Pottasche

[441] Pottasche (Potasche, Potassa, sonst Alumen catinum), aus Pflanzenaschen dargestelltes unreines kohlensaures Kali. Die meiste P. wird aus Holzasche gewonnen, u. in den Gegenden, wo das Holz wenig Werth hat, wie an manchen Orten Nordamerikas u. Rußlands, dasselbe zum Zweck der Pottaschefabrikation verbrannt; auch benutzt man die Asche, welche sich in den Aschenräumen der Feuerungen ansammelt, dazu. Bes. reich an kohlensaurem Kali ist die Asche mancher krautartigen Binnenlandpflanzen, u. man hat sogar hier u. da solche Pflanzen für die Darstellung von P. angepflanzt, doch wird dadurch bald der Boden, sowohl für diese, als auch für andere Pflanzen erschöpft. Vortheilhaft dagegen ist die Verwendung der an den Landstraßen, auf Schutthaufen u. an anderen Orten wildwachsenden kalireichen Pflanzen. Im Allgemeinen liefert eine Pflanze um so mehr P., je saftreicher sie ist, denn nur im Pflanzensaft sind die Kalisalze (oxalsaures, weinsaures etc. Kali) enthalten, welche beim Verbrennen kohlensaures Kali geben. Krautartige Pflanzen geben mehr P. als Sträucher, u. diese mehr als Bäume, die Zweige u. Blätter mehr als der Stamm. 1000 Theile Fichtenholz liefern 0,45, Pappelholz 0,75, Buchenholz 1,45, Eichenholz 1,53, Buchsbaumholz 2,26, Weidenholz:2,85, Weizenstroh 3,90, Rinde von Eichenästen 4,20, Disteln 5,00, Wollgras 5,00, kleine Binse 5,08, Weinrebe 5,50, Gerstenstroh 5,80, trockne Buchenrinde 6,00, Farrnkraut 6,26, Große Binse 7,22, Maisstängel 17,50, Kuhdistel 19,90, Bohnenstängel 20,00, Sonnenblumenstängel 20,00, Brennnesseln 25,03, Wickenkraut 27,50, Disteln 35,37, trockene Weizenstängel vor der Blüthe 47,00, Wermuthkraut 73,00, Erdrauchkraut 79,00. Ebenso liefern Tabaksstängel, Kartoffelkraut, Kastanien, Ginster, Haidekraut, Sauerampher, Rainfarrn, Runkelrübenblätter u.a.m. P. Der Aschengehalt der Hölzer ist im Mittel 1,5 Procent. Nimmt man beispielsweise das Gewicht eines Baumes im lufttrocknen Zustande zu 5000 Pfd. an, so wird er beim Verbrennen 75 Pfd. Asche liefern, aus welcher etwa 13 Pfd. P. gewonnen werden. Bei der Darstellung der P. wird die Asche gesiebt, mit Wasser angefeuchtet, in einen hölzernen Kübel mit Siebboden mäßig fest eingestampft u. durch Aufgießen von anfangs kaltem, dann heißem Wasser ausgelaugt, wobei man die verdünnten Laugen zum Auslaugen neuer Asche verwendet. Man verfährt dabei so, daß die Laugenfässer terrassenförmig über einander stehen u. die schwache Lauge des oberen Fasses in das darunter stehende läuft, bis die Lauge gehörig concentrirt u. siedewürdig geworden ist, wobei sie 20 Procent P. nach dem Aräometer enthalten muß. Die Laugen werden nun in eisernen Vorwärmern u. Siedepfannen abgedampft, in welche fortwährend neue Lauge zufließt. Man setzt das Abdampfen so lange fort, bis die Flüssigkeit zu einem braunen Syrup geworden ist; alsdann dampft man zur Trockne ein u. erhält so die rohe P. (Pottaschenfluß, Ochras, Okras), eine braune, an der Luft zerfließliche Salzmasse. Diese rohe P. kommt nicht in den Handel, man braucht sie nur in Glashütten u. Salpetersiedereien; die ausgelaugte Asche, Treibasche, welche, in den Laugenfässern zurückbleibt, dient als Dünger für lehmigen Boden u. feuchte Wiesen, wird auch, Glashütten zur Darstellung des grünen u. schwarzen Glases benutzt. Die rohe P. wird nun calcinirt. Dies geschah früher in eisernen Töpfen (Potten, daher der Name P.), jetzt dienen dazu bes. eingerichtete Flammenösen (Calcinirösen), deren Herd 10 bis 12 Fuß lang u. 4 bis 5 Fuß breit ist. Man bringt die rohe P. in den angewärmten Ofen (bei den angegebenen Dimensionen des Ofens 400 bis 500 Pfd. P.) u. erhitzt sie darin unter häufigem Umrühren mit eisernen Krücken; man verstärkt die Hitze allmälig, bis die P. hell glüht u. eine herausgenommene Probe keine kohligen Theile mehr zu erkennen gibt; alsdann zieht man sie aus dem Ofen u. läßt sie erkalten. Die calcinirte P. ist eine weiße, feste Salzmasse, zuweilen etwas bläulich (Perlasche) od. mit bläulichen u. grünlichen Flecken, von Manganoxyd herrührend, wie die Danziger u. die Russische P., theils durch Eisenoxyd röthlich gefärbt. Sie schmeckt scharf laugenartig, zieht an der Luft Wasser an u. zerfließt, weshalb sie in gut verschlossenen Gefäßen an