Hund [2]

[642] Hund (Canis L.), Raubtiergattung aus der Familie der Hunde (Canidae), Zehengänger mit kleinem Kopf, spitzer Schnauze, ziemlich schwachem Hals, an den Weichen eingezogenem Rumpf, dünnen Beinen, vorn meist fünf-, hinten vierzehigen Füßen, stumpfen, nicht zurückziehbaren Krallen, meist langem, dicht, zuweilen buschig behaartem Schwanz regelmäßig mit 6 Schneide-, je 1 Reiß-, oben 3, unten 4 Lücken- und 3 Backenzähnen. Afterdrüsen fehlen, häufig aber findet sich an der Schwanzwurzel eine Drüse. Die Fährte des Hundes (Vorstehhundes) s. Tafel »Fährten und Spuren«, Fig. 14. Die Hunde sind über die ganze Erde verbreitet, finden sich in Steppen, Wäldern, Wüsten, schweifen zum Teil beständig umher oder leben in unterirdischen Bauen und schlagen sich unter Umständen in stärkere Meuten zusammen. Sie laufen schnell und ausdauernd, schwimmen meist trefflich, klettern und springen aber nicht wie die Katzen. Geruch und Gehör sind hoch entwickelt, das Gesicht nur bei gewissen steppenbewohnenden Formen. Sie zeigen sehr bedeutende geistige Fähigkeiten, und der zahme H. übertrifft in letzterer Beziehung jedes andre Tier. Die Hunde nähren sich von Säugetieren und Vögeln, fressen frische Beute nicht lieber als Aas, manche auch sehr gern Knochen, außerdem Fische, Reptilien, Krebse, Insekten, allerlei Feld- und Gartenfrüchte, Gras, Knospen, Wurzeln, Moos. Sie werfen meist 4–6, bisweilen über 23 Junge, für welche die Mutter aufs beste sorgt, während der männliche H. sie bisweilen feindlich behandelt. Manche Hunde, die sehr zahlreich auftreten, richten bedeutenden Schaden an, andre vertilgen schädliche Nage- und Kerbtiere und werden durch Aufzehren von Aas und Unrat nützlich. Man unterscheidet zwei Gruppen: Wölfe (Lupinae), mit rundem Augenstern und kurzem Schwanz (Hyänenhund, Wolf, H., Schakal, Fenek); Füchse (Vulpinae), mit spaltenförmigem Augenstern und langem, buschigem Schwanz (Fuchs).

Zu den Hunden im engern Sinne gehören drei Tiere, in denen man früher die Stammväter aller Haushunde zuerkennen geglaubt hat, und die Gray deshalb zu der Gruppe der Urhunde (Cuon) vereinigte. Der Kolsun (Dole, Bankutta, Dschangli in Indien, Buansu, Ramhun im Himalaja, C. dukhunensis Gray, C. primaevus Hodgs.), 1 m lang, mit 20 cm langem Schwanz, 40–50 cm hoch, gleicht einem mittelgroßen Windhund, ist gleichmäßig dicht, ziemlich kurz behaart, braunrot, unterseits, an der Schnauze, den Ohren und Füßen heller, bewohnt Vorderindien, den Himalaja und das östliche Tibet, lebt in Wäldern, im Dschangel, auch in der offenen Landschaft und im Geselse, jagt in Menten, ohne zu bellen, und bewältigt fast jedes Tier, greift aber den Menschen nicht an. Die Hündin wirft in Löchern und und Höhlen 2–4 (auch mehr) Junge, deren Zähmung nicht oder äußerst schwer gelingt. Der Adjag (C. rutilans Gray), auf der Malaiischen Halbinsel, Sumatra und Java, vielleicht auch auf Borneo, ist kleiner und schwächer als der vorige, gelblich fuchsrot, unterseits heller, lebt und jagt wie der Kolsun, greift aber keine großen, wehrhaften Tiere an, frißt an den Küsten Schildkröten und überfällt nachts Ziegen und selbst Pferde. Der Alpenhund (Alpenwolf, C. alpinus Gray), 1 m lang, mit 35 cm langem Schwanz, 45 cm hoch, in den Gebirgsländern Ost- und Mittelasiens, besonders in den Gebirgen des untern Amur, mit langem, straffem, oberseits fahl roströtlichem, unterseits blaß isabellgelbem Pelz und weicher, buschiger Fahne, ist sehr schlau, schnell und kräftig, jagt besonders Hirsche und wird von den Jägern im Amurtal gefürchtet. Jagdhunde verfolgen seine Spur nicht. Das Fleisch wird nicht gegessen.

Der Haushund (Canis familiaris L.) kommt überall nur gezähmt, als Genosse des Menschen, höchstens verwildert (Dingo) oder herrenlos (Pariahunde) vor. Über seine Abstammung ist nichts Sicheres bekannt. Hundeartige Tiere finden sich unter den ältesten bekannten Raubtieren und feil dem Oligocän zahlreich in Europa und Nordamerika. Die ältesten Formen schließen sich sehr nahe an die Viverriden und Musteliden an, es finden sich unter den hundeartigen Tieren aber auch die Vorfahren der Bären. Im Oligocän treten die Gattungen Cynodictis Brav. et Pomel. und Cynodon Aym. auf; dem Miocän von Europa, den obern Siwaliks von Indien und China und dem Oligocän Nordamerikas gehört Amphicyon Lartet an. Die entwickeltste Form, die Gattung Canis L., zeigt sich vom Oberpliocän an fast kosmopolitisch. Will man den Haushund als Art von den übrigen Wölfen (Lupinae) trennen, so ist der links[642] gekrümmte Schwanz noch das beste Merkmal; nach Gerippe und Gebiß gehört der H. zwar zu den Wölfen, doch kann man ihn weder mit irgend einer der wilden Arten vereinigen noch von einer derselben scharf trennen; durch Verwilderung wird er auch im Äußern den wilden Formen wieder ähnlich. Die Abstammung des Haushundes von einer wilden Art ist durchaus unwahrscheinlich, vielmehr sind wohl die Hunde der einzelnen Erdteile auf verschiedene Wildhundarten zurückzuführen, so gleicht der H. der Indianer dem nordamerikanischen Wolf, der Eskimohund dem grauen Polarwolf. Die auffallende Ähnlichkeit des ältern Schlages deutscher Schäferhunde mit dem europäischen Wolf ist auf neuere Kreuzungen zurückzuführen, aus denen man eine Verbesserung des Temperaments erhoffte. Die kleinen Hunderassen gleichen im Bau dem Schakal, ebenso in ihrer Gewohnheit, mit der Rute zu wedeln, auf der Erde zu kriechen und sich auf den Rücken zu legen, wenn der Herr sie anruft. Sie beriechen wie jener die After der Artgenossen und entleeren den Harn nach der Seite. Die Haushunde von Guinea sind fuchsartig und stumm. Wahrscheinlich ist die Abstammung des Haushundes von mehreren wilden Arten und zwar von zwei guten Arten und mehreren zweifelhaften Wolfarten, von 1–2 südamerikanischen Caniden sowie endlich von mehreren Schakalarten, vielleicht auch von ausgestorbenen Hundearten. Gegen diese Annahme spricht weder die Schwierigkeit der Zähmung, die noch heute oft vorgeführt wird, noch die Gewohnheit des Bellens, denn gelegentlich bellen auch die wilden Caniden, während Haushunde es verlernen und lernen. Überzüchtete, verweichlichte Hunde bellen und winseln unausgesetzt, geben auf diese Weise jeder Empfindung Ausdruck. Abgehärtete, in völliger Einsamkeit gehaltene verlernen es. Der widrige Geruch der wilden Vettern läßt sich durch peinlichste Sauberkeit und gemischte Nahrung nehmen, dem Haushunde durch Aaskost geben. Von viel größerm Gewicht ist der von wissenschaftlicher Seite gegen diese Abstammungstheorie zu machende Einwurf der absoluten gegenseitigen Fruchtbarkeit aller Hundearten, die mit dem Dogma von der aus der Artenkreuzung sich ergebenden Sterilität unvereinbar ist, vielleicht auch die Tatsache der angeblich verringerten Fruchtbarkeit der Kreuzung der Hunde mit den ehemaligen Stammformen. Diese Schwierigkeiten lassen sich zerstreuen unter Zuhilfenahme der sogen. Pallasschen Theorie, der zufolge die Domestikation eine Verwischung der bezüglichen Sterilitätsverhältnisse hervorgerufen hat. Trotzdem scheint an der Abstammung unsrer domestizierten Hunde von mehreren wilden Arten nicht gezweifelt werden zu können, woraus sich z. T. die große Verschiedenheit der Rassen, aber auch die der menschlichen Züchtungskunst erwachsenden Hindernisse erklären. Anderseits sehen wir, völlig unabhängig voneinander, nahezu gleichartige Jagdhundrassen in verschiedenen Erdteilen aus verschiedenen Wildhundarten, beeinflußt von gleichen Boden- und Jagdverhältnissen, sich im Laufe von Jahrtausenden entwickeln.

