Hundswuth

[621] Hundswuth (Rabies canina, Cynoglosson, Hydrophobia rabica), die dem Hunde u. Hundegeschlechte, auch Wölfen u. Füchsen, seltener Katzen u. diesen verwandten Thieren eigene Krankheit, die sich besonders durch den Trieb zu beißen äußert, bald tödtet, auch durch einen besonders am Speichel haftenden Ansteckungsstoff (Wuthgift) auf andere Thiere u. auch Menschen übertragen wird, welche dann wegen des hervorstechendsten Symptoms derselben, der krampfartigen Verschließung der Kehle beim Versuche zu trinken, als Wasserscheu (s.d.) bezeichnet wird, wiewohl dieses Symptom bei Menschen nicht immer u. bei Thieren noch seltener vorkommt. In der Bibel u. bei Hippokrates u. anderen griechischen Ärzten wird die wahre H. nicht erwähnt, u. der Orient ist noch jetzt größtentheils davon frei, eben so auch Lappland, Kamtschatka u. Grönland. Aristoteles kannte zwar die H., leugnet aber, daß sie Menschen mittheilbar sei; Celsus dagegen spricht von der nach dem Biß toller Hunde ausbrechenden Wasserscheu. In Deutschland sprechen erst Schriftsteller des 16. Jahrh. (zuerst Mathioli) davon. Die H. entsteht bei Hunden um so leichter, je mehr sie als Hausthiere aus den natürlichen Verhältnissen als ursprünglich nächtliche Raubthiere getreten sind. Am häufigsten werden erwachsene Hunde männlichen Geschlechts von der H. befallen, besonders wenn sie in der Befriedigung des Geschlechtstriebes gehindert werden, od. schnellem Wechsel von Hitze u. Kälte ausgesetzt sind, zottige Hunde auch mehr als glatte. Man unterscheidet stille (Stillwuth) u. tobende (Tobwuth); ferner ursprüngliche H. (Rabies originaria), die sich von selbst erzeugt, u. durch Ansteckung (übertragene H., R. communicata), wie sie es immer bei Menschen ist; häufig aber nimmt die Krankheit keinen so bestimmten Verlauf. Vorzeichen: Der Hund wird traurig, mürrisch, unruhig, frißt u. säuft nicht od. wenig, beriecht die Nahrungsmittel u. Getränke oft blos, frißt dagegen unverdauliche Dinge, wie Erde, Stroh, Heu, Holz, Federn, Haare etc., selbst den eigenen Koth, leckt den eigenen Urin, beleckt auch wohl die genannten Gegenstände nur od. auch Eisen, Steine, ist hartleibig u. entleert einen schwarzen pechartigen Koth, sucht die Einsamkeit; noch folgt er der Stimme seines Herrn, doch ist er verdrossen, wankt, legt sich öfters nieder, steht aber bald u. rasch wieder[621] auf; überhaupt wird er still, verkriecht sich gern an dunkle Orte, jedoch ohne zu schlafen, indem er vielmehr auf alles Umgebende sehr aufmerkt; dabei sind die Ohren in steter Bewegung u. heben sich bei Hunden, die sie immer herabhängen lassen, ein wenig; auch die Augen drehen sich immer umher, od. sind stier mehr nach oben gerichtet, thränen u. erscheinen etwas geröthet; der Blick ist düster u. drohend u. das Thier schnappt wie nach Fliegen. Wird der Hund von bekannten Personen gelockt, so weist er gewöhnlich blos die Zähne. Öfter springt es unerwartet auf, fährt schießend u. schnappend nach einzelnen Gegenständen u. heult od. bellt heiser od. hohl oft ohne Veranlassung. Wenn die Haare vorher glatt waren, werden sie oft struppig. Allmälig füllt. sich das Maul mit einem schaumigen Speichel, der