Landau [1]

[94] Landau, 1) Bezirksamtsstadt im bayr. Regbez. Rheinpfalz, an der Queich, Knotenpunkt der Linien Neustadt a. H.-Weißenburg, L.-Zweibrücken u.a. der Pfälzischen Eisenbahn, 188 m ü. M., bis 1870 Festung, hat eine gotische evang. Kirche (von 1285), die Katharinenkapelle (1344 erbaut, jetzt Kirche der Altkatholiken), ein vormaliges Augustiner-Eremitenkloster mit gotischer Kirche von 1405 (früher Zeughaus, seit 1893 Kirche der Katholiken), ein vormaliges Chorherrenstift der Augustiner oder »Steigerherren« (1276 gegründet, mit Chorherren von der Zaberner »Steige« besetzt, jetzt Bierbrauerei), eine Synagoge, einen monumentalen Brunnen mit dem Reiterstandbilde des Prinz-Regenten Luitpold und (1900) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 18, ein Infanteriebataillon Nr. 23 und 2 Feldartillerieregimenter Nr. 5 und Nr. 12) 15,621 Einw., davon 6814 Katholiken und 874 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf Bierbrauerei, Eisengießerei und Maschinenbau, Pastetenbäckerei, Fabrikation von Schirmen, Gas- und Wasserleitungsustensilien, Drahtsieben, Hüten, Uhren, Möbeln, Leder, Seife etc.; auch hat L. Handelsgärtnerei, Obst- und Weinbau. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle und andre Geldinstitute, ist besonders bedeutend in Wein und Tabak, auch finden alle 14 Tage bedeutende Viehmärkte hier statt. L. hat ein Gymnasium, Realschule, Präparandenschule, landwirtschaftliche Winterschule, ein Waisenhaus, ein Theater und ist Sitz des Kommandos der 3. bayrischen Division, der 6. Infanterie- und der 3. Feldartilleriebrigade, eines Landgerichts und eines Hauptzollamts. Zum Landgerichtsbezirk L. gehören die 6 Amtsgerichte zu Annweiler, Bergzabern, Edenkoben, Germersheim, Kandel und L.-L., 1224 vom Grafen Friedrich von Leiningen gegründet, wurde 1274 Reichsstadt und stand seit 1290 unmittelbar unter dem König. 1317 ward es von Ludwig dem Bayer an Speyer und 1331 zugleich an die Pfalz verpfändet und erlangte erst 1511 wieder seine volle Reichsfreiheit, worauf es 1521 der Landvogtei des Unterelsaß überwiesen wurde.

Wappen von Landau.
Wappen von Landau.

Die Reformation fand 1522–54 in L. Eingang. Trotz seiner starken Befestigung fiel L. im Dreißigjährigen Krieg achtmal in die Hände feindlicher Kriegsvölker. Durch den Westfälischen Frieden trat der Kaiser die Reichsvogtei über zehn elsässische Städte, darunter L., an Ludwig XIV. ab, unter ausdrücklichem Vorbehalt der Unabhängigkeit und Reichsunmittelbarkeit derselben. Indessen wurde L. nach dem Nimweger Frieden (1678) von Ludwig XIV. besetzt und 1688 der Bau der Festung nach Vaubans Angaben begonnen; dieselbe wurde im Laufe des 18. Jahrh. von den Franzosen und im 19. vom Deutschen Bund wesentlich erweitert. Während des Spanischen Erbfolgekriegs wurde L. viermal (1702 und 1704 von den Kaiserlichen, 1703 und 1713 von den Franzosen) nach regelrechter Belagerung erobert. Im Frieden von Rastatt kam die Stadt an Frankreich, im zweiten Pariser Frieden (1815) an Österreich, das sie 1816, nachdem sie zur Bundesfestung erklärt war, an Bayern abtrat. 1867 wurde der Abbruch der Außenwerke der Südfronten und der detachierten Vorwerke beschlossen und L. zum »festen, sturmfreien Depotplatz« erklärt, 1871 aber die völlige Aufhebung der Festung verfügt. Vgl. Lehmann, Geschichte der ehemaligen freien Reichsstadt L. (Neust. a. d. Hardt 1851); Jost, Interessante Daten aus der 600jährigen Geschichte der Stadt L. (Landau 1879); Heuser, Die Belagerungen von L. in den Jahren 1702 und 1703 (das. 1894) und Die dritte und vierte Belagerung Landaus im Spanischen Erbfolgekrieg, 1704 und 1713 (das. 1897).

2) (L. an der Isar) Bezirksamtsstadt im bayr. Regbez. Niederbayern, an der Isar, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Landshut-L. Rosenheim-Eisenstein und L.-Arnstorf, 395 m ü. M., hat eine evangelische und 4 kath. Kirchen, ein Institut der Englischen Fräulein mit Erziehungsanstalt, Amtsgericht, Forstamt, großes Getreidelagerhaus, Bierbrauerei und (1900) 3205 meist kath. Einwohner. L. wurde 1224 zur Stadt erhoben und 1743 von den Österreichern fast ganz niedergebrannt. Vgl. Härtl, Geschichte der Stadt L. a. d. Isar (Landsh. 1863). – 3) Stadt im Fürstentum Waldeck, Kreis der Twiste, an der Watter, hat eine evang. Kirche, ein Schloß und (1900) 857 Einw.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 94.
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