Tauben

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[370] Tauben (die) zeichnen sich durch einen geraden, vorn gekrümmten, hinten häutigen Schnabel, kurze, mit vier freien Zehen versehene Füße, einen weiten Kropf und einen aus zwölf Federn bestehenden Schwanz aus.

Sie nähren sich von Sämereien, baden sich gern, leben paarweise und haben ein wohlschmeckendes Fleisch. Man unterscheidet Hühnertauben mit hohen Schienbeinen und einem dünnen, biegsamen Schnabel, welche nie auf Bäumen sich aufhalten; Waldtauben mit einem stärkern Schnabel und kurzen Schienbeinen, welche in Hochwäldern leben, und eigentliche Tauben, welche kurze Beine und einen dünnen, biegsamen Schnabel haben. Zu den Hühnertauben gehört die Krontaube, welche einen fünf Zoll langen Federbusch auf dem Kopfe, einen schwarzen Schnabel und einen schwarzen Fleck um die Augen hat. Der Rücken ist rothbraun, das Übrige bläulich aschgrau. Die Krontaube wird so groß wie das Truthuhn und ist auf den Molukken heimisch. Zu den Waldtauben gehört die Gewürztaube auf den ostind. Inseln, welche die Größe der Turteltaube hat und von olivengrüner Farbe mit braunem, purpurroth schimmerndem Rücken, schwarzen Schwungfedern und einer doppelten, gelben und schwarzen Flügelbinde ist. Unter den eigentlichen Tauben zeichnen sich aus die Ringeltaube, welche einen weißen, von goldgrün und roth schimmernden Federn eingefaßten Fleck an den Seiten des Halses hat, sodaß sie eine Art Halskragen zu haben scheint. Die Brust ist weinroth, der Unterleib, die Deckfedern der Unterflügel, die Schenkel sind grauweiß, die Deckfedern der ersten Schwungfedern schwarz, die vordern großen Deckfedern der Flügel glänzendweiß. Die Schwanzfedern sind nach dem Ende zu schwarz; übrigens ist das Gefieder aschgrau. Sie ist die größte bei uns lebende wilde Taube, indem sie 17 Zoll lang wird. Bei uns kommt sie nur als Zugvogel vor, man findet sie in den Nadelhölzern der warmen und gemäßigten Zone. Sie kommt zu uns im März und geht im October, [370] ist äußerst schüchtern und wird geschossen, da die Jungen sehr wohlschmeckend sind. – Die Holztaube hat einen weißlichen Schnabel und blutrothe Beine. Die Grundfarbe ist aschgrau, der untere Theil des Halses schimmert roth und goldgrün, die Brust ist weinroth, auf den Flügeln sieht man zwei große schwarze Flecken oder Binden. Sie erreicht eine Länge von 13 Zoll. Man findet die Holztaube fast in ganz Europa und Asien in Feldhölzern und Gebirgen. Die kältern Gegenden verlassen sie während des Winters. Man schießt und fängt sie in Netzen. – Die Feldtaube oder Haustaube ist der vorigen ähnlich gefärbt, hat aber einen weißen Unterrücken und ist um den Hals herum grün glänzend. Der Schnabel ist schwärzlich, die Nasenhaut weiß und die Beine sind hellfleischroth. Von ihr stammen unsere zahmen Haustauben. Man findet sie an allen Seeküsten Europas und auch bei uns einzeln in alten Thürmen. Nur im kältesten Norden wandern sie während. des Winters nach Süden aus. Obgleich diese wie andere Taubenarten in der Regel nur zwei Eier auf einmal legen und ausbrüten, so vermehren sie sich doch stark, weil sie mehre Male des Jahres Eier legen. – Am fruchtbarsten scheint die Wandertaube zu sein, welche in Nordamerika lebt. Sie hat einen zugespitzten Schwanz; Kopf, Rücken, Deckfedern und Bürzel sind asch- oder schieferblau, die mittlern Schwanzfedern schwarz, die übrigen grauweiß, der Nacken ist goldgrün, Kehle