Johanniterorden [1]

[22] Johanniterorden, geistlicher Ritterorden. Um den Bedrückungen zu entgehen, welche die Pilger im 11. Jahrh. in Palästina leiden mußten, erkauften 1048 mehrere Kaufleute aus Amalfi von dem Khalifen von Ägypten die Erlaubniß, in Jerusalem bei dem Grabe Christi eine Kirche u. ein Mönchskloster nach den Regeln st. Benedicts, der Maria de Latinis geweiht, zu erbauen. Bald verbanden die Mönche ein Hospital (daher Hospitaliter) damit, dessen Rector von dem Abt zu Sta. Maria de Latinis ernannt wurden; sie weiheten dabei eine Kapelle dem St. Johannes u. hießen davon Johanniter. Der erste Vorsteher war Gerhard Tonque (aus der Provence, st. 1118 od. 1120); Gottfried von Bouillon schenkte dem Hospital große Güter u. der Papst Paschalis II. bestätigte 1113 die neuen Stifte u. bestimmte, daß die Hospitalbrüder künftig unabhängig von den Mönchen zu Sta. Maria de Latinis sein u. ihre Superioren selbst wählen sollten. Auf Gerhard folgte Raimund von Puy (R. de Podio); er nannte sich Ordensmeister, wandelte den Orden in einen geistlichen Ritterorden um, indem er zu dem Mönchsgelübde noch die Verpflichtung der Mitglieder zum Kampfe gegen die Ungläubigen fügte, theilte denselben in drei Klassen (Ritter zur Kriegsführung, Capellane zum geistlichen Dienst u. Dienende Brüder zur Krankenpflege u. zum Pilgrimgeleit) u. verordnete die Ceremonien bei der Aufnahme in denselben. Er wurde 1120 (1118) vom Papst bestätigt. Die Johanniter sollten das Ersparte gegen die Ungläubigen verwenden u. so leisteten sie dem König Balduin II. von Jerusalem 1118 gegen den Khalifen u. 1122 bis 1126 gegen den Sultan von Damask Hülfe u. erhielten dafür Bersaba. 1139 ging Raimund nach Spanien, um dort die Ansprüche des Ordens, welchen König Alfons I. von Aragon, nebst den Tempelherren u. den Rittern des Heiligen Grabes, zu Erben seiner Staaten eingesetzt hatte, zu verfechten. Er schloß mit dem Grafen von Barcelona einen Vergleich, durch den die drei Orden große Besitzungen in Spanien u. Befreiung von der Lehnspflicht erhielten. Auf Raimund (st. 1160) folgten: Auger de Balben (st. 1161, nach And. 1163), Gerbert d'Assaly (s.d., dankte 1169 ab), Castus (Gasto, st. 1170), Joubert (st. 1177), Roger de Moulins (blieb 1187 bei Akre), unter welchen der Orden vom Kaiser Friedrich I. große Privilegien erhielt, Garnier (st. 1191). Nach der Eroberung Jerusalems durch den Sultan Saladin von Ägypten, 1187, verlegte der Orden seinen Sitz u. das Hospital nach der Festung Margat in Phönicien u. wenige Jahre darauf nach Ptolemais, u. hier bestand der I. noch ein Jahrhundert. Großmeister waren: Gottfried von Duisson (Donjon, st. 1202), Alfons von Portugal (entsagte 1204), Gottfried Rath (Rott, st. 1207), Guerin von Montaigu aus Auvergne (st. 1230), Bertrand von Texis (st. 1240 in der Gefangenschaft der Sarazenen), Guerin, seit 1231 (st. 1244), Bertrand de Comps, ein Franzose (st. 1241), Peter von Villabrida (st. 1244), Wilhelm von Chateauneuf (st. 1259), Hugo von Revel (st. 1278), Nikolaus Lorgue (st. 1289) Unter Jean de Villiers (st. 1297) ging dem I. auch Ptolemais verloren, indem der Sultan von Ägypten es 1291 eroberte. Der I. verlegte seinen Sitz nach Cypern, wo er vom König die Stadt Limisso erhielt. 18 Jahre verweilte er dort unter Odo von Pins (st. 1300 auf einer Reise nach Rom), Wilhelm von Villaret (st. 1307) u. Fulco von Villaret, unter welchen Letzteren die Ritter 1309 sich auf Rhodus ein eigenes Besitzthum eroberten u. sich nun Rhodiser nannten. 1310 versuchten die Türken vergebens, Rhodus wieder zu gewinnen; 1311 wurde der aufgehobens Tempelherrnorden durch päpstliche Bulle mit dem I. vereint. Fulco von Villaret gerieth durch Stolz mit dem Orden in Streit, wurde im Schloß Lindo belagert u. 1316 abgesetzt, Moritz von Pagnac zum Großmeister erwählt, doch der Papst setzte bis zur Schlichtung dieser Streitigkeiten Gerhard de Pius zum Generalvicar ein, welcher die wieder vor Rhodus ziehenden Türken zur See gänzlich schlug. Kurz darauf starb er, u. Fulco wurde vom Papst wieder 1322 als Großmeister eingesetzt, legte jedoch 1324 die Würde wieder nieder (u. st. 1325). Die Neckereien der Türken dauerten unter den folgenden Großmeistern fort; diese waren: Helion von Villeneuve (st. 1346), Deodat von Gozon, st. 1353 (er soll nur Ritter gewesen sein u. einen Drachen, der Rhodus verwüstete, erschlagen haben u., weil der Kampf untersagt war, ins Gefängniß gekommen sein, aber seine Freiheit bald wieder erhalten haben; das Sujet zu Schillers Romanze: Der Kampf mit dem Drachen), Peter von Cornillan (st. 1355), Roger de Pins (st. 1365), Raimund Berengar (st. 1374), Robert von Juillac (st. 1376), Joh. Ferdinand von Heredia (st. 1396), Philibert von Naillac (st. 1421), Anton Fluvian (de la Ripa, st. 1437); unter Johann, von Lastic (st. 1454) unternahm der Sultan von Ägypten vergebens eine fünfjährige Belagerung von Rhodus. Unter Jakob von Milly (st. 1461), Peter Raimund Zacosta (st. 1467), Joh. Bapt. Orsini (st. 1476) fiel wenig vor; unter Peter von Aubusson griffen 1480 die Türken unter Muhammed II. Rhodus mit 100,000 Mann u. 160 Schiffen an, wurden aber mit ungeheuerem Verlust zurückgeschlagen. Nach dem Tod Muhammeds begab sich dessen Sohn Zizim, welcher mit seinem Bruder Bajazeth II. um den Thron stritt, unter den Schutz des I-s, Bajazeth schloß jedoch mit den Johannitern Frieden, u. diese sperrten Zizim auf einem Schlosse in Poitou ein. 1485 schenkte der Papst dem I. die Güter der aufgehobenen Ritterorden des Heiligen Grabes u. des St. Lazarus[22] von Jerusalem. Der Großmeister Peter st., 1503. Aymar von Amboise schlug den Sultan von Ägypten bei Lajaza zur See u. st. 1512. Guido von Blanchefort (st. 1513) u. Fabricius Caretto (st. 1521) behaupteten noch Rhodus; allein unter Philipp de Villiers de l' Isle Adam griff Soliman II. 1522, weil der Orden den Pascha von Syrien gegen den Sultan mit Geschütz unterstützt hatte, Rhodus mit 300,000 Mann an. Tapfer wehrten sich die Johanniter, allein durch Verrath des Ordenskanzlers Andreas von Amaral wurde die Gegenwehr vereitelt, u. die Übergabe von Rhodus an die Türken erfolgte den 24. Octbr. 1522. Villiers ging am 1. Jan. 1523 mit 50 Fahnen Rittern nach Candia ab u. von da nach Sicilien u. Rom. Die Johanniter baten nun Karl V. um die Insel Malta, doch schienen die Bedingungen so drückend, daß die Johanniter lieber in Viterbo, wo ihnen Papst Clemens VII. ein Asyl einräumte, verweilten u. sich zu Syrakus u. Nizza ansiedelten, u. erst 1530 bekamen sie Malta, Gozzo, Comino, sowie Tripolis in Afrika als Lehn vom Kaiser, versprachen dagegen, ewigen Krieg gegen die türkischen Seeräuber zu führen, immer einen Italiener zum Capitän der Galeeren zu wählen, den König von Spanien stets als Patron über den Bischof von Malta anzuerkennen u. die neu erhaltenen Besitzungen an Neapel abzutreten, wenn sie Rhodus wieder erobert hätten. Sie bauten sich nun in Malta an u. nannten sich von da an Malteserritter. 1534 starb der Großmeister Villiers u. ihm folgten: Pierrino de Ponte, ein Italiener (st. 1535), Desiderius de St. Jaille (st. 1536), Johann d' Homedes, ein Spanier (st. 1553), Claudius de la Sangle (st. 1557), unter welchem Tripolis an Soliman II. verloren ging. Rachdem unter Johann de la Valette (st. 1568) der Sultan 1565 Malta vergebens vier Monate lang belagert hatte, befestigten nun die Ritter die Insel neu u. der Großmeister legte den Grund zur Stadt la Valette; sein Nachfolger, Peter del Monte (st. 1572), verlegte den Sitz des Ordens dahin u. nahm 1571 an der Schlacht von Lepanto Theil; seine Rachfolger waren: Joh. l'Evêque de la Cassière (st. 1582), Hugo de Lubeux de Verdalle (st. 1595), Martin Garcis (st. 1601); Alof de Vignacourt (st. 1622) nahm Lepanto u. mehrere andere Plätze u. schlug eine Seeexpedition der Türken, welche Malta 1606 überfallen wollte u. bereits bei Marsa Sirocco gelandet hatte, zurück; Ludwig Mentes von Vasconcellos (st. 1623) folgte; Anton von Poule (st. 1636) eroberte St. Mauro, verlor es aber bald durch eine Seeschlacht wieder an die Türken; Paul Lascaris Castellar (st. 1657), Martin de Redin (st. 1660), Annet de Clermont (st. ebenfalls 1660), Rafael Cotoner (st. 1663) u. dessen Bruder, Nikolaus Cotoner (st. 1680), Gregor Caraffa (st. 1690), unterstützte die Venetianer 1683–99 gegen die Türken bis zum Frieden von Karlowitz; unter Adrian von Vignacourt (st. 1697), Raimund Perellos (st. 1720), Marcus Anton Zoudodari (st. 1722), Anton Manuel de Vilhena (st. 1736), Raimund Despuig, einem Portugiesen (st. 1741), Em. Pinto de Fonseca (st. 1773), Franz Ximenes de Texada (st. 1775) u. Em. Rohan de Polduc (st. 1797) wurde die Politik der Malteser friedlicher.

Im Jahr 1798 wurde der letzte Großmeister, welcher in Malta residirte, Ferdinand von Hompesch, der erste Deutsche, gewählt; doch war er der Zeit nicht gewachsene u. unter ihm eilte der Orden vollends seinem Untergang entgegen. Bereits im 16. Jahrh. hatte der Orden nämlich durch die Reformation bedeutend gelitten; in England, welches eine besondere Zunge bildete, waren die Güter desselben 1537 von Heinrich VIII., sowie auch in den Niederlanden, in Schweden, Norwegen, Dänemark u. Ungarn gänzlich eingezogen worden; in Deutschland waren die Balleien Thüringen u. Sachsen, sowie das Heermeisterthum Brandenburg protestantisch geworden, bestanden aber als protestantische Provinzen des deutschen Ordenspriorats fort. In Folge der Revolution in Frankreich wurden dort alle Ordensgüter u. später, nach 1796, auch im nördlichen Italien eingezogen. 1798 erschien die französische Flotte unter Bonaparte auf dem Zuge nach Ägypten plötzlich vor Malta u. eroberte diese Insel 10. Juni dieses Jahres durch Verrätherei einiger Ritter. Hompesch ging nach Triest. Da der Kaiser Paul I. von Rußland aber die Übergabe der Insel laut mißbilligte, so wurden die Blicke des Ordens auf diesen Monarchen geleitet, u. man wählte ihn, da man das Großmeisterthum als erledigt betrachtete, den 16. Dec. 1798, jedoch, weil der Kaiser griechischer Confession war, nicht ohne Widerspruch des Papstes. Der Kurfürst Max Joseph von Pfalzbaiern hob deshalb den Orden 1799 in seinen Staaten völlig auf u. zog dessen Güter ein. Nach u. nach fand, bes. in Folge der Rheinbundacte u. des Friedens von Presburg 1805–07, die Einziehung der Güter des Ordens in allen Staaten Deutschlands u. des Continents von Italien Statt. Auch die Revolutionen auf der Pyrenäischen Halbinsel schadeten dem Orden wesentlich. Auch Preußen hob 1810 u. 1811 den ganzen Orden in seinen Staaten auf u. zog dessen Güter ein, u. der König stiftete dafür einen Gnadenordes gleiches Rameas (s. Johanniterorden). Die einzigen Trümmer des I-s waren außerdem noch das Großpriorat in Böhmen u. zwei dergleichen in Rußland; Sitz des Capitels war Catanea in Sicilien u. dort bestanden sie in den Kriegen 1804–15. Nach dem Tode des Kaisers Paul I. ernannte der Papst Ruspoli (st. 1803) zum Großmeister, dann I. Bapt. Tommasi (st. 1805) u. nach dessen Tode wurde der Bailli Caraccioli de S. Elmo zum Stellvertreter des Großmeisters gewählt u. von dem Papst bestätigt. Seit dem Tode des Großmeisters Tommasi ist ein solcher nicht wieder erwählt worden, sondern es wurden nur Stellvertreter desselben ernannt, der Kaiser von Rußland führte dagegen den Titel eines Protectors des Ordens. Im Frieden von Amiens wurde bestimmt, daß die Insel Malta, welche 