Schon zur Steinzeit stand der H. in ganz Europa in Beziehung zu dem Menschen, und zwar findet sich von Dänemark bis zu den Alpen dieselbe Rasse, der Torfhund (C. s. palustris Rütimeyer), dessen Größe zwischen Wachtel- und Hühnerhund steht. Im alten Ägypten wurde der kleine Schakal gezähmt. Die Bronzezeit besaß einen größern H. (C. matris optimae Jeitt.), der mit Schweiß-, Jagd-, Schäfer-, Wind- und Vorstehhund, Dogge und Pudel vom indischen C. pallipes abstammen soll, was Studer bestreitet. Älteste Vertreter dieses Hundes sind der altbabylonische und altassyrische H. Auf den ägyptischen Denkmälern findet man Doggen, die auf den großen Schakal oder Dib (C. lupaster) hinweisen, während die ägyptischen Windhunde dessen schlankerer Varietät (C. Anthus) angehören. Der Inkahund (C. Ingae Tschudi), der Haushund der alten Peruaner, trat nach Feststellung Nehrings an elf vorhandenen Mumien in drei Rassen auf, in einer schäferhundartigen, einer dachshund- und einer bulldoggartigen, und stammte wahrscheinlich von der südlichen Varietät des nordamerikanischen Canis lupus occidentalis Richards. in Texas ab. Er war knapp mittelgroß, kräftig, untersetzt, ockergelb, auch braun gefleckt. Die alten Peruaner gaben diesen H., nachdem sie ihm die Ohren abgeschnitten, ihren Toten als Mumie mit ins Grab. Ein verwilderter H. ist der Dingo (Waragal, C. Dingo Shaw), von der Größe und dem Habitus eines Schäferhundes, gedrungen, mit großem, plumpem Kopf, aufrecht stehenden Ohren, bis über die Ferse herabreichendem, buschigem Schwanz, kurzen Beinen, blaß gelblichrot, ins Graue oder Schwarze spielend, aber auch vorwaltend schwarz. Er findet sich ziemlich häufig in Australien, gleicht in seiner Lebensweise mehr dem Fuchs als dem Wolf und gilt als der schlimmste Feind der Herden. Er reißt auch Känguruhs und andre Tiere, fürchtet sich aber vor den Haushunden und flieht auch vor dem Menschen. Auf englischen Hundeausstellungen begegnet man ihm öfter. Er läßt sich schwer zähmen, kreuzt sich mit zahmen Hündinnen und liefert Nachkommen, die größer und wilder sind als alle übrigen Haushunde. – Herrenlose Hunde (Pariahunde), die sich vom zahmen Schakal und C. pallipes ableiten, leben in der Türkei, in Griechenland und Südrußland in der Nähe der Städte und Dörfer, kommen auch wohl in die Straßen und nähren sich meist von Abfällen, Fallwild, Exkrementen, Aas, Mäusen etc. Sie sind im allgemeinen elend und verkommen und können bisweilen zu einer wahren Landplage werden; in den Städten machen sie sich durch Vertilgen von Aas und Kot nützlich.

Die Haushunde.

Die älteste und zuerst bekannt gewordene Form des Torfhundes ist der Pfahlbautenspitz, den Studer als den Stammhalter unsrer Spitze, Pinscher, Terriers und den nahen Verwandten des noch heute vorkommenden Battakspitzes, des chinesischen Tschau und Samojedenspitzes betrachtet. Für seinen Vorfahren hielt Keller den kaukasischen Schakal, was Studer durch Schädelmessungen nahezu einwandfrei widerlegt, wobei er die den Torfhund vor dem Schakal auszeichnenden Eigenschaften einer lange vor der neolithischen Zeit fallenden Domestikation zuschiebt. Nach Rütimeyers Untersuchungen war schon der Torfhund Veränderungen unterworfen; aus einer Zeit stammend, wo unsre Urahnen mit den einfachsten Steinwerkzeugen hantierten, war er schon Haushund durch und durch. Wahrscheinlich diente er auch gelegentlich zur Nahrung, denn an vielen Schädeln ist die obere Stirnwand eingeschlagen. Dieselben Merkmale zeigen die Überreste von verzehrten Tieren, deren Markknochen zerschlagen sind. Wie weit seine Zugehörigkeit zum Menschen, seine Verwendung ging, bleibt natürlich Vermutung, doch geben uns die Hunde halbwilder Völker, die Battakhunde, Parias, die Beschäftigung und Ernährung des Menschen, Boden- und Kulturverhältnisse deutliche Fingerzeige. Wie noch heute im [643] Orient und Nordafrika war wohl das erste Verhältnis des Wildhundes zu den ersten angesiedelten Menschen das einer freiwilligen Gefolgschaft. Die Hunde lebten von den in der Nähe der Höhle abgelegten Exkrementen, Abfällen und Resten der Jagdbeute, umkreisten diese Stätte, fremde Eindringlinge, Raubzeug durch ihre Stimmen oder Angriffe im Rudel vertreibend, die Menschen warnend. Nicht viel anders ist noch heute die Lebensweise der Beduinenhunde. In ähnlichem Verhältnis des Warners und Schmarotzers leben in der Wildnis eine Anzahl kleinere Tiere zu größern Raubtieren. Wohl erst nach Jahrtausenden gelangte der Haushund dazu, die künstlich geschaffene Behausung teilen und dem Jäger im Rudel das Wild aufstöbern und stellen zu dürfen. Der Battakspitz dient noch heute dazu, in der Meute den Hirsch in Gruben oder Netze zu treiben oder zu stellen, bis ihm der folgende Jäger von hinten die Gelenke durchschlagen kann. Reichliche Ernährung in der Entwickelungszeit und jagdliche Übung bildeten den ersten Einfluß auf die Ausbildung der Größe und Flüchtigkeit und waren neben der Auswahl der erfolgreichsten Jagdgehilfen zur Weiterzüchtung die ersten künstlichen Mittel im Gegensatze zur natürlichen Zuchtwahl der Wildhunde. In Ländern mit endlos ausgedehnten Flächen, die nur kärgliche Äsung für kleines Wild und wenig Deckung für Brut oder Fortpflanzung bieten, entwickelte sich der flüchtige Wildhund; in gebirgiger, waldiger Gegend, die dem Hochwild Nahrung und Schutz gegen Raubzeug bietet, treffen wir starke Hatzrüden, den Urahn des Doggengeschlechts. Schädelfunde, Mumien sowie indische, ägyptische, babylonische Skulpturen bestätigen diese nahezu untrüglichen Vermutungen. Dem Jäger folgte, auf wesentlich höherer Stufe stehend, der Hirt und Viehzüchter. Vom Jagdhund zweigte sich der Hirtenhund ab, anfangs zum Schutz der Herde gegen Raubgesindel; doggenartig mit abgestumpfter Schnauze, wie noch heute der mexikanische Schäferhund, der chinesische Tschau, der Tibetaner, kräftiger und massig im Hochland, in gebirgigen Gebieten nahe von Urwäldern mit seinen Raubtieren; leichter und kleiner im Tiefland und Flachland, welchen Gegensatz noch heute die Pyrenäenhunde, die Tibetaner, die russischen Ostscharki einerseits, anderseits die europäischen markieren. Während die großen Hunde zur Jagd oder bei der Herde Verwendung fanden, blieben die kleinen, wenig Platz und Futter beanspruchenden, in der Behausung bei Weibern und Kindern. Mangel an Auslauf und eine verweichlichende Lebensweise setzte die Größe noch mehr herab, und so zweigte sich die dritte Art, der kleinere Haushund, der Spitz, der Urahn des Schoßhundes, ab. Als Zwergform der Dogge erschienen die mopsartigen, als Zwergform der flüchtigen kleinen Jagdhunde die pinscherartigen Spielarten. Unter den altperuanischen Haushunden sind nach den Mumienfunden im Totenfeld von Inka schon drei Typen deutlich zu unterscheiden: der Schäferhundschlag, der pinscherartige und der mopsartige. Früher verursachten die anatomischen Unterschiede der Hundearten, die größer sind als die notorisch verschiedener Arten, den Zoologen der alten Schule Schwierigkeiten, da sie sich weder klassifizieren noch nach Herkunft erklären lassen wollten. Die moderne Züchtungslehre weiß, daß sich die Körper- und Schädelformen durch Zuchtwahl biegen lassen wie Wachs, daß durch Ausnutzung von zufälligen Neubildungen, die mit großer Individualpotenz ausgestattet sind, in wenigen Generationen schon gänzlich veränderte Schläge und Spielarten entstehen, daß alle Hunderassen beständigen Wandlungen unterliegen. Nur das wesentliche Überschreiten einer bestimmten Größe, das Herabgehen auf winzige Formen, die Erzüchtung außerordentlicher Körperlänge, sehr niedriger Läufe u. s. s. bereitet der Züchtungskunst Schwierigkeiten, weil alle Arten die Tendenz zeigen, zur Wildhundform zurückzukehren. Diesem Bestreben muß beständig durch Zuchtwahl vorgebeugt werden. Jede außerordentliche Entfernung von der Urform des Hundegeschlechts, z. B. eine außerordentlich verkürzte Schnauze, ein überbreiter Schädel, ein winziges Körpergewicht hat andre Entartungserscheinungen zur Folge, setzt der Züchtungskunst Schranken.

Eine systematische oder gar zoologische Gruppierung der Arten, Varietäten und Spielarten ist nicht möglich und wäre auch praktisch wertlos. Die Anpassung für Zweck, Nutzung, Arbeit, Beruf oder doch wenigstens für einen bestimmten Begriff, z. B. die mächtigen würdigen Formen des St. Bernhardshundes, die zierliche Kleinheit des Windspiels, das Groteske der Bulldogge ist für die moderne Rassenzüchtung allein maßgebend. Die Summe der für bestimmte Arbeitsleistungen nötigen, dem Beruf angepaßten Formen macht den Rassentypus aus. Für fast alle Rassen haben sich Züchtergruppen zu Spezialvereinen geeinigt, um nach festgesetzten, sogen. offiziellen Rassenzeichen in gemeinschaftlicher Richtung zu züchten, Zuchtbücher (fälschlich noch meist Stammbücher genannt) zu führen, eine einheitliche Beurteilung auf Ausstellungen oder durch Leistungsprüfungen herbeizuführen.

Wenn auch ein Ausspruch des Zendavesta: »Durch den Verstand des Hundes besteht die Welt«, nur mehr cum grano salis aufzufassen ist, so ist doch der Nutzen des Hundes, der im Gegensatz zum frühern Allgemeinwert sich in Spezialdienste aufgelöst hat, noch immer erheblich. Auf den Südseeinseln, von Tungusen, Chinesen, Niam-Niam, Grönländern, Eskimo und den Indianern Nordamerikas wird sein Fleisch gegessen. Auf der Goldküste und in Angola wird er gemästet. Auch in Europa werden Hunde gegessen, in Deutschland besonders in Breslau, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Zwickau, München etc. 1901 wurden auf den Schlachthöfen 470 Hunde geschlachtet, davon allein in Chemnitz 341. Außerdem werden viele Hunde heimlich geschlachtet, um ihr Fleisch zu allerlei Fälschungen (Wurst) zu benutzen. Über die Benutzung des Felles s. Hundefelle. Der Aberglaube schrieb dem Hundefett, Hundekot (Album graecum, weißer Enzian) und der Leber von tollen Hunden heilsame Wirkungen zu. Weitaus am größten ist der Nutzen, den der H. als Haustier gewährt. Den arktischen Völkern ist er das einzige Zugtier, leider wird er auch noch in zivilisierten Ländern zum Zug benutzt, obschon der ganze Bau, Läufe u. Zehen ihn dazu wenig tauglich machen. Unentbehrlich ist er dem Jäger, sowohl zum Suchen des Wildes als zur Ausarbeitung der Schweißfährte und Vertilgung des Raubzeuges. Als Wächter ist er unersetzlich. In neuester Zeit wird er mit viel Erfolg zum Polizeidienst (Polizeihund, s. d.) herangezogen. Die Heere aller Staaten sind mit Hunden (Kriegs- und Sanitätshund, s. d.), die zum Revieren, Überbringung von Meldungen, Wachen, Aufsuchen von Verwundeten dienen, ausgestattet.

Die Domestikation durch zahllose Jahrtausende hindurch hat den Haushund vor allen Haustieren mit einem unbegrenzten Anpassungsvermögen ausgestattet. Aus dem Karnivoren ist ein Allesfresser geworden, an dem nur noch bei vegetabilischer Ernährung[644] die Neigung, Aas oder Exkremente zu fressen, auf den Urahn weist. Lebensweise und Betragen paßt sich der Umgebung und Haltung an, er verträgt jedes Klima, jede Kost, liebt die Wärme, ein weiches Lager in Höhlung, schläft gern, schwimmt gut, läuft in Sprüngen und ist je nach Rassen sehr ausdauernd und flüchtig. Hochläufige Rassen haben weiten Sprung, kurz gebaute, leichtere wenden jäh und erklimmen leichter als starke Hunde. Die größte Freude des Hundes und unabweisbares Bedürfnis ist reichlicher Auslauf; je flüchtiger und temperamentvoller das Individuum, desto größer ist der Anspruch auf Bewegung sowohl für Aufzucht junger Hunde als auch für die Gesundheit älterer. Der Schlaf ist unruhig und leicht, bei lebhaften, intelligenten Tieren viel von Träumen begleitet. Der Geruch ist bei Jagdhunden, das Gehör bei stehohrigen Rassen außerordentlich hoch entwickelt. Das Auge ist viel schlechter als das des Menschen. Intelligenz und Charakter sind je nach Umgebung und Abstammung hoch entwickelt. Haltung im Zwinger oder an der Kette verdummt und macht bösartig, freundliche Ansprache und Verkehr mit Menschen von Jugend auf läßt ihn einen verständigen, willigen Hausgenossen werden, den angeborne Wachsamkeit und seine Feindschaft gegen Ungeziefer (Ratten, Mäuse) und verdächtige Persönlichkeiten zum natürlichen Beschützer bestimmt. Stupid oder bösartig ist an sich keine Rasse, je höher Sinnesanlage oder Temperament durch Zuchtwahl gesteigert sind, desto schwieriger ist die Dressur. Schwerfällige, kaltblütige Rassen sind ruhiger, gutartiger; bewegliche, muskulöse, überzüchtete meist temperamentvoller, schneidiger, nervöser. Doch ist es schwer, Ursache und Wirkung zu trennen. Letztere sind meist unverträglich, blinde Feinde von Katzen und Raubzeug.

Der Geschlechtstrieb ist stark ausgeprägt, zumal bei hitziger Nahrung und Mangel von Auslauf. Das Kastrieren ist weder für Rüden noch Hündinnen zu empfehlen. In Abständen von 5 Monaten wird die Hündin läufig, 15–18 Tage lang, während der ersten Hälfte zeichnend (färbend). Sie wirft 63 Tage nach der Paarung 4–10 Junge, bisweilen sogar 15–18, die blind und taub zur Welt kommen, nach 9 Tagen sehen, nach 12–14 hören. Man beläßt der Mutter 3 bis höchstens 5. Während der Tragzeit ist die Mutter mit kräftiger, vorwiegend fleischiger Kost und Knochenbeigaben, während der vierwöchigen Säugeperiode reichlich mit suppigem, mehligem Futter und Milch zu ernähren. Mit 4 Wochen erfolgt das Absetzen der Welpen, die anfangs Milch und Weißbrot, von der 8.–10. Woche gemischte Kost, beständig Knochenzugaben erhalten und bis zum 8. Monat dreimal, bis zum 12. zweimal täglich zu füttern sind. Für erwachsene Hunde genügt eine Hauptmahlzeit neben kleinen Beigaben am Morgen oder Abend. Ein außerordentlich gut verdauliches und bekömmliches Futter in richtiger Zusammensetzung von Fleisch, Mehl, Nährsalz und Gemüse ist der sogen. Fleischzwieback (s. Hundekuchen). Mit 12–15 Monaten sind die Hunde fortpflanzungsfähig, eine Hündin soll höchstens einmal im Jahr werfen. Die Erziehung soll mit dem 3.–4. Monat beginnen, stufenweise sich steigern. Stubenreinheit und Aufsuchen des zugewiesenen Platzes macht den Anfang. Im 4.–5. Monat wechselt das Gebiß. Die Dressur der Jagdhunde beginnt mit dem 8. Monat. Im Alter von 10–12 Jahren zeigt sich Altersschwäche, 12–14 Jahre ist ein sehr hohes Alter, das im Ausnahmefall sogar 12–24 beträgt.

Der H. ist zahlreichen Krankheiten unterworfen. Infektionskrankheiten s. unter Tollwut, Hundestaupe, Hundeseuche. Häufig sind Bandwürmer u. Spulwürmer; auch Herzwürmer und Trichinen kommen vor. Bösartige Geschwülste, namentlich Krebs (an den Milchdrüsen alter Hündinnen), sind nicht selten. Junge Hunde leiden oft an Rachitis, ältere Stubenhunde am Skorbut. Sehr zahlreich sind die Hautkrankheiten, Räude, chronisches Ekzem mit Haarausfall auf dem Rücken, geschwürige Entzündung auf dem Nasenrücken, auch Flechten. Im Ohr entsteht der sogen. Ohrwurm (s. d.), an den Augen kommen grauer Star, ferner Einrollung der Augenlider mit dauernder Reizung und eiterigem Katarrh (Operation leicht), bei der Staupe oft Hornhautgeschwüre und Zerstörung des Auges vor. Wenn sich an den Augen eine Absonderung bemerklich macht, ist deren Beseitigung durch tägliches Einträufeln von 3proz. Borsäurelösung zu versuchen. Abgesehen von der Tollwut sind die Sarcoptesräude, Flechten und auch gewisse Innenschmarotzer auf den Menschen (z. B. durch Lecken) übertragbar, andre Krankheiten pflanzen sich auf Tiere fort (s. Bandwürmer, S. 329). Kurzgefaßte Spezialwerke über Krankheiten des Hundes verfaßten Müller (Berl. 1892; kürzer, 2. Aufl. 1903), Arnous (das. 1895), Konhäuser (2. Aufl., Wien 1896), Clater (8. Aufl., Leipz. 1902), Braun (Münch. 1901), L. Hoffmann (Wien 1901).

Hunderassen, mit Angabe der Zuchtvereine.

Klubs, Zuchtbücher etc.

(Hierzu Tafel »Hunde I-IV«.)

Eine Beschreibung der einzelnen Hunderassen ist nur je nach dem Stande der Rassenzucht möglich, die, von Mode, Zuchtfortschritten, Neubildungen von Spielarten beeinflußt, innerhalb Jahrzehnte schon lebhaft variiert. Nur einige wenige Rassen haben treulich ihren Urtypus bewahrt, z. B. die Windhunde, Spitze, arktischen Rassen, von den modernen der St. Bernhardshund. Die Hauptarten sind indessen genau dieselben, wie sie schon nach den peruanischen Mumien und ägyptischen Skulpturen vor 5000 Jahren existierten: 1) Wildhund- und schäferhundartige mit der Zwergform Spitz und Pinscher (Tafel II); 2) die schwere Abzweigung vom Schäferhund, wahrscheinlich durch Wolfskreuzung entstanden, die doggenartige mit der Zwergform Bulldogge (Tafel III); 3) die leichte Abzweigung vom Schäferhund zur Gattung der Windhunde mit der Zwergform Sloughi und Windspiel (Tafel I). Aus Vermischung und durch Zuchtwahl sind die Vorstehhunde und Schweißhunde hervorgegangen (Tafel IV). Andre und neue Rassen existieren nicht, nur Spielarten, Farben- und Haarvarietäten.

