Kopenhagen

[699] Kopenhagen (dän. Kjöbenhavn, d.i. Kaufhafen, lat. Hafnia), 1) Amt auf der Insel Seeland; 22, 5 QM., 170,000 Ew.; 2) Hauptstadt des Königreichs Dänemark, der Insel u. des Stiftes Seeland u. des Amtes, an einem Busen des Sunds zum größern Theile (das eigentliche K.) auf der Ostküste der Insel Seeland, zum kleinern Theile (Christianshavn) auf der Nordwestspitze der kleinen Insel Amak. In dem, Amak von Seeland trennenden schmalen Meeresarm befinden sich der Kriegshafen, welcher 500 Schiffe faßt, Station der Flotte ist u. zwei Inseln (den alten u. neuen Holm, mit Seearsenal, Wersten u.a. Marinegebäuden) vor sich hat, u. der von diesem durch ein Pfahlwerk getrennte Handelshafen, in welchen jährlich gegen 8000 Schiffe einlaufen; eine Brücke schließt das Ganze; auf der Rhede liegen noch über 700 Schiffe. K. ist Residenz des Königs, Sitz der obersten Landesbehörden für Dänemark u. die Herzogthümer Schleswig, Holstein u. Lauenburg, des Stiftamtes, eines lutherischen Bischofs etc.; liegt in einer Ebene u. bekommt sein Süßwasser aus mehreren Seen; die Festungswerke sind beträchtlich u. bestehen in 25 Bastions, welche die Stadt umgeben, zwischen je zwei derselben zehn Ravelins, außerdem mehrere Außenwerke, zwei Batterien, um den Eingang des Hafens zu decken, Wassergraben, Citadelle, mit fünf Bastions u. drei Ravelins auf der Wasserseite u. einer Evantaille nach der Stadtseite, welche den Eingang des Hafens bestreichen. K. theilt sich in die Altstadt, Neu- od. Friedrichsstadt u. Christianshavn. a) Die Altstadt; in ihren zehn Quartieren sind: das königliche Residenzschloß Christiansborg 1794 durch Brand zerstört, aber fast ganz wieder hergestellt, mit Gemäldegallerie, Museum nordischer Alterthümer u. Ethnographischem Museum, davor Paradeplatz; das Thorwaldsensche Museum; ferner die Universitätsgebäude, das Vartouhospital, Waisenhaus (gestiftet 1727, mit Kirche, Apotheke, Buchhandlung etc.), Rathhaus, Frauenkirche (darin mehrere von Thorwaldsen entworfene u. theilweise auch ausgeführte Marmorgebilde), Dreifaltigkeitskirche (mit dem sogenannten runden Thurm, auf den man fahren kann u. auf den einst Christian V. der Sage nach mit einem sechsspännigen Wagen fuhr), auf der Plateform die Sternwarte, Heiligengeistkirche, Holmenskirche, Zeughaus, königliche Bibliothek, Bank u. Börse, Königsneumarkt, mit der Reiterstatue Christians V. u. der Kunstakademie (sonst Schloß Charlottenburg); die große Kaserne, der Botanische Garten, das alte Schloß Rosenburg mit Rittersaal, Medaillensammlung etc. u. schönem Garten (Königsgarten), welcher dem Publikum zu Spaziergängen geöffnet ist; die 2200 Ellen lange Gotherstraße; b) die Neu- (Friedrichs-) stadt; in ihr befinden sich: Citadelle Friedrichshafen, das allgemeine u. Friedrichshospital, Schloß Amalienburg, welches nebst noch drei anderen königlichen Palästen, den achteckigen Friedrichsplatz mit der metallenen Reiterstatue Friedrichs V. bildet; die vier Gebäude sind durch Colonnaden verbunden); c) Christianshavn, liegt auf der Insel Amak, ist 1618 angelegt u. mit K. durch drei Brücken verbunden, hat deutsche Friedrichskirche, Erlöserkirche, Erziehungshaus, Kasernen etc. Man treibt dort bes. die Gewerbe, welche auf Schifffahrt u. Handel Bezug haben, dort ist das große Seearsenal. Außerhalb der Festungswerke liegen noch die nach den vier Hauptthoren, vor welchen sie liegen,[699] benannten Vorstädte (zum Theil mit stattlichen Landhäusern); sie führen den Namen Brücken. K. ist schön gebaut, mit geraden, sich zum Theil rechtwinkelig durchschneidenden Straßen, von Kanälen durchzogen, hat 16 öffentliche Plätze, 