Eiche

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[628] Eiche. Von den in Deutschland einheimischen Arten dieser Gattung Bäume sind die bekanntesten: dir Steineiche, von der Schwere und Dauer ihres Holzes, auch Wintereiche, weil sie spät im Frühjahr grün wird und ihr Laub spät verliert, sowie Traubeneiche genannt, [628] weil ihre Blüten und Früchte oder Eicheln in Büscheln und ohne Stiele beisammensitzen und von der Blätter und Früchte hier abgebildet sind; ihr sehr ähnlich ist die Stieleiche oder Sommereiche, deren Blätter an viel kürzern Stielen, als die der Steineiche abwechselnd an den Zweigen sitzen, deren Eicheln aber, größer als die der vorhergehenden Art, an 1–3 Zoll langen Stielen einzeln oder zu zwei nebeneinander hängen.

Abgesehen davon, daß die Stieleiche etwas rascher wächst und daß ihr Holz nicht ganz so fest, wie das der Steineiche ist, kommen beide in ihren Eigenschaften überein. In einem kräftigen, mäßig feuchten und mindestens 4 F. tiefen lockern Boden und in einem nicht zu rauhen Klima erlangen sie binnen 200 Jahren eine Höhe von 100–120 F. und einen Durchmesser von 3–4 F., also eine zu jedem Gebrauche dienliche Stärke, leben aber beiweitem. länger und werden unter günstigen Umständen noch viel stärker. Gleich allen ein hohes Alter erreichenden Bäumen wachsen sie jung am langsamsten; sie treiben bis 8 F. tiefe Pfahlwurzeln und kräftige Seitenwurzeln, sodaß sie bei ihrem auch sonst kräftigen Bau allen Stürmen trotzen und daher als Sinnbild der Kraft und Ausdauer gelten. Die Sommereiche ist in den deutschen Waldungen am häufigsten, allein auch über das ganze gemäßigte Europa verbreitet; weit zarter ist die im südl. Europa heimische immergrüne oder Stecheiche, welche höchstens 50 F. Höhe und 1 F. im Durchmesser erreicht; sowie die Kermes- oder Scharlacheiche, welche ihren Namen von den durch Insekten auf ihren Blättern verursachten zahlreichen, Kermesbeeren genannten Auswüchsen hat. Im südl. Frankreich, allein auch im Morgenlande und nördl. Afrika kommt die burgundische oder Cerriseiche besonders häufig vor; in Italien, dem südl. Frankreich, Portugal und Spanien gedeiht die Korkeiche, ein immergrüner Baum von der Stärke unserer gewöhnlichen Eichen, deren Früchte sehr süß sind, und in Spanien wie Kastanien gegessen werden. Den wichtigsten Nutzen gewährt aber dieser Baum durch seine starke und schwammige Rinde, welche alle 8–10 Jahre abgeschält wird und den Kork oder das sogenannte Pantoffelholz liefert. Wenn die Schälung mit Vorsicht geschieht, so erzeugt sich aus dem Bast eine neue Rinde und die Bäume erlangen dabei ein Alter von 150 Jahren, was bei den ungeschälten nicht der Fall ist. Ursprünglich sieht der Kork weißlich und gelblich, wird aber auf der einen Seite schwarz gebrannt, um ihn gegen die Würmer zu sichern. Durch Einweichen in Wasser und Beschweren mit Gewichten erhält die Rinde die Form von Tafeln, die gewöhnlich 3 F. lang und breit sind, und aus denen von den Korkschneidern mittels besonderer breiter dünner Messer die Stöpsel auf Flaschen geschnitten werden, deren ein fleißiger Arbeiter täglich über 1500 zu Stande bringt. Kork, zwischen die Schuhsohlen gelegt, schützt die Füße trefflich gegen Nässe und Kälte, und von diesem Gebrauch rührt der Namen Pantoffelholz her; aus demselben Grunde täfelt man in Spanien zuweilen die Wände damit. Seine Leichtigkeit macht ihn zu sogenannten Schwimmgürteln und Schwimmwesten geeignet, auch wird er an Fischnetzen, Angelschnüren u.s.w. angebracht und endlich seit Ende des vorigen Jahrh. zur Verfertigung von Modellen, zu Gebäuden und Nachbildung von Denkmalen des Alterthums benutzt, die der leichten Bearbeitung wegen minder kostspielig als aus andern Stoffen sind, und welche Kunst Phelloplastik heißt. Die Abfälle des Kork werden zu Ruß gebrannt, der eine, Spanischschwarz genannte Farbe abgibt. Von nordamerik. Eichenarten sind die Rotheiche, die kastanienblätterige Eiche, mit deren Rinde man Leder roth färbt u.a., wegen ihres schnellen Wachsthums zum Anbau empfohlen werden, indessen hat sich bei genauen Versuchen herausgestellt. daß ihr Holz dem unserer Eichen in jeder Hinsicht nachsteht. Vortheilhaft dürfte jedoch der in Süddeutschland unternommene Anbau der Quercitroneiche sein, aus deren Rinde ein vielbenutzter gelber Farbestoff gewonnen wird. [629] Die Eichen liefern ein vortreffliches Bau-, Werk-, und Nutzholz, dessen Dauerhaftigkeit im Nassen von keinem andern übertroffen wird, daher es sich zum Wasser- und Schiffbau vorzüglich eignet, zu dem die deutschen Waldungen schon manche Million Stämme nach Holland und England geliefert haben; als Brennholz steht es jedoch dem rothbuchenen nach. Die Eichenrinde hat eine stark zusammenziehende Kraft und wird daher zerstoßen und gemahlen als Gerberlohe das wichtigste Mittel zum Gerben der Häute, und am meisten wird die von 25–30 Jahre alten Stämmen geschätzt; auch wird aus ihr, sowie aus den auf den Blättern entstehenden Galläpfeln (s.d.) eine gute schwarze Farbe bereitet. Die Eicheln sind ein treffliches Mastfutter für Hirsche, Rehe, vor Allem aber für wilde und zahme Schweine, und letztere werden deshalb in Gegenden, wo es viel Eichen gibt, von Michaelis bis Anfang Dec. auf die Eichelmast in die Wälder getrieben. Wer nicht selbst Waldbesitzer ist, erwirbt das Recht dazu gegen eine gewisse Vergütung, den Schweinen aber muß ein Zeichen eingebrannt werden, damit man sie unter allen Umständen wieder erkennen kann. Auch im Stalle werden Eicheln gedörrt und geschroten oder gemalzt verfüttert, können auch den Mastochsen unter das Futter gemengt werden und sind allem Geflügel, den Gänsen ausgenommen, sehr zuträglich. Den damit gefütterten Thieren darf es aber nie an Wasser fehlen, da ihnen die Eicheln viel Hitze verursachen. Von der äußern Schale gesäubert, geröstet und gestoßen oder wie Kaffee gemahlen, auch wol mit diesem oder mit Cacao vermischt, wie Kaffee bereitet, und mit Zucker und Milch genossen, geben sie ein arzneiliches Getränk, den sogenannten Eichelkaffee, der in geeigneten Fällen zur Stärkung des Drüsensystems und der Eingeweide verordnet wird. Sind sie vorher durch Auskochen in Wasserdampf, Wasser oder schwacher Potaschenlauge von ihrem bittern Geschmack befreit worden, so können sie Gesunde in derselben Zubereitung, wie den Kaffee, als Ersatzmittel desselben genießen. Endlich werden solche entbitterte Eicheln, zu Mehl gemahlen, auch in Zeiten des Mangels zur Hälfte mit Getreidemehl zu Brot verbacken, was in Norwegen fast gewöhnlich und ohne alle nachtheilige Folgen geschehen soll.