beständig ausfließt u. nach einiger Zeit übelriechend wird. Oft entläuft das Thier, kehrt aber bisweilen auch wieder zurück, ruht auch wohl auf abgelegenen Orten, in Ställen etc., zeigt aber, besonders gegen Thiere, eine große Beißsucht, selbst gegen bekannte, die er wie im Spielen beißt. Alle diese Erscheinungen, besonders die Neigung zu Beißen, kommen leicht auch vor, wenn ein Thier sich in Gefahr glaubt u. an ungewohntem Ort scheu u. furchtsam ist; bei Hündinnen, denen die Jungen weggenommen sind, beim Durchbruch der Zähne bei jungen u. beim Zahnweh bei alten Hunden, bei heftiger Kolik etc.; man muß daher einen solchen Hund nicht gleich tödten, sondern ihn einsperren u. weiter beobachten. Kennzeichen der wirklich aus gebrochenen H.: Der Hund wird von allgemeinem Zittern befallen, folgt nicht mehr der Stimme seines Herrn, fürchtet sich vor Allem; kaut beständig; ein dicker, schäumiger, bläulicher od. bräunlicher Schleim dringt aus Mund u. Nase; Flüssigkeiten, besonders Wasser, werden von ihm oft, doch keineswegs immer verabscheut; ihr Anblick erweckt aber bisweilen Convulsionen. Das Schlingen von Flüssigkeiten u. Nahrungsmitteln ist erschwert od. unmöglich Sausen u. Fressen geschieht, wenn sie erfolgen, mit schnappender Hast; Licht-, Luft- u. Glanzscheu kommt selten vor. Bald fällt der Hund nun Alles mit Beißen an, was ihm in den Weg kommt, u. übt diese Wuth, wenn er lebende Geschöpfe nicht erreichen kann, selbst an leblosen Gegenständen. Hunde faßt er besonders an der Schnauze u. den Geschlechtstheilen, bisweilen sie erst anwedelnd u. beriechend. Kopf u. Ohren hängen dabei herab; aus dem offen stehenden Munde hängt auf einer od. der anderen Seite die mit mißfarbigem Speichel überzogene Zunge heraus; die Augen thränen stark, sind geröthet, funkeln, stehen starr od. werden convulsivisch in den Augenhöhlen bewegt; der Schwanz ist meistentheils zwischen den Hinterfüßen eingeklemmt. Anfänglich trabt das Thier, wie ein gesunder Hund, nach u. nach aber immer stärker; häufig folgt der tolle Hund einem gebahnten Weg u. beißt dann nur, auf was er gerade hier trifft; andere aber laufen gerade aus, auch auf ungebahntem Wege; noch andere laufen ganz unregelmäßig, kehren um u. nehmen schnell eine andere Richtung Gern verfolgt er die Spuren von Thieren u. sucht dieselben in Ställen u. Hütten auf, sie beißend, ohne zu bellen u. sich aufzuhalten. Gesunde Hunde zeigen instinctmäßig eine große Scheu vor einem tollen u. fliehen ihn. Diese Periode des Umherlaufens kann drei Tage u. länger dauern u. während dieser Zeit eine große Strecke von dem Hunde durchlaufen werden. Nähert sich der Tod, der gewöhnlich am 6. bis 10. Tage, manchmal auch schon früher, gewöhnlich durch Schlagfluß od. Lähmung erfolgt, so wird der Gang des Hundes langsam u. schleppend; er sinkt öfters nieder, kann sich nur mit Mühe erheben, schnappt um sich, wenn man sich ihm nähert, u. stirbt endlich unter Zuckungen. Die stille Wuth unterscheidet sich besonders von der rasenden, daß der Hund auch nach Ausbruch der Wuth still liegt, ungerufen nicht beißt u. auch so endet. Es ist indessen die Frage, ob diese stille H. nicht eine verkannte andere Krankheit ist.