Tafel II zeigt die Gruppe der Schäferhunde und deren direkte Abkömmlinge. Zu den Spitzen, Pinschern, Terriers, Pudeln gehören wiederum als Schoßhundform die Zwergspitze, Malteser, Zwergpinscher und Affenpinscher. Der deutsche Schäferhund (Fig. 1), ein mittelgroßer, starkhaariger Hund von gestreckter, sehniger Figur, 55–60 cm an der Schulter messend, Kopf langgestreckt, flach, doch spitz und leicht, stehohrig, Rute hängend. Farbe: schwarz, schwarz mit gelb, rotgelb, geströmt, geflammt, weniger beliebt weiß. Spezialklub der Rasse: »Verein für deutsche Schäferhunde«, Sitz in München, S. V., gibt eine eigne Klubzeitung als Monatsschrift heraus, führt das Zuchtbuch und Rasse, Bd. 1, 1895–1901, mit Nr. 1–250; Bd. 2, 1902–03, Nr. 251–750. Die wolfsfarbigen (geflammten) werden fälschlich Wolfshunde genannt. Seltener ist die langzottlige (altdeutsche) und rauhhaarige Varietät. Vgl. Stephanitz,[645] »Der deutsche Schäferhund in Wort u. Bild« (2. Aufl., Augsb. 1903). Er geht als Schäferhund bei der Herde, ist sehr verbreitet, wird gern als Wachthund wegen seiner Klugheit gehalten und ist als Polizeihund vorzüglich geeignet, als Kriegshund vielfach verwendet. Vorigem sehr ähnlich ist der belgische Schäferhund, der etwas kleinere holländische, vom französischen zwei Varietäten, der Briard und der Beauceron. Der ungarische Hirtenhund, Komondor, ist weiß, langhaarig, größer, mit hängenden Ohren. Eleganter und mehr durchgezüchtet ist der langhaarige schottische Schäferhund, Collie (Tafel II, Fig. 2). Farbe: rotgelb oder schwarz mit rot, mit oder ohne weiße Abzeichen. Der Kopf sein gemeißelt, lang und flach, die Ohren zu 3/4 im Affekt aufrechtstehend, 1/4 kippend, der Pelz außerordentlich dicht, schwer, lang und reich, stattliche Krause bildend, die Rute hängend. Ein Ausstellungshund ersten Ranges, von dem beste Sieger (Champions) Preise bis zu 20,000 Mk. erzielen. In England besteht eine Anzahl Spezialklubs. In Deutschland: der »Kontinentale Collieklub« (führt das Collieklub-Stammbuch; Bd. 1–4 erschienen) und dessen Sezession »Verein der Colliefreunde«. Ersterer gibt die »Collieklub-Mitteilungen«, letzterer die »Blätter für Colliefreunde« je als Monatsschrift heraus. Für den Gebrauch dient mehr der kurzhaarige Collie. – Die verkleinerte Form des Schäferhundes ist der Spitz (Pommer, Fig. 3; »Verein für Spitze« in Elberfeld führt das Spitzzuchtbuch), in England unter dem Namen Pommeranian eine der verbreitetsten Rassen, ein mittelgroßer, 42–52 cm an der Schulter messender, sehr lebhafter, wachsamer H., Haar schwer, dicht, schlicht und reich. Figur sehr kurz, so daß die über den Rücken gebogene Rute die stattliche Mähne berührt. Gewölbter Oberkopf mit spitzer Schnauze, kleine Stehohren; Farbe: einfarbig schwarz, reinweiß mit dunkeln Augen und Nase, wolfsfarbig, letztere Varietät (Wolfspitz) größer als die einfarbigen. Beständig auf den Füßen, jedes Geräusch sofort mit lebhaftem Gebell meldend. Sehr beliebt und wertvoll als Damenhund ist der Zwergspitz (Fig. 10), 2–3 kg schwer, das Ebenbild des vorigen in Haar, Form und Charakter, nur in winziger Form; Farbe: schwarz, schokoladebraun, graublau, weiß. Mit dem großen Spitz verwandt sind alle arktischen Hunde, der norwegische Elchhund, Eskimo- oder Schlittenhund, die russischen Laiki, deutsch Beller, die teils als Zughunde gebraucht werden und unersetzlich sind, teils als Jagdhunde verwendet werden. Sie sind größer und derber als die Spitze. Mehr glatthaarig und den Übergang zum Pinscher bildet der belgische Spitz, das Schipperke, deutsch Schifferchen, ehemals der kleine Schifferhund, jetzt als Ausstellungs- und Wachthund selbst in England zu Ehren gelangt. Der chinesische Spitz, Tschau (eßbarer H.), ist größer als der Spitz, mit schwarzem Gaumen und Zunge, hängeohrig, mit doggenartig gestumpfter Schnauze und kürzer im Schädel; einfarbig rotgelb oder schwarz. – Der Beduinenhund bildet ein Bindeglied zwischen Schäferhund und Schakal, ist bissig, wird bei Herden und als Wachthund benutzt, selten gefüttert, frißt Aas und Abfall. Den Übergang vom Schäferhund zum Pinscher vermittelt der Dobermannpinscher (Fig. 4; »Nationaler Dobermannpinscherklub«, Sitz in Apolda, führt Zuchtbuch, eine Monographie von Otto Göller, Apolda, des Regenerators der Rasse), war früher mehr schäferhundartig, wird aber seit etwa zehn Jahren als großer Pinscher gezogen. 50–62 cm hoch, gestreckter, seiner Kopf, glatthaarig, schwarz mit lebhaft roten Abzeichen, Ohren spitz und Rute kurz kupiert. Ein außerordentlich treuer, kluger und nützlicher Großstadthund, flüchtig, ausdauernd, seinen Mann stellend. Der rauhhaarige Pinscher, Schnauzer (Fig. 6; »Pinscherklub«, Sitz in Köln, führt Zuchtbuch der Rasse, lokale Klubs in Frankfurt a. M. und Stuttgart), ein drahtig behaarter H. von 42–46 cm Schulterhöhe, sehnig, weder plump noch zu leicht, Kopf gestreckt, nicht spitz, Ohren kupiert, ebenso Rute; Farbe: eisengrau (pfeffer- und salzfarbig), schwarz, rotgelb, weiße Abzeichen sind nicht beliebt. Intelligent, dressurfähig, schneidiger Wächter, flotter Läufer, vertilgt Ratten. Er ist aus dem alten langzottligen Affenpinscher durch Kreuzung mit dem kleinen Bullenbeißer entstanden und wird erst in den letzten Jahrzehnten konstant durchgezüchtet. Als Rückschlag auf kurzhaarige Kreuzung gibt es auch kurzhaarige graue Pinscher, auf Pudelblut sogen. Seidenpinscher. Schoßhundformen: 1) der glatthaarige, schwarzgelbe Zwergpinscher, 1,5–2,5 kg schwer, zierlich, sein behaart, kupiert, 2) der rauhhaarige Affenpinscher, schwarz, grau, rotgelb, rauh behaart, Kopf stachelig behaart, Unterkiefer ein wenig vorstehend, aber nicht sichtbar, was den affenartigen Gesichtsausdruck gibt, wachsam, sehr klug und mutig. Aus der langzottligen Form des pinscherartigen Schlages entstand der Pudel, früher Wasserhund (Fig. 7; »Pudelklub«, Sitz in München, führt Zuchtbuch), größer als der Spitz, die außerordentlich reiche Behaarung wird entweder belassen (Schnürpudel) oder halblang geschoren und ausgekämmt (Wollpudel). Immer kunstvoll frisiert und gepflegt, Kopf vorstehhundartig, Ohren (Behang) und Rute lang befranzt. Farbe: schwarz oder reinweiß, das glanzlose Schokoladebraun ist weniger beliebt. Überaus klug, dressurfähig, intelligent. Gehör mäßig, Nase gut entwickelt. Die Schoßhundform seidenhaarig, entweder wollhaarig (Zwergpudel) oder schlichthaarig, winzig, rein weiß (Malteser, Fig. 11). Von den englischen Pinschern hat in Deutschland der Airedaleterrier (Fig. 5) Heimatsrecht gewonnen (»Klub für rauhhaarige Terriers«, Sitz in Frankfurt, Zuchtbuch, »Monatliche illustrierte Mitteilungen«, Monographie: »Der Airedale«, gratis vom Klub); 54–60 cm hoch, drahthaarig, sehr kurz, von rücksichtsloser Schärfe, Figur kurz, Kopf lang und schmal, Schnauze lang, abgestumpft, Ohren und Rute kupiert, Farbe: rotgelb mit schwarzem Sattel. Vorzügliches Gehör und Nase, dressurfähig, als Kriegshund am besten bewährt (s. Kriegshund). Von den zahlreichen Formen glatthaariger englischer Terriers (Bull-, Black and tan Terriers) und rauhhaariger englischer Terriers (Fig. 8 u. 9, irische rote, Bedlington, Scotch, Skye, Yorkshire, Welsh, Dandie, Dinmond) ist nur der erstere bei uns öfter vertreten. Über Foxterriers (Tafel I, Fig. 5) s. unten: Jagdhunde. Einen einfarbigen roten, rauhhaarigen Zwergpinscher züchtet Belgien im Griffon Bruxellois. Ein Mittelding zwischen großem Pinscher und Hühnerhund ist der Dalmatiner, glatthaarig, dem Pointer in Figur ähnlich, weiß mit zweimarkstückgroßen, schwarzen, runden Flecken. Als Begleithund zu Wagen und Pferd war er früher beliebt, ist jetzt seltener anzutreffen. Mittelgroß, elegant, Ohr hängend, unkupiert.

