Beleuchtung

[513] Beleuchtung, 1) die künstliche Erzeugung von Licht bei mangelndem Sonnenlichte, geschieht durch das Verbrennen von Stoffen, welche reich an Kohlen- od. Wasserstoff sind, indem die Verbindung des Sauerstoffs mit einem der beiden Stoffe meistens von einer Lichterscheinung begleitet ist. Das zur Beleuchtung verwendbare Licht muß einen gewissen Grad von Helligkeit besitzen, leicht u. bequem hervorzubringen u. zu unterhalten sein u. unter nur geringer Rauch- u. Rußentwickelung zur Erscheinung kommen. Außerdem ist erforderlich, daß die Lichterzeugung mit möglichst geringen Kosten erzielt wird. Je vollkommener die Verbrennung, desto größer ist die Wärmeentwickelung u. desto schöner die Flamme. Um nun eine möglichst vollkommene Verbrennung zu bewirken, ist es nöthig, daß die Brennstoffe Gasform annehmen. Die Entwickelung dieser Gase geschieht entweder an einer von dem Orte, der beleuchtet werden soll, entfernten Anstalt (Gasanstalt), von welcher das Gas durch Röhren nach seinem Bestimmungsort geleitet wird; od. unmittelbar an der zu beleuchtenden Stelle mittels Kerzen od. Lampen. Die Brennstoffe, welche zur Beleuchtung verwendbar sind, befinden sich zum Theil in flüssigem Zustande, wie die Öle; od. in festem, wie Talg, Wallrath, Wachs, Stearin, Harz, Paraffin u. Steinkohle. Um ihre Verwandlung in Gasform zu befördern, bedient man sich bei Lampen u. Kerzen eines Dochtes, der durch Haarröhrenwirkung die flüssigen od. nach Anzündung des Dochtes flüssig werdenden Substanzen aufsaugt. Beim ersten Anzünden brennt die Flamme matt, bis sie Wärme genug entwickelt, um die ihr zunächst befindlichen Theile des Brennstoffs in Gas zu verflüchtigen, u. von nun an das Verbrennen u. Wiedererzeugen der Gase einen regelmäßigen Verlauf nimmt. Um die Wärme zu vermehren u. dadurch die Auflösung der Brennstoffe in Gas rascher u. vollständiger zu bewirken, bedient man sich bei Lampen der Glascylinder, welche außerdem den Vortheil haben, daß sie das Flackern der Flamme verhindern. Um den Zutritt des Sauerstoffs der Luft zu allen Theilen des Dochtes so gleichmäßig u. so stark als möglich zu machen, ist die mehr platte als dicke Form der Dochte die geeignetere. Vollkommener noch wirkt die Luft ein, wenn sie durch einen Cylinder strömt, dessen oberer Rand von dem Dochte eingefaßt ist. Zur Verhütung der zu schnellen Verkohlung. des Dochtes, wodurch sich Schnuppen bilden u. Ruß entwickelt, ist es nothwendig, daß derselbe genügend von dem Brennstoff durchdrungen wird u.[513] nur wenige Linien aus der Lampenröhre heraustritt. (Näheres s.u. Lampen.) Die Leuchtkraft einer Flamme ist, abgesehen von der Auflösung des Brennstoffs in Gas, noch davon abhängig, daß in dem Gase kleine feste Körperchen befindlich sind, welche, von der Wärme zum Weißglühen gebracht, die Helligkeit bewirken. Denn obgleich eine leuchtende Flamme als eine homogene Masse erscheint, so wird sie doch nur aus einer Menge weißglühender Körperchen gebildet. In großer Menge bringen diese aber Verdunkelung hervor, da sie alsdann nicht alle bis zum Weißglühen gelangen u. Ruß bilden. Ohne dergleichen Körperchen wird, da die Gase durchsichtig sind u. durchsichtige Körper nicht leuchten, bei der größten Wärmeentwickelung die Leuchtkraft einer Flamme nur sehr gering sein, wie z.B. beim Verbrennen des Wasserstoffgases in Verbindung mit Sauerstoffgas, wo erst nach Hinzutritt von einem Stück Kalk durch das Glühen desselben ein ungemein intensives Licht (Sideral- od. Drummondsches Licht) hervorgebracht wird. Dieselbe Erscheinung findet bei brennendem Spiritus statt, dessen Flamme, wenn man Salz hinein wirst, od. sie um einen Draht spielen läßt, eine bei Weitem größere Helligkeit erlangt. Man hat die Leuchtkraft der verschiedenen Brennstoffe zu messen versucht u. dabei folgende Grundsätze aufgestellt: Bei gleicher verzehrter Gewichtsmenge des Brennstoffs u. bei gleicher Dauer des Brennens ist die Leuchtkraft um so viel größer als das Licht heller ist; bei gleicher Helligkeit u. gleicher Brennzeit, ist dieselbe um so viel größer, als die verzehrte Gewichtsmenge kleiner ist; bei gleicher Brennstoffverzehrung u. gleicher Helligkeit ist dieselbe um so größer, je länger die Dauer des Brennens ist. Der arithmetische Ausdruck der Leuchtkraft ist also, wenn Z die Brennzeit, H die Helligkeit, G die Gewichtsmenge bedeutet: (Z + H)/G Die Leuchtkraft eines Brennstoffs ist indeß deshalb nicht ganz genau zu bestimmen, weil es an einem sichern Maße fehlt, um H, d.h. die Helligkeit, einer Flamme zu messen. Einen ungefähren Maßstab zur Beurtheilung der Lichtstärke gibt das unter dem Namen Photometer (s.d.) bekannte Instrument. Die Leuchtkraft der zu Kerzen gewöhnlich verwandten Brennstoffe, Talg, Stearinsäure, Wachs, wenn man 6 Kerzen auf das Pfund rechnet, ergiebt sich in Zahlen ausgedrückt, für Talg = 81, für Stearinsäure = 89, für Wachs = 92. Verzehrt werden in 100 Stunden an Kerzen von Talg 61, von Stearinsäure 63, von Wachs 55. Größere Leuchtkraft besitzt noch das in neuerer Zeit entdeckte Paraffin (s.d.), welches aus reinem Kohlen- u. Wasserstoff besteht. Das Preisverhältniß dieser vier Brennstoffe, bei gleich großer Lichtmenge, ist folgendes: Paraffin = 1000, Stearin = 888, Talg = 421 u. Wachs = 1345. Je nach der Örtlichkeit, die beleuchtet werden soll, kommen in der Wahl der Beleuchtungsapparate u. in der Art u. Weise wie dieselben angebracht werden, verschiedene Rücksichten in Betracht. Große ungeschlossene Räume erfordern ein helles, weißes, von Glasscheiben eingeschlossenes Licht; die im Freien angebrachten Lichter dienen entweder als Warnungs- od. Orientirungszeichen, wie die Leuchtthürme an Küsten u. gefahrvollen Punkten des Meeres u. wie die Signalfeuer im Kriege, od. sie bezwecken die wirkliche B. der nächsten Umgebung (Straßenbeleuchtung). Die B. der Straßen u. freien Plätze kannte man schon im Alterthum, wenn auch nicht in der Ausdehnung, wie dieselbe heutigen Tages stattfindet, Die moderne Straßenbeleuchtung datirt vom Beginne des 16. Jahrhunderts, wo sie anfangs nur zeitweise der öffentlichen Sicherheit wegen, später dauernd in volkreichen Städten eingeführt wurde. So mußten 1524, 1526 u. 1533 die Straßen in Paris von den Einwohnern von 9 Uhr Abends an durch an die Fenster gestellte Lichter erhellt werden, bis 1558 zuerst Laternen an Pfählen in den Straßen angebracht wurden. Erst 1667 war diese Art der Straßenbeleuchtung in Paris allgemein durchgeführt, worauf die meisten großen Städte, London 1668, Amsterdam 1669, Berlin 1679, Wien 1687 dem gegebenen Beispiele folgten. Eine Verbesserung dieser ursprünglichen Einrichtung fand erst im Beginn des 19. Jahrh. statt, wo man die Laternen mit Reverberen versah u. sie an Stricken od. Ketten in die Mitte über die Straße aufhängte. Die Erfindung der Gasbeleuchtung (s.d.) wurde für die B. der Städte von großer Bedeutung, indem durch Einführung derselben die Kosten des Brennmaterials verringert, an Arbeitskräften gespart u. ein bedeutend höherer Grad von Helligkeit