So wenig nun diese Zufälle in der gedachten Ordnung u. Folge immer eintreten, so wenig ist ein einziges für sich charakteristisch, selbst nicht die Wasserscheu, da oft auch völlig wüthige Hunde durch Flüsse u. Teiche schwimmen, ja wohl kurz vor dem Tode, selbst begierig, saufen; bei Wölfen äußert sich sogar die Wuth durch erhöhte Freßbegierde. Die Leichenöffnungen geben kein sicheres Resultat über die Natur der H. Man findet typhusartige Zersetzung des Blutes, Milz schwarz u. blutreich, auf der Magenschleimhaut Blutblasen u. sogenannte hämorrhagische Erosionen u. daher pechartige (geronnenes Blut) Massen im Dünndarm, Rachen stark geröthet; die sogenannten Wuthzellen im Speichel sind nichts als Fetttröpfchen, welche bei gewisser Beleuchtung unter dem Mikroskop bläulich durchscheinen. Am gewissesten sprechen fremdartige im Magen u. Darmkanal enthaltene Gegenstände, Holz, Stroh, Haare für stattgehabte Tollheit. Das Wuthgift erzeugt, in die Blutmasse eines anderen Thieres gebracht, nicht sogleich u. nicht leicht vor dem dritten, oft aber auch erst nach mehreren Tagen u. Wochen, Wuthkrankheit. Unmittelbar mögen wohl bei der Wuthkrankheit die Nerven afficirt werden. Das Wuthgift ist daher auch hauptsächlich nur zu fürchten, wenn es, wie beim Biß, in eine wunde Stelle eingebracht wird; doch ist nicht ausgeschlossen, daß es auch auf Stellen, welche nur mit einem dünnen Oberhäutchen bedeckt sind, eingesaugt werden kann, da auch Menschen blos durch Belecken der Lippen von tollen Hunden, die noch in der ersten Periode der H. sich befanden, von der H. befallen wurden. Auf alle Arten von Hausthieren, auch Vögel, kann die Wuthkrankheit durch den Biß eines tollen Hundes übertragen werden. Bei jedem treten ähnliche Zufälle wie bei der H. ein, die im Fortgang sich vornehmlich durch wildes Benehmen andeuten u. mit dem Tod endigen. Der Biß durch diese Thiere wird zwar auch gescheut; doch ist gewöhnlich die Furcht vor einer Verletzung durch sie od. auch die eines gebissenen Menschen eine ungegründete. Überhaupt ist selbst die Furcht vor dem Biß eines tollen Hundes gewöhnlich eine sehr übertriebene, indem. man rechnet, daß wohl unter 8–10 Fällen, wo ein Mensch von einem tollen Hunde gebissen wurde, nur auf einen das Wuthgift wirklich übergetragen wird. Geht der Biß durch Kleidungsstücke hindurch, so wischt sich der Speichel auch wohl an denselben ab u. der Zahn kommt trocken in die Wunde, od. es wird auch das Gift durch das Blut sogleich wieder ausgespült. Auch glaubt man, daß, wenn ein toller Hund Mehrere hinter einander beißt, die folgenden Bisse weniger zu fürchten sind, so auch die [622] Bisse von Hunden, die selbst erst durch den Biß anderer wuthkrank wurden. Wenn auch ein herumlaufender toller Hund eine Menge Hunde gebissen hat, so bricht die Wuth nur etwa bei einem u. dem anderen aus, u. auch bei Unterlassung polizeilicher Maßregeln wird die H. in einer Gegend nicht zu weit verbreitet. In seltenen Fällen soll auch der Biß eines heftig ergrimmten Thieres Wuthkrankheit od. eine ähnliche Krankheit veranlaßt haben, ja es entsteht sogar zuweilen dieselbe, obschon selten, auf spontane Weise ohne vorherigen Biß. H. bei Menschen fängt meist 1–2 Wochen, manchmal aber auch erst Monate, ja sogar Jahre (man sagt gewöhnlich, daß sie am neunten Tag, in der neunten Woche, am neunten Monat, od. im neunten Jahre auszubrechen pflegt) nach dem Biß an u. kündigt sich durch Veränderung der gebissenen Stelle an. Die H. soll bei Menschen um so gewisser eintreten, je weniger die Bißwunde blutet u. eitert u. je schneller. sie heilt, später wieder schmerzhaft, dunkelroth, heiß wird, schwillt u. aufbricht; es entsteht endlich ein schwammiges, schwarze od. braune Gauche absonderndes Geschwür. So lange das Geschwür näßt, beobachtet man oft weiter keine Zufälle, später schließt es sich aber schnell wieder, es werden stechende, drückende, ziehende Schmerzen in dem Gliede, ein Gefühl von anwehender, aufsteigender Luft, welches sich auf das Rückgrath verbreitet, Schauder, leichte Zuckungen, Schwäche, Erstarrung od. Lähmung des Theils, wo der Biß stattgefunden, bemerkt, die Saugadern u. Drüsen werden weder roth, noch angeschwollen, doch sind die nächsten Lymphdrüsen etwas angegriffen; dazu Übelbefinden u. Druck in der Herzgrube, Verstopfung, Ziehen im Rücken u. Nacken, unruhiger, von schreckhaften Träumen gestörter Schlaf, Niedergeschlagenheit, erhöhte Empfindlichkeit, glänzende, geröthete, lichtscheue Augen, kleine Pupille, Ohrenklingen, Schwindel, Betäubung, Anfälle von Ohnmachten, harter krampfhafter ungleicher Puls, ängstliches Athmen, rauhe u. hohle Stimme, kalte Extremitäten, unterdrückte Ausdünstung, im Gesicht etwas Verstörtes, stierer u. wilder Blick, üble Laune, Trübsinn. Oft setzen diese Vorboten aus od. sind auch gar nicht vorhanden. Die Krankheit aber selbst fängt beim Menschen bisweilen mit fieberhafter wechselnder Hitze an; in der gebissenen Stelle ist besonders die Wärme vermehrt, u. in den inneren Theilen empfindet der Kranke Brennen. Auch entsteht Durst, aber beim Trinken äußert sich die Wasserscheu zuerst blos dadurch, daß der Kranke Widerwillen gegen dasselbe empfindet, jedoch denselben zu überwinden u. gewöhnlich sehr hastig zu trinken vermag. Bald empfindet er jedoch Abscheu vor dem Getränk, u. das Trinken wird unmöglich, indem der Kranke sich anstrengt, u. nur convulsivisches Nicken des Kopfes mit Zittern der Halsmuskeln u. Verzerrung des Gesichts zu Wege bringt, der Schlundkopf sich krampfhaft verschließt, ja daß der Anblick, selbst die Vorstellung des Getränks die heftigsten Convulsionen, Angst, Delirien u. Anfälle von Wuth erregt. Vor den Augen erscheinen nun Funken u. Flammen, vor den Ohren Brausen, die Ängstlichkeit dauert fort, steigert sich zu großer Angst, Unruhe u. Furchtsamkeit, der wilde Blick der rollenden Augen, die blutrothe Farbe der Bindehaut, die Verzerrung der Gesichtsmuskeln, das Klopfen in der Herzgegend, entsetzliche Angst, beständiges Würgen od. Erbrechen, der krampfhafte u. aussetzende Puls, der blasse u. wässerige Urin u. andere Erscheinungen bezeichnen blos den Anfang von heftigeren Anfällen, die bisweilen von dem Kranken vorher angezeigt werden. Der Kranke brüllt unter Convulsionen, Verzerrungen u. Zuckungen der Gesichtsmuskeln, Starrkrampf mit Mundsperre, bellt bisweilen, wirst sich unruhig u. heftig herum od. springt auf, zerreißt seine Bande, zerschlägt u. zerbricht Alles, was er erreichen kann, fällt die Umstehenden an u. sucht sie zu beißen, od. wenigstens anzuspeien. Vor den Mund tritt Schaum mit dickem, zähem Speichel, oft erbricht sich auch der Kranke u. bekommt Schlucken, Urin u. Same gehen unwillkürlich ab, od. der Penis befindet sich in Erection. Diese Anfälle dauern 1/41/2 Stunde u. länger, nachher wird der Kranke ruhiger u. seiner sich bewußt, aber er bleibt höchst traurig u. niedergeschlagen, ahnt sein Schicksal u. beklagt es, fühlt sich sehr matt, bisweilen ist der eine od. der andere Theil schon gelähmt. Aber die Anfälle wiederholen sich immer häufiger, je mehr sich die Krankheit dem Ende nähert, dauern dann eine längere Zeit u. halten endlich an u. unter Lähmungen, Schlagfluß, Schlafsucht u. gänzlicher Erschöpfung tritt der Tod gewöhnlich schon am dritten, seltener am achten od. neunten Tage ein. Bei der Leichenöffnung hat man viele u. mannichfaltige oft widersprechende Veränderungen gefunden; es zeigen sich Rachen- u. Schlundentzündungen, Anhäufung von Schaum in den Luftwegen u. Entzündungen derselben, Spuren von Entzündung in Magen u. Darm, Trockenheit des Gehirns, Blutüberfüllung des Hirn- u. Rückenmarks, Entzündungen in den Ganglien der Halsnerven, das Blut schwärzlich, theerartig od. aufgelöst, reich an Luftblasen; die Abmagerung bedeutend. Bei raschem Verlaufe ist oft gar nichts von alle dem zu finden, daher obige Leichenerscheinungen eher für Folgen u. Ausgänge, als für die Ursachen der H. zu halten sind.