1800 in die Hände der Engländer gekommen war, dem Orden wieder ausgeliefert werden sollte, aber die Engländer erfüllten diesen Artikel nicht. Daher blieb der 26. Artikel, des Entschädigungsplanes u. des Reichsdeputationsrecesses vom 25. Febr. 1803 unberücksichtigt, u. der Pariser Friede 1814 bestätigte den Briten den Besitz der Insel Malta. Der Friede von Amiens bestimmte auch, daß die Besitzungen des Ordens in Castilien u. Aragon künftig unabhängig von dem Großmeister in Malta sein sollten. Der Orden mußte sich daher ein neues Besitzthum suchen. Es gelang ihm, von Frankreich u. von den anderen Bourbonischen Höfen das Versprechen zu erlangen, daß man den ehemaligen Besitz des Ordens dann herausgeben wolle, wenn es dem Orden[23] gelänge, ein souveränes Besitzthum zu erlangen. Der Orden machte nun mehrere Versuche, von den Griechen eine Insel abgetreten zu erhalten, ohne jedoch zum Ziele zu kommen. Das Ordenscapitel befand sich bis 1826 zu Catanea auf Sicilien unter einem von ihm erwählten Generalstatthalter des Großmeisterthums, Andreas di Giovanni y Cantelles; der Papst verlangte es 1826 nach Ferrara u. berief 1834 die Ordensbehörden nach Rom, damit der Orden gänzlich päpstlich werde; seitdem hat das Capitel seinen Sitz in Rom. Karl Candida, seit 1834 Ordensstatthalter, suchte den Orden zu restauriren; aber auf den Plan, gegen den Sklavenhandel verwendet zu werden, ging der Orden nicht ein, sondern zog es vor, auf die Vermehrung seiner italienischen Besitzungen bedacht zu sein. 1839 genehmigte auch der Kaiser von Österreich, daß sich zur Erhaltung u. Beschützung des Ordens ein eigenes Lombardisch-venetianisches Priorat bilde, u. diesem Beispiele folgte in demselben Jahre der König von Neapel, indem er in seinem Staate den Orden vollkommen wiederherstellte. Indeß scheiterten mehrere Pläne des Ordens an der Politik der Großmächte, so die südwestlich von Terracina gelegene kleine Insel Ponza mit sicherem Hafen von dem König von Neapel zu erwerben, wo die Johanniter eine Quarantäne für die ganze westliche Küste von Italien unterhalten wollten; sowie auch der fernere, welchen man mit dem Eintritt des Erzherzogs Friedrich in den Orden verwirklichen zu können glaubte, eine Insel Dalmatiens an sich zu bringen; u. endlich der, in Palästina ein neues unabhängiges christliches Reich zu gründen u. dieses unter den Schutz der Johanniter zu stellen. Unter dem Nachfolger Candidas (st. 1845), dem Grafen Philipp v. Colloredo-Mels (geb. 1779), erhielt der Orden die Erlaubniß, auch in Toscana Comthareien zu errichten, welche ihm aber später wieder entzogen wurde. Gegenwärtig besitzt er noch etwa 100 Commenden, welche den 4 Großprioraten in Rom, Venedig, Neapel u. Prag untergeordnet sind; das Römische Großpriorat zählt 22 Rechts- u. 10 Juspatronatscommenden nebst 3 Priesterpfründen; das Lombardisch-venetianische zählt 9 Rechtscommenden, 19 Juspatronats- u. 1 kaiserliche Commende nebst 2 für Conventualpriester, überdies gibt es in Piemont 5 Rechtscommenden; das Sicilische Großpriorat zählt 10 Rechts- u. 3 Juspatronatscommenden nebst 1 Priesterpfründe; das Böhmische, welches allein noch von der deutschen Zunge übrig geblieben ist, außer der Ballei von St. Joseph zu Doschütz, 13 Rechts, 1 Juspatronats- u. 1 Priestercommende. Die als wirkliche Mitglieder des Ordens der Expectanten von Commenden eingeschriebenen Rechtsritter waren 1854 etwa 110 an Zahl; die Großkreuze ad boncres u. die Ehrenritter mit Einschluß der mit dem Johanniterkreuz decorirten vornehmen Damen, Wen 800. Der gegenwärtige Plan des Ordens ist, die Kriegsmacht des Kirchenstaates zu organisiren u. unter seine Leitung zu stellen u. so die militärische Vertheidigung des Heiligen Stuhles zu bilden Auch beabsichtigt man, in Jerusalem ein neues Hospiz zu erbauen.

Der I. zerfiel zur Zeit seiner Blüthe in drei Hauptklassen: a) Ritter, welche die Waffen führten; b) Gehorsamsbrüder, eigentliche Geistliche, welche Diakonen u. Caplane waren u. auf 10 Jahre angenommen wurden; c) Dienende Brüder (Waffenträger, Serventi d'armi), welche die Pilger geleiteten u. Kranke in den Spitälern warteten. Um Gerechtigkeitsritter (Cavallieri di giustitia) zu werden u. zu Ordensämtern zu gelangen, war Beweis des Adels, in Malta von 8, in Deutschland von 16 Ahnen nöthig; ausgenommen waren die natürlichen Söhne von Fürsten. Das Capitel konnte bei einigem Mangel von Ahnen dispensiren, u. solche Ritter hießen dann Gnadenritter (Cavallieri di gracia), sie konnten jedoch keine Ordensämter erhalten. Personen, welche Beistand u. Treue gelobten u. nach Belieben wieder zurücktreten konnten, hießen Donaten (Halbkreuze); sie trugen nur ein halbes Kreuz. Ein Ritter, welcher vier Feldzüge gegen die Türken gemacht u. sich fünf Jahre in Malta aufgehalten hatte u. deshalb fähig war, eine Comthurei zu bekleiden, hieß Capax. Jünglinge von 12–16 Jahren wurden als Pagen des Großmeisters angestellt (Minores). Mit dem 17. Jahre konnte der Novizenstand angetreten u. mit dem 18. Profeß gethan werden. Nachdem der Noviz unter entsprechender Ceremonie das Gelübde abgelegt harte, zum Ritter geschlagen, mit dem Keuschheitsgürtel gegürtet, mit dem geweihten Schwerte bewehrt u. mit den goldenen Sporen geschmückt, mit schwarzem Mantel, weißem Kreuz u. sonstiger Malteserkleidung angethan, u. ihm die große Schnur, an welcher alle Zeichen des Leidens Christi in Abbildungen befestigt waren, angehängt war, wurde er in die Herberge (das Capitelhaus) geführt, wo er Brod, Salz u. Wasser gereicht bekam u. von jedem etwas genoß. Bei dem Profeß der Geistlichen u. Dienenden Brüder fiel der Ritterschlag, das Anschnallen der Sporen etc. weg. Der neue Ritter mußte eine Summe von 125 Pistolen bezahlen, welche früher der Orden für die Reise nach Palästina od. nach Rhodus bekommen hatte, u. nun zunächst vier Karawanen (Kreuzzüge) gegen die Ungläubigen machen, von denen jede wenigstens ein halbes Jahr lang dauerte. Von der vierten konnte jedoch der Papst dispensiren. Der Orden nahm auch Protestanten u. im letzten Jahrhundert Personen von griechischer Confession auf. Ordenstracht: schwarz, mit einem weißen, leinenen, achtspitzigen Kreuz auf dem Mantel u. auf der Brust. Im Kriege sollten die Ritter einen rotyen Waffenrock mit schlichtem Kreuz auf der Brust u. dem Rücken tragen. Auch die Geistlichen u. Dienenden Brüder trugen das Kreuz, jedoch nur auf Erlaubniß des Großmeisters. Vornehmster Beamter des Ordens war der Großmeister des heiligen Hospitals zu St. Johann zu Jerusalem u. Guardian der Armen Jesu Christi. Er residirte zuletzt in la Valette auf Malta u. erhielt von auswärtigen Mächten den Titel Altezza eminentissima. Einkünfte: 6000 Scudi aus der Ordenskammer, nebst allen Gefällen von den drei Inseln; sie betrugen jährlich gegen 1 Mill. Gulden. Der Großmeister hatte das Capitel zur Seite, welches aus acht, aus den verschiedenen Zungen (s. unten) gewählten Abgeordneten bestand. Jeder derselben hatte eine u. der Großmeister zwei Stimmen. Außerdem hatten noch zwei der ältesten Ritter Sitz u. Stimme im Capitel. Aus den Abgeordneten wurden die Großmeister gewählt. Mitglieder des Capitels hießen Großkreuze sie hatten das Recht, ein größeres Ordenskreuz als die anderen Ritter zu tragen. Der I. war in acht folgende Zungen [24] Nationen), denen iene Abgeordneten vorstanden, getheilt: a) Provence, ihr Haupt, Großcomthur, war Präsident des Schatzes; b) Auvergne, ihr Haupt, Marschall, befehligte die Landtruppen; c) Frankreich, mit der Ballei Morea, ihr Haupt, Großhospitaliter, beaufsichtigte die Lazarethe; d) Italien, ihr Haupt, Admiral od. General der Galeeren (noch And wechselte jedoch dieses Amt); e) Aragon, Navarra u. Catalonien, ihr Vorstand, der Großconservator od. Drapierer, war Vicepräsident der Kammer; f) Deutschland, ihr Haupt, G. Goßprior, Großballey od. Johannitermeister, war Aufseher der Festungswerke von Civita vecchia u. Gozzo, Reichsfürst, hatte auf dem Reichstag Sitz u. Stimme u. residirte zu Heitersheim; sein Fürstenthum enthielt sechs Dörfer u. hatte eine eigene Ordensregierung. Zu diesem Großpriorat gehörten die Priorate in Deutschland, die Ballei Brandenburg, deren Haupt Heermeister (Herrenmeister) hieß, in Sonneburg residirte u. außerdem Ungarn, Böhmen u. Dänemark. g) Castilien mit Portugal, von dem Großkanzler repräsentirt; h) England, Vorstand der Turcopolier, welcher die Wachen u. die Reiterei beaufsichtigte. Nachdem diese Zunge schon unter Heinrich VIII. eingegangen war, wurde sie 1782 auf Antrag des Kurfürsten von Pfalz-Baiern durch die Zunge Baiern ersetzt. Schon 1773 waren dagegen i) die Besitzungen in Polen u. in Lithauen zu einem Großpriorat erhoben worden, welche später zu einer förmlichen russischen Zunge wurden. Jede Zunge zerfiel in mehrere Priorate, diese wieder in Balleien u. diese in Comthureien od. Commenden Man rechnete, daß vor der Französischen Revolution 3000 Malteser existirten. Wappen des Großmeisters u. des Ordens: ein silbernes, achteckiges Kreuz in rothem Feld, oben mit einer Herzogskrone u. von einem Rosenkranz umgeben; unten hing an demselben ein kleineres Malteserkreuz. Die Umschrift war: Pro fide. Vgl. Ptol. Veltronius, Statuta ordinis hosp S. Jo., Rom 1588, Fol.; Vertot, Histoire des Chevaliars hospitaliers de S. Jean, Par. 1726; P. Ant Paoli. Dell' origine ed instituto del sacro militar ordine di S. Giovan-Battista Gerosolimitano, Rom 1781; Niethammer, Geschichte des Maltheserordens nach Vertot, Jena 1792, 2 Bde.; Villeneuve-Bargemont, Monumens historiques des Grand-maîtres de l'ordre de St.-Jean de Jerusalem, Par. 1829, 2 Bde.; Falkenstein, Geschichte des I-s, Dresden 1833, 2 Bde.; Lambruschini, Ruolo delli cavalieri etc. ricevuti nella Lingua d'Italia del ordine Gerosol., 1843.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 22-25.
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