Aus der Familie der Doggen (Tafel III) ragt die deutsche Dogge (Fig. 1) als Urbild von Schönheit, Kraft, Adel und Eleganz hervor, in England Great Dane, in Frankreich Grand Danois (»Deutscher[646] Doggenklub«, Sitz in Berlin, führt Stammbuch, I u. II erschienen, und »Nationaler Doggenklub«), bis 1890 die vornehmste Luxushunderasse, jetzt etwas durch die Mittelhunde verdrängt. Durch die offizielle Bezeichnung sind alle alten Namen (Hatzrüde, Ulmer, dänische, englische Dogge) abgeschafft. 80–84 cm Schulterhöhe, feinbehaart, Ohren kupiert, eleganter schlanker Hals, dünne Rute. Farbe: schwarzweiß gefleckt, einfarbig schwarz, blaugrau, gelb oder geströmt. Die Dogge ist jedenfalls aus Molosser veredelt, vielleicht durch Zuführung von Windhundblut. In England existiert noch eine große Molosserform, der Mastiff (Fig. 2), mit faltigem Kopf. Englische Zwergform ist die Bulldogge (Fig. 6; »Klub für englische Bulldoggen«, Sitz in Köln, ebensolcher Sitz in München, Lokalklub in Stuttgart). Sehr breiter, niedriger H. mit enormen Knochen, kurz, Schädel riesig und faltig, Nase sehr kurz, Unterkiefer vorgeschoben, Gebiß nie sichtbar, Ohren unkupiert, kleine abwärts stehende, sogen. Korkzieherrute. Deutsche Zwergform ist der Boxer (Fig. 5; der »Boxerklub«, Sitz in München, führt Stammbuch, illustrierte Monographie: »Der deutsche Boxer«, vom Klub gratis). Eleganter, kräftiger, begabter H. von Mittelgröße, gutartig, zuverlässig, klug. Farbe: rotgelb, geströmt, weiß mit solchen Abzeichen, glatthaarig, Ohren und Rute kupiert, Gebiß nicht sichtbar, Nase nie gespalten. Schoßhundform ist der Mops (Fig. 8), graugelb, steingrau mit schwarzer, faltiger Maske, höchstens 4–5 kg schwer, Ringelrute. Einfarbig schwarze Möpse sind in England beliebt und sehr wertvoll. Die französische Zwergbulldogge (Fig. 7), klein, stehöhrig, ist Modehund der eleganten Pariserin, sehr wertvoll, auch in England beliebt. Aus Kreuzung der Molosser mit langhaarigen Hirtenhunden, wahrscheinlich mit dem Pyrenäenhund, ist der St. Bernhardshund (Fig. 3 a u. b) hervorgegangen, dessen älteste, ursprünglichste Form, der stockhaarige Hospizhund, auf dem Großen St. Bernhard und in den Seitentälern gezogen wurde. Dort wird er noch für den Dienst der Alpenübergänge verwendet. Ein riesiger H., der Würde und Kraft vereint, 80–84 cm Schulterhöhe, weiß mit rotgelben oder geströmten Platten, wird in stockhaariger (Urform) und langhaariger Varietät gezüchtet und ist über die ganze Welt verbreitet. England hat schöne Riesen gezogen, aber den echten Typus vernachlässigt. (Spezialklub: »St. Bernhardsklub«, Sitz in München, führt Stammbuch, I-IV erschienen, illustrierte Monatsschrift, veranstaltet Ausstellungen, illustrierte Monographie gratis vom Klub. Lokale Klubs in Frankfurt a. M., Berlin.) Die moderne Züchtungsrasse wird als Begleithund gehalten, besitzt vornehmen, menschenfreundlichen Charakter, ist ruhig, klug, treu. Hervorragende Ausstellungstiere sind von hohem Werte, werden mit bis 10,000 Mk. bezahlt. Der Neufundländer (Fig. 4), aus Kreuzung des Molosser (großem Fleischerhund) mit Wasserhund hervorgegangen, wurde nach Neufundland eingeführt, ist am Küstenland durch seine Passion für das Wasser nützlich. Als Ausstellungshund in England und Deutschland (»Neufundländerklub für den Kontinent«, Sitz in Augsburg, führt illustriertes Zuchtbuch, Bd. 1 u. 2) beliebt, ist er infolge Überzüchtung etwas degeneriert, weshalb mehrfach von Schweizer Züchtern frisches Blut von Arbeitshunden eingeführt wurde. Größe: 75–80 cm Schulterhöhe, schlichtes, schweres, langes Haar. großer stumpfer Kopf, kleines dreieckiges Ohr, hängende Rute. Farbe: schwarz oder weiß mit schwarzen Platten, sogen. Landseerschlag.

Die Schoßhunde sind Zwergformen mittelgroßer Rassen und bei diesen schon erwähnt; sie stellen verkleinerte Ausgaben vor und sollen jenen möglichst gleichen. Deutschen Ursprungs sind: die glatthaarigen (Tafel II, Fig. 8) und rauhhaarigen (Fig. 9) Zwergpinscher, letztere volkstümlich Affenpinscher genannt, der Zwergspitz (Fig. 10), Seidenhund (Seidenpinscher, Zwergpudel), aus Kreuzung der beiden letztern stammt der Seidenspitz. Englischen Ursprungs sind: der Toyspaniel, langhaarig, mit sehr kurzem, rundem Kopf, eine Zwergform des Wachtelhundes, untersetzt; rot = Rubyspaniel; weiß und rot = Blenheimspaniel; schwarzweißrot = Prince Charles oder Trikolorspaniel; schwarz mit rostgelben Abzeichen = K ing Charles, der Toy black and tan Terrier, schwarzroter, glatthaariger Zwergterrier, der Yorkshireterrier, vorigem ähnlich, mit sehr langen, seidigen, schlichten Haaren. Japanischen Ursprungs sind: der japanische Chin, kurzer Kopf, langhaarig, geringelte Rute, weiß mit schwarzen oder gelben Platten; sehr kleine Tiere, stehen selbst im Heimatland in hohem Wert und Ansehen. Chinesischen Ursprungs sind: der Pekinesespaniel, untersetzt, langhaarig, einfarbig dunkel, mit schwarzer Maske, Kopf sehr kurz, faltig. Französischen Ursprungs sind: die Zwergbulldogge (Tafel III, Fig. 7), fledermausohrig, sonst in allem eine winzige Ausgabe der Bulldogge, der Papillon, Schmetterlingshund, seidenhaarig, mit großen, stehenden Ohren, rotbraun oder rotgelb, mit oder ohne weiße Abzeichen. Holländischen Ursprungs ist: das Schipperke, deutsch Schifferchen, ein glatthaariger, schwarzer, dem Spitz ähnlicher Hund, meist ohne Rute geboren. Belgischer Herkunft ist: der Griffon Bruxellois, ein rotgelber, rauhhaariger Affenpinscher mit Kirschaugen, Ohren und Rute kupiert. Angeblich englischer Herkunft sind: der Mops (Tafel III, Fig. 8), graugelb, steingrau mit schwarzer, faltiger Maske, Ringelrute, vollem Auge, hängenden, unkupierten Ohren. Wahrscheinlich aus Italien stammend: der Malteser (Bologneser), schlichthaariger, reinweißer Seidenhund, Ringelrute, Kopf kurz, hängende Ohren (Fig. 11), u. das Windspiel, sehr sein behaartes, zierliches Tierchen mit kleinen, zurückgelegten Ohren, langem Kopf, tiefer Brust. Alle Schoßhunde sollen möglichst klein sein, aber doch lebhaften Naturells. Das zulässige Höchstgewicht ist für die meisten Arten 2–3 kg, für Mops und Schipperke 4–5, Zwergbulldogge 8 bis 10 kg. Kleinheit wird nur durch Zuchtwahl erzielt, künstliche Mittel (unzureichende Ernährung, Alkohol, Reisfutter, Mangel an Bewegung) führen zu Kretinismus und Unfruchtbarkeit. Alle Schoßhunde erfordern Pflege und Schutz gegen Kälte; Überfütterung ist zu vermeiden, und bei trockenem Wetter müssen die Tierchen reichlich Auslauf haben. Spezialklubs: 1) »Schoßhundklub«, Sitz in Berlin. Führt eignes Stammbuch, gibt illustrierte offizielle Nachrichten »Schoßhund-Sport« heraus, hält Ausstellungen für Schoßhunde ab. Vgl. »Die Rassezeichen des Schoßhundklubs« (Berl. 1904); 2) »Klub für glatthaarige Zwergpinscher«, Sitz in Elberfeld.

Teils aus Vermischung der schäferhundartigen und doggenartigen Rassen, teils durch Abzweigung leichter und kleiner Schläge (Windhund und Erdhund, Tafel I) oder schwerer Schläge (Schweißhund, Tafel IV) entstehen durch Zuchtwahl, dem Zweck, Terrain, Jagdbetrieb entsprechend, die Jagdhunde. Bodenkultur sowohl als Verbesserung der Jagdwaffen haben sie in den letzten Jahrzehnten gänzlich verändert. Eine [647] Klassifikation ist nur nach Verwendung und Art der Arbeit möglich.

[Jagdhunde.] A. Leit- und Schweißhunde.

1) Der Leithund (altdeutsch leitihund) wird schon in den Gesetzen der Bajuwaren und Alemannen des 7. Jahrh. erwähnt und stand bei unsern Vorfahren in großem Ansehen. Er wurde benutzt, um den Stand des Wildes, speziell des Hirsches, zu bestätigen. Zu Anfang des 19. Jahrh. geriet die Züchtung des Leithundes in Verfall, 1816 wurden die letzten nachweisbar reinen Leithunde vom württembergischen Jägerhof verkauft, ein Paar kam an die Forstschule zu Dreißigacker. Weitere Nachrichten fehlen, und die Rasse ist als ausgestorben zu betrachten.

2) Der Schweißhund (Tafel IV), zuerst im 17. Jahrh. erwähnt, früher aus der Zahl der jagenden Hunde ausgewählt, auch aus den verdorbenen Leithunden, später rein gezüchtet, hat sehr viel Leithundblut. Bis 1885 unterschied man: Jägerhof-, Solling- und Harzer Rasse, von da ab schwere und leichte, sogen. Leit- und Schweißhundform. Seit Gründung des »Vereins Hirschmann« 1894, der sich die Züchtung des Schweißhundes zur Aufgabe gemacht hat, wird nur eine Form unter der Bezeichnung Harzer Schweißhund (Fig. 1) gezüchtet. Eine Unterabteilung in leichten und schweren Schlag ist züchterisch nicht gerechtfertigt, mag aber für Ausstellungen praktisch sein. Eine andre, für das Hochgebirge berechnete Form, kleiner und behender, ist der bayrische Gebirgsschweißhund, um welchen der Jagdmaler O. Grashey-München sich besondere Verdienste erworben hat. Vgl. O. Grashey, Nachsuche auf angeschossenes Wild und Abführung der dazu geeigneten Hunde (2. Aufl., Münch. 1887). Der Harzer Schweißhund ist ein sehr kräftiger, gestreckter H., der Kopf breit, leicht gewölbt, Nase breit, Behang lang und breit, flach anliegend, Rute lang, bis zur Mitte der Fußwurzel reichend, schräg nach unten getragen und wenig gekrümmt. Die stark ausgebildeten und scharf vorspringenden Augenbrauen sowie die breit überfallenden Lippen mit stark ausgeprägter Falte am Mundwinkel geben ihm einen der ernsten Arbeit entsprechenden Ausdruck. Die Farbe ist rot oder geströmt, ohne jegliches Weiß. Häufig ist der Kopf bedeutend dunkler (Maske). Der Schweißhund dient zur Verfolgung angeschossenen Wildes (Rot-, Damwild und Sauen). Er wird riemenführig gemacht und muß sich stundenlang ablegen lassen, d. h. am selben Ort liegen bleiben. Er muß jede gerechte Fährte zeigen und die ihm gewiesenen Fährten sicher verfolgen. Der Schweißhund wird am Riemen gearbeitet, bis das verendete Stück gefunden. Ist das Stück noch nicht verendet und wird flüchtig, so wird der H. vom Riemen gelöst, »geschnallt«, und muß es verfolgen und stellen, bis der Jäger hinzukommt und den Fangschuß gibt. Sehr geschätzt wird, wenn der H. das verendete Wild tot verbellt. Die Jahre der Rasse sind wohl gezählt; das Verschwinden des Hochwildes aus freier Wildbahn besiegelt sein Schicksal. Vgl. Quensell, Abstammung, Züchtung und Arbeit des Schweißhundes (2. Aufl., Blasewitz 1884); Drömer, Der Schweißhund und seine Arbeit (Oranienb. 1886); Graf Bernstorff, Zucht und Behandlung des Schweißhundes (2. Aufl., Neudamm 1899); Gerding, Der Schweißhund (2. Aufl., das. 1904).

B. Jagende Hunde, denen die Verfolgung des Wildes obliegt, das sie entweder zu Stand hetzen, bez. fangen oder vor die Schützen bringen, Parforcehunde, Bracken, Meutehunde.

1) Der englische Bloodhound (Tafel IV, Fig. 2). ähnlich dem deutschen Schweißhund verwendet, ist aus dem französischen Meutehund Chien St. Hubert hervorgegangen; seines imponierenden Aussehens wegen auch vielfach nur Luxushund. Die Nase ist eminent, die ganze Züchtung auf diese konzentriert, weshalb er früher, versuchsweise auch in neuerer Zeit, zur Verfolgung von Verbrechern benutzt wurde. Der Kopf ist lang und schmal, mit hoch aufsteigender faltiger Stirn und stark vortretendem Hinterhauptsbein. Behang sehr lang und gedreht, Lefzen breit überfallend. Die lose Halshaut bildet starke Wamme. Beliebteste Farbe: Kopf und Unterkörper rotgelb, schwarzer Sattel.

2) Der Otterhund, nur noch in England als besondere Rasse gezüchtet, stammt von dem südenglischen Jagdhund ab, der früher besonders zur Parforcejagd in sumpfigen Gegenden benutzt wurde. Er hat einen großen, ziemlich breiten Kopf, dunkle Augen, dünne, flach am Kopf anliegende Behänge, einen kräftigen Körper, gerade, starke Läufe mit großen, das Schwimmen erleichternden Zehen, eine lange, hochgetragene Rute und sehr harte, gegen Nässe schützende Behaarung von meist grauer oder schwarzer Farbe, gewöhnlich mit gelben oder braunen Abzeichen. Zur Vertilgung der der Fischzucht sehr schädlichen Fischottern werden die Flüsse mit einer aus diesen Hunden gebildeten Meute abgesucht. Ganz vorzüglich bewährt sich in Deutschland der Airedaleterrier.

3) Der englische Hirschhund (Staghound), zur Parforcejagd auf Edelwild dienend, ist ein H. von stattlicher Größe, mit großem Kopf, langen und tief herabhängenden Lefzen und Behängen, weiß mit schwarzen und roten Platten.

4) Der Fuchshund (Foxhound, Tafel I, Fig. 4), ein Meutehund für die Fuchsjagd, auf dessen Züchtung in England hoher Wert gelegt wird. Es ist ein mittelgroßer H. mit nicht zu schwerem Kopf und Behang, letzterer beschnitten, geraden Läufen und straffer Muskulatur. Farbe wechselnd, am liebsten schwarz und gelbe Platten auf weißem Grund. Er wird auch in Deutschland von Offiziersvereinen in großen Meuten für Jagdreiten gehalten, so in München und Hannover.

5) Harriers u. Beagles, Hasenhunde, kleine jagende Hunde, in Farbe und Statur vorigem ähnlich, hauptsächlich für die Jagd auf Hafen und Kaninchen.

6) Bracken (»Brackenklub«, Sitz in Elberfeld) sind in Deutschland bei der geringen Gelegenheit zur Brackirjagd nur noch wenig vertreten, in ausgeprägter Form besonders im Sauerland (Holzbracken), Holstein, Ruhr (Steinbracke), Eifelgegend. In neuerer Zeit wird der Züchtung der Dachsbracke (»Internationaler Dachsbrackenklub«, Sitz in München) mehr Beachtung geschenkt. Stärker vertreten sind die Bracken in Tirol, Steiermark, Bosnien, Krain. Es sind Hunde von mittlerer Größe, schlankem Bau und kräftiger Muskulatur. Behang mittellang, Läufe gerade, Farbe verschieden, weiß und schwarz, schwarz mit braunen Abzeichen, braun oder gelb, teils glatthaarig (Kärnten und Tirol), teils rauhhaarig (Steyerer und Bosnische Bracken). Sie werden in wildarmen, waldigen und gebirgigen Gegenden benutzt, das Wild aufzuspüren, laut und anhaltend zu jagen und dem anstehenden Jäger zuzutreiben, bis sie abgerufen und an die Koppel genommen werden. Die Brackenjagd beginnt im Oktober und wird leider gewöhnlich mit 4–5 Hunden betrieben. Die Hunde suchen mit niedriger Nase und geben Hals, wenn sie Wild finden und es auf warmer Fährte jagen. Hunde, die ohne Fährte laut sind, »weidelaut«, sind unbrauchbar.[648] Sobald ein H. Laut gibt, müssen die andern herzueilen, »beischlagen«, und mit jenem zusammen das Wild vor den Schützen treiben. Ist das Wild angeschossen, so muß der Jäger rasch folgen, damit die Hunde, wenn sie es gefangen haben, nicht »anschneiden«. Um die Hunde eifriger zu machen, gibt man ihnen das Gescheide des geschossenen Wildes, man macht sie »genossen«, ein übler Brauch, der sie verdirbt. Vgl. Laska, Die Bracke (Wien 1904).

Hierher zu rechnen sind ferner die Schweizer Laufhunde, von denen fünf Schläge vorhanden sind: 1) die gewöhnlichen Schweizer Laufhunde, weiß mit farbigen Platten; 2) die Thurgauer, rotgelb mit weißen Abzeichen; 3) die Luzerner, grauweiß gesprenkelt mit dunkeln Platten; 4) die dreifarbigen Berner, 5) die einfarbigen Jurahunde. Ferner die französischen Parforcehunde und kleinen Bassets. In verschiedenen Kantonen ist die Jagd mit ihnen verboten, wie in Bayern die Jagd mit hochläufigen Hunden schon seit 1850.

7) Windhunde, die zum Unterschied von den vorigen nicht mit der Nase, sondern nur mit dem Gesicht jagen, also nur auf weit ausgedehntem und übersichtlichem Gelände Verwendung finden können. Sie werden auf der Hetzjagd zum Greifen der Hafen und Füchse verwendet, während der Jäger zu Pferde folgt. In Rußland wird in der Steppe auch noch der Wolf mit Windhunden gehetzt. Es werden hauptsächlich drei Rassen zur Jagd verwendet: der englische glatthaarige Windhund (Greyhound, Tafel I, Fig. 1), der russische wellhaarige Windhund (Fig. 2, Barzoi) und der schottische rauhhaarige Windhund (Hirschhund, Deerhound, Fig. 3). Infolge ihres schlanken Baues und der hohen Läufe sind alle Windhunde sehr flüchtig und imstande, Hafen und Füchse einzuholen und zu greifen, selbst wenn diese einen größern Vorsprung haben. Den Wolf hetzen sie müde, worauf er sich stellt und vom Reiter mit der schweren Hetzpeitsche (nagaika) durch einen Hieb über die Nase betäubt, geknebelt und lebend über den Sattel gelegt wird. Ein H., der den Hafen allein einholen und fangen kann, wird Solosänger genannt, der, welcher die übrigen Hunde von dem gefangenen Hafen abhält und sie am An schneiden hindert, heißt Retter oder Schützer. In England finden hochdotierte Coursings für Windhunde statt; der Waterloo Cup bei Altcar ist mit 40,000 Mk. in Geldpreisen bedacht. Der »Barzoiklub«, Sitz in Berlin, führt das Barzoistammbuch. In Deutschland steht der Barzoi als Ausstellungshund infolge seiner Schönheit (langer Kopf, seidiges Wellhaar) in hohem Ansehen.

8) Saufinder, für die Jagd auf Schwarzwild bestimmte Hunde von keiner bestimmten Rasse, meist Hirtenhunde oder Kreuzungen von diesen und Schweißhunden, Hühnerhunden und Teckeln. Es eignen sich zu Saufindern besonders solche Hunde, die von Schweinetreibern und Schweinehirten gehalten werden und deshalb an zahme Schweine gewöhnt sind. Sie müssen beherzt und nicht zu stark sein, weil sich vor großen Hunden die Sauen nicht leicht stellen und solche auch, wenn m m hitzig sind, wegen ihrer geringen Beweglichkeit, von Keilern leicht zu schanden geschlagen werden. Rauhhaarige, schwache, etwas hochläufige Hunde sind vorzuziehen, weil sie Nässe und Kälte besser vertragen, nicht so leicht ermüden und behend sind, daher seltener geschlagen werden. Gute Finder müssen leinenführig und rein sein, d. h. am Riemen dem Jäger an der linken Seite folgen und nur an Sauen, an diesen aber anhaltend jagen. Sie dürfen ferner nicht »weidelaut« sein, d. h. sie müssen nur dann Laut geben, wenn sie an Sauen herankommen, diese »äugen« und dicht an ihnen jagen. Gut ist, wenn sie an Hornsignale gewöhnt werden. Sobald sich die Sauen vor dem Finder zur Wehr setzen, »stellen«, muß der H. sie durch Angriffe an der Stelle zu halten suchen, er gibt dann »Standlaut«. Der Jäger schleicht sich jetzt vorsichtig heran und schießt die Sau vor dem Finder. Von Rassehunden bewährt sich am besten der Airedaleterrier und deutsche Schäferhund.

