Schmelztiegel

[318] Schmelztiegel, 1) Gefäß zum Schmelzen von Metallen od. zur Bereitung chemischer Präparate. Man nennt sie feuerfest, wenn sie den höchsten Hitzegrad ertragen, ohne zu schmelzen od. zu reißen. Feuerfeste S. fertigt man: a) aus Chamotte (s.d.) u. etwas frischem, feuerfestem Thon; b) aus feuerfestem Thon u. Sand; sie werden bes. zu Großalmerode in Hessen (Hessische od. Almeroder S.) aus gleichen Theilen Sand u. Thon gefertigt, sind nach unten verjüngt u. an der Mündung dreieckig; sie heißen auch Satztiegel, da 5–6 in einander stehend einen Satz bilden; c) aus 1 Theil feuerfestem Thon u. 3 Theilen Graphit (Graphittiegel, Ipser od. Passauer S.); diese nach unten verjüngten u. an der Mündung runden od. dreieckigen Tiegel sind zwar äußerst schwer schmelzbar (feuerbeständig), jedoch im offenem Feuer verbrennlich; sie eignen sich vorzüglich für Metalle, aber nicht zum Schmelzen von Salzen, welche durch die sehr poröse Masse hindurchfließen; d) aus Platin für chemische Zwecke; diese eignen sich nicht für Metalle, welche sich mit Platin legiren u. dasselbe durchlöchern, eben so zerstörend wirken schmelzende Alkalien, glühender Kohlenstoff, freies Chlor. Weniger feuerfeste S. fertigt man aus Pfeifenthon u. Talkerde, oft mit etwas Glas, Glätte od. Gyps, an einigen Orten in Hessen, in Waldenburg, Böhmischbrod etc.; ferner für chemische Zwecke aus Eisen, Silber u. Porzellan, letztere in Meißen, Elgersburg, Charlottenburg etc. Die von den Metallarbeitern benutzten S. heißen je nach der Größe Rothgießer (mit seitlichem Ausguß), halbe Rothgießer, Nößelte (Nößeltiegel) u. Halbe Nößelte. Oft stürzt man über den Inhalt eines Tiegels einen Decktiegel, od. füttert den Tiegel mit einem Brei von Stärkekleister u. Kohlenpulver aus (Kohlentiegel). Die irdenen S. werden auf der Töpferscheibe geformt, oft auch in einer Maschine gepreßt, indem ein Kern in die mit Thon versehene Form durch Hammerschläge od. durch eine eiserne Preßschraube eingetrieben wird; sie werden dann in einem Schmelztiegelofen gebrannt. An manchen Orten bilden die Verfertiger von feuerfesten S., Retorten, Muffeln etc. eine Innung der Schmelztiegelbrenner. Der Handel mit Passauer u. Hessischen S-n erstreckt sich auf Europa u. Amerika. 2) Der Tiegel an einem Schmelzofen, worin sich das geschmolzene Metall sammelt; 3) ein schmiedeeiserner, mit Sand u. Thon gefütterter Einguß für das geschmolzene Kupfer.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 318.
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