4. Die edeln Metalle

[128] Der bürgerliche Produktionsprozeß bemächtigt sich zunächst der metallischen Zirkulation als eines fertig überlieferten Organes, das zwar allmählich umgestaltet wird, jedoch stets seine Grundkonstruktion bewahrt. Die Frage,[128] warum statt andrer Waren Gold und Silber als Material des Geldes dienen, fällt jenseits der Grenze des bürgerlichen Systems. Wir fassen daher nur summarisch die wesentlichsten Gesichtspunkte zusammen.

Da die allgemeine Arbeitszeit selbst nur quantitative Unterschiede zuläßt, muß der Gegenstand, der als ihre spezifische Inkarnation gelten soll, fähig sein, rein quantitative Unterschiede darzustellen, so daß Dieselbigkeit, Gleichförmigkeit der Qualität vorausgesetzt ist. Es ist dies die erste Bedingung für die Funktion einer Ware als Wertmaß. Schätze ich z.B. alle Waren in Ochsen, Häuten, Getreide usw., so muß ich sie in der Tat in idealem Durchschnitts-Ochsen, Durchschnitts-Haut messen, da Ochs von Ochs, Getreide von Getreide, Haut von Haut qualitativ verschieden ist. Gold und Silber dagegen sind als einfache Körper stets sich selbst gleich und gleiche Quanta derselben stellen daher gleich große Werte dar.111 Die andre, direkt aus der Funktion rein quantitative Unterschiede darzustellen, hervorgehende Bedingung für die Ware, die als allgemeines Äquivalent dienen soll, ist die Möglichkeit ihrer Zerschneidung in beliebige Teile und deren Wiederzusammensetzbarkeit, so daß das Rechengeld auch sinnlich dargestellt werden kann. Gold und Silber besitzen diese Eigenschaften in vorzüglichem Grad.

Als Zirkulationsmittel besitzen Gold und Silber vor andern Waren den Vorzug, daß ihrem großen spezifischen Gewicht, relativ viel Schwere in kleinem Raum darzustellen, ihr ökonomisch spezifisches Gewicht entspricht, relativ viel Arbeitszeit, d.h. großen Tauschwert in kleinem Umfang einzuschließen. Dadurch ist Leichtigkeit des Transports, der Übertragung von einer Hand in die andre, und von einem Land in das andre, die Fähigkeit, ebenso rasch zu erscheinen wie zu verschwinden – kurz, die materielle Beweglichkeit gewährleistet, das sine qua non der Ware, die als perpetuum mobile des Zirkulationsprozesses dienen soll.

Der hohe spezifische Wert der edeln Metalle, Dauerbarkeit, relative Unzerstörbarkeit. Nichtoxydierbarkeit an der Luft, bei dem Gold speziell seine Unauflösbarkeit in Säuren, außer in Königswasser, alle diese natürlichen Eigenschaften machen die edeln Metalle zum natürlichen Material der Schatzbildung. Peter Martyr, der ein großer Freund der Schokolade gewesen zu sein[129] scheint, bemerkt daher von den Kakaosäcken, die eine der mexikanischen Geldsorten bildeten:

»O glückliches Geld, das dem Menschengeschlecht ein süßes und nahrhaftes Getränk bietet und seine unschuldigen Besitzer vor der höllischen Seuche der Habgier bewahrt, weil es nicht vergraben noch lange aufbewahrt werden kann.« (»De orbe novo«.)

Die große Bedeutung von Metallen überhaupt innerhalb des unmittelbaren Produktionsprozesses hängt zusammen mit ihrer Funktion als Produktionsinstrumente. Abgesehen von ihrer Seltenheit macht die große Weichheit des Goldes und des Silbers, verglichen mit Eisen und selbst mit Kupfer (in dem gehärteten Zustand, worin die Alten es brauchten), sie unfähig zu dieser Nutzanwendung und beraubt sie daher in großem Umfang der Eigenschaft, worauf der Gebrauchswert der Metalle überhaupt beruht. So nutzlos, wie sie innerhalb des unmittelbaren Produktionsprozesses sind, so entbehrlich erscheinen sie als Lebensmittel, als Gegenstände der Konsumtion. Jede beliebige Quantität derselben kann daher in den gesellschaftlichen Zirkulationsprozeß eingehen, ohne die Prozesse der unmittelbaren Produktion und Konsumtion zu beeinträchtigen. Ihr individueller Gebrauchswert gerät nicht in Widerstreit mit ihrer ökonomischen Funktion. Andrerseits sind Gold und Silber nicht nur negativ überflüssige, d.h. entbehrliche Gegenstände, sondern ihre ästhetischen Eigenschaften machen sie zum naturwüchsigen Material von Pracht, Schmuck, Glanz, sonntäglichen Bedürfnissen, kurz zur positiven Form des Überflusses und Reichtums. Sie erscheinen gewissermaßen als gediegenes Licht, das aus der Unterwelt hervorgegraben wird, indem das Silber alle Lichtstrahlen in ihrer ursprünglichen Mischung, das Gold nur die höchste Potenz der Farbe, das Rot, zurückwirft. Farbensinn aber ist die populärste Form des ästhetischen Sinnes überhaupt. Der etymologische Zusammenhang der Namen der edeln Metalle in den verschiedenen indogermanischen Sprachen mit Farbenbeziehungen ist von Jakob Grimm nachgewiesen worden. (Siehe seine Geschichte der deutschen Sprache.)

Endlich die Fähigkeit von Gold und Silber, aus der Form der Münze in die Barrenform, aus der Barrenform in die Form von Luxusartikeln und umgekehrt verwandelt zu werden, ihr Vorzug als vor andern Waren, nicht in einmal gegebene, bestimmte Gebrauchsformen gebannt zu sein, macht sie zum natürlichen Material des Geldes, das beständig aus einer Formbestimmtheit in die andre umschlagen muß.

Die Natur produziert kein Geld, so wenig wie Bankiers oder einen Wechselkurs. Da die bürgerliche Produktion aber den Reichtum als Fetisch[130] in der Form eines einzelnen Dings kristallisieren muß, sind Gold und Silber seine entsprechende Inkarnation. Gold und Silber sind von Natur nicht Geld, aber Geld ist von Natur Gold und Silber. Einerseits ist der silberne oder goldne Geldkristall nicht nur Produkt des Zirkulationsprozesses, sondern in der Tat sein einziges ruhendes Produkt. Andrerseits sind Gold und Silber fertige Naturprodukte, und sie sind das erste unmittelbar, wie sie das zweite sind, durch keine Formverschiedenheit getrennt. Das allgemeine Produkt des gesellschaftlichen Prozesses oder der gesellschaftliche Prozeß selbst als Produkt ist ein besonderes Naturprodukt, in den Eingeweiden der Erde steckendes und aus ihr ausgrabbares Metall.112

Wir haben gesehn, daß Gold und Silber den Anspruch, der an sie als Geld gestellt wird, gleichbleibende Wertgröße zu sein, nicht erfüllen können. Indes besitzen sie, wie schon Aristoteles bemerkt, permanentere Wertgröße als der Durchschnitt der andern Waren. Abgesehn von der allgemeinen Wirkung einer Appreziation oder Depreziation der edeln Metalle, sind die Schwankungen des Wertverhältnisses von Gold und Silber von besondrer Wichtigkeit, da beide nebeneinander auf dem Weltmarkt als Materie des Geldes dienen. Die rein ökonomischen Gründe dieses Wertwechsels – Eroberungen und andre politische Umwälzungen, die großen Einfluß auf den Wert der Metalle in der alten Welt ausübten, wirken nur lokal und vorübergehend – müssen auf den Wechsel der zur Produktion dieser Metalle erheischten Arbeitszeit zurückgeführt werden. Diese selbst wird abhängen von ihrer relativen natürlichen Seltenheit, wie von der größern oder mindern Schwierigkeit, die ihre Bemächtigung in rein metallischem Zustand bietet. Gold ist in der Tat das erste Metall, das der Mensch entdeckt. Einerseits stellt die Natur selbst es in gediegener kristallinischer Form dar, individualisiert, chemisch unverbunden mit andern Körpern, oder wie die Alchimisten sagten, in jungfräulichem Zustand; andrerseits übernimmt die Natur selbst in den großen Goldwäschereien der Flüsse das Werk der Technologie. Auf seiten des Menschen ist so nur die roheste Arbeit erheischt, sei es für Gewinnung des Flußgoldes, sei es des Goldes in aufgeschwemmtem Land,[131] während die Darstellung des Silbers Minenarbeit und überhaupt eine relativ hohe Entwicklung der Technik voraussetzt. Trotz seiner kleinern absoluten Seltenheit ist daher der ursprüngliche Wert des Silbers relativ größer als der des Goldes. Strabos Versicherung, daß bei einem Stamme der Araber 10 Pfund Gold für 1 Pfund Eisen und 2 Pfund Gold für 1 Pfund Silber gegeben wurden, erscheint keineswegs unglaublich. Im Verhältnis aber, wie sich die Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit entwickeln und sich daher das Produkt der einfachen Arbeit verteuert gegen das der kombinierten, wie die Rinde der Erde allseitiger aufgebrochen wird, und die ursprünglichen oberflächlichen Quellen der Goldzufuhr versiegen, wird der Wert des Silbers fallen im Verhältnis zum Wert des Goldes. Auf einer gegebenen Entwicklungsstufe der Technologie und der Kommunikationsmittel wird die Entdeckung neuer Gold- oder Silberländer schließlich in die Waagschale fallen. Im alten Asien war das Verhältnis von Gold zu Silber wie 6 zu 1 oder 8 zu 1, letzteres Verhältnis in China und Japan noch im Anfang des 19. Jahrhunderts; 10 zu 1, das Verhältnis zu Xenophons Zeit, kann als Durchschnittsverhältnis des mittlern Altertums betrachtet werden. Die Ausbeutung der spanischen Silberminen durch Karthago und später durch Rom wirkte annähernd im Altertum wie die Entdeckung der amerikanischen Minen im modernen Europa. Für die römische Kaiserzeit kann 15 oder 16 zu 1 als rauhe Durchschnittszahl genommen werden, obgleich wir häufig tiefere Depreziation des Silbers in Rom finden. Dieselbe Bewegung, beginnend mit der relativen Depreziation des Goldes und endend mit dem Fall des Silberwerts, wiederholt sich in der folgenden Epoche, die sich vom Mittelalter bis zur neusten Zeit erstreckt. Wie zur Zeit Xenophons steht das Durchschnittsverhältnis im Mittelalter wie 10 zu 1 und schlägt infolge der Entdeckung der amerikanischen Minen wieder um zu 16 oder 15 zu 1. Die Entdeckung der australischen, kalifornischen und kolumbischen Goldquellen macht einen abermaligen Fall im Wert des Goldes wahrscheinlich.113


