Hofdienst in Salzburg

[623] Der Vater, der sich nach all den ausgestandenen Sorgen nunmehr am Ziel seiner Wünsche sah, ließ es an einem warmen Empfang nicht fehlen. Ein bequemer, neuer Legeschrank für die Kleider stand in Wolfgangs Zimmer bereit, ebenso das alte Clavichord, auch hatte die Köchin Theresel für Kapaunen, sein Leibgericht, in Menge gesorgt. Der Obersthofmeister Graf von Firmian (S. 437) hatte ihm schon seine Pferde antragen lassen, ebenso der befreundete Dr. Prex sein schönes »Bräundl«; auch zahlreiche andere Freunde gaben ihm zu erkennen, daß sie seine Wiederkehr mit Freude und Genugtuung begrüßten. Und endlich tat ihm die Gesellschaft des Bäsles besonders wohl, die er sich auf einige Wochen erbeten hatte. Die schweren Münchner Tage hatten die alte derbe Liebelei in ein inniges Vertrauensverhältnis umgewandelt. Schon daß ihn das Bäsle nach Salzburg begleitete, hatte seinen Mut bedeutend aufgerichtet. Freilich hatte Maria Thekla bereits in München einsehen müssen, daß für sie nur die entsagungsvolle Rolle der Trösterin und Beschützerin übriggeblieben war, und daß sie alle etwa auf den Vetter gesetzten zarten Hoffnungen begraben mußte. Aber das tapfere Mädchen verstand es, sich zu bezwingen und ist Wolfgang in den ödesten ersten Salzburger Wochen eine treue Stütze gewesen.

Einer solchen bedurfte es allerdings dringend, denn sein Verhältnis zu seinem Vater hatte sich nach allem, was während des letzten Jahres zwischen ihnen beiden vorgefallen war, doch merklich verändert. Nicht als ob seine alte herzliche Hochachtung vor dem Vater nachgelassen hätte. Aber die Pariser Kämpfe hatten ihn innerlich reifer und damit kritischer gemacht, und außerdem hatte er gerade bei seinen sehnlichsten Herzenswünschen, bei seiner Liebe zu Aloysia und seinem Widerwillen gegen Salzburg, in dem Vater seinen schroffsten Gegner gefunden. Der empfindliche und gereizte Ton in den Briefen beider war ein neues, bedenkliches Anzeichen, und auch an Beweisen mangelnder Offenheit hatte es weder der Vater noch der Sohn fehlen lassen, jener aus Berechnung, dieser aus innerer Gewissensnot. Die Angelegenheit mit der Weberin war ja nun freilich durch diese selbst in des Vaters Sinne erledigt, aber die Abneigung gegen die ihm von diesem aufgezwungene Stellung in Salzburg blieb unvermindert bestehen und ließ im Herzen des Sohnes auch gegen den Vater einen Stachel zurück, den selbst[624] die innigste Kindesliebe und der anerzogene Gehorsam nicht zu beseitigen vermochten. Zu dem Kampfe mit der äußeren Welt und mit dem Erzbischof insbesondere gesellte sich nun ein schleichender Konflikt mit dem Vater, und da dieser mit den Jahren immer unbeugsamer und starrsinniger alles Heil des Sohnes in der Unterordnung unter seinen Willen erblickte, so kam schließlich, was kommen mußte: innerlich völlig vereinsamt zog der junge Meister seines Wegs, der ihn als Künstler zu den höchsten Höhen des Genius, als Menschen aber in Nacht und Elend führen sollte.

Wolfgang wußte genau, was ihn in Salzburg erwartete. Mag seine ungünstige Meinung von der Bildung und dem Kunstsinn der Salzburger zum Teil auch übertrieben sein1, so viel war jedenfalls klar, daß der Erzbischof einen früheren Bediensteten, der ihm vormals seine Stelle gekündigt hatte und dann nur durch die Macht der Umstände wieder aufgedrängt wurde, unmöglich mit besonderer Huld aufnehmen oder gar ihm zuliebe seine musikalischen Anschauungen ändern würde, und Wolfgangs langes Zögern auf der Heimreise hatte dem klugen Menschenkenner obendrein die Augen darüber geöffnet, wie wenig jenem an seiner Salzburger Stelle gelegen war.

So begann die neue Tätigkeit unter sehr trüben Vorzeichen. Da die Briefe aus diesen Jahren fehlen, wissen wir über Mozarts äußeres Leben während dieser Zeit mit Ausnahme der Daten, die sich aus einzelnen Werken gewinnen lassen, nur wenig. Im allgemeinen hat es sich jedenfalls in den alten, ruhigen Geleisen bewegt, nur daß das bittere Gefühl des Unbefriedigtseins immer wieder durchbrach. Selbst die Lust zum Arbeiten, gesteht er am 26. Mai 1781 dem Vater, sei ihm zeitweise vergangen, »warum? weil mein Gemüt nicht vergnügt war«2. Und schon vorher (8. April 1781) meint er: »Wenn man seine jungen Jahre so in einem Bettelort in Untätigkeit verschlänzt, ist es auch traurig genug und auch Verlust.«3 Aus diesen Worten spricht nun allerdings die Erregung über die letzten Salzburger Erlebnisse. Tatsächlich ist der Ertrag dieser Jahre besonders reich und übertrifft den der Pariser Zeit bei weitem; an Aufträgen aller Art hat es ihm in Salzburg wahrlich nicht gefehlt, und seine Stellung als Konzertmeister und als Hof- und Domorganist – denn als solcher erscheint er jetzt im Salzburgischen Hofkalender – gab ihm reichlich Gelegenheit zu Instrumental- und Kirchenmusik, bei der er allerdings, wie ehedem, an den herrschenden Geschmack und an die vorhandenen Mittel gebunden war.

Bemerkenswert ist, daß Mozart in dieser Zeit wieder Sinfonien geschrieben hat. Eine Sinfonie in G-Dur (K.-V. 318, S. VIII. 32)4 ist vom 26. April, eine in B-Dur (K.-V. 319, S. VIII. 33) vom 9. Juli 1779 und eine in C-Dur (K.-V. 338, S. VIII. 34) vom 29. August 1780 datiert. Der Erzbischof scheint also seine frühere ablehnende Haltung gegenüber dem Sinfoniker[625] Mozart aufgegeben zu haben, wenn auch nicht ohne Vorbehalt, wie aus der geringen Anzahl dieser Werke ersichtlich ist. Auf einen besonderen festlichen Anlaß, der wohl aus den Kreisen der Bürgerschaft stammte, scheint die D-Dur-Serenade für Streichquartett und je zwei Flöten, Oboen, Hörner (Posthorn), Fagotte, Trompeten und Pauken (K.-V. 320, S. IX. 11) hinzuweisen mit einem als »Concertante« bezeichneten, zweisätzigen Konzert in der Mitte5. Auch das Divertimento in D-Dur für Streichquartett und zwei Hörner (K.-V. 334, S. IX. 31) ist mit ziemlicher Sicherheit in das Jahr 1779 zu setzen.

Ebenso wurde die Konzertmusik als solche von Mozart mit zwei bedeutenden Werken bedacht, dem von André in das Jahr 1780 gesetzten6 Es-Dur-Konzert für zwei Klaviere und Orchester (K.-V. 365, S. XVI. 10) und der wohl im Herbst 1779 entstandenenKonzertanten Sinfonie in Es-Dur für Violine und Bratsche mit Orchester7 (K.-V. 364, S. XII. 10).

Nicht minder groß war der Ertrag von Mozarts kirchlichem Amt. Als Organist mußte er an Festtagen die Orgel spielen, was sich für gewöhnlich auf die Begleitung des Gesanges und die an bestimmten Stellen üblichen Zwischenspiele beschränkte; das bot ihm Anlaß zu freier Phantasie, die ihm von jeher besondere Freude gemacht hatte. Doch rühren aus dieser Zeit auch wieder einige Kirchensonaten her (K.-V. 328, 329, 336, S. XXIII. 13 bis 15). In dieselbe Zeit fallen aber auch noch zwei Messen in C-Dur, die erste vom 23. März 1779 (K.-V. 317, S.I. 14), die sog. »Krönungsmesse«8, die zweite vom März 1780 (K.-V. 337, S.I. 15)9. Ihnen schließen sich der Handschrift und dem Stil nach verschiedene Messenfragmente an, so das Kyrie in C-Dur (K.-V. 323, S. III. 4 Nott.), dessen Schluß (vom 38. Takt an) verlorengegangen und später vom Abbé Stadler ergänzt worden ist10, und zwei angefangene Kyrie (K.-V. Anh. 13, 16), das eine mit obligater Orgel, das andere streng kontrapunktisch gehalten.[626]

Neben den Messen gehen diesmal statt der früheren Litaneien zwei Vespern her, die eine aus 1779, die andere aus 1780 (K.-V. 321, 339, S. II. 6, 7 Nott.). Soweit die Vespern für die Kirchenmusik in Betracht kommen, bestehen sie aus einer Folge von fünf Psalmen, die durch den Lobgesang der Maria, das »Magnificat«, beschlossen wird. Jedes einzelne Stück bildet ein selbständiges Ganzes und hat als Abschluß das »Gloria patri« (Beil. V. 3). Von einem inneren Zusammenhang der sechs Sätze ist kaum die Rede, ja selbst die Tonart wird mit Ausnahme der beiden Ecksätze, des »Dixit« und »Magnificat«, die auch bei Mozart in demselben Ton stehen, sehr frei behandelt, und das »Gloria patri« dient nicht etwa als verbindendes geistiges Band, sondern erfährt vielmehr in jedem Psalm wieder eine neue Behandlung. So kam es denn sehr häufig vor, daß man mit den einzelnen Psalmen auch wechselte und sogar Stücke von verschiedenen Meistern zusammenspannte. Nur »Dixit« und »Magnificat« wurden als die Hauptstücke des Ganzen immer wieder neu komponiert und zwischen ihnen dann andere eingelegt.

Von einzelnen Kirchenstücken mag ferner noch einRegina coeli in C-Dur (K.-V. 276, S. III. 12) seinem Stile nach in diese Zeit gehören11, und endlich hat sich Mozart auch auf dem Gebiete des deutschen geistlichen Liedes mit seinen zwei deutschen Kirchenliedern (K.-V. 343, S. III. 16) betätigt12. Er scheint sich in jener Zeit dem Liede überhaupt wieder genähert zu haben, denn augenscheinlich gehören diedrei Lieder aus J.T. Hermes' Roman »Sophiens Reise« (K.-V. 390–392, S. VII. 14–16) in diese oder in die allererste Wiener Zeit.

Was aber Mozarts Schaffen in diesen Jahren besonders kennzeichnet, ist die immer stärker werdende Hinneigung zum dramatischen Schaffen, die sich dann in dem großen Wurfe des »Idomeneo« entlädt. Zunächst mußte er sich freilich mit den Salzburger Theateraufführungen begnügen. Bei seiner Rückkehr traf er eine Gesellschaft unter Böhms Leitung in Salzburg an. 1780 folgte Em. Schikaneder mit seiner Wandertruppe, der sich gerade damals sowohl mit Opern- als mit Schauspielaufführungen13 besonderen Ruhm erwarb. Schikaneder wurde sehr bald mit der Familie Mozart gut bekannt und sogar zum Bölzelschießen zugezogen. So wurde es ihm nicht schwer, den willigen Wolfgang zur Komposition einer Arie für eine seiner Vorstellungen zu bereden, die freilich erst mitten in den Vorbereitungen zum »Idomeneo« fertig wurde und seitdem verschollen ist14.[627]

Wichtiger als diese einzelnen Stücke ist die in diese Zeit fallende Komposition der Musik zu »Thamos, König in Egypten« (K.-V. 345, S.V. 12 mit Wüllners R.-B.), die ebenfalls mit Schikaneders Aufführungen zusammenhängt. Der Dichter des Dramas,Frhr. Tob. Phil. von Gebler, gehörte seit 1769 trotz seiner hohen Stellung als Vizekanzler der k.k. böhmischen Hofkanzlei zu den Männern, die sich die Hebung des Wiener Theaters besonders angelegen sein ließen15.

Aus Geblers Briefwechsel läßt sich nachweisen, daß Mozart die beiden Chöre »Schon weichet Dir Sonne« und »Gottheit über alle mächtig« (Nr. 1 und 6) bereits unmittelbar nach der Entstehung des Dramas selbst, im Jahre 1773, komponiert hatte16. Jetzt nahm er, angeregt durch eine der genannten Truppen, den alten Gedanken wieder auf, komponierte den zweiten Chor ganz neu, während der erste seinen Gedankengehalt behielt und nur eine andere Instrumentation bekam, und fügte außerdem die Zwischenaktsmusiken17 hinzu; eine Salzburger Zutat, vielleicht von Schachtner, war der dritte Chor, der im Geblerschen Drama fehlt. Auch dieser zweiten Fassung war das Schicksal nicht günstig. Am 15. Februar 1783 schreibt Wolfgang dem Vater18: »Es tut mir recht leid, daß ich die Musique zum Thamos nicht werde nützen können! Dieses Stück ist hier, weil es nicht gefiel, unter die verworfenen Stücke, welche nicht mehr aufgeführt werden. Es müßte nur bloß der Musik wegen aufgeführt werden und das wird wohl schwerlich gehen, schade ist es gewiß.« Später wurden dann in Wien, wahrscheinlich für Mozarts Fastenkonzerte, dem ersten und dritten[628] Chore lateinische geistliche Texte untergelegt (»Splendente te Deus« und »Ne pulvis et cinis superbe te geras«)19.

Wie der Thamos, so hängt offenbar auch die Komposition eines von Schachtner gedichteten deutschen Singspiels mit jenen Salzburger Theateraufführungen zusammen. Als Mozart im November 1781 nach München reiste, war das Werk noch nicht fertig20, trotzdem erbat er es sich vom Vater, um es gelegentlich bei Cannabichs vorzuspielen21. Später dachte der Vater an eine Aufführung in Wien, allein der Sohn antwortete (18. April 1781)22: »Wegen dem Schachtner seiner Operette ist es nichts, denn – – aus der nämlichen Ursache, die ich so oft gesagt habe ... Ich habe dem Stephanie nicht unrecht geben können; ich habe nur gesagt, daß das Stück, die langen Dialogen ausgenommen, welche aber leicht abzuändern sind, sehr gut seye, aber nur für Wien nicht, wo man lieber komische Stücke sieht.«

Ohne Zweifel ist dies die bis auf die Ouvertüre und den Schlußsatz vollendete, in Mozarts zur Aufführung sorgfältig eingerichteter Originalpartitur noch vorhandene namenlose Oper23 in zwei Akten (K.-V. 344, S.V. 11 mit Wüllners R.-B.), die André unter dem passenden Titel Zaïde herausgegeben hat24. Der Text ist seinem ganzen Charakter nach höchstwahrscheinlich einem französischen Originale nachgebildet, das sich freilich bis jetzt nicht hat auffinden lassen. Er ähnelt in verschiedenen Motiven dem der »Entführung«, und Mozart ist wohl deshalb später nicht mehr auf das Werk zurückgekommen25.

Alle diese Werke traten jedoch schließlich zurück gegen einen Auftrag, der Mozarts sehnlichsten Herzenswunsch nach so viel Enttäuschungen endlich erfüllen sollte: für den Münchner Hof zum Karneval 1781 die opera seria zu schreiben. So hatte sich das kurfürstliche Paar, beraten von Mozarts guten Freunden unter den Sängern und Instrumentisten, doch noch seiner[629] erinnert, der Erzbischof aber mußte sein Versprechen, ihn reisen zu lassen, wenn er bestimmte Aufträge erhielte, einlösen und tat es wohl auch aus schuldiger Rücksicht auf den benachbarten Hof. Als Textdichter wurde der Abbate Giambatt. Varesco be stimmt, der seit 1766 Hofkaplan in Salzburg war. Die Wahl hatte den großen Vorzug, daß der mit den Münchner Verhältnissen gründlich vertraute Mozart mit dem Dichter ständige persönliche Fühlung behalten konnte. Als später eine deutsche Übersetzung für nötig befunden wurde, empfahl Mozart seinen alten Freund Schachtner, so daß L. Mozart mit Stolz Breitkopf mitteilen konnte, die Oper sei ein ausschließlich Salzburgisches Erzeugnis26.

Als Vorlage für den Text hatte der Münchner Hof ein altes französisches Libretto gewählt, den vonDanchet gedichteten und von Campra komponierten »Idoménée«, der am 12. Januar 1712 in Paris aufgeführt und 1731 wiederholt worden war27. So entstand der »Idomeneo, Re di Creta,« der die alte fünfaktige tragédie lyrique in eine italienische opera seria metastasianischen Stiles, doch mit französischen Zutaten, vor allem mit Chören, umschuf. Das Personenverzeichnis lautet:


Idomeneo, re di CretaIl Sign. Raaff, virtuoso

di camera.

Idamante, suo figlioIl Sign. Dal Prato.

Ilia, prencipessaLa Sign. Dorothea

Trojana, figlia di PriamoWendling, virtuosa

di camera.

Elettra, prencipessa,La Sign. Elisabeth

figlia d'Agamennone re Wendling, virtuosa

d'Argo di camera.

Arbace, confidente del reIl Sign. Domenico de'

Panzacchi, virtuoso di

camera.

Gran Sacerdote di NettunoIl Sign. Giovanni Valesi,

virtuoso di camera


Als das Buch vollendet war, begann Mozart noch im Oktober 1780 mit der Komposition. Dann reiste er nach München, um, wie es Sitte war, die Oper in persönlichem Verkehr mit seinen Künstlern zu vollenden. Nach einer Reise auf dem Postwagen, »der einem die Seele herausstößt« und ihn keine Minute hatte schlafen lassen, schrieb er am 8. November 178028 seinem Vater: »Glücklich und vergnügt war meine Ankunft!« Hier gab es nun vollauf zu tun, die Oper mußte einstudiert, in Szene gesetzt und zum Teil erst noch geschrieben werden. Wieviel er schon fertig mit nach München brachte, ist nicht genau anzugeben, wahrscheinlich die Rezitative größtenteils, wohl auch den ersten Akt und vielleicht einen Teil des zweiten; wenigstens deutet die Erwähnung bereits fertiger Musikstücke in seinen ersten Briefen darauf hin.

Er konnte mit gutem Mute darangehen, denn von allen Seiten kam man ihm mit Wohlwollen entgegen. Graf Seeau, »von den Mannheimern wie[630] Wachs zusammengeschmolzen«, war ihm in allem zu Willen, und wenn sie auch mitunter so aneinandergerieten, daß Mozart sich entschließen mußte, grob zu werden, so gab der Graf doch schließlich nach. Auch der Kurfürst nahm ihn sehr gnädig auf. »Nun hätte ich bald das Beste vergessen!« schreibt er (15. November 1780)29. »Graf Seeau hat mich letzten Sonntag nach dem Amt S. Ch. Durchlaucht dem Churfürst en passant vorgestellt, welcher sehr gnädig mit mir war; er sagte: ›Es freut mich, ihn wieder hier zu sehen‹. Und als ich sagte, daß ich mich beeifern werde, den Beyfall S. Ch. D. zu erhalten, so klopfte er mich auf die Schultern und sagte: ›O daran habe ich gar keinen Zweifel, daß Alles sehr gut seyn wird. – A piano piano si va lontano!‹« Auch der Adel war günstig für ihn gestimmt. Cannabich machte ihn mit der GräfinBaumgarten, einer geborenen Lerchenfeld, bekannt, die damals die Favoritin des Kurfürsten war. »Mein Freund ist alles in diesem Haus«, berichtet er (13. November 1780)30, »und ich nun also auch; das ist das beste und nützlichste Haus hier für mich, durch dieses ist auch alles wegen meiner gegangen und wird wills Gott noch gehen«. Er konnte daher seinen Vater über den Erfolg der Oper vollkommen beruhigen (24. November 1780)31: »Wegen meiner Opera seyen Sie außer Sorg, mein liebster Vater; ich hoffe, daß alles ganz gut gehen wird. – Eine kleine Cabale wird es wohl absetzen, die aber vermutlich sehr komisch ausfallen wird; denn ich habe unter der Noblesse die ansehnlichsten und vermöglichsten Häuser, und die Ersten bey der Musik sind alle für mich.« Dabei hebt er Cannabich besonders hervor32.

Von den Sängern und dem Orchester waren allerdings keine Ränke zu erwarten; Mozart war ebenso bemüht, es ihnen rechtzumachen, wie sie zufrieden waren. Bei diesem Zusammenarbeiten sowie bei der Einrichtung für die Bühne ergaben sich aber Veränderungen im Libretto als wünschenswert, und Varesco mußte vielfach angegangen werden, sie vorzunehmen oder die vorgeschlagenen zu billigen (S. Beilage XI).

Von dem Personal machte ihm der Kastrat dal Prato die meiste Not. Gleich nach seiner Ankunft hatte er »eine Hundsfütterey« zu berichten (8. Nov. 1780)33. »Ich habe zwar nicht die Ehre, den Helden del Prato zu kennen, doch der Beschreibung nach ist noch fast Ceccarelli besser; denn mitten in einer Aria ist öfters schon sein Odem hin und NB. er war noch nie auf keinem Theater und Raaff ist eine Statue. Nun stellen Sie sich einmal die Szene im 1. Akt [die Begegnung des Idomeneo und Idamante] vor.« Als er die Bekanntschaft dal Pratos machte, bestätigten sich leider diese Nachrichten. »Meinen molto amato Castrato dal Prato«, schreibt er (15. Nov. 1780)34, »muß ich die ganze Opera lehren«; »er muß seine ganze Rolle wie ein Kind lernen: er hat um keinen Kreuzer Methode« (22. Nov. 1780)35.[631] Auch bei dem Quartett, das sechsmal probiert werden mußte, ehe es ging, war er der Stein des Anstoßes. »Der Bub kann doch gar nichts«, klagt Mozart (30. Dez. 1780)36. »Seine Stimme wäre nicht so übel, wenn er sie nicht in den Hals und in die Gurgel nehmete; übrigens hat er aber gar keine Intonation – keine Methode – keine Empfindung, sondern singt wie etwa der beste unter den Buben, die sich hören lassen, um in dem Kapellhause aufgenommen zu werden.«

In ganz anderer Art machte ihm sein »bester liebster Freund« Raaff zu schaffen. Er war außerordentlich empfindlich, und Mozart änderte ihm und seinen grauen Haaren zu Gefallen, was irgend möglich war (27. Dez. 1780)37:


Hören Sie, der Raaff ist der beste, ehrlichste Mann von der Welt, aber – auf den alten Schlendrian versessen, daß man Blut dabey schwitzen möchte – folglich sehr schwer für ihn zu schreiben, – sehr leicht auch, wenn Sie wollen, wenn man so alle Tag Arien machen will, wie par exemple die erste Arie »Vedrommi intorno« etc. Wenn Sie sie hören werden – sie ist gut, sie ist schön; aber wenn ich sie für Zonca geschrieben hätte, so würde sie noch besser auf den Text gemacht seyn; er liebt die geschnittenen Nudeln zu sehr und sieht nicht auf die Expression. – Mit dem Quartett habe ich itzt eine Noth mit ihm gehabt. – Das Quartett, wie öfter ich es mir auf dem Theater fürstelle, wie mehr Effect macht es mir, und hat auch allen, die es noch so am Clavier gehört haben, gefallen; der einzige Raaff meint, es wird nicht Effect machen; er sagte es mir ganz allein – non c'è da spianar la voce – es ist zu eng. Als wenn man in einem quartetto nicht viel mehr reden als singen sollte! Dergleichen Sachen versteht er gar nicht. Ich sagte nur: Liebster Freund! Wenn ich nur eine Note wüßte, die in diesem quartetto zu ändern wäre, so würde ich es sogleich thun; allein – ich bin noch mit keiner Sache in dieser Oper so zufrieden gewesen wie mit diesem Quartett, und hören Sie es nur einmal zusammen, dann werden Sie gewiß anders reden. Ich habe mir bey Ihren 2 Arien alle Mühe gegeben Sie recht zu bedienen, werde es auch bey der dritten thun und hoffe es zu Stande zu bringen; – aber was Terzetten und Quartetten anbelangt, muß man dem Compositeur seinen freyen Willen lassen. Darauf gab er sich zufrieden.


Nach der Probe fand Raaff sich auch »mit Vergnügen betrogen und zweifelte nun auch nicht an dem guten Effect« (30. Dez. 1780)38. Nachdem Mozart ihm seine erste Arie »vorgeritten« hatte, war er sehr damit zufrieden (15. Nov. 1780), ebenso mit der Arie im zweiten Akt (1. Dez. 1780)39:


Der Mann ist so in seine Aria verliebt als es nur immer ein junger, feuriger Mann in seine Schöne seyn kann, denn Nachts, ehe er einschläft und Morgens, da er erwacht, singt er sie. Er hat ... zu Hrn. v. Viereck und Hrn. v. Castel gesagt: Ich war sonst immer gewohnt mir in die Rollen zu helfen, sowohl in die Recitativ als Arien; da ist aber alles geblieben, wie es war, ich wüßte keine Note, die mir nicht anständig wäre, etc.: enfin, er ist zufrieden wie ein König.


Mißgünstiges Gerede gab es freilich trotzdem, wie er dem Vater schreibt (27. Dez. 1780)40:


[632] A propos! Becke sagte mir die Täge, daß er Ihnen nach der vorletzten Probe wieder geschrieben hätte, und unter anderm, daß des Raaffs seine Aria im 2. Act wider den Text geschrieben sey. So hat man mir gesagt, sagte er, ich verstehe zu wenig welsch – ist es wahr? Hätten Sie mich eher gefragt und hernach erst geschrieben! Ich muß Ihnen sagen, daß derjenige zu wenig welsch kann, der Ihnen so was gesagt hat. Die Aria ist ganz gut auf die Wörter geschrieben. Man hört das mare und das mare funesto, und die Passagen sind auf minacciar angebracht, welche dann das minacciar, das Drohen, gänzlich ausdrücken. Und überhaupt ist das die prächtigste Aria in der Opera und hat auch allgemeinen Beyfall gehabt.


Die beiden anderen Sänger gehörten der alten Münchener Oper an. Der »alte ehrliche Panzacchi« war seinerzeit ein vortrefflicher Sänger und ein guter Darsteller gewesen, aber seine Blütezeit war vorüber, und auch Valesi, der einen wohlverdienten Ruhm als Tenorist hatte, leistete damals schon mehr durch Gesangunterricht als auf der Bühne. Man begreift daher, wenn L. Mozart schreibt (11. Nov. 1780)41: »Was Du mir von dem singenden Personale schreibst, ist traurig; das Beste also wird die Musik-Composition tun müssen.«

Mit den Sängerinnen hatte er diesmal gar keine Schwierigkeiten. Die beiden Wendling waren ihm befreundet und zugetan; sie gingen auf seine Weise ein und waren zufrieden, so wie er es machte. »Mad. Dorothea Wendling ist mit ihrer Szene arci-contentissima, sie hat sie dreimal nacheinander hören wollen«, konnte er gleich nach Hause berichten (8. Nov. 1780)42, und wegen der zweiten Arie verständigten sie sich dann miteinander. »Die Lisel Wendling«, meldet er bald darauf (15. Nov. 1780)43, »hat auch schon ihre zwei Arien ein halb dutzendmal durchgesungen, sie ist sehr zufrieden: ich habe es von einer dritten Hand, daß die zwei Wendlinge ihre Arien sehr gelobt haben«.

Mozart war mit großem Eifer anhaltend fleißig beim Einstudieren und Komponieren – auch die Arie für Schikaneder wurde inzwischen fertiggemacht (S. 627) –, obgleich er von einem heftigen Katarrh befallen war. Die Hausmittel, die ihm sein Vater empfahl, brachten zwar mitunter Erleichterung; allein da er schreiben mußte, was dem Katarrh nicht gut tat, so ging es auch mit der Besserung nur langsam.

Er traf hier mit der Mara zusammen, die vor nicht langer Zeit aus Berlin fortgegangen war. »Sie hat gar nicht das Glück gehabt mir zu gefallen«, schreibt er (13. Nov. 1780)44, »sie macht zu wenig, um einer Bastardina (S. 150) gleichzukommen (denn dies ist ihr Fach), und macht zu viel, um das Herz zu rühren wie eine Weber, oder eine vernünftige Sängerin«. Noch viel weniger als von ihrem Gesang war er von dem Benehmen des Maraschen Ehepaars, dem man »den Stolz, Grobheit und wahre Effronterie im Gesicht ansah«, erbaut, von dem er später (24. Nov. 1780) berichtet45.[633]

Ende November wurde mit bestem Erfolge der erste Akt probiert. Mozart schreibt darüber (1. Dez.)46:


Die Probe ist außerordentlich gut ausgefallen. Es waren nur in allem 6 Violin, aber die gehörigen Blas-Instrumenten; von Zuhörern wurde niemand zugelassen, als die Schwester vom Seeau und der junge Graf Seinsheim ... Ich kann Ihnen nicht sagen, wie alles voll Freude und Erstaunen war. Ich vermuthete es aber nicht anders; denn ich versichere Sie, ich ging mit so ruhigem Herzen zu dieser Probe, als wenn ich wo auf eine Collation hin ginge. Graf Seinsheim sagte zu mir: Ich versichere Sie, daß ich mir sehr viel von Ihnen erwartet habe, aber das hab ich wahrlich nicht erwartet. Das Cannabichische Haus, und alle die, die es frequentiren, sind doch wahre Freunde von mir. Als ich nach der Probe mit Cannabich (denn wir hatten noch vieles mit dem Grafen zu sprechen) zu ihm nach Haus kam, kam mir schon Mad. Cannabich entgegen und umarmte mich voll Vergnügen, daß die Probe so gut ausgefallen; denn Ramm und Lang kamen wie närrisch nach Haus. Die gute Frau, die wahre Freundin von mir, hatte unterdessen, da sie mit ihrer kranken Rose allein zu Hause war, tausend Sorgen wegen meiner. Ramm sagte mir (denn wenn Sie diesen kennen, werden Sie sagen, das ist ein wahrer Teutscher, der sagt Ihnen so alles ins Gesicht, wie er sich es denkt): Das kann ich Ihnen wohl gestehen, sagte er, daß mir noch keine musique solche impression gemacht hat, und ich versichere Sie, daß ich wohl 50 Mal auf Ihren Hrn. Vater gedacht habe, was dieser Mann für Freude haben muß, wenn er diese Opera hört. Nun genug davon! – Mein Catarrh ist bey dieser Probe etwas ärger worden. Man erhitzt sich halt doch, wenn Ehr und Ruhm im Spiele sind, man mag anfangs noch so kaltblütig seyn.


Auch von anderer Seite erhielt der Vater den Erfolg des Sohnes bestätigt (vgl. seinen Brief vom 15. Dez. 1780)47:


[Diese Tage zeigte mir Fiala einen Brief] von Herrn Becke, welcher voll der Lobeserhebung Deiner Musik des ersten Actes war; er schrieb, daß ihm die Zähren in die Augen traten, als er diese Musik hörte, vor Freude und Vergnügen, und daß Alle behaupteten, das wäre die schönste Musik, die sie gehört hätten, daß Alles neu und fremd wäre etc.; daß sie nun im Begriffe wären, den zweyten Act zu probiren, – daß er mir dann selbst schreiben werde ... Nun, Gott sey Dank gesagt, das geht gut.


Trotzdem hielt L. Mozart auch jetzt mit Mahnungen nicht zurück, nicht allein wegen des anhaltenden Katarrhs, sondern auch über den Charakter der Oper selbst. Wie in früheren Jahren schreibt er wieder (11. Dez. 1780)48: »Ich empfehle Dir, bey Deiner Arbeit nicht einzig und allein für das musikalische, sondern auch für das ohnmusikalische Publikum zu denken: – Du weißt, es sind hundert ohnwissende gegen zehn wahre Kenner; – vergiß also das sogenannte Populare nicht, das auch die langen Ohren kitzelt.« Davon aber wollte Wolfgang nichts wissen. »Wegen dem sogenannten Populare«, antwortete er ihm (16. Dez. 1780)49, »sorgen Sie nichts, denn in meiner Oper ist Musik für aller Gattung Leute – ausgenommen für lange[634] Ohren nicht«. Die Stelle zeigt deutlich, daß Wolfgang jetzt auch als Künstler der väterlichen Zucht entwachsen war.

Unterdessen gingen die Proben ihren Gang fort. Am 16. Dez. nachmittags wurde bei Graf Seeau der erste Akt – die Stimmen waren indessen dupliert, so daß zwölf Geiger spielten, – mit dem zweiten probiert. Auch diese Probe fiel gut aus, wie Wolfgang meldet (19. Dez. 1780)50:


...und hat sich das Orchestre wie alle Zuhörer mit Vergnügen betrogen gefunden, daß der zweyte Act in Ausdruck und Neuheit ohnmöglich stärker als der erste seyn kann. Künftigen Samstag werden wieder die zwey Acte probirt, aber in einem großen Zimmer bey Hof, welches längst gewunschen, denn beim Graf Seeau ist es gar zu klein. Der Churfürst wird in einem Nebenzimmer (incognito) zuhören. Da soll aber auf Leib und Leben probirt werden, sagte der Cannabich zu mir. Bey der letzten Probe war er waschnaß vom Schwitzen ... Daß ich gesund – und vergnügt bin, werden Sie aus meinen Briefen gemerkt haben. Man ist doch froh wenn man von einer so großen, mühsamen Arbeit endlich befreyet, und mit Ehre und Ruhm befreyet ist: denn fast bin ich es, – denn es fehlen nur noch drei Arien und der letzte Chor vom dritten Act, die Ouverture und das Ballett – et adieu partie!


Noch höher steigerte sich die Befriedigung bei der nächsten Probe (27. Dez. 1780)51:


Die letzte Prob ist herrlich gewesen, sie war in einem großen Zimmer bey Hof, der Churfürst war auch da. Dießmal ist mit dem ganzen Orchestre (versteht sich, das im Opernhaus Platz hat) probirt worden. Nach dem ersten Act sagte mir der Churfürst überlaut Bravo, und als ich hinging, ihm die Hand zu küssen, sagte er: Diese Opera wird charmante werden, Er wird gewiß Ehre davon haben. Weil er nicht wußte, ob er so lange dableiben kann, so mußte man ihm die concertierende Aria und das Donnerwetter zu Anfang des zweyten Acts machen. Nach diesem gab er mir wieder auf das Freundlichste seinen Beyfall, und sagte lachend: Man sollte nicht meynen, daß in einem so kleinen Kopf so was Großes stecke. Er hat auch anders Tags frühe beym Cercle meine Opera sehr gelobt.


Auch abends bei der Cour hatte der Kurfürst wieder lobend von der Musik gesprochen, und Mozart erfuhr von sicherer Hand, daß er nach der Probe gesagt hatte: »Ich war ganz surpreniert – noch hat mir keine Musik den Effect gemacht – das ist eine magnifique Musik.«

Auch von diesen Erfolgen kamen die günstigen Nachrichten, eine über die andere, nach Salzburg. – »In der ganzen Stadt ist ein allgemeines Reden wegen der Güte Deiner Opera«, verkündet der Vater (25. Dez. 1780)52. »Den ersten Lärm machte Baron Lerbach; die Hofkanzlerin sagte es mir, daß er ihr erzählt habe, die Opera werde durchgehends außerordentlich gelobt. Den zweyten machte Hrn. Becke's Brief an Fiala, den er aller Orten lesen ließ.« An L. Mozart selbst schrieb Becke, »daß der Chor im zweyten Akt beim Sturme so stark wäre, daß er Jedem, auch in der größten Sommerhitze,[635] eiskalt machen müßte«, und die konzertierende Arie der Dorothea Wendling rühmte er außerordentlich. Auch der Violinspieler Esser aus Mainz (S. 321), der in Salzburg ein Konzert gegeben hatte, schrieb von Augsburg über die beiden Akte der Oper, die er gehört hatte »che abbia sentito una musica ottima e particolare, universalmente applaudita«. »Kurz«, meinte der Vater, »es wäre zu weitläufig, alle Lobsprüche über alles herzusetzen. Ich wünsche, daß der dritte Akt die nämliche Wirkung tut, und hoffe es um so gewisser, als hier die größten Affecten vorkommen, und die unterirdische Stimme sehr überraschen und schaudernd seyn muß53. Basta, ich hoffe, daß es heißen soll: finis coronat opus.« Darauf antwortet ihm der Sohn, der bis über den Kopf in der Arbeit steckte (30. Dez. 1780)54: »Der dritte Akt wird wenigstens so gut ausfallen, als die beyden ersten; ich glaube aber unendliche mal besser, und daß man mit Recht sagen könne: finis coronat opus.« Aber zu tun hatte er dabei. »Kopf und Hände«, schreibt er (3. Jan. 1781)55, »sind mir so von dem dritten Akte voll, daß es kein Wunder wäre, wenn ich selbst zu einem dritten Akt würde. Der allein kostet mehr Mühe als eine ganze Opera, denn es ist fast keine Szene darin, die nicht äußerst interessant wäre«. Er hatte dann auch die Genugtuung, daß man wirklich nach der Probe fand, daß er die zwei ersten Akte noch um vieles überträfe.

Der Vater mahnte dringend, sich doch mit dem Orchester gut zu stellen, da hiervon so viel abhänge (25. Dez.)56:


Suche nur das ganze Orchester bey guter Laune zu erhalten, ihnen zu schmeicheln und sie durch die Bank mit Lobeserhebungen Dir geneigt zu erhalten; denn ich kenne Deine Schreibart, es gehört bei allen Instrumenten die unausgesetzte erstaunlichste Aufmerksamkeit dazu, und es ist eben kein Spaß, wenn das Orchester wenigstens drey Stunden mit solchem Fleiß und Aufmerksamkeit angespannt seyn muß. Jeder, auch der schlechteste Bratschist, ist aufs Empfindlichste gerührt, wenn man ihn tête à tête lobt, und wird dadurch eifriger und aufmerksamer, und so eine Höflichkeit kostet Dich nichts, als ein paar Worte. Doch – das weißt Du ja selbst, ich sage es nur, weil man's oft da, bey der Probe, nicht gleich thun kann, und dann vergißt, und weil Du erst dann die Freundschaft und den Eifer des ganzen Orchesters nötig hast, wenn die Opera in Scena ist. Die Lage des ganzen Orchesters ist dann ganz anders, und aller Mitspielenden Aufmerksamkeit muß noch mehr angespannt seyn. Du weißt, daß man nicht alle zu Freunden haben kann. Es muß immer ein Zweifel und Aber mit unterlaufen. Man zweifelte, ob der zweyte Act so neu und gut als der erste Act ausfallen werde? Da nun dieser Zweifel gehoben ist, so werden Wenige mehr für den dritten Act zweifeln. Aber ich wollte meinen Kopf wetten, daß Einige seyn werden, die zweifeln werden, ob diese Musik in Scena auf dem Theater auch die Wirkung wie im Zimmer machen werde? und da braucht's auch wirklich den größten Eifer und guten Willen des ganzen Orchesters.
[636]

Es war aber mit der Oper noch nicht genug, sondern, weil kein besonderes Ballett, nur ein zur Handlung gehöriges Divertissement gegeben werden sollte, hatte Mozart, wie er sagt (30. Dez. 1780)57, auch die Ehre, die Musik dazu zu machen. »Mir ist es aber sehr lieb«, setzt er hinzu, »denn so ist doch die Musik von einem Meister«. Bis in die Mitte des Januars hatte er noch mit den »verwünschten Tänzen« so viel zu tun, daß er an nichts anderes denken konnte, auch an sein Befinden nicht; – erst am 18. Jan. konnte er schreiben58: »laus Deo, nun hab ich es überstanden!«

Unter diesem rastlosen Arbeiten und Probieren rückte der Tag der Aufführung heran. Zwar war der Vater in Sorgen, ob auch der am 29. November 1780 erfolgte Tod der Kaiserin Maria Theresia die Aufführung nicht hindern würde, allein Wolfgang beruhigte ihn sogleich, daß aus dieser Ursache kein Theater geschlossen würde. Später erschreckte ihn ein Gerücht, die Kurfürstin sei hoffnungslos erkrankt, aber zu seinem Trost erfuhr er, daß das »eine Kapitallüge« sei. Anfangs war der 20. Januar 1781 zur Aufführung bestimmt, dann der 22. und zuletzt der 29. Januar; die Hauptprobe sollte am 27. Januar sein, an Wolfgangs Geburtstag, der mit diesem Aufschub wohl zufrieden war: »so kann man noch öfter und mit mehr Bedachtsamkeit probiren.«

Der Ruhm des Idomeneo, der schon vor der Aufführung nach Salzburg drang, war nicht allein für Mozarts Freunde eine große Genugtuung – wie ihm der Dr. Prex aus Salzburg das »ohnaussprechlichste Vergnügen« ausdrücken ließ, »mit welchem er vernommen, daß Wolfgang den Salzburgern so große Ehre machte« –; mehrere von ihnen reisten zur Aufführung nach München, wie Frau von Robinig mit ihrer Familie, zwei Fräulein Barisani, von der Kapelle ging Fiala hin59. L. Mozart, der sich »auf das vortreffliche Orchester wie ein Kind freute«, war entschlossen, mit seiner Tochter, sobald er irgend abkommen könnte, nach München zu reisen. Da er aber einer abschlägigen Antwort von seiten des Erzbischofs sich nicht aussetzen mochte und es verlautete, daß dieser nach Wien reisen würde, wartete er seine Zeit ab. Es paßte ihm aber sehr gut, daß die Aufführung der Oper so lange verschoben wurde, bis Hieronymus wirklich abgereist war. Nun machte er sich am 25. Januar auf, um bei der Hauptprobe und Aufführung gegenwärtig zu sein; Wolfgang hatte sich so eingerichtet, daß er in seiner Wohnung (im Sonneneck der Burggasse) Vater und Schwester allenfalls beherbergen konnte, wenn sie auch auf kurze Zeit »wie Zigeuner und Soldaten« wohnten.

Die Anwesenheit des Vaters mit der Schwester in München hat uns wahrscheinlich um einen ausführlichen Bericht über die Aufführung des Idomeneo und deren Erfolg gebracht. Die Münchener Staats-, gelehrten und vermischten Nachrichten (1781, 1. Febr. Nr. 19, S. 76) beschränkten sich auf folgenden Artikel:


[637] »Am 29ten des abgewichenen Monats ist in dem hiesigen neuen Opernhause die Oper Idomeneo zum erstenmal aufgeführt worden. Verfassung, Musik und Übersetzung sind Geburten von Salzburg. Die Verzierungen, worunter sich die Aussicht in den Seehafen und Neptuns Tempel vorzüglich ausnehmen, waren Meisterstücke unseres hiesigen berühmten Theaterarchitekts Hrn. Hofkammerraths Lorenz Quaglio, welche jedermanns Bewunderung auf sich gezogen haben.«60


Indessen kann man nach allem, was wir über den Beifall, den die Oper in den Proben fand, lesen, nicht bezweifeln, daß sie glänzend aufgenommen wurde.

Wieviel Honorar Mozart für den Idomeneo erhielt, wissen wir nicht; daß es nicht sehr bedeutend war, erhellt daraus, daß L. Mozart seinem Sohn schreibt (11. Dez. 1780)61: »Wie wird es mit der Spart gehen? wird sie nicht copirt? Du mußt darauf bedacht seyn, aber Du mußt es fein anstellen. Um so eine Bezahlung, wie diese, kann man seine Spart nicht zurücklassen.« Worauf dieser antwortet (16. Dez. 1780)62: »Wegen der Spart zu copiren braucht ich es gar nicht fein zu machen, sondern sagte es ganz gerade dem Grafen. Es war allzeit in Mannheim der Brauch (wo der Kapellmeister gewiß gut bezahlt war), daß er das Original zurückbekommen.« Die Originalpartitur in drei Bänden (im Besitze der Staatsbibliothek in Berlin) ist eine mit rascher Hand geschriebene, sehr saubere Reinschrift, in der fast gar nichts geändert ist als mitunter im Rezitativ. Wie gewöhnlich sind die einzelnen Nummern für sich geschrieben und nachher eingelegt; die Noten der Kontrabaßstimme sind hier, wie in anderen Partituren, zur Erleichterung für den Generalbaßspieler am Klavier größer geschrieben. Die Partitur sollte damals gedruckt werden, wie aus einem Briefe L. Mozarts an Breitkopf (10. Aug. 1781) hervorgeht63: »Man wollte uns durchaus bereden, die Opera gedruckt oder graviert, die ganze Spart oder fürs Clavier eingerichtet herauszugeben. Es gaben sich bereits Subscribenten für einige 20 Exemplare an, darunter Se. Durchl. der Prinz Max von Zweybrücken etc. waren, allein meines Sohnes Reise nach Wien und die dazwischengekommenen Begebenheiten machten, daß wir Alles verschoben.« Die Originalpartitur der Musik zum Ballett (K.-V. 367, S.V. 14) befindet sich ebenfalls in der Berliner Bibliothek.

Mozart soll diesen Idomeneo (K.-V. 366, S.V. 13 mit Gr. Waldersees R.-B.) auch in späteren Jahren noch besonders geschätzt haben64. Bald nachdem er in Wien festen Fuß gefaßt hatte, dachte er daran, ihn umzuarbeiten und dort aufzuführen. Der Plan schlug fehl, und als 1786 eine Gesellschaft vornehmer Dilettanten das Werk beim Fürsten Karl Auersperg aufführte, kam es zwar zu einzelnen Änderungen, aber zu keiner förmlichen Umarbeitung[638] (Beil. XI. 2). Später65 und bis in die neueste Zeit hinein erscheint der Idomeneo immer wieder vereinzelt auf den Bühnen, ohne sich freilich dauernd zu behaupten. Daran trägt vor allem das veraltete Textbuch die Schuld, während Mozarts Musik von jeher das besondere Lob der Kenner erhalten hat66.

Der Urlaub, der Mozart vom Erzbischof für die Münchener Reise erteilt worden war, erstreckte sich nur auf sechs Wochen und war zudem mit ziemlichen Schwierigkeiten erhalten worden. Nach Ablauf der sechs Wochen fürchtete Mozart, kurzerhand nach Salzburg zurückberufen zu werden, ein Gedanke, der ihm angesichts seiner Münchener Erfolge unerträglicher war denn je (16. Dez. 1780)67:


Apropos! Wie ist es denn mit dem Erzbischof? Künftigen Montag wird es 6 Wochen, daß ich von Salzburg weg bin. Sie wissen, mein liebster Vater, daß ich nur Ihnen zu Liebe in Salzburg bin; denn, bey Gott, wenn es auf mich ankäme, so würde ich, bevor ich diesmal abgereiset bin, an dem letzten Decret den H-geputzt haben; denn mir wird, bey meiner Ehre, nicht Salzburg, sondern der Fürst, die stolze Noblesse alle Tage unerträglicher. Ich würde also mit Vergnügen erwarten, daß er mir schreiben ließe, er brauche mich nicht mehr, würde auch bey der großen Protection, die ich dermalen hier habe, für gegenwärtige und zukünftige Umstände genug gesichert seyn, – Todesfälle ausgenommen, für welche niemand stehen kann – und welche aber einem Menschen von Talenten, der ledig ist, keinen Schaden bringen. – Doch Ihnen zu liebe alles in der Welt, – und leichter würde es mir noch ankommen, wenn man doch nur bisweilen auf eine kurze Zeit weg könnte, um Odem zu holen. Sie wissen, wie schwer daß es gehalten hat, dießmal wegzukommen, ohne große Ursache ist gar kein Gedanke nicht – es ist zum Weinen, wenn man daran gedenkt, drum weg damit – – Adieu! ... Kommen Sie bald zu mir nach München und hören Sie meine Opera – und sagen Sie mir dann, ob ich Unrecht habe traurig zu seyn, wenn ich nach Salzburg denke. Adieu!


Wegen des Urlaubs suchte der Vater ihn zu beruhigen (25. Dez. 1780)68:


Was anbelangt wegen der sechs Wochen, so bin ich entschlossen, mich gar nicht zu rühren, noch etwas zu melden: sollte aber eine Rede an mich kommen, so bin ich entschlossen, zu antworten, daß wir es verstanden hätten, daß Du sechs Wochen nach componirter Opera wegen Probe und Production in München Dich aufhalten könntest, indem ich nicht vermuthen konnte, als glaubten Se. Hochfürstl. Gnaden, daß eine solche Opera in sechs Wochen komponirt, abgeschrieben und aufgeführt werden könnte usw.
[639]

Auch gegen eine Anstellung in München hatte er nichts einzuwenden gehabt, auf die sich Wolfgang begreiflicherweise gerade damals wieder starke Hoffnungen machte, ja er gedachte sogar den Vater nach sich zu ziehen. Vor allem suchte er sich jetzt in München auch als Kirchenkomponist in Erinnerung zu bringen (Brief vom 13. Nov. 1780)69:


Haben Sie doch die Güte und schicken mir die 2 Sparten von den Messen, die ich mithabe, und die Messe aus dem B auch (S.I. 13). Denn Graf Seeau wird nächstens dem Churfürsten etwas davon sagen. Ich möchte, daß man mich in diesem Styl auch kennen lernte. Ich habe erst eine Messe von Grua [Kapellmeister seit 1779, gest. 1833] gehört; von dieser Gattung kann man leicht täglich ein halb Dutzend componiren.


Damals ist offenbar ein neues kirchliches Werk entstanden, das große Kyrie in d-Moll (K.-V. 341, S. III. 5). Sowohl sein Charakter als seine vom Salzburger Brauch gänzlich abweichende Instrumentation (Streichquartett, je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte, vier Hörner in D und F und zwei Trompeten und Pauken) weist auf München und den Idomeneo hin. Ob es ein Bruchstück einer nicht vollendeten Messe oder eine selbständige Einlage war, ist nicht mehr zu entscheiden.

Ein anderes Werk, dessen instrumentaler Charakter aus dem Salzburger Rahmen herausfällt, mag ebenfalls in München entstanden sein, die B-Dur-Serenade (K.-V. 361, S. IX. 12) mit der Jahreszahl 1780, für je zwei Oboen, Klarinetten, Bassett-Hörner, Fagotte, vier Hörner, Violoncello und Baß70. Es ist sehr wohl denkbar, daß Mozart dieses Stück für die ausgezeichneten Kräfte der befreundeten Münchner Kapelle geschrieben hat.

Zwei Nachzügler des Idomeneo sind die beidenKonzertarien für Sopran mit Rezitativen: »Ma che vi fece o stelle« aus Metastasios »Demofoonte« I 4 und »Misera dove son« aus dessen »Ezio« (K.-V. 368, 369, S. VI. 20, 21), von denen die zweite für die Gräfin Baumgarten bestimmt war. Auch sind wohl die beiden Lieder mit Mandolinenbegleitung (K.-V. 349, 351, S. VII. 11a, 13) für die Münchner Freunde komponiert worden71, der treue Ramm erhielt außerdem noch ein Quartett für Oboe, Violine, Viola und Cello in F-Dur (K.-V. 370, S. XIV. 30).

Während der Komposition der Oper war Mozarts Verkehr wesentlich auf die Familie Cannabich beschränkt gewesen, nachher aber nahm er mit[640] Vater und Schwester nach Herzenslust an den Karnevalsvergnügungen und am geselligen Verkehr teil. Noch am 26. Mai 1781 schreibt er72:


In München, das ist war, da hab ich mich wider Willens in ein falsches Licht bey Ihnen gestellt, da hab ich mich zu viel unterhalten – doch kann ich Ihnen bei meiner Ehre schwören, daß ich, bevor die opera in scena war, in kein Theater gegangen, und nirgends, als zum Cannabichschen gekommen bin ... Daß ich hernach zu lustig war, das geschah aus jugendlicher Dummheit; ich dachte mir: wo kömmst Du hin? Nach Salzburg! Mithin mußt Du Dich letzen!


Dieses Schlaraffenleben verdankte er im Grunde seinem Erzbischof, der wohl infolge des Todes der Kaiserin längere Zeit in Wien verweilte. Nach dem Brauche der Vornehmen hatte er ein stattliches Gefolge, darunter auch einige seiner ausgezeichnetsten Musiker, dorthin mitgenommen. Jetzt erhielt auch Mozart den Befehl, nach Wien nachzukommen. Am 12. März reiste er ab. Offenbar war dem Erzbischof über dieser recht beträchtlichen Urlaubsüberschreitung schließlich die Geduld gerissen; er scheint von Anfang an die Absicht gehabt zu haben, seinen widerspenstigen Konzertmeister in Wien mit allem Nachdruck wieder an seine Dienstpflichten zu erinnern und ihm alle Selbständigkeitsgelüste gründlich auszutreiben. Dieser mag sich zunächst auf Wien besonders gefreut haben, denn dort gingen die Wogen des musikalischen Lebens seit dem Abschluß der Landestrauer um die Kaiserin Maria Theresia wieder außerordentlich hoch, und Mozart brannte darauf, sich bei der vornehmen Welt hören zu lassen. Allein der Erzbischof machte ihm dabei gleich einen gründlichen Strich durch die Rechnung. Er hatte ihn wohl nicht ohne Absicht in seinem eigenen Quartier untergebracht und behandelte ihn fortan durchaus als seinen Bedienten. Wir erhalten aus Mozarts Briefen ein sehr anschauliches Bild von der gesellschaftlichen Stellung eines damaligen Musikers, denn was ihm hier widerfuhr, beruhte nicht auf einer besonderen Tücke des Erzbischofs, sondern auf einer uralten Sitte, die den Künstler nach den ungebundenen Münchner Tagen allerdings besonders hart bedrücken mußte. Die alten Salzburger Fachgenossen, Ceccarelli den Kastraten und Brunetti den Violinisten, fand er bei seiner Ankunft am 16. März bereits vor73.


Gestern als den 16ten [März 1781] bin ich, Gott Lob und Dank, ganz Mutter seeliger allein in einer Postchaise hier angekommen ... morgens um 9 Uhr ...[641] Nun vom Erzbischof. Ich hab ein scharmantes Zimmer im nämlichen Hause, wo der Erzbischof logirt [im deutschen Haus in der Singerstraße]. Brunetti und Ceccarelli logiren in einem andern Hause. Che distinzione! – Mein Nachbar ist Hr. v. Kleinmayr [Direktor des Hofrats], welcher bey meiner Ankunft mich mit allen Höflichkeiten überhäufte; er ist auch in der Tat ein scharmanter Mann. Um 12 Uhr zu Mittag, leider für mich ein bischen zu frühe, gehen wir schon zu Tische. Da speisen die 2 Herrn Herrn Leib- und Seel-Kammerdiener, Hr. Controlleur [E.M. Kölnberger], Hr. Zetti [Kammerfourier], der Zuckerbäcker, 2 Herrn Köche, Ceccarelli, Brunetti und meine Wenigkeit. NB. Die 2 Herrn Leib-Kammerdiener sitzen oben an, ich habe doch wenigstens die Ehre, vor den Köchen zu sitzen. Nu – ich denke halt: ich bin in Salzburg. – Bey Tische werden einfältige grobe Späße gemacht; mit mir macht keiner Späße, weil ich kein Wort rede, und wenn ich was reden muß, so ist es allzeit mit der größten Seriosität; so wie ich abgespeist habe, so gehe ich meines Weges. Abends haben wir keine Tafel, sondern jeder bekommt 3 Ducaten – da kann einer weit springen. Der Hr. Erzbischof hat die Güte und gloriert sich mit seinen Leuten, raubt ihnen ihre Verdienste und zahlt sie nicht davor. – Gestern um 4 Uhr haben wir schon Musik gehabt, da waren ganz gewiß zwanzig Personen von der größten Noblesse da. – Ceccarelli hat schon beym [Schwager des Erzbischofs, Grafen] Palfy singen müssen. Heute müssen wir zum [russischen Gesandten] Fürst Gallizin, der gestern auch da war. – Itzt will ich nur abwarten, ob ich nichts bekomme; bekomme ich nichts, so gehe ich zum Erzbischof und sage es ihm ganz gerade; wenn er nicht will, daß ich was verdienen soll, so soll er mich bezahlen, daß ich nicht von meinem Gelde leben muß.


Der Vater, der unterdessen mit der Schwester nach Salzburg zurückgekehrt war, sah nach diesem Briefe mit großer Sorge den Sturm bereits kommen und suchte nach Kräften zum Guten zu reden, erhielt aber folgende Antwort (24. März)74:


Was Sie mir vom Erzbischof schreiben, hat, was seinen Ehrgeiz meine Person betreffend kitzelt, in so weit seine Richtigkeit; – allein, was nutzt mich alles dieß? Von diesem lebt man nicht. Glauben Sie nur sicher, daß er mir hier gleich einem Lichtschirm ist. – Was giebt er mir denn für Distinction? – Hr. v. Kleinmayr, Boenike [Geh. Sekretär und Konsistorialrat] haben mit dem erlauchten Graf [Karl] Arco [Oberst-Küchenmeister] eine Extra-Tafel; – das wäre Distinction, wenn ich bey dieser Tafel wäre, aber nicht bei den Kammerdienern, die außer dem ersten Platz beim Tisch die Lüster anzünden, die Thüre aufmachen und im Vorzimmer bleiben müssen, wenn ich darin bin – und bey den Herrn Köchen! Und dann, wenn wir wo hingerufen werden, wo ein Concert ist, so muß der Herr [Leibkammerdiener] Angelbauer herauspassen, bis die Herren Salzburger kommen, und sie dann durch einen Lackay weisen lassen, damit sie hineindürfen. Wie das der Brunetti so im Discours erzählte, so dachte ich: wartet nur, bis ich einmal komme.


Als wir also letzthin zum Fürst Gallizin mußten, sagte mir Brunetti nach seiner höflichen Art: »tu, bisogna che sei qui stasera alle sette, per andare insieme dal principe Gallizin, l'Angelbauer ci condurrà. – Hò risposto: và bene – mà se in[642] caso mai non fossi qui alle sette in punto, ci andate pure, non serve aspettarmi, sò ben dove stà e ci verrò sicuro.« Ich ging also mit Fleiß, weil ich mich schäme, mit ihnen wohin zu gehen, allein hin; – als ich hinauf kam, stund schon der Hr. Angelbauer da, dem Hrn. Bedienten zu sagen, daß er mich hineinführen sollte. Ich gab aber weder auf den Hrn. Leib-Kammerdiener, noch Hrn. Bedienten acht, sondern ging gerade die Zimmer durch in das Musikzimmer, denn die Thüren waren alle offen, – und schnurgerade zum Prinzen hin, und machte ihm mein Compliment, wo ich dann stehen blieb und immer mit ihm sprach. Ich hatte ganz auf meinen Ceccarelli und Brunetti vergessen, dann man sah sie nicht, die steckten ganz hinterm Orchestre an die Mauer gelehnt, und traueten sich keinen Schritt hervor.


Man sieht daraus, daß der Erzbischof, abermals der Sitte seines Standes folgend, seine Bedienten und Kapellmitglieder auch in fremde Häuser mitnahm, um sie dort hören zu lassen, und er war zweifellos besonders stolz darauf, einen Künstler wie Mozart dabei vorzuführen. Aber weiter ging er keinen Schritt. Wie man damals die bei den Hauskomponisten bestellten Werke ängstlich vor fremden Händen hütete, so waren auch diese Komponisten selbst nach alter Anschauung nur für die eigenen Bedürfnisse da, und Hieronymus handelte also nur der Sitte seines Standes gemäß, als er Mozart in Wien von aller selbständigen künstlerischen Betätigung strenge fernhielt. Nur in der geringen Bezahlung für seine Leistungen war er weit sparsamer als der Durchschnitt seiner Standesgenossen.

Unter anderem ließ er seine Leute bei dem alten Fürsten Rudolf Colloredo, seinem Vater, spielen, der sie aber doch mit fünf Dukaten honorierte, und welche Ansprüche er selbst bei seinen Konzerten an Mozart machte, sieht man aus einem Briefe an den Vater (8. April 1781)75:


Heute hatten wir – denn ich schreibe um 11 Uhr nachts – Akademie, da wurden 3 Stücke von mir gemacht, versteht sich, neue, – als: ein Rondeau zu einem Concert für Brunetti – eine Sonata mit Accompagnement einer Violin für mich, welche ich gestern Nachts von 11 bis 12 Uhr komponirt, habe; aber, damit ich fertig geworden bin, nur die Accompagnement-Stimme für Brunetti geschrieben habe, ich aber meine Parthie im Kopfe behalten habe, – und dann ein Rondeau für Ceccarelli, welches er hat repetiren müssen.