16 Kirchen, unter denen 2 deutsch-lutherische, 1 reformirte (gemeinschaftlich für eine deutsche u. eine französische Gemeinde), 1 katholische, 1 Synagoge. Unterichts-, wissenschaftliche u. Kunstanstalten: K. besitzt eine Universität, gestiftet 1478 von Christian I., verbessert 1539 durch Christian III. u. Christian VI., 1859 1000 Studenten, mit Bibliothek, Museum für nordische Alterthümer, Ethnographischem Museum, Naturhistorischem Museum, Botanischem Garten, Anatomischem Theater u.a., ferner Militärische Hochschule, Land- u. Seecadettencorps, Gelehrte Schule, Veterinär- u. Landwirthschaftliche Hochschule, Polytechnische Lehranstalt, Thierarzneischule, Taubstummen- u. Blindeninstitut, Sonntagsschulen. K. besitzt mehrere gelehrte u. gemeinnützige Gesellschaften: Königlich Dänische Gesellschaft der Wissenschaften, Königlich Dänische Gesellschaft für vaterländische Geschichte u. Sprache zur Beförderung schöner Wissenschaften, für skandinavische Literatur, Königliche Gesellschaft für nordische Alterthumskunde, Isländische literarische Gesellschaft, ferner Gesellschaft zur Verbreitung der Naturlehre, Gesellschaft für Medicin, Landhaushaltung, Akademie der schönen Künste, Bibelgesellschaft; Bibliotheken (Königliche [s. oben], Universitätsbibliothek [s. oben] u. die Classensche von 34,000 Bänden, für Mathematik, Naturgeschichte, Reisen etc.), Sternwarte, Thorwaldsens von ihm hierher geschenktes Museum, Königliche Kupferstich-, Gemäldesammlung, Königliches Münz- u. Medaillencabinet, Königliches Kunstmuseum (in zwei Hauptabtheilungen, alte Zeit u. Mittelalter u. neue Zeit). Wohlthätigkeits- u. andere öffentliche Anstalten: viele Armenhäuser u. Hospitäler, namentlich das Friedrichshospital (für mehr als 400 Betten), das allgemeine Hospital, das Gebärhaus u. die Pflegestiftung, das Vartouhospital (für 428 Dürftige), Königliches Waisenhaus für 200 Kinder, mehrere Versorgungsanstalten, die den Namen Klöster führen, Gesellschaft für Rettung von Scheintodten u. Ertrunkenen. Industrie: Fabriken in Flachs, Tuch, Wolle u. Baumwolle, Handschuhen, Seidenbändern, Segel- u. Wachstuch, Tabak, Porzellan- u. Metallwaaren, ferner Zuckersiedereien, Bierbrauereien, Branntweinbrennereien, Ankerschmieden, Eisengießereien. Der Handel erstreckt sich über alle Erdtheile u. beschäftigt sich meist mit Spedition; er wird unterstützt durch die Nationalbank (131/2 Mill. Capital), Assecuranzgesellschaften (für Effecten u. Waaren, Seeassecuranz), Börse, Dampfschiffe nach Kiel, Lübeck, Norwegen, England, Frankreich u. mehreren Provinzialstädten etc. u. die Eisenbahn von K. über Roeskild nach Korsör. Die Bürger haben 1658 von Friedrich III. adelige Rechte, Ehre u. Freiheiten erhalten. Merkwürdig ist unter den Kirchhöfen der große Assistenzkirchhof vor dem Nordenthore. Vergnügungsorte: der Rosenburger Königsgarten, Tivoli, 3 Theater (das Königliche, das Casino- u. das Volkstheater) etc. Freimaurerlogen: Großer Orient von Dänemark, Zorobabel zum Nordstern, Friedrich zur gekrönten Hoffnung. Ein w.: 144,000, darunter 500 Reformirte, 700 Katholiken u. 2600 Juden. Im Amte K. sind die Luftschlösser: Friedrichsberg, wohin eine Allee führt, mit Park, Vergnügungsort der Kopenhagener, Charlottenlund, Orangeriegarten; ferner in der Nähe der Stadt K., aber nicht mehr im Amte gelegen: Friedrichsburg (Frederiksborg), Sommeraufenthalt des Königs, mit werthvoller Gemäldegallerie; brannte den 17. Dec. 1859 gänzlich nieder. Friedensburg (Fredensborg), u. Park Normansthal; Sorgenfrei; ferner der Thiergarten mit dem Jagdschloß Eremitage; Klampenborg, Wasserheil- u. Seebadanstalt; Lethraborg (s.d.).

