Behaarung u. Farbe, verschieden die Verhältnisse der Schnauze, Ohren, Beine, Schwanz etc. zu den übrigen Theilen des Thieres. Die Behaarung besteht bald aus bloßem Deckhaar, bald aus Wolle mit Deckhaar, bald aus bloßer Wolle. Auf sieben Warzen im Gesichte stehen Borsten, ebenso bilden auch Borsten an den Lippen einen Bart u. am oberen Augenlide Wimpern; die eigentlichen Schnurren od. Bartborsten stehen in 5–6 Reihen auf kleinen Wärzchen; Nase, Maulränder u. Fußballen sind nackt. Zuweilen sind Hunde auch ganz nackt; bei den behaarten ist aber das Haar wieder bald glatt, dicht anliegend u. dabei kürzer od. länger, seidenartig od. gröber, bald kraus, wollig, ja sogar schnurenartig. Ebenso ist[613] auch der Schwanz bald kahl, bald sehr kurz behaart, bald mit langen Haaren besetzt, welche von beiderseits herabhängen (Fahne), bald mit einer Endquaste versehen. Die gewöhnliche Farbe der Hunde ist schwarz, grau, weiß, braun, fuchsroth u. isabellgelb, in allen Übergängen, oft auch mit verschiedenfarbiger Zeichnung. Kein Thier hat sich so sehr, wie der Haushund, an jede Kost u. an jedes Klima gewöhnt, u. er ist daher auch der treue Begleiter des Menschen nach allen Zonen der Erde hin. Die Paarungszeit des Hundes ist an keine bestimmte Zeit gebunden. Die Hündin trägt gewöhnlich 63 Tage u. wirst 3–12 Junge, welche 10 bis 14 Tage lang blind sind, von der Mutter gesäugt u. nach 5–8 Wochen entwöhnt werden. Schon im 10. Monate ist der junge H. im Stande, sich selbst fortzupflanzen, man duldet es jedoch nicht vor Beendigung eines Jahres. Nach dem ersten Monate hat der H. schon den Gebrauch aller seiner Sinne u. Kräfte, im vierten Monate beginnt der Zahnwechsel, im zweiten Jahre wächst er vollkommen aus, im 15. heißt er schon alt, denn in der Regel erreicht er kaum das 20. Jahr, obgleich es einzelne Beispiele von Hunden gibt, welche 26 bis 30 Jahre alt geworden sind. Der H. ist, obgleich in vielen Spielarten, als Hausthier auf der ganzen Erde verbreitet. Manche halten den Schäferhund für die Stammrace, Andere meinen ihn (unwahrscheinlich) aus einer Vermischung des Fuchses u. Wolfes entstanden. Die Zähmung des Hundes kommt weder in der Geschichte, noch in der Mythe vor. In Südamerika u. auf den Südseeinseln traf man bei der Entdeckung wilde Hunde (in ersterem hieß dieser wilde od. verwilderte H. Alko), in Nordamerika (außer bei den Eskimos) nicht u. die Wilden zähmten hier Wölfe zur Jagd. Der wilde H., in Congo, ist wahrscheinlich ein verwilderter Dachshund.