9) Saupacker (Saurüde), ein schwerer Hetzhund, aus dem Geschlecht der Doggen. Außer diesen verwendet man auch Hunde andrer Art, die aber stark und kräftig sein müssen, um die Sauen festzuhalten, »zu decken«. Wenn durch die Finder Sauen aufgespürt und gestellt sind, hetzt man zwei Packer an, die das Schwein an den Gehören festhalten. Inzwischen kann entweder der die Hunde führende Rüdemann heransprengen, um das gedeckte Schwein mit der Saufeder oder dem Hirschfänger abzufangen, oder es kann dies, nachdem das Schwein durch Aufheben der Hinterläufe »ausgehoben« ist, durch den Jagdherrn erfolgen. Bei der Sauhatz auf der Streif umstellt man einen zu treibenden Distrikt mit Hatzen hinter Schirmen und hetzt mit der am nächsten befindlichen Hatz, wenn die Sauen herausgebrochen sind. Zweckmäßig sind hierbei die Jäger beritten. Früher legte man wertvollen Hunden, um sie gegen Schläge durch Keiler zu schützen, Hundepanzer an, d. h. man bekleidete sie mit Panzerjacken, die aus grober Leinwand mit eingenähten Fischbeinstreifen gefertigt waren und Blatt, Leib und Keulen bedeckten und schützten. Der Panzer hindert aber die Hunde am schnellen Laufen und an raschen Wendungen, weshalb er jetzt nicht mehr gebraucht wird.

10) Stöberhunde (Spaniels) dienen zum Aufsuchen und Jagen des Wildes, speziell des der Niederjagd angehörenden. Sie suchen einzeln kurz vor dem Jäger, stoßen das Wild heraus, verfolgen es stumm und apportieren das erlegte Wild. Sie müssen guten Appell haben und dürfen nicht, wie die Vorstehhunde, vor dem Wilde vorstehen. Zweckmäßig ist es, dem Stöberhund eine kleine Schelle umzubinden, damit man über den jeweiligen Aufenthalt des Hundes unterrichtet ist. Die Stöberhunde sind als die Stammeltern unsrer Vorstehhunde zu betrachten. Sie sind wahrscheinlich spanischen Ursprungs, werden in einer Anzahl von Varietäten in England gezogen und jagdlich verwendet. Man unterscheidet Feld- (Field-) und Wasserspaniels. Neuerdings werden sie auch in Belgien, Holland, in der Schweiz und Deutschland eingeführt, da es in England in höchsten Kreisen nicht mehr sportsgemäß ist, vor Vorstehhunden zu schießen. Erstere erscheinen wie Zwergausgaben langhaariger Vorstehhunde, sind aber länger und niedrig gestellt. Das Haar ist lang, weich, schlicht oder gewellt. Die Farbe ist schwarz (Fieldspaniels, Tafel I, Fig. 8), braun (Sussexspaniels) oder weiß mit gelb (Clumberspaniels). Der irische Wasserspaniel ähnelt mehr dem Pudel, das Haar ist dicht gekräuselt, braun, flohfarben oder leberbraun. Seit kurzem versucht man, einen deutschen Wachtelhund zu züchten, doch fehlt das geeignete Material; was gezeigt wird, sind zu klein geratene, langhaarige Vorstehhunde oder Kreuzungen solcher mit Spaniels.

11) Retriever, der Apportierhund der Engländer, eine neuere Rasse, die aus der Kreuzung des Setters mit dem kleinen Labradorhund (langhaariger Retriever)[649] oder des Wasserspaniels mit dem Labradorhund (kraushaariger Retriever) entstanden ist. Der Retriever wird fast nur in England gezüchtet und verwendet. Farbe tiefschwarz, entweder schlicht oder kraushaarig. Er muß kräftig genug gebaut sein, um mit einem Hafen im Fang eine Hecke übersetzen zu können, und darf das Wild nicht quetschen. In Deutschland und den meisten übrigen Ländern wird der Vorstehhund zugleich zum Apportieren benutzt.

12) Vorstehhunde. Die Hühnerhunde werden zur Jagd auf Hühner, Wachteln, Schnepfen etc. und Hafen benutzt. Der Vorstehhund sucht vor dem Jäger mit hoher Nase flüchtig das Gelände ab und steht vor dem gefundenen Wilde so lange fest vor, bis der Jäger herantritt. Von jedem Vorstehhund wird verlangt, daß er das erlegte Wild auch apportiert. Er muß hasenrein sein, d. h. sich von einem vor ihm ausstehenden Hafen abrufen lassen. Hunde, die tief am Boden suchen und schnüffeln, haben meist langsame Suche und schlechte Nasen, finden das Wild schwer und rücken ihm deshalb oft so nahe, daß es aufsteht, ehe sie zum Vorstehen kommen. Züchten auch fast alle Länder ihre eignen Vorstehhunderassen, so sind doch am meisten verbreitet die deutschen, englischen und französischen Vorstehhunde. Erstere zerfallen in kurzhaarige, drahthaarige und langhaarige (Tafel IV, Fig. 6–8), die sich hauptsächlich durch ihre Behaarung voneinander unterscheiden. Sie sind kräftig gebaut, mit gerader Rute, die immer kupiert wird. Farbe braun, ein Gemisch von braun und weiß, unscheinbar graubraun erscheinend, mit oder ohne braunen Platten, seltener weiß mit braun. Die englischen Vorstehhunde zerfallen in zwei Hauptgruppen, in die glatthaarigen (Pointers, Fig. 3) und die langhaarigen (Setters, Fig. 4 u. 5). Erstere wurden auch in Deutschland einst in hoher Vollendung gezüchtet, so daß seinerzeit Prinz Albrecht zu Solms mit den Zuchtprodukten seines Zwingers Wolfsmühle die Engländer in London besiegte. Farbe weiß mit braunen oder gelben Platten. Jetzt werden sie nur noch vereinzelt in Deutschland gehalten, da der deutsche kurzhaarige Vorstehhund sie in Schönheit, Suche und Nase fast erreicht, sie aber in vielseitiger Verwendung (Schweiß-, Wasser-, Raubzeugarbeit) übertrifft und überflüssig gemacht hat. Von den langhaarigen englischen Vorstehhunden unterscheidet man drei Varietäten, den flüchtigen, leichten irischen Setter (rot), den kräftigen, derber behaarten Gordonsetter (schwarzrot) und den englischen Setter, Mittelschlag, weiß mit schwarzen oder gelben Platten und Tupfen. Wird in Belgien, Holland, Rußland sowie in Deutschland in hervorragenden Exemplaren gehalten und gezüchtet. Der »Setterklub«, Sitz in Barmen, führt Setterstammbuch, dotiert Ausstellungen, hält Preissuchen ab, gibt Setterklubmitteilungen (als Teil III des »Vorstehhund«, offizielles Organ der Spezialklubs) heraus.

Von den deutschen Vorstehhunden ist Kurzhaar die verbreitetste Varietät. Eine große Anzahl Spezialklubs fördern dessen Züchtung, so Klub »Kurzhaar« mit mehr als 1000 Mitgliedern, Tochterklubs in Bayern, Sachsen-Thüringen, Rheinland-Westfalen, Baden, Pfalz, Hessen, Elsaß, hält jährlich vier hochdotierte Derbys für Jährlinge ab, führt Stammbuch über 7000 Eintragungen, verlegt eine illustrierte Monatsschrift »Kurzhaarzeitung« als Teil I des »Vorstehhund«. Für Gebrauchshundprüfung arbeitet ein Verband der »Vereine für Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd« mit nahezu 4000 Mitgliedern, führt Gebrauchshundstammbuch, hält hochdotierte Prüfungen ab für alle Arbeitsfächer. Von den drahthaarigen Vorstehhunden werden zwei Zuchtgruppen noch vielfach unterschieden, der ausgeglichen behaarte rauhhaarige Griffon und der mehr glatt erscheinende sogen. stichelhaarige Vorstehhund; doch lassen sich beide Arten, die oft vermischt wurden, praktisch kaum auseinander halten. Das Ziel beider ist genau dasselbe: ein flüchtiger, ausdauernder, feinnasiger H. im rauhen Haarkleid. Der »Griffonklub« mit Tochterverein in Bayern und affiliierten Klubs in Belgien, Holland u. Frankreich führt das Stammbuch für rauhhaarige Vorstehhunde (Griffonklub-Stammbuch), gibt die Monatsschrift »Der drahthaarige Vorstehhund« als Teil II des »Vorstehhund« heraus. Am wenigsten Fortschritte macht der langhaarige Vorstehhund, dessen Masse und Schwerfälligkeit modernen Ansprüchen an Flüchtigkeit, Adel und Eleganz nicht mehr entspricht, obschon zwei Klubs von verschiedener Tendenz sich um ihn bemühen. Er mag allenfalls noch in wald- und wasserreichen Gebieten in seiner jetzigen Form, die noch den Typus des schweren altdeutschen Schlages zeigt, am Platze sein. Ebenso ist die älteste, konstant gezüchtete Form, der dreifarbige württembergische Vorstehhund, im Aussterben begriffen, während der silbergraue Weimaraner, die einzige konstant gewordene Kreuzung deutsch × englisch, von einer Anzahl begeisterter Züchter noch getragen wird. Der Weimaraner Klub führt Zuchtbuch. Das Verdienst, die deutschen Vorstehhunde der Vergessenheit entrissen und zuerst rationell gezüchtet zu haben, gebührt der sogen. Delegiertenkommission (s. unten: Züchtung von Rassehunden), später durch Klub »Kurzhaar« weit überholt. Literatur s. unten.

C. Erdhunde werden hauptsächlich zur Arbeit an Dachs und Fuchs, aber auch auf Schweiß und zum Jagen über der Erde benutzt. Eine eigentliche Abrichtung zur Erdarbeit auf Fuchs und Dachs ist nicht erforderlich; es gilt vielmehr nur, die guten Eigenschaften dieser schneidigen Hunde auszubilden und zu trainieren. Sie müssen den Fuchs, bez. Dachs in die Enge treiben, dort fest vorliegen und Laut geben und ihn nicht von der Stelle lassen, bis die Jäger durchgeschlagen haben. Scharfe, agile Hunde sprengen das Raubzeug, d. h. veranlassen es durch ihren fortgesetzten Angriff zum Verlassen des Baues, vor dem es von dem Jäger erlegt wird. Junge Füchse werden im Bau gewürgt und herausgezerrt.

