Schlacht [1]

[200] Schlacht, ein größeres Gefecht, in welchem bedeutende Truppenmassen gegen einander kämpfen u. welches einen od. mehre Tage währt. Die Bestimmung des Terrains, auf welchem man schlagen will, des Schlachtfeldes, ist eine wichtige Rücksicht. Sonst wählte der Vertheidigende eine Stellung, in welcher er die S. annehmen wollte; jetzt besteht die Kunst des Feldherrn mehr darin, auf jedem Terram, welches der Vertheidigung Vortheil u. der Waffe, an welcher man am stärksten ist, Mittel gewährt seine Kräfte möglichst wirksam anzuwenden; s.u. Position. Die Art, wie man die Truppen zur S. aufstellt, bezeichnet man als Schlachtordnung (s.d.) Die Aufstellung ist meist in zwei Treffen, u. bei jedem unterscheidet man das Centrum (die Mitte) u. die beiden Flügel; hinter dem zweiten Treffen steht die Reserve. Jetzt werden aber S-en nicht mehr in zusammenhängender Ordre de bataille geliefert, sondern die wichtigsten Punkte: Dörfer, Wälder u. Höhen, besetzt u. der Raum zwischen diesen oft 1/41/2, ja selbst mehre Stunden betragend, unbesetzt gelassen, od. durch Tirailleurlinien od. Cavalleriedetachements ausgefüllt u. nur dadurch gesichert, daß der Feind, wenn er zwischen zwei stark besetzte Punkte einzudringen versuchen sollte, fürchten müßte von jenen Punkten in beiden Flanken genommen zu werden. Den Angriff bestimmt das gegenseitige Verhältniß der beiden Schlachtordnungen. Er ist ein Parallelangriff u. die Stellung mauerförmig (en muraille), so wie die S. eine Frontal-S., wenn die Stellung des Gegners keine vorspringenden Ecken, Spitzen u. sonstige Punkte, überhaupt keine Gelegenheit zeigt durchbrochen zu werden u. auch keine die Flügel zu umgehen bietet. Aus solchen Parallelangriffen entstehen Parallel-S-en, welche aber selten zu großen Resultaten führen. Zu entscheidenderen führt der keilförmige Angriff, wo der Angreifende durch Durchbrechen der feindlichen Schlachtordnung den Sieg zu erringen strebt. Dazu wird meist die Mitte gewählt, u. dann von der durchbrochenen Mitte aus nach den Flügeln zu gewirkt. Die Artillerie geht bei einem solchen Durchbrechen der Mitte voraus, die Infanterie u. bes. Cavallerie drückt heftig nach. Damit der Feind nicht concentrisch gegen die Spitze der zum Durchdringen bestimmten Truppen wirken u. dieselben leicht vernichten könne, muß man den richtigen Moment dazu wählen, den Angriff der Spitze, wird er abgewiesen, durch neue Truppen unterstützen, die Seiten des Keils kräftig mit vorschieben u. überhaupt so kräftig als möglich verfahren. Der Angriff auf einen der Flügel, während der andere verweigert wird, heißt schiefe Schlachtordnung. Derselbe kann durch den Angriff in schräger Linie, od. auch durch den Angriff in Echelons erfolgen. Schon in den ältesten Zeiten war die schiefe Schlachtordnung gewöhnlich u. Epaminondas gilt für den, welcher sie zuerst ausbildete; von den Neuern wendete sie Friedrich d. Gr. bes. an. Ähnlich dem Zwecke nach, jedoch verschieden in Anwendung der Mittel, ist die umfassende od. zangenartige Schlachtordnung, wo man eine überlegene Macht in die Flanke des Feindes wirst, dieselbe umfassen läßt, zuerst diesen Flügel zum Weichen bringt u. nach u. nach die ganze Linie desselben aufrollt. Das concentrische Feuer u. der Umstand, daß der Feind den Angreifenden zugleich Fronte, Flanke u. Rücken darbietet, bilden den Vortheil dieser Flankenbewegungen. Nur bei sehr großer Überlegenheit an Truppenzahl kann man dies Umfassungsmanöver auf beide Flügel ausdehnen (concentrischer Angriff), sonst muß man es auf einen Flügel beschränken u. dann die Schlachtlinie des Feindes aufrollen, indem man mehr Kräfte gegen die schmale Fronte des Feindes wirken läßt, als diese selbst augenblicklich entwickeln kann. Da die