Die Varietäten der Hunde theilt fast jeder Naturforscher anders ein; am gewöhnlichsten ist die Eintheilung nach der Form des Kopfes; Bechstein theilt sie in Haushunde, Bullenbeißer, Jagdhunde, Pudel, Seidenhunde, Dänische, Neufoundländische Hunde, Wind- u. Dachshunde; Cuvier in Metzgerhunde, Seidenhunde, Doggen; Desmarest in Fleischerhunde, Spanische Hunde u. Doggen; nach Walther u. Voigt zerfallen die Hunde in: A) Haushunde (Can. fam. villaticus); zu ihnen gehören: a) Deutscher Stammhund (C. f. germanicus), langhaarig, mit übergebogenem Fahnenschwanz, meist schwarz, jetzt seltener; Spielart davon der Hirtenhund (C. f. pecuarius), schwarz, glatthaarig, Unterleib u. Füße rostfarbig; b) Kalmückischer H., zottig, schlank wie ein Windhund; c) Dingo (s.d.), von Ein. als eigene Art betrachtet; d) Pommer (C. f. pomeranus), lang behaart, mit langem, plattem Kopf, aufrechten Ohren, stämmigem Schwanz; Biß wegen der langen u. spitzigen Eckzähne schwer heilend; weiß, schwarz od. fuchsroth; der geschätzteste Haushund; Spielarten: aa) der Spitz (Fix, C. f. bafa), halb so groß, kurze, steife Haare, am Halse sich im Zorne sträubend, fuchsroth, Kehle weiß; bb) Englischer Spitz, noch kleiner, weißes, langes, seines Haar, Hüftknochen hervorragend; cc) Fuchsspitz, Schwanz groß u. fuchsartig; roth, mit schwarzem Gesicht; selten; vielleicht Bastard zwischen Fuchs u. Pommer; e) Wolfsspitz (C. f. lupinus), weiß, mit blaßgelben Ohren, gestrecktem Kopfe u. langen Haaren, zuweilen braun u. roth gefleckt u. mit schwarzer Nase; bei Fuhrleuten; f) Techichi (Izcuintli-potzoli, span. Perro, C. gibbosus americanus), Kopf klein, Schwanz kurz, hängend, Rücken gebogen, höckerig, gelb, langhaarig, am Schwanze weißlich; wird sehr fett; stumm, das Fleisch eßbar, in Mexico jedoch fast ganz ausgerottet; wurde sonst bei Leichenbegängnissen mit dem Verstorbenen begraben od. verbrannt, um demselben in der anderen Welt zum Begleiter zu dienen; g) Schäferhund (Clementiner Schäferhund, C. f. pastoreus), Schnauze lang u. dick, Haar lang, dick, struppig, grau melirt, halbsteife, an der Spitze umgebogene Ohren; Gesicht, in Haare gehüllt, gleicht einem Eulenkopf; zur Schafbewachung u. als Saufinder u. Trüffelhunde gut; s.u. Schäferhund. B) Heidenhund (Can. fam. Zinganorum), so groß wie ein Spitz, glatthaarig, fahlgelb, Ohren nach vorn aufrecht, Schnauze kurz u. breit, Brust breit, Schwanz gekrümmt, kürzer als der Mops, munter, diebisch; von den Zigeunern oft zu Kunststücken abgerichtet. C) Sibirischer H. (Nordischer H., C. f. sibiricus [borealis]), Esquimaux- (Baffinsbai-) hund, gewöhnlich weiß od. graulich, selten gefleckt, od. einfarbig röthlich od. schwarz u. unten weiß, od. wie die Stammrace rostfarbig, mit dichtem, grobem, im Winter 3–4 Zoll langem u. dann mit seiner Wolle untermischtem Haare; heult wie die Wölfe, läßt sich gern liebkosen, ist überhaupt dem Menschen sehr ergeben, ohne seinen Herrn auszuzeichnen, fressen viel, hungern lange; aus Rußland, wird dort in Schlitten gespannt. Abart: Grönländischer H., weiß u. schwarz, heult statt zu bellen. D) Isländischer H. (Fiaarhund, C. f. islandicus), Schnauze kurz u. spitz, Ohren stehend, an der Spitze überhängend, Stirn gewölbt, nach der Nase hin abschüssig, Augen groß, Hals u. Vorderleib dick, Schwanz keulenförmig, dicht behaart, an der Spitze aufwärts gebogen, Beine mittelhoch u. dünn, Farbe meist schwärzlichgrau, Stirn u. Unterseite weiß, Länge 1 Fuß 6 bis 7 Zoll, Höhe 1 Fuß; ein großer Feind der Raben u. Schneefüchse, übrigens lebhaft, gutmüthig, gelehrig u. dabei vortrefflich zum Bewachen der Herden. E) Pudel (C. f. aquaticus). Kopf dick u. rund, Schnauze kurz u. stumpf, Ohren gut behangen, Fahnenschwanz fast gerade, Füße stämmig, Haare lang, dick u. kraus od. wollig, weiß od. schwarz, seltener gelblich, braun od. gran; sehr treu u. gelehrig, lernt, wohl dressirt, Aufwarten (auf den Hinterfüßen kauern), Apportiren, Verlorenes suchen, in das Wasser springen u. dort etwas herausholen, trägt seinem Herrn allerhand nach, holt selbst in einer Menage seinem Herrn das Essen mehrere Straßen weit herbei. Abarten: a) Großer griechischer Pudel, aus Griechenland, von der Größe einer Dogge, mit gerolltem, gegen 2 Zoll langem Haar; b) Zwergpudel (C. f. aquat. minor), die kleinste Art Pudel; c) Buffer (Buff, C. f. acustus), Bastard zwischen Pudel u. spanischem Wachtelhund, beiden ähnelnd. F) Kleiner dänischer H. (C. f. danicus minor), glatthaarig, meist einfarbig, schwärzlich od. braun, mit mopsartigem Kopfe u. kleinen Beinen, bisweilen schwarzbrunet (Harlekin). G) Bologneser (Malteser, Seidenhund, Seidenpudel, C. f. [614] extrarius [C. f. melitensis], franz. Bichon, Babiche), mit langem, seinem, seidenartigem (zumal im Gesicht), etwas gelocktem Haar, meist weiß, seltener braun od. schwarz, Ohren breit, herabhängend, aufwärts gekrümmter Schwanz, Spitzzähne etwas krumm, Stirnknochen aufgetrieben; bes. sonst von Damen als Schooßhund gehalten. Varietäten: a) Kurzhaariger Bologneser (Englischer Wachtelhund, C. f. brevipilus, franz. Gredin, engl. King Charles Spaniel), Kopf klein u. rund, Schnauze kurz, Ohren lang, Schwanz gekrümmt, kurzhaarig, gelockt, schwarz od. schwarz gefleckt. Karl II., König von England, konnte nie ohne dieses Hündchen leben; b) Pyrame (C. f. fiammeus), schwarz, feuerfarbig gefleckt; c) Spanischer H. (Andalusischer, Angorischer, Malteser, Burgoshund, C. f. hispanicus extrarius minor), wie der kurzhaarige Bologneser, aber überall mit langen, herabhängenden, seidenartigen Haaren, gewöhnlich weiß, doch auch braun u. schwarz gefleckt, Schenkel dürr u. kurz. Ohren breit u. lappig, Kopf klein; soll aus Spanien u. der Barbarei stammen, als Bastard vom Bologneser, Spitz, Pudel, Mops; d) Löwenhündchen (C. f. leoninus), das lange Halshaar gleicht einer Löwenmähne, die Schwanzspitze bildet eine Quaste; dieser H. war das beliebteste Schooßhündchen, die Seele aller Gesellschaften, der unzertreunliche Begleiter aller Damen von Ton. Maler u. Bildhauer wetteiferten um die Ehre, sein Bild zu verewigen; die Schönen trugen es in Souvenirs u. Berlocken u. zierten mit seinen Büsten ihre Toiletten u. Kamine. Es ist sanft, sehr lustig u. unterhaltend u. macht dabei das ernsthafteste Gesicht, wird jedoch im Alter etwas mürrisch u. übel gekannt. Die Farbe ist meistens schwarz, oft mit weißem Gesichte u. weißen Zehen. H) Bullenbeißer (C. f. molossus, Dogge, Bulldog), colossal, erbsgelb, glatthaarig, mit schwarzer, zuweilen gespaltener (Doppelnase) Nase, schwarzen Ohren, herabhängenden Oberlippen, immer geifernd; Abarten: a) Schwimmfüßiger H. (C. f. palmatus), Schnauze länger, Schwimmhaut zwischen den Fingern; b) St. Bernhardshund (Alpenhund), groß, zottig, braun u. gelb gefleckt; bes. auf Auffinden der Menschen unter dem Schnee u. unter Lawinen eingeübt; der berühmteste derselben war Barri, welcher dem Hospiz 12 Jahre diente u. über 40 Menschen das Leben rettete; jetzt ausgestopft im Museum zu Bern; diese Race ist ausgestorben, wird aber durch Neufundländerhunde auf dem St. Bernhard ersetzt; c) Englische Dogge (C. f. mastivus anglicus), stärker als der Bullenbeißer, Kopf groß, Wangen herabhängend, Schnauze gestreckt, große Stirnhöhlen, Knochen dick; stets einfärbig, schwarz, braun, fahl; zuweilen werden sie zu schweren Hetzhunden (s.d.) gebraucht; d) Dänische Dogge (C. f. danicus major), sehr groß, sitzend zuweilen oft 5 Fuß hoch, mit langer Schnauze, kurzen, schmalen Ohren, windhundähnlichem Leib, hohen Beinen; mäusegrau, selten; e) Metzgerhund (Fleischerhund, C. f. laniarius), Kopf mager, lang, Ohren nicht sehr lang, Haare anliegend, schwarz, unten meist gelb; Abarten: aa) Schimmel, starke Bastarde mit dem Hühnerhund, u. bb) Pinscher (C. f. fricatore-vertagus s. vertagus gracilis, franz. Basset gréle), ist Bastard vom Mops od. kleinen Windhunde u. Dächsel, ist munter, immer beweglich, nicht falsch, hat dieselbe große Neigung zum Jagen wie Dachshunde u. fängt in Haus u. Hof Ratten u. Mäuse, in den Gärten Maulwürfe, ist übrigens von derselben Färbung u. Gestalt, als der Fleischerhund, nur kleiner; bes. aus England; f) Saufinder (C. f. aprinus), groß, braungelb, an dem Hinterschenkel zottig; s.u. Finder; g) Saurüde (Wolfshunde, C. f. suillus), von wildem Ansehen, langbeinig, rauchhaarig, braun od. schwarz; h) Blendling, Bastard von Hetzhund u. Windhund, sehr flüchtig, bes. zu Sauhetzen dienend; i) Mops (Steindogge,C. f. fricator), ein kleiner Bullenbeißer, doch kleiner, nicht über 2 Fuß lang, fahlgelb; der dümmste unter allen Hunden, falsch u. bösartig gegen Fremde, viel bellend u. knurrend, oft von Krankheiten geplagt, übrigens fast ausgestorben; Abarten: aa) der Bastardmops (Roquet, C. f. hybridus), vom Mops u. kleinen dänischen H. entstanden; bb) der Artesische (Artoishund, C. f. artesius s. artesiensis, franz. Chien d'Artois, Issois, Quatre-vingt), Schnauze kurz u. platt, Kopf klein, Augen groß, vorstehend, Beine lang u. dünn, Haare glatt anliegend, stammt vom Mops u. Roquet aus Artois u. ist ausgestorben; cc) der Alicantische H. (C. f. alicantensis), vom Mops u. dem kleinen spanischen Wachtelhund stammend; stammt aus Alicante in Spanien, kommt aber auch in Cayenne vor u. heißt daher auch Cayennehund; er ist seidenhaarig. I) Jagdhund, Kopf rund, stark u. breit, starken Knochenkamm auf dem Scheitel, Schnauze lang u. stark, Ohren hängend, Leib lang, Beine fleischig, an den Afterzehen Klauen; Abarten: a) der eigentliche Jagdhund (Bracke, C. f. bracca, franz. Braque, Claband, engl. Harrier), theilt sich in folgende: aa) Deutscher Jagdhund (C. f. bracca germanicus); bb) Polnischer Jagdhund (C. f. br. polonicus); cc) Parforcehund (dieser wieder in den Englischen u. Französischen); dd) Steinbracke; ee) Corsicanischer Bracke, aschgrau, mit gelben u. schwarzen Flecken, selbst im Rachen u. Augenstern; ff) Schweißhund (C. f. br. scoticus), mehr Bastard zwischen dem Jagdhund u. kleinen dänischen H. od. Dachshund; mehr über sie alle s.u. Jagdhund 1) u. Schweißhund; b) der Leithund (C. f. indagator, franz. Chien muet, Limier), mittelgroß, Brust stark, gut behangen; s.u. Leithund; c) der Hühnerhund (C. f. avicularius, franz. Chien d'arrêt, couchant, engl. Pointer), Oberkopf stark, Stirn breit, Augen lebhaft, Nase breit, Nasenlöcher weit, breite Hängeohren, breite Brust; Spielarten der Wasserhunden. von diesem Abart: der Barbet, Haare u. Ohren lang u. zottig, Bastard vom italienischen grauen Pudel u. dem rothen zottigen Jagdhunde; schwimmen gut u. sind daher zur Wasserjagd sehr dienlich; um dies zu erleichtern, werden sie geschoren u. behalten als Abzeichen blos Bart u. Augenbrauen, s.u. Hühnerhund; zu ihm gehört der Tigerhund (C. f. bengalensis), mit regelmäßigen braunen od. schwarzen Flecken auf weißem Grunde u. schmalen, nicht sehr langen Ohren, die man ihm gewöhnlich in der Jugend abdreht od. abschneidet. K) Windhund (C. f. leporarius. C. f. grajus), mit spitzigem Kopf, stehenden Ohren,[615] langem, sehr schlankem, sich nach hinten verdünnendem Körper, hohen Beinen, langem, stehendem, gekrümmtem Schwanz; Abarten: a) Großer Wind hund (Rüdenwindspiel), fast von der Größe einer Dogge: aa) Großer glatthaariger Windhund, sehr schlank, wird. als kleiner Hetzhund zum Jagen von Rehen, Hafen, auch wohl Sauen gebraucht; s.u. Windhund u. Hetzhund; bb) Zottiger Windhund (C. f. leporarius hirsutus), nicht durch Größe, nur durch zottige Haare unterschieden; cc) Irländischer Wind hund (C. f. lep. hibernicus s. maximus, engl. Irish and scotish Greyhound), zuweilen 4 Fuß hoch, wie die Dogge, aber so edel geformt, wie das gemeine Windspiel; die irländische Varietät glatthaarig, die schottländische rauch- u. schlaffhaarig, eine verwandte, ja vielleicht die Stammvarietät, kommt bei den Tataren u. anderen skythischen Völkern vor u. ist ein so kräftiger Jagdhund, daß man sogar Löwen u. Tiger mit ihm hetzen kann; in Irland u. Schottland, sehr selten u. geschätzt; dd) Türkischer H. (C. f. lep. turcicus), kraushaarig, mit langen Hängeohren, langbehaartem Schwanz; bes. im Orient, wo er sich heerdenweise auf der Straße