C. Theorien über Zirkulationsmittel und Geld

[132] Wie eine allgemeine Goldgier Völker und Fürsten im 16. und 17. Jahrhundert, der Kindheitsperiode der modernen bürgerlichen Gesellschaft, in überseeische Kreuzzüge nach dem goldnen Gral jagte114, so proklamierten die ersten Dolmetscher der modernen Welt, die Urheber des Monetarsystems, wovon das Merkantilsystem nur eine Variante ist, Gold und Silber, d.h. Geld, als den einzigen Reichtum. Richtig sprachen sie den Beruf der bürgerlichen Gesellschaft dahin aus, Geld zu machen, also, vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation, den ewigen Schatz zu bilden, den weder Motten noch Rost fressen. Es wird dem Monetarsystem nicht damit geantwortet, daß eine Tonne Eisen vom Preis von 3 Pfd. St. eine ebenso große Wertgröße als 3 Pfd. St. Gold ist. Es handelt sich hier nicht um die Größe des Tauschwerts, sondern um seine adäquate Form. Wenn das Monetar- und Merkantilsystem den Welthandel und die unmittelbar in den Welthandel mündenden besondern Zweige der nationalen Arbeit als die einzig wahren Quellen von Reichtum oder Geld auszeichnet, ist zu erwägen, daß in jener Epoche der größte Teil der nationalen Produktion sich noch in feudalen Formen bewegte und als unmittelbare Subsistenzquelle den Produzenten selbst diente. Die Produkte verwandelten sich großenteils nicht in Waren und daher nicht in Geld, gingen überhaupt nicht in den allgemeinen gesellschaftlichen Stoffwechsel ein, erschienen daher nicht als Vergegenständlichung der allgemeinen abstrakten Arbeit und bildeten in der Tat keinen bürgerlichen Reichtum. Geld als Zweck der Zirkulation ist der Tauschwert oder der abstrakte Reichtum, nicht irgendein stoffliches Element des Reichtums, als bestimmender Zweck und treibendes Motiv der Produktion. Wie es der Vorstufe der bürgerlichen[133] Produktion entsprach, hielten jene verkannten Propheten an der gediegenen, handgreiflichen und glänzenden Form des Tauschwerts fest, an seiner Form als allgemeine Ware im Gegensatz zu allen besondern Waren. Die eigentlich bürgerlich ökonomische Sphäre der damaligen Zeit war die Sphäre der Warenzirkulation. Vom Gesichtspunkt dieser elementarischen Sphäre aus beurteilten sie daher den ganzen verwickelten Prozeß der bürgerlichen Produktion und verwechselten Geld mit Kapital. Der unauslöschliche Kampf der modernen Ökonomen gegen das Monetar- und Merkantilsystem rührt großenteils daher, daß dieses System in brutal-naiver Form das Geheimnis der bürgerlichen Produktion ausplaudert, ihr Beherrschtsein durch den Tauschwert. Ricardo, wenn auch zum Behuf falscher Nutzanwendung, bemerkt irgendwo, daß selbst in Zeiten der Hungersnot Getreide eingeführt wird, nicht weil die Nation hungert, sondern weil der Kornhändler Geld macht. In ihrer Kritik des Monetar- und Merkantilsystems fehlt die politische Ökonomie also, indem sie dieses System als bloße Illusion, als nur falsche Theorie befeindet, nicht als barbarische Form ihrer eigenen Grundvoraussetzung wiedererkennt. Zudem behält dieses System nicht nur ein historisches Recht, sondern innerhalb bestimmter Sphären der modernen Ökonomie volles Bürgerrecht. Auf allen Stufen des bürgerlichen Produktionsprozesses, wo der Reichtum die elementarische Form der Ware annimmt, nimmt der Tauschwert die elementarische Form des Geldes an, und in allen Phasen des Produktionsprozesses fällt der Reichtum immer wieder für einen Augenblick in die allgemeine elementarische Form der Ware zurück. Selbst in der entwickeltsten bürgerlichen Ökonomie werden die spezifischen Funktionen des Goldes und Silbers als Geld im Unterschied von ihrer Funktion als Zirkulationsmittel und im Gegensatz zu allen übrigen Waren nicht aufgehoben, sondern nur beschränkt, behalten also Monetar- und Merkantilsystem ihr Recht. Die katholische Tatsache, daß Gold und Silber als unmittelbare Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, daher als Dasein des abstrakten Reichtums, den andern profanen Waren gegenübertreten, verletzt natürlich das protestantische point d'honneur der bürgerlichen Ökonomie, und aus Angst vor den Vorurteilen des Monetarsystems büßte sie für lange Zeit das Urteil über die Phänomene der Geldzirkulation ein, wie die folgende Darstellung zeigen wird.

Im Gegensatz zum Monetar- und Merkantilsystem, die das Geld nur in seiner Formbestimmtheit als kristallisches Produkt der Zirkulation kennen, war es ganz in der Ordnung, daß die klassische Ökonomie es zunächst in seiner flüssigen Form auffaßte, als innerhalb der Warenmetamorphose selbst[134] erzeugte und wieder verschwindende Form des Tauschwerts. Wie daher die Warenzirkulation ausschließlich in der Form W – G – W und diese wieder ausschließlich in der Bestimmtheit der prozessierenden Einheit von Verkauf und Kauf aufgefaßt wird, wird das Geld in seiner Formbestimmtheit als Zirkulationsmittel gegen seine Formbestimmtheit als Geld behauptet. Wird das Zirkulationsmittel selbst in seiner Funktion als Münze isoliert, so verwandelt es sich, wie wir sahen, in Wertzeichen. Da aber der klassischen Ökonomie zunächst die metallische Zirkulation als herrschende Form der Zirkulation gegenüberstand, faßt sie das metallische Geld als Münze, die metallische Münze als bloßes Wertzeichen. Dem Gesetz der Zirkulation der Wertzeichen entsprechend, wird so der Satz aufgestellt, daß die Preise der Waren abhängen von der Masse des zirkulierenden Geldes, nicht umgekehrt die Masse des zirkulierenden Geldes von den Preisen der Waren. Wir finden diese Ansicht bei italienischen Ökonomen des 17. Jahrhunderts mehr oder minder angedeutet, bald bejaht, bald verneint von Locke, bestimmt entwickelt vom »Spectator« (in Nummer vom 19. Oktober 1711), von Montesquieu und Hume. Da Hume bei weitem der bedeutendste Repräsentant dieser Theorie im 18. Jahrhundert ist, eröffnen wir mit ihm unsre Rundschau.

Unter bestimmten Voraussetzungen scheint eine Vermehrung oder Verminderung in der Quantität, sei es des zirkulierenden Metallgeldes, sei es der zirkulierenden Wertzeichen, gleichmäßig auf die Warenpreise zu wirken. Fällt oder steigt der Wert des Goldes oder Silbers, worin die Tauschwerte der Waren als Preise geschätzt sind, so steigen oder fallen die Preise, weil ihr Wertmaß sich geändert hat, und mehr oder minder Gold und Silber zirkulieren als Münze, weil die Preise gestiegen oder gefallen sind. Das sichtbare Phänomen aber ist Veränderung der Preise, bei gleichbleibendem Tauschwert der Waren, mit vermehrter oder verminderter Quantität der Zirkulationsmittel. Fällt oder steigt andrerseits die Quantität der zirkulierenden Wertzeichen über oder unter ihr notwendiges Niveau, so werden sie gewaltsam auf dasselbe reduziert durch Fallen oder Steigen der Warenpreise. In beiden Fällen scheint dieselbe Wirkung durch dieselbe Ursache hervorgebracht, und an diesem Schein hielt Hume fest.

Jede wissenschaftliche Untersuchung über das Verhältnis von Anzahl der Zirkulationsmittel und Preisbewegung der Waren muß den Wert des Geldmaterials als gegeben voraussetzen. Hume dagegen betrachtet ausschließlich Epochen der Revolution im Wert der edeln Metalle selbst, also Revolutionen im Maß der Werte. Das Steigen der Warenpreise gleichzeitig mit der Zunahme des Metallgelds seit der Entdeckung der amerikanischen Minen bildet den geschichtlichen Hintergrund seiner Theorie, wie die Polemik gegen das[135] Monetar- und Merkantilsystem ihr praktisches Motiv abgab. Die Zufuhr der edeln Metalle kann natürlich vermehrt werden bei gleichbleibenden Produktionskosten derselben. Andrerseits wird die Verminderung in ihrem Wert, d.h. in der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit, sich zunächst nur zeigen in der Vermehrung ihrer Zufuhr. Also, sagten später Schüler von Hume, zeigt sich der verminderte Wert der edeln Metalle in der wachsenden Masse der Zirkulationsmittel und die wachsende Masse der Zirkulationsmittel im Steigen der Warenpreise. In der Tat aber wächst nur der Preis der exportierten Waren, die sich mit Gold und Silber als Ware und nicht als Zirkulationsmittel austauschen. So steigt der Preis dieser Waren, die in Gold und Silber von gesunkenem Wert geschätzt sind, gegenüber allen übrigen Waren, deren Tauschwert fortfährt, in Gold oder Silber nach dem Maßstab ihrer alten Produktionskosten geschätzt zu werden. Diese doppelte Schätzung der Tauschwerte der Waren in demselben Lande kann natürlich nur temporär sein, und die Gold- oder Silberpreise müssen sich ausgleichen in den durch die Tauschwerte selbst bestimmten Proportionen, so daß schließlich die Tauschwerte aller Waren dem neuen Wert des Geldmaterials entsprechend geschätzt werden. Die Entwickelung dieses Prozesses gehört ebensowenig hierher wie die Art und Weise, worin überhaupt innerhalb der Schwankungen der Marktpreise der Tauschwert der Waren sich durchsetzt. Daß aber diese Ausgleichung in minder entwickelten Epochen der bürgerlichen Produktion sehr allmählich ist und sich über lange Perioden verteilt, jedenfalls aber nicht gleichen Schritt hält mit der Vermehrung der umlaufenden Barschaften, ist durch neue kritische Untersuchungen über die Bewegung der Warenpreise im 16. Jahrhundert schlagend bewiesen worden.115 Ganz ungehörig sind die von Humes Schülern beliebten Beziehungen auf das Steigen der Preise im antiken Rom infolge der Eroberung von Makedonien, Ägypten und Kleinasien. Die der alten Welt eigentümliche, plötzliche und gewaltsame Übertragung aufgespeicherter Geldschätze von einem Lande in das andere, die temporäre Reduktion der Produktionskosten der edeln Metalle für ein bestimmtes Land durch den einfachen Prozeß der Plünderung, berühren ebensowenig die immanenten Gesetze der Geldzirkulation, wie etwa die Gratisverteilung von ägyptischem und sizilischem Getreide in Rom das allgemeine Gesetz, das den Getreidepreis regelt. Das zur Detailbeobachtung des Geldumlaufs erheischte Material, einerseits gesichtete Geschichte der Warenpreise,[136] andererseits offizielle und fortlaufende Statistik über Expansion und Kontraktion des zirkulierenden Mediums, Zufluß und Abfluß der edeln Metalle usw., ein Material, das überhaupt erst mit völlig entwickeltem Bankwesen entsteht, mangelte Hume wie allen andern Schriftstellern des 18. Jahrhunderts. Humes Zirkulationstheorie faßt sich in folgenden Sätzen zusammen: 1. Die Preise der Waren in einem Lande sind bestimmt durch die in ihm befindliche Geldmasse (realem Geld oder symbolischem). 2. Das in einem Lande zirkulierende Geld repräsentiert alle in ihm befindlichen Waren. Im Verhältnis wie die Anzahl der Repräsentanten wächst, d.h. des Geldes, kommt mehr oder minder von der repräsentierten Sache auf den einzelnen Repräsentanten. 3. Werden die Waren vermehrt, so fällt ihr Preis oder der Wert des Geldes steigt. Wird das Geld vermehrt, so wächst umgekehrt der Preis der Waren und der Wert des Geldes fällt.116

»Die Teuerkeit aller Dinge«, sagt Hume, »infolge von Geldüberfluß ist ein Nachteil für jeden bestehenden Handel, indem er den ärmern Ländern erlaubt, reichere zu unterkaufen auf allen fremden Märkten.117 Es kann keine Wirkung, gute oder schlechte, ausüben, wenn wir eine Nation für sich selbst betrachten, ob viel oder wenig Münze zum Zählen oder Repräsentieren der Waren vorhanden ist, so wenig wie die Bilanz eines Kaufmanns alteriert würde, wenn er in der Buchführung, statt der arabischen Rechenweise, die wenig Ziffern erheischt, die römische anwendete, die einer größeren Anzahl bedarf. Ja, die größere Quantität des Geldes, gleich den römischen Rechencharakteren, ist vielmehr unbequem und kostet mehr Mühe sowohl für Aufbewahrung als Transport.«118