trockenen Orten aufbewahrt werden muß. Beim Auflösen in Wasser bleibt stets ein Rückstand von Kieselerde, welcher aber möglichst gering sein muß. Der Gehalt an kohlensaurem Kali schwankt sehr; so enthält die Kasan'sche P. 78,00, Toscanische P. 74,1, Amerikanische P. 71,4, Röthliche amerikanische P. 68,0, Russische P. 69,9, P. aus den Vogesen 38,6, P. von Helmstedt 49,0 Proc. kohlensaures Kali. Außerdem enthält die P. größere od. geringere Mengen schwefelsaures Kali, Chlorkalium u. kohlensaures Natron, von schwefelsaurem Kali durchschnittlich 13–17 Proc., P. aus den Vogesen sogar 38,8 u. P. von Helmstedt 40,5 Proc. Der Gehalt an kohlensaurem Natron ist niemals bedeutend, Toscanische P. enthält 3,0, Röthliche amerikanische P. 5,8, Russische P. 3,1. Doch wird der P. betrügerischer Weise Soda zugesetzt, weil diese wesentlich billiger ist als P. Von Chlorkalium enthält die Kasan'sche P. 3,0, die Toscanische 0,9, Amerikanische P. 3,6, Röthliche amerikanische P. 8,1, Russische P. 2,1, P. aus den Vogesen 9,1, P. von Helmstedt 10,0. Durch das Calciniren wird etwas Kohlensäure ausgetrieben, so daß die calcinirte P. auch einen Theil ätzendes Kali enthält; Metalloxyde, welche in der Asche enthalten waren, oxydiren sich höher u. färben die Masse. Eisenoxyd bedingt eine röthliche, Manganoxyd durch die Bildung von mangansaurem Kali eine blaue u. grüne Färbung. Die Untersuchung einer P. auf ihren Gehalt an kohlensaurem Kali erfolgt durch die Alkalimetrie (s.d.). Für Zwecke, wo der Gehalt der P. an schwefelsaurem Kali u. Chlorkalium unerwünscht od. nachtheilig ist, wird die P. gereinigt. Man übergießt die P. mit dem doppelten Gewicht kalten Wassers u. läßt sie unter öfterem Umrühren einige Zeit stehen; dabei lösen sich das kohlensaure Kali, Chlorkalium u. kieselsaure Kali; das schwefelsaure Kali u. die erdigen Bestandtheile bleiben im Rückstand. Die Lösung wird in einem eisernen Kessel zur Trockne eingedampft u. mit dem gleichen Gewicht Wasser übergossen, wobei die Kieselerde zurückbleibt; die Lösung wird, nachdem sie einige Tage gestanden hat, wiederum zur Trockne verdampft. Durch öfters wiederholtes Auflösen in Wasser u. Eindampfen der Lösung kann die Reinigung weiter getrieben werden. Aus der Melasse der Runkelrübenzuckerfabriken läßt sich P. gewinnen, indem man den Zucker durch Gährung in Alkohol verwandelt, abdestillirt u. den Rückstand calcinirt. Man gewinnt so einen an Natronsalzen reichen Pottaschenfluß;[441] um daraus eine an Kali reichere P. zu gewinnen, wird er mit Wasser ausgelaugt, bis 40° B. eingedampft, worauf schwefelsaures Kali u. ein Theil des Chlorkaliums auskrystallisiren, dann bis 45° B., wo das Chlorkalium u. endlich bis 50° B., wo ein Doppelsalz von kohlensaurem Kali u. kohlensaurem Natron auskrystallisirt. Die Mutterlauge liefert beim Eindampfen u. Calciniren P. Nach einem in England patentirten Verfahren von Maumené u. Rogelet läßt sich auch aus dem Schweiße der Schafwolle P. gewinnen; man laugt die Wolle mit kaltem Wasser aus, dampft die Flüssigkeit ab, glüht den Rückstand u. reinigt ihn durch wiederholtes Auflösen u. Abdampfen. 1000 Kilogramme rohe Wolle sollen auf diese Weise 140 bis 180 Kilogramme trockenes Kalisalz u. dieses durch Calciniren u. Auslaugen ungefähr die Hälfte seines Gewichts P. liefern. Aus sein zerspaltenem Hol; od. aus Sägespänen kann nach Rogers Entdeckung durch Auswaschen mit kohlensaurem Wasser alle P. gewonnen werden; man erhält so eine größere Menge P. als durch Verbrennen. Aus den Weinlagen verfertigt man in der Bourgogne die sogenannte Weinhefenasche (Drusenasche), eine ziemlich reine P.; weniger rein ist die aus Weintrestern dargestellte P., die sogenannte Waidasche, wie sie am Rhein gewonnen wird. Die P. kommt hauptsächlich aus Ungarn, Böhmen, Illyrien, Rußland, Polen, Italien u. Amerika. Die Nordamerikanische P., gewöhnlich Perlasche genannt, wird vorzüglich aus verschiedenen Arten von Nußbäumen gewonnen. In Frankreich u. Deutschland wird bes. aus der Runkelrübenmelasse P. erzeugt. Man bezieht sie von Triest, Pesth, Wien, Krakau, Warschau, Danzig, Stettin u. Hamburg. Sie wird in Fässern verpackt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 441-442.
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