Philippinen

[59] Philippinen, 1) (Philippinische Inseln), die nordöstlichste Inselgruppe des Indischen Archipelagus, aus zehn größeren u. mehr als tausend kleineren Inseln zwischen dem Stillen u. dem Chinesischen Meere, mit einem Gesammtflächenraum von 5524 QM. Die Inseln sind meist hoch, gebirgig, vulkanischer Natur, einige mit noch thätigen Vulkanen; sind gut bewässert, haben mildes Klima, werden bisweilen durch schreckliche Orkane gestört, sagen zwar der europäischen Natur wenig zu, sind aber wegen ihres Productenreichthums schätzbares Eigenthum der Spanier. Producte: Affen, Meerkatzen, Rothwild, Einhörnchen, fliegende Hunde, Hirscheber, Wald- u. Feldhühner, Papagaien, Fasane, Pfauen, Tauben, Seevögel, Krokodile, Schildkröten, Schlangen, viele Fische u. Bienen, Austern, Riesenmuscheln, Heuschrecken, Perlen; ferner Getreidearten, zarte Gemüse, Gewürze, Kaffee, Zucker, Indigo, Palmen, Cedern, Ebenholz, Eisenholz, Rohr; der Metallreichthum wird bis jetzt noch nicht ausgebeutet. Die Einwohner werden auf 4 bis 5 Millionen geschätzt; sie sind größtentheils eingewanderte Malaien u. Papuas (Letztere meist schwarz, schlecht gebaut, schönäugig, im Zustande vollständiger Wildheit, nur noch im Inneren der größeren Inseln lebend, immer mehr zusammenschmelzend), theils aber aus Vermischung verschiedener Racen entstanden; Haraforas, von der Küste ab, Menschenfresser, Karandscha (beide letztere werden mit gemeinschaftlichem Namen Manobas genannt); die Spanier rechnet man nur zu ungefähr 4000; außerdem Chinesen (auch getaufte, 60–70,000). Die meisten Malaien sind Christen u. haben sich auch eine gewisse Civilisation angeeignet; außerdem gibt es noch Negersklaven. Beschäftigung: Anbau u. Bearbeitung von Feldfrüchten, Baumwolle, Zucker, Gewürze; Weberei, Schiffbau, Fischerei, wenig Viehzucht, Seeräuberei, Handel (10–11 Mill. Ein-, 9– 10 Mill. Rthlr. Ausfuhr). Der europäische Handel wurde zeither durch die Königliche Gesellschaft der P. betrieben, doch hat sich dieses Vorrecht aufgehoben, obschon der Handel dadurch nicht blühender geworden ist. Als Münzen gelten hier außer den spanischen, die Kauris (s.d.). Einige Inseln u. das Innere selbst der größeren Inseln hatten zeither noch eigene Herrscher, so Magindanao (s.d.) einen Sultan, u. die 33 Bundesstaaten von Illana ihre Radschas u. Sultane; das Übrige (der größere Theil u. zwar seit sich 1851 auch der Sultan von Magindanao u. die Herrscher der Suluinseln u. der Insel Palavan unterworfen haben, 5362 QM., mit 41/2 Mill. Einw.), gehört den Spaniern, welche einen eigenen Generalcapitán (jedesmal nur auf sechs Jahre, jetzt Generallieutenant Leymeri) hier haben; Sitz desselben u. Hauptstadt der ganzen Inselgruppe ist Manila auf der Insel Luzon. Ein Lieutenant besorgt unter ihm die Militär-, ein Staatsrath die Civilangelegenheiten. Den einzelnen[59] Ortschaften stehen Alkaden vor. Diese haben den Handel inne; zu Gehülfen haben sie einen eingeborenen Schreiber. Herrschende Religion ist die katholische. Militärmacht 5500 Mann Linie u. 12,200 Mann Miliz. Einkünfte: 31/2–5 Mill. Fl. Die zehn großen Inseln der Gruppe. sind: Manila (Luzon), Magindanao (Mindanao), Mindoro, Samar, Leyte, Negros, Panay, Masbate, Zebu u. Palavan. Der mittlere Theil der Gruppe, d.h. die Inseln zwischen Manila u. Magindanao, werden auch gemeinschaftlich Bissayer (s.d.) genannt, eine nördliche Gruppe Babujanen (s.d.) u. die nördlichste von allen Baschiinseln (s.d.). Zum Gouvernement der P. werden auch noch die Carolinen u. Marianen gerechnet; sie wurden von Magelhaens 1521 zuerst besucht u. Lazarusinseln genannt u. 1571 von Spanien in Besitz genommen, nachdem sie schon 1542 den Namen P. erhalten hatten; 2) Neue P., so v.w. Carolinen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 59-60.
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