herumtreibt u. sein Revier so hält, daß Hunde verschiedener Stadttheile oft mit einander in Kampf geraden; belästigen oft durch ihr Geheul u. nützen durch Vertilgung des Aases; ee) Mähnenhund, mit steifen Haaren auf dem Halse; Bastard vom Windhund u. dem Windspiel; ff) Russischer Windhund; gg) Dänischer Wind hund; b) Windspiele, kaum halb so groß, als die vorigen; mehr Luxus als Jagdbunde; Abarten: aa) Bürschhund (C. f. cursoius), fleischig, kurzhaarig, dient zur Jagd, Bastard vom Windhunde u. dänischem Hunde; bb) Kleines englisches Windspiel, mit sehr wenig Haaren, stets vor Frost zitternd, trommelt wie der Hase mit den Vorderfüßen; cc) Ägyptisches Windspiel (Nackter H., Guinea-, Türkischer od. Barbarischer H., C. f. lep. aegypticus), klein, fleischfarben, ins Schwarze übergehend, fast ganz nackt, dabei zierlich, aber etwas gedrungener als beim Windspiele gebaut, ist gutmüthig u. wachsam, gegen Fremde heftig, bellt aber selten; in ganz Nordafrika, wo er zur Gazellenjagd abgerichtet wird, stammt aus dem Innern Afrikas, häufig auch in Südamerika u. Südeuropa; in Deutschland dauert er nicht gut aus. L) Dachshund (C. f. vertagus), niedrig, langgestreckt, krumm- u. kurzbeinig, mit langem, dickem Schwanz, Hängeohren gelblich, od. schwarz mit braun u. weiß; über ihn s.u. Dachshund; Abart: der Burgoshund. M) Neu fundländischer H. (Nordamerikanischer H., C. f. canadensis, C. Novae Terrae), mit breitem Kopf, dicker Schnauze, herabhängenden Lippen u. Ohren, starken Beinen, schwarz u. weiß gefleckt, od. ganz schwarz, weiß od. braun; mit langzottigem, seidenartigem Haare, bes. am Schwanze, hat Schwimmhaut zwischen den Fingern. Ein sehr kluges, gelehriges u. im Ganzen sanftes Thier welches aber ungern vorzüglich das Streicheln des Kopfes, bes. von Kindern u. Fremden, leidet u. dadurch selbst zum Beißen gereizt wird; er zeigt, wie die meisten großen Hunde, eine stolze Ruhe, um kleinere Thiere sich in der Regel nicht bekümmernd; gegen seinen Herrn ist er sehr treu, er vertheidigt ihn mit großem Muthe, sogar mit Aufopferung seines eigenen Lebens, ist eben so muthig wie kräftig, so daß er kühn selbst Wölfe angreift, u. ist zugleich ein vortrefflicher Wasserhund, welcher schon ungeheißen aus dem Wasser apportirt u. oft schon Menschen, die dem Ertrinken nahe waren, das Leben gerettet. Vgl. Riesenhund.

Der H. zeichnet sich unter allen Thieren durch einnehmende Gestalt, Zahmheit, Vertraulichkeit, Folgsamkeit, Munterkeit, Geschwindigkeit u. Stärke aus. Erknurrt, wenn er gestört u. innerlich unwillig wird, bellt beleidigt u. sich vertheidigend, auch aus Wachsamkeit u. Muthwillen, heult bei Nacht, eingesperrt od. in Schmerz, auch wenn er Musik hört. Er liebt die Wärme, kriecht gern unter den Ofen, ist wachsam u. träumt (Bellen im Schlafe), wälzt sich gern auf Aas, selbst der kleinsten Maus, u. zeigt dabei ein gewisses Wohlbehagen. Er frißt Fleisch (zu häufiger Genuß desselben verursacht ihm Haut- u. Augenkrankheiten), doch auch Brod, bes. zu einer Suppe überbrüht, gewöhnt