Die Behandlung beim Menschen muß A) vorkehrend sein, da die Heilung der ausgebrochenen H. selten gelingt. Diese prophylaktische Behandlung erstreckt sich aber a) auf die Behandlung der gebissenen Stelle. Die Aufgabe ist hier, das Wuthgift möglichst schnell zu entfernen u. zu zerstören u. die Einwirkung desselben auf den Organismus zu verhindern. Dazu dient am sichersten das Ausschneiden der Wunde in gehörigem Umfange u. Tiefe, das Auswaschen mit kaltem Wasser, Salzwasser, Essig u. Wasser, Lauge etc., Unterhaltung der Blutung durch trockene Schröpfköpfe, Zerstörung des Giftes durch glühendes Eisen, eingestreutes u. dann angezündetes Schießpulver u. ätzende Mittel, Versetzung der Wunde in Entzündung u. Eiterung, Erhalten derselben zwei bis drei Monate hindurch, mittelst Cantharidenpulver od. dgl. b) Diät während der Eiterung der Wunde; besonders müssen Erhitzungen, Erkältungen, Überladung des Magens u. heftige Aufregungen des Gemüths vermieden, Hautausdünstung befördert u. gehörig abgewartet werden. c) Als Vorbereitungsmittel dienen die meisten Mittel gegen die H.; die Belladonna, bis zur narkotischen Wirkung in steigenden Gaben angewendet, u. das Quecksilber, als Salbe auf der gebissenen Stelle eingerieben, das Kalomel innerlich[623] bis zum Eintritt des Speichelflusses, die oxygenirte Salzsäure, frisches Thierblut u. viele andere. Die örtliche Behandlung der sogenannten Marochettischen Wuthbläschen unter der Zunge nebst dem Gebrauche des Färberginsters wird jetzt allgemein als unsicher verworfen. B) Bei der ausgebrochenen H. werden folgende Mittel in großen Dosen gerühmt, allein nur selten nützlich befunden: Quecksilber u. zwar das Kalomel u. die Einreibungen der Quecksilbersalbe bis zum Speichelfluß, die Wurzel der Belladonna zu 8–12 Granen u. die gehörige Abwartung des darauf ausbrechenden Schweißes, Canthariden in großen Gaben, flüchtiges Laugensalz, der Maiwurm (Meloë majalis et proscarabaeus), Goldkäfer (Cetonia aurata, von dem russischen Fürsten Engalowitsch empfohlen), Campher, Opium, Chloroformeinathmungen, Kirschlorbeerwasser, Stramonium, Gauchheil (Anagallis), Wegbreit, Genista tinctoria, Scutellaria laterifolia, Moschus u.a. Auch hat man Sturzbäder, starke Blutentleerungen bis zur Ohnmacht u. Transfusion angerathen u. Brisson in Paris öfters wiederholte Dampfbäder. Die Geheimmittel gegen die H. (Arcana antilyssa) meist aus Honig, dem Maiwurm u. anderen diuretischen u. drastischen Mitteln bestehend, bewirken meist einen starken Schweiß, Harnbeschwerden u. oft blutigen Urin, nützlich sind sie jedenfalls wegen ihrer durch den festen Volksglauben bedingten Gemüthsberuhigung, schädlich aber, wenn die jedenfalls von Allem am wichtigsten örtliche Behandlung dabei versäumt wird. Vgl. Harleß, Über die Behandlung der H., Frankf. 1809; Rigler, Die Wuthkrankheit des Menschen, Wien 1838; Dreyer, Le hydrophobia, Leyden 1841; Marochetti, Über die Wasserscheu, Wien 1843; Sauter, Behandlung der H. in polizeilicher, prophylaktischer u. therapeutischer Hinsicht, 2. Aufl. Const. 1845; Faber, Die Wuthkrankheit der Thiere u. des Menschen, Karlsr. 1846; Pieschel, Die Wuthkrankheit der Thiere, Dresd. u. Lpz. 1847.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 621-624.
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