Jupiter [1]

Jupiter [1]

[519] Jupiter bei den Römern, Zeus bei den Griechen, hieß der König der Götter, der Vater der Götter und Menschen.

Er war ein Sohn des Saturn oder Kronos und der Rhea, ein Bruder der Vesta, Ceres, Juno, des Neptun und Pluto. Ihn, wie alle seine Kinder, die Kroniden, wollte der gierige Vater bald nach der Geburt verschlingen, aber Rhea errettete jenen, indem sie dem Kronos statt des Kindes einen eingewickelten Stein zum Verschlingen gab. I. ward nun heimlich auf die Insel Kreta gebracht und hier von den Nymphen mit der Milch der Ziege Amalthea auferzogen, deren Horn er in das Füllhorn (s.d.) verwandelte. Es wird auch. erzählt, Rhea habe ihn auf dem Berge Ida (s.d.) in Kreta zur Welt gebracht, worauf ihn Gäa erzog [519] und des Nachts in einer Höhle des waldigen Gebirges Argäus verbarg. Tauben nährten das Kind mit Ambrosia. Auch werden die Kureten als Beschützer des Kindes genannt, welches Nymphen warteten, indeß die Kureten mit den Schilden zusammenschlugen, damit vor dem Geräusch der Waffen Kronos das Geschrei des Kindes nicht hören sollte. Mit der Mutter verband sich später I. zum Sturze seines Vaters. Zunächst gab ihm Metis, die Göttin der Klugheit, ein Brechmittel, welches I. dem Kronos beibrachte und durch dessen Wirkung die verschlungenen Kinder desselben sammt jenem Steine wieder zum Vorschein kamen. Den Stein, der ihm das Leben gerettet, legte I. bei Pytho am Fuße des Parnassus nieder. Im Tartarus lagen hart gefesselt die Centimanen (griech. Hekatoncheiren) und Cyklopen, die Söhne des Uranus und der Gäa, die Brüder des Kronos. Das Ungeheuer Kampe bewachte den Eingang zum Tartarus. I. erschlug das Ungeheuer und befreite die Riesen, welche nun dem I. den bis dahin im Innern der Erde verborgenen Blitz, dem Neptun den wogenbeherrschenden Dreizack und dem Pluto den unsichtbar machenden Helm zum Geschenk gaben. Hierauf wurde Kronos der Herrschaft durch die Kroniden beraubt. I. erhielt die Herrschaft über Himmel und Erde, Neptun die Herrschaft über das Meer und die Gewässer, Pluto die Herrschaft über die Unterwelt. Noch aber mußten die Kroniden einen harten Kampf mit den eifersüchtigen Titanen bestehen, und erst nach zehnjährigem schweren Ringen siegten die Kroniden und stürzten die Titanen wieder in den Tartarus hinab. Darüber zürnte die Urmutter Gäa und schuf den Kroniden neue Feinde in den Giganten (s.d.) und nachdem auch diese unter dem Beistande des mannhaften Hercules besiegt worden waren, den Typhon (s.d.), ein riesiges Ungeheuer, vor dem die Kroniden entflohen und dem sogar I. unterlag. Aber durch den listigen Mercur befreit, stritt I. nochmals mit dem Ungeheuer, das er endlich bändigte und unter der Insel Sicilien begrub. Nun begann der König der Götter, nur dem selbst die Götter zwingenden Schicksal unterworfen, mächtig seine Herrschaft. Er rühmte sich selbst so stark zu sein, daß er eine Kette vom Olymp herablassen wolle, an der sollten alle Götter ihn herabzuziehen versuchen, er aber werde die Götter alle sammt Erde und Meer emporziehen und die Kette um den Gipfel des Olymp schlingen, daß sie alle frei in den Wolken schweben sollten. Das Menschengeschlecht war verdorben und hegte keine Ehrfurcht vor den Göttern. I. vernichtete es durch eine große Flut, bei welcher nur Deukalion (s.d.) und Pyrrha gerettet, wurden, um die Stammältern eines neuen Geschlechts zu werden, für welches Prometheus (s.d.) himmlisches Feuer entwendete. Dafür wurde dieser mit schwerer Strafe belegt und nicht minder mußte Äskulap (s.d.) die Macht des Gottes erfahren, weil er durch Erfindung seiner Kunst das Reich des Pluto benachtheiligte. Selbst die Götter mußten seine Macht empfinden. Er strafte die ihn mit Eifersucht verfolgende Juno (s.d.) und verbannte den Phöbus eine Zeit lang vom Himmel auf die Erde, weil er gewagt hatte, den Tod des Äskulap an den Cyklopen, welche den strafenden Blitz geschmiedet hatten, zu rächen. I. hielt auf Recht und Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden; darum saß zunächst