Der Erzbischof, der ihm für das erste Konzert noch vier Dukaten bewilligt hatte, ließ ihn diesmal ganz ohne Vergütung.


Was mich aber halb desperat machte, [schreibt er am 11. April76] ist, daß ich an dem nämlichen Abend, als wir die Scheißmusik da hatten, zur Gräfin Thun invitiert war und also nicht hinkommen konnte, und wer war dort?Der Kaiser.[643] Adamberger und die Weigl waren dort, und hat jedes 50 Dukaten bekommen! Und welche Gelegenheit!


Trotz dem bischöflichen Verbote gelang es Mozart indessen doch, auf eigene Faust Erfolge zu erringen. Die alten Bekanntschaften mit der Familie Meßmer, mit Herrn v. Aurnhammer und seiner »dicken Fräulein Tochter« und dem alten Kapellmeister Bonno wurden erneuert. Bei Bonno wurde sogar eine seiner Sinfonien mit größtem Erfolge probiert; »40 Violin haben gespielt, die Blasinstrumente alle doppelt, 10 Bratschen, 10 Contrabassi, 8 Violoncelli und 6 Fagotti«77. Die neuen Bekanntschaften aber erweckten in ihm die kühnsten Hoffnungen, und bereits richtete er sein Augenmerk auf den Kaiser Josef II. selbst (24. März)78:


Ich gehe heute Abends [24. März] mit Hrn. v. Kleinmayrn zu einem seiner guten Freunde, zum Hofrath Braun, wo mir alle sagen, daß er der größte Liebhaber vom Clavier sey79. Bey der Gräfin Thun habe schon 2 Mal gespeist und komme fast alle Tage hin, das ist die scharmanteste, liebste Dame, die ich in meinem Leben gesehen, und ich gelte auch sehr viel bey ihr ... Beym [Hof- und Staats-Vicekanzler] Grafen Cobenzl habe auch gespeist ... Nun ist meine Hauptabsicht hier, daß ich mit schöner Manier zum Kaiser komme, denn ich will abso lument, daß er mich kennen lernen soll. Ich möchte ihm mit Lust meine Opera durchpeitschen und dann brav Fugen spielen; denn das ist seine Sache. – O hätte ich gewußt, daß ich die Fasten nach Wien kommen würde, hätte ich ein kleines Oratorio geschrieben und zu meinem Vortheile im Theater gegeben, wie es hier alles macht. Ich hätte leicht vorher zu schreiben gehabt, weil ich die Stimmen alle kenne. Wie gern gäb ich nicht ein öffentliches Konzert, wie es hier der Brauch ist; aber – es wird mir nicht erlaubt, das weiß ich gewiß: denn stellen Sie sich vor, – Sie wissen, daß hier eine Societät ist, welche zum Vortheil der Witwen von den Musicis Academien giebt; alles was nur Musik heißt, spielt da umsonst – das Orchestre ist 180 Personen stark80 – kein Virtuos, der nur ein bischen Liebe des Nächsten hat, schlägt es ab darin zu spielen, wenn er von der Societät aus darum ersucht wird. Denn man macht sich auch sowohl beym Kaiser als beym Publikum darum beliebt. – Starzer hatte den Auftrag, mich darum zu bitten, und ich sagte es ihm gleich zu, doch müßte ich vorher meines Fürsten Gutachten darüber vernehmen – und ich hatte gar keinen Zweifel, weil es eine geistliche Art und unentgeltlich nur um ein gutes Werk zu thun ist; er erlaubte es mir nicht. Die ganze Noblesse hier hat ihm[644] dieses übel genommen. – Mir ist es nur wegen diesem leid, – ich hätte kein Concert, sondern, weil der Kaiser in der Proscen-Loge ist, ganz allein (die Gräfin Thun hätte mir ihr schönes Steiner Pianoforte dazu gegeben) präludirt, eine Fuge – und dann die Variationen »Je suis Lindor«81 gespielt. – Wo ich noch das so öffentlich gemacht habe, habe ich den größten Beyfall erhalten, weil es so gut gegen einander absticht und weil jeder – was hat; aber pazienza.


Diesmal mußte der Erzbischof aber schließlich doch nachgeben. Das von dem Kapellmeister Florian Gaßmann 1771 begründete Pensionsinstitut für Witwen und Waisen der Wiener Tonkünstler hatte hohe Gönner, und die vier Konzerte, die jährlich, je zwei in der Adventszeit und Karwoche, gegeben wurden, erfreuten sich bei den Künstlern und beim Publikum allgemeiner Beliebtheit. So gelang es schließlich Starzer mit Hilfe des Adels, bei der Akademie beim Fürsten Gallitzin dem Erzbischof die Erlaubnis abzuringen. Das Konzert fand am 3. April 1781 statt82 und brachte Mozart einen durchschlagenden Erfolg; er hatte seine Sinfonie aufgeführt und außerdem ein Klavierkonzert gespielt (4. April)83: »Gestern kann ich wohl sagen, daß ich mit dem Wiener Publikum recht zufrieden war. Ich spielte in der Akademie der Witwen im Kärntnertor-Theater. Ich mußte wieder neuerdings anfangen, weil des Applaudierens kein Ende war.« Ein eigenes Konzert versprach unter diesen Umständen einen glänzenden Erfolg. »Die Dames haben sich mir schon selbst angetragen Billietters auszuteilen ... Was glauben Sie, wenn ich nun, da mich das Publikum einmal kennt, eine Akademie für mich gebe, was ich nicht da machen würde? Allein unser Erzlümmel erlaubt es nicht – will nicht, daß seine Leute Profit haben sollen, sondern Schaden.« Daß seine Gereiztheit bereits einen bedenklichen Grad erreicht hatte, geht auch aus anderen Äußerungen hervor. Vor allem bekam der Vater aufs neue zu hören, daß Wolfgang lediglich ihm zu Gefallen überhaupt noch auf den Erzbischof Rücksicht nehme. So war Zündstoff genug aufgehäuft, als der Entschluß des Erzbischofs, seine Musiker nach Salzburg zurückzuschicken, die unvermeidliche Entladung herbeiführte. Mußte Mozart jetzt, wo er eben warm zu werden begann, von Wien wieder weg, so waren für absehbare Zeit alle Zukunftshoffnungen begraben. Am 4. April erzählte ihm nun Brunetti, Graf Arco habe ihm vom Erzbischof[645] aus mitgeteilt, sie würden das Postgeld bekommen und sollten bis Sonntag abreisen. Wer noch länger bleiben wolle, könne es tun, aber auf eigene Kosten. Mozart beschloß, diese Eröffnungen zu ignorieren, bis sie ihm Graf Arco selbst machen würde, dann wollte er sich ihm schon entdecken. Seine Absicht war entschieden, in Wien zu bleiben, von dem er sich den allergrößten Verdienst versprach, und zum Schluß platzt er heraus84: »O ich will dem Erzbischof gewiß eine Nase drehen, daß es eine Freude sein soll, und mit der größten Politesse, denn er kann mir nicht aus.«

Am 8. April hieß es, die Künstler sollten in vierzehn Tagen heimreisen. Der Vater erschrak über Wolfgangs gefährliche Pläne aufs tiefste; abermals flößte ihm sein selbständiges Auftreten das größte Mißtrauen ein, handelte es sich doch um die Stellung, die er selbst ihm unter tausend Sorgen und Mühen vor kurzem erst verschafft hatte. Nochmals versuchte er die ihm bereits entgleitenden Zügel in der Erziehung Wolfgangs wieder fester anzuziehen und beschwor ihn, vorsichtig zu sein und seinen Posten nicht leichtsinnig aufs Spiel zu setzen. Die Antwort lautete (8. April 1781)85:


Liebster Vater, ich habe Sie wohl recht lieb, das sehen Sie aus diesem, weil ich Ihnen zu Lieb allem Wunsch und Begierde entsage; denn wenn Sie nicht wären, so schwöre ich Ihnen bey meiner Ehre, daß ich keinen Augenblick versäumen würde, sondern gleich meine Dienste quittirte, – ein großes Concert gäbe, vier Scolaren nähme und in einem Jahr gewiß hier in Wien so weit käme, daß ich wenigstens jährlich auf meine tausend Thaler käme. Ich versichere Sie, daß es mir oft schwer genug fällt, daß ich mein Glück so auf die Seite stoßen soll. –


Am 11. April klagt Wolfgang86:


Wenn ich daran denke, daß ich von Wien wegreisen soll, ohne wenigstens 1000 fl. wegzutragen, so thut mir doch das Herz weh. Ich soll also wegen einem schlechtdenkenden Fürsten, der mich mit lausigen 400 fl. alle Tage cujonirt, tausend Gulden mit Füßen wegstoßen? denn das mache ich gewiß, wenn ich ein Concert gebe.


Seinen sehnlichsten Wunsch, dem Kaiser vorgestellt zu werden, mußte er ebenfalls aufgeben, wenn er abreiste (11. April)87:


Ich kann ja doch dem Kaiser nicht sagen lassen, wenn er mich hören will, so soll er bald machen, denn in soviel Tägen reise ich ab – so was muß man ja doch immer erwarten. Und hier bleiben kann und mag ich nicht, außer ich gebe ein Concert; – denn ich stehe freylich, wenn ich nur zwei Scolaren hier habe, besser als bey uns; aber – wenn man 1000 oder 1200 fl. im Sack hat, kann man sich ein wenig mehr bitten lassen, mithin auch besser bezahlen lassen. Und das erlaubt er nicht, der Menschenfeind – ich muß ihn so nennen: denn er ist es und die ganze Noblesse nennt ihn so.


Auch für eine Anstellung zeigten sich ihm in Wien in nicht allzugroßer Ferne günstige Aussichten. Kapellmeister Bonno war sehr alt; nach seinem[646] Tode mußte Salieri Kapellmeister werden und Starzer in dessen Stelle einrücken, für Starzer wußte man noch keinen Nachfolger – konnte man einen bessern finden als Mozart?

Trotz den erneuten Mahnungen des Vaters und dem mit schwerem Herzen gegebenen Versprechen des Sohnes, sie befolgen zu wollen, waren die Dinge am 28. April doch schon so weit gediehen, daß Wolfgang schreibt88:


Sie erwarten mich mit Freude, mein liebster Vater! – Das ist auch das Einzige, was mich zum Entschluß bringen kann, Wien zu verlassen – ich schreibe das alles nun in der natürlichen teutschen Sprache89, weil es die ganze Welt wissen darf und soll, daß es der Erzbischof von Salzburg nur Ihnen, mein bester Vater zu danken hat, daß er mich nicht gestern auf immer (versteht sich, für seine Person) verloren hat. Gestern war große Accademie bei uns – vermuthlich die letzte. Die Accademie ist recht gut ausgefallen und trotz all den Hindernissen Seiner Erzbischöflichen Gnaden habe ich doch ein besseres Orchestre gehabt als Brunetti, das wird Ihnen Ceccarelli sagen; denn wegen diesem Arrangement habe ich soviel Verdruß gehabt – o, das läßt sich besser reden als schreiben. Doch wenn, wie ich aber nicht hoffen will, wieder so etwas vorgehen sollte, so kann ich Sie versichern, daß ich die Geduld nicht mehr haben werde, und Sie werden mir es gewiß verzeihen. Und das bitte ich Sie, mein liebster Vater, daß Sie mir erlauben, künftige Fasten zu Ende Carneval nach Wien zu reisen – nur auf Sie kommt es an, nicht auf den Erzbischof; denn, will er es nicht erlauben, so gehe ich doch – es ist mein Unglück nicht, gewiß nicht! – O, könnte er dies lesen, mir wäre es ganz recht. Aber Sie müssen es mir im künftigen Briefe versprechen, denn nur mit dieser Bedingniß gehe ich nach Salzburg – aber gewiß versprechen, damit ich den Damen hier mein Wort geben kann. Stephanie wird mir eine teutsche Oper zu schreiben geben. Ich erwarte also Ihre Antwort hierüber ... Wann und wie ich abreise, kann ich Ihnen noch nicht schreiben. Es ist doch traurig daß man bey diesen Herren nichts wissen kann – auf einmal wird es heißen: allons, weg! Bald sagt man, es ist ein Wagen beym Machen, worinnen der Controleur, Ceccarelli und ich nach Hause reisen sollen, bald heißt es wieder mit der Diligence, bald wieder, man wird jedem das Diligencegeld geben, und da kann jeder reisen, wie er will – welches mir auch in der That das Liebste wäre; bald in 8 Tägen, bald in 14, bald in 3 Wochen, dann wieder noch eher – Gott! man weiß nicht wie man daran ist, man kann sich in nichts helfen ... Gestern haben mich die Damen nach der Accademie eine ganze Stunde beim Clavier gehabt, ich glaube ich säße noch dort, wenn ich mich nicht davon gestohlen hätte; ich dachte ich hätte doch genug umsonst gespielt.


