Durst

[425] Durst, ein allen Thieren gemeines Bedürfniß, die verlorenen Feuchtigkeiten durch neue, durch den Mund aufzunehmende zu ersetzen. Bei mehreren Thieren ist es vom Speisebedürfniß (Hunger) wenig od. nicht getrennt; Vögel trinken überhaupt nicht viel, mehrere Raubvögel leben ganz ohne Getränk, auch Insecten, die sich vom Fleisch nähren; Raubthiere (Löwen, Tiger) stillen ihren D. blos mit dem Blute der erlegten Thiere; Kameele u. Dromedare leben in Sandwüsten Tage, Wochen, ja ganze Sommer lang ohne Getränk, aber nur, weil sie in eigenen Höhlen ihres Magens auf einmal in sehr großer Menge zu sich genommenes Wasser so lange als Vorrath aufbewahren. Menschen u. allen Hausthieren ist das öftere Trinken Bedürfniß; doch kann es bei reichlicher Pflanzennahrung ziemlich umgangen werden. In Krankheiten ist eine völlige Enthaltsamkeit von Getränken Monate u. Jahre lang beobachtet worden; doch steigern gewöhnlich Krankheiten, bes. Fieber, den D., während der Hunger fehlt, u. Durstsucht (Polydipsie) ist eine besondere, gewöhnlich mit Nierenleiden verbundene Krankheitsform, wobei die Patienten große Quantitäten trinken, ohne den D. stillen zu können; das Bedürfniß zu trinken geht vom ganzen Körper, bes. vom Magen aus, äußert sich aber vorzüglich im oberen Theile des Schlundes. Bei Nichtbefriedigung steigert er sich bis zur Unerträglichkeit; daher D. zur Zeit der Inquisition zu den Arten der Tortur (s.d.) gehörte. Im höchsten Grad entzündet sich der Schlund mit dem Magen u. der Tod erfolgt durch hinzutretenden Brand od. aus gänzlicher Erschöpfung. Trinklust u. D. stellen sich nicht in so bestimmt wiederkehrenden Perioden ein wie Hunger. Der Verlust an Flüssigkeit aus dem Blute u. dem Körper überhaupt ist hier maßgebend. Im Allgemeinen gilt, daß der D. rascher eintritt bei sehr regem Lebensprocesse; wie der Hunger wird auch der D. durch krankhafte Zustände qualitativ u. quantitativ geändert, widernatürlich vermehrt (Polydipsie) u. vermindert. Jeder starke Säfteverlust, daher Schweiß, bes. auch starke Blutung (wie bei Verwundeten), vermehren den D., so auch Salzgenuß u. Aufenthalt in warmer, trockener Luft, wogegen feuchte Luft, Bähungen der Haut, Bäder ihn etwas abstumpfen. Zur Löschung des D-s genügen reines Wasser, befriedigender ist ein mit Kohlensäure geschwängertes Wasser u. überhaupt säuerliches Getränk.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 425.
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