Auf keinem unserer Waldbäume suchen so viele Insekten ihre Nahrung, als auf den Eichen, namentlich sind schon ganze Eichenwälder durch die in außerordentlicher Menge vor, handen gewesenen Processionsraupen und den Kahneichenwickler entlaubt worden. Der Schmetterling der erstern schwärmt im Aug. und Sept., sieht grau und ist einen Zoll breit; die zolllange Raupe ist haarig, dunkelgrau, an den Seiten heller, erscheint im Mai und vereinigt sich in Gesellschaften von mehr als hundert, welche wie in Reihe und Glied ihrer Nahrung nachgehen. Eine Führerin kriecht voran, ihr folgen einzelne, welche sich mit Seidenfäden an die vorderste befestigt haben, und hinter diesen kommen die übrigen erst zu zwei, dann zu drei, sechs und acht nebeneinander, auch spinnt sich jede Gesellschaft zur Häutung und Verpuppung ein gemeinschaftliches Nest. Die Härchen dieser Raupen erregen auf der Haut Entzündungen, daher man sich vor ihrer Berührung zu hüten hat. Der Kahneichenwickler mißt als Schmetterling keinen Zoll in der Breite, sieht grün und aschgrau, und die 2/3 Zoll lange Raupe grün mit schwarzem Kopfe. Hohl werden die Eichen, des festen Holzes ungeachtet, eher als andere Waldbäume, sterben aber sowol vor Alter, als durch Krankheiten nicht auf einmal ab, sondern brauchen dazu mehre Jahre. Zuerst werden die obersten Äste knorrig und verlieren die Blätter; allmälig geschieht das mit mehren, die Rinde gibt sich los und der Baum verdorrt endlich. Unter günstigen Verhältnissen können Eichen ein tausendjähriges Alter erreichen, sind dann aber meist hohl; so stand im Walde von Cerisy, an der Straße nach St.-Lo, noch 1824 eine Eiche von 55 F. Höhe und 36 F. im Umfange, und die älteste Eiche in England, die hier abgebildete Salceyeiche bei Northampton, wird auf 1500 Jahr geschätzt und hat am Boden 46 F. 10 Zoll im Umfang. Mehren Völkern des höchsten Alterthums war die Eiche ein heiliger Baum und [630] auch die alten Deutschen verehrten ihre Götter in geweihten Eichenhainen und bewahrten dort ihre Feldzeichen auf; unter Eichen begingen die Druiden (s.d.) bei den alten Kelten ihre Opfer, und bei Griechen und Römern war die Eiche dem Jupiter geheiligt.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 628-631.
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