erzielt wurde. Mit Gas wurden zuerst in London 1811 einige Straßen u. 1815 der größte Theil derselben erleuchtet. In Deutschland war Hannover die erste Stadt (1826), welche die Gasbeleuchtung einführte, in Berlin besteht sie seit 1828, in Wien seit 1840, jetzt ist sie in fast allen größeren, namentlich Fabrikstädten, in Anwendung gekommen. In neuerer Zeit hat man in London, Paris u. Petersburg Versuche gemacht, mit dem galvanischen Kohlenlichte u. mit dem sogenannten Siderallichte (s. b.) Straßen u. öffentliche Plätze zu erleuchten, doch sind diese Versuche bis jetzt für die Praxis ohne Erfolg geblieben. Es gelang zwar in Paris mit Anwendung des ungemein intensiven galvanischen Lichtes öffentliche Bauten auch zur Nachtzeit ununterbrochen fortzusetzen, aber die Kosten der Erzeugung u. die Schwierigkeit, es zu unterhalten, sind so groß, daß man einstweilen von allgemeiner Anwendung desselben absehen muß. Große geschlossene Räume, welche öffentlichen, namentlich festlichen Zwecken dienen, erfordern ebenfalls ein helles, am besten von oben herein fallendes od. an den Seitenwänden angebrachtes, durch Reverberen od. Spiegel reflectirtes Licht. Anfangs bediente man sich zur B. solcher Localitäten der Wachskerzen, die aber ihrer Kosten wegen seit Verbesserung der Öllampen von diesen verdrängt wurden. Jetzt hat das Öl fast überall in großen Städten auch hier dem Gase u. wo keine Gaseinrichtung ist, dem Camphin Platz gemacht. Das Gaslicht, von geschmackvoll decorirten Kron. u. Armleuchtern getragen, gibt den festlich geschmückten Räumen ein bei weitem brillanteres Aussehen u. dient zugleich als Heizmittel, da es eine ungleich größere Wärme als Öl entwickelt. Dem Übelstande, welchen es mit sich führt, indem es den Sauerstoff der Luft rascher verzehrt u. dadurch belästigend auf die Athmungsorgane einwirkt, begegnet man durch Zuglöcher, die, ohne der Decoration Eintrag zu thun, am besten über den Kronleuchtern, von durchbrochenen Stuccaturen verdeckt, angebracht werden Fabriken, Verkaufsläden, Conditoreien, Speisesäle etc. werden am zweckmäßigsten mit Gas erleuchtet, nur ist überall große Vorsicht anzuwenden, der[514] Unvorsichtigkeiten, namentlich beim Verschließen der Gasröhren, leicht Explosionen u. dadurch Feuersgefahr herbeiführen. Vor Allem ist Vorsicht. zu empfehlen bei der Theaterbeleuchtung. In Hinsicht auf das Brennmaterial hat dieselbe gleiche Verwandlungen erlitten, wie die B. anderer öffentlicher Locale. Mit Bezug auf den Wechsel der B., um bestimmte scenische Wirkungen hervorzubringen, erfordert sie noch besondere Vorrichtungen. Die Theaterbeleuchtung überhaupt ist eine moderne Einrichtung, welche den Alten, da die Vorstellungen bei Tage erfolgten, unbekannt war. Die B. des Zuschauerraumes wird durch einen Kronleuchter für die von keiner Gallerie überdeckten Plätze u. durch Armleuchter für die Logen erzielt. Um ein matteres Licht zu erzeugen u. dadurch die Bühne selbst heller erscheinen zu lassen, verringert man die Öffnung der Hauptröhre, durch welche das Gas zuströmt. Zur B. der Bühne dienen Gasflammen hinter jeder Coulisse u. eine Reihe derselben vor der Rampe zunächst dem Orchester, welche von dem Bühnenrande den Blicken der Zuschauer entzogen werden. Zur Verstärkung des Lichtes sind die Flammen mit Reverberen versehen. Um einen geringeren Grad von Helligkeit zur Andeutung der Dämmerung od. Nacht hervorzubringen, beschränkt man entweder die Gasströmung od. man entzieht durch einen vorgezogenen Schirm der Bühne