Kamin [1]

[262] Kamin (v. gr. κάμινος), 1) bei den Alten Ofen zum Backen, Brennen der Töpferwaaren, Schmelzen der Metalle etc.; 2) ein Herd, nebst Schornsteinröhre (Kaminröhre), in einem Zimmer angebracht, darauf Feuer anzumachen u. so das Zimmer zu heizen, häufig auch um am Feuer zu kochen Der Herd ist in od. an der Wand des Zimmers angebracht u. im letzteren Falle mit einer Mauer od. Mantel (Kaminmantel) eingefaßt. Darnach unterscheidet man: Lombardische K-e, mit hervorragendem pyramidenförmigem Mantel; Französische (Deutsche) K-e, welche ganz außerhalb der Mauer stehen; Holländische K-e sind ganz in der Mauer angebracht. Die K-e sind nach Verhältniß der Zimmer 3–4 Fuß hoch, 11–2 Fuß tief, 3–6 Fuß breit; der Herd ist viereckig, halbkreisförmig od. parabolisch; die Mantelwände der letzteren werfen die meiste Hitze in die Stube. Bisweilen belegt man den Herd mit eisernen od. steinernen Platten u. bringt auch inwendig im K-e an der Rückwand u. den Seitenwänden eiserne Platten (Kaminplatten) an, von welchen die Wärme mehr zurückprallt. Der Theil eines K-s, welcher vor der Mauer hervorsteht, wird aus Werkstücken ausgeführt u. besteht aus den Gewänden u. dem Sturz, die beiden Gewände werden mit Säulen, Basreliefs, der Sturz mit Gesimsen, Figuren, Vasen etc. geschmückt; die vordere Öffnung wird gewöhnlich mit einer blechernen Thür verschlossen, wenn das Feuer verlöscht ist. Der Rauch wird durch ein enges Schornsteinrohr in der Wand abgeführt. Wo mit Steinkohlen od. Torf gefeuert wird, muß der Herd einen Rost haben. Um die Wirkung des K-s zu vermehren, hat man K-e angefertigt, welche der Heizung eines Ofens nicht viel nachgeben u. auch Kaminofen genannt werden (in den Niederlanden Prussiens). Sie bestehen ganz aus Eisenblech u. werden in die Kaminöffnung hineingesetzt od. stehen auch blos an der Kaminwand; mittelst Luftzügen wird die untere kalte Luft im Zimmer eingesogen, am Feuer erwärmt u. strömt oberhalb in diesem Zustande wieder aus. In südlichen Ländern sind die K-e fast allgemein u. vertreten die Stelle des Ofens; doch auch in nördlichen Ländern hat man zuweilen neben den Öfen K-e, oft verbindet man sie noch mit einem Ofen u. läßt dann die Feuerluft vom K. durch den Ofen ziehen. 3) Ein. Herd, 11/2–2 Ellen über dem Stubenfußboden, zur Erleuchtung des Zimmers; sonst auf dem Lande üblich, jetzt als zu feuergefährlich nicht mehr geduldet. 4) Einheizkamin, der Theil des Schornsteins, der außerhalb eines Zimmers, in welchem ein Ofen steht, aber gleich vor dem Ofen, angebracht ist u. oft bis auf den Boden herabreicht; er ist mit einer Thür, welche bei einer Entfernung unter 2 Fuß vom Ofenloche ganz aus Eisenblech, bei einer größeren Entfernung wenigstens innerlich mit Eisenblech beschlagen sein muß, versehen, damit man in denselben treten u. durch ein in der Seitenwand angebrachtes Loch den Ofen heizen kann, durch ein etwas höheres, k, eines Loch in derselben Wand wird der Rauch in den Schornstein geführt, ohne daß er in den Raum vor der Stube kommt. Solche K-e sind überall nöthig, wo man in dem Ofen nicht in der Stube einheizen kann, od. wo nicht neben der Stube eine Küche befindlich ist.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 262.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: