Rosa [1]

[351] Rosa (R. L.), Pflanzengattung aus der Familie der Rosaceae-Roseae, Ikosandrie Polygynie L. enthält mehre hundert Arten u. zahlreiche Spielarten. Unterabtheilungen : I. Centifoliae, mit verschieden gestaltigen Stacheln, Blüthen mit Deckblättern, runzlichen Blättern; hier u.a.: A) R. centifolia (Gewöhnliche Gartenrose, Centifolie), beliebte Zierpflanze unserer Gärten, aus dem Orient stammend, auch am östlichen Abhange des Kaukasus heimisch, mit großer, fast halbkugelförmiger, meist sehr gefüllter Blume, mit eirundem, drüsig behaartem Fruchtbehälter, meist zu zwei auf drüsigen, steifborstigen Blumenstielen, steifborstigem, stacheligem Stängel, glatten Blattstielen, unten grauen Blättern; Kelchabschnitte: zwei auf beiden Seiten gefiedert getheilt, immer nur auf einer Seite, zwei sind ungetheilt (Quinque sunt fratres, tres sunt barbati, sine barba sunt duo nati, unus ex his quinque non habet barbam utrinque), Varietäten gegen 200, welche sich unter folgende Hauptformen bringen lassen: a) R. vulgaris Seringe, Stängel mit vielen Stacheln, Blätter groß, runzlich ungleich gesägt, Blumenstiele mit Nebenblättern, sehr lang, Blume groß, voll, rosenroth, sehr wohlriechend; b) R. carnea Dumont (Rose de Vilmorin), Stängel mit zerstreuten Stacheln, Blätter einfach gesägt, Blumen in Doldentrauben, Knospen außen purpurroth, Blumenblätter eingebogen, durchsichtig, blaßröthlich; c) R. anglica Trattinick (Englische, Cumberlands-, Holländische Rose), Blumen zahlreich, in Afterdolden, groß, locker, gleichförmig rosenroth, sehr stark u. angenehm riechend; d) R. mutabilis Pers. (R. unica Hort., Schottische Rose), Blumenblätter milchweiß, oft an der Spitze kraus, auf dem Rücken grüngestreift, Knospe außen rosenroth; e) R. muscosa Seringe (Moosrose), Blumenblätter roth, auch weiß; Kelche u. Blumenstiele mit drüsig-moosartigem Überzuge; f) R. anemonoldes Thory (Anemonenrose, Kleine Centifolie), Blumen viel kleiner, der Gartenanemone ähnlich gebaut; g) R. caryophyllea Poir (Nelkenrose), die kleinen Blumen stehen in zweitheiliger Afterdolde, sind an der Spitze gezähnt u. an der Basis mit langen Nägeln versehen; h) R. provincialis Willd. (Kleine Provinzrose, Bordeauxrose), Stängel kaum fußhoch, Blätter ziemlich groß, unten behaart, Blumen doldenständig, stark gefüllt, mittelgroß, schön rosenroth; i) R. pomponia Lindl. (R. burgundica. Desf., Burgunder-, Pfingst-, Marienröschen), Stängel klein, Blätter sehr klein, Blüthen eben so, stark gefüllt, rosenroth. B) R. damascena (Damascenerrose, Monatsrose, R. omnium calendarum), vielleicht nur durch die lange Cultur aus voriger entstanden, durch die eirunde, in der Mitte angeschwollene Kelchröhre, halbgefiederte, während der Blüthezeit zurückgeschlagene Kelchabschnitte, dis[351] an der Basis breitgedrückten Stacheln an Stängel u. Blattstielen, mehr doldentraubigem Blüthenstand, kürzere Blumenstiele u. unten weißfilzigen Blättern unterschieden; blühen mehrmals des Jahres, heißen deshalb Monatsrosen, sind jedoch mit den eben so genannten indischen Rosen (s. unten VII. C) nicht zu verwechseln. Varietäten: gegen 70 Hauptformen: a) R. semperflorens (Immerblühende Rose), fast das ganze Jahr hindurch blühend; b) R. officinalis Ser. (R. myropolorum Duh.), Stacheln sehr zahlreich, groß, Blüthen zahlreich, dicht, rosenroth, stark u. angenehm riechend, in Frankreich als Rose de Puteaux zu Parfümerien vorzugsweise verwendet, von den Arabern Wurd, von den Indiern Goolob genannt, häufig cultivirt u. zu Bereitung des Rosenwassers u. Öls benutzt; c) R. laxifiora Ser. (Italienische Rose), Blumen groß, sehr wohlriechend, nur Anfangs roth, dann weiß werdend, Stacheln klein, mit Borsten untermischt; sie variirt mit roth u. gelb gestreiften (R. dam. Aurora), u. weiß u. rosenroth geflammten Blumenblättern (York- u. Lancasterrose); d) R. densiflora, Ser. (Buschrose), Blumen zahlreich, dicht stehend, weiß, Blumenstiele kurz, verdickt, Früchte klein, länglich, roth; e) R. coccinea Red. (R. portlandica, Scharlachrose), nur 11/2 Fuß hoch, mit scharlachrothen, in Doldentrauben stehenden, wohlriechenden Blumen; f) R. pumila Ser. (Le petit quatre saisons), eine noch kleinere Spielart u. viele andere. C) R. galica (Französiche, Essig-, Zucker-, Sammet-, Mohnrose), mit ziemlich runden Kelchröhren, so wie die Blumenstiele rauh, Stängel u. Blattstiele klein, großstachelig, Blumenblätter locker, Blume oft leer, auch halb- u. ganz gefüllt, Zweige aufrecht abstehend, Höhe 2–4 u. mehr Fuß; in Südeuropa, auch Deutschland. Von ihr sind die rothen Rosenblätter, welche, um damit Räucherpulver schön aussehend zu machen, mit Schwefelsäure u. Rosenwasser benetzt werden, um die Farbe noch zu erhöhen. Varietäten der Gärtner: über 200 Hauptformen: a) R. provincialis Andr. (Provinz-, Provencalische R., Wunderrose), mit großen hängenden, stark gefüllten, blaßrothen, stark- u. wohlriechenden Blumen; b) R. marmorea (R. basilica Roess., Marmorrose, Schachrose), Blüthen groß, halbgefüllt, rosenroth, purpurfarben gestreift, auch so punktirt, am Rande etwas weiß; c) R. aurelianensis (Orleansrose), Blumen groß, purpurroth, die innersten Blumenblätter klein, aufrecht, verschiedentlich eingerollt u. gelappt; d) R. granata (Granatrose), Blumen doldenständig, rosenroth, groß, gefüllt, nicht ganz ausgebreitet, fast geruchlos; e) R. velutina (Sammetrose, Feine R.), Blumen gefüllt, ausgebreitet, Blumenblätter purpur-bläulichroth, wellenförmig gekräuselt, Geruch eigenthümlich. Eine Spielart mit flachen, dunkel-purpurschwärzlichen Blumenblättern (R. atra s. atro-purpurea Röss.) wurde sonst zur Bereitung des Rosenöles, Rosenwassers u. des Rosenessigs bes. empfohlen; f) R. officinalis, etwa 3 Fuß hoch, borstig, mit kleinen, fast geraden Stacheln, Blätter groß, eirund, zugespitzt, etwas steif, fein gesägt, Blatt- u. Blumenstiele mit Drüsen u. Borsten, Blumen sehr groß, halbgefüllt, ausgebreitet, dunkelpurpurroth, sehr wohlriechend, einzeln od. zu zweien; g) R. regalis (Königs-, Hortensia-, St. Franciscirose), kleiner Strauch mit großen, gefüllten, fleischfarbenen, sehr wohlriechenden, in Doldentrauben stehenden Blumen; h) R. pontiana (Riesenrose), Blumen sehr groß, dunkelpurpurroth, wohlriechend, innere Blumenblätter muschelartig gekrümmt; i) R. cuprea (R. episcopalis Schoenbrunnensis, Kupferrose), Blumen sehr groß, gefüllt, Anfangs scharlachroth, dann dunkelviolett; k) R. ranunculiformis, Blumen klein, stark gefüllt, mit glänzenden, in der Mitte purpurrothen u. gelappten, im Umfange flachen, schwarzrothen Blumenblättern; l) R. delphiniana (Dauphinrose), Blumen klein, stark gefüllt, in der Mitte rosenroth, im Umfange purpurfarben, zuletzt violett; m) R. burgundiaca (Burgunderröschen, R. parvifolia Ehrh., R. remensis De C.), kleiner Strauch mit kleinen gefüllten, purpurrothen Blumen, kleinen drüsigen, runzligen Blättern. II. Cinnamomeae, ohne Stacheln od. rauh-borstig, die Blüthen mit Deckblättern, Blätter, Blättchen lanzettförmig od. länglich ohne Drüsen, Kelchröhre am Rande verengt. Hier u.a.: R. cinnamomea (Zimmtrose, Mairose), mit runden, so wie die Stiele glatten Kelchröhren, fast stachellosen Blattstielen, länglichen, stumpfen, am Grunde schmälern Blättchen, unter der Basis des Blattes zwei gelblich-weiße, hakenförmige Stacheln, Blüthen klein, rosenroth, halb- u. ganz gefüllt, 4, 6 u. mehre Fuß hoch, an Zäunen, Ufern etc. III. Pimpinellae-foliae, borstig-rauh, mit u. ohne Stacheln, selten mit Deckblättern, Blättchen länglich od. eirund, Kelchabschnitte zusammengeneigt, bleibend, Kelchröhre fast ohne Saum. Hier u.a.: A) R. sulphurea (Gelbe Rose), die Kelchröhre kugelförmig, Blattstiele u. Stängel mit vielen größeren u. kleineren doppelten Stacheln, Blätter eirund, Blüthen blaßgelb, einzeln an den Spitzen der Zweige, meist gefüllt, verkrüppeln sehr oft; stammt aus dem Orient, findet sich oft in Gärten. B) R. alpina (Alpenrose, Roseohne Dorn), Kelchröhre eirund, glatt, Blüthen- u. Blattstiele rauh, Stängel fast ohne Stacheln, Blumen karminroth, wohlriechend, oft etwas gefüllt. Als Varietät wird von Vielen R. pendulina hierher gezählt. C) R. pimpinellaefolia (Pimpinellrose, R. spinosissima L.), mit runden, glatten Kelchröhren, etwas stacheligen Blüthenstielen, sehr häufigen, zum Theil stechend borstigen, geraden Stacheln, rundlichen glatten Blättchen, weißen u. fleischfarbigen, leeren, halb- u. ganz gefüllten Blüthen. In Gärten unterscheidet man gegen 200 Spielarten. IV. Fe Feroces, Äste mit bleibendem Filz bedeckt, Früchte glatt; hier u.a.: R. camtschatica. V. Villosae, mit haarigen Blättern, abstehenden Sägezähnen, fast geraden Stacheln. Hier u.a.: A) R. turbinata (R. francofurtensis, Tapetenrose, Frankfurter R.), Kelchröhre halbkugelig-glockenförmig, am Grunde rauh-borstig, Blatt- u. Blüthenstiele stachelig, Blättchen eirund, spitzig, gesägt, Blüthen groß, gefüllt, wohlriechend, 5–6 Fuß u. noch weit höher, daher zur Anlage von hohen Hecken, Rosenmänlein etc. benutzt; im südlichen Deutschland, auch verwildert. B) R. villosa, mit gedrückt-kugeligen Kelchröhren, so wie die Blüthenstiele rauchbartig, Stacheln am Stängel zerstreut, Blattstiele stachelig, fast stumpfen, filzigen Blättern, Blumenblätter blaßroth mit gelblichen Nägeln, Frucht purpurroth, bes. groß u. fleischig, wird als Rosenapfel eingemacht u. zu Compots benutzt; daher auch R. pomifera; vgl. [352] Hagebutten. Man kennt vier Spielarten. C) R. alba (Weiße Rose), mit eirunden, glatten Kelchröhren, rauh-borstigen Blüthenstielen, zerstreuten, hakenförmigen Stacheln an Stängel u. Ästen, rundlichen, unten rauhen Blättchen, weißen, in Gärten gefüllten Blumen, kann sehr hoch gezogen werden. Man zählt ungefähr 40, mehr od. weniger ins Fleischfarbene spielende Varietäten. Sonst bereitete man ein destillirtes Wasser (Aq. flor. ros. albarum) davon u. benutzte sie zur Rosensalbe. VI. Rubiginosae, mit drüsigen Blättern, ungleichen Stacheln; hier u.a.: A) R. rubiginosa (Weinrose, Rostrose, Marterdorn), mit fast runden, fast glatten Kelchröhren, rauchen Blatt- u. Blüthenstielen, etwas gekrümmten Stacheln an Stängel u. Ästen, unten rostfarben drüsigen, so wie Kelchabschnitte u. Blüthenstiele, stark u. angenehm weinartig riechenden Blättern, weißen u. rothen Blumenblättern, an sonnigen Anhöhen, Waldrändern etc., die wahre R. eglanteria der Alten. In Gärten hat man über 20 Spielarten. B) R. eglanteria L. (R. lutea Mill. Ait., R. chlorophylla Ehrh.), Kelchröhre rund u. wie die Stiele glatt, Stängel u. Blattstiele kleinstachelig, Stacheln der Äste gerade, Blättchen verkehrt-eirund, scharf- u. doppelt-drüsig, sägezähnig, oben glänzend glatt, riechen gerieben angenehm, Blüthen gelb, einzeln an den Spitzen der Zweige, nicht gefüllt, riechen fast wanzenähnlich. Varietät: Kapuziner- od. Türkische od. Weinrose (R. punicea Red. Mill., R. bicolor Jacq.), mit außen gelben, innen schön sammetartig blutroth. VII. Caninae, Blätter ohne Drüsen, Sägezähne gegen einander geneigt, Stacheln gleichförmig, hakenförmig, Kelchabschnitte abfallend. Hier u.a.: A) R. canina (Gemeine Hecken- od. Zaunrose), 10–12 Fuß hoch, mit schlanken, geraden Zweigen, starken gekrümmten Stacheln, in Zäunen, an Waldrändern häufig, Kelchröhre eirund, wie die Stiele glatt, Blüthen blaßroth, zu 1, 2, 3 an den Spitzen der Zweige, Frucht glänzend hochroth (Hagebutten, Hiesten), wird, nach Entfernung der mit juckenden Haaren umgebenen Kerne, welche als Kaffeesurrogat empfohlen wurden, getrocknet, als Fructus cynosbati in den Apotheken aufbewahrt, auch in der Küche zu Suppen, Compots etc. benutzt; sollen harntreibende Kraft haben. B) R. dumetorum (Heckenstraußrose), der vorigen ähnlich, auf gleichem Standort u. eben so benutzt, Blüthen in Doldentrauben. C) R. indica L. (R. semperflorens Curt, R. bengalensis Pers., Monatsrose, Noisett-, Thee-, Bengalische R.), mit länglichen Kelchröhren, rauhen, auch glatten Stielen, stacheligem Stängel u. Blattstielen, meist zu drei stehenden spitzigen, gezähnten, glatten Blättchen, halb u. ganz gefüllten, blaß- u. dunkelrothen, eigenthümlich theeartig riechenden Blüthen; sie stammt aus China, blüht das ganze Jahr, wird in zahlreichen Spielarten, von denen einige, mit Laub bedeckt, im freien Lande durchwintern, meist in Töpfen bei uns cultivirt. VIII. Systylae, Griffel zu einer Säule verwachsen; R. moschata (Moschusrose), 10–12 Fuß hoch, bisweilen baumartig, mit kleinen weißen, zahlreichen, nahe bei einander in Rispen stehenden, sehr wohlriechenden, nicht gefüllten Blüthen, eirunden, nebst den Stielen zottigen Kelchröhren, stacheligem Stängel u. Blattstielen, länglichen, spitzigen, glatten Blättchen; in Indien u. Persienhäufig angebaut u. zur Gewinnung des Rosenöls benutzt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 351-353.
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