1) Dachshund (Dächsel, Teckel, Tafel I, Fig. 6 u. 7), sehr alte Rasse, die sich schon auf ägyptischen Denkmälern 2000 Jahre v. Chr. abgebildet findet, sofern nicht vielleicht die gekrümmten Läufe eine rachitische Deformation junger Hunde darstellen. Niedrige, krummbeinige, langgestreckte Hunde mit straffer Muskulatur, besonders der Hinterhand, und starkem Gebiß. Sie sind meist kurzhaarig, doch gelangt neuerdings die rauhhaarige und langhaarige Varietät in Aufschwung. Gewicht höchstens 8–9 kg. Farbe schwarz mit braunen Abzeichen am Kopf, Hals, Brust und Läufen, rotgelb, braun, grau und silbergrau mit dunkeln Flecken (Tigerteckel) ohne Weiß, Augen und Nägel dunkel, bei dunkeln Hunden schwarz. Vgl. Corneli, Der Dachshund (Berl. 1885); Ilgner, Der Dachshund (Neudamm 1896). – Der »Teckelklub« (Sitz in Berlin) führt »Teckel-Stammbuch« (erschienen Bd. 1–14, mit 6290 Eintragungen), die Klubs für rauhhaarige und langhaarige Teckel führen je ihr eignes Zuchtbuch. Zahlreiche Schliefklubs bestehen in größern Städten zur Hebung der jagdlichen [650] Anlagen durch Einarbeiten und Prüfungen der Hunde in künstlichen Bauen an lebendem Raubzeug.

2) Fuchsterrier, Foxterrier (Tafel I, Fig. 5), englische Rasse, munter und behende, mit starken Knochen, kurzem Rücken, mittelhohen geraden Läufen, Behang klein V-förmig, Rute kurz kupiert, Gewicht 7–8 kg. Behaarung glatt oder drahtig rauh, Farbe weiß mit schwarzen und rostgelben Abzeichen. Wird seines muntern Wesens und seines Schneid halber bei uns vielfach als Stuben- und Stallhund gehalten. Spezialklub: 1) »Deutscher Foxterrierklub«, führt das Deutsche Foxterrier-Stammbuch (erschienen Bd. 1 bis 10 mit 2400 Eintragungen), gibt die illustrierten Monatshefte »Mitteilungen des Deutschen Foxterrierklubs« heraus; 2) »Foxterrier-Züchterverein« (Sitz in Berlin); ferner zahlreiche Lokalklubs und Schliefklubs in fast allen größern Städten.

[Züchtung von Rassehunden.] Das Beispiel Englands, das unter Oberleitung des Kennel Club die Hundezucht mit über 300 Ausstellungen in einem Jahr zu außerordentlicher Blüte gebracht hat, gab die Anregung in Deutschland für ähnliche allgemeine Vereine, Spezialklubs, Ausstellungen und Leistungsprüfungen. Der erste Anstoß erfolgte durch den »Hektor-Berlin«, der 1903 sein 25jähriges Jubiläum feierte. Das Verdienst, zuerst ein Stammbuch in Deutschland geführt und den Hundesport zu Ansehen gebracht zu haben, kommt der Delegiertenkommission zu, die das »Deutsche Hundestammbuch« (s. unten, Literatur) einführte, die Verleihung von Staatsehrenpreisen für züchterische Leistungen beim Ministerium für Domänen, Landwirtschaft und Forsten anbahnte und die ersten großen Ausstellungen veranstaltete, deren Zahl von 1–2 vor 30 Jahren auf 30–40 jährlich gewachsen ist. Für alle verbreiteten Rassen bestehen Spezialklubs, welche die offiziellen Rassenzeichen aufstellen, Preisrichter für die Ausstellungen wählen, Spezialzuchtbücher führen und Preise aussetzen. Klub »Kurzhaar«, »Griffonklub« und zahlreiche Vereine für Prüfung von Gebrauchshunden zur Jagd halten Preissuchen im Frühjahr und Herbst ab, die Erdhundklubs ihre Preisschliefen an Fuchs und Dachs im Kunstbau, der Verein für Deutsche Schäferhunde Dressurprüfungen und Preishüten.

Der H. stand schon im Altertum in hohem Ansehen; auf den ägyptischen Denkmälern aus der Zeit von 3400–2100 v. Chr. sind verschiedene Hunderassen dargestellt, von denen die meisten den Windspielen verwandt sind; später tritt eine Art Parforcehund auf sowie ein dem Dachshund sehr ähnliches Tier; auf einem assyrischen Denkmal fand sich das Bild einer ungeheuern Dogge. Auch in Europa reicht der H. in die vorhistorische Zeit, wie die Funde aus der Steinzeit beweisen. Ebenso ist der H. in Amerika seit uralter Zeit Haustier. Die Indianer von Janja und Huanca verehrten vor ihrer Bekehrung zum Sonnendienst die Hunde, ihre Priester bliesen auf kunstvoll skelettierten Hundeköpfen, und Hundemumien fanden sich in den peruanischen Grabmälern der ältesten Zeit. In der alten griechischen und römischen Literatur wird der H. oft erwähnt; man hielt die Tiere für die Jagd, zur Bewachung des Hauses und zur Unterhaltung. Unter den Jagdhunden nahmen bei den Griechen die lakonischen die erste Stelle ein, sodann die molossischen Doggen, große, starke Tiere von schöner Rasse, die daher auch von der Kunst häufig dargestellt worden sind. Sokrates schwur beim H., Homer besingt den H. des Odysseus. Bei den Spartanern wurden dem Gotte des Krieges Hunde geopfert; bei den Römern waren sie den Faunen und Laren geweiht. Auch die Ägypter benutzten die Hunde zur Jagd. Von den Juden wurde der H. verachtet. In großem Ansehen dagegen stand er bei den alten Deutschen: ein Pferd gall 6, ein Leithund aber 12 Schilling. Er galt für geistersichtig, indem er die Geister und Götter erkannte, bevor sie dem menschlichen Auge sichtbar wurden, und sie durch seine Stimme ankündigte. Nach dem Sieg über die Cimbern hatten die Römer noch einen harten Kampf mit den Hunden zu bestehen, die das Gepäck bewachten. In der christlichen Symbolik ist der H. das Sinnbild der Treue sowie der Wachsamkeit gegen die Ketzerei, aber auch bisweilen der Gefräßigkeit Als Sinnbild der Treue findet er sich häufig auf Grabdenkmälern unter den Füßen der dargestellten Figur.

[Literatur.] Vgl. St. George Mivart, A monograph of the Canidae (Lond. 1890); Ellenberger und Baum, Anatomie des Hundes (Berl. 1891); Studer, Die prähistorischen Hunde in ihrer Beziehung zu den gegenwärtig lebenden Rassen (Zürich 1901); Nolde, Galerie edler Hunderassen (2. Aufl., Leipz. 1880); Shaw, Illustriertes Buch vom H. (deutsch von Schmiedeberg, das. 1883, 2 Bde.); Bungartz, Kynos; Handbuch zur Beurteilung der Rassenreinheit des Hundes (Stuttg. 1884); Beckmann, Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes (Braunschw. 1894–95, 2 Bde.); Ströse, Unsere Hunde (Neudamm 1902, 2 Bde.); Schön, Rassekennzeichen der Hunde nach offiziellen Festsetzungen (2. Aufl., Münch. 1904); Strebel, Die deutschen Hunde und ihre Abstammung (das. 1904). –Bildwerke: Specht, Hunderassen (Stuttg. 1876); Bungartz, Illustriertes Muster-Hundebuch (Hamb. 1890); Flügel, Hunderassen (Berl. 1891); Sperling, Rassehundtypen und Hundeporträte (Ebersw. 1896) und Der Jagdhund (16 Tafeln mit Text, Berl. 1900).

Zucht, Wartung, Dressur etc.: Zorn, Des edlen Hundes Aufzucht, Pflege etc. (9. Aufl., Zahna 1901); Horn, Handbuch des Hundesport (Wien 1882); Bungartz, Deutscher Hundesport. Hundewettrennen (Mind. 1886); Oswald, Der Vorstehhund (9. Aufl. von v. Nordenflycht, Leipz. 1901); v. Schmiedeberg, Der deutsche Vorstehhund (das. 1884); Corneli, Die deutschen Vorstehhunde (Berl. 1884); »Zucht, Dressur und Abführung des deutschen Vorstehhundes« (2. Aufl., Neudamm 1891); Hegewald, Den Hühnerhund zum Gebrauchshund auf Schweiß zu arbeiten, als Tolverbeller und sichern Verloren-Apporteur (3. Aufl., Neudamm 1894); Krichler, Der Jagdhund (4. Aufl. des Thonschen Werkes, Leipz. 1895); Oberländer, Dressur und Führung des Gebrauchshundes (5. Aufl., Neudamm 1903); Ströse, Grundlehren der Hundezucht (das. 1897); Bungartz, Der Luxushund (Berl. 1888) und Damen- und kleine Luxushunde (Jena 1890); v. Creytz, Die Dressur des Luxushundes (Neudamm 1900); Wörz, Die Luxushunde (Münch. 1896); Ilgner, Gebrauchs- und Luxushunde (Magdeb. 1902) und Der Hundesport (Leipz. 1904, Bd. 1); Petersen, Windhunde, laut jagende Hunde, Schweißhunde (Zürich 1897); »Deutsches Hundestammbuch« (Bd. 1–25, Hannov. u. Berl. 1885–1904); »Österreichisches Hundestammbuch« (Bd. 1–21, Wien 1884–1904); »Schweizerisches Hundestammbuch« (Zürich 1884 ff.). Zeitschriften: »Der H.« (hrsg. von Schmiedeberg, Leipz. u. Dresd. 1876–91); »Hundesport und Jagd« (hrsg. von E. v. Otto, Münch., seit 1886); »Hundezucht und Sport« (Elberfeld, seit 1899); »Sportblatt für Züchter und Liebhaber von Rassehunden« (hrsg. von E. Prösler, Frankf., seit 1899); »Kynologische Sportwelt«[651] (hrsg. von Aichele, Berl., seit 1903); »Weidwerk und Hundesport« (hrsg. von Kurz, Wien, seit 1895); »Der H.« (hrsg. von Pleban, das., seit 1897).

Die Redensart »Da liegt der H. begraben« (soviel wie: da liegt die Schwierigkeit, darin liegt das Hindernis) soll daher entstanden sein, daß Hunde im Volksglauben auf vergrabenen Schätzen lagern.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 642-652.
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