sich überhaupt fast an jede Speise, verzehrt auch als Arznei zum Brechen u. Purgiren Quecken u. Gras, letzteres auch, um die Knochensplitter, welche ihm Beschwerde machen, einzuhüllen, im Winter auch wohl Stroh, säuft Wasser, jedoch wenig. Die läufisch gewordene Hündin läßt bei der Begattung Anfangs keinen H. zu, nur erst, wenn sie etwas Blut verliert (sich färbt, zeichnet); sie hängt hierbei oft stundenlang mit dem männlichen H. wegen dessen dicken, wulstigen Gliedes u. wegen des krampfhaften Zusammenziehens der Schnalle der Hündin; der Samen wird absatzweise ausgespritzt; die Hitze dauert 10–14 Tage. Die Hündin trägt gewöhnlich 63 Tage u. wirft (wölft, schüttet aus) 3–12 Junge (junge Wölfe), s. oben. Der H. ist für den Menschen nützlich, er dient durch Wachsamkeit u. Treue sehr zum Schutz, wird von Häusern, Höfen an die Kette gelegt (Kettenhunde), od. läuft, wo Wachsamkeit vorzüglich nöthig ist, frei herum. Scharf riechend u. hörend, leicht schlafend, wittert er alles Verdächtige gleich u. zeigt es durch lautes Bellen an. Treu, hängt er an dem Herrn, an welchen er sich einmal gewöhnt hat. Oft kamen Fälle vor, wo ein H. auf dem Grabe seines Wohlthäters starb, andere, wo ein H., der bei der Ermordung seines Herrn gewesen war, seinen Mörder nach Jahren wieder erkannte u. wüthend anfiel (s. Aubry). Sie halten Viehherden in Ordnung (s. Schäferhund), lassen sich zu allerhand Künsten, z.B. den Bratspieß u. Schleifstein zu drehen, abrichten, lernen tanzen, trommeln, apportiren, gerade auf den Hinterbeinen stehen (Aufwarten) etc., ziehen Schubkarren, Karren u. Schlitten, letzteres bes. in Nordasien, wo 4 Hunde 3 Erwachsene u. 60 Pfund Gepäck bequem fortbringen; man benutzt sie deshalb dort zur Hundepost. In Nordamerika tragen sie Kasten. Dem Jäger ist der H. vermöge seines seinen Geruchs höchst nützlich, ja unentbehrlich- (s. Leithund, Schweißhund, Parforcehund, Saufinder, Saupacker, Windhund, Dachshund, Hühnerhund, Jagdhund); ferner lassen sie sich zum Fischfang u. zum Trüffelsuchen dressiren. Das Fleisch ist wohlschmeckend u. wurde in Griechenland u. Rom, u. wird noch jetzt auf den Südseeinseln gegessen, aber in Europa verschmäht. Das Fett schmeckt wie Gänsefett u. wurde sonst gegen die Schwindsucht angerathen. Der Pelz der Pudel wird wie Schafpelz[616] gebraucht. Vom Fell der größeren Arten macht man weiß- u. sämischgares Leder (Hundeleder); es ist weich u. kühlend, doch wird es größtentheils von den Kürschnern rauch verarbeitet, zu Decken, Jagdtaschen, Handschuhen u. dgl. Die vom Hundekoth gemachte Lauge wird zur Bereitung des Saffian u. des sämischgaren Leders gebraucht, indem man es damit beizt; dieser Koth war auch sonst als Graecum album officinell. Krankheiten der Hunde: Augen- u. Ohrenkrankheiten, Nasengeschwüre, Fieber, Bräune, Flüsse, Lähmung der Glieder, Verschlagen, Räude, Durchfall, Verstopfung, Harnverhaltung, Blutfluß, Husten, Würmer, Hundeseuche, Rotz, Hundswuth (s.d.), Läuse, Flöhe u. Milben, Band-, Spul- u. Springwürmer plagen sie.