und Brust sind rothbraun, goldgrün und purpurn schillernd, der Bauch weiß. Das Männchen wird gegen zwei Fuß lang. Sie haben eigne Brütplätze und wandern nach den Wäldern des innern Amerika, um dort ihr Futter zu suchen. Ihr Flug ist außerordentlich schnell und sie ziehen in ungeheuern Zügen, sodaß man annehmen kann, daß ein solcher Schwarm zuweilen aus mehren Millionen Tauben besteht. Da, wo sie sich des Nachts niederlassen, richten sie eine vollkommene Verwüstung an. Das Gedränge ist so groß, daß sie sich untereinander häufig die Flügel brechen, indem sie schichtenweise übereinander stürzen. An den Brütplätzen fällt man die Bäume, um zu den Jungen zu gelangen, deren man zuweilen 300 auf einem Baume findet. Dieselben sind sehr fett und wohlschmeckend. Die Umwohner treiben die Schweine nach den Lagerungsplätzen dieser Tauben, um sie zu mästen. Mit Knitteln, Schwefeldampf und mit der Hand fängt man die Wandertauben, und in einer Nacht werden häufig viele Tausende gefangen. – Unsere zahme Haustaube ist mit ihren vielen Spielarten allzubekannt, als daß es einer Beschreibung derselben bedürfte; wir erinnern nur an die Trommeltaube, die Schleiertaube, die Pfauentaube, die Purzeltaube, die Kropftaube, die hier abgebildete Turteltaube, die Lachtaube u.s.w. Die zahme Taube zeichnet sich durch das ihr eigenthümliche Girren, durch Zärtlichkeit, Geselligkeit, Reinlichkeit und Sanftmuth aus und ist durch diese Eigenschaften sprüchwörtlich geworden. Sie wird gegen 20 Jahre alt und läßt sich in einem sehr hohen Grade zähmen. Man hegt sie ihrer wohlschmeckenden Jungen wegen, deren ein Paar zuweilen 16–18 jährlich erzeugt, in Taubenkästen, Taubenschlägen, Taubennestern und Taubenhäusern. – Der wunderbare Instinct, mit welchem die Tauben ihre frühere Wohnung wieder aufzufinden verstehen, hat Veranlassung gegeben, sie als Briefträger zu benutzen. Man bedient sich hierzu besonders einer im Orient heimischen Taube, welche daher auch vorzugsweise Brieftaube heißt. Dieselbe hat eine weißliche, starke, höckerige Nasenhaut, nackte Augenlider, einen bunten Federring um den Hals, rothe Füße mit Flaumen und ist von der Größe eines Perlhuhns. Sie nistet in der Nähe menschlicher Wohnungen. Besonders im Lande Irak, d.h. in Chaldäa, Babylonien und Assyrien wird die Brieftaube abgerichtet. Der Sultan Nureddin Mahmud, welcher 1174 starb, legte die erste eigentliche Brieftaubenpost an und der Khalif Ahmed al nâsser lidinillah von Bagdad, welcher 1225 starb, [371] brachte sie noch mehr in Aufnahme. Ein gut abgerichtetes Brieftaubenpaar wurde damals mit 1000 Dukaten bezahlt. Bis 1258, wo Bagdad zerstört wurde, bestand diese Briefpost. Auch in Ägypten gab es um 1450 Brieftaubenposten, und auch bei den Römern kannte man sie. Im niederländ. Kriege zu Harlem 1573 und zu Leyden 1574 bedienten sich die Belagerten der Tauben zu Briefträgern, und überhaupt sind sie häufig angewendet worden, um Nachrichten vom Kriegsschauplatze schnell nach einem gewissen Orte zu befördern. Im Orient halten sich noch einzelne Große Brieftauben. Eine Brieftaube kann 600 deutsche Meilen in einem Tage zurücklegen. Man befestigt der Brieftaube den auf sehr seines Papier geschriebenen Brief unter dem Flügel und derselbe darf nirgend vorragen, weil er sonst der Taube das Fliegen erschwert.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 370-372.
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