Berzelĭus

[663] Berzelĭus, Johann Jakob v. B., geb. am 20. August 1779 in Westerlösa od. Bjälbo im Kirchspiel Wafnersunda, unweit Linköping in Ostgothland (Schweden); er besuchte erst das Gymnasium in Linköping u. studirte 1796–1798 Chemie in Upsala. 1803 wurde er Suppleant des Professor Spaurnau in Stockholm, welcher Medicin, Botanik u. Pharmacie vortrug, u. 1806 dessen Nachfolger. Sein Cursus über Chemie galt als Muster für alle Hochschulen Europas 1807 begründete er die schwedische Gesellschaft der Ärzte, wurde 1808 Mitglied der Stockholmer Akademie, 1810 deren Vorstand u. 1818 deren beständiger Secretär. Bei Gelegenheit der Thronbesteigung Karls XIV. Johanns, 1818, wurde B. in den Freiherrnstand erhoben, übergab 1832 seine Professur seinem Schüler Mosander, widmete sich von nun an ohne Unterbrechung seinen Untersuchungen u. st. den 7. Aug. 1848. Die Eisenwerksbesitzer Schwedens hatten ihm in Anerkennung seiner Verdienste um die scandinavische Eisenindustrie eine lebenslängliche Pension ausgesetzt. Er entdeckte die Grundstoffe Thor, Cen, Selen, Silicium, Tantal u. Zirkon, stellte die metallische Natur des Ammoniums, die sauren Eigenschaften der Kieselerde, die Verbindungsverhältnisse des Schwefels mit dem Platin, Phosphor etc. fest u. untersuchte die Salze der Schwefelsäuren, die Flußsäure u. die Fluormetalle. B. begnügte sich nicht, die Chemie allein auf die von dem Chemiker dargestellten Verbindungen anzuwenden,[663] sondern er stellte ein chemisches Mineralsystem auf u. vereinigte Mineralogie u. Chemie dergestalt, daß für ihn erstere nur ein Theil der Chemie war, eine Ansicht, die von den deutschen Mineralogen nicht getheilt wird. Der wichtigste Dienst, welchen B. der Chemie erwies, ist die Ausbildung der Lehre von den chemischen Proportionen. Seine elektro-chemische Theorie ist zwar in neuerer Zeit in ihren Grundfesten erschüttert worden, aber um die organische Chemie hat B. sich große Verdienste erworben; seine Untersuchungen über die Galle, das Blut etc. haben zur Ausbildung der Zoochemie wesentlich beigetragen u. für ähnliche Forschungen Vorbilder abgegeben. Seine Mineralanalysen stehen als Muster da, u. die Anwendung des Löthrohrs zur Mineralanalyse hat wesentlich zum Aufschwung der mineralogischen Chemie beigetragen. Von B-s hervorragendsten Schülern sind zu nennen: Mitscherlich, Chr. Gmelin (in Tübingen). H. u. G. Rose (in Berlin), Wöhler (in Göttingen), Magnus (in Berlin), Naumann (in Leipzig). Er schr.: Nova analysis aquarum Mediviensium, 1800; Abhandlung über die Einwirkung des Galvanismus auf organische Körper, 1801; Nägra underrättelaer om artific. mineralwatten, 1803; Foreläsningar i djurkemien, 1806–8, 2 Bde.; Afhandlingar i fysik, kemie och mineralogie, 1806–1818; Larbok i kemien. Stockh. 1808–18, 3 Bde., 2. A. 1817–30, 6 Bde. (fast in alle Sprachen übersetz deutsch von Blöde, Dresd. 1825–31, 4 Bde., 3. A. von demselben u. Palmstedt, vom 3. Bde. an von Wöhler, 1827–33; 5. A. 1843–47, 10 Bde.; Auszug von Schwarze, Qued. 1832–43, 4 Bde.); Ofversigt on djurkemiens framsleg, 1812 (deutsch von Siegwart); Die Zusammensetzungen der thierischen Flüssigkeiten (deutsch von Schwigger-Seidel, Nürnb. 1815); Versuch durch Anwendung der elektro-chemischen Theorie ein System der Mineralogie zu begründen (deutsch von Gahlen, 1815); Neues System der Mineralogie (deutsch von Gmelin u. Pfaff, 1816); Über die Theorie der chemischen Proportionen (deutsch von Blöde, Dresden 1820); Om olasrörets användande i kemien och mineral., 1820 (deutsch von Rose, 1821, 4. A. 1844); Über die Zusammensetzung der Schwefelalkalien (deutsch von Palmstedt, 1822); Neue Untersuchungen der Mineralwasser von Karlsbad, Teplitz u. Königswart, übers. von Rosse, herausgeg. von Gilbert, Lpz. 1823 u. 1824. Er gab heraus: Jahresber. üb. die Fortschritte der phys. Wissenschaften, 1.–27. Jahrg. (übers. von J. G. Gmelin u. F. Wöhler, Tüb. 1822–47), fortgesetzt von Svanberg.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 663-664.
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