I, 33. An Indra.[34] 31

1. Auf, lasst uns Indra Heerden heischend angehn,

dass er für uns recht seine Sorge steigre;

Wird dann der unbesiegte unsrer höchsten

Begier nach Schatz und Rindern nicht sich fügen?

2. Zum unbezwungnen Reichthumspender flieg' ich,

sowie der Adler zum willkommnen Neste,

Verehrend Indra mit den höchsten Liedern,

der von den Sängern anzuflehn beim Fest ist.

3. Den Köcher hing sich an der Herr der Scharen,

treibt, wie er will, die Rinder fort des Feindes;

Der viele Güter du bewahrst, o Indra,

sei gegen uns nicht kärglich, o gewalt'ger.

4. Du schlugst den reichen Dämon mit der Keule,

allein hinwandernd, Indra, mit den TapfernA1,

Vom Wolkenberg herab zerstoben rings sie,

in Eile flohn die alten Opferhasser.

5. Die Opferhasser mit den Frommen kämpfend,

entflohn vor dir kopfüber alle, Indra,

Als du gewalt'ger Lenker, Herr der Füchse,

die Bösen weg von Erd' und Himmel bliesest.

6. Sie griffen an des Tadellosen Heerschar,

es einten sich die neun verbundnen Stämme;

Gleichwie entmannte Schwächlinge vor Männern,

flohn jählings sie vor Indra, ihn gewahrend.

7. Sie mochten weinen, mochten lachen, Indra,

du hast bekämpft sie an des Luftraums Ende;

Vom Himmel hast du weggebrannt den Dämon

und hast erfüllt den Wunsch des frommen Sängers.

8. Ringsum die Erde eine Schutzwehr machend,

mit Gold sich schmückend und mit Edelsteinen,

Entflohn sie nicht, ob eilend auch, dem Indra;

denn um die Sonne standen seine Späher.

9. Als, Indra, du den Himmel und die Erde

mit deiner Grösse allerseits umspanntest,

Da bliesest du Nichtbeter weg durch Beter,

den Dämon, Indra, durch die Andachtreichen.

10. Unnahbar blieb für sie der Welten Ende

und unerreicht des Reichthumgebers Listen;

Der starke Indra nahm den Blitz zum Helfer,

und zog durch Licht die Kühe aus dem Dunkel.[35]

11. Nach eigner Lust entströmten seine Fluten,

doch jener wuchs inmitten seiner Ströme;

Da schlugst du, Indra, mit gespanntem Geiste

mit stärkstem Hiebe ihn für alle Zeiten.

12. Die Burgen des IlibiçaA2 zerstiess er,

und schlug in Stücke den gehörnten Çuschna,

Nach deiner Kraft und Schnelle, mächt'ger Indra,

erschlugst den Feind, den Kämpfer, mit dem Blitz du.

13. Auf seine Feinde ging er graden Laufes,

zerschmetterte mit scharfem Blitz die Burgen,

Den Vritra traf er mit dem Donnerkeile;

siegreich vollführte seinen Willen Indra.

14. Du, Indra, halfst dem Kutsa, den du liebtest,

und halfst im Kampf dem kräftigen Daçadju;

Zum Himmel drang der Staub, erregt vom Hufschlag;

der Çvitra Sohn stand auf zur Feindbezwingung.

15. Du halfst dem starken Stier bei Tugra's Mannen,

beim Kampf um Land dem Çvitraspross, o mächt'ger;

Sie hielten lange Stand dort in dem Streite,

da gabst du ihnen hin der Feinde Schätze.


Fußnoten

A1 Den Frommen, Vers 5.


A2 Eines Dämons.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 34-36.
Lizenz:

Buchempfehlung

Müllner, Adolph

Die Schuld. Trauerspiel in vier Akten

Die Schuld. Trauerspiel in vier Akten

Ein lange zurückliegender Jagdunfall, zwei Brüder und eine verheiratete Frau irgendwo an der skandinavischen Nordseeküste. Aus diesen Zutaten entwirft Adolf Müllner einen Enthüllungsprozess, der ein Verbrechen aufklärt und am selben Tag sühnt. "Die Schuld", 1813 am Wiener Burgtheater uraufgeführt, war der große Durchbruch des Autors und verhalf schließlich dem ganzen Genre der Schicksalstragödie zu ungeheurer Popularität.

98 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon