Hartmann

[67] Hartmann, 1) Sohn u. Liebling des Kaisers Rudolf I., Landgraf von Elsaß, war von seinem Vater zu seinem Nachfolger als deutscher Kaiser bestimmt, ertrank aber 1281 im Rhein, indem sein Schiff umschlug. 2) H. von der Aue, deutscher Minnesänger, geb. um 1170 in Schwaben, Ritter u. Dienstmann zu Aue (wohl einem schwäbischen Orte), wohnte vermuthlich 1197 einem Kreuzzuge bei u. st. vor 1220. Er schr.: Lieder (in der Manesseschen Sammlung u. in den von der Hagen herausgegebenen Minnesängern); Erec u. Enite (ein Gedicht aus dem Artuskreise, um 1190 gedichtet u. erst 1821, am letzten unter seinen Werken, wieder entdeckt), herausgegeben von M. Haupt, Lpz. 1839, neuhochdeutsch von Fistes, Halle 1851; Iwein (s.d.), gedichtet um 1200 u. bes. durch die Darstellung ausgezeichnet, herausgeg. von A. J. Michaeler, Wien 1787, 2 Bde., von Benecke u. Lachmann, Berl. 1827, 2. Aufl. 1843; Wörterbuch dazu von Benecke, Gött. 1833, neuhochdeutsch vom[67] Grafen W. Baudissin, 1845; Der arme Heinrich (Geschichte eines Aussätzigen, der durch die Aufopferung eines frommen Kindes geheilt wird), herausgeg. von Büsching, Zürich 1810, u. von W. u. J. Grimm, Berl. 1815, in Wackernagels altdeutschem Lesebuch von Lachmann, 1838, W. Müller, 1842, von Haupt, 1842; metrisch übersetzt von K. Simrock, Berl. 1830; Gregor vom Steine, eine Legende, einzeln herausgeg. in Greiths Spicilegium vatican., Frauenfeld 1838 u. von Lachmann, Berl. 1838. 3) H. von Starkenberg, Minnesänger; Lieder in der Manesseschen Sammlung. 4) Joh., geb. in Amberg; wurde 1591 Lehrer der Rhetorik u. Mathematik daselbst u. 1609 Professor der Chemie (der erste auf einer europäischen Akademie), später Leibarzt der Landgrafen zu Kassel u. st. 1631. Er schr.: Praxis chemiatrica, Lpz. 1633, u.ö. zuletzt Genf 1682 (deutsch Nürnberg 1678); Opera medico-practica, Frankf. 1664, auch 1690 (deutsch 1698). 5) Gottlieb David, geb. 1752 in Ludwigsburg u. st. 1775 in Mitau als Professor am dasigen Gymnasium; er schr.: Gedichte, Pförten 1777, 2 Thle.; Hinterlassene Schriften, herausgeg. von C. I. Wagenseil, Gotha 1779. 6) Joh. Dav., geb. 1761 in Aschersleben, war Prior des Klosters Amelunxborn u. Schuldirector in Holzminden; er st. 1801 u. schr.: Allgemeine Geschichte der Poesie, Lpz. 1797–98, 2 Bde.; Komische Erzählungen in Versen, Lemgo 1785; übersetzte Hesiods Schild des Herakles, ebd. 1794. 7) Joh. Georg August von H., geb. 1764; wurde 1788 Professor der Cameralwissenschaft an der Karlsschule in Stuttgart, 1794 Hof- u. Domänenrath bei der Rentkammer, 1806 Rath beim Oberlandesökonomiecollegium u. der Forstdirection, 1808 Oberfinanzrath, 1812 Staatsrath, späterwirklicher Geheimerath u. Präsident der Oberrechnungskammer, 1818 in Ruhestand versetzt u. 1849. Er schr.: Versuch einer geordneten Anleitung zur Hauswirthschaft, Stuttg. 1792; Zeitschrift für Forstwissenschaft, Kopenh. 1812, 2 Bde. 8) Ferd. August, geb. 1770 in Stuttgart, wurde 1807 Professor u. seit 1824 Director an der Malerakademie zu Dresden; er st. 1842; bekannt als Porträt- u. Historienmaler. 9) Georg Julius, geb. um 1772, trat 1789 als Cadet in die hannöversche Artillerie, wurde 1795 Premierlieutenant, 1803 Stabscapitän, 1804 Chef einer reitenden Batterie, 1806 Major, 1815 Oberst u. englischer Baronet, 1818 Generalmajor, 1832 Mitglied des Geheimerathscollegiums, 1833 Commandeur der Artilleriebrigade u. des Ingenieurscorps u. 1836 Generallieutenant. H. nahm schon 1793 an den Gefechten u. Schlachten bei Famars, Valenciennes, Wormhout, Hondscooten Theil, ging nach der Besetzung Hannovers durch die Franzosen 1803 nach England u. trat in die Deutsche Legion, an deren Expeditionen er Antheil nahm; begab sich nach dem ersten Frieden nach Flandern, commandirte die Artillerie der Deutschen Legion u. die in Hannover gebildete neue Artillerie, kämpfte als Befehlshaber von 5 Batterien bei Quatrebras u. Waterloo u. kehrte erst 1806 nach Hannover zurück. 10) Philipp Karl, geb. 1773 zu Heiligenstadt im Eichsfelde, prakticirte seit 1799 als Arzt in Wien, wurde dann Polizeibezirksarzt auf der Wieden, 1803 Physikus des k. k. Versorgungshauses zu Mauerbach bei Wien, 1806 Professor der Heilkunde am Lyceum zu Olmütz, 1811 Professor der allgemeinen Pathologie u. Pharmakologie an der Universität zu Wien u. 1829 provisorischer Professor der medicinischen Klinik u. speciellen Therapie am allgemeinen Krankenhause daselbst; er st. 1830 u. schr.: Analyse des Brownschen Systems, Wien 1802, 2 Thle.; Glückseligkeitslehre für das physische Leben des Menschen, Desf. 1808, 3. Ausg. Lpz. 1836; Die Theorie des ansteckenden Typhus, Wien 1812; Theoria morbi, Wien 1814, 2. A. 1828 (deutsch ebd. 1823); Pharmacologia dynamica, Wien 1816, 2 Bde., 2. Ausg. 1829; Der Geist des Menschen, Wien 1820, 2 Ausg. 1832. Er war auch seit 4819 Redacteur der Beobachtungen u. Abhandlungen österreichischer Arzte u. seit 1813 der medicinischen Jahrbücher des österreichischen Staates. 11) Anton Theodor, geb. 1777 in Düsseldorf, wurde 1799 Prorector in Herford, 1803 Lehrer in Oldenburg, 1811 Professor der Theologie u. Consistorialrath in Rostock u. st. 1837. Er schr.: Asiatische Perlenschnur, Berl. 1800 f., 3 Bde.; Die Hebräerin am Putztisch u. als Braut, Amsterd. 1809 f.; Wanderungen durch die biblisch-asiatische Literatur, Brem. 1808–20; Thesauri linguae hebraicae e Mischna augendi Partic. I–III Rostock 1826. 12) Karl Johannes, geb. 1790 u. st. am 27. Aug. 1849 in Stockholm als Provinzialarzt von Gefleborgs Län. Er schr.: Genera graminum in Scandinavia indigenorum, Ups. 1819; Handbok i Skandinaviens flora, Stockh. 1820, 4. Aufl. 1843; Husläkaren, 1828, 3. Aufl. 1835; Utkast till populär naturkunnighet, 1836; Utkast till botanologien eller wextläran i allmänhet, 4. Aufl. 1843; Swensk och Norsk excursions flora, 1846. 13) Karl Friedrich Alex., geb. 1796 in Zorge am Harz, besuchte die Bergschule in Clausthal, machte die Feldzüge von 1813–15 mit, studirte dann (u. später wieder von 1817–20) in Berlin, wurde 1816 Hüttenbeamter in Zorge, dann in Rübeland, bis 1835 Berg- u. Hüttenbeamter in Blankenburg, lebte hierauf in Braunschweig u. seit 1841 in Berlin; er schr. u.a.: Handwörterbuch der Mineralogie u. Geognosie, Lpz. 1825; Bearbeitung von Villefosse's Mineralreichthum, nebst Suppl., Weim. 1822–39, 5 Bde.; Handbuch der Mineralogie, ebd. 1828, 2. Aufl. 1843; Lehrbuch der Eisenhüttenkunde, Berl. 1833 u. 1834, 2 Bde.; Bearbeitung von Lyells Grundsätzen der Geologie, Quedlinb. 1831–33, 3 Bde.; 2. Aufl. Weim. 1841–42; Handbuch des Maschinen- u. Fabrikenwesens, Darmstadt 1837–40, 2 Bde.; Conversationslexikon der Berg-, Hütten- u. Salzwerkskunde u. ihrer Hülfswissenschaften, Stuttg. 1840 f., 4 Bde.; Bearbeitung von Walters u. Leblancs praktischer Eisenhüttenkunde, Weimar 1838, 2 Bde., 2. Aufl ebd. 1842, 1843, 4 Bde. Außerdem noch eine Menge anderer technischer, mineralogischer u. geologischer Schriften, übersetzte mehrere aus dem Englischen u. Französischen. 14) Anastasius, geb. 1803 in Altwys im Canton Luzern, trat 1821 in den Kapuzinerorden, war seit 1830 Lector der Philosophie in den Klöstern zu Freiburg u. Solothurn, bildete sich seit 1841 in Rom zum Missionär, ging 1843 nach Ostindien, wirkte zuerst als Missionspriester in Agra, dann in Gwalior, wurde 1845 Bischof von Derbe in partibus u. apostolischer Vicar in Patna. 15) Johann Pet. Emil, geb. 14. Mai 1805 in Kopenhagen, trieb Musik. u. studirte zugleich[68] seit 1822 daselbst die Rechte, verließ aber die juristische Laufbahn u. widmete sich ganz der Musik; er wurde Organist an der Garnison- u. 1842 an der Metropolitankirche, auch 1840 Professor der Musik an dem Conservatorium; er hat viel componirt, z.B. die Opern: Der Rabe, Klein Kirsten, Die Corsaren; die Melodramen: Die goldenen Hörner u. Das Juragebirg; außerdem Ouverturen, Märsche, Symphonien, Cantaten, Lieder etc. 16) Moritz, geb. 1821 in Lichtenstadt (im böhmischen Kreise Eger), studirte in Prag u. Wien, fühlte sich mit seinen Freiheitsideen in seinem Vaterlande nicht sicher u. lebte eine Zeitlang in Belgien u. Frankreich; 1847 kehrte er nach Österreich zurück u. wurde in eine Untersuchung verwickelt, welcher die Märzeignisse 1848 ein Ende machten. Er wurde der Führer der deutschen Partei in Prag, ging dann zum Vorparlament nach Frankfurt u. wurde nachher Deputirter für Leitmeritz im Parlament, wo er sich zur äußersten Linken hielt. Mit Fröbel u. Blum ging er im October 1849 nach Wien, verließ aber diese Stadt vor der Katastrophe u. lebte dann in England u. 1850–53 in Paris; 1854 war er als Correspondent für die Kölnische Zeitung auf dem Kriegsschauplatz in den Donaufürstenthümern, ging aber nach der Besetzung dieser Länder durch die Österreicher, im October d. J., nach Frankreich u. lebt seit Frühjahr 1859 in Hamburg. Er schr.: Kelch u. Schwert (Gedichte), Lpz. 1845, 3. Aufl. 1852; Neuere Gedichte, ebd. 1847; Reimchronik des Pfaffen Mauricius, Frkf. 1849, 5 Hefte; Der Krieg um den Wald (Roman), ebd. 1850; Adam u. Eva (Idyll), Lpz. 1851; Schatten, Darmstadt 1851; Tagebuch aus der Provence u. Languedoc, ebd. 1853, 2 Bde.; übersetzte auch mit Szarvady Petöfi's Gedichte, Darmst. 1852.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 67-69.
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