die vordere Beleuchtung. Zur Zimmerbeleuchtung hat das Gaslicht zwar auch vereinzelte Anwendung gefunden, jedoch ist dasselbe mit Rücksicht auf die Gesundheit zu diesem Zwecke nicht zu empfehlen, vorzüglich dann nicht, wenn das Zimmer klein u. zur Ventilation nicht eingerichtet ist. Wegen der schädlichen Einwirkung des Gaslichtes auf die Augen, die es bes. bei Arbeiten, welche eine Anstrengung der Sehorgane erfordern, angreift, u. wegen der geringeren Kosten, mit welchem ein für den Zweck der Zimmerbeleuchtung ausreichendes Licht zu erzielen ist, hat man für kleinere Räume Kerzen u. Lampen als Beleuchtungsapparate beibehalten. Soll ein Zimmer gleichmäßig erhellt werden, so erreicht man dies entweder durch Aufstellung mehrerer Kerzen od. mittels einer großen Lampe, deren Licht durch eine Kugel von mattem Glase fällt (Moderateurlampen), soll aber vorzugsweise ein Tisch beleuchtet werden, so thut das gelbe Licht der Kuppel- u. Schirmlampen die besten Dienste. Vgl. die Artikel Lampen, Kerzen, Gasbeleuchtung. 2) In Kunstwerken sowohl das Maß u. die Stärke, als die Art des Lichtes, welches man dem Kunstobject zukommen läßt, um dasselbe seiner Eigenthümlichkeit entsprechend für das Auge wirksam zu machen; od. auch das diesem im Freien (wie bei Gegenständen der Architektur u. Sculptur) durch die natürlichen Nuancen des Sonnen- u. Mondlichtes zu Theil wird. In Flächendarstellungen der bildenden Kunst ist B. die im Kunstwerke selbst abbildlich wiedergegebene Lichtwirkung. Die zweckmäßigste B. von Gemälden ist gewöhnlich die, in welcher das Licht in entsprechendem Umfange von der linken Seite in einem Winkel von 45 Grad etwas von oben auf das Bild fällt, weil sie derjenigen B. entspricht, welche für den Künstler während des Malens maßgebend war. Bei künstlichen Werken von rein illusorischem Charakter (Dioramen etc.), wird eine wirksame B. bald durch transparente Stoffe, bald durch farbige od. matte Gläser erreicht. Ähnliches hatte ein Verkennen des höhern Kunstzwecks mitunter bei antiken u. andern klassischen Bildwerken vorgenommen, um die fleischliche Wahrscheinlichkeit zu steigern. Eine besondere Art von B. kommt bei Transparentbildern (s.d.) zur Anwendung. Auf der im Bilde selbst nachgeahmten B. beruht die malerische Wirkung desselben, mithin ein wesentlicher Theil des kunstwerklichen Ausdrucks. Nicht selten, bes. bei landschaftlichen Bildern, offenbart sich nur in ihr das poetische Stimmungsmoment, u. die einfachsten Gegenstände erhalten durch sie einen höhern Reiz. Am augenfälligsten ist dies bei nächtlichen, durch Mondlicht, Fackelschein, Lampenlicht etc. erhellten Scenerien der Fall. Eine übermäßig gesteigerte B., welche vorherrschend den Zweck der Illusion im Auge hat, schließt meist eine innigere u. tiefere poetische Lösung aus, weil sie den feineren Ausdruck einer schlagenden, überraschenden Gesammtwirkung opfert. Das Äußerste an frappanter B. u. damit verbundener Lichtwirkung hat unter den Landschaftern der Gegenwart E. Hildebrandt (in Berlin) in seinem Bilde »Alpenglühen« geleistet, während unter den Genremalern bes. L. Knaus, E. Geselschap u. I. P. Hasenklever die Wirkung des Lampenlichtes wiederholt trefflich dargestellt haben. Unter den ältern niederländischen Malern zeichnet sich vor allen G. Schalken (geb. 1643) in seinen Bildern, nicht minder durch täuschendes Sonnen- als Kerzen- u. Fackellicht aus.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 513-515.
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