Später schrieb er noch (13. Juni 1781)90:


Ich habe das letztemal, da alles aus war, eine ganze Stunde noch Variationen (dazu mir der Erzbischof das Thema gab) gespielt, und da war so ein allgemeiner Beyfall, daß, wenn der Erzbischof nur ein wenig ein menschliches Herz hat, er gewiß hat Freude fühlen müssen; und anstatt mir wenigstens seine Zufriedenheit und Wohlgefallen – oder meinetwegen gar nichts zu zeigen, macht er mich aus wie einen Gassenbuben, sagt mir ins Gesicht, ich soll mich weiter scheeren, er bekäme hundert, die ihn besser bedienten als ich.
[647]

Was kommen mußte, kam. Über die Vorgänge des 9. Mai 1781 berichtet Mozart selbst91:


Ich bin noch ganz voll der Galle! und Sie als mein bester, liebster Vater sind es gewiß mit mir. Man hat solange meine Geduld geprüft, endlich hat sie aber doch ge scheitert. – Ich bin nicht mehr so unglücklich, in Salzburgerischen Diensten zu seyn – heute war der glückliche Tag für mich; hören Sie. Schon zweymal hat mir der – ich weiß gar nicht wie ich ihn nennen soll – die größten Sottisen und Impertinenzen ins Gesicht gesagt, die ich Ihnen, um Sie zu schonen, nicht habe schreiben wollen und nur, weil ich Sie immer, mein bester Vater, vor Augen gehabt habe, nicht gleich auf der Stelle gerächt habe. Er nannte mich einen Buben, einen liederlichen Kerl, sagte mir, ich sollte weiter gehen – und ich – litte alles, – empfand, daß nicht allein meine Ehre, sondern auch die Ihrige dadurch angegriffen wurde, allein – Sie wollten es so haben – ich schwieg. Nun hören Sie. Vor acht Tägen kam unverhofft der Laufer herauf und sagte, ich müßte den Augenblick ausziehen – den anderen allen bestimmte man den Tag, nur mir nicht; ich machte also alles geschwind in den Koffer zusammen, und die alte Mad. Weber war so gütig, mir ihr Haus zu offriren. Da habe ich mein hübsches Zimmer, bin bey dienstfertigen Leuten, die mir in allem, was man oft geschwind braucht und (wenn man allein ist) nicht haben kann, an die Hand gehen. Auf Mittwoch setzte ich meine Reise (als heute den 9ten) mit der Ordinaire fest, ich konnte aber meine Gelder, die ich noch zu bekommen habe, in der Zeit nicht zusammen bringen, mithin schob ich meine Reise bis Samstag auf. – Als ich mich heute dort sehen ließ, sagten mir die Kammerdiener, daß der Erzbischof mir ein Paquet mitgeben will; ich fragte, ob es pressirt, so sagten sie, ja, es wäre von großer Wichtigkeit. So ist es mir leid, daß ich nicht die Gnade haben kann, S.H. Gnaden zu bedienen, denn ich kann (aus obengedachter Ursache) vor Samstag nicht abreisen; ich bin aus dem Hause, muß auf meine eigenen Kösten leben, da ist es nun ganz natürlich, daß ich nicht eher abreisen kann, bis ich nicht im stande dazu bin, denn kein Mensch wird meinen Schaden verlangen. Kleinmayr, Moll, Boenecke und die zwey Leibkammerdiener gaben mir recht. – Als ich zu ihm hineinkam – NB.! muß ich Ihnen vorher sagen, daß mir der [Leibkammerdiener] Schlaucher gerathen, ich möchte die Excuse nehmen, daß die Ordinari schon besetzt seye, das seye bey ihm ein stärkerer Grund –, als ich also zu ihm hineinkam, so war das erste: Erzb.: »Nun, wann geht er denn, Bursch?« – Ich: »Ich habe wollen heute Nacht gehen, allein der Platz war schon verstellt.« – Dann gings in einem Odem fort, ich seye der liederlichste Bursch, den er kenne; kein Mensch bediene ihn so schlecht wie ich; er rathe mir heute noch wegzugehen, sonst schreibt er nach Haus, daß die Besoldung eingezogen wird, – man konnte nicht zu Rede kommen, das ging fort wie ein Feuer. Ich hörte alles gelassen an; er lügte mir ins Gesicht, ich hätte 500 fl. Besoldung92; hieß mich einen Lumpen, Lausbub, einen Fexen – o, ich möchte Ihnen nicht alles schreiben. Endlich da mein Geblüt zu stark in Wallung gebracht wurde, so sagte ich: Sind also Ew. H.F. Gnaden nicht zufrieden mit mir? – Was? er will mir drohn? o er Fex! dort ist die Thür! schau er, ich will mit einem solchen elenden Buben nichts mehr zu thun haben. – Endlich sagte ich: Und ich mit Ihnen auch nichts mehr. – Also geh er, – und ich: im weggehen – Es soll auch dabey[648] bleiben, morgen werden Sie es schriftlich bekommen. Sagen Sie mir also, bester Vater, ob ich das nicht eher zu spät als zu früh gesagt habe? – Nun hören Sie. Meine Ehre ist mir über alles und ich weiß, daß es Ihnen auch so ist. – Sorgen Sie sich gar nichts um mich, ich bin meiner Sache hier so gewiß, daß ich ohne mindeste Ursache quittirt hätte; da ich nun Ursache dazu gehabt habe, und das 3 mal, so habe ich gar keinen Verdienst mehr dabey, au contraire, ich war zweymal Hundsfut, das drittemal konnte ich es halt doch nicht mehr seyn. Solange der Erzbischof noch hier seyn wird, werde ich keine Accademie geben. Daß Sie glauben, daß ich mich bey der Noblesse und dem Kaiser selbst in üblen Credit setzen werde, ist grundfalsch – der Erzbischof ist hier gehaßt und vom Kaiser am meisten; das ist eben sein Zorn, daß ihn der Kaiser nicht nach Laxenburg eingeladen hat. Ich werde Ihnen mit künftigem Postwagen etwas weniges von Geld überschicken, um Sie zu überweisen, daß ich hier nicht darbe. Übrigens bitte ich Sie, munter zu seyn, denn itzt fängt mein Glück an, und ich hoffe, daß mein Glück auch das Ihrige sein wird; schreiben Sie mir heimlich, daß Sie vergnügt darüber sind – und das können Sie in der That seyn – und öffentlich aber zanken Sie mich recht darüber, damit man Ihnen keine Schuld geben kann. Sollte Ihnen aber der Erzbischof ungeacht dessen die mindeste Impertinenz thun, so kommen Sie allsogleich mit meiner Schwester zu mir nach Wien. Wir können alle drei leben, das versichere ich Sie auf meine Ehre, doch ist es mir lieber, wenn Sie ein Jahr noch aushalten können. Schreiben Sie mir keinen Brief mehr ins teutsche Haus und mit dem Paquet – ich will nichts mehr von Salzburg wissen – ich hasse den Erzbischof bis zur Raserey ... Schreiben Sie nur: abzugeben auf dem Peter im Auge Gottes im 2. Stock. Geben Sie mir Ihr Vergnügen bald zu erkennen, denn nur dieses fehlt mir noch zu meinem itzigen Glück.


Er führte auch seinen Entschluß sogleich aus und berichtete am 12. Mai seinem Vater weiter93:


Sie wissen aus meinem letzten Schreiben, daß ich den Fürsten um meine Entlassung gebeten habe, – weil er mir es selbst geheißen hat; denn schon in den zwey ersteren Audienzen sagte er mir: Scher' er sich weiter, wenn er mir nicht recht dienen will! Er wird es freilich leugnen, aber deßwegen ist es doch so wahr als Gott im Himmel ist. – Was Wunder dann, wenn ich es endlich (durch Bube, Schurke, Bursche, liederlicher Kerl und der gleichen mehr im Munde eines Fürsten rühmliche Ausdrücke ganz außer mir) das: Scher' Er sich weiter! endlich für bekannt angenommen habe.

Ich gab den folgenden Tag dem Graf Arco eine Bittschrift, um sie Sr. Hochfürstl. Gnaden zu überreichen, und auch wieder das Reisegeld, welches in 15 fl. 40 Xr. als das Diligencegeld und 2 Ducaten Verzehrungsgeld besteht. – Er nahm mir beydes nicht an, sondern versicherte mich, daß ich gar nicht quittieren könnte, ohne Ihre Einwilligung zu haben, mein Vater. Das ist Ihre Schuldigkeit, sagte er mir. – Ich versicherte ihn gleichfalls, daß ich so gut als er und vielleicht besser meine Schuldigkeit gegen meinen Vater kenne, und es wäre mir sehr leid, wenn ich sie erst von ihm lernen müßte. Gut also, sagte er, ist er damit zufrieden, so können Sie Ihre Entlassung begehren, wo nicht, so – können Sie sie – auch begehren. Eine schöne Distinction! – Alles, was mir der Erzbischof in den drei Audienzen Erbauliches sagte, besonders in der letzten, – und was mir itzt wieder[649] dieser herrliche Mann Gottes Neues erzählte, machte eine so treffliche Wirkung auf meinen Körper, daß ich Abends in der Opera mitten im ersten Acte nach Hause gehen mußte, um mich zu legen; denn ich war ganz erhitzt, – zitterte am ganzen Leibe – und taumelte wie ein Besoffener auf der Gasse, blieb auch den folgenden Tag als gestern zu Hause, – den ganzen Vormittag aber im Bett, weil ich das Tamarindenwasser genommen.

Der Herr Graf hatte auch die Gewogenheit, sehr viel Schönes an seinen Herrn Vater [Oberst-Kämmerer] von mir zu schreiben, welches Sie vermuthlich schon werden haben einschlucken müssen. Es werden freylich einige fabelhafte Stellen darin seyn, – doch wenn man eine Comödie schreibt, so muß man, wenn man Beyfall erhalten will, etwas utriren und nicht so genau der Wahrheit der Sache treu bleiben, – und Sie müssen auch der Dienstfertigkeit dieser Herren etwas zu gut halten. Ich will nur, ohne mich zu beeifern, denn mir ist meine Gesundheit und mein Leben lieber (ist mir leid genug, wenn ich dazu gezwungen bin), ich will also nur noch den Hauptvorwurf, den man mir über meine Bedienung machte, hersetzen. Ich wußte nicht, daß ich Kammerdiener wäre, und das brach mir den Hals. Ich hätte sollen alle Morgen so ein paar Stunden in der Antecamera verschleudern; man hat mir freylich öfters gesagt, ich sollte mich sehen lassen, – ich konnte mich aber niemalen erinnern, daß dieß mein Dienst seye, und kam nur allzeit richtig, wenn mich der Erzbischof rufen ließ.

Nun will ich Ihnen nur kurz meinen unbeweglichen Entschluß vertrauen, so aber, daß es die ganze weite Welt hören mag. Wenn ich beym Erzbischof von Salzburg 2000 fl. Gehalt bekommen kann und in einem anderen Ort nur 1000, so gehe ich doch in das andere Ort, – denn für die anderen 1000 fl. genieße ich meine Gesundheit und Zufriedenheit des Gemüths. – Ich hoffe also bey aller väterlichen Liebe, die Sie mir von Kindheit auf in so hohem Grade erwiesen haben, und wofür ich Ihnen zeitlebens nicht genug dankbar seyn kann (am allerwenigsten aber in Salzburg), daß, wenn Sie Ihren Sohn gesund und vergnügt haben wollen, mir von dieser ganzen Sache gar nichts zu schreiben und sie ganz in die tiefste Vergessenheit zu vergraben – denn ein Wort davon wäre schon genug, um mir wieder neuerdings und Ihnen selbst – gestehen Sie es nur – Ihnen selbst – Galle zu machen. Nun leben Sie recht wohl und freuen Sie sich, daß Sie keinen Hundsfott zum Sohne haben.


An demselben Tage sandte er dem Vater aber noch einen zweiten Brief intimeren Inhaltes durch eine sichere Gelegenheit94.


In dem Briefe, welchen Sie mit der Post erhalten haben, sprach ich mit Ihnen, als wenn wir in Gegenwart des Erzbischofs wären. Nun sprech ich aber ganz allein mit Ihnen, mein liebster Vater. Von allem Unrecht, welches mir der Erzbischof von Anbeginn seiner Regierung bis itzt angethan, von dem unaufhörlichen Schimpfen, von allen Impertinenzen und Sottisen, die er mir in das Gesicht sagte, von dem unwidersprechlichen Recht, das ich habe von ihm wegzugehen, wollen wir ganz schweigen, denn da läßt sich nichts dawider sagen. Nur will ich von dem sprechen, was mich – auch ohne alle Ursache einer Kränkung – von ihm wegzugehen verleitet haben würde.

Ich habe hier die schönsten und nützlichsten Connaissancen von der Welt, bin in den größten Häusern beliebt und angesehen, man erzeigt mir alle mögliche Ehre, und bin noch dazu dafür bezahlt, – und ich soll um 400 fl. in Salzburg[650] schmachten – ohne Bezahlung, ohne Aufmunterung schmachten und Ihnen in nichts nützlich sein können, da ich es doch hier gewiß kann? Was würde das Ende davon seyn? – immer das nämliche: ich müßte mich zu Tode kränken lassen, oder wieder weggehen. – Ich brauche Ihnen nichts mehr zu sagen, Sie wissen es selbst. Nur noch dieses, – die ganze Stadt Wien weiß schon meine Geschichte, – die ganze Noblesse redet mir zu, ich soll mich ja nicht mehr anführen lassen.

Liebster Vater, man wird Ihnen bald mit guten Worten kommen, aber es sind Schlangen, Vipern, – alle niederträchtigen Seelen sind so: sie sind bis zum Ekel hoch und stolz und dann kriechen sie wieder – abscheulich. Die zwei Leibkammerdiener sehen die ganze Sauerey ein. Besonders sagte der Schlaucher zu Jemand: ich – ich kann dem ganzen Mozart nicht Unrecht geben, – er hat ganz recht, – mir hätte ers so thun sollen! er machte ihn ja aus wie einen Bettelbuben, ich habs gehört – infam! Der Erzbischof erkennt sein ganzes Unrecht – hat er nicht schon öfter Gelegenheit gehabt, es zu erkennen? hat er sich darum gebessert? Nein! also weg damit! – Wenn ich nicht gesorgt hätte, daß es Ihnen dadurch vielleicht nicht zum besten gehen könnte, so wäre es schon längst anderst. – Aber in der Hauptsache – was kann er Ihnen thun? – Nichts. – Wenn Sie wissen, daß es mir gut geht, so können Sie ja leicht dem Erzbischof seine Gnade entbehren, – die Besoldung kann er Ihnen nicht nehmen, und übrigens thun Sie Ihre Schuldigkeit; und daß es mir gut gehen wird, bin ich Ihnen Bürge, ich würde sonst diesen Schritt itzt nicht gethan haben, – obwohl ich Ihnen gestehen muß, daß nach dieser Beleidigung ich – und hätte ich betteln müssen – weggegangen wäre; denn wer wird sich denn cujonieren lassen? besonders, wenn mans besser haben kann. Mithin – fürchten Sie sich, so thun Sie zum Schein, als wenn Sie böse wären auf mich, – zanken Sie mich in Ihren Briefen recht aus, wenn nur wir zwey wissen, wie die Sache steht, – lassen Sie sich aber nicht durch Schmeicheleyen verführen – seyen Sie auf Ihrer Hut.


Der Vater dachte freilich ganz anders. Ihm kam dieser Schritt Wolfgangs, der alle seine Pläne über den Haufen warf und den Sohn abermals einer unsicheren Zukunft preisgab, als jugendliche Torheit vor. Er konnte sich eben nun und nimmer an den Gedanken gewöhnen, daß dieser sein Lebensschicksal in die eigene Hand nehmen könnte, und in seinen Briefen kehrt jetzt dieselbe leidenschaftliche Bitterkeit wieder wie in der Pariser Zeit. Er versuchte mit allen Mitteln, den Sohn noch in letzter Stunde zur »Vernunft« zurückzuführen. Allein dieser blieb unerbittlich; noch einmal nach Salzburg zurückzukehren, ging ihm nicht nur gegen seinen Vorteil, sondern gegen seine Ehre, und so wies er alle Mahnungen und Vorwürfe in einem Tone zurück, der, ohne das Gefühl der Kränkung zu verhehlen, doch den klaren und zielbewußten Blick des reifen Mannes offenbart und wohltuend von dem gereizten und von Kleinlichkeit nicht freien Tone des Vaters absticht. Denn der hielt ihm bei dieser Gelegenheit ein ganzes Sündenregister vor, so kehrt z.B. der alte Vorwurf wieder, daß Wolfgang nicht mit dem Gelde umzugehen verstehe. Darauf kam die Antwort (26. Mai 1781)95:


[651] Glauben Sie sicherlich, daß ich mich ganz geändert habe, ich kenne außer meiner Gesundheit nichts Nothwendigeres als das Geld. Ich bin gewiß kein Geizhals, – denn das wäre für mich sehr schwer, ein Geizhals zu werden – und doch halten mich die Leute hier mehr zum Kalmäusen geneigt als zum Verschwenden, und das ist zum Anfang immer genug. – Wegen den Scolaren kann ich so viele haben als ich will; ich will aber nicht so viel, – ich will besser bezahlt seyn als die andern, und da will ich lieber weniger haben. Man muß sich gleich anfangs ein bischen auf die hintern Füße setzen, sonst hat man auf immer verloren, – muß mit den andern immer den allgemeinen Weg fortlaufen.