Um überhaupt etwas zu beweisen, hätte Hume zeigen müssen, daß in einem gegebenen System von Rechencharakteren die Masse der angewandten Ziffern nicht von der Größe des Zahlenwerts, sondern die Größe des Zahlenwerts umgekehrt von der Masse der angewandten Charaktere abhängt. Es ist sehr richtig, daß es kein Vorteil ist, die Warenwerte in Gold oder Silber von gesunkenem Wert zu schätzen oder zu »zählen«, und daher fanden es die Völker mit dem Wachstum der Wertsumme der zirkulierenden Waren stets bequemer, in Silber zu zählen als in Kupfer, und in Gold als in Silber. Im Maß wie sie reicher wurden, verwandelten sie die minder wertvollen Metalle in subsidiäre Münze und die wertvollem in Geld. Andrerseits vergißt Hume, daß zum Zählen der Werte in Gold und Silber weder Gold noch Silber »vorhanden« zu sein braucht. Rechengeld und Zirkulationsmittel fallen ihm[137] zusammen und beide sind Münze (coin). Weil eine Wertveränderung im Maße der Werte oder den edeln Metallen, die als Rechengeld funktionieren, die Warenpreise steigen oder fallen macht, also auch die Masse des zirkulierenden Geldes bei gleichbleibender Umlaufsgeschwindigkeit, schließt Hume, daß das Steigen oder Fallen der Warenpreise von der Quantität des zirkulierenden Geldes abhängt. Daß im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur die Quantität von Gold und Silber sich vermehrte, sondern gleichzeitig ihre Produktionskosten sich verminderten, konnte Hume aus dem Schließen der europäischen Minen sehn. Im 16. und 17. Jahrhundert stiegen die Warenpreise in Europa mit der Masse des importierten amerikanischen Goldes und Silbers; also sind die Warenpreise in jedem Lande bestimmt durch die Masse des in ihm befindlichen Goldes und Silbers. Dies war Humes erste »notwendige Konsequenz«119. Im 16. und 17. Jahrhundert stiegen die Preise nicht gleichmäßig mit der Zunahme der edeln Metalle; mehr als ein halbes Jahrhundert verfloß, bevor irgendein Wechsel in den Warenpreisen sich zeigte, und selbst dann währte es noch lange, bevor die Tauschwerte der Waren allgemein dem gesunkenen Wert des Golds und Silbers gemäß geschätzt wurden, also bevor die Revolution die allgemeinen Warenpreise ergriff. Also, schließt Hume, der ganz im Widerspruch mit den Grundsätzen seiner Philosophie einseitig beobachtete Tatsachen unkritisch in allgemeine Sätze verwandelt, also ist der Preis der Waren oder der Wert des Geldes bestimmt nicht durch die absolute Masse des in einem Lande befindlichen Geldes, sondern vielmehr durch die Quantität von Gold und Silber, die wirklich in die Zirkulation eingeht, aber schließlich muß alles in einem Lande befindliche Gold und Silber als Münze von der Zirkulation absorbiert werden.120 Es ist klar, daß, wenn Gold und Silber einen eignen Wert besitzen, von allen andern Gesetzen des Umlaufs abgesehen, nur eine bestimmte Quantität Gold und Silber als Äquivalent für eine gegebene Wertsumme von Waren zirkulieren kann. Muß also jede zufällig in einem Lande befindliche Quantität Gold und Silber ohne Rücksicht[138] auf die Summe der Warenwerte als Zirkulationsmittel in den Warenaustausch eingehn, so besitzen Gold und Silber keinen immanenten Wert und sind daher in der Tat keine wirklichen Waren. Dies ist Humes dritte »notwendige Konsequenz«. Waren ohne Preis und Gold und Silber ohne Wert läßt er in den Zirkulationsprozeß eingehn. Er spricht daher auch nie von Wert der Waren und Wert des Goldes, sondern nur von ihrer wechselseitigen Quantität. Schon Locke hatte gesagt, Gold und Silber hätten einen bloß eingebildeten oder konventionellen Wert; die erste brutale Form des Gegensatzes zur Behauptung des Monetarsystems, daß Gold und Silber allein wahren Wert haben. Daß das Gelddasein von Gold und Silber bloß aus ihrer Funktion im gesellschaftlichen Austauschprozeß entspringt, wird dahin ausgelegt, daß sie ihrenA7 eignen Wert und daher ihre Wertgröße einer gesellschaftlichen Funktion verdanken.121 Gold und Silber sind also wertlose Dinge, aber innerhalb des Zirkulationsprozesses erhalten sie eine fiktive Wertgröße als Repräsentanten der Waren. Sie werden

durch den Prozeß nicht in Geld, sondern in Wert verwandelt. Dieser ihr Wert wird bestimmt durch die Proportion zwischen ihrer eignen Masse und der Warenmasse, indem sich beide Massen decken müssen. Während also Hume Gold und Silber als Nichtwaren in die Welt der Waren eintreten läßt, verwandelt er sie umgekehrt, sobald sie in der Formbestimmtheit der Münze erscheinen, in bloße Waren, die sich durch einfachen Tauschhandel mit andren Waren austauschen. Bestände nun die Warenwelt aus einer einzigen Ware, z.B. einer Million Quarter Getreide, so wäre die Vorstellung sehr einfach, daß ein Quarter sich gegen zwei Unzen Gold austauscht, wenn zwei Millionen Unzen Gold vorhanden sind und gegen 20 Unzen Gold, wenn 20 Millionen Unzen Gold vorhanden sind, Preis der Ware und Wert des Geldes also in umgekehrtem Verhältnis zur vorhandenen Quantität Geld steigen oder fallen.122 Aber die Warenwelt besteht aus unendlich verschiedenen Gebrauchswerten, deren relativer Wert keineswegs durch ihre relative Quantität bestimmt ist. Wie also denkt sich Hume diesen Austausch zwischen der Masse der Waren und der Masse des Goldes? Er begnügt sich mit der begriffslos dumpfen Vorstellung, daß jede Ware als aliquoter Teil der gesamten Warenmasse sich gegen einen entsprechend aliquoten Teil der Goldmasse austauscht. Die prozessierende[139] Bewegung der Waren, die aus dem in ihnen enthaltenen Gegensatz von Tauschwert und Gebrauchswert entspringt, in dem Umlauf des Geldes erscheint und in den verschiedenen Formbestimmtheiten des letztem sich kristallisiert, ist also ausgelöscht, und an ihre Stelle tritt die eingebildete mechanische Gleichsetzung zwischen der Gewichtmasse der in einem Land befindlichen edeln Metalle und der gleichzeitig vorhandenen Warenmasse.

Sir James Steuart eröffnet seine Untersuchung über Münze und Geld mit einer ausführlichen Kritik von Hume und Montesquieu.123 Er ist in der Tat der erste, der die Frage stellt: ist die Quantität des umlaufenden Geldes durch die Warenpreise oder sind die Warenpreise durch die Quantität des umlaufenden Geldes bestimmt? Obgleich seine Darstellung getrübt ist durch phantastische Ansicht vom Maß der Werte, durch schwankende Darstellung von Tauschwert überhaupt und durch Reminiszenzen des Merkantilsystems, entdeckt er die wesentlichen Formbestimmtheiten des Geldes und allgemeinen Gesetze des Geldumlaufs, weil er nicht mechanisch die Waren auf die eine und das Geld auf die andre Seite stellt, sondern tatsächlich aus den verschiednen Momenten des Warenaustausches selbst die verschiednen Funktionen entwickelt.

»Der Gebrauch von Geld für inländische Zirkulation läßt sich zusammenfassen unter zwei Hauptpunkte, Zahlung dessen, was einer schuldet, Kaufen dessen, was einer braucht; beides zusammengefaßt bildet die Nachfrage für bares Geld (ready money demands)... Der Stand von Handel, Manufaktur, Lebensweise und herkömmlichen Ausgaben der Einwohner, wenn alle zusammengenommen, regeln und bestimmen die Masse der Nachfrage für bares Geld, d.h. die Masse der Veräußerungen. Um diese Mannigfaltigkeit der Zahlungen ins Werk zu setzen, ist eine gewisse Proportion Geld nötig. Diese Proportion ihrerseits kann zunehmen oder abnehmen, je nach Umständen, obgleich die Quantität der Veräußerung dieselbe bleibt... Jedenfalls kann die Zirkulation eines Landes nur eine bestimmte Quantität von Geld absorbieren.«124 »Der Marktpreis der Ware wird bestimmt durch die verwickelte Operation von Nachfrage und Konkurrenz (demand and competition), die durchaus von der in einem Land befindlichen Gold- und Silbermasse unabhängig sind. Was wird nun aus dem nicht als Münze erheischten Gold und Silber? Es wird als Schatz aufgehäuft oder als Material von Luxusartikeln verarbeitet. Fiele die Gold- und Silbermasse unter das für die Zirkulation erheischte Niveau, so ersetzt man sie durch symbolisches Geld oder andre Auskunftsmittel. Bringt ein günstiger Wechselkurs Überfluß von Geld ins Land und schneidet zugleich die Nachfrage für seine Versendung ins Ausland ab, so fällt es häufig in Koffer, wo es so nutzlos wird, als ob es in Minen läge.«

125[140]

Das zweite von Steuart entdeckte Gesetz ist der Reflux der auf Kredit gegründeten Zirkulation zu ihrem Ausgangspunkt. Endlich entwickelt er die Wirkungen, die die Verschiedenheit des Zinsfußes in verschiedenen Ländern auf die internationale Aus- und Einwandrung der edeln Metalle hervorbringt. Die beiden letztem Bestimmungen deuten wir hier nur der Vollständigkeit wegen an, da sie unserm Thema der einfachen Zirkulation fernliegen.126[141] Symbolisches Geld oder Kreditgeld – Steuart unterscheidet diese beiden Formen des Geldes noch nicht – können die edeln Metalle als Kaufmittel oder Zahlungsmittel in der innern Zirkulation ersetzen, aber nicht auf dem Weltmarkt. Papiernoten sind daher das Geld der Gesellschaft (money of the society), während Gold und Silber das Geld der Welt sind (money of the world).127

Es ist Eigentümlichkeit der Nationen von »historischer« Entwicklung im Sinn der historischen Rechtsschule, ihre eigne Geschichte beständig zu vergessen. Obgleich daher die Streitfrage über das Verhältnis der Warenpreise zur Quantität der Zirkulationsmittel während dieses halben Jahrhunderts fortwährend das Parlament bewegt, und Tausende von Pamphleten, großen und kleinen, in England hervorgerufen hat, blieb Steuart mehr noch »toter Hund« als Spinoza dem Moses Mendelssohn zu Lessings Zeit schien. Selbst der neueste Geschichtsschreiber der »currency«, Maclaren, verwandelt Adam Smith in den Erfinder der Steuartschen Theorie, wie Ricardo in den der Humeschen.128 Während Ricardo Humes Theorie verfeinerte, registriert Adam Smith die Resultate der Steuartschen Forschungen als tote Tatsachen. Adam Smith hat seinen schottischen Weisheitsspruch, daß, »wenn ihr ein wenig gewonnen habt, es oft leicht wird, viel zu gewinnen, die Schwierigkeit aber darin liegt, das wenige zu gewinnen«, auch auf geistigen Reichtum angewandt und daher mit kleinlicher Sorgfalt die Quellen verheimlicht, denen er das Wenige verdankt, woraus er in der Tat viel macht. Mehr als einmal zieht er vor, der Frage die Pointe abzubrechen, wo scharfe Formulierung ihn zwingen würde, mit seinen Vorgängern abzurechnen. So in der Geldtheorie. Er nimmt Steuarts Theorie stillschweigend an, indem er erzählt, das in einem Lande befindliche Gold und Silber werde teils als Münze verwandt, teils als Reservefonds aufgehäuft für Kaufleute in Ländern ohne Banken und als Bankreserve in Ländern mit Kreditzirkulation, teils diene es als Schatz zur Ausgleichung internationaler Zahlungen, teils werde es zu Luxusartikeln verarbeitet. Die Frage über die Quantität der zirkulierenden Münze beseitigt[142] er stillschweigend, indem er das Geld ganz falsch als bloße Ware behandelt.129 Sein Vulgarisateur, der fade J. B. Say, den die Franzosen zum prince de la science ernannt haben, wie Johann Christoph Gottsched seinen Schönaich zum Homer und Pietro Aretino sich selbst zum terror principum und lux mundi ernannte, hat dies nicht ganz naive Versehn Adam Smiths mit großer Wichtigkeit zum Dogma zugeritten.130 Polemische Spannung gegen die Illusionen des Merkantilsystems verhinderte übrigens Adam Smith, die Phänomene der metallischen Zirkulation objektiv aufzufassen, während seine Anschauungen vom Kreditgeld originell und tief sind. Wie in den Versteinerungstheorien des 18. Jahrhunderts stets eine Unterströmung durchläuft, entspringend aus kritischer oder apologetischer Rücksicht auf die biblische Tradition von der Sündflut, so versteckt sich hinter allen Geldtheorien des 18. Jahrhunderts ein heimliches Ringen mit dem Monetarsystem, dem Gespenst, das die Wiege der bürgerlichen Ökonomie gehütet hatte und stets noch seinen Schlagschatten auf die Gesetzgebung warf.