Hunde dienten im Alterthum zur Bewachung der Häuser u. der Heerden u. zur Jagd, seltener zum Vergnügen. In Indien soll man kräftige u. muthige Hunde durch Begattung der Hündinnen mit Tigern, indem man die ersteren an Bäume band u. sie letzteren Preis gab, erzielt haben. Solche Bastarde gingen blos auf Löwen. In der Indischen Mythologie war der H. dem Kala Bhairava heilig; auch dem Dschama wurden Hunde beigelegt, deren einer (Karbura) dreiköpfig war. In Ägypten erscheint der H. bes. als heiliges Thier des Anubis, daher dieser mit einem Hundskopfe dargestellt wurde, u. Hunde wurden bes. in Kynopolis verehrt; Hunde erscheinen in der großen Isisprocession, weil ein H. die Isis auf ihrem Suchen nach Osiris begleitete. Sonst erzählt man von den ägyptischen Hunden, daß sie laufend aus dem Nil tranken, weil sie die Krokodile fürchteten. Im übrigen Orient galt der H. von jeher als ein unreines, gefräßiges, beißiges Thier; schon die Hebräer, die ihn nur zur Bewachung der Häuser u. Heerden, selten zur Begleitung auf Reisen (wie der junge Tobias) brauchten. In Griechenland wurden Hunde in der homerischen Zeit meist als Jagdhunde, zugleich als Wächter bei Heerden u. Ställen gebraucht. Sonst aber waren sie dort noch Begleiter ihrer Herren, selbst in die Raths- u. Volksversammlung, u. Achilles führte neun solcher Luxushunde vor Troja. Diese Hunde wurden von dem Tische des Herrn gefüttert u. mit dem Herrn nach dessen Tode auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Später brauchte man Hunde bes. zur Jagd. Xenophon (De venatione) gibt die Anweisung zur Zucht, zum Abrichten, zum Gebrauch der einzelnen Arten u. die gewöhnlichen Namen an; letztere sind meist Appellativa, doch brauchte man auch mythische u. historische Namen als Hundenamen. Die Hunde zur Hasenjagd waren selbstgezogene; zur Saujagd brauchte man indische, kretische (bes. zur Bergjagd), lokrische, lakonische (bes. scharfsinnig, mit trefflicher Witterung), zur Hirschjagd indische. Zu Schaf- u. Haushunden waren bes. die molossischen, große, starke Hunde gesucht. Zum Kriege wurden Hunde, wie es bei den Magnesiern, Hyrkanern u. nach Strabo bei den Galliern Sitte war, in Griechenland gewöhnlich nicht gebraucht. Die Griechen brauchten H. als Schimpfwort, u. bes. nennte man den Diogenes u. seine Schule wegen ihrer Unreinlichkeit Kyniker (s.d.). Der H. war zwar mehreren Gottheiten heilig, bes. der Artemis, als Jagdgöttin, u. der Hekate; aber heiligen Orten durften sie nicht nahen. Mythologisch berühmt ist der dreiköpfige H. Kerberos u. die Hunde des Aktäon (s. b.). In Rom wurden Hunde zum Nutzen, auch in der späteren Zeit von Weibern zur Wollust gehalten. Wo der Haushund am Hause hing, da pflegte man die Inschrift: cave canem (nimm dich vor dem H. in Acht) anzubringen. Jährlich wurden Hunde im August auf einen Platz zwischen die Tempel der Juventus u. des Summanus geführt u. dort gespießt, angeblich weil bei der Einnahme Roms durch die Gallier die Hunde nicht gebellt hatten. Bei den Deutschen wurden außer den Hof- u. Schäferhunden bes. die Jagdhunde sehr geschätzt. Entwendung od. Tödtung eines Jagdhundes war mit größerer Strafe belegt als die anderer Thiere. Noch jetzt gilt der H. im Orient für ein unreines verächtliches Thier u. sein Name wird als Schimpfname bes. für Christen gebraucht. In den morgenländischen Städten, bes. in Constantinopel, laufen eine Menge wilder u. fleischgieriger Hunde umher, für deren Unterhalt aber zum Theil Vermächtnisse sorgen. Herrenlos hausen sie in gewissen Gassen, fallen Fremdgekleidete an u. fressen sich oft selbst auf. Eigen ist, daß keinen solchen H. u. ebenso nicht die Hunde des äußersten Norden, die Hundswuth befällt. In der Heraldik soll der H. Treue u. Gehorsam bedeuten; man unterscheidet Windhunde, Windspiele, welche stets springend erscheinen, u. Bracken (s.d.).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 613-617.
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Große Erzählungen der Hochromantik

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Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

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