Kopenhagen war im 12. Jahrh. noch ein Fischerdorf, wo der Besitzer, der Bischof Axel od. Absolon von Roeskild, ein Schloß anlegte u. diesem den Namen Axelhuus gab, weshalb K. auch zuweilen Axelstadt heißt. Später erhielt es wegen des lebhaften Handels den Namen K. Bald wuchs das Dorf durch Handel zum Flecken; das dortige Schloß erhielt den Namen Steileborg. 1204 erhielt K. vom Bischof Jens Grand Stadtgerechtigkeit. 1242 u. 1248 wurde K. von den Lübeckern eingenommen u. verbrannt; 1259 von dem rügischen Fürsten Jaromir u. dem Bischof Jens Bang erobert; 1292 vom König Erich Menved ummauert u. erweitert, da es zuvor nur durch Schanzen befestigt gewesen war. 1306 griffen es die Norweger vergebens an; 1308 wurde hier Friede zwischen Dänemark u. Norwegen geschlossen; 1360 u. 1372 wurde K. von den wendischen Hansestädten angegriffen u. geplündert, einen neuen Angriff zur See wies sie aber 1418 ab. 1422 gab ihr König Erich der Pommer erneuerte Privilegien. 1443 brachte König Christoph III. K. durch Tausch vom Bischof an sich. Dieser König nahm seine Residenz in K., seit welcher Zeit dieselbe immer daselbst geblieben ist. 1523–24, in dem Bürgerkrieg zwischen Friedrich I. u. Christian II., wurde die Stadt belagert u. ausgehungert; 1531 Bildersturm in der Liebfrauenkirche u. Einführung der Reformation; den 1. Juli 1533 hier Unionsvertrag zwischen Dänemark u. Schleswig-Holstein; 16. Juli 1534 von den Lübeckern unter Graf Christoph von Oldenburg (Christians II. Partei) besetzt, aber von Christian III. 1535 eingeschlossen u. 29. Juli 1536 durch Capitulation genommen, s. Dänemark (Gesch.) III. B). Christian IV. ließ die Wälle gegen Osten niederreißen, u. um die Stadt zu erweitern, legte er auch auf der Insel Amakjenseit des Hafens von K. den Christianshavn an. 1658–1660 wurde es von den Schweden belagert. Christian V. erweiterte K. gegen Westen; 1665 legte Friedrich III. die Citadelle an. 1700 wurde es von den Engländern, Schweden u. Holländern bombardirt, s. ebd. (Gesch.) IV. A). Im Anfange des 18. Jahrh. trug die Ansiedelung vieler französischer Refugiés auch zum Emporkommen der Stadt bei, bes. wuchs sie aber seit 1775–1807, seit welchem letzteren Jahre ihr Wohlstand wieder etwas gesunken ist. 2. April 1801 bei K. Seesieg Nelsons mit der britischen Flotte über die dänische unter Admiral Fischer, s. Dänemark (Gesch.) IV. A). 2. bis 5. Septbr. 1807 Bombardement durch die Engländer, worauf die dänische Flotte fortgeführt wurde. Große Brände: 1728 (der größte Theil der Stadt, 5 Kirchen, die Universität u. 640 Häuser), 1794 (das Schloß u. 934 Häuser), 1795, 1807 u. 20. December 1856 großer Speicherbrand. 1845 u. 1857.- skandinavisches Fest der Normänner, Lunder u. Upsalaer Studenten. Vom Januar 1856 bis März 1857[700] Sundzollconferenzen von den Bevollmächtigten der fünf Großmächte, Spaniens, Hollands, Schwedens u. Norwegens, der Hansestädte, Oldenburgs, Mecklenburgs u. der Vereinigten Staaten von Nordamerika; am 14. März 1857 Unterzeichnung eines Vertrages der betheiligten Mächte über die Aufhebung des Sundzolles (s.d.). Vgl. Hauber, Beschreibung von K. u. der königlichen Luftschlösser, Kop. 1770, 3. Aufl. ebd. 1782; I. F. Lange, Abbildung u. Beschreibung von K., Berl. 1786; R. E. Nierup, Beschreibung von K., aus dem Dänischen von M. Möller, Kop. 1807, u. Aufl. ebd. 1818; G. L. Lahde, Der Brand in K. am 5. Juni 1795; F. Münter, Die Belagerung von K. im Sommer 1807, ebd. 1807; G. L. Lahde, Topographisch-historische Ansicht der Belagerung von K. im Jahre 1807, ebd. 1807; K. u. seine Umgebungen, Lpz. 1850.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 699-701.
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