Die Forschungen über das Geldwesen wurden im 19. Jahrhundert unmittelbar angeregt, nicht durch die Phänomene der metallischen, sondern vielmehr durch die der Banknotenzirkulation. Auf die erstere wurde nur zurückgegangen, um die Gesetze der letztem zu entdecken. Die Suspension der Barzahlungen der Bank von England seit 1797, das später erfolgende Steigen im Preise vieler Waren, der Fall des Münzpreises des Goldes unter seinen Marktpreis, die Depreziation der Banknoten besonders seit 1809, boten die unmittelbar praktischen Anlässe eines Parteikampfs im Parlament, eines theoretischen Turniers außerhalb desselben, beide gleich leidenschaftlich. Als historischer Hintergrund der Debatte diente die Geschichte des Papiergelds im 18. Jahrhundert, das Fiasko der Lawschen Bank, die mit der wachsenden Quantität der Wertzeichen Hand in Hand gehende Depreziation der Provinzial-Banknoten der englischen Kolonien in Nordamerika vom[143] Anfang bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts; dann später das von der amerikanischen Zentralregierung während des Unabhängigkeitskrieges gesetzlich auf gezwungene Papiergeld (Continental bills), endlich das auf noch größerer Stufenleiter ausgeführte Experiment der französischen Assignaten. Die meisten englischen Schriftsteller der damaligen Zeit verwechseln die Banknotenzirkulation, die nach ganz andern Gesetzen bestimmt wird, mit der Zirkulation von Wertzeichen oder von Staatspapieren mit Zwangskurs und, während sie die Phänomene dieser Zwangszirkulation aus den Gesetzen der metallischen Zirkulation zu erklären vorgeben, abstrahieren sie in der Tat umgekehrt die Gesetze der letztem aus den Phänomenen der erstem. Wir überspringen alle die zahlreichen Schriftsteller während der Periode von 1800 bis 1809 und wenden uns sogleich zu Ricardo, sowohl weil er seine Vorgänger zusammenfaßt und ihre Ansichten schärfer formuliert, als weil die Gestalt, die er der Geldtheorie gab, bis zu diesem Augenblick die englische Bankgesetzgebung beherrscht. Ricardo, wie seine Vorgänger, wirft die Zirkulation von Banknoten oder von Kreditgeld mit der Zirkulation von bloßen Wertzeichen zusammen. Die ihn beherrschende Tatsache ist die Depreziation des Papiergelds und das gleichzeitige Steigen der Warenpreise. Was die amerikanischen Minen für Hume, waren die Papierzettelpressen in Threadneedle Street für Ricardo und er selbst identifiziert an einer Stelle ausdrücklich beide Agentien. Seine ersten Schriften, die sich nur mit der Geldfrage beschäftigen, fallen in die Zeit der heftigsten Polemik zwischen der Bank von England, auf deren Seite die Minister und die Kriegspartei standen, und ihren Gegnern, um die sich die parlamentarische Opposition, die Whigs und die Friedenspartei gruppierten. Sie erschienen als direkte Vorläufer des berühmten Berichts des Bullionkomitees von 1810, worin Ricardos Ansichten akzeptiert sind.131 Die Sonderbarkeit, daß Ricardo und seine Anhänger, die das Geld für bloßes Wertzeichen erklären, Bullionists (Goldbarrenmänner) heißen, rührt her nicht allein vom Namen dieses Komitees, sondern vom Inhalt seiner Lehre selbst. In seinem Werke über politische Ökonomie hat Ricardo dieselben Ansichten wiederholt und weiter entwickelt, nirgendwo aber das Geldwesen an sich untersucht, wie er mit Tauschwert, Profit, Rente usw. tat.

Ricardo bestimmt zunächst den Wert des Goldes und Silbers wie den aller andern Waren, durch das Quantum der in ihnen vergegenständlichten[144] Arbeitszeit.132 In ihnen, als Waren von gegebenem Wert, werden die Werte der andern Waren gemessen.133 Die Quantität der Zirkulationsmittel in einem Lande ist nun bestimmt durch den Wert der Maßeinheit des Geldes auf der einen Seite, durch die Summe der Tauschwerte der Waren auf der andern Seite. Modifiziert wird diese Quantität durch die Ökonomie in der Zahlungsweise.134 Da so die Quantität, worin Geld von gegebenem Wert zirkulieren kann, sich bestimmt findet und sein Wert innerhalb der Zirkulation nur in seiner Quantität erscheint, können bloße Wertzeichen desselben, wenn ausgegeben in der durch seinen Wert bestimmten Proportion, es in der Zirkulation ersetzen, und zwar

»befindet sich das umlaufende Geld in seinem vollendetsten Zustand, wenn es ausschließlich aus Papier besteht, das von gleichem Wert ist mit dem Gold, welches es zu repräsentieren vorgibt«135.

Bisher also bestimmt Ricardo, den Wert des Geldes als gegeben vorausgesetzt, die Quantität der Zirkulationsmittel durch die Preise der Waren, und das Geld als Wertzeichen bedeutet ihm Zeichen eines bestimmten Goldquantums, nicht wie bei Hume wertlosen Repräsentanten der Waren.

Wo Ricardo plötzlich abbricht vom ebenen Gang seiner Darstellung und in die umgekehrte Ansicht umschlägt, wendet er sich sofort zur internationalen Zirkulation der edeln Metalle und verwirrt so das Problem durch das Hereinbringen fremder Gesichtspunkte. Indem wir seinen innern Gedankensprecher verfolgen, schieben wir zunächst alle künstlichen Inzidenzpunkte beiseite und verlegen daher die Gold- und Silberminen in das innere der Länder, wo die edeln Metalle als Geld zirkulieren. Der einzige Satz, der aus Ricardos bisheriger Entwicklung folgt, ist, daß bei gegebenem Wert des Goldes die Quantität des zirkulierenden Geldes sich durch die Warenpreise bestimmt findet. In einem gegebenen Moment also ist die Masse des in einem[145] Lande zirkulierenden Goldes einfach bestimmt durch den Tauschwert der zirkulierenden Waren. Gesetzt nun, die Summe dieser Tauschwerte nehme ab, entweder weil weniger Waren zu den alten Tauschwerten produziert werden, oder weil infolge vermehrter Produktivkraft der Arbeit dieselbe Warenmasse verminderten Tauschwert erhält. Oder unterstellen wir umgekehrt, die Summe der Tauschwerte vermehre sich, weil sich die Masse der Waren bei gleichbleibenden Produktionskosten vermehrt, oder weil der Wert, sei es derselben, sei es einer kleinern Warenmasse, infolge verminderter Produktivkraft der Arbeit wächst. Was wird in beiden Fällen aus der gegebenen Quantität des zirkulierenden Metalls? Wenn das Gold nur Geld ist, weil es als Zirkulationsmittel umläuft, wenn es gezwungen ist, in der Zirkulation zu verharren, wie vom Staat ausgegebenes Papiergeld mit Zwangskurs (und dies liegt Ricardo im Sinn), dann wird die Quantität des zirkulierenden Geldes im ersten Fall überschwellen im Verhältnis zum Tauschwert des Metalls; im zweiten würde sie unter ihrem normalen Niveau stehen. Obgleich also mit eignem Wert begabt, wird das Gold im ersten Fall zu einem Zeichen von Metall von niedrigerem Tauschwert als seinem eignen, im letztem zum Zeichen eines Metalls von höherm Wert. Im ersten Fall wird es als Wertzeichen unter, im zweiten über seinem wirklichen Wert stehn (wieder eine Abstraktion vom Papiergeld mit Zwangskurs). Im ersten Fall wäre es dasselbe, als wenn die Waren in Metall von niedrigerem Wert, im zweiten, als wenn sie in Metall von höherm Wert als Gold geschätzt würden. Im ersten Fall würden die Warenpreise daher steigen, im zweiten würden sie sinken. In beiden Fällen wäre die Bewegung der Warenpreise, ihr Steigen oder Fallen, Wirkung der relativenA8 Expansion oder Kontraktion der Masse des zirkulierenden Goldes über oder unter das seinem eignen Wert entsprechende Niveau, d.h. die normale Quantität, die durch das Verhältnis zwischen seinem eignen Wert und dem Wert der zu zirkulierenden Waren bestimmt ist.

Derselbe Prozeß würde stattfinden, wenn die Preissumme der zirkulierenden Waren unverändert bliebe, aber die Masse des zirkulierenden Goldes unter oder über das richtige Niveau zu stehen käme, das erste, wenn die in der Zirkulation abgenutzte Goldmünze nicht durch eine entsprechende neue Produktion der Minen ersetzt würde, das zweite, wenn die neue Zufuhr von den Minen die Bedürfnisse der Zirkulation überholt hätte. In beiden Fällen ist vorausgesetzt, daß die Produktionskosten des Goldes oder sein Wert derselbe bleibt.

Um zu resümieren: Das zirkulierende Geld steht auf dem normalen[146] Niveau, wenn seine Quantität, bei gegebenem Tauschwert der Waren, durch seinen eignen Metallwert bestimmt ist. Es schwillt über, das Gold sinkt unter seinen eignen Metallwert und die Preise der Waren steigen, weil die Summe der Tauschwerte der Warenmasse sich vermindert oder die Zufuhr des Goldes von den Minen sich vermehrt. Es kontrahiert sich unter sein richtiges Niveau, das Gold steigt über seinen eignen Metallwert und die Warenpreise sinken, weil die Summe der Tauschwerte der Warenmasse sich vermehrt oder die Zufuhr des Goldes von den Minen nicht die Masse des abgenutzten Goldes ersetzt. In beiden Fällen ist das zirkulierende Gold Wertzeichen von größerm oder kleinerm Wert, als den es wirklich enthält. Es kann zu einem appreziierten und depreziierten Zeichen seiner selbst werden. Sobald die Waren sich allgemein in diesem neuen Wert des Geldes geschätzt hätten und die allgemeinen Warenpreise entsprechend gestiegen oder gefallen wären, würde die Quantität des zirkulierenden Goldes den Bedürfnissen der Zirkulation wieder entsprechen (eine Konsequenz, die Ricardo mit besonderm Vergnügen hervorhebt), aber den Produktionskosten der edeln Metalle und daher ihrem Verhältnis als Ware zu den übrigen Waren widersprechen. Entsprechend der Ricardoschen Theorie von den Tauschwerten überhaupt, würde das Steigen des Goldes über seinen Tauschwert, d.h. den durch die in ihm enthaltene Arbeitszeit bestimmten Wert, eine Vermehrung der Produktion des Goldes veranlassen, bis seine vermehrte Zufuhr es wieder auf seine richtige Wertgröße herabgesetzt hätte. Umgekehrt würde ein Sinken des Goldes unter seinen Wert eine Verminderung seiner Produktion veranlassen, bis es wieder zu seiner richtigen Wertgröße gestiegen wäre. Durch diese umgekehrten Bewegungen würde der Widerspruch zwischen dem Metallwert des Goldes und seinem Wert als Zirkulationsmittel sich ausgleichen, das richtige Niveau der zirkulierenden Goldmasse sich herstellen und die Höhe der Warenpreise wieder dem Maß der Werte entsprechen. Diese Fluktuationen im Wert des zirkulierenden Goldes würden ebensosehr das Gold in Barrenform ergreifen, da nach der Voraussetzung alles Gold, das nicht als Luxusartikel verbraucht wird, zirkuliert. Da das Gold selbst, sei es als Münze, sei es als Barre, Wertzeichen von größerm oder geringerm Metallwert als seinem eignen werden kann, so versteht es sich, daß etwa zirkulierende konvertible Banknoten dasselbe Schicksal teilen. Obgleich die Banknoten konvertibel sind, also ihr Realwert ihrem Nominalwert entspricht, kann die Gesamtmasse des zirkulierenden Geldes, Gold und Noten (the aggregate currency consisting of metal and of convertible notes) appreziiert oder depreziiert werden, je nachdem ihre Gesamtquantität, aus den vorher entwickelten Gründen, über oder unter das Niveau steigt oder fällt, das durch[147] den Tauschwert der zirkulierenden Waren und den Metallwert des Goldes bestimmt ist. Inkonvertibles Papiergeld, von diesem Gesichtspunkt aus, besitzt nur den Vorzug vor konvertiblem Papiergeld, daß es doppelt depreziiert werden kann. Es mag fallen unter den Wert des Metalls, das es zu repräsentieren vorgibt, weil es in zu großer Anzahl ausgegeben wird, oder es mag fallen, weil das von ihm repräsentierte Metall unter seinen eigenen Wert gefallen ist. Diese Depreziation, nicht des Papiers gegen Gold, sondern des Goldes und Papiers zusammengenommen, oder der gesamten Masse der Zirkulationsmittel eines Landes, ist eine der Haupterfindungen Ricardos, die Lord Overstone et Co. in ihren Dienst preßten und zu einem Fundamentalprinzip von Sir Robert Peels Bankgesetzgebung von 1844 und 1845 machten.

Was bewiesen werden sollte, war, daß der Preis der Waren oder der Wert des Goldes von der Masse des zirkulierenden Goldes abhängt. Der Beweis besteht in der Voraussetzung des zu Beweisenden, daß jede Quantität des edeln Metalls, das als Geld dient, in welchem Verhältnis immer zu seinem innern Wert, Zirkulationsmittel, Münze, und so Wertzeichen für die zirkulierenden Waren, welches immer die Gesamtsumme ihres Wertes, werden muß. In andern Worten, der Beweis besteht in der Abstraktion von allen andern Funktionen, die das Geld außer seiner Funktion als Zirkulationsmittel [vollzieht].A9 Wenn hart gedrängt, wie z.B. in seiner Polemik mit Bosanquet, flüchtet Ricardo, ganz unter der Herrschaft des Phänomens der durch ihre Quantität depreziierten Wertzeichen, zu dogmatischer Versicherung.136

Hätte Ricardo nun diese Theorie in der Art, wie wir es getan, abstrakt aufgestellt, ohne Hereinbringen konkreter Verhältnisse und von der Frage selbst ablenkender Inzidenzpunkte, so trat ihre Hohlheit schlagend hervor. Er streicht aber die ganze Entwicklung international an. Es wird sich aber leicht nachweisen lassen, daß die scheinbare Größe des Maßstabs an der Kleinheit der Grundideen nichts ändert.