Bewegung gegen eine Flanke sehr auf die Überraschung des Gegners berechnet ist, so werden die Manövers, welche sie einleiten, gewöhnlich außer dem Kanonenfeuer, ja selbst außer dem Gesichtskreise des Feindes vorgenommen, u. Umgehungen werden daher meist schon den Tag vor der S. in der Entfernung von einigen Meilen durch ein besonderes Corps eingeleitet. Sie, so wie keilförmige Manövers, werden gewöhnlich so berechnet, daß man sie erst dann unternimmt, wenn die S. einige Stunden, ja fast einen ganzen Tag gedauert hat, wo dann die Kraft des Gegners gebrochen, seine Truppen mürbe gemacht u. seine Reserven erschöpft sind. Die S. beginnt daher meist als eine Parallel-S. u.[200] geht erst später in eine keilförmige od. umfassende über. Meist wird auch die wahre entscheidende Bewegung durch einen Scheinangriff vorbereitet; er erfolgt auf einen ganz anderen Punkt, als auf den, wo die Entscheidung fallen soll, wird möglichst brüsk u. mit Ostentation, indem der Angreifende alle seine disponibeln Truppen dort zeigt, ausgeführt. Läßt sich der Gegner verleiten den Scheinangriff für den wahren zu halten u. dorthin seine Reserven zu senden, so gelingt der wahre desto leichter, da der Punkt, wo er erfolgt, geschwächt ist. Oft führt der Angreifende aber auch keinen Scheinangriff aus, sondern gleich der erste ist der wahre. Umgehungen u. Flankenangriffe, sowie keilförmige, das Centrum durchbrechende, werden meist die wirklichen Angriffspunkte sein. Weit schwieriger als der Angriff in einer S. ist die Vertheidigung. Nachdem der Feldherr eine möglichst vortheilhafte Stellung gewählt hat, die Anlehnung für die Flügel, freie Communication in der Stellung u. rückwärts, vor der Front möglichste Hindernisse für den Anrückenden, welche jedoch denselben nicht gegen das feindliche Feuer decken, noch hindern dürfen selbst zum Angriff überzugehen, welche ferner so wenig als möglich vorspringende Ecken u. Spitzen enthält, auch möglichst senkrecht auf die Richtung, in welcher der Feind anrückt, stehen muß, sucht er durch Kunst, durch Barrikadirung der Dörfer, welche in derselben liegen, Verhauung der Wälder auf der Flanke, Anlegung von Schanzen an wichtigen Punkten derselben möglichste Festigkeit zu geben u. die Truppen zweckmäßig auf dem Schlachtfelde zu vertheilen. Zahlreiche u. tüchtige Reserven sind hierbei die Hauptsache. Jeder Flügel, so wie jeder größere Truppentheil in sich, hat wieder seine Reserve. Die Straßen u. Wege, welche in die Flanken u. den Rücken der Stellung führen, werden durch ausgesendete Parteien u. Recognoscirungsdetachements, so wie durch Spione in Augen behalten, ebenso die Straßen, welche parallel mit der Operationslinie in meilenweiter Entfernung zu dem Object führen, um strategische Umgehungen der Stellung zu vermeiden. In der S. selbst muß das ganze Streben des vertheidigenden Feldherrn darauf gerichtet sein die Absicht des Angreifenden zu durchschauen, um seine Pläne gleich im Entstehen zu vereiteln. Keilförmigen Angriffen steht eine umfassende Stellung, welche die Flanken des Keiles beschießt, einer umfassenden eine bogenförmige Stellung entgegen; stets muß aber der Feind auf den Punkten, wo er angreift, durch richtige Anwendung der Reserven mehr, od. wenigstens eine gleiche Anzahl Truppen auf dem entschiedenen Punkte finden, als er selbst dort entwickelt. Gelingt es aber dem Vertheidigenden den Hauptangriff des Gegners abzuschlagen, od. bemerkt er während desselben an einem anderen Punkte der Schlachtordnung eine schwache Stelle, so geht er gleich zum Angriff über u. wirst alle seine noch disponiblen Kräfte dahin, um die Schlachtordnung des Gegners zu durchbrechen u. den Sieg zu gewinnen. Ist eine S. verloren, so muß auf den Rückzug (s.d.) gedacht werden.

Im Alterthum wurde bei den Griechen vor dem Beginn der S. den Göttern, bes. dem Ares (Mars), Opfer gebracht u. um günstigen Ausgang der S. gebetet; die Lakedämonier opferten den Musen. Bei den Deutschen wurde der Ausgang der S. erst durch den Zweikampf mit einem von ihnen u. einem vorher gefangenen Feind erforscht. Nachdem nun die Soldaten in Schlachtordnung (s.d.) aufgestellt waren, hielt der Anführer zur Erhöhung ihres Muthes eine Rede an sie (vgl. Allocution); die Spartaner sangen vorher Lieder, bes. wurden die des Tyrtäos (s.d.) nach den Messenischen Kriegen dazu gebraucht. Das Zeichen zum Beginn der S. wurde durch die emporgehobenen Fahnen (bei den Römern wurde eine rothe Fahne auf das Prätorium [s.d.] gesteckt) od. mit der Trompete gegeben; statt der Trompete bedienten sich die Arkadier u. Siculer dazu der Flöte u. die Kretenser eines Saiteninstruments. Die Lakedämonier gingen unter dem Klang der Flöten in die S., bei den andern Griechen war es Sitte mit Ungestüm u. wildem Geschrei (Alalagmos) auf den Feind zu stürzen; die Deutschen steigerten das Geschrei (Baritus) von leisem Brummen bis zum lautesten Brüllen; manche riefen den Namen ihrer Nation aus, z.B. die Ambronen (Ambrones! Ambrones!); die Römer feri! feri! (Schlag! Schlag!) Seit der Schlacht bei Marathon kam auch der Angriff im Lauf (δρόμῳ) auf. Die S. leitete der Anführer an der Spitze selbst, od. ließ sie durch Unteranführer auf verschiedenen Seiten leiten, daher auch bisweilen die Anführer beider Parteien mit einander einen Zweikampf bestanden, ehe die Heere handgemein wurden. Auch ließ man eine S. durch den Zweikampf zweier anderer dazu gewählter Krieger beginnen, od. auch nach Verabredung dadurch ganz entscheiden, so Xanthos mit dem Athenerkönig, der Mitylenäer Pittakos mit dem Athener Phryno; od. es wurde eine gleiche Anzahl von beiden Seiten gestellt, wie die 300 von lakedämonischer u. argivischer Seite über den Besitz von Thyrea; die drei Brüder der Tegeaten u. Pheneaten u. die Horatier u. Curiatier (s.d.a.). Bei den Römern fingen die Leichtbewaffneten (Velites, s.d.) das Treffen durch Steinwerfen, Wurfspießschleudern, Pfeilschießen etc. an, dann rückten die eigentlichen Reihen vor, zuerst die Hastaten, dann durch deren Intervallen die Principes u. zuletzt die Triarier; in der Schlachtordnung bediente man sich der Lanzen, dann des Schwertes. Die Deutschen hatten ihre Weiber u. Kinder mit in den S-en, welche theils die Pflege der Verwundeten übernahmen, theils aber auch durch Zuruf die Kämpfer zur Tapferkeit aufmunterten; sie standen auf den Packwagen, welche hinter den Schlachtreihen aufgefahren waren. Wurde die S. nicht durch die Überlegenheit der einen Partei geendigt, so geschah dies durch die Nacht; zur Nachtzeit kämpfte man nicht; nur von den Massyliern erzählte man, daß sie des Nachts kämpften u. am Tage ausruhten. Das Ende der S. wurde durch das Niedersenken der Fahnen angezeigt. Der Rückzug mit denselben Instrumenten angegeben, deren man sich zum Angriffszeichen bediente. Der geschlagene Feind wurde verfolgt, so wie es die Umstände u. die Kräfte des Siegers erlaubten; die Lakedämonier waren zufrieden den Wahlplatz behauptet zu haben, wenigstens hielten sie keine Nachschlachten, in denen sie die fliehenden u. ermatteten Feinde erwürgten. Die Verwundeten wurden durch die Ärzte verbunden, die Gebliebenen begraben; die Leichen der Feinde aber ließ man unbegraben. Über Beute u. deren Vertheilung s. Beute. Nach errungenem Siege wurde dem Apollon ein Lobgesang (Päan) gesungen; Feldherr u. Soldaten erhielten Belohnungen u. Auszeichnungen. Die S. war je nachdem sie von der Infanterie,[201] od. der Cavallerie geliefert wurde, Pugna pedestris od. P. equestris; Reiter lieferten jedoch selten allein eine S., sondern beiderlei Truppen wurden in derselben S. nur zu verschiedenen Zeiten u. Actionen gebraucht. Die Gallier kämpften zu Wagen; diese Soldaten hießen Essedarii, sie kämpften erst mit Wurfspießen u. fuhren unter die Ordnungen, um sie zu verwirren, dann sprangen sie herab. u. kämpften auch zu Fuß; die Wagenlenker fuhren dann einstweilen aus der S.u. hielten die Wagen zur Aufnahme der aus dem Kampf zurückkehrenden od. fliehenden Krieger bereit. Bei den Britanniern war der Kampf zu Wagen auch gebräuchlich, nur daß bei ihnen der Wagenlenker die Hauptperson, die Schutzverwandten aber die Streiter waren. Der Angriff mit Sichelwagen (s.d.) war blos eine orientalische Sitte; Elephanten, zum Krieg im Morgenlande schon längst gebraucht, wurden in Italien zuerst gegen die Römer von Pyrrhos (s.d.), dann von Hannibal geführt, s.u. Elephant.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 200-202.
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200 | 201 | 202
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