seinem auf dem Olymp stehenden Throne die Themis oder Dike, die Göttin der Gerechtigkeit. Er war zuerst mit der klugen Metis vermählt, aber als ihm Uranus und Gäa geweissagt hatten, dieselbe werde ein Kind gebären, das ihn der Herrschaft berauben werde, verschlang er jene, die bereits schwanger war. Nachmals schmerzte dem I. das Haupt, und Vulcan mußte mit seinem Hammer gegen seine Stirn schlagen; da sprang gerüstet Minerva aus demselben hervor. Mit Themis, seiner zweiten Gemahlin, zeugte I. die Horen und die Parzen. Seine dritte und bleibende Gemahlin wurde endlich Juno. Durch List gewann er ihre Umarmung und ihre Liebe. Er sah sie nämlich einsam auf Samos, schickte ein schweres Gewitter und fiel selbst in der Gestalt eines vor Nässe und Kälte zitternden Kukuks vor ihr nieder. Mitleidig hob ihn die Göttin auf und barg ihn in ihr Gewand, um ihm Wärme und Leben zurückzugeben. Schnell verwandelte sich nun I. in seine wahre Gestalt und gewann ihre Liebe gegen das Versprechen, sie zu seiner Gemahlin und zur Götterkönigin zu machen. Aber er wurde ihr vielfach untreu. Dione wurde durch ihn Mutter der Venus, Mnemosyne die Mutter der Musen, Ceres die Mutter der Grazien, Latona die Mutter des Apoll und der Diana. Auch sterbliche Frauen fand I. seiner Zuneigung würdig. So zeugte er mit der Niobe den Argos, mit der Danae den Perseus, mit der Maja den Mercur, mit der Semele den Bacchus, mit der Europa den Minos, Sarpedon und Rhadamanth, mit der Io den Epaphus, mit der Leda die Helena und den Pollux, mit Alkmene den Hercules u.s.w. Auch den schönen Knaben Ganymed liebte I. und entführte ihn von dem Ida. Nicht nur Blitz und Donner, sondern auch die meisten übrigen meteorischen Erscheinungen wurden von der Macht des I. abgeleitet. Die Menschen verehrten in ihm den Schützer alles Guten, den Rächer alles Unrechts, den Schirmherrn des häuslichen Besitzthums, der Staaten und Völker, den Helfer der Bittenden und Nothleidenden, den Beschützer der Fremdlinge, den heiligen Wächter des Gastrechts, den Ertheiler kluger Rathschläge, den Urvater aller Gesetze, welcher den Königen ihre Macht verleiht und sie in seinen besondern Schutz nimmt, den Geschicke Austheilenden, den Rächer des Meineides, den Retter in Kriegsnoth, den Befreier aus Knechtschaft. Seine berühmtesten Tempel hatte Zeus zu Olympia, Athen, Elis und zu Rom auf dem Capitol. Im olympischen Tempel stand die herrliche kolossale Bildsäule des I. von Phidias. Gewöhnlich wurde er auf dem Throne sitzend abgebildet, in ruhiger, Ehrfurcht gebietender Stellung – wenn er drohend die Augenbrauen bewegt, so erbeben Himmel und Erde; der Herrscherstab, der Donnerkeil, der Adler sind seine Attribute. Zuweilen schwebt noch eine Siegesgöttin auf seiner starken Hand und reicht ihm den Kranz dar. Den olympischen I. schmückt ein Kranz von wildem Ölbaum, den von Dodona ein Eichenkranz. Der capitolinische I. hält eine Opferschale. An verschiedenen Orten gab es auch Orakel des Zeus, unter denen das zu Dodona das älteste und berühmteste war. Ihm zu Ehren wurden die olympischen Spiele (s.d.) gefeiert. – Ihren Zeus haben die Griechen mit dem ägypt. Gotte Ammon in Verbindung gebracht und dieser ist Jupiter Ammon genannt worden, welcher in der Gestalt eines Widders oder in der eines Mannes mit Widderhörnern abgebildet wurde. Auf seinem Zuge nach Indien soll Bacchus, von Hitze und Durst ermattet, den Zeus um Hülfe gefleht haben, als ein Widder erschien und mit seinen Füßen [520] in den Sand scharrte, aus welchem sogleich ein Quell entsprang. Bacchus erkannte in dem Widder den Zeus und ließ ihm an jener Stelle einen Tempel errichten. Dieser Tempel stand auf einer Oase in der Wüste und hier ertheilten Priester Weissagungen nicht durch Worte, sondern durch Zeichen. Alexander der Große (s.d.) besuchte diesen Tempel des I.-Ammon und wurde von dem weissagenden Priester als Sohn des Gottes anerkannt. (Vgl. Gemmen.)

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 519-521.
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