Der erste Satz war also: Die Quantität des zirkulierenden Metallgelds ist normal, wenn sie bestimmt ist durch die in seinem Metallwert geschätzte Wertsumme der zirkulierenden Waren. International ausgedrückt lautet dies: Im normalen Zustand der Zirkulation besitzt jedes Land eine seinem Reichtum und seiner Industrie entsprechende Masse Geld. Geld zirkuliert in[148] einem seinem wirklichen Wert oder seinen Produktionskosten entsprechenden Wert; d.h. es hat in allen Ländern denselben Wert.137 Es würde daher nie Geld von einem Lande ins andre exportiert oder importiert werden.138 Es fände also ein Gleichgewicht zwischen den currencies (den Gesamtmassen des zirkulierenden Geldes) der verschiedenen Länder statt. Das richtigeA10 Niveau der nationalen currency ist nun ausgedrückt als internationales Gleichgewicht der currencies, und in der Tat nichts gesagt, als daß die Nationalität nichts ändert an dem allgemeinen ökonomischen Gesetz. Wir sind jetzt wieder bei demselben fatalen Punkt angelangt wie vorher. Wie wird das richtige Niveau gestört, was nun lautet, wie wird das internationale Gleichgewicht der currencies gestört, oder wie hört das Geld auf, denselben Wert in allen Ländern zu haben, oder endlich, wie hört es auf, in jedem Lande seinen eignen Wert zu haben? Wie vorhin das richtige Niveau gestört wurde, weil die Masse des zirkulierenden Goldes zu- oder abnahm, bei gleichbleibender Wertsumme der Waren, oder weil die Quantität des zirkulierenden Geldes dieselbe blieb, während die Tauschwerte der Waren zu- oder abnahmen, so wird jetzt das internationale durch den Wert des Metalls selbst bestimmte Niveau gestört, weil die Masse des in einem Lande befindlichen Goldes wächst infolge neuer in ihm entdeckter Metallminen139, oder weil die Summe der Tauschwerte der zirkulierenden Waren in einem besondern Lande zu- oder abgenommen hat. Wie vorhin die Produktion der edlen Metalle sich verminderte oder vermehrte, je nachdem es nötig war, die currency zu kontrahieren oder zu expandieren und die Warenpreise entsprechend zu senken oder zu erhöhen, ebenso wirken jetzt Export und Import aus einem Lande in das andre. In dem Land, worin die Preise gestiegen und der Wert des Goldes, infolge der aufgeschwollenen Zirkulation, unter seinen Metallwert gefallen wäre, wäre das Gold depreziiert im Verhältnis zu den andern Ländern, und folglich wären die Preise der Waren, verglichen mit den andern Ländern, erhöht. Gold würde also ausgeführt, Waren eingeführt werden. Wenn umgekehrt, umgekehrt. Wie vorhin die Produktion von Gold, würden jetzt Import oder Export von Gold und mit ihnen Steigen oder Fallen der Warenpreise fortdauern, bis, wie vorher das richtige Wertverhältnis zwischen[149] Metall und Ware, nun das Gleichgewicht zwischen den internationalen currencies wiederhergestellt wäre. Wie im ersten Fall die Produktion des Goldes sich nur vermehrte oder verminderte, weil das Gold über oder unter seinem Werte stand, so würde die internationale Wanderung des Goldes nur aus diesem Grund stattfinden. Wie im ersten Fall jede Veränderung in seiner Produktion die Quantität des zirkulierenden Metalls und damit [die] Preise affizieren würde, so nun der internationale Import und Export. Sobald der relative Wert zwischen Gold und Ware oder die normale Quantität der Zirkulationsmittel hergestellt wäre, würde im ersten Fall keine fernere Produktion, im zweiten kein fernerer Export oder Import, außer zum Ersatz der abgenutzten Münze und zum Konsum der Luxusindustrie stattfinden. Es folgt daher,

»daß die Versuchung, Gold auszuführen als Äquivalent für Waren, oder eine ungünstige Handelsbilanz nie stattfinden kann, außer infolge einer überschwellenden Quantität der Zirkulationsmittel«140.

Es wäre stets nur die Entwertung oder Überwertung des Metalls infolge der Expansion oder Kontraktion der Masse der Zirkulationsmittel über oder unter ihr richtiges Niveau, wodurch seine Einfuhr oder Ausfuhr bewirkt würden.141 Es ergäbe sich ferner: da im ersten Fall die Produktion des Goldes nur vermehrt oder vermindert, im zweiten Falle Gold nur importiert oder exportiert wird, weil seine Quantität über oder unter ihrem richtigen Niveau steht, weil es über oder unter seinen Metallwert appreziiert oder depreziiert ist, also die Warenpreise zu hoch oder zu niedrig sind, so wirkt jede solche Bewegung als Korrektivmittel142, indem sie durch Expansion oder Kontraktion des zirkulierenden Geldes die Preise wieder auf ihr wahres Niveau zurückführt, im ersten Fall das Niveau zwischen Wert des Goldes und Wert der Waren, im zweiten Falle das internationale Niveau der currencies. In andern Worten: Das Geld zirkuliert in verschiedenen Ländern nur insofern es in jedem Lande als Münze zirkuliert. Das Geld ist nur Münze, und die Quantität des in einem Lande befindlichen Goldes muß daher in die Zirkulation eingehn, kann also als Wertzeichen seiner selbst über oder unter seinen Wert steigen oder fallen. Damit sind wir auf dem Umweg dieser internationalen Verwickelung wieder glücklich bei dem einfachen Dogma angelangt, das den Ausgangspunkt bildet.[150]

Wie Ricardo die wirklichen Phänomene im Sinne seiner abstrakten Theorie gewaltsam zurechtkonstruiert, werden einige Beispiele zeigen. Er behauptet z.B., in Zeiten von Mißernten, häufig in England während der Perioden von 1800 bis 1820, werde Gold exportiert, nicht weil Korn bedurft und Gold Geld ist, also auf dem Weltmarkt stets wirksamesA11 Kaufmittel und Zahlungsmittel, sondern weil das Gold in seinem Wert depreziiert sei gegen die andern Waren und folglich die currency des Landes, worin die Mißernte stattfindet, depreziiert sei im Verhältnis zu den andern nationalen currencies. Weil nämlich der Mißwachs die Masse der zirkulierenden Waren vermindert habe, sei die gegebene Quantität des zirkulierenden Geldes über ihr normales Niveau hinausgetreten und seien folglich alle Warenpreise gestiegen.143 Im Gegensatz zu dieser paradoxen Auslegung wurde statistisch nachgewiesen, daß seit 1793 bis zur neuesten Zeit, im Fall von Mißernten in England, nicht die vorhandene Quantität der Zirkulationsmittel überschwoll, sondern ungenügend wurde, und daher mehr Geld als früher zirkulierte und zirkulieren mußte.144

Ebenso behauptete Ricardo zur Zeit der napoleonischen Kontinentalsperre und der englischen Blockade-Dekrete, daß die Engländer Gold statt Ware nach dem Kontinent exportierten, weil ihr Geld depreziiert sei im Verhältnis zu dem Geld der kontinentalen Länder, ihre Waren daher im Preis[151] relativ höher ständen und es so eine vorteilhaftere Handelsspekulation sei, Gold statt Waren auszuführen. Nach ihm war England der Markt, wo die Waren teuer und das Geld wohlfeil war, während auf dem Kontinent die Waren wohlfeil waren und das Geld teuer.

»Die Tatsache«, sagt ein englischer Schriftsteller, »war der ruinierend niedrige Preis unserer Fabrikate und Kolonialprodukte unter der Wirkung des Kontinentalsystems während der letzten 6 Jahre des Krieges. Die Preise von Zucker und Kaffee z.B. waren in Gold geschätzt vier- oder fünfmal höher auf dem Kontinent als dieselben Preise in England geschätzt in Banknoten. Es war die Zeit, wo die französischen Chemiker den Runkelrübenzucker entdeckten und Kaffee durch Zichorien ersetzten, während gleichzeitig englische Pächter im Mästen der Ochsen mit Sirup und Melassen Experimente machten, wo England Besitz von Helgoland nahm, um hier ein Warendepot zu bilden zur Erleichterung des Schmuggels nach dem Norden von Europa, und wo die leichteren Sorten britischer Fabrikate ihren Weg nach Deutschland durch die Türkei suchten... Fast alle Waren der Welt waren in unsern Warenhäusern akkumuliert und lagen daselbst festgebannt, außer wenn eine kleine Quantität erlöst wurde durch eine französische Lizenz, wofür die Hamburger und Amsterdamer Kaufleute Napoleon eine Summe von 40 – 50 Tausend Pfd. St. bezahlt hatten. Komische Kaufleute mußten es sein, die solche Summen zahlten für die Freiheit, eine Ladung Waren von einem teuren Markt nach einem wohlfeilen zu bringen. Was war die klare Alternative für einen Kaufmann? Entweder Kaffee zu kaufen für 6 Pence in Banknoten und ihn nach einem Platz zu senden, wo er das Pfund unmittelbar verkaufen konnte für 3 oder 4 sh. in Gold, oder Gold zu kaufen mit Banknoten zu 5 Pfd. St. eine Unze und es nach einem Platz zu senden, wo es zu 3 Pfd. St. 17 sh. 101/2 d. geschätzt wurde. Es ist also abgeschmackt zu sagen, daß man Gold statt Kaffee remittierte als vorziehbare merkantilische Operation... Es gab kein Land in der Welt, wo eine so große Quantität wünschenswerter Waren damals erhalten werden konnte als in England. Bonaparte examinierte stets genau die englischen Preiskurante. Solange er fand, daß in England Gold teuer und Kaffee wohlfeil war, zeigte er sich mit dem Wirken seines Kontinentalsystems zufrieden.«145

Gerade zur Zeit, wo Ricardo seine Geldtheorie zuerst aufstellte, und das Bullionkomitee sie seinem parlamentarischen Bericht einverleibte, im Jahre 1810, fand ein ruinierender Fall in den Preisen aller englischen Waren statt, verglichen mit 1808 und 1809, während das GoldA12 verhältnismäßig im Wert stieg. Agrikulturprodukte bildeten eine Ausnahme, weil ihre Einfuhr von außen auf Hindernisse stieß und ihre im Inland vorhandene Masse durch Mißernten dezimiert war.146 Ricardo verkannte so gänzlich die Rolle der[152] edeln Metalle als internationaler Zahlungsmittel, daß er in seiner Aussage vor dem Komitee des Hauses der Lords (1819) erklären konnte:

»Daß Goldabflüsse für Ausfuhr gänzlich aufhören würden, sobald die Barzahlungen wiederaufgenommen und der Geldumlauf auf sein metallisches Niveau zurückgeführt wäre.«

Er starb rechtzeitig gerade vor dem Ausbruch der Krise von 1825, die seine Prophezeiung Lügen strafte. Die Periode, worin Ricardos schriftstellerische Tätigkeit fällt, war überhaupt wenig geeignet, um die Funktion der edeln Metalle als Weltgeld zu beobachten. Vor der Einführung des Kontinentalsystems war die Handelsbilanz fast immer zugunsten Englands und während desselben waren die Transaktionen mit dem europäischen Kontinent zu unbedeutend, um den englischen Wechselkurs zu affizieren. Die Geldsendungen waren hauptsächlich politischer Natur, und Ricardo scheint die Rolle, die die Subsidiengelder im englischen Goldexport spielten, gänzlich verkannt zu haben.147

Unter den Zeitgenossen Ricardos, welche die Schule für die Prinzipien seiner politischen Ökonomie bildeten, ist James Mill der bedeutendste. Er hat versucht, Ricardos Geldtheorie auf Grundlage der einfachen metallischen Zirkulation darzustellen ohne die ungehörigen internationalen Verwicklungen, wohinter Ricardo die Dürftigkeit seiner Ansicht versteckt, und ohne alle polemische Rücksicht auf die Operationen der Bank von England. Seine Hauptsätze sind folgende148:

»Der Wert des Geldes ist gleich der Proportion, worin man es austauscht gegen andre Artikel, oder der Quantität Geld, die man im Austausch für eine bestimmte Quantität andrer Sachen gibt. Dies Verhältnis ist bestimmt durch die Totalquantität des in einem Lande befindlichen Geldes. Unterstellt man auf der einen Seite alle Waren eines Landes, und auf der andern all sein Geld, so ist es evident, daß beim Austausch der beiden Seiten der Wert des Geldes, d.h. die Quantität von Waren, für die es ausgetauscht wird, ganz von seiner eignen Quantität abhängt. Der Fall ist ganz derselbe im wirklichen Verlauf der Dinge. Die Totalmasse der Waren eines Landes tauscht sich nicht auf einmal gegen die Totalmasse des Geldes aus, sondern die Waren tauschen sich in Portionen, und oft in sehr kleinen Portionen, zu verschiedenen Epochen im Laufe des Jahres aus. Dasselbe Stück Geld, das heute zu diesem Austausch gedient hat, kann morgen zu einem andern dienen. Ein Teil des Geldes wird zu einer größern Anzahl von Austauschakten, ein andrer zu einer sehr kleinen angewandt, ein dritter wird aufgehäuft und dient gar keinem Austausch. Unter diesen Variationen wird es[153] einen Durchschnitt geben, begründet auf die Anzahl von Austauschakten, wozu Jedes Goldstück verwandt worden wäre, wenn jedes dieselbe Anzahl von Austauschakten realisierte. Man fixiere diese Durchschnittszahl beliebig, z.B. auf 10. Hat jedes im Land befindliche Geldstück zu 10 Einkäufen gedient, so ist dies dasselbe, als ob sich die Totalmasse der Geldstücke verzehnfacht, und jedes nur zu einem einzigen Einkauf gedient hätte. In diesem Fall ist der Wert aller Waren gleich 10 mal dem Wert des Geldes usw. Wenn umgekehrt, statt daß jedes Geldstück im Jahre zu 10 Einkäufen diente, die Totalmasse des Geldes verzehnfacht wäre und jedes Geldstück nur einen Austausch vollzöge, so ist klar, daß jede Vermehrung dieser Masse eine verhältnismäßige Verminderung im Werte jedes der Goldstücke für sich genommen verursachen würde. Da man unterstellt, daß die Masse aller Waren, wogegen sich das Geld austauschen kann, dieselbe bleibt, so ist der Wert der Gesamtmasse des Geldes nicht größer geworden nach Vermehrung seiner Quantität, als er vorher war. Unterstellt man Vermehrung um ein Zehnteil, so muß der Wert jedes aliquoten Teils der Gesamtmasse, z.B. einer Unze, sich um ein Zehnteil vermindert haben. Welches also auch immer der Grad der Verminderung oder Vermehrung der Totalmasse des Geldes sei, wenn die Quantität der andern Sachen dieselbe bleibt, so erfährt diese Gesamtmasse und jeder ihrer Teile wechselseitig eine verhältnismäßige Verminderung oder Vermehrung. Es ist klar, daß dieser Satz von absoluter Wahrheit ist. So oft der Geldwert ein Steigen oder Fallen erfahren hat, und so oft die Quantität der Waren, wogegen man es austauschen konnte, und die Bewegung der Zirkulation dieselben bleiben, muß dieser Wechsel eine verhältnismäßige Vermehrung oder Verminderung des Geldes zur Ursache gehabt haben und kann keiner andern Ursache zugeschrieben werden. Vermindert sich die Masse der Waren, während die Quantität des Geldes dieselbe bleibt, so ist es, als ob sich die Gesamtsumme des Geldes vermehrt hätte und umgekehrt. Ähnliche Wechsel sind das Resultat jedes Wechsels in der Bewegung der Zirkulation. Jede Vermehrung der Anzahl der Umläufe produziert denselben Effekt, wie eine Totalvermehrung des Geldes; eine Verminderung in jener Anzahl bringt unmittelbar die umgekehrte Wirkung hervor... Wenn ein Teil der jährlichen Produktion gar nicht ausgetauscht wird, wie das, was die Produzenten selbst konsumieren, so kommt dieser Teil nicht in Rechnung. Da er sich nicht gegen Geld austauscht, ist er in bezug auf das Geld, als ob er überhaupt nicht existierte... So oft die Vermehrung und Verminderung des Geldes frei stattfinden kann, ist die in einem Lande befindliche Gesamtquantität desselben geregelt durch den Wert der edeln Metalle... Gold und Silber aber sind Waren, deren Wert, wie der aller übrigen Waren durch ihre Produktionskosten, das Quantum in ihnen enthaltener Arbeit bestimmt

wird.«149

Der ganze Scharfsinn Mills löst sich in eine Reihe ebenso willkürlicher als abgeschmackter Unterstellungen auf. Er will beweisen, daß der Preis der Waren oder der Wert des Geldes bestimmt ist »durch die Totalquantität des in einem Lande existierenden Geldes«. Unterstellt man, daß die Masse und[154] der Tauschwert der zirkulierenden Waren dieselben bleiben, nicht minder die Zirkulationsgeschwindigkeit, und der durch die Produktionskosten bestimmte Wert der edeln Metalle, und unterstellt man zugleich, daß dennoch die Quantität des zirkulierenden Metallgelds sich vermehrt oder vermindert, im Verhältnis zu der Masse des im Lande existierenden Geldes, so wird es in der Tat »evident«, daß man unterstellt hat, was man zu beweisen vorgab. Mill fällt übrigens in denselben Fehler wie Hume, Gebrauchswerte, nicht Waren von gegebenem Tauschwert, zirkulieren zu lassen, und daher wird sein Satz falsch, selbst wenn man alle seine »Unterstellungen« zugibt. Die Zirkulationsgeschwindigkeit mag dieselbe bleiben, ebenso der Wert der edeln Metalle, ebenso die Quantität der zirkulierenden Waren, und dennoch mag mit dem Wechsel ihres Tauschwerts bald eine größere, bald eine geringere Geldmasse zu ihrer Zirkulation erheischt sein. Mill sieht die Tatsache, daß ein Teil des im Lande existierenden Geldes zirkuliert, während der andere stagniert. Mit Hilfe einer höchst komischen Durchschnittsrechnung unterstellt er, daß, obgleich es in Wirklichkeit anders scheint, in der Wahrheit alles in einem Lande befindliche Geld zirkuliert. Unterstelle, es liefen 10 Millionen Silbertaler zweimal während des Jahres in einem Lande um, so könnten 20 Millionen umlaufen, wenn jeder Taler nur einen Einkauf vollzöge. Und wenn die Gesamtsumme des in dem Lande in allen Formen befindlichen Silbers 100 Millionen Taler beträgt, so kann man unterstellen, daß die 100 Millionen umlaufen können, wenn jedes Geldstück in fünf Jahren einen Einkauf bewirkt. Man könnte auch unterstellen, daß alles Geld der Welt in Hampstead umläuft, aber jeder aliquote Teil desselben, statt etwa drei Umläufe in einem Jahr, einen Umlauf in 3000000 Jahren vollzieht. Die eine Unterstellung ist gerade so wichtig wie die andre für die Bestimmung des Verhältnisses zwischen Summe der Warenpreise und Quantität der Umlaufsmittel. Mill fühlt, daß es für ihn entscheidend wichtig ist, die Waren unmittelbar zusammenzubringen, nicht mit dem in Zirkulation befindlichen Quantum Geld, sondern mit dem Gesamtvorrat des jedesmal in einem Lande existierenden Geldes. Er gibt zu, daß die Totalmasse der Waren eines Landes sich »nicht auf einmal« gegen die Totalmasse des Geldes austauscht, sondern verschiedene Portionen Waren zu verschiedenen Epochen des Jahres gegen verschiedene Portionen Geld. Um dies Mißverhältnis zu beseitigen, unterstellt er, daß es nicht existiere. Übrigens ist diese ganze Vorstellung von dem unmittelbaren Gegenübertreten von Waren und Geld und ihrem unmittelbaren Austausch abstrahiert aus der Bewegung der einfachen Käufe und Verkäufe oder der Funktion des Geldes als Kaufmittel. Schon in der Bewegung des Geldes als Zahlungsmittel verschwindet diese gleichzeitige Erscheinung von Ware und Geld.[155]

Die Handelskrisen während des 19. Jahrhunderts, namentlich die großen Krisen von 1825 und 1836, riefen keine Fortentwicklung, wohl aber neue Nutzanwendung der Ricardoschen Geldtheorie hervor. Es waren nicht mehr einzelne ökonomische Phänomene, wie bei Hume die Depreziation der edeln Metalle im 16. und 17. Jahrhundert, oder wie bei Ricardo die Depreziation des Papiergeldes während des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts, sondern die großen Weltmarktsungewitter, worin der Widerstreit aller Elemente des bürgerlichen Produktionsprozesses sich entladet, deren Ursprung und Abwehr innerhalb der oberflächlichsten und abstraktesten Sphäre dieses Prozesses, der Sphäre der Geldzirkulation, gesucht wurden. Die eigentlich theoretische Voraussetzung, wovon die Schule der ökonomischen Wetterkünstler ausgeht, besteht in der Tat in nichts anderm als dem Dogma, daß Ricardo die Gesetze der rein metallischen Zirkulation entdeckt hat. Was ihnen zu tun übrigblieb, war die Unterwerfung der Kredit- oder Banknotenzirkulation unter diese Gesetze.

Das allgemeinste und sinnfälligste Phänomen der Handelskrisen ist plötzlicher, allgemeiner Fall der Warenpreise, folgend auf ein längeres, allgemeines Steigen derselben. Allgemeiner Fall der Warenpreise kann ausgedrückt werden als Steigen im relativen Wert des Geldes, verglichen mit allen Waren, und allgemeines Steigen der Preise umgekehrt als Fallen des relativen Werts des Geldes. In beiden Ausdrucksweisen ist das Phänomen ausgesprochen, nicht erklärt. Ob ich die Aufgabe stelle: zu erklären das allgemeine periodische Steigen der Preise, wechselnd mit allgemeinem Fall derselben, oder dieselbe Aufgabe so formuliere: zu erklären das periodische Fallen und Steigen des relativen Werts des Geldes, verglichen mit den Waren, die verschiedene Phraseologie läßt die Aufgabe ebenso unverändert, wie es ihre Übersetzung aus der deutschen in die englische Sprache tun würde. Ricardos Geldtheorie kam daher ungemein gelegen, da sie einer Tautologie den Schein eines Kausalverhältnisses gibt. Woher das periodische allgemeine Fallen der Warenpreise? Vom periodischen Steigen des relativen Werts des Geldes. Woher umgekehrt das allgemeine, periodische Steigen der Warenpreise? Von einem periodischen Fall im relativen Wert des Geldes. Es könnte ebenso richtig gesagt werden, daß das periodische Steigen und Fallen der Preise von ihrem periodischen Steigen und Fallen herrührt. Die Aufgabe selbst ist gestellt unter der Voraussetzung, daß der immanente Wert des Geldes, d.h. sein durch die Produktionskosten der edeln Metalle bestimmter Wert unverändert bleibt. Soll die Tautologie mehr als Tautologie sein, so beruht sie auf Verkennung der elementarischsten Begriffe. Wenn der Tauschwert von A gemessen in B fällt, so wissen wir, daß dies ebensogut von einem Fallen des Werts von A wie von[156] einem Steigen des Werts von B herrühren kann. Ebenso umgekehrt, wenn der Tauschwert von A gemessen in B steigt. Die Verwandlung der Tautologie in ein Kausalverhältnis einmal zugegeben, ergibt sich alles andre mit Leichtigkeit. Das Steigen der Warenpreise entspringt aus dem Fallen des Werts des Geldes, das Fallen des Geldwerts aber, wie wir von Ricardo wissen, aus übervoller Zirkulation, d.h. daher, daß die Masse des zirkulierenden Geldes über das durch seinen eignen immanenten Wert und die immanenten Werte der Waren bestimmte Niveau steigt, Ebenso umgekehrt das allgemeine Fallen der Warenpreise aus dem Steigen des Geldwerts über seinen immanenten Wert infolge einer untervollen Zirkulation. Die Preise steigen und fallen also periodisch, weil periodisch zu viel oder zu wenig Geld zirkuliert. Wird nun etwa nachgewiesen, daß das Steigen der Preise mit einer verminderten Geldzirkulation, und das Fallen der Preise mit einer vermehrten Zirkulation zusammenfiel, so kann trotzdem behauptet werden, infolge irgendeiner, wenn auch statistisch durchaus unnachweisbaren Verminderung oder Vermehrung der zirkulierenden Warenmasse sei die Quantität des zirkulierenden Geldes, obgleich nicht absolut, doch relativ vermehrt oder vermindert worden. Wir sahen nun, daß nach Ricardo diese allgemeinen Schwankungen der Preise auch bei einer rein metallischen Zirkulation stattfinden müssen, sich aber durch ihre Abwechslung ausgleichen, indem z.B. untervolle Zirkulation Fallen der Warenpreise, das Fallen der Warenpreise Ausfuhr der Waren ins Ausland, diese Ausfuhr aber Einfluß von Geld ins Inland, dieser Einfluß von Geld aber wieder Steigen der Warenpreise hervorruft. Umgekehrt bei einer übervollen Zirkulation, wo Waren importiert und Geld exportiert werden. Da nun trotz dieser aus der Natur der Ricardoschen Metallzirkulation selbst entspringenden allgemeinen Preisschwankungen ihre heftige und gewaltsame Form, ihre Krisenform, den Perioden entwickelten Kreditwesens angehört, so wird es sonnenklar, daß die Ausgabe von Banknoten nicht exakt nach den Gesetzen der metallischen Zirkulation reguliert wird. Die metallische Zirkulation besitzt ihr Hellmittel im Import und Export der edeln Metalle, die sofort als Münze in Umlauf treten und so durch ihren Einfluß oder Ausfluß die Warenpreise

