I, 64. An die Maruts.

[67] 1. Der starken Schar, der kampfestücht'gen, waltenden,

den Maruts bring', o Nodhas, schönen Lobgesang,

Ich schmücke, wie sein Werk des weisen Künstlers Hand,

im Geist die Lieder, die das Fest verschönen, aus.

2. Des Rudra Mannen, lebensvoll und fleckenlos,

sind als des Himmels hohe Stiere sie erzeugt,

Die flammenden, wie Sonnen leuchtendhellen Scheins,

die tropfenden, wie Krieger furchtbar an Gestalt.

3. Die ewig jungen Rudra's, feind dem Geizigen,

die unaufhaltsam schreiten, wuchsen Bergen gleich;

Mit ihrer Macht erschüttern alle Wesen sie,

das feste auch, was auf der Erd', im Himmel ist.

4.68 Mit buntem Schmucke schmücken sie zur Pracht sich aus,

zum Prunke legten Goldschmuck sie an ihre Brust,

Von ihren Schultern funkeln Speere hell herab,

zugleich entsprang aus eigner Kraft des Himmels Schar.

5. Die Macht gebrauchend, stürmend, tilgend jeden Feind,

erzeugen Winde, Blitze sie durch ihre Kraft,

Und melken schüttelnd aus dem Euter Himmelsgut;

die Erde füllen ringsum laufend sie mit Milch.

6. Die tropfenreichen Maruts giessen Wasser aus

und, bei den Opfern gegenwärtig, fette Milch,

Zum Wasserlassen treiben sie das schnelle Ross,

die Donnerwolke melkend, welche nie versiegt.

7. Ihr zauberreichen Büffel strahlend hell an Glanz

voll eigner Kraft wie Berge ihr, in schnellem Lauf

Vernichtet gleich den Elefanten Wälder ihr,

wenn ihr in eure rothen Stuten Kraft gelegt.[67]

8. Wenn sie erscheinen, toben sie den Löwen gleich,

wie schöngeschmückte Hirsche, die allwissenden,

Die Nacht belebend durch Gazellen, Schwerterglanz,

wie Schlangen grimmig, alle kräftig, eifervoll.

9. In Scharen schreitend redet Erd' und Himmel an

wie Schlangen grimmig, heftig, Helden, Männern hold,

Auf euren Sitzen schimmert es wie heller Glanz,

auf euren Wagen, Maruts, steht es wie ein Blitz.

10. Mit allen Schätzen und mit Gütern reich begabt,

mit Kraft versehen, strotzend von der höchsten Macht,

Als Schützen nahmen in die Arme sie den Pfeil

endlos an Kraft, die Männer, mit den Ringen stark.

11. Wie Wegebahner drängen sie die Berge weg

mit ihren goldnen Rädern, sie an Fluten reich,

Rastlose Kämpfer, Festen brechend in der Fahrt,

die Maruts stürmend, blitzend hell mit Schwerterschein.

12. Die lust'gen Flammer, sie die muntern, spendenden,

des Rudra Söhne preisen wir mit unserm Ruf,

Die Marutschar die starke, Luft durchdringende,

die vorwärts strebt, die kräft'ge ehrt zu eurem Heil.

13. Der Mann fürwahr geht allen Menschen vor an Kraft,

den ihr, o Maruts, vorwärts bringt durch eure Huld,

Durch Renner trägt er Preis davon, durch Helden Gut,

empfängt und bringt zur Blüte vielbegehrte Kraft.

14. O schenkt, ihr Maruts, preisenswerthe, schöne Kraft

den Opferherrn, die unbesiegbar ist im Kampf,

Die Schatz erringt, bei Menschen hochgepriesen wird;

lasst hundert Jahr mit Kind und Enkeln blühen uns.

(15. Nun gebt uns feste heldenreiche Habe,

o Maruts, welche jedem Angriff trotze,

Die hundertfach und tausendfach sich mehre.

Der huldvoll sorget, komme früh am Morgen.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 67-68.
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