Auch auf die Schulden, die er Wolfgangs wegen gemacht habe, kam Leopold wieder zurück, und besonders mußte ihn die Äußerung kränken, Wolfgang werde sie in Wien wohl ebenso vergessen wie seine Aloysia ihn. Darauf schreibt dieser (9. Juni 1781)96:


Daß Sie mich mit Mad. Lange in Comparaison setzen, macht mich ganz erstaunen, und den ganzen Tag war ich darüber betrübt. – Dieses Mädchen saß ihren Eltern auf dem Hals, als sie sich noch nichts verdienen konnte; – kaum kam die Zeit, wo sie sich gegen ihre Eltern dankbar bezeigen konnte (NB. der Vater starb, noch ehe sie einen Kreuzer hier eingenommen), so verließ sie ihre arme Mutter, henkte sich an einen Comödianten, heurathet ihn und ihre Mutter hat nicht so viel – von ihr97. Gott! – meine einzige Absicht ist, weiß Gott, Ihnen und uns allen zu helfen; muß ich es Ihnen denn 100mal schreiben, daß ich Ihnen hier mehr nütze bin als in Salzburg? Ich bitte Sie, mein liebster, bester Vater, schreiben Sie mir keine solche Briefe mehr, ich beschwöre Sie; denn sie nützen nichts als mir den Kopf warm und das Herz und Gemüth unruhig zu machen. – Und ich – der nun immer zu componiren habe, brauche einen heiteren Kopf und ruhiges Gemüth.


Ja, er schickte dem Vater sogar 20 Dukaten mit der Entschuldigung, daß er gegenwärtig nicht mehr entbehren könne, und ließ dieser Sendung in den nächsten Jahren noch mehrere weitere folgen. Auch die Wiederaufnahme des Verkehrs mit der Weberschen Familie gefiel dem Vater gar nicht, er befürchtete einen neuen Liebeshandel, was Wolfgang indessen unter freimütigem Bekenntnis zu seinen ehemaligen Gefühlen und unter lobendem Hinweis auf die Hilfsbereitschaft der Mutter nachdrücklich zurückwies.[652]

Endlich wußten gute Freunde dem Vater allerhand Gerüchte über einen angeblichen unsittlichen Lebenswandel Wolfgangs in Wien zuzutragen. Besonders Hr. v. Moll hatte behauptet, er »sey nur so wegen dem Frauenzimmer« in Wien. Sogar eine bestimmte Person wurde genannt. Allein Wolfgang wußte sich zu rechtfertigen: »ich bin ein fälliger junger Mensch wie alle andern und kann zu meinem Trost nur wünschen, daß es alle so wenig wären wie ich. Sie glauben vielleicht Sachen von mir, die nicht also sind; der Hauptfehler bey mir ist, daß ich nach dem Scheine nicht allzeit so handle wie ich handeln sollte« (13. Juni 1781)98. Auch wegen seines kirchlichen Wandels habe er sich nichts vorzuwerfen; er höre alle Sonn-und Feiertage seine Messe, wenn er auch unter Fasten nur verstehe, »sich abbrechen, weniger essen als sonst«. »Übrigens seyen Sie versichert«, schließt er, »daß ich gewiß Religion habe, und sollte ich das Unglück haben, jemals (welches Gott verhüten wird) auf Seitenwege zu geraten, so spreche ich Sie, mein bester Vater, aller Schuld los«.

Unbeugsam wie immer verlangte indessen der Vater schließlich, er solle sein Entlassungsgesuch zurückziehen, das sei er seiner Ehre schuldig. Jetzt wurde Wolfgang deutlicher denn je (19. Mai)99:


Ich weiß auch nicht, was ich zuerst schreibe, mein liebster Vater, denn ich kann mich von meinem Erstaunen noch nicht erholen und werde es nie können, wenn Sie so zu denken und so zu schreiben fortfahren. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich aus keinem einzigen Zuge Ihres Briefes meinen Vater erkenne! – wohl einen Vater, aber nicht den besten, liebevollsten, den für seine eigene und die Ehre seiner Kinder besorgten Vater, – mit einem Wort, nicht – meinen Vater. Doch das war alles nur ein Traum, Sie sind nun erwacht und haben gar keine Antwort von mir auf Ihre Punkte nöthig, um mehr als überzeugt zu seyn, daß ich – nun mehr als jemals – von meinem Entschluß gar nicht abstehen kann ... Ich kann meine Ehre durch nichts anderes retten, als daß ich von meinem Entschluß abstehe? – Wie können Sie doch so einen Widerspruch fassen? Sie dachten nicht, als Sie dieses schrieben, daß ich durch einen solchen Zurückschritt der niederträchtigste Kerl von der Welt würde. Ganz Wien weiß, daß ich vom Erzbischof weg bin, – weiß warum! – weiß, daß es wegen gekränkter Ehre – und zwar zum dritten Mal gekränkter Ehre geschah, und ich sollte wieder öffentlich das Gegenteil beweisen? – soll mich zum Hundsfut und den Erzbischof zu einem braven Fürsten machen? – Das erste kann kein Mensch und ich – am allerwenigsten, und das andere – kann nur Gott, wenn er ihn erleuchten will ... Ihnen zu Gefallen, mein bester Vater, wollte ich mein Glück, meine Gesundheit und mein Leben aufopfern, – aber meine Ehre, die ist mir – und die muß Ihnen über alles seyn ... Liebster, bester Vater, begehren Sie von mir, was Sie wollen, nur das nicht, sonst alles – nur der Gedanke macht mich schon vor Wut zittern.


Mozarts erstes Entlassungsgesuch vom 9. Mai war entweder nicht bewilligt oder doch auf die lange Bank geschoben worden. Wahrscheinlich rechnete man auch bei Hofe mit dem wirksamen Druck des Vaters. Trotzdem nahm der Erzbischof, den man übrigens nach Mozarts Worten (Ende[653] Mai 1781)100 in Wien als einen »hochmütigen, eingebildeten Pfaffen kannte, der alles was hier ist verachtet«, keinen Anlaß, seine rücksichtslose Haltung zu ändern. Dagegen trat Graf Arco als Vermittler auf und ließ Mozart zu einer freundschaftlichen Unterredung einladen. Sie verlief kühl und ergebnislos, zumal da Mozart sich überzeugte, daß sein Vater in Salzburg seinetwegen nichts zu befürchten hatte101. Dagegen übergab er dem Grafen ein zweites Abschiedsgesuch, das dieser indessen, »aus Manglung des Muts und aus Liebe zur Fuchsschwänzerey« seinem Herrn gar nicht weitergab. Nun erfuhr Mozart, daß der Erzbischof demnächst abreisen wolle und überhaupt noch von nichts etwas wisse. Außer sich vor Unwillen darüber entwarf er nun ein drittes Gesuch, worin er dem Fürsten die Sachlage auseinandersetzte und bemerkte, er sehe sich genötigt, ihm dieses Gesuch im letzten Augenblicke noch persönlich zu überreichen102. Als er sich in dieser Angelegenheit am 8. Juni im Vorzimmer des Erzbischofs einfand und um eine Audienz bat, ging dem Grafen Arco die Galle über. Nach einem erregten Wortwechsel, in dessen Verlauf der Graf den Künstler mit Ausdrücken wie Flegel und Bursch bedachte, warf er ihn mit einem Fußtritt zur Türe hinaus. Es gab für Mozart daraufhin »kein ander Mittel als sich losreißen und laufen, denn ich wollte für die fürstlichen Zimmer den Respekt nicht verlieren, wenn ihn schon der Arco verloren hatte«. Daß der Erzbischof, wie Mozart in seiner Erregung annahm, mit dieser brutalen Regelung der Angelegenheit einverstanden gewesen wäre, ist ausgeschlossen, da er ja von ihrem ganzen bisherigen Verlaufe nichts wußte. Er verbarg seinen Groll, hüllte sich in Schweigen und ging über den Fall mit erkünstelter Ruhe weg. Sich durch das Benehmen seines Bedienten sichtlich aus der Fassung bringen zu lassen, ging gegen seine Grundsätze.

Mozarts Zorn aber wandte sich begreiflicherweise zunächst gegen den Grafen Arco. Dem schwur er seinen Tritt zurückzugeben (13. Juni), und sollte es auf offener Gasse geschehen103.


Ich begehre gar keine Satisfaction deswegen beym Erzbischof, denn er wäre nicht im Stande, sie mir auf solche Art zu verschaffen, wie ich sie mir selbst nehmen muß; sondern ich werde nächster Täge dem Hrn. Grafen schreiben, was er sich von mir zuverlässig zu gewarten hat, sobald das Glück will, daß ich ihn treffe, es mag seyn wo es will, nur an keinem Ort, wo ich Respect haben muß.
[654]

Der Vater erschrak vor diesem Attentat auf einen adligen Herrn und Grafen; allein der Sohn erwiderte (20. Juni 1781)104:


Das Herz adelt den Menschen, und wenn ich schon kein Graf bin, so habe ich vielleicht mehr Ehre im Leib als mancher Graf; und Hausknecht oder Graf, sobald er mich beschimpft, so ist er ein Hundsfut. Ich werde ihm von Anfang ganz vernünftig vorstellen, wie schlecht und übel er seine Sache gemacht habe – zum Schluß aber muß ich ihm doch schriftlich versichern, daß er gewiß von mir einen Fuß im A- und noch ein paar Ohrfeigen zu gewarten hat.


Jede vom Vater gewünschte Vermittlung lehnte er ab. Das einzige, wozu er sich schließlich herbeiließ, war, daß er dem Vater zuliebe jenen Drohbrief an den Grafen Arco aufgab.

Zum zweiten Male war Mozart nunmehr ein freier Mann, frei diesmal auch vom Joche des Vaters. Schärfer als je waren sich bei diesem Anlaß alte und neue Kunstanschauung entgegengetreten: dem Vater gilt die gesicherte Stellung am Fürstenhofe alles, ja er nimmt selbst persönliche Demütigungen um diesen Preis hin. Der Sohn vertritt das Recht des künstlerischen Gewissens, das den angeborenen Beruf dem Geschmacke eines einzigen Fürsten nicht zu opfern vermag. Es war jetzt ein für alle Male aus mit der väterlichen Vormundschaft.

Freilich mußte Mozart diese Freiheit teuer bezahlen. Besonders seit den Tagen des Idomeneo sah er in seinem mächtig gesteigerten Künstlerstolze alle Verhältnisse außerhalb Salzburgs in besonders rosigem Licht. Auch in Wien nahm er ohne weiteres an, daß seine Kunst, die ihm nun mehr denn je von Herzen kam, auch dem Publikum zu Herzen gehen würde, und daß die Vornehmen es für selbstverständlich halten würden, sein Genie nach Kräften zu unterstützen. Noch haftete ihm die alte, vom Vater so oft gerügte Neigung an, verbindliche Worte für bare Münze zu nehmen. Darum begann mit dem Abschied von Salzburg für ihn die eigentliche Schule des Lebens und der Menschenkenntnis.

Fußnoten

1 Noch am 26. Mai 1781 schreibt er dem Vater (B II 77): »Wenn ich (in Salzburg) spiele oder von meiner Komposition was aufgeführt wird, so ist's, als wenn lauter Tisch und Sesseln die Zuhörer wären.«


2 B II 77.


3 B II 57.


4 Die Vermutung O. Jahns (I4 597), es handle sich hier um eine Theaterouvertüre, ist nicht zwingend.


5 Diese beiden Stücke besaß André noch in einer besonderen, von Mozart als »Sinfonia concertante« bezeichneten Abschrift. Sie waren also zu einer besonderen Aufführung bestimmt, wie es in einem Konzert in Wien geschah (20. März 1783); von den beiden Märschen (K.-V. 335, S.X. 8) ist der eine wahrscheinlich für diese Serenade bestimmt gewesen.


6 WSF II 407 nehmen 1779 an. Mozart spielte das Werk am 24. November 1781 zu Wien mit Frl. Aurnhammer; damals wurden dem Orchester auf einem besonderen Blatt noch zwei Klarinetten hinzugefügt.


7 Die Bratsche ist in D-Dur geschrieben und muß um einen halben Ton höher gestimmt werden. Der Zweck dabei war, ihren Klang zu schärfen und das Spiel zu erleichtern.


8 Nach J.E. Engls auf des P. Plac. Bernhardskis Chronik von St. Peter von 1782 beruhenden Forschungen ist diese Messe zur Erinnerung an die in der Kriegsnot um 1744 erfolgte Krönung des Gnadenbildes der Landesmutter Maria am Plain geschrieben. Die Einweihung des kostbaren Kronenschmucks durch den Papst hatte am 4. Juni 1751 stattgefunden.


9 Vom Credo ist bis zum »Et in spiritum« ein später zurückgelegtes Bruchstück mit der Angabe Tempo di Ciaccona erhalten. Außer dem in der Wiener Hofbibliothek befindlichen Autograph dieser Messe haben sich zu St. Peter in Salzburg Stimmen erhalten, die von Mozarts Zeitgenossen, dem Senkirchner Organisten Joh. Matth. Kracher, herrühren. Sie bestätigen z.B., daß die Fagotte, außer bei den obligaten Stellen, mit den Bässen zu gehen haben. Nottebohm im R.-B.


10 Mit diesem Schluß war das Werk zuerst als »Regina coeli« erschienen.


11 WSF II 408.


12 Ob das Passionslied »Kommet her ihr frechen Sünder« (K.-V. 146, S. VI. 10) mit WSF II 408 ebenfalls in das Jahr 1780 zu setzen ist, bleibe dahingestellt. Später als 1772 (Köchel!) ist es seinem ganzen Stil nach sicher anzusetzen, und für eine Salzburger Fastenaufführung war es auch bestimmt, wie aus L. Mozarts Überschrift »Aria de passione D.N. Jesu Christi« hervorgeht.


13 Über den Spielplan, der neben viel Shakespeare (Hamlet, Macbeth, Lear) auch die damals Modernsten, wie z.B. Lessing und Leisewitz, berücksichtigte, vgl. E.v. Komorcynski, Em. Schikaneder 1901, S. 6 f.


14 Vgl. den Brief vom 22. November 1780 (B II 10). Auch Böhm scheint Mozart eine Arie versprochen zu haben, vgl. den Brief an das Bäsle vom 24. April 1780 (B I 288).


15 Nekrolog in der Wiener Zeitg. 1786, Nr. 31. Vgl. Gervinus, Gesch. d. poet. Nat.-Lit. IV 590. Gödeke, Grundr. d. Gesch. der d. Dichtg. IV 75. Geblers Werke für das Theater erschienen in Prag und Dresden 1772 f., der Thamos darin III 305 ff. Ein Exemplar der Prager Ausgabe, mit einer Aufschrift von Leop. Mozarts Hand, lag Wüllner vor, möglicherweise also das von Mozart benutzte. Aufgeführt wurde das Werk 1774 im Wiener Burgtheater. [D.] Geblers und Nicolais Briefwechsel (1771–1786) gab R.M. Werner, Aus dem josephinischen Wien, Berlin 1888 heraus.


16 Am 13. Dezember 1773 schreibt Gebler an Nicolai (S. 51): »Ich schließe auf allen Fall die Musik des Thamos bey, sowie selbige unlängst von einem gewissen Sgn. Mozzart gesetzt worden. Es ist sein Originalkonzept und das erste Chor sehr schön.« Am 14. Februar 1775 hofft Gebler, die Kochsche Truppe möchte den Thamos in Berlin aufführen und bemerkt: »Der gute Magister Sattler, der die erste Musik dazu verfertiget (ich glaube jedoch, Euer Hochedelgebohr. die bessere Mozzartische überschickt zu haben) ist inzwischen an der Auszehrung gestorben« (S. 65). Nach Deiters' wohlbegründeter Vermutung (Jahn II4 811 ff.) stammt Mozarts Musik aus der Zeit des Wiener Aufenthalts von Juli bis Oktober 1773, wo er den Dichter persönlich kennengelernt haben muß. Dazu stimmt die Äußerung des Vaters am 14. September: »Der Wolfgang komponiert an etwas ganz eifrig.« Zu einer Aufführung ist es damals aus nicht näher bekannten Gründen nicht gekommen. Wie Sattler hatte Mozart damals nur die Chöre komponiert, und zwar sicherlich nur die beiden ersten, nicht aber auch den dritten, der in dem Drama nicht steht. Das nach dem R.-B. verschollene Autograph dieser ersten Fassung befindet sich auf der Staatsbibliothek in Berlin.


17 WSF II 117 setzen aus stilistischen Gründen sogar die Zwischenaktsmusiken mit Ausnahme des Melodramas Nr. 4 in die frühere Zeit und nehmen nur instrumentale Änderungen an.


18 B II 214.


19 Abschriften beider Chöre mit lateinischem Text fanden sich in Mozarts Nachlaß.


20 Am 11. Dezember 1780 schreibt der Vater (B IV 159), mit dem Schachtnerschen Drama sei jetzt wegen der Landestrauer nichts zu machen. »Es ist auch besser, da die Musik ohnehin nicht ganz fertig ist.«


21 18. Januar 1781 (B II 41).


22 B II 62.


23 Schon 1799 erschien im Intelligenz-Blatt der AMZ II S. 21 die Anfrage: »Unter Mozarts hinterlassenen Werken findet sich ein teutsches Singspiel, wahrscheinlich 1778 oder 1779 geschrieben, ohne Titel, worin folgende Personen vorkommen: Gomaz, Zaïde, Sultan, Zaram, Soliman, Osmin, usw. Sollte Jemand den Titel dieses Singspiels kennen, oder, falls es gedruckt ist, wissen, wo es herausgekommen ist, so wird er andurch ersucht, es den Verlegern dieser Zeitung anzuzeigen.« Es scheint keine Antwort erfolgt zu sein.


24 Zaïde, Oper in zwei Akten von W.A. Mozart. Partitur [und Klavierauszug]. Offenbach, Joh. André. André hat eine Ouvertüre und einen Schlußchor für die Aufführung hinzugefügt, wogegen nichts einzuwenden ist. Mozarts Komposition ist unverändert genau mitgeteilt; allein mit dem Text sind durch C. Gollmick Veränderungen vorgenommen. Schachtners Text ist freilich nicht mehr zu ertragen, aber für die Beurteilung von Mozarts Musik unentbehrlich. Wüllner nimmt an, daß das verlorengegangene Textbuch aus drei Akten bestanden habe, von denen der dritte gar nicht komponiert worden sei.


25 Am 27. Januar 1866 wurde es in Frankfurt a.M., 1902 in einer Bearbeitung von R. Hirschfeld in Wien (vgl. ZIMG IV 66 ff.) und 1915 in einer Bearbeitung von A. Rudolph in Mannheim zur Aufführung gebracht (Kl.-Ausz. bei Breitkopf & Härtel).


26 10. August 1781 (J I4 613).


27 Dict. des Théâtres III p. 126 ff. Ein Auszug erschien bei Christoph Ballard 1712, der Text ist gedruckt Rec. des opéras XII, 1.


28 Die Angabe der Schwester (Notteb. S. 109), die Abreise sei am 8. November erfolgt, ist hiernach unrichtig. Nissen (S. 416) gibt den 6. November an; vgl. auch Mozarts Brief vom Sonnabend, dem 16. Dezember, B II 27.


29 B II 9.


30 B II 5.


31 Aloysia Weber war damals bereits durch die Vermittlung des kaiserlichen Gesandten Grafen Hardeck als erste Sängerin in Wien engagiert worden, wohin ihre ganze Familie mit ihr zog. Es beruht auf einem Irrtum, wenn man diesen Aufenthalt Mozarts in München mit seinem Verhältnis zu Aloysia in Verbindung gebracht hat.


32 B II 12 f.


33 B II 4.


34 B II 9.


35 B II 11.


36 B II 34.


37 B II 32 f.


38 B II 34.


39 B II 19.


40 B II 32.


41 B IV 140.


42 B II 4.


43 B II 9.


44 B II 8.


45 B II 13 ff. Ähnliche Geschichten auch bei Forkel, Mus. Alm. 1789, 122, und bei Zelter, Briefw. mit Goethe II 264 f. III 378 ff. A. Niggli, Gertrud Elisabeth Mara, in Waldersees Sammlg. mus. Vorträge Nr. 30, 1881.


46 B II 18 f.


47 B IV 160.


48 B IV 159.


49 B II 27.


50 B II 28 f.


51 B II 31 f.


52 B IV 167 ff.


53 »Das Akkompagnement bey der unterirdischen Stimme«, berichtet ihm Wolfgang (3. Januar 1781), »besteht in nichts als 5 Stimmen, nämlich in 3 Posaunen und 2 Waldhorn, welche an den nämlichen Ort placirt sind, wo die Stimme herkömmt. Das ganze Orchestre ist bey dieser Stelle still«. Wegen dieses Arrangements hatte er erst noch einen Streit mit Graf Seeau zu bestehen.


54 B II 34.


55 B II 36.


56 B IV 168.


57 B II 33 f.


58 B II 40.


59 B IV 175.


60 Abgedruckt auch in der Augsburgischen Ordinari-Postzeitung vom 5. Februar 1781. Rudhart, Gesch. der Oper zu München S. 168.


61 B IV 159.


62 B II 27.


63 B IV 290.


64 So berichtet Rochlitz (AMZ I 51). Was er zur Begründung anführt, ist freilich der Hauptsache nach unrichtig.


65 In Wien wurde Idomeneo in deutscher Übersetzung von Treitschke 1805 5mal (am 14. Mai 1806 nach Wlasak, Chronik des Burgtheaters S. 101), 1819 4mal aufgeführt, Köchel, handschr. Zus. nach F. Pohl. [D.] Die neueste Bearbeitung der Oper stammt von E. Lewicki, vgl. Mk. IV 2.


66 Reichardt, der sonst nicht geneigt war, Mozart gelten zu lassen, hat in einer sehr anerkennenden An zeige den Idomeneo sogar als das reinste Kunstwerk bezeichnet, das Mozart je vollendet habe (Berl. mus. Ztg. 1806, S. 11 f.).


67 B II 27 f.


68 B IV 168 f.


69 B II 7.


70 Über ihre vermeintlichen Beziehungen zum Quintett (K.-V. 46) s.S. 123. WSF II 409 und 421 setzen die Romanze und den Variationensatz in Mozarts allerletzte Zeit, was im Hinblick auf den Stil viel für sich hat. Die Serenade ist später mannigfach arrangiert worden. Vielleicht ist sie auch identisch mit der Bläsermusik »aus 13 Instrumenten«, von der Schink (Lit. Fragm. II 286) bei einem Konzert Stadlers in Wien 1784 berichtet. Das dritte Trio des zweiten Menuetts, das nur in den gedruckten Stimmen erhalten ist, wurde nicht in die G.-A. aufgenommen, ist aber im R.-B. mitgeteilt.


71 Das zweite trägt die Aufschrift: »1780 für Hrn. Lang«, den Hornisten im Münchener Orchester.


72 B II 77 f. Unterdessen verhandelte der Vater mit Breitkopf (12. Februar 1781), B IV 289: »Längst schon wünschte ich, daß Sie etwas von meinem Sohne in Druck geben möchten. Sie werden ihn ja doch nicht nach seinen Clavier-Sonaten, die er als ein Kind geschrieben, beurtheilen? Freilich werden Sie nicht eine Note von dem, was er seit einigen Jahren geschrieben, gesehen haben, es müßten nur die 6 Sonaten fürs Clavier und eine Violine seyn, die er in Paris ... gravieren ließ [S. 515 ff.]: denn wir lassen wenig auskommen. Sie könnten es mit einem Paar Sinfonien oder Claviersonaten versuchen, oder mit Quartetten, Trios usw. Sie sollen uns dafür nur einige Exemplarien geben, nur damit Sie etwas von der Setzart meines Sohnes sehen. Doch gedenke ich Sie keineswegs zu etwas zu überreden; ich verfiel öfters auf diesen Gedanken, weil ich viele Sachen im Stich und Druck sehe, die mich zum Mitleiden rühren.«


73 B II 45 f.


74 B II 49 f.


75 B II 56. Die drei Stücke sind K.-V. 373 (S. XII. 8, datiert vom 2. April), 372 (S. XVIII. 31), von dem nur das erste Allegro halb vollendet erhalten ist (vgl. J I4 695), und 374 (S. VI. 22). Eine Variante des Arienschlusses mit einer einfachen Koloratur teilt Waldersee im R.-B. mit.


76 B II 59. Val. Adamberger ist der bekannte Tenorist (1743–1804), die Sängerin Weigl, die Mutter des Komponisten, war damals am deutschen Nationaltheater.


77 B II 60. Vielleicht handelt es sich um K.-V. 338. Es war allem Anschein nach dieselbe Sinfonie, die auch am 3. April in der Tonkünstlersozietät aufgeführt worden war, s.u.


78 B II 51 f.


79 »Zu den größten Kennern der Musik unter den Liebhabern gehört der Reichshofrat v. Braun. Er schätzt besonders die Kompositionen des großen Philipp Emanuel Bach; er hat freilich darin den zahlreichsten Teil des Publikums in Wien gegen sich.« Nicolai, Reise IV, S. 556.


80 Über diese »Societät« vgl. Pohl, Haydn II 134; Denkschr. aus Anlaß des 100jähr. Bestehens der Tonkünstlersozietät 1871. Hanslick, Gesch. des Konzertwesens in Wien 1869, 6 ff. Mozart, der 1785 beizutreten wünschte und als Pianist und Komponist mehrfach unentgeltlich für die Sozietät gewirkt hatte, wurde nicht aufgenommen, weil er seinen Taufschein nicht beibringen konnte. Pohl, Denkschr. S. 17, 18. Hanslick S. 17. Dittersdorf, Selbstbiogr. S. 156 führt bei seiner »Esther« (1773) ein Orchester von 200 Mann an, K. R[isbeck] Briefe I 276 spricht von 400 Mitwirkenden.


81 Auch in Leipzig spielte er 1789 diese Variationen nach einer freien Phantasie (K.-V. 354).


82 Der Anschlagzettel dieses 34. Konzerts lautete: »Dann wird sich der Herr Ritter W.A. Mozart ganz allein auf seinem Pianoforte hören lassen; er war selber bereits als ein Knabe von 7 Jahren hier und hat sich schon damals theils in Absicht auf Composition als auch in Ansehung der Kunst überhaupt und der besonderen Fertigkeit im Schlagen den allgemeinen Beyfall des Publicums erworben.« Neue Wien. Musikzeitg. 1852 Nr. 35. In dem Konzerte wurden außerdem die »Pilgrime auf Golgatha« mit Musik von Albrechtsberger aufgeführt. Nach Pohl, Haydn II 145 war es das erstemal, daß in Wien ein Klavierkonzert öffentlich gespielt wurde.


83 B II 54. Noch am 8. April schreibt er (B II 56): »Was mich am meisten gefreuet und verwundert hat, war das erstaunliche Silentium und mitten im Spielen das Bravoschreyen. Für Wien, wo so viele und so viele gute Klavierspieler sind, ist das gewiß Ehre genug.«


84 B II 55.


85 B II 57.


86 B II 58.


87 B II 59.


88 B II 62.


89 Mozart bedient sich hier absichtlich nicht mehr der Chiffernschrift, in der Vater und Sohn sonst meist wichtigere Angelegenheiten zu behandeln pflegten.


90 B II 85.


91 B II 64 f.


92 So war es allerdings versprochen worden (S. 600), allein Mozart versichert später, daß er nur 400 fl. als Gehalt bezogen habe.


93 B II 67 ff.


94 B II 70 f.


95 B II 76 f.


96 B II 84 f.


97 Aloysia war schon 1779 nach Wien gekommen (Blümml a.a.O.), am 12. und 14. März 1781 sang sie in der Tonkünstlersozietät (Pohl, Denkschr. S. 56), und hatte dann am 31. Oktober 1780 den Schauspieler Jos. Lange geheiratet (vgl. Gebler bei Werner a.a.O. 105). Langes Bericht (Selbstbiogr. 116 ff.) lautet allerdings weit günstiger für sie: »Unglücklicherweise wurde der Vater ihr und der Familie durch einen Schlagfluß entrissen. Ihre Trostlosigkeit und tiefe Trauer machten sie mir, sowie meine Sorgfalt der Familie nun mit Rat und Tat beizustehen, mich ihr noch interessanter. Ihr Herz fand bei mir Teilnahme und Erleichterung und sie entschloß sich, mich zu ehelichen, weil sie an dem Gatten den Freund zu finden hoffte, den sie an dem Vater verlor. Da sie durch ihr schönes Talent zum Lebensunterhalt der Ihrigen beitrug, so setzte ich ihrer Mutter, so lange sie lebte, einen Jahresgehalt von 700 Gulden fest und zahlte einen Vorschuß von 900 Gulden, den die Familie von der Hofdirektion erhalten hatte.« Mozarts hartes Urteil ist offenbar durch ihre Mutter beeinflußt, die er selbst später in weit weniger günstigem Lichte sah.


98 B II 86 f.


99 B II 73 f.


100 B II 79.


101 Über den Ton, der dabei herrschte, vgl. Mozarts Brief vom 2. Juni (B II 81): »Daß sich dieser Fall eben in Wien ereignet hat, ist der Erzbischof Ursache und nicht ich, wüßte er mit Leuten von Talenten umzugehen, so wäre das nicht geschehen. Herr Graf, ich bin der beste Kerl von der Welt, wenn man es nur mit mir ist. Ja, der Erzbischof, sagte er, hält Sie für einen erzhoffärtigen Menschen. Das glaube ich, sagte ich, gegen ihn bin ich es freylich; wie man mit mir ist, so bin ich auch wieder; wenn ich sehe, daß mich jemand verachtet und gering schätzet, so kann ich so stolz seyn wie ein Pavian.«


102 Unter den »drey Memorial«, die Mozart B II 82 erwähnt, können auch die Gesuche vom 9. Mai, von Ende Mai und vom 8. Juni verstanden sein, so daß man nicht eine noch größere Anzahl anzunehmen braucht.


103 B II 86.


104 B II 91.


Quelle:
Abert, Hermann: W. A. Mozart. Leipzig 31955/1956, S. 655.
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