fallen oder steigen machen. Dieselbe Wirkung auf die Warenpreise muß nun künstlich durch Nachahmung der Gesetze der Metallzirkulation von den Banken hervorgebracht werden. Fließt Gold vom Ausland ein, so ist das ein Beweis, daß die Zirkulation untervoll ist, der Geldwert zu hoch und die Warenpreise zu niedrig stehn und folglich Banknoten im Verhältnis zu dem neuimportierten Gold in Zirkulation geworfen werden müssen. Sie müssen umgekehrt der Zirkulation entzogen werden, im Verhältnis wie Gold aus dem Land ausströmt. In andern Worten, die Ausgabe der Banknoten[157] muß reguliert werden nach dem Import und Export der edeln Metalle oder nach dem Wechselkurs. Ricardos falsche Voraussetzung, daß GoldA13 nur Münze ist, daher alles importierte Gold das umlaufende Geld vermehrt, und darum die Preise steigen macht, alles exportierte Gold die Münze vermindert und darum die Preise fallen macht, diese theoretische Voraussetzung wird hier zum praktischen Experiment, so viel Münze zirkulieren zu machen, als jedesmal Gold vorhanden ist. Lord Overstone (Bankier Jones Loyd), Oberst Torrens, Norman, Clay, Arbuthnot und eine Unzahl andrer Schriftsteller, in England bekannt unter dem Namen der Schule des »currency principle«, haben diese Doktrin nicht nur gepredigt, sondern vermittelst Sir Robert Peels Bankakte von 1844 und 1845 zur Grundlage der bestehenden englischen und schottischen Bankgesetzgebung gemacht. Ihr schmähliches Fiasko, theoretisch wie praktisch, nach Experimenten auf der größten nationalen Stufenleiter, kann erst in der Lehre vom Kredit dargestellt werden.150 Soviel aber sieht man, wie Ricardos Theorie, die das Geld in seiner flüssigen Form als Zirkulationsmittel isoliert, damit endet, der Zu- und Abnahme der edeln Metalle eine absolute Einwirkung auf die bürgerliche Ökonomie zuzuschreiben, wie sie der Aberglaube des Monetarsystems nie geträumt hatte. So wurde Ricardo, der das Papiergeld für die vollendetste Form des Geldes erklärt, zum Propheten der Bullionisten.[158]

Nachdem Humes Theorie oder der abstrakte Gegensatz gegen das Monetarsystem so bis zur letzten Konsequenz entwickelt war, wurde Steuarts konkrete Auffassung des Geldes schließlich wieder in ihr Recht eingesetzt durch Thomas Tooke.151 Tooke leitet seine Prinzipien nicht aus irgendeiner Theorie her, sondern aus gewissenhafter Analyse der Geschichte der Warenpreise von 1793 bis 1856. In der ersten Ausgabe seiner Geschichte der Preise, die 1823 erschien, ist Tooke noch ganz befangen von der Ricardoschen Theorie und müht sich vergebens, die Tatsachen mit dieser Theorie auszugleichen. Sein Pamphlet »On the currency«, das nach der Krisis von 1825 erschien, könnte sogar als erste konsequente Aufstellung der später von Overstone geltend gemachten Ansichten betrachtet werden. Fortgesetzte Forschungen in der Geschichte der Warenpreise zwangen ihn jedoch zur Einsicht, daß jener direkte Zusammenhang zwischen Preisen und Quantität der Umlaufsmittel, wie ihn die Theorie voraussetzt, ein bloßes Hirngespinst ist, daß die Expansion und Kontraktion der Umlaufsmittel, bei gleichbleibendem Wert der edeln Metalle, stets Wirkung, nie Ursache der Preisschwankungen, daß die Geldzirkulation überhaupt nur eine sekundäre Bewegung ist, und daß das Geld im wirklichen Produktionsprozeß noch ganz andre Formbestimmtheiten erhält, als die des Zirkulationsmittels. Seine Detailuntersuchungen gehören einer andern Sphäre als der der einfachen Metallzirkulation an, und können daher hier noch nicht erörtert werden, so wenig wie die derselben Richtung angehörigen Untersuchungen von Wilson und Fullarton.152 Alle diese Schriftsteller fassen das Geld nicht einseitig, sondern in seinen verschiedenen Momenten auf, aber nur stofflich, ohne irgendeinen lebendigen Zusammenhang, sei es dieser Momente untereinander, sei es mit dem Gesamtsystem der ökonomischen Kategorien. Geld im Unterschied von Zirkulationsmittel werfen sie daher fälschlich mit Kapital zusammen oder gar mit Ware, obgleich sie andererseits wieder gezwungen sind, seinen Unterschied von beiden gelegentlich geltend zu machen.153 Wenn Gold z.B. ins Ausland geschickt wird, so wird in der[159] Tat Kapital ins Ausland geschickt, aber dasselbe findet statt, wenn Eisen, Baumwolle, Getreide, kurz jede Ware exportiert wird. Beide sind Kapital und unterscheiden sich daher nicht als Kapital, sondern als Geld und Ware. Die Rolle des Goldes als internationales Tauschmittel entspringt also nicht aus seiner Formbestimmtheit als Kapital, sondern aus seiner spezifischen Funktion als Geld. Ebenso wenn Gold oder an seiner Stelle Banknoten als Zahlungsmittel im innern Handel funktionieren, sind sie zugleich Kapital. Aber Kapital in der Form von Ware, wie die Krisen z.B. sehr handgreiflich zeigen, könnte nicht an ihre Stelle treten. Es ist also wieder der Unterschied des Goldes als Geld von der Ware, nicht sein Dasein als Kapital, wodurch es zum Zahlungsmittel wird. Selbst wo Kapital direkt als Kapital exportiert wird, um eine bestimmte Wertsumme, z.B. auf Zinsen im Ausland zu verleihen, hängt es von Konjunkturen ab, ob es in der Form von Ware oder von Gold exportiert wird, und wird es in der letztem Form exportiert, so geschieht es wegen der spezifischen Formbestimmtheit der edeln Metalle als Geld gegenüber der Ware. Überhaupt betrachten jene Schriftsteller das Geld nicht zuerst in der abstrakten Gestalt, wie es innerhalb der einfachen Warenzirkulation entwickelt wird und aus der Beziehung der prozessierenden Waren selbst hervorwächst. Sie schwanken daher beständig hin und her zwischen den abstrakten Formbestimmtheiten, die Geld im Gegensatz zur Ware erhält, und den Bestimmtheiten desselben, worin sich konkretere Verhältnisse, wie Kapital, revenue u. dergl. verstecken.154[160]


111

»Die Metalle besitzen die Eigentümlichkeit und Besonderheit, daß in ihnen allein alle Verhältnisse zurückgeführt sind auf eines, das ist ihre Quantität, daß sie von der Natur keine verschiedene Qualität erhalten haben, weder im innern Bau, noch in der äußern Form und Bearbeitung.« (Galiani, l.c. p. 126/127.)

112

Im Jahre 760 wanderte eine Masse armer Leute aus, um den Flußgoldsand südlich von Prag auszuwaschen, und drei Mann waren fähig, in einem Tag eine Mark Gold zu extrahieren. Infolge davon wurde der Zulauf zu den »diggings« und die Zahl der dem Ackerbau entzogenen Hände so groß, daß das Land das nächste Jahr von Hungersnot heimgesucht wurde. (Siehe M.G. Körner, »Abhandlung von dem Alterthum des böhmischen Bergwerks«, Schneeberg 1758 [p. 37 seq.])

113

Bisher haben die australischen usw. Entdeckungen das Wertverhältnis von Gold und Silber noch nicht berührt. Die gegenteiligen Behauptungen Michel Chevaliers sind gerade soviel wert wie der Sozialismus dieses Ex – St. – Simonisten. Die Quotationen des Silbers auf dem Londoner Markt beweisen allerdings, daß der Durchschnitts-Goldpreis des Silbers während 1850 bis 1858 um nicht ganz 3% höher steht als während der Periode 1830-1850. Dies Steigen ist aber einfach aus der asiatischen Silbernachfrage zu erklären. Während 1852-1858 wechselt der Silberpreis in den einzelnen Jahren und Monaten nur mit dieser Nachfrage, keineswegs mit der Goldzufuhr von den neu entdeckten Quellen. Folgendes ist eine Übersicht der Goldpreise des Silbers auf dem Londoner Markt (Preis des Silbers per Unze in Pence):

Jahr

März

Juli

November

1852

601/8 p.

601/4p.

617/8 p.

1853

613/8 p.

611/2 p.

617/8 p.

1854

617/8 p.

613/4 p.

611/2 p.

1855

607/8 p.

611/2 p.

607/8 p.

1856

60 p.

611/4 p.

621/8 p.

1857

613/4 p.

615/8 p.

611/2 p.

1858

615/8 p.

114

»Gold ist ein wunderbares Ding! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von allem, was er wünscht. Durch Gold kann man Seelen in das Paradies gelangen lassen.« (Columbus in einem Brief aus Jamaica, 1503.) [Note im Handexemplar.]

115

Diese Allmählichkeit gibt Hume übrigens zu, so wenig sie seinem Prinzip entspricht. Siehe David Hume, »Essays and treatises on several subjects«, ed. London 1777, vol. I, p. 300.

116

Conf. Steuart, l. c. t. I, p. 394-400.

117

David Hume, l.c. p. 300.

118

David Hume, l.c. p. 303.

119

David Hume, l.c. p. 303.

120

»Es ist klar, daß die Preise nicht so sehr abhängen von der absoluten Menge der Waren, und der des Geldes, die in einem Lande vorhanden sind, als von der Menge der Waren, die auf den Markt kommt oder kommen kann, und von dem Gelde, welches zirkuliert. Wenn das gemünzte Geld in Truhen verschlossen wird, so ist dies für die Preise dasselbe, als ob es vernichtet wäre; wenn die Waren in Magazinen und Kornspeichern aufgehäuft werden, so folgt die gleiche Wirkung. Da das Geld und die Waren in solchen Fällen nie zusammentreffen, können sie auch nicht aufeinander wirken. Das Ganze (der Preise) erreicht schließlich ein richtiges Verhältnis zu der neuen Menge des Metallgeldes, die im Lande ist.« (l.c. p. 303, 307, 308.)

A7

Im Handexemplar eingefügt; (1859) fehlt: ihren

121

Siehe Law und Franklin über den Surpluswert, den Gold und Silber aus Funktion als Geld erhalten sollen. Auch Forbonnais. [Note im Handexemplar.]

122

Diese Fiktion kommt wörtlich vor bei Montesquieu. [Note im Handexemplar.]

123

Steuart, l. c. t. I, p. 394 seq.

124

James Steuart. l.c. t. II, p. 377-379 passim.

125

l.c. p. 379-380 passim.

126

»Die zusätzlichen Münzen werden eingeschlossen werden, oder in Silbergeschirr verwandelt... Was das Papiergeld angeht, so wird es, sobald es den ersten Zweck erfüllt, das Bedürfnis dessen zu befriedigen, der es geborgt hat, zu dem Schuldner zurückkehren und realisiert werden... Laß das Metallgeld eines Landes deshalb in noch so großer Proportion vermehrt oder vermindert werden, die Waren werden doch steigen oder fallen gemäß den Prinzipien der Nachfrage und der Konkurrenz, und diese werden beständig von den Neigungen jener abhängen, die Eigentum oder irgendwelche Art von Gegenwert zu geben haben, aber niemals von der Menge der Münzen, die sie besitzen... Laß sie« (nämlich die Menge des Metallgeldes in einem Lande) »noch so klein sein, solange es wirkliches Eigentum irgendeiner Art im Lande gibt, und eine Konkurrenz des Konsumierens unter denen, die es besitzen, so werden die Preise hoch sein vermittels Tauschhandels, symbolischen Geldes, wechselseitiger Zahlungen und tausend anderer Erfindungen... Wenn dies Land Verkehr mit andern Nationen hat, so muß eine Proportion zwischen den Preisen von mancherlei Waren dort und anderswo bestehen, und eine plötzliche Vermehrung oder Verminderung des Metallgeldes, angenommen, es könnte von sich aus die Wirkung der Erhöhung oder Senkung von Preisen hervorrufen, würde durch ausländische Konkurrenz in ihrer Wirkung beschränkt werden.« Steuart, l. c. t. I, p. 400-401. »Die Zirkulation jedes Landes muß der gewerblichen Tätigkeit der Einwohner angepaßt sein, welche die auf den Markt kommenden Waren produzieren... Wenn das Hartgeld eines Landes unter die Proportion zu dem Preise der zum Verkauf angebotenen Gewerbetätigkeit sinkt, dann wird man zu Erfindungen, wie symbolischem Geld, seine Zuflucht nehmen, um ein Äquivalent dafür zu schaffen. Wenn sich aber herausstellt, daß das Metallgeld über der Proportion zu der Gewerbetätigkeit steht, wird es keine Wirkung der Preiserhöhung haben, noch wird es in die Zirkulation eintreten: es wird in Schätzen aufgehäuft werden. ... Wie groß immer die Menge des Geldes in einem Lande sein mag, im Verhältnis zu der übrigen Welt, so kann niemals etwas in Zirkulation bleiben als die Menge, die der Konsumtion der reichen und der Arbeit und Gewerbetätigkeit der armen Einwohner nahezu proportional ist«, und diese Proportion ist nicht bestimmt »durch die tatsächlich im Lande befindliche Menge Geldes« (l.c. p. 407-408 passim.). »Alle Länder werden sich bemühen, ihr bares Geld, das nicht für ihre eigne Zirkulation nötig ist, in jenes Land zu werfen, in dem der Geldzins im Verhältnis zu ihrem eignen hoch ist.« l.c. t. II, p. 5. »Das reichste Land in Europa kann das ärmste sein an zirkulierendem Metallgeld.« l.c. t. II, p. 6. – Sieh Polemik gegen Steuart bei Arthur Young. [Zusatz im Handexemplar.]

127

Steuart, l.c. t. II, p. 370. Louis Blanc verwandelt das »money of the society«, was nichts heißt als inländisches, nationales Geld, in sozialistisches Geld, was gar nichts heißt, und macht folgerecht Jean Law zum Sozialisten. (Sieh seinen ersten Band der Geschichte der französischen Revolution.)

128

Maclaren, l.c. p. 43 seq. Patriotismus hat einen zu früh verstorbenen deutschen Schriftsteller (Gustav Julius) verleitet, den alten Büsch als Autorität der Ricardoschen Schule gegenüberzustellen. Ehren-Büsch übertrug Steuarts geniales Englisch in Hamburger Platt und verballhornte sein Original so oft als möglich.

129

Dies nicht exakt. Spricht vielmehr an einigen Stellen das Gesetz richtig aus. [Note im Handexemplar.]

130

Der Unterschied von »currency« und »money«, d.h. von Zirkulationsmittel und Geld findet sich daher nicht im »Wealth of Nations«. Getäuscht von der scheinbaren Unbefangenheit Adam Smiths, der seinen Hume und Steuart sehr genau kannte, bemerkt der ehrliche Maclaren: »Die Theorie von der Abhängigkeit der Preise von der Menge der Zirkulationsmittel hat bisher noch nicht die Aufmerksamkeit auf sich gezogen; und Doktor Smith betrachtet gleich Herrn Locke« (Locke wechselt in seiner Ansicht) »das Metallgeld als nichts andres denn eine Ware.« (Maclaren, l.c. p. 44.)

131

David Ricardo, »The high price of Bullion, a proof of the depreciation of Banknotes«, 4. Edition, London 1811. (Die erste Ausgabe erschien 1809.) Ferner: »Reply to Mr. Bosanquet's practical observations on the report of the bullion committee«, London 1811.

132

David Ricardo, »On the principles of political economy etc.«, p. 77. »Der Wert der edeln Metalle hängt schließlich ab, wie der aller andern Waren, von der Totalquantität der Arbeit, nötig, um sie zu erhalten und auf den Markt zu bringen.«

133

l.c. p. 77, 180, 181.

134

Ricardo, l.c. p. 421. »Die Quantität Geld, die in einem Lande angewandt werden kann, hängt von seinem Wert ab. Zirkulierte Gold allein, so wäre fünfzehnmal weniger davon nötig, als wenn Silber allein angewandt würde.« Siehe auch Ricardo, »Proposals for an economical and secure currency«, London 1816, p. 8, wo er sagt: »Die Quantität der zirkulierenden Noten hängt ab von dem Betrag, der für die Zirkulation des Landes erheischt ist, und dieser ist geregelt durch den Wert der Maßeinheit des Geldes, den Belauf der Zahlungen und die Ökonomie in ihrer Realisierung.«

135

Ricardo, »Principles of political economy«, p. 432, 433.

A8

Im Handexemplar eingefügt; (1859) fehlt: relativen

A9

Im Handexemplar korrigiert; (1859) von allen anderen Formbestimmtheiten, die das Geld außer seiner Form als Zirkulationsmittel besitzt

136

David Ricardo, »Reply to Mr. Bosanquet's practical observations etc.«, p. 49. »Daß die Waren im Preis steigen oder fallen würden, im Verhältnis zur Vermehrung oder Verminderung des Geldes, setze ich als eine unbestreitbare Tatsache voraus.«

137

Ricardo, »The high price of Bullion etc.« »Geld würde in allen Ländern denselben Wert haben.« (p. 4.) In seiner politischen Ökonomie hat Ricardo diesen Satz modifiziert, aber nicht in einer Weise, die hier ins Gewicht fällt.

138

l.c. p. 3-4.

A10

Im Handexemplar eingefügt; (1859) fehlt: richtige

139

l.c. p. 4.

140

»Eine ungünstige Handelsbilanz kann nie anders als durch eine Überfülle von Zirkulationsmitteln entstehen.« (Ricardo, l.c. p. 11, 12.)

141

»Der Export des Hartgelds wird durch seine Billigkeit hervorgerufen und ist nicht die Wirkung, sondern die Ursache einer ungünstigen Bilanz« (l.c. p. 14).

142

l.c. p. 17.

A11

Im Handexemplar korrigiert; (1859) wirkendes

143

Ricardo, l.c. p. 74, 75. »Infolge einer schlechten Ernte würde England in die Lage eines Landes kommen, das eines Teils seiner Waren beraubt worden ist, und deshalb eines verringerten Betrags des zirkulierenden Mediums bedarf. Die Zirkulationsmittel, die vorher den Zahlungen gleich waren, würden jetzt überflüssig und verhältnismäßig billig werden seiner verringerten Produktion gegenüber. Die Ausfuhr dieser Summe würde deshalb den Wert des Zirkulationsmittels dem Wert der Zirkulationsmittel anderer Länder gegenüber wiederherstellen.« Seine Konfusion zwischen Geld und Ware, und zwischen Geld und Münze zeigt sich lächerlich in folgendem Satz: »Wenn wir annehmen können, daß nach einer ungünstigen Ernte, wenn England Gelegenheit für eine ungewöhnliche Einfuhr von Korn hat, ein andres Land einen Überfluß jener Artikel besitzt, aber kein Bedürfnis für irgendwelche Waren, so würde unzweifelhaft folgen, daß solch ein Land sein Korn nicht ausführen würde im Tausch gegen Waren: aber es würde Korn auch nicht gegen Geld ausführen, da dies eine Ware ist, die kein Land jemals absolut benötigt, sondern relativ.« (l.c. p. 75.) Puschkin in seinem Heldengedicht läßt den Vater seines Helden nie begreifen, daß Ware Geld sei. Daß Geld aber Ware ist, haben die Russen von jeher begriffen, wie nicht nur der englische Kornimport von 1838 bis 1842 beweist, sondern ihre ganze Handelsgeschichte.

144

Conf. Thomas Tooke, »History of prices« und James Wilson, »Capital, currency and banking«. (Letzteres Buch ist der Abdruck einer Reihe von Artikeln, die 1844, 1845 und 1847 im »London Economist« erschienen.)

145

James Deacon Hume, »Letters on the Cornlaws«, London 1834, p. 29-31.

A12

Im Handexemplar korrigiert; (1859) Geld

146

Thomas Tooke, »History of prices etc.«, London 1848, p. 110.

147

Vgl. W. Blake, die oben zitierten »Observations etc.«

148

James Mill, »Elements of political economy.« Im Text übersetzt aus der französischen Übersetzung von J. T. Parisot, Paris 1823.

149

l.c. p. 128-136 passim.

A13

Im Handexemplar korrigiert; (1859) Geld

150

Einige Monate vor dem Ausbruch der allgemeinen Handelskrise von 1857 saß ein Komitee des Hauses der Gemeinen, um Untersuchungen über die Wirkungen der Bankgesetze von 1844 und 1845 anzustellen. Lord Overstone, der theoretische Vater dieser Gesetze, erging sich in seiner Aussage vor dem Komitee in folgender Renommage: »Durch strenge und prompte Einhaltung der Grundsätze des Akts von 1844 ist alles mit Regelmäßigkeit und Leichtigkeit verlaufen, das Geldsystem ist sicher und unerschüttert, die Prosperität des Landes ist unbestritten, das öffentliche Vertrauen in den Akt von 1844 gewinnt täglich an Stärke. Wünscht der Ausschuß noch weitere praktische Belege für die Gesundheit der Prinzipien, auf denen dieser Akt beruht, und der wohltätigen Folgen, die er sichergestellt hat, so ist die wahre und hinreichende Antwort diese: Schauen Sie um sich; betrachten Sie die gegenwärtige Geschäftslage unseres Landes, betrachten Sie die Zufriedenheit des Volks; betrachten Sie den Reichtum und die Prosperität aller Klassen der Gesellschaft; und dann, nachdem dies geschehen, wird der Ausschuß imstande sein zu entscheiden, ob er die Fortdauer eines Akts verhindern will, unter dem solche Erfolge erreicht worden sind.« So stieß Overstone in seine eigene Posaune am 14. Juli 1857; am 12. November desselben Jahres hatte das Ministerium das wundertätige Gesetz von 1844 auf seine eigne Verantwortlichkeit zu suspendieren.

151

Tooke war gänzlich unbekannt mit Steuarts Schrift, wie sich aus seiner »History of prices from 1839 to 1847«, London 1848, ergibt, worin er die Geschichte der Geldtheorien zusammenfaßt.

152

Tookes bedeutendste Schrift, außer der »History of prices«, die sein Mitarbeiter Newmarch in sechs Bänden herausgegeben hat, ist »An Inquiry into the currency principle, the connection of currency with prices etc.«, 2. Edition, London 1844. Wilsons Schrift haben wir bereits zitiert. Es ist schließlich noch zu erwähnen John Fullarton, »On the regulation of currencies«, 2. Edition, London 1845.

153

»Es ist zu unterscheiden zwischen Geld als Ware, das heißt Kapital, und Geld als Zirkulationsmittel.« (Tooke, »An Inquiry into the currency principle etc.«, p. 10.) »Man kann sich darauf verlassen, daß Gold und Silber bei ihrer Zufuhr fast genau die benötigte Summe realisieren... Gold und Silber besitzen einen unendlichen Vorteil vor allen anderen Arten von Waren... durch den Umstand, daß sie allgemein als Geld im Gebrauch sind... Nicht in Tee, Kaffee, Zucker oder Indigo sind Schulden, ausländische oder einheimische, gewöhnlich vertragsgemäß zu zahlen, sondern in Münzen; und die Geldsendung, entweder in eben der bezeichneten Münze oder in Barren, die sofort in jene Münze verwandelt werden können, durch die Münzstätte oder den Markt des Landes, in das sie geschickt werden, muß dem Absender stets die sichersten, unmittelbarsten und genauesten Mittel bieten, um diesen Zweck zu erreichen ohne Gefahr eines Fehlschlags wegen Mangels an Nachfrage oder Schwanken des Preises.« (Fullarton, l.c. p. 132, 133.) »Jeder andre Artikel« (außer Gold und Silber) »kann in Menge oder Art außerhalb der gewöhnlichen Nachfrage des Landes stehn, in das er gesandt wird.« (Tooke, »An Inquiry etc.« [p. 101.)

154

Die Verwandlung des Gelds in Kapital werden wir betrachten im 3. Kapitel, das vom Kapital handelt und den Schluß dieses ersten Abschnitts bildet.

